Veränderung war immer Teil meines Lebens. Ich bin mindestens 20 Mal umgezogen, habe an 12 verschiedenen Orten gelebt, davon vier im Ausland, und in mindestens 10 verschiedenen Jobs gearbeitet. Auch meine „Lebensabschnittsgefährten“ haben öfters gewechselt. Das habe ich mir nicht ausgesucht. Ich mag zwar Freiheit und Abenteuer, aber oft habe ich mich nach mehr Beständigkeit und Sicherheit gesehnt.

Nicht festklammern, sondern loslassen – nur wie?

Doch immer wenn ich das Gefühl hatte, jetzt kann ich mich mal zurücklehnen, hat das Leben mich wieder aus meiner Komfortzone heraus geschubst – manchmal auch ziemlich hart, anhand von Jobverlust oder ungewollten Trennungen. Je mehr ich mich an etwas festgeklammert habe, umso schneller ist es zwischen meinen Händen in Scherben zerbrochen. Mein Nicht-Loslassen-Wollen hat micht dazu gezwungen, loszulassen.

Weißt du, wie in Indien die Affen gefangen werden? Die Jäger legen eine Banane in eine Kokosnuss, deren Öffnung gerade so groß ist, dass die Pfote hindurch passt. Der Affe umfasst seine Beute, macht die Pfote zur Faust und kommt nicht mehr heraus, weil er krampfhaft daran festhält. Der Jäger hat dann ein leichtes Spiel.

Genauso habe ich damals versucht, alles festzuhalten – den Job, den Partner, die Sicherheit – in der Hoffnung auf mehr Beständigkeit in meinem Leben. Doch vergeblich. Bis ich von einem Trainer einen entscheidenden Satz hörte, der mein Leben veränderte:

„Veränderung ist die einzige Konstante im Leben“

Mir wurde klar: Es geht darum, die Veränderung anzunehmen. Die Wellen des Lebens gehören dazu, und wir können uns nicht dagegen wehren. Es kann sogar Spaß machen, darauf zu reiten. Wenn wir lernen, Veränderungen als Teil des Lebens anzunehmen, gehen wir darin nicht mehr unter. Wie bei einem Surfer: Er paddelt in das Meer, nutzt die Kraft der Wellen und hat jede Menge Spaß dabei. Wenn es ihn umhaut, stellt er sich wieder drauf und surft weiter.

Als ich mit diesem Bild meine Sichtweise änderte, passierte etwas Erstaunliches: mein Leben wurde beständiger. Die Abstände zwischen Job-, Stadt-, und Partnerwechsel wurden größer. Und irgendwann hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein. Wenn Veränderung ansteht, dann geht es sanft und ohne Drama. Schließlich bin ich mittlerweile darin geübt, immer wieder die Komfortzone zu erweitern.

Viele von den Menschen, die ich früher beneidet habe – weil sie die „sichere Variante“ des Lebens gewählt haben, mit Hochzeit, Hausbau, sicherem Job – sind mittlerweile getrennt oder haben aufgrund von Umstrukturierungen mindestens einmal ihren Job verloren. Andere wiederum sagen mir, dass sie nichts lieber tun würden, als aus ihrem Hamsterrad auszusteigen. Veränderung geht an keinem vorbei. Doch wie viel oder wenig davon ist gut?

Macht Veränderung glücklich?

Veränderungsbereitschaft ist Typsache. Manche sind schnell überfordert. Sie brauchen die äußere Sicherheit. Auf der anderen Seite sprechen Psychologen von den „Sensation Seekers“, die immer wieder den Kick brauchen, um nicht in Langeweile unterzugehen. Sie werden dann zu Freeclimbern, Base Jumpern oder Höhlentauchern. Aber auch diejenigen, die Beziehungen oder Jobs beenden, sobald sich Routine einstellt oder etwas nicht passt, zählen als „Sensation Seekers“.

Dann gibt es die Menschen, die jahrelang ein scheinbar „normales“, geradliniges Leben geführt haben. Bis die Sinnkrise oder ein Schicksalsschlag sie dazu brachte, den Sprung aus der Sicherheit zu wagen und sich komplett neu zu orientieren. Sie verfolgen mutig ihren Lebenstraum: Der Bänker, der zum Yogalehrer wird, die Ärztin, die nach Nepal auswandert, um in einem Entwicklungshilfeprojekt zu arbeiten oder der Anwalt, der auf LKW-Fahrer umsattelt. Befragt man diese Menschen, so ist das Fazit bei den meisten: Sie haben zwar weniger Status und Geld als vorher, sind aber glücklicher. Doch ob ein solcher Schritt realisierbar scheint, hängt auch von der Lebensphase ab.

Wann macht Veränderung Sinn?

Forscher des Max-Planck-Instituts haben festgestellt, dass Menschen bis 30 eher bereit sind für Veränderung. Es hängt noch nicht so viel dran, wie Kinder, eigenes Haus oder Karriere. Danach ist vielen das Risiko zu hoch. Erst ab Mitte 60 steigt wieder die Veränderungsbereitschaft. Man tritt in eine neue Lebensphase ein, die Kinder sind aus dem Haus, es geht wieder leichter.

Grundsätzlich ist das Bedürfnis nach Sicherheit tief in uns verankert. Unser Gehirn ist darauf programmiert, effizient zu arbeiten und möglichst viele Prozesse automatisch ablaufen zu lassen. Selbst im Ruhezustand verbrauchen unsere 80 Milliarden Nervenzellen im Gehirn viel Energie. Routinierte Abläufe reduzieren den Stress und verschaffen uns ein ruhiges Gefühl. Was dazu führt, dass wir oft lieber den Status Quo beibehalten als etwas zu ändern, auch wenn dieser nicht mehr angenehm ist.

Neue Erlebnisse? Glückstraining für’s Gehirn!

Trotzdem lohnt sich der Schritt aus der Komfortzone: In einer Studie wurden Menschen befragt, die mit großen Veränderungen im Leben rangen. Sechs Monate nach der Entscheidung waren diejenigen glücklicher, die sich für die große Veränderung entschieden hatten. Aber es geht auch im Kleinen. Alles, was das Gehirn aus der Routine herausreißt, mag sich zunächst ungewohnt anfühlen. Laut Forschung aktivieren jedoch gerade neue, positive Erfahrungen das Gehirn und überfluten das Belohnungszentrum mit Glückshormonen.

Schon kleine Erlebnisse reichen dafür aus. Probiere es mal aus: ein neues Musikstück hören, mal irgendwo hingehen, wo du sonst nie landen würdest: Nähkurs, Doppelkopfabend, Salsa-Tanzkurs oder Infoabend zum Thema Renaissance. Vielleicht mal wahllos in einen Zug oder eine S-Bahn steigen, irgendwo aussteigen, wo du noch nie warst und dort in die Eckkneipe gehen. In ein Land reisen, wo du noch nie warst.

Wenn also ein kompletter „Reset“ im Leben nicht ansteht, dann kannst du auch im Kleinen dafür sorgen, dass das Gehirn aktiv bleibt und dich mit Glücksgefühlen versorgt. Das ist wie eine Art „Training“: Wenn du innerlich flexibel bist und eine positive Grundeinstellung hast, dann bist du gut aufgestellt, wenn mal eine „große“ Veränderung im Leben ansteht. Egal, ob diese durch äußere Umstände erzwungen wird, oder du dich selbst dafür entscheidest.

Happiness Gedanken

  • Wir können nichts halten, indem wir uns daran festklammern
  • Sobald wir die Veränderung als Teil des Lebens akzeptieren, geht alles leichter
  • Wir können unser Gehirn auf Veränderung programmieren, indem wir im Alltag neue Erfahrungen suchen
  • Wenn wir im Kleinen neue Erfahrungen erleben, sind wir für große Veränderungen besser gewappnet.
  • Die Surfer machen es vor: auf den Wellen reiten, genießen, und wenn es uns umhaut, einfach wieder aufstehen

Happiness Tipp

Suche dir eine ungewöhnliche Aktivität, etwas, was du noch nie oder selten gemacht hast. Tue dies in einem Bewusstsein von kindlicher Neugier, Freude und Offenheit. Fühle hinein, wie es dir dabei geht und hab Spaß daran!

Zitate

»Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.« Chinesisches Sprichwort

»Es sind nicht die äußeren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äußern.«, Wilma Thomalla, Deutsche Publizistin

»Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.« Charles Darwin, Englischer Naturforscher

Buchtipp

„Mut. Lebe wild und gefährlich“ von Osho – hier direkt bei Amazon bestellen…

 

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