Chiang Mai: von Tempeln, Laternen und Lichtermeer

Chiang Mai ist eine Stadt im Norden von Thailand, von der alle schwärmen. Ich konnte damit erstmal nichts anfangen und mir nicht vorstellen, warum. Doch wir haben festgestellt, dass sich oft das Gesicht einer Stadt schon auf dem Weg vom Flughafen, Bahnhof oder Busterminal zum Hotel zeigt. Und hier ist der erste Eindruck von Chiang Mai schonmal sehr schön. Der Name klingt ja irgendwie ein bisschen chinesisch, und so sehen wir an vielen Läden in den Straßen, überall bunte Laternen aufgehängt –  so dass Joshua schon den Taxifahrer fragt, ob das immer so ist, oder hier gerade ein besonderes Festival ist. Die Antwort kann zwar der Taxifahrer mangels ausreichender Englischkenntnisse nicht geben, wir stellen aber später fest: Sie ist ist ja und ja. Ja, hier sind immer und überall viele schöne bunte Laternen zu sehen. Und ja, am Wochenende beginnt hier das thailändische Lichterfestival Kry Lathong, an dem NOCH MEHR Lichter und Laternen zu sehen sind als eh schon üblicherweise.

Hotels: der Schein kann trügen

Den zweiten Eindruck einer Stadt haben wir dann meistens im entsprechenden Hotel, in dem wir uns eingebucht haben. Wir sind mittlerweile zu Booking-Experten geworden und wissen, dass schöne Bilder online nicht unbedingt bedeuten, dass das Hotel auch schön ist. Denn die den Bildern, mit denen sich die Hotels anpreisen, zeigen natürlich nicht die abgeranzten Ecken, die Flecken auf der Bettwäsche oder die schäbige Gegend um das Hotel herum. Manche Hotels werben zwar mit Swimming Pool, der ist dann aber entweder leer oder gerade in „chemischer Behandlung“ und somit nicht nutzbar. Manchmal gibt es nur kaltes Wasser in der Dusche, oder der seitliche Meerblick bedeutet, dass man auf einen dreckigen Hinterhof blickt und irgendwo mit viel Phantasie eine kleine Ecke vom Meer erblickt. Alles schon gehabt. Ein leidiges Thema sind auch die Klimaanlagen. Es mag sich im derzeit kalten Deutschland wie ein Luxusproblem anhören, aber eine Klimaanlage kann sehr schlafentscheidend sein. Fast immer ist sie entweder zu laut oder zu kalt. Oft wachen wir nachts auf, um sie abwechselnd aus- und wieder anzustellen. Ökologisch ist das alles nicht. Man sollte eine extra Kategorie einführen bei Booking, die die Qualität der Klimaanlage mit bewertet.

Ein weiteres Kriterium für mich ist vor allem der Ausblick. Ich liebe es einfach, auf die Berge oder erst recht auf das Meer zu blicken, und das war mir schon so manches Mal – sofern bezahlbar – einen kleinen Aufpreis wert. Hier in Chiang Mai werden wir weder in Sachen Zimmer noch Ausblick enttäuscht. Das Zimmer ist sauber, schick und mit einem Schreibtisch dabei. Wir schauen durch ein großes Fenster in die Ferne, über Dächer, Bäume und sogar einige tempelartig aussehende Dächer. Auch ein Schreibtisch oder wenigstens eine Kommode ist für uns auch nicht unerheblich, wenn man Remote Schooling und Office macht.

Entspannung überfällig

Ein erster Erkundungsgang in Chiang Mai ist sehr entspannt, da es hier nicht so viel Verkehr gibt, kein Hupen der Autos wie in Indien und überall nette Cafés. Viele haben nicht nur Tische an der Straßenfront stehen, sondern man kann in den ersten Stock gehen, in dem es fast wie in einem Wohnzimmer aussieht und nicht mehr wie in einem Café. Oft haben wir diesen Raum sogar für uns. Es sind zwar schon einige Touristen in chiang Mai, aber ich habe den Eindruck, dass trotz allem keine Hochsaison herrscht. Oder es gibt einfach ein Überangebot. Wir laufen immer wieder an leeren Restaurants vorbei und an den zahlreichen Massagesalons, vor denen die Masseurinnen sitzen und sich langweilen. Ich frage mich, wie die alle existieren und überleben können.

Da bei einem Salon gerade eine „Schulter-Nacken-Kopf-Massage“ reduziert im Angebot ist, buche ich spontan eine Massage, jeweils für Joshua und für mich. Wir beide können es gut gebrauchen, denn das Arbeiten unter unterschiedlichsten Bedingungen – manchmal vom Hotelbett aus, an Kommoden, in Cafés, auf Gartenstühlen oder sonstwo – beansprucht uns doch ganz schön. Ohne Yoga hätte ich möglicherweise schon einen Rückenschaden, aber so bleibe ich flexibel und gewöhne mich an alles. Wir fühlen uns manchmal schon wie die Hipsters, die in Berlin Prenzlberg abhängen und den ganzen Tag im Café arbeiten. Trotzdem freue ich mich schon wieder auf meinen großen Schreibtisch und den richtigen Monitor. Die Nackenmassage ist allerdings kein Zuckerschlecken, sondern ziemlich schmerzhaft. Bei Joshua sind sie vermutlich etwas vorsichtiger, aber meine Masseurin geht so richtig hart in meine Nackenverspannungen hinein. Naja, Hauptsache, es hilft. Wir gehen gleich am nächsten Tag nochmal hin.

Und wieder im Krankenhaus!

Das, was die Beliebtheit von Chiang Mai ausmacht, sind jedoch nicht die Massagen, sondern wohl eher die vielen Dinge, die man hier unternehmen kann. Von einer Tempeltour über River Rafting bis hin zu thailändisch kochen ist alles dabei. Doch unser erster Ausflug führt uns erstmal in die Klinik. Denn wir sollten eine Woche nach Joshuas Entlassung aus dem Krankenhaus nochmal einen Check machen. Das Krankenhaus hier in Chiang Mai ist allerdings nicht so „klein und fein“ wie auf Ko Phangan. Wir müssen länger in einem überfüllten und ungemütlichen Wartezimmer sitzen, bis wir drankommen. Doch der zuständige Arzt ist nett, empfiehlt uns, die „Night Safari“ und gibt uns grünes Licht für die weitere Reise.

Grünes Licht für bunte Laternen

Für das Wochenende schau ich bei GetYourGuide nach Aktivitäten für das Wochenende. Wir starten mit einer Tuktuk-Tour zu Tempeln und Night Markets. Joshua liebt Tuktuk Fahren und auch Night Market klingt gut. Den Preis von € 33,00 finde ich auch ok. Doch statt uns durch die Tempel zu führen und Dinge zu erklären, kutschiert uns der Tuktuk-Fahrer jeweils zu einem Ort, lässt uns dort raus und wartet, bis wir zurück sind. Nun gut, das hätten wir uns auch günstiger selbst organisieren können. Aber egal, es ist bequem und wir müssen uns nirgendwo um ein Taxi kümmern. Der Night Market ist beeindruckend, aber noch mehr sind es die vielen Lichter und Kerzen, die wir in der ganzen Stadt verteilt sehen. Denn wir schon erwähnt ist hier am Wochenende das berühmte Loy Kratong Festival, zu dem Menschen sogar aus ganz Thailand und auch aus aller Welt extra nach Chiang Mai kommen.

Loy Krathong ist ein thailändisches Lichterfest, bei dem Menschen schwimmende Blumenkränze auf Flüssen und Seen platzieren, um ihre Dankbarkeit gegenüber dem Wasser zu zeigen und schlechtes Karma loszuwerden. Das Ganze wird dann in Kombination mit vielen Kerzen, Laternen und zahlreichen Festlichkeiten begangen. Aus dem Tuktuk heraus bekommen wir einen schönen Eindruck von den vielen Lichtern und Laternen. Auf der alten Stadtmauer stehen sogar echte Kerzen!

Rasend durch den Dschungel

Am Samstag ist dann etwas mehr Action angesagt. Wir wollen zum Hochseilgarten, die mit einer 800 Meter langen Seilbahn wirbt. Mehrere Stationen, davon die meisten als Zipline und zurück mit einem Miniaturtrain. Hört sich vielversprechend an, aber ein bisschen Bammel hab ich ja auch. Sind die Sicherheitsvorkehrungen hier auch genauso streng wie bei uns? Ein Restrisiko bleibt immer. Wir waren auch in Deutschland schon öfters im Hochseilgarten und lieben dieses Gefühl von Adrenalin, wenn man Schritt für Schritt immer höher klettert, auf der Plattform steht, sich vielleicht ein wenig überwinden muss, um dann loszurasen in das Nirgendwo hinein. Hier ist es etwas anders. Keine große Einführung per Video, kein umständliches selbst anziehen der Klettergurte. Wir bekommen zwei Guides an die Seite, die uns direkt die Klettergurte verpassen, und los geht’s. Sie begleiten uns sogar durch die gesamte Zipline hindurch. Also nix mit zögern oder nochmal nach unten schauen, wir werden an jeder Station sanft vorgeschubst, und schon geht’s jauchzend durch den Dschungel. Nebenbei machen sie noch Fotos und Videos von uns, um wie immer alles schön festzuhalten. So sind wir entsprchend schnell durch, bekommen unser im Paket inbegriffenes Lunch und fahren zufrieden mit der Mini-Eisenbahn zurück.

Taxis in Asien – immer ein Abenteuer

Doch das Highlight unseres Aufenthaltes in Chiang Mai ist definitiv der von unserem „Arzt“ empfohlene Night Safari. Diesmal buchen wir keine Tour dafür, weil die nette Rezeptionistin uns empfiehlt, einfach selbst mit dem Taxi hinzufahren. Taxi fahren ist Asien ist auch so eine Sache. Es ist zwar viel billiger als bei uns in Deutschland, aber es ist nicht immer so leicht, ein Taxi zu bekommen, und dann noch mit einem Fahrer, der einen übers Ohr haut oder ein Vielfaches vom üblichen Preis nimmt. Gerade in Indien ist es leider Standard, dass die Taxifahrer einen abzocken wollen oder hinterher mehr verlangen als vereinbart – mit irgendeiner fadenscheinigen Ausrede wie „Es war Stau“ (ach ja? Kommt vor…) oder „ich habe den Weg nicht gefunden und war länger unterwegs“ (nun, das sollte doch ein Taxifahrer eigentlich draufhaben und nicht auf den Kunden abgeschrieben, oder?) Jedenfalls haben wir gerade in Indien schon alle möglichen schlechten Erfahrungen gemacht, bis hin zu aufdringlichen Taxifahrern, als ich damals alleine in Indien unterwegs war. Mit großer Freude haben wir daher „Uber“ entdeckt. Bei uns in Deutschland hat sich das nicht durchgesetzt, aber in Indien war es einfach praktisch: du kannst es online bestellen genau zu dem Ort wo du bist, gibst den Zielort ein, der Fahrer weiß genau wohin es geht, und meist sind es junge, zurückhaltende Studenten, die uns nicht bedrängen und auch sehr ruhig fahren. Die Autos sind modern, bequem und klimatisiert – und mit E-Antrieb! In Delhi und Mumbai haben wir das sehr zu schätzen gelernt.

Hier in Thailand wird uns „Grab“ empfohlen, das nach dem gleichen Prinzip sehr gut funktioniert. Wir nehmen also ein „Grab“ Taxi zur Night Safari und werden gleich mit riesigen Elefantenstatuen aus Marmor begrüßt. Elefanten gehören zum Inventar von Thailand wie die Kühe zu Indien. Selbst die Handtücher in den Hotels haben wir schon zu Elefanten gefaltet bewundern dürfen. Auch in der „Night Safari“ stellen wir wieder fest, wie gut hier alle durchorganisiert sind. Direkt mit dem Eintrittsticket erhalten wir einen genauen und abgepassten Zeitplan, was wir wann machen können: Erst mit der Tram auf Safari, dann Dance Show, dann Water Show, dann Tigershow. Es wirkt hier ein bisschen wie im Disneyland, nur nicht so groß und verwirrend. Trotz allem werden wir nicht enttäuscht.

Tanzende Grizzlys bei Vollmond

Es ist wirklich ein tolles Erlebnis, mit der offenen „Tram“ bei Vollmond durch das Gelände zu fahren und alle möglichen Tiere – wohl gemerkt nur wenige einheimische, sondern eher andere Tiere – in ihrem Gehege zu sehen, auf das dann extra die Scheinwerfer gerichtet werden. Es scheint die Tiere nicht zu stören. Einige machen sogar fast eine Show daraus. Ob sie darauf trainiert wurden? Das Zebra scheint uns regelrecht zuzulächeln, als wir vorbei fahren, der braune Grizzly Bär richtet sich zu seiner vollen Größe auf, und eine Giraffe kommt sogar ganz nah an uns heran. Der Guide drückt Joshua eine Banane in die Hand, und er darf sie damit füttern und sogar noch streicheln. Sicherlich ein Erlebnis, das ein Zehnjähriger nicht so schnell vergisst. Zahlreiche Smart Phones werden in die Höhe gerichtet, um diesen Moment festzuhalten. Ich will nicht wissen, in wie vielen japanischen, thailändischen und sonstigen digitalen Fotoalben wir landen werden. Ich habe den Eindruck, dass die Asiaten mittlerweile den Großteil ihrer Erlebnisse nur noch durch das Display ihres Smart Phones sehen, da sie ständig am Filmen und Fotografieren sind. Wobei das sicherlich eine Entwicklung ist, die auch bei uns nicht aufzuhalten ist.

Beim nächsten Highlight kann jedoch auch ich kaum mein Smartphone aus der Hand legen. Uns wird eine Wassershow ohne Gleichen geboten, in dem Fontänen, Farben, Bilder und Musik perfekt abgepasst zu einer beeindruckenden Show komponiert wurden. Ein tolles Highlight, das alle Zuschauer vom Rande des Ufers aus gebannt verfolgen und – natürlich filmen.

Da kann die nachfolgende „Tiger Show“ noch so sehr mit im Käfig hoch springenden Tigern und Löwen aufwarten, das ist kaum noch zu toppen. Wir bewundern noch ein paar Hindernisläufe der Raubtiere, einen Leoparden, der unter Wasser taucht – was wir dank eines gläsernen Beckens gut mitverfolgen können – und ein paar Nachttiere, die von einem Bau in den anderen hüpfen. Alles verbunden mit fetziger Musik und einer lauten Stimme, die auf thailändisch und in leider unverständlichem Englisch alles kommentiert. Dafür, dass wir nachmittags gar keine Lust hatten, uns aufzuraffen, muss ich sagen: es hat sich gelohnt!

Nach dieser Woche in Chiang Mai kann ich sagen: Es ist ein Ort, an dem man sich gut länger aufhalten kann. Doch wir müssen leider weiterziehen und nehmen am nächsten Tag den Nachtbus nach Bangkok. Warum wird nach Bangkok müssen, das erfährst du im nächsten Blogartikel.

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