Corona spaltet die Gemüter. Die einen haben Angst vor Ansteckung, die anderen vor Unterdrückung, die nächsten vor beruflicher Pleite. Jeder behauptet für sich, die „Wahrheit“ erkannt zu haben – und untermauert dies mit Argumenten, Bildern und vermeintlich wissenschaftlichen Beweisen. Doch gibt es die EINE Wahrheit? Letztendlich wissen wir es nicht. Das einzige, was wir wissen, ist die Tatsache, dass wir niemals ALLES wissen werden. Egal, wie weit die Wissenschaft sich entwickelt, verfeinert und immer neue Ergebnisse liefert. Die Wissenschaft wird nie alles erklären können. Es bleibt immer ein Stückchen nicht Erklärbares übrig. Jeder von uns kann immer nur eine Perspektive, einen Aspekt der gesamten Wahrheit sehen– wenn es sie denn überhaupt gibt.

Ein gutes Beispiel dafür ist das Gleichnis von den Blinden und dem Elefanten. Von mehreren Blinden, die einen Elefanten ertasten sollen, beschreibt jeder etwas anderes. Der Blinde, der das Bein befühlt, sagt, dass ein Elefant wie eine Säule ist. Derjenige, der den Schwanz abtastet, merkt, dass ein Elefant sich wie ein Seil anfühlt. Der, der den Stoßzahn erkundet, erkennt die Ähnlichkeit des Elefanten mit einer stabilen Röhre etc. (ausführliche Geschichte, siehe unten).

Was ist die Realität? Und wenn ja, welche?

Laut Hirnforschung kann unser Gehirn nur 0,0004% der Sinneswahrnehmungen, die auf uns einprasseln, bewusst verarbeiten. Der Rest geschieht unbewusst oder über Automatismen. Doch wie entscheidet das Gehirn, was es aus diesen Sinneswahrnehmungen macht und welches Gefühl dadurch ausgelöst wird? Dafür wendet es an, was es bisher gelernt hat. Hier kommen die „Glaubenssätze“ ins Spiel, die wir bisher im Leben mitbekommen haben. Zum Beispiel, was wir als Kind von Eltern, Lehrern oder anderen Bezugspersonen gehört haben. Was die „Gesellschaft“ oder Medien uns vermitteln, oder auch, was später Chefs und Vorgesetzte uns lehren.

Wie Glaubenssätze sich selbst verstärken

Dies können negative Glaubenssätze sein, allgemeine gesellschaftliche oder moralische Werte oder auch idealistische Vorstellungen, die wir durch Hollywood-Filme oder Social Media suggeriert bekommen. Zum Beispiel

  • „du schaffst das eh nicht“
  • „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“
  • „es gibt nur DEN einen Traumpartner für dich – den musst du finden“
  • „ich bin schön und glücklich – du auch?“

Natürlich gibt es auch gute und wichtige „Glaubenssätze“, die Menschen motivieren oder eine Gesellschaft zusammen halten. Zum Beispiel

  • „Solidarität zählt“
  • „die Schwächeren zuerst“
  • „ich glaube an dich“, „du schaffst das“ etc.

Dennoch bekommen die meisten Menschen im Laufe ihres Lebens eher negative Dinge zu hören oder zu lesen als ermutigende Worte. Laut einer Studie der Harvard University hat ein 18-jähriger Mensch im Laufe seines bisherigen Lebens schon 180.000 negative Suggestionen gehört. Das prägt. Denn all das, was wir erleben, wird durch die „Brille“ unserer Wahrnehmung gesehen und eingeordnet. Wenn ich bei einer Prüfung durchfalle, bekommt das Gehirn die Bestätigung für „du schaffst es nicht“. Wenn ich verlassen werde, bestätigt sich meine Grundhaltung, dass alle Männer Schweine sind. So wird diese selektive Wahrnehmung immer wieder gefestigt. All das, was nicht hinein passt (zum Beispiel bestandene Prüfungen oder gute Erfahrungen mit Männern), wird ausgeblendet.

Corona – wie können wir mehr Verständnis entwickeln?

Wenn wir uns bewusst machen, dass die Denkweise jedes einzelnen individuell geprägt ist, dann kann es uns helfen, unterschiedliche Sichtweisen bezüglich Corona besser zu verstehen. So kann es Menschen, die schon als Kind Kontrolle oder Repression erlebt haben, schwerer fallen, Anordnungen „von oben“ – wie Maskenpflicht oder Versammlungsverbote – zu akzeptieren. Wer schon nahestehende Angehörige durch Krankheit verloren hat, macht sich vielleicht eher Sorgen, dass dies durch Corona passieren könnte. Wer gelernt hat, dass Solidarität und Zusammenhalt wichtiger sind als eigene Interessen, stellt möglicherweise die Interessen anderer ungefragt vor die eigenen Bedürfnisse. Wer schon immer rebellisch veranlagt war, fällt evtl. in die alte rebellische Verhaltens- und Denkweise zurück. Wer selber „Risikoperson“ ist oder schonmal schwer krank war, hat vermutlich mehr Angst vor einer Ansteckung als jemand, der jung, dynamisch und fit ist. Bei Corona geht es offenbar nicht mehr um die Frage, was richtig und was falsch ist. Sondern darum, sich bewusst zu machen, dass jeder nur einen Ausschnitt der Wahrheit sieht – SEINEN bzw. IHREN Ausschnitt.

Wenn Glaubenssätze zu Hindernissen werden

Nicht alle Glaubenssätze sind an sich falsch oder schlecht. Vielleicht hat der Spruch „ohne Fleiß kein Preis“ schon so manchem Menschen geholfen, seinen Allerwertesten von der Couch hoch zu kriegen. Der Satz „sei dankbar“ wird oft falsch verstanden, trägt aber auch die wichtige Botschaft in sich, dass Wertschätzung eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein zufriedenes Leben ist. Doch so manche Glaubenssätze und Denkmuster, die wir früher eingeimpft bekommen haben, können zu großem Stress führen oder sogar zum Hindernis werden, wenn wir uns weiterentwickeln wollen, oder bestimmte Ziele und Visionen umsetzen wollen.

„Du schaffst es eh nicht“ ist der Killer für jede große und auch kleine Vision. Ein „Du darfst nicht scheitern“ führt entweder dazu, dass Menschen gar nicht erst mit etwas anfangen (siehe auch den Blog zum Thema „Stress“), oder dass sie ihr Scheitern niemals eingestehen (siehe jüngst Trumps Reaktion auf die verlorene Präsidentschaftswahl). Du willst einen Marathon laufen? Wenn du subtil nicht daran glaubst, es schaffen zu können, dann wird vielleicht eine Verletzung dich daran hindern, weiter zu trainieren, selbst wenn es körperlich wieder geht. „Es hat nicht sollen sein“ ist dann oft eine gute Ausrede.

Du glaubst, du hast es nicht verdient, glücklich zu sein? Du darfst dich nicht ausgelassen freuen, tanzen, lachen, Spaß haben? Dann könnte es sein, dass immer dann etwas “dazwischen kommt“, wenn du an dem Punkt bist. Auf einem unserer Urlaubs-Retreat habe ich es mal erlebt, dass eine Teilnehmerin so ausgelassen tanzte wie vielleicht nie zuvor. Genau im Moment der größten Freude knickte sie mit dem Fuß um und der Spaß war vorbei – Arzt, Krankenhaus, Schmerzen… den Rest des Seminars konnte sie nur noch mit Einschränkungen genießen.

Glaubenssätze integrieren – in 4 Schritten

Was können wir also tun, wenn wir uns verändern wollen, aber uns doch immer wieder die verflixten Glaubenssätze einen Strich durch die Rechnung machen und uns blockieren? Dazu erstmal die gute Nachricht: Unser Gehirn kann sich in jedem Alter verändern (siehe auch den Blogartikel „von innen nach außen“). Wir können alte, hinderliche Glaubenssätze Schritt für Schritt durch neue Denkweisen ersetzen.

Meine Erfahrung aus der Arbeit mit vielen Seminarteilnehmer/innen zeigt: Es macht keinen Sinn, einen alten Glaubenssatz auslöschen oder ausmerzen zu wollen. Wenn wir darauf unseren Fokus richten, dann kann dies eher kontraproduktiv wirken – denn Energie folgt der Aufmerksamkeit. Statt dessen kann folgende Vorgehensweise hilfreich sein:

1. Sich des hinderlichen Glaubenssatzes bewusst werden

Oft machen wir uns selbst etwas vor und merken es nicht einmal, dass es alte Denkweisen sind, die uns blockieren – wir denken dann, „es hat nicht sollen sein“, „ich bin nicht der Typ dafür“ oder „es passt halt gerade nicht.“ Hier kann es helfen, sich all diese Sätze aufzuschreiben und anzuschauen. Soll es gerade nicht sein oder mache ich mir nur selbst etwas vor?

2. Einen positiven Gegenpol setzen

Es klingt vielleicht erstmal komisch, aus einem „ich muss perfekt sein“ ein „ich bin gut so wie ich bin“ zu konstruieren. Kann das gehen, sich selbst etwas einzureden, woran man selbst noch nicht mal glaubt? Es geht dann, wenn man den alten Glaubenssatz nicht „verteufelt“. Und damit geht es zum nächsten Schritt.

3. Den alten Glaubenssatz integrieren

Wir können Gewohnheiten oder Denkweisen, die wir über viele Jahre gelernt haben, nicht einfach auslöschen. Aber wir können den positiven Aspekt betrachten, die Botschaft annehmen und dann den Fokus neu ausrichten. „Du musst perfekt sein“ hat uns möglicherweise tatsächlich geholfen, zu Höchstleistungen imstande zu sein. Und doch dürfen wir auch den Perfektionismus loslassen, wenn er uns die Lebensqualität raubt.

4. Die neue Affirmation zur Gewohnheit machen

Es gibt viele Möglichkeiten, das Gehirn mit neuen, erwünschten Denkweisen und Qualitäten zu füttern. Zum Beispiel durch tägliche Wiederholung der Affirmationen. Die Kombination mit Body Moves macht dies noch effektiver. Hier einige Übungen für dich:

Füllhorn des Glücks

Ich bin einzigartig, du bist einzigartig…

Powerübung „Qualitäten verankern“

Du möchtest wissen, wie du nachhaltig und effektiv alte Glaubenssätze loslassen und neue Qualitäten in dein Leben integrieren kannst? In meinen Kursen & Retreats findest du Begleitung dazu.

Ich wünsche dir eine schöne Zeit mit vielen bewussten und positiven Gedanken!

Namasté, Angela

 

 

Gleichnis: „Die Blinden und der Elefant“

Blinde Menschen werden von ihrem Lehrmeister gebeten, durch Betasten zu ermitteln, was ein Elefant eigentlich ist. Keine blinde Gefolgschaft wollte der Lehrmeister, sondern die Selbsterfahrung. Dazu sollte jeder Blinde für sich einen – jeweils unterschiedlichen – Körperteil des Elefanten ganz genau untersuchen. Hätten Sie als sehender Mensch den Mut, einen wirklich enorm großen Elefanten zu betasten? Die Blinden vertrauen ihrem Lehrmeister und wagen die Berührung. Ihr Vertrauen gibt ihnen die Sicherheit, ihrer Neugierde zu folgen und sich für eine neue Erfahrung zu öffnen. Jeder untersucht den ihm zugewiesenen Körperteil mit seinen Händen, um zu begreifen, was ein Elefant ist. Dann beschreiben und vergleichen sie ihre Erfahrungen miteinander und stellen fest, dass jede individuelle Erfahrung – je nach Perspektive – zu ihrer eigenen ganz individuellen Schlussfolgerung führt:

  • Der Blinde, der das Bein befühlt, sagt, dass ein Elefant wie eine Säule ist.
  • Der, der die Schwanzspitze anfasst, erkennt im Elefanten so etwas wie eine Bürste.
  • Derjenige, der den Schwanz abtastet, merkt, dass ein Elefant sich wie ein Seil anfühlt.
  • Der, der den Rüssel befühlt, spürt, dass ein Elefant Ähnlichkeit mit einem Pflug hat.
  • Der, der das Ohr inspiziert, entdeckt, dass ein Elefant wie ein Handfächer ist.
  • Der, der den Bauch berührt, bemerkt, dass ein Elefant sich wie eine Wand anfühlt.
  • Der, der den Rücken betastet, entdeckt so etwas wie einen Mörser im Elefanten.
  • Der, der den Stoßzahn erkundet, erkennt die Ähnlichkeit des Elefanten mit einer stabilen Röhre.

Als die Blinden in Streit darüber geraten, wer denn jetzt richtig läge, erklärt ihnen der Lehrmeister, dass sie alle Recht hätten. Der Grund für die verschiedenen Perspektiven sei, dass jeder von ihnen einen anderen Teil des Elefanten berührt habe. Denn in Wahrheit hat ein Elefant all die Eigenschaften, die die Blinden beschrieben haben. Und noch viele mehr als diese. Wie Realität wahrgenommen wird und als Wirklichkeit auf uns wirkt, hängt unmittelbar mit der eigenen Erfahrung zusammen. Und so gibt es eben nicht die eine Realität, sondern ganz unterschiedliche Blickwinkel und Wahrnehmungen davon, die alle gut neben einander gelten gelassen werden könnten.

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