Angela Mecking

Keine Zeit?

Achtsamkeit im Alltag leben – mehr in diesem Kurs…

Gibt es bei dir auch so Momente im Leben, in denen du nur noch funktionierst und versuchst, alles erledigt zu kriegen? Und du trotzdem abends das Gefühl hast, nichts geschafft zu haben? Ich muss gestehen, ich ertappe mich regelmäßig dabei. Ich versuche dann, meine Tage wieder bewusster zu planen und mir weniger vorzunehmen. Das klappt mal gut, mal nicht so gut.

In meinem Umfeld bekomme ich mit, dass es vielen so geht: vor lauter Stress kommen wir nicht mehr dazu, die Dinge zu tun, die uns mit neuer Energie aufladen, die uns entspannen und gut tun. Wenn wir jedoch anfangen, auf Sport, Yoga, Meditation oder Ruhephasen zu verzichten, dann haben wir im ersten Moment vielleicht etwas Zeit gespart. Doch was haben wir von dieser gewonnenen Zeit, wenn uns irgendwann die Puste ausgeht? Wir immer öfters schlapp, müde oder unkonzentriert sind? All die Aufgaben, die sich türmen – beruflich wie privat – sind damit weder schneller noch besser erledigt. Und Spaß macht es schon gar nicht mehr.

Schärfe deine Axt

Wenn ich mich dabei erwische, mal wieder lustlos im Internet zu surfen und nichts auf die Reihe zu kriegen, dann weiß ich: Es ist mal wieder Zeit, meine Axt zu schärfen. Dieses Bild finde ich sehr passend – es basiert auf der „Geschichte vom Holzfäller“, in der genau dieses Paradox beschrieben wird: Es geht dabei um einen ehrgeizigen Holzfäller, der sich wahnsinnig anstrengt, um möglichst viele Bäume zu fällen und jeden Tag noch mehr Arbeit zu schaffen (gesamte Geschichte, siehe unten). Es klappt aber nur dürftig, so sehr er sich auch anstrengt. Als ihn der Vorarbeiter nach ein paar Tagen fragt, ob er denn schon seine Axt geschärft habe, entgegnet der Holzfäller: „Nein, dazu hatte ich keine Zeit“.

Wofür nimmst du dir keine Zeit – obwohl du vielleicht weißt, dass es dir gut tun und dir Energie geben würde? Wo kommt bei dir die Erholung, wo das Genießen zu kurz? Mit anderen Worten: Wo und wie kannst du deine Axt wieder schärfen?

Warum sind Pausen so wichtig?

Im Leistungssport hat man längst erkannt, dass die Regenerationszeiten genauso wichtig sind wie die Trainingszeiten selbst. Wer für einen Marathon trainiert, sollte nicht kurz vorher jeden Tag die Strecke laufen, sondern Zeit für den Energieaufbau einplanen.

Auch im Arbeitsalltag weiß man längst, dass Pausen die Leistung erhöhen. Gerade mehrere Pausen über den Tag verteilt wirken sich positiv auf die Wachheit und Konzentrationsfähigkeit aus. Dabei ist es jedoch wichtig, diese Pausen bewusst zu genießen. Also lieber einen „Power Nap“, einen Spaziergang oder eine kleine Entspannungseinheit einlegen statt mit dem Pausenbrot am Monitor zu hängen und wahllos im Internet zu surfen.

Kreativitätsforscher (z.B. Ernst Pöppel, Münchner Institut für Medizinische Psychologie) halten Momente der „geistigen Ruhe“ für die wichtigsten Phasen, in denen Kreativität überhaupt entstehen kann. Nicht ohne Grund kommen gute Ideen uns eher in der Badewanne als im Konferenzraum (siehe auch Blogartikel „Flow“).

In der Hirnforschung hat man festgestellt, dass im Leerlauf-Modus – also wenn das Gehirn gerade keine bestimmte Aufgabe zu erledigen hat – nochmal ganz andere Hirnregionen aktiv sind als im Arbeitszustand. Man geht davon aus, dass in solchen Momenten alles Gelernte nochmal sortiert und verarbeitet wird – genauso wie es ja auch im Schlaf geschieht.

Glücksmomente und Genuss

Wann immer du also denkst, keine Zeit für Erholung, Sport oder Meditation zu haben, halte kurz inne  und erinnere dich daran, dass eine Pause deine Produktivität und Kreativität sogar erhöht. Mit dem Wissen fällt es dann schon viel leichter, Entspannung oder „kreativen Leerlauf“ zuzulassen – zumindest mir.

Dazu gehört auch, bewusster die kleinen und schönen Dinge im Leben – die „Glücksmomente“ – zu genießen (siehe Blog „Glücksmomente“…), statt genervt durch den Alltag zu hetzen. Hierbei helfen Dankbarkeit, Wertschätzung, Achtsamkeit, und – Lachen!

Es gibt sogar eine Therapieform, die auf „Genusstraining“ ausgerichtet ist: „Euthyme Therapie.“ Darunter versteht man alles, was uns und unserer Seele gut tut. Es geht dabei um die Förderung von Freude, Ausgeglichenheit, Wohlbefinden und Genuss – also letztlich um die Stärkung von Ressourcen. Auch das Erleben über unsere fünf Sinne – Schmecken, Riechen, Tasten, Sehen und Hören – ist dabei wichtig. Basierend auf den Erkenntnissen jahrelanger Arbeit mit dieser Therapieform haben Rainer Lutz und Eva Koppenhöfer die „Acht Gebote des Genießens“ entwickelt. Vielleicht inspirieren sie auch dich, dir bewusst Gutes zu tun und deine Energien regelmäßig wieder aufzuladen.

Acht Gebote des Genießens

1. Gönne dir Genuss

Viele Menschen erlauben es sich nicht, einfach etwas zu genießen. Sie haben dabei Schuldgefühle („ich müsste ja eigentlich noch“, „die Arbeit türmt sich“) oder ein schlechtes Gewissen. Doch der Spruch „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ hat uns lang genug das Leben schwer gemacht. Warte nicht, bis alles erledigt ist, sondern genieße jetzt!

2. Nimm dir Zeit zum Genießen

Lass die Gedanken los, was noch alles zu erledigen ist – jeder kleinste Augenblick ohne Zeitdruck ist Gold wert.

3. Genieße bewusst

Richte deine Aufmerksamkeit auf das, was du JETZT – in diesem Augenblick – tust und sei achtsam und voll dabei. Tu nur eine Sache zur Zeit statt viele Dinge gleichzeitig.

4. Schule deine Sinne für Genuss

Fühle, schmecke, höre, rieche – je bewusster du dein Umfeld in solchen „Genussmomenten“ wahrnimmst, umso mehr setzt du Anker für gute Gefühle und Erfahrungen.

5. Genieße auf deine eigene Art

Die einen lieben Bergsteigen – die anderen können am Meer abschalten. Finde heraus, was dir gut tut und suche Gelegenheit dafür.

6. Genieße lieber wenig, aber richtig

Immer mehr Konsum führt nicht dazu, dass wir mehr genießen, sondern kehrt sich irgendwann ins Gegenteil um. Ein Glas Wein lässt sich gut genießen, die ganze Flasche bringt nen dicken Kopf. „Qualität statt Quantität“ ist hier wohl eher das passende Motto.

7. Planen schafft Vorfreude

Überlasse die Glücksmomente nicht (nur) dem Zufall, sondern plane Momente des Genießens in deinen Kalender ein. Verabrede dich mit dir selbst, um ein Buch zu lesen, einen Ausflug zu machen oder in die Sauna zu gehen. Hinzu kommt hier der Effekt, dass allein die Vorfreude auf etwas schon bewirkt, dass unser Körper Glückshormone ausschüttet.

8. Genieße die kleinen Dinge des Alltags

Warte nicht auf den nächsten Urlaub oder gar die Rente, um das Leben zu genießen. Nutze jede Gelegenheit, um zu lachen, dir etwas Gutes zu tun, dich an kleinen Glücksmomenten zu freuen. Dadurch wirst du dein Umfeld positiver erleben und wahrnehmen – und somit auch selbst eine positivere Lebenseinstellung und Ausstrahlung bekommen.

Klar, all das ist leichter gesagt als getan. Aber es gibt viele Möglichkeiten, dies umzusetzen und bewusst die kleinen Glücksmomente zu genießen. Zum Beispiel mit Yoga, Lachyoga, einem Glückstagebuch oder der gegenseitigen Unterstützung mit Gleichgesinnten (hier findest du Möglichkeiten dafür…).

Ich wünsche dir Gelassenheit, Genießen und unbändigen Spaß bei allem, was du tust!

Namasté Angela

 

In diesen Kursen schärfst du deine Wahrnehmung für Glücksmomente, lernst Entspannungsmethoden kennen und hast Gelegenheit, dich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Aktiviere dein inneres Glück

Der Glücks-Charakter-Booster

Trainiere dein Glückspotenzial – 5 Wochen Online-Programm

 

Lachyoga Basics

Das Online-Programm für Lebensfreude und Leichtigkeit

 

Buchtipps

Das Leben ist keine To-Do-Liste von Shirley Seul

Eva Koppenhöfer: Kleine Schule des Geniessens

Jorge Bucay „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“

Die Geschichte vom Holzfäller

Es war einmal ein Holzfäller, der bei einer Holzgesellschaft um Arbeit vorsprach. Das Gehalt war in Ordnung, die Arbeitsbedingungen verlockend, also wollte der Holzfäller einen guten Eindruck hinterlassen. Am ersten Tag meldete er sich beim Vorarbeiter, der ihm eine Axt gab und ihm einen bestimmten Bereich im Wald zuwies. Begeistert machte sich der Holzfäller an die Arbeit. An einem einzigen Tag fällte er achtzehn Bäume. »Herzlichen Glückwunsch«, sagte der Vorarbeiter. »Weiter so.« Angestachelt von den Worten des Vorarbeiters, beschloss der Holzfäller, am nächsten Tag das Ergebnis seiner Arbeit noch zu übertreffen. Also legte er sich in dieser Nacht früh ins Bett.

Am nächsten Morgen stand er vor allen anderen auf und ging in den Wald. Trotz aller Anstrengung gelang es ihm aber nicht, mehr als fünfzehn Bäume zu fällen. »Ich muss müde sein«, dachte er. Und beschloss, an diesem Tag gleich nach Sonnenuntergang schlafen zu gehen. Im Morgengrauen erwachte er mit dem festen Entschluss, heute seine Marke von achtzehn Bäumen zu übertreffen. Er schaffte noch nicht einmal die Hälfte.

Am nächsten Tag waren es nur sieben Bäume, und am übernächsten fünf, seinen letzten Tag verbrachte er fast vollständig damit, einen zweiten Baum zu fällen. In Sorge darüber, was wohl der Vorarbeiter dazu sagen würde, trat der Holzfäller vor ihn hin, erzählte, was passiert war, und schwor Stein und Bein, dass er geschuftet hatte bis zum Umfallen.

Der Vorarbeiter fragte ihn: »Wann hast du denn deine Axt das letzte Mal geschärft?« »Die Axt schärfen? Dazu hatte ich keine Zeit, ich war zu sehr damit beschäftigt, Bäume zu fällen.«

Aus dem Buch von Jorge Bucay „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“

2 Kommentare
  1. Junghans
    Junghans sagte:

    Hei, so lesenswert danke! Ich kann mich nicht genug immer wieder an diese Sachen erinnern!

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