„Ich will nicht in den Kindergarten“, jammert mein Kind. Der Wäscheberg türmt sich, die Dokumente für das Seminar sind noch nicht parat, und in drei Stunden geht mein Zug nach Berlin. Mein Partner sitzt unbehelligt am Computer und lässt die Hektik des Morgens an sich abperlen. Könnte er nicht auch mal anbieten, das Kind in den Kindergarten zu bringen, wenigstens dann, wenn er Home Office hat? Ohne mit ihm zu sprechen, steigere ich mich in meinen Unmut hinein.

Männer machen Karriere und erzählen dann auf der Bühne oder im Small Talk rührselige Geschichten, was sie Tolles mit ihren Kindern machen – meist im Urlaub oder am Wochenende. Wenn Männer in Deutschland oder der Welt herumtingeln, dann sagt keine Erzieherin zu ihnen „du bist ja so oft weg“. Auch sehe ich im Alltag hauptsächlich Mamas, die ihre Kinder in die Kita bringen, zum Fußball oder zum Ballett fahren oder einspringen, wenn die Kita mal wieder geschlossen ist. Klar macht man das alles gerne – aber in manchen Momenten scheint der Spagat einfach zu viel. Ich steigere mich schön hinein in meinen negativen Gedankenkreislauf. „Du kannst alles schaffen“, heißt es doch immer so schön bei den Motivationstrainern. Komisch, dass da immer noch mehrheitlich Männer auf der Bühne stehen.

Was bedeutet „Erfolg“ überhaupt?

Doch was heißt überhaupt „geschafft“? Reich und berühmt? Bewundert? Erfolgreich? Und was bedeutet „Erfolg“? Laut Duden ist es das „positive Ergebnis einer Bemühung; Eintreten einer beabsichtigten, erstrebten Wirkung.“ Man muss sich also um etwas bemüht haben – aber auch eine Absicht gehabt haben. Und dafür muss man ja erstmal wissen, was die Absicht ist. „Erfolg“ sollten wir demnach nicht an von außen diktierten Zielen messen, sondern daran, was vorher unsere „Absicht“ war und ob wir diese Absicht umgesetzt haben. Es lohnt sich also, sich mit den eigenen Zielen und Visionen zu beschäftigen statt es anderen beweisen zu wollen.

Wer urteilt am Ende?

Denn wer beurteilt uns, wenn wir am Ende unseres Lebens stehen? Nicht unser Chef, nicht unser Partner, nicht die Gesellschaft. Keiner steht da und sagt zu uns „du hast die Beförderung nicht bekommen“ oder „du hast dein Auto nicht oft genug gewaschen“. Wer entscheidet letztlich darüber, ob mein Leben für mich Sinn gemacht hat? Nur ich selbst. Vielleicht hat das Leben nicht mal einen Sinn. Aber wenn ich mich entscheide, daran zu glauben, dass ich nicht aus Zufall hier bin, dann macht das Ganze einen Sinn. Wenn ich für mich definiere, was „sinnvolles Leben“ bedeutet, dann gehe ich meinen eigenen Weg und nicht mehr den der Gesellschaft.

Meine trüben Gedanken verfliegen langsam. Ich weiß genau, dass ich selbst es jederzeit in der Hand habe, meine Einstellung und somit mein Erleben zu verändern. Ich weiß, dass ich nicht Opfer der äußeren Umstände bin, sondern selbst gestalten kann. Dass die Veränderung im Außen mit der Veränderung der inneren Sichtweise beginnt. Und das bedeutet auch zu akzeptieren: Das Leben darf auch mal nicht perfekt sein, ja sogar anstrengend oder nervig. Wir als Menschen müssen nicht perfekt sein, das stresst nur. Wir dürfen uns ärgern, Fehler machen und darüber lachen. Wir dürfen unsere Unzulänglichkeiten annehmen, diese zeigen und uns immer wieder neu ausprobieren.

Perfektionismus macht nicht glücklich, so bestätigt es die Glücksforschung. Erkenntnisse aus vielen Studien zeigen: nicht erfolgreiche Menschen sind glücklicher, sondern glückliche Menschen sind erfolgreicher. Sie sind kreativer, hilfsbereiter, motivierter und sozial kompetenter. Sie ruhen in sich statt ständiger Anerkennung oder Statussymbolen hinterher zu hetzen. Die Anerkennung finden sie in sich selbst – in Form von Selbstliebe und innerer Fülle. Wenn diese gegeben ist, dann kommt auch der „Erfolg“ im Außen.

Schritte der Veränderung

Doch wie lässt sich die innere Einstellung verändern? Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Zum Beispiel Dankbarkeit über das, was wir für selbstverständlich halten – ein Dach über dem Kopf, Leben in Freiheit oder genug zu Essen. Ein Lächeln zu den Menschen auf der Straße, ein liebevolles Wort zum Kind, selbst wenn es gerade jammert. Eine Umarmung und ein Dankeschön als Wertschätzung für den Partner, der auf seine Art und Weise unendlich viel beiträgt. Und Nachsicht uns selbst gegenüber, wenn wir nicht alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben. Wir müssen nicht alles perfekt machen. Vielmehr können wir darauf vertrauen, dass sich vieles von selbst erledigt. Oder, wie Dr. Madan Kataria, der Erfinder des Lachyoga, es passend ausdrückt: „Do your best and leave the rest.“

Glücksgedanken

  • Nur wir selbst definieren, was „Erfolg“ für uns bedeutet
  • Wenn wir dem Leben einen „Sinn“ geben, dann werden wir es auch als sinnvoll erleben
  • Veränderung beginnt mit den kleinen Dingen: Dankbarkeit leben, Menschen wertschätzen
  • Am Ende entscheidest nur du, ob du „dein Leben“ gelebt hast

Zitate
„Do your best and leave the rest“ Dr. Madan Kataria

Gedicht „Der Mensch im Spiegel“ nach Dale Wimbrow…

Audio

Meditation „Selbstakzeptanz“ für die Harmonisierung der Persönlichkeit…

Videos

Lachyoga-Übung: „ich weiß nichts, ich weiß überhaupt nichts…“ mit Norbert Hagen

Lachyoga-Übung „Guru-Lachen“ mit Angela

2 Kommentare
  1. Heidelore
    Heidelore sagte:

    Von meiner Tochter erhalte ich im Advent täglich ein liebevoll und individuell ausgesuchtes Foto. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Gestern war es mit Text versehen: Eine Hütte, in der man lacht, ist besser als ein Palast, in dem man weint.
    Heute kam ein selbstgepflückter Strauß mit Wiesenblümchen an: Klee, Gänseblümchen, Löwenzahn.
    Danke, liebe Angela, für deine neuen Anregungen.

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