Alles Unsinn? Vielfalt und Teilhabe als Glücksfaktor

„Diskriminierender Unsinn“…

… so hat US-Präsident Trump vor kurzem das bezeichnet, wofür jahrelang  unter dem Begriff „Vielfalt, Teilhabe und Inklusion“ gekämpft wurde. Im Englischen sagt man dazu  „DEI“, das bedeutet die Abkürzung für „Diversity, Equity & Inclusion“. Trump hat dem „Woke Wahnsinn“ den Kampf angesagt, findet das alles lächerlich und reine Verschwendung. So hat er mit wenigen Worten mal eben das vom Tisch gefegt, was sich in vielen Lebensbereichen gerade etabliert hatte.

Trump erteilt damit auch bestimmten Werten eine Absage die eine gute Demokratie ausmachen: Solidarität, Gleichberechtigung Teilhabe, Gemeinschaft, Engagement und gegenseitige Unterstützung. Er hat Programme verboten, die dafür sorgen, dass alle die gleichen Chancen haben, unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, körperlicher Einschränkung oder sexueller Orientierung. Mehrere amerikanische Firmen wie Meta, Mc Donalds und Disney haben nachgezogen (siehe hier…), und sogar europäische Firmen wie Aldi oder Novartis haben bereits entsprechende Hinweise von der Website genommen (siehe hier…). Manche stillschweigend, manche unter fadenscheinigen Begründungen. Die Gesellschaft müsse „wieder leistungsfähig werden“, heißt es bei einigen.

Doch sind diese Programme wirklich ein Hindernis für die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft? Und geht es am Ende überhaupt darum, dass wir „leistungsfähig“ sind? Oder ist es nicht viel wichtiger, dass wir in einer gesunden, erfüllten und glücklichen Gemeinschaft gut miteinander leben können?

Vielfalt ist kein Luxusthema

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es grundsätzlich und immer wichtig ist, für andere Menschen da zu sein und sie zu unterstützen. Wenn es ihnen nicht so gut geht, aber auch allgemein. Ich finde eine Gesellschaft, in der Solidarität und Teilhabe selbstverständlich sind, lebenswerter als eine Ellbogen-Mentalität, in der jeder nur noch seinen eigenen Vorteil verfolgt.

Doch was sagen die Fakten dazu? Geht es hier nur um ein „Bauchgefühl“, einen „Akt des Goodwill“, oder gibt es vielleicht noch andere Gründe, die für diese Werte sprechen? Hier ein paar Erkenntnisse dazu.

1. Happiness Report: Je mehr Teilhabe, umso glücklicher die Gesellschaft

In der Wirtschaft wird der Erfolg und die Leistung eines Landes über das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen.

Doch es gibt auch noch andere Kriterien: Zum Beispiel das „Bruttonationalglück (BNG)“, durch das nicht nur das kleine Land Bhutan bekannt ist (siehe hier…), sondern an dem sich auch Länder wie Island, Neuseeland oder Schottland orientieren. Hierbei geht es nicht nur um die wirtschaftliche Kraft, sondern der Fokus liegt auf dem Wohlergehen und auch der psychischen Gesundheit der gesamten Bevölkerung.

Weiterhin gibt es den „World Happiness Report“. In diesem Ranking werden Länder zusätzlich zum BIP danach bewertet, wie stabil die Demokratie ist, inwieweit die Menschen sich an Entscheidungen beteiligen können, wie gut das Gesundheitssystem ist oder ob es Korruption gibt.

Es zeigt sich: vor allem Länder, in denen eine gute, stabile Demokratie herrscht und Teilhabe gelebt wird, sind ganz oben auf der Liste mit dabei. Zum Beispiel Dänemark, Niederlande, die Schweiz und an Platz 1 Finnland. Deutschland hat es diesmal nur auf Platz 24 geschafft. Es gibt also viel zu tun.

2. „Diversity wins“ in der Arbeitswelt

Ähnliche Erkenntnisse gibt es aus Unternehmen. Eine Studie von McKinsey aus dem Jahr 2020 (siehe hier…) hat festgestellt, dass Unternehmen, die Geschlechtergerechtigkeit in ihr Management einbeziehen, eine 25 % höhere Wahrscheinlichkeit haben, erfolgreicher zu sein als andere. Auch Unternehmen, die ihre Führungsteams interkulturell besetzen, schneiden besser ab.

Für die meisten Unternehmen ist es somit längst kein Akt des Altruismus mehr, wenn sie Work Life Balance unterstützen, Gesundheitsprogramme anbieten oder für Familienfreundlichkeit sorgen. Sie haben eine höhere Mitarbeiterbindung und gewinnen im „War of Talents“ die besten Fachkräfte für sich. Die Fluktuation ist niedriger, die Fehlzeiten durch Krankheitstage sind geringer.

Vielfalt und Inklusion erhöhen die Kreativität. Wenn viele unterschiedliche Menschen gemeinsam Ideen entwickeln, dann mag das am Anfang anstrengend erscheinen und vielleicht auch Reibung geben. Aber am Ende entsteht Innovation.

3. Solidarität macht glücklich

Auch für jeden einzelnen persönlich sind Werte wie Solidarität, Mitgefühl und Empathie keine Einbahnstraße (siehe auch den Blogartikel zu „Engagement macht glücklich“). Wenn wir anderen helfen oder einfach nur jemandem etwas Freundliches sagen, werden Glückshormone aktiviert. Warm Glow Effekt nennt man das, wenn dieses wohlige, warme und angenehme Gefühle entsteht.
Viele weitere Studien belegen, dass Menschen, die sich ehrenamtlich oder sozial engagieren, langfristig zufriedener sind und mehr Selbstbewusstsein haben. Sie fühlen sich erfüllter und sehen mehr Sinn in ihrem Dasein. Wenn wir also andere Menschen unterstützen, dann haben wir selbst davon mindestens genauso viel davon wie diejenigen, die unterstützt werden.

Wir brauchen leuchtende Beispiele

Wenn also all die Werte, die mit Vielfalt, Teilhabe und Inklusion einhergehen, nicht mehr so wichtig zu sein scheinen, ist es umso wichtiger, nicht zu resignieren. Im Gegenteil: gerade jetzt sollten wir diese Werte hoch halten! Dafür braucht es Menschen, die leuchten, und die mit gutem Beispiel vorangehen. Und es braucht viel Kraft und Resilienz, um klar zu den eigenen Werten zu stehen.

Fünf Qualitäten, die uns unterstützen

Bist du dir ganz klar dessen bewusst, wofür du stehst, welche Werte dir wichtig sind? Bist du jemand, der mit gutem Beispiel vorangehen, etwas verändern möchte? Möchtest du dein Leuchten nicht verlieren, sondern optimistisch bleiben und an das Gute glauben? Dann können diese fünf Anregungen dich dabei unterstützen:

  1. Selbstbewusstsein

Kennst du deine Stärken und Schwächen und kannst dazu stehen? Kennst du deine Fähigkeiten und Talente und lebst diese? Wir brauchen in diesen Zeiten gutes Selbstbewusstsein und mentale Stärke, bzw. „Resilienz“. Das bedeutet, dass wir uns nicht umhauen lassen, wenn mal Gegenwind kommt. Dass wir uns selbst lieben können, mit all deinen Stärken und Schwächen, die uns ausmachen.

  1. Mut

Manchmal erfordert es Mut, mal gegen den Strom zu schwimmen, seine Meinung zu äußern, oder für das einzustehen und zu kämpfen, was uns wichtig ist. Vielleicht ist es auch hier und da mal erforderlich, einen Schritt aus der Komfortzone heraus zu tun. Mut unterstützt uns in allen Lebenslagen, und wir können diesen sogar trainieren.

  1. Gelassenheit

Geht es dir auch manchmal so, dass die Welt gefühlt in Panik versinkt? Die Nachrichten prasseln ununterbrochen auf uns ein, die Medien schaukeln sich gegenseitig hoch, die düstersten Aussichten werden noch ausgeschlachtet.

Erschaffe dir Momente, in denen du abschalten und innehalten kannst. Still werden auf deine eigene Seele lauschen. Dabei helfen Meditation, Atemübungen, Achtsamkeitsübungen oder einfach nur ein Waldspaziergang.

  1. Verbundenheit

Suche dir Gleichgesinnte, vernetze dich. Schau dass du nicht Einzelkämpfer:in bleibst, sondern dich mit anderen Menschen verbindest. Ob beruflich oder privat: Aus der Glücksforschung weiß man, wie wichtig es ist, gute und erfülle erfüllte Beziehungen zu haben.

Damit sind nicht Social Media Freunde oder Follower gemeint, sondern echte persönliche, authentische Kontakte. Suche nach Möglichkeiten, um offline Kontakte zu pflegen. Ein Gespräch im Café, ein gemeinsamer Spaziergang, spontan Freunde einladen – all das hilft, um mal abzuschalten und sich verbunden zu fühlen.

  1. Humor und Lachen

Egal wie schwer auch die Zeiten zu sein scheinen, wenn wir dabei das Lachen vergessen, dann ist keinem geholfen. Kultiviere Humor, aktiviere die Lebensfreude und den Spaß! Lachyoga kann dir dabei helfen. Durch Humor und Lachen sorgen wir auch dafür, den Optimismus zu bewahren, eine wichtige Voraussetzung für Resilienz.

Unsinn ist Unsinn

Das, was Trump als „Unsinn“ bezeichnet, mag er abwertend gemeint haben. Doch Unsinn hat auch etwas Positives. Lasst uns also den Unsinn kultivieren! Lasst uns albern sein, kreativ, verspielt und verrückt! Und vielleicht wird genau das verrückt sein uns am Ende davor bewahren, völlig verrückt zu werden.

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