Motion creates Emotion: die innere Einstellung über den Körper verändern

Motion creates Emotion: die innere Einstellung über den Körper verändern

Früher war ich oft in einem Grübelkreislauf gefangen: Mit Sorgen über die Vergangenheit, die Zukunft, über die Ungerechtigkeiten des Lebens allgemein und mir selbst gegenüber. Ich wusste letztendlich, dass ich oft sehr pessimistisch war und es mir in der Opferrolle bequem gemacht hatte –  aber ich hatte keine Ahnung, wie ich das ändern konnte. Ich wollte ja fröhlich und optimistisch sein, aber es ging irgendwie nicht.

Dann traf ich die wichtigste Entscheidung meines Lebens: mein Glück in die Hand zu nehmen. Der erste Schritt war der Besuch eines Seminars zum Thema Persönlichkeitsentwicklung. Erwartungsvoll kam ich dort an – und rechnete mit einer Art „Selbsthilfegruppe“, bei der im Stuhlkreis jeder über seine Probleme lamentieren würde und wir diese dann ausführlich psychologisch analysieren würden. Doch es kam anders. Fetzige Musik wurde aufgedreht und es wurde erstmal ordentlich abgetanzt. Und das jeden Morgen – noch vor dem Frühstück! „Habe ich hier so viel Geld bezahlt, um zu einem Tanzworkshop zu gehen?“ sagte ich ironisch zu meiner Zimmergenossin. War mir als Morgenmuffel doch so gar nicht danach, schon morgens einfach nur abzutanzen und die gute Laune der anderen zu ertragen.

Mit finsterer Miene ergab ich mich meinem Schicksal. Am dritten Tag dachte ich mir schließlich: Na gut, wenn die das so wollen, dann werde ich jetzt halt ganz übertrieben so tun, als ob ich Spaß habe. Und siehe da: ich hatte tatsächlich einen Riesenspaß! Und was noch viel erstaunlicher war: all meine Emotionen kamen endlich wieder ins Fließen. Es flossen die Tränen, aber es kam auch eine unbändige, begeisterte Freude auf, so wie ich sie lange nicht mehr erlebt hatte. Ich war in einem Zustand, in dem mentale Arbeit überhaupt erst möglich wurde. In diesem Moment wurde mir klar: Der Körper ist der beste Schlüssel, um an unsere – auch unbewussten – Emotionen heran zu kommen und wirkliche Veränderungen anzustoßen.

Diese Erkenntnis war für mich der Beginn eines Weges, der durch Nachdenken oder Willenskraft allein nicht möglich gewesen wäre. Heute setze ich selbst in meinen Seminaren immer wieder Körperarbeit ein, ob es nun Lachyoga, Yoga, Atemübungen, Berührungselemente, dynamische Meditationen oder Tanzsequenzen sind. Doch warum ist das so hilfreich?

Bewegung macht gute Laune

Hast du auch ab und zu solche Tage, an denen du dir vorgenommen hast, Sport zu machen, aber dich nur schwer aufraffen kannst? Je nachdem, wie dein „Schweinehund“ drauf ist, bleibst du dann auf der Couch sitzen oder überwindest dich mit Mühe. In letzterem Fall wirst du vielleicht hinterher merken, dass deine Stimmung besser ist, du dich voller Energie fühlst und du froh bist, doch Sport gemacht zu haben. Noch nie habe ich am Ende meines Yoga-Kurses gehört, „ach, wäre ich bloß nicht gekommen“, aber oft „ich bin froh, dass ich mich aufgerafft habe.“

Dass Bewegung sogar gegen Depressionen hilft, zeigt eine Studie, die mit Depressiven durchgeführt wurde (Babyak, 2000). Während die eine Gruppe Anti-Depressiva einnahm, trieb die andere Gruppe drei Mal die Woche Sport. Nach 10-20 Tagen zeigten diejenigen, die die Anti-Depressiva genommen hatten, die ersten Verbesserungen. Aber die „Sportgruppe“ holte auf: nach einem Monat zeigte sich bei den Probanden eine ebenso positive Entwicklung. Nach vier Monaten waren beide Gruppen gleichauf. Noch spannender: 6 Monate nach Beendigung der Maßnahmen wurden 38% aus der „Anti-Depressiva-Gruppe“ wieder rückfällig. Von denjenigen, die Sport getrieben hatten, waren es nur 8%. Wissenschaftler bestätigen: Sport hilft, Ängste zu senken und Stress zu reduzieren. Das Immunsystem wird gestärkt und wir werden kreativer. Es lohnt sich, den Schweinehund zu überwinden, die Yogamatte rauszuholen oder einen auch einfach einen Spaziergang im Wald zu machen.

Die Körperhaltung wirkt sich auf die Gefühlslage aus

Kennst du die Empfehlung, eine Minute zu lächeln, wenn du dich über irgendetwas ärgerst? Wer es schon mal ausprobiert hat, weiß: das ist am Anfang ziemlich albern, aber irgendwann kommt man gar nicht umhin, zumindest ein wenig über sich selbst zu schmunzeln. Woran liegt das? Allein die körperliche Aktivität des Lächelns sorgt dafür, dass bestimmte Signale an das Gehirn gesendet werden, die eine Stimmungsänderung erzeugen. Das funktioniert sogar, wenn die Körperhaltung nicht willentlich oder absichtlich erzeugt wurde. In der sogenannten „Lächelstudie“ wurden beispielsweise Probanden gebeten, einen Stift quer in den Mund zu nehmen – ihre Stimmung war hinterher nachweislich besser als bei der Vergleichsgruppe. Weiterhin fand man heraus, dass Menschen, die regelmäßig eine Zeit lang eine aufrechte Körperhaltung einnahmen, mehr Selbstbewusstsein ausstrahlten und dies am Ende auch hatten.

Diese Beispiele zeigen: nicht nur der Körper ist ein „Spiegel der Seele“, indem er unsere Gefühlslage ausdrückt. Sondern unsere Körperhaltung hat umgekehrt einen direkten Effekt auf unsere Stimmung und auf die Seele. Im Yoga weiß man es schon lange: hier wird auf eine stabile, aufrechte und selbstbewusste Körperhaltung Wert gelegt, bevor man überhaupt mit den ersten Positionen anfängt. Alle Übungen haben hier seelische Effekte: die Arme nach oben und zur Seite ausstrecken stärkt die „Aura“ und somit die Resilienz gegen negative Ereignisse oder Menschen. Andere Übungen dienen der Herzöffnung (z.B. Kamel oder Fisch) oder der Erhöhung der Stand- und Durchsetzungsfähigkeit (wie der „Krieger“). Im Lachyoga geht man noch weiter und nutzt die Wirkung des absichtlichen Lachens. Denn ein positiver Effekt für die Emotionen tritt auch dann ein, wenn das Lachen anfänglich nur motorisch aktiviert wurde. Im Körper werden die Glückshormone angekurbelt und somit wird die Stimmung direkt und merklich erhöht.

Veränderung geht leichter über den Körper als durch Willenskraft

Das Schöne dabei: Du kannst ab jetzt damit aufhören, alles zu analysieren oder dir einen Kopf zu machen, wie du selbstbewusster, stärker, besser gelaunt oder mutiger wirst. Klar ist hier manchmal auch eine grundsätzliche Veränderung der Denkweise erforderlich. Aber durch gezielte Körperübungen kannst du bewusst die gewünschten Gefühle erzeugen und verstärken. Wenn du dies regelmäßig machst, dann ändern sich nicht nur kurzfristig deine Gefühle, sondern auch langfristig die innere Einstellung – hin zu mehr Freude, Selbstbewusstsein, innerer Kraft und positiver Ausstrahlung.

Der Autor Norbekov beschreibt es in seinem Buch „Eselsweisheiten“. Wir haben drei Bereiche in uns: das Gedankenzentrum, das emotionale Zentrum und das Zentrum zur Steuerung der Muskeln. Ihm zufolge ist es viel einfacher, eine bestimmte Muskelaktivität auszuführen als sich willentlich in eine bessere Stimmung versetzen zu wollen, so nach dem Motto „reiß dich mal zusammen.“

Auch beim Trend des sogenannten „Power Posing“ geht es darum, sich durch bestimmte Haltungen in eine kraftvollere und selbstbewusstere Haltung zu versetzen. Die amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy hat festgestellt, dass bestimmte Haltungen (so die „Siegerhaltung“ mit den Armen nach oben geöffnet) uns bereits angeboren sind. Auch Blinde reißen die Arme nach oben, wenn sie in einem Wettbewerb gewonnen haben. Weiterhin hat sie erkannt, dass der jeweilige Hormonspiegel eine Rolle dafür spielt, ob jemand eine Führungspersönlichkeit ist oder sich eher unterbuttern lässt. Um selbstbewusster aufzutreten, empfiehlt sie zum Beispiel folgende Haltungen:

  • Cowboy- oder Wonderwoman-Haltung: Stelle dich breitbeinig hin, die Hände in die Hüfte gestemmt.
  • Siegerhaltung: Hüftbreit hinstellen, die Arme nach oben gestreckt.
  • Entspannt am Schreibtisch: Füße auf den Tisch legen, die Arme hinter dem Kopf verschränkt.

Die Parallelen zum Yoga und auch zum Lachyoga sind unverkennbar.

Training für den Körper ist auch Training für die Seele

Wenn es tatsächlich stimmt, dass die Körperhaltung eine solch entscheidende Wirkung auf den seelischen Zustand hat, dann ist es umso trauriger zu sehen, wie viele Menschen täglich Raubbau an ihrem Körper und an ihrer Seele betreiben. Durch Mangel an Bewegung oder ständiges sich selbst klein machen, indem sie über dem Schreibtisch oder am Smartphone eine gekrümmte Haltung einnehmen. Die Folgen sind nicht nur Haltungsschäden, sondern nachweislich auch die Zunahme der Depressionsrate. Veränderung könnte einfacher sein als man oft denkt.

Doch hier kommt dann wieder die Willenskraft ins Spiel: nur wer wirklich die Bereitschaft und den Wunsch hat, etwas im Leben zu verändern, wird bereit sein, „sich zu bewegen“. Es braucht 30 – 40 Tage, bis sich neue Verknüpfungen im Gehirn gebildet haben. Je öfters wir bestimmte Emotionen auslösen, umso leichter werden sie mit der Zeit ausgelöst. Wie wir diese Emotionen auslösen – ob durch förderliche Gedanken oder durch Muskelaktivität – das ist dem Gehirn egal. So können wir unser Gehirn darauf trainieren, Freude, Power und Selbstbewusstsein zu empfinden – und dies auch auszustrahlen.

Lange habe ich gebraucht, um das zu verstehen. Doch der beste Zugangsweg, um an sich selbst und an der eigenen inneren Einstellung zu arbeiten, ist tatsächlich: kräftig abtanzen oder ablachen! Und das macht dann auch noch jede Menge Spaß.

Happiness Gedanken für die Woche

  • Die Körperhaltung spiegelt nicht nur unsere Gefühle wider, sondern beeinflusst auch umgekehrt die Stimmung
  • Durch gezielte Körperhaltungen und Übungen können wir uns in einen bestimmten emotionalen Zustand versetzen
  • Langfristig können wir dadurch in unserem Gehirn Veränderungen bewirken und uns in eine positive Grundhaltung – zum Beispiel Freude, Selbstbewusstsein oder Charisma – versetzen.

Happiness Tipps für die Woche

  • Gehe spazieren oder mache Sport – mindestens 3 Mal die Woche
  • Versuche in Situationen, in denen du dich über jemanden ärgerst, eine Minute zu lächeln
  • Stelle dich täglich 2 Minuten lang in die „Siegerpose“ – Arme hoch, Beine etwas auseinander – und lächeln!

Weitere Tipps und Anregungen

3 Gedanken zu “Motion creates Emotion: die innere Einstellung über den Körper verändern”

  1. Auch von mir lieben Dank! Ich möchte noch eine eigene Erfahrung für das Tagesende ergänzen: Ich achte darauf, wie ich liege. Wenn Körper und Kopf eine Linie bilden, kann Energie besser fließen (Norbekov). Das nutze ich so für die Nacht.
    Liebe Grüße und erholsame Nächte
    Heidelore

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