Wer bin ich? Wer sind die anderen?

Von Missgunst zu Mitgefühl: 3 Fragen über andere, mit denen du viel über dich selbst lernst

Als Kind habe ich mich manchmal gefragt „warum bin ich eigentlich ich und nicht jemand anders?“ Was genau macht es aus, dass ich ich bin? Und wie wäre es , wenn ich jemand anders wäre? Sind wir vielleicht gar nicht alle „ich“, sondern auch jemand anders? Würde sich dann unsere Einstellung verändern?

Um ehrlich zu sein: ich ertappe mich schon manchmal dabei, dass ich neidisch bin – zum Beispiel wenn eine Freundin eine tolle Beförderung erhält oder ein guter Freund gerade glücklich verliebt ist und mir stundenlang davon vorschwärmt. Jedesmal habe ich dabei Schuldgefühle. Bin ich so egoistisch, dass ich es anderen nicht gönnen kann, wenn sie glücklich sind? Ist es einfacher für mich, wenn es anderen schlecht geht? Denn dann bin ich gerne für sie da, höre zu, gebe Tipps und Unterstützung – und bin irgendwie gleichzeitig froh, dass nicht ich selbst gerade den Liebeskummer, den Stress im Job oder die Sorgen mit dem Kind habe. Wenn es hingegen bei anderen fluppt und bei mir nicht, dann werden mir die eigenen Unzulänglichkeiten und Unzufriedenheiten des Lebens direkt vor Augen geführt – und das kann manchmal weh tun.

Macht lästern glücklich?

Geht es nur mir so? Ich denke nicht. Denn warum schauen sich Menschen Sendungen über Messie-Haushalte, „sozial schwache“ Familien und andere Peinlichkeiten an? Warum kommen Sensations- und Schreckens-Nachrichten besser an als Berichte über schöne Ereignisse oder glückliche Menschen? Irgendwie scheint es menschlich: wir wollen uns besser fühlen, indem wir zu anderen schauen, denen es schlechter geht oder die noch unzulänglicher sind als wir.

Interessanterweise ist die „Neugier = Offenheit für Neues“ laut Glücksforschung durchaus eine wichtige Voraussetzung für Zufriedenheit. Klatsch und Tratsch entspringen auch der Neugier. Lästern gibt Menschen das Gefühl von Verbindung, es hilft ihnen, etwas einzuordnen und zu vergleichen. Nicht ohne Grund ist Lästern eine der Lieblingsbeschäftigungen in den Büros und Cafés unserer Stadt. Jeder ist froh, wenn nicht über ihn selbst gelästert wird, wenn ein anderes „Opfer“ gefunden wurde. Bei Paaren hat man sogar festgestellt, dass es sie näher zusammen bringt, wenn sie gemeinsam lästern – zum Beispiel über die Nachbarn, die jeden Freitag das ganze Haus wienern oder Freunde, bei denen sie gerade zum Essen eingeladen waren. Jeder weiß innerlich, dass es „sich nicht gehört“, über andere zu lästern – wir haben Schuldgefühle und tun es trotzdem.

So wie ich in den Wald hinein rufe…

Doch die moralischen Vorbehalte sind nur ein Aspekt. Wenn wir ständig und exzessiv über andere lästern, dann schaden wir letztlich uns selbst. Das, was wir aussenden, fällt auf uns zurück, so besagt es das Gesetz der Resonanz. Wenn wir jemandem schaden – ob mit Worten oder Taten – dann entsteht ein Ungleichgewicht, das irgendwo anders wieder Ausgleich sucht – vielleicht an anderer Stelle als erwartet. Umgekehrt: Wenn jemand mir Unrecht zufügt, dann brauche ich nicht für „Rache“ zu sorgen, sondern kann davon ausgehen, dass sich das schon selbst erledigt. So hart das klingt, so oft habe ich dies schon in meinem Umfeld miterlebt. Gesetz von Ursache und Wirkung, so nennen es die Gurus in Indien. Es lohnt sich also, auf die eigenen Worte und Handlungen zu achten – weniger aus moralischen Gründen, sondern vor allem aus reinem Eigeninteresse.

Doch wie kommen wir aus dem Teufelskreislauf von Lästern – Neid – Schuldgefühlen – sich schlecht fühlen – Neid – sich noch schlechter fühlen – heraus? Mit den folgenden drei Fragen können wir der Sache auf den Grund gehen und dabei viele Erkenntnisse über uns selbst gewinnen:

1. Was ist das Thema dahinter?

Wenn wir uns über bestimmte Menschen aufregen oder sie kritisieren wollen, dann sollten wir uns ehrlich bewusst machen, dass dies auch immer etwas mit uns selbst zu tun hat. Dann können wir genauer hinschauen und Aufschluss über die eigenen Lebensthemen erhalten. Vielleicht lebt dieser Mensch genau die Freiheit, die wir uns eigentlich wünschen. Vielleicht nimmt er sich Dinge heraus, die wir uns nie erlauben würden, aber insgeheim ersehnen. Vielleicht repräsentiert dieser Mensch eine „schlechte“ Eigenschaft, von der wir meinten, dass wir sie uns endlich abgewöhnt haben und merken, dass es doch noch nicht so ist. Wenn wir das Thema dahinter betrachten und uns selbst damit ehrlich auseinander setzen, dann werden wir mit der Zeit merken, dass uns genau dieses Thema irgendwann nicht mehr so sehr „triggert“.

2. Was ist der Wunsch dahinter?

Wenn wir neidisch sind oder jemandem sein Glück gerade nicht gönnen können, dann hilft die Frage, ob wir wirklich mit demjenigen tauschen wollten. Die meisten kommen dann zu dem Schluss, dass dieser Mensch vielleicht ein viel größeres Päckchen zu tragen hat als sie selbst – dass auch dort nicht alles so rosig ist wie es nach außen aussieht. Wichtig ist dann auch: inne halten und sich anschauen, worauf genau man neidisch ist. Oft gibt das Aufschluss über die eigenen Ziele und Wünsche: in welchen Lebensbereichen ist man selbst noch so unzufrieden, dass man den anderen beneidet? Was sollte endlich verändert werden, um in dem Lebensbereich zufriedener zu sein? Wenn es uns selbst gut geht, können wir auch anderen ihr Glück gönnen und uns mit ihnen freuen. Dann entsteht Verbindung und Empathie. Dann ist Glück kein Egotrip mehr, sondern Grundvoraussetzung für ein großzügiges und unterstützendes Miteinander unter Menschen.

3. Wer ist der Mensch dahinter?

Und schließlich kann man einfach mal experimentieren mit dem Gedanken: bin ich wirklich ich? Könnte ich nicht auch jemand anders sein? Und sich im Gespräch mit anderen vorstellen, dass man der / die andere ist – sich überlegen, was man selbst jetzt tun würde in der Situation, wie man handeln würde oder ob man glücklich wäre. Dann entsteht Empathie, dann entsteht eine wirkliche Verbindung – von Herzen her.

Happiness Gedanken für die Woche

  • Neid und Konkurrenz können hilfreiche Indikatoren für die eigenen Ziele und Wünsche sein
  • Neugier ist ein Glücksfaktor – Lästern fällt auf uns selbst zurück
  • Menschen, über die wir uns ärgern oder die wir kritisieren, sind unsere effektivsten Coaches

Zitate

„Urteile nie über einen anderen, bevor Du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist.“ Indianer in Nordamerika.

„Man sieht nur mit dem Herzen gut – Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar. “ Antoine de St. Exupéry

Audio: Die Maitri-Meditation für Mitgefühl und Wohlbefinden

Video: Herzlachen

Happiness.Community

Hier gibt es Anregungen und Austausch für mehr Lebensqualität, Lebensfreude, Glück und Gelassenheit. Sei dabei und sorge dafür, dass es dir und deinem Umfeld gut geht. Denn so können wir einen Unterschied machen.

Dauerhaft glücklich – geht das?

Glücklich sein ist kein einmal erreichter Zustand – sondern eine Lebenseinstellung, mit der wir die schwierigen Dinge mit einem Lächeln meistern und die schönen Dinge dankbar genießen können.

Glück als Egotrip?

Glückliche Menschen waren mir früher gar nicht geheuer. Schließlich gehören doch Probleme zum Leben dazu, fand ich. Wer diese einfach verdrängt, der kann doch auf Dauer nicht glücklich sein, oder? Und wer glücklich oder gut drauf ist? Der ist bestimmt oberflächlich und egoistisch. Schließlich kann man doch nicht einfach so auf Knopfdruck Lachen, Tanzen oder fröhlich sein, wenn es im Leben nicht läuft, dachte ich. Und so blieb ich weiter skeptisch, kritisch und missmutig, egal welche Chance ich vorgesetzt bekam.

Bis der Leidensdruck in meinem Leben so groß war, dass ich mich dann doch auf den Weg machte, um endlich glücklich zu werden. Irgendwann fing ich dann tatsächlich einfach an, so zu tun als ob ich glücklich sei – mit Unterstützung von Lachyoga, positiven Affirmationen und Persönlichkeitsseminaren. Irgendwie konnte ich mir zwar nicht vorstellen, dass es funktioniert, aber ich probierte es aus. Ich wusste, es konnte in meinem Leben nicht mehr so weitergehen wie vorher und ich war so weit, dass ich beschlossen hatte, alles zu tun, um glücklich zu sein. Und langsam begann sich tatsächlich in meinem Leben etwas zu verändern.

Was ich aussende, kommt zurück…

Je mehr ich so tat, als ob ich glücklich war, umso positiver war die Reaktion meines Umfeldes – und umso besser war ich selbst wieder drauf. Die Wirkung der Spiegelneuronen, so nennt man es in der Psychologie. Das heißt, wir fühlen mit was andere fühlen und bleiben davon nicht unbeeindruckt. Wenn wir ins Kino gehen und die Hauptdarstellerin im Film etwas Trauriges oder Ungerechtes erlebt, dann fühlen wir es, wie wenn es unsere eigene Trauer oder Ungerechtigkeit wäre. Wenn wir durch das Leben gehen, dann senden wir immer etwas aus – dies bestätigte sich für mich immer wieder, je mehr ich darauf achtete. Ich trat heraus aus dem „Teufelskreislauf“ des Missmuts in einen Kreislauf, in dem ich plötzlich schöne Reaktionen und Erlebnisse hatte. Das beflügelte mich, so dass ich zuversichtlicher wurde und diese Freude auch als „echt“ erleben konnte.

Mein Leben veränderte sich und viele schöne Dinge passierten. Ich lernte meinen Partner kennen, wurde Mama, schwebte auf Wolken. Aber das Schweben hielt nie dauerhaft an. Irgendwann trat immer wieder der Gewöhnungseffekt ein. Zunächst holten mich die kleinen Alltagsproblemchen ein, dann kamen auch schon wieder größere Herausforderungen.

Krisen als Geschenk

Dauerhaft glücklich? Wer ist das schon? Bei wem läuft alles perfekt? Und wenn ja, sind solche Menschen überhaupt interessant? Oder sind es nicht eher diejenigen, die schon so viel erlebt haben, dass sie gar nichts mehr umhauen kann? Diejenigen, die aus Krisen lernen, die das Geschenk darin sehen und daran wachsen? Die, die uns wirklich etwas mitzuteilen haben statt uns vorzugaukeln, wie toll ihr Leben ist?

Wenn ich zurück blicke, so sind es immer die Schicksalsschläge gewesen, die mich dazu gezwungen haben, in meinem Leben radikal etwas zu verändern und aus Konventionen auszubrechen. Auch bei den Teilnehmer/innen, die zu mir in die Kurse kommen, haben Krisen oder Sinnfragen dazu geführt, dass sie sich auf den Weg gemacht haben – um ihre Träume zu leben und glücklich zu sein. Verbunden war damit immer auch der Wunsch, etwas Gutes für andere zu bewirken – nichts daran war oberflächlich oder egoistisch. Die Glücksforschung bestätigt: Menschen, die sich für etwas engagieren, sind glücklicher.

Glück beginnt im Kleinen und wirkt im Großen

Ich bin mittlerweile davon überzeugt: glücklich sein ist das Beste, was wir für die Welt tun können. Vieles, was in der Welt passiert, scheint beängstigend. Wir können uns darüber Sorgen machen und verzweifeln. Oder gemeinsam ein Feld erschaffen, in dem Liebe, Respekt und Mitgefühl selbstverständlich sind. Ein Feld, in dem wir uns selbst und uns gegenseitig annehmen, mit allen Schwächen, und doch in liebevoller Verbindung. Denn wenn wir genau hinschauen, dann sehen wir, dass die Welt nicht nur schlecht ist – sondern dass immer mehr Räume entstehen, in denen Menschen respektvoll und bewusst leben – und somit zu ihrem eigenen Glück und zum Glück anderer beitragen.

Glücksgedanken für die Woche

  1. Glück ist kein Egotrip – wenn wir dafür sorgen, dass wir glücklich sind, tun wir auch unserem Umfeld etwas Gutes.
  2. Glücklich sein muss nicht bedeuten, dass alles im Leben perfekt ist – es ist vielmehr die Fähigkeit, mit Krisen umzugehen und daran zu wachsen.
  3. Die Welt ist so, wie wir sie sehen – wir können über die Dunkelheit jammern oder dorthin schauen, wo Licht ist.
  4. Wenn wir im eigenen Umfeld anfangen, Glück zu verbreiten, können wir auch im Großen etwas bewirken.
  5. Glücklich sein ist das Beste, was wir für die Welt tun können.

Übungen für Glück

Lachyoga-Übung „Füllhorn des Glücks“ (Video)

Yoga-Übung „Herzensgruß“ (Video)

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Geführte Meditation

Glücks-Meditation „das innere Lächeln“ (Audio) – Link zu Soundcloud…

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