Meckern verpönt? Von Hotels und anderen Baustellen in Phuket

Das Leben ist eine Baustelle – und manches Hotel auch

Ich sitze mit Joshua im Taxi, erfüllt und zufrieden von dem schönen und besonderen Segelerlebnis, das wir hatten. Aber wir freuen uns auch mal wieder auf ein klimatisiertes Hotelzimmer, ein großes Bett zum Schlafen und nicht kochen müssen. Als das Taxi zum Hotel einbiegt, sehen wir jedoch zunächst – einen riesigen Bauzaun. Daran vorbei, kommen wir an der Rezeption an. Da es noch früh ist, können wir noch nicht in das Zimmer. Wir gehen also zum Poolbereich, um es uns dort auf einem der Liegestühle bequem zu machen und zu warten. Der Pool ist schmal und lang, die Liegestühle passen nur daneben, wenn sie schräg stehen, daneben ist der Bauzaun und dahinter – jede Menge Baulärm. Solche Dinge sieht man natürlich bei Booking.com nicht auf den Bildern. Da zudem das Hotel ganz neu ist – eben noch eine halbe Baustelle – gab es auch noch kaum Rezensionen dazu. Wobei ich eigentlich dachte, dass man bei einem 4-Sterne-Hotel nichts falsch machen kann. Aber da habe ich mich leider getäuscht. Entgegen der Aussage in Booking liegt das Hotel auch nicht direkt am Strand. Um zum Strand zu kommen, müssen wir am Bauzaun entlang durch die sengende Hitze laufen und noch über eine Straße.

Schließlich können wir in unser Zimmer einziehen, was immerhin sehr gut ist. Geräumig, modern, mit einer kleinen Küchenzeile (wobei dort noch nichts eingerichtet und benutzbar ist), einem Schreibtisch und zusätzlichem Sofa. Mit Mühe überrede ich Joshua, noch einen kleinen Gang durch den Ort zu machen. Wobei der Begriff „Ort“ etwas übertrieben ist, was wir hier vorfinden: Eine große lange Straße entlang des Strandes, an der Straße entlang das übliche: Massagesalons, kleine Supermärkte, Restaurants. Kein gemütlicher Ortskern, alles einfach nur aufgereiht an der großen Straße. Und beschleicht das Gefühl, dass wir unser Hotelzimmer die nächsten Tage nicht so oft verlassen werden.

Das Frühstück am nächsten Morgen macht es nicht besser. Aus dem Mini-Frühstücksraum blickt man auf den Bauzaun, die Tische sind eng zusammen gepfercht und wir kommen uns vor wie in einem Käfig. Das Buffet hat zwar das Übliche, was es so gibt – English Toast bis hin zu Scrambled Eggs, aber appetitlich ist das alles nicht, wenn direkt am Nebentisch irgendwelche dickbäuchigen Typen das Rührei in sich hineinschaufeln und alle Reste unappetitlich am Tisch hinterlassen. Ich bedaure es, dass ich direkt eine komplette Woche in diesem Hotel gebucht habe. Natürlich – das mag alles nach „Luxusproblem“ klingen, aber ich sehe es nicht ein, wenn der Preis in Relation viel höher ist als das, was man angeboten bekommt.

Should I stay or should I go?

Muss ich das jetzt so hinnehmen, weil ich nun mal verbindlich und stornierungsfrei gebucht habe? Oder darf ich / ja, sollte ich versuchen, es zu ändern? Ich entscheide mich für ändern und gehe zur Rezeption, mit der Bitte, vorzeitig auszuchecken. Immerhin sind die Mitarbeiterinnen an der Rezeption sehr freundlich. Sie rufen den Manager, der ebenfalls sehr kooperativ ist. Ich vermute fast, dass ich nicht die erste bin, die sich beschwert. Er versucht fast verzweifelt, mich zum bleiben zu überreden: er bietet mir Upgrades an, ein kostenloses Dinner etc. Doch ich will nur weg hier, und schließlich willigt er ein, dass ich am nächsten Tag auschecken und das restliche Geld zurückbekommen kann. Er müsste nur noch mit der Reservierungsabteilung klären, wie sie es handhaben. Ich bin total erleichtert und suche mir direkt ein anderes Hotel raus, das einen guten Eindruck macht, in der Nähe und bezahlbar ist. Schließlich gilt es nur noch, die restlichen 4 Tage etwas zu finden, bis wir an Heiligabend nach Bangkok fliegen.

Gerade habe ich online auf „buchen“ (ohne kostenfreie Stornierung, wohlgemerkt) gedrückt, kommt ein Anruf über das Hoteltelefon. Es sei doch nicht möglich, vorzeitig zu stornieren, sagt mir der Manager am Telefon. Ich hätte bis zum 24.12. gebucht und bezahlt, das wäre nicht rückgängig zu machen. Na ganz toll, denke ich mir, jetzt habe ich gerade das andere Hotel gebucht und komme hier nicht raus! Was tun? Aufgeben? Ich recherchiere im Netz „Was tun bei Baulärm“? So kampflos will ich das nicht hinnehmen. Man solle es dokumentieren, finde ich auf diversen Anwalts-Beratungsseiten im Netz heraus. Ah, ok. Ich gehe mit meinem Smart Phone nach unten und mache Bilder, Tonaufnahmen und Videos von allem: dem Lärm hinter dem Zaun, dem eingequetschten Pool, der provisorischen Einrichtung. Dann setze ich mich hin und schreibe eine lange Mail an den Hotelmanager sowie Booking.com. Ich beschreibe die Mängel und dass ich diese gerne auf Anfrage dokumentieren kann. Ich beschreibe den Vorgang und die mündliche Zusage des Hotelmanagers. Fast komme ich mir dabei vor wie so eine typische deutsche Meckertante, die an allem etwas auszusetzen hat. Skrupel begleiten mich die ganze Zeit: ist es nicht übertrieben, da so viel Energie reinzustecken? Sollte ich das nicht einfach als „Dumm gelaufen“ oder „Pech gehabt“ abhaken und nächstes Mal schlauer sein?

Für sich einstehen erlaubt

Doch dann erinnere ich mich wieder an mein Motto: „love it, leave it or change it”. Und mir wird noch etwas klar: Nein, ich MUSS nicht alles so hinnehmen, was man mir vorsetzt! Das habe ich auch schon in Indien, aber auch auf der restlichen Reise gelernt. Und ich finde, das gilt für uns alle, vielleicht sogar gerade für uns Frauen: Wir dürfen es einfordern, dass man uns respektvoll und gut behandelt: Wir dürfen die Stimme erheben, wenn uns nicht das geboten wird, wofür wir bezahlen – und in dem Fall war es nicht zu wenig. Wir müssen, ja dürfen es nicht zulassen, wenn andere so unverschämt sind und denken, wir würden schweigend alles akzeptieren, was man uns anzubieten versucht. Für mich ist das immer wieder eine der wichtigsten Übungen überhaupt.

Ich habe dies früher anders vermittelt bekommen: sei nicht unverschämt, fordere nicht zu viel, lass mal Fünfe gerade sein, halte die Bälle flach etc. Die Geschichte mit dem Hotel mag ein kleinliches Beispiel sein, aber es lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen: Wo stehen wir im Job nicht für uns selbst ein, in der Familie, in der Partnerschaft? Ich habe mittlerweile gelernt: Ja, wir dürfen auch mal einen „Zwergenaufstand“ machen, wir dürfen laut werden, toben, uns beschweren, fordern und für uns einstehen! Wir müssen uns nicht mit weniger zufrieden geben, nur um möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen! Als harmoniebedürftiger Mensch fällt es mir schwer, Grenzen zu setzen. Jemand könnte mich nicht mögen, selbst wenn er „nur“ ein Hotelmanager ist, den ich nie wiedersehe. Mir wird bewusst: nicht nur hier, sondern in allen Lebensbereichen ist es eine gute und auch schwierige Übung, zu riskieren, dass andere mich nicht mögen.

Und dazu lade ich auch dich ein: probiere es mal aus, mit der Einstellung durch den Tag zu gehen, nur so als Übung. Riskiere, dass andere dich nicht mögen. Vielleicht wirst du dann in der Tat mehr anecken. Aber du wirst auch mutiger, das kann ich garantieren!

Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende

Als wir am nächsten Tag auschecken überbringt uns der Hotelmanager strahlend die Nachricht, dass ich mein restliches Geld zurückbekomme. Na also, geht doch! Ich soll ihnen allerdings unterschreiben, dass ich eine gute Bewertung für das Hotel abgebe. Tja, so läuft das hier wohl, aber was soll’s. Ich unterschreibe und bin erleichtert, dass es doch noch geklappt hat.

Das „Ausweichhotel“ zwei Buchten weiter ist sehr schön und hat einen richtig tollen Pool auf dem Dach, mit Blick über die Landschaft. Wir nutzen die Tage bis Weihnachten, um Online-Schule zu machen, Fotos zu sortieren, zu arbeiten und noch ein paar Aktivitäten aus Joshuas Adventskalender zu machen. Die 3 Fragezeichen hören, zusammen einen Film nach Joshuas Wahl schauen – in diesem Fall Jurassic Park. Wir machen Kissenschlachten und Kitzelschlachten und toben im Pool. Am frühen Abend habe ich meist diesen wunderschönen Rooftop Pool für mich alleine. Ich setze mich dann auf einen der Liegestühle und schaue mir den Sonnenuntergang an. Der Himmel färbt sich in allen Orange- und Rottönen, hinten durch die Bäume hindurch sieht man das Meer. Ja, es ist schön hier in Thailand. Und doch merken wir beide, dass es bald Zeit wird, zurück nach Deutschland zu kommen. Joshua vermisst seinen Papa, seine Freunde, seine Omas, und ich brauche auch mal wieder mehr Struktur. So werden wir im Januar, zum Halbjahreswechsel an der Schule, zurückfliegen. Doch bevor es soweit ist, warten in Bangkok und auf der Insel noch einige Abenteuer auf uns. Dazu mehr im nächsten Blog…

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2 Kommentare
  1. Angela
    Angela sagte:

    Liebe Martina, danke dir für deine Worte! und ja, ich freue mich auch, dass du einer von den Menschen bist, bei denen ich mich sehr freue, sie wieder live sehen zu können!

  2. Martina
    Martina sagte:

    Liebe Angela, tolle Erkenntnisse und Lösungen, die du aus eurer Reise mitbringst!
    So eine Person als Begleiterin kann man sich nur wünschen!! „Krisen-Managerin“ in Reinkultur. Sooo schön, dass du wieder in der Nähe bist!!

    Martina

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