Reisen ist Abenteuer: von Chiang Mai über Hua Hin bis Phuket

Schön warˋs in Chiang Mai! Unsere nächste Zwischenstation ist Bangkok, da wir hier unser Visum verlängern müssen. Also habe ich online einen Termin beim Immigration Office gemacht. Außerdem ist meine US-amerikanische Lachyoga-Kollegin Carla gerade in Bangkok und wir können sie dort treffen. Zunächst allerdings haben wir noch eine Nachtbusfahrt vor uns: von Chiang Mai nach Bangkok. Auf meinen früheren Reisen bin ich schon etliche Male mit Bussen über Nacht gereist und fand es irgendwie immer cool: gute Musik in den Ohren, man sieht die Lichter der Stadt vorüberziehen wie in einem Film, und wenn man Glück hat, lernt man noch nette Mitreisende kennen. Doch unser Bus – der auf dem Bild sehr modern aussah – ist leider von innen nicht so gemütlich. Es riecht komisch, und die Beinfreiheit lässt auch zu wünschen übrig.

Ok, wir überstehen es irgendwie mit wenig Schlaf und sind schon morgens um 5 in Bangkok am Busterminal, wo wir erstmal eine halbe Stunde am Taxistand warten müssen. Im Hotel angekommen, ebenfalls nochmal 3 Stunden warten, bis wir auf unser Zimmer können. Gut, dass wir mittlerweile so flexibel sind und von überall aus arbeiten bzw. Schule machen können. Also suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen in der Hotellobby, gutes Wifi inklusive, was will man mehr. Das Warten lohnt sich: wir bekommen ein Zimmer im 7. Stock, mit Blick auf den Kanal.

Behördenrennerei – gibt es auch in Thailand

Am nächsten Tag geht es zur VISA-Verlängerung. Durch Stau – leider auch in Bangkok an der Tagesordnung  – kommen wir in letzter Minute zu unserem Termin – um dann zu erfahren, dass wir im falschen Büro sind und ganz woanders hinfahren müssen. Auch hier gibt es also Behördenrennerei – ich fühle mich schon wie zu Hause. Das für uns zuständige Burö ist in einer etwas heruntergekommenen Shopping Mall. Auf Plastikstühlen sitzen draußen im Wartebereich zahlreiche Menschen, die offenbar das Gleich wollen wie wir. Immerhin werden wir mit großen Schildern idiotensicher und Schritt für Schritt durchgeführt, was wir zu tun haben: Formular ausfüllen, Kopie vom Reisepass machen, Passfotos, eine Wartemarke ziehen. Dazu noch eine Adresse in Thailand angeben, und schließlich sind wir durch.

Faszinierendes Bangkok – trauriger Strandort

Für ein Treffen mit Carla reicht die Zeit jetzt nicht mehr, aber das holen wir am nächsten Tag nach:  mit einer „Hop on –  Hop off Tour“ auf dem beliebten Fluss Chao Praya. Von hier aus kann man die schönsten Tempel vom Wasser aus sehen, bis hin zur modernsten – und vermutlich auch teuersten – Shopping Mall von Bangkok. Diesmal reicht es für einen guten ersten Eindruck, der uns positiv überrascht: Einerseits gibt es hier Großstadtfeeling, mit Skyline, modernen Shopping Malls und Sky Train – andererseits wirkt Bangkok aber nicht so laut, dreckig, voll und anstrengend wie Delhi oder Mumbai.

Unsere nächste Station ist die Stadt Hua Hin an der Ostküste, etwa 4 Stunden Richtung Süden. Es heißt, dass hier viele Deutsche auch längerfristig leben, und von vielen Seiten hatte ich Gutes gehört. Für uns sieht die Hauptstraße der Stadt jedoch eher aus wie die schlimmsten Bettenburgen von Mallorca: sie ist gesäumt von heruntergekommenen Häusern und billigen Tourishops, nicht wirklich schön. Immerhin ist unser Resort gut – ich hatte dank Black Friday einen relativ günstigen Preis ergattert für ein richtig gutes Hotel –  und so beschließen wir, dieses möglichst wenig zu verlassen. Es reicht noch dafür, einen Friseur zu entdecken, den Joshua dringend nötig hat, ein Nagelstudio für mich, ein richtig gutes Sushi-Restaurant und einen Service zum Wäsche waschen.

The Grass is always greener…

Auch auf einer Reise fallen gewisse Erledigungen an, um die man nicht umhinkommt. Grundsätzlich bin ich nicht traurig drum, dass mir vieles von der üblichen Haushaltsarbeit erspart bleibt. Kein bisschen vermisse ich es, zu putzen, die Spülmaschine einzuräumen oder Wäsche zu waschen. Was mir manchmal dann aber doch fehlt, ist die Möglichkeit, selbst zu kochen und sich selbst versorgen zu können. Auch das klingt wie ein Luxusproblem: Aber auf Dauer macht es keinen Spaß, jeden Tag zu einem Frühstücksbuffet zu gehen, zu schauen, was davon uns überhaupt schmeckt, und sich zwischen den anderen Menschen durchzudrängeln, die ebenfalls am Kaffeeautomaten warten. Nicht immer ist unser Frühstück inklusive, so dass wir uns manchmal mit gekaufter Milch und kleinen Müslipackungen aus dem 7/11 behelfen, in unseren provisorischen Tupperdosen. Doch eine richtige Küche für so etwas haben wir nirgendwo.

Auch mit dem Essen gehen allgemein ist das so eine Sache, selbst wenn es hier natürlich weitaus günstiger ist als in Deutschland. An Straßenständen essen wir meistens nicht, da ich seit Joshuas Fast-Blut-Vergiftung damit sehr vorsichtig geworden bin. Ich selbst liebe zwar das thailändische Essen, doch auch mir ist es oft zu scharf. So gehen wir in Restaurants, die auch „westliches“ Essen anbieten und bestellen dort Club Sandwich oder Hamburger für Joshua. In der Hinsicht freuen wir uns schon jetzt wieder darauf, zu Hause selbst einkaufen zu gehen und zu kochen, was das Herz begehrt. An einem „vernünftigen“ Herd mit 4 guten Kochplatten. Es klingt paradox, aber wir merken in vielerlei Hinsicht, wie sehr man bestimmte Dinge vor allem dann zu schätzen weiß, wenn man sie eben nicht immer hat.

Wieder mal wird mir klar, dass es genau das ist, was das Leben ausmacht: in allen Bereichen gibt es die Sonnen- und die Schattenseite. Ohne „negative“ Gefühle würden wir schöne Gefühle wie Freude, Liebe, Begeisterung weniger schätzen. Ist es dann also eine Illusion, wenn wir es anstreben, immer glücklich zu sein und gute Gefühle zu haben? Sollten wir uns nicht lieber einfach damit abfinden und es hinnehmen, dass Gutes und Schlechtes im Leben passiert?

Das Glück ist nicht perfekt

Definitiv war ich schon immer davon überzeugt und vermittele es auch so, dass es nicht darum geht, dauerhaft und kontinuierlich gut drauf und glücklich zu sein. Das wäre tatsächlich eine Illusion. Doch können wir überhaupt unser Glück selbst gestalten, wie es immer so schön heißt? Oder müssen wir einfach alles im Leben geschehen lassen, so wie es kommt, weil uns eh immer Gutes und Schlechtes passiert?

Meiner Meinung nach liegt der Unterschied darin, WIE wir mit den negativen Dingen, Gefühlen und Ereignissen umgehen. Klar müssen wir manchmal einfach das annehmen, was ist. Aber wir können dabei entweder in die Opferhaltung verfallen, indem wir hadern und denken, „immer passiert mir das“. Oder wir können darauf vertrauen, dass die Zeiten wieder besser werden – denn es gibt ja immer die zwei Seiten. Ich denke: wir können immer und trotz allem aktiv dazu beitragen, dass sich etwas verändert. Und wenn es nur im Kleinen ist.

Nachtbusfahrt mit jähem Ende

Unser nächstes Erlebnis ist das beste Beispiel dafür. Wir haben eine weitere Nachtbus-Fahrt geplant: Diesmal nach Phuket. Eigentlich war das nicht auf dem Plan, aber von hier aus wollen wir eine Segeltour machen. Ich hatte tatsächlich noch einen bezahlbaren und sogar deutschen Anbieter gefunden, um diesen Törn ab Phuket zu machen – zu verlockenden Orten wie dem James Bond Felsen, Ko Phi Phi, Ko Lanta etc. Phuket selbst ist ja eher bekannt für Pauschaltourismus und daher nicht mein bevorzugtes Reiseziel. Neu war mir aber, dass Phuket nicht nur eine Stadt ist, sondern auch eine gesamte (Halb-) Insel, fast so groß wie die gesamte Insel Fuerteventura. Da der Yachthafen im Norden der Insel Phuket liegt, habe ich für die Nacht vorher ein Hotel rausgesucht, das im Norden, also in der Nähe des Yachthafens liegt. Die Fernbusse nach Phuket fahren jedoch alle zum Busterminal in Phuket Stadt, im Süden. Egal – sicherlich kann der Bus uns irgendwo im Norden rauslassen, schließlich habe ich es schon oft erlebt, dass Fahrer irgendwo stoppen, um Passagiere außer der Reihe aufzunehmen oder abzusetzen. .

Ich hatte diesmal extra darauf geachtet, dass wir den super Luxusbus nehmen, mit nur 3 Sitzen in einer Reihe, die sich in Schlafposition herunterklappen lassen. Natürlich gegen entsprechenden Aufpreis. Doch diesmal freue ich mich schon richtig darauf. Zunächst müssen wir jedoch bis 22:00 Uhr an der Hauptstraße von Hua Hin warten, bis der Bus endlich kommt. Wir werden nicht enttäuscht: Ein hochmoderner Luxusbus, mit neuen und gemütlichen Ledersitzen. Joshua ist begeistert und lässt sich erleichtert in den Sitz fallen. Wir bekommen frisch gewaschene Decken, Wasserflaschen, Saft und Cracker gereicht. Ich lehne mich zurück mit guter Musik im Ohr und lasse die weihnachtlich geschmückten Straßen von Hua Hin an mir vorüberziehen. Joshua, der sonst nie in Bussen, Flugzeugen oder Zügen schlafen kann, schläft nach kurzer Zeit tief und fest. Herrlich, so lässt es sich reisen!

Doch plötzlich findet die Fahrt ein jähes Ende: um 4:30 – gefühlt mitten in der Nacht – hält der Bus plötzlich an. Hmm, blöder Zeitpunkt für eine Pause, denke ich mir, und dass wir einfach im Bus bleiben werden, zumal Joshua immer noch schläft. Daraus wird nichts: Der vorher so freundliche „Bus-Assistent“ ruft laut und bestimmt, dass hier ALLE Passagiere mitsamt Gepäck den Bus verlassen müssen. Es ist gar nicht so einfach, Joshua wach zu kriegen und ihn raus in die Hitze der Nacht zu scheuchen. Wir stehen irgendwo mitten an einer Straße, das gesamte Gepäck wurde ausgeladen und auf dem kleinen Bürgersteig gestapelt. Zum Glück sind unsere beiden Taschen dabei, wie ich schnell mit einem Blick überprüfe. Wir Gestrandeten – fast nur Rucksack-Touristen – stehen jetzt auf der Straße. Es gibt einen Mini-Verkaufstisch mit Kaffee und Chips und Keksen, aber keiner weiß, was Sache ist. Joshua ist noch halb im Schlaf, und ich versuche mich durchzufragen. Offenbar sollen hier die Passagiere umverteilt werden. Eine Mitarbeiterin der Busfirma fragt mich harsch, in welches Hotel wir wollen und sagt mir, das sei vom Phuket Busterminal noch 1,5 Stunden Fahrt und koste 900 Baht. Ich frage, ob wir denn im Norden – Nähe Flughafen – abgesetzt werden können, und sie sagt mir unfreundlich, das sei nicht möglich. Wir hätten schließlich bis zum Terminal gebucht und müssten bis zum Terminal mitfahren und von dort aus wieder mit dem Taxi zurück in den Norden. Ich werde sauer, beschwere mich, doch sie ignoriert mich einfach und wendet sich dem nächsten Passagier zu.

An der Straße stehen kleine weiße Vans, in die wir nun einsteigen sollen, um zu unserem Ziel gebracht zu werden. Ich koche vor Wut. So eine Abzocke kenne ich von Indien, aber hier im freundlichen Thailand habe ich das noch nicht erlebt! Doch ich stehe mitten in der Nacht mit meinem halb schlafenden Kind an einer unbekannten Straße, also bleibt mir nichts anderes übrig, als das zu nehmen, was wir kriegen können. Wir quetschen uns in den Van, ich versuche noch, mit dem Busfahrer zu verhandeln, doch auch hier stoße ich auf taube Ohren. Ein Engländer, der hinter uns sitzt, hat das mitbekommen. Er gibt mir den Tipp, dass Busfahrer eher „kooperativ“ sind, wenn man ihnen einen kleinen „Extrabonus“ dafür anbietet.

Love it, leave it or change it

Also nutze ich die nächste Pause, um mir den Busfahrer zu krallen, und biete ihm 500 Baht an, wenn er uns im Norden rauslässt. „Welches Hotel?“ fragt er sofort, und plötzlich ist alles möglich. Ich drücke ihm die Scheine in die Hand, und so haben wir am Ende weniger bezahlt UND 3 Stunden Fahrzeit gespart. Dennoch wird meine Bewertung für DIESE Busfirma sicherlich nicht gut ausfallen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie solche Erfahrungen beim Reisen sich auf das „das richtige Leben“ übertragen lassen. Hier üben wir, einerseits anzunehmen, was nicht zu ändern ist. Sprich, uns in einen Van quetschen zu lassen für die restliche Fahrt. Aber es zeigt sich auch, wie wichtig es ist, nicht einfach ALLES hinzunehmen, was man vorgesetzt bekommt, sondern für das eigene Wohlbefinden zu kämpfen und das Beste rauszuholen.

In wie vielen Lebensbereichen nehmen Menschen einfach Dinge hin, jammern darüber, setzen aber nicht wirklich alles daran, um doch noch das Beste daraus zu machen? Wie viele Menschen hängen in einem untragbaren Job fest, in dem sie schlecht behandelt werden? Wie viele in einer Beziehung, die lieblos ist? So wird hier wieder klar: Bei allem im Leben sollten wir für uns sorgen und uns fragen: bin ich so damit zufrieden wie es ist? Wenn nein, was daran kann ich ändern, was muss ich akzeptieren, wie kann ich es ändern?

Wenn wir hier auf der Reise etwas gelernt haben, dann ist es, sich flexibel auf jedwede Situation einzustellen. Ich möchte dabei gerade auch meinem Kind vermitteln, dass es manchmal wichtig ist, nicht zu schnell aufzugeben, sondern das Beste draus zu machen. Denn natürlich haben wir beide auch manchmal Heimweh und vermissen Freunde und Familie zu Hause. Genauso möchte ich ihm umgekehrt vermitteln, dass wir immer und an jeder Situation etwas ändern können. Egal, ob es das Hotelzimmer ist, unsere Aktivitäten oder unsere Reiseorte. Ich bin mir sicher, dass Joshua – neben englisch – eines auf dieser Reise gelernt hat: Flexibilität. Flexibilität, um mit unterschiedlichsten Lebenssituationen umzugehen und das Beste draus zu machen. Diese Flexibilität wird uns auch bei unserem nächsten Abenteuer – dem Segelltörn – sehr abgefordert werden. Doch dazu mehr im nächsten Blog.

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1 Kommentar
  1. Evelin
    Evelin sagte:

    Liebe Angela, ich liebe es, deine Reiseberichte zu lesen. 🙂
    Und bekomme manchmal Fernweh. Mal schauen, was daraus wird.
    Danke, dass du eure Erfahrungen und Erlebnisse teilst.
    Respekt für deinen Mut und deine Stärke. 👍
    „Immer flexibel bleiben“ ist meine Einstellung seit der 11. Klasse. Ich hatte einen Lehrer, der uns das zwei Jahre lang gepredigt hat. Das prägt. 😄 …Und hilft in schwierigen Situationen. Kann ich bestätigen.
    Ich wünsche euch eine gute Weiterreise mit wunderschönen Erlebnissen. Liebe Grüße, Evelin 😘

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