Werte: dein Kompass für’s Leben
Würdest du töten, um Menschen zu retten? Das Trolley-Dilemma
„Mama!“ fragt mich mein Sohn: „Was würdest du tun: du bist Gleisarbeiter und ein außer Kontrolle geratener Zug rollt auf den Gleisen einen Berg hinunter. Auf der Schiene sind 5 Gleisarbeiter, die durch den Zug sterben würden. Du könntest den Zug aber auf ein Gleis umleiten, auf dem nur ein Gleisarbeiter steht und dann statt fünf Menschen nur einer sterben müsste.“
Wir laufen gerade am Deich von St. Peter Ording entlang. „Puh, weiß nicht,“ sage ich. „Vielleicht würde ich dann den Hebel umlegen.“
„Ok, und was wäre, wenn auf dem einen Gleis ein Kleinkind spielt und auf dem anderen Gleis – also wenn du umleitest – eine ältere Dame sich verirrt hat?“ hakt mein Sohn nach. Boh, das ist schwierig! „Ich glaube, ich würde dann eher die Variante wählen, bei der ich nicht eingreife“ sage ich. „Denn vielleicht ist es dann ja einfach vom Leben oder von Gott so vorgesehen, dass eine Seele nur ganz kurz auf der Welt ist? Und wer kann schon beurteilen, ob ein Leben mehr wert ist als ein anderes und wann?“
Ich bin ins Nachdenken gekommen. Offenbar hat mein Sohn irgendwo im Internet dieses „Trolley-Problem“ aufgeschnappt. Sogar eine Studie der Max-Planck-Gesellschaft hat sich schon damit beschäftigt, wie Menschen mit solchen moralischen Dilemmata umgehen würden (mehr dazu, siehe hier..). Diese und ähnliche Dilemma-Fragen sorgen für Diskussionen über Ethik und Moral. Übrigens: die Mehrheit würde in diesem Fall das Gleis umstellen, um die 5 Personen zu retten. Doch das heißt nicht, dass es ethisch richtig ist. Hier findest du weitere Beispiele für moralische Dilemmata…
Darf ein Computer töten?
Zuletzt gab es diese auch im Zusammenhang mit dem Thema „selbstfahrende Autos.“ Was ist zum Beispiel, wenn das computergesteuerte Auto eine Frau mit Kinderwagen nur dann retten kann, wenn es ausweicht und dafür eine ältere Dame überfahren muss?
Für solche Fälle hat die „Ethik-Kommission für automatisiertes Fahren“ bereits klare Leitlinien festgelegt (siehe hier…): Um Menschenleben zu retten, darf zwar der Tod von Tieren in Kauf genommen werden, aber nicht der von anderen Menschen. Außerdem darf nicht zwischen Menschen unterschieden werden, egal wie jung, alt krank oder gesund, Herkunft oder Geschlecht.
Auch darf ein Menschenleben nicht für mehrere andere geopfert werden. Also dann doch den Tod von 5 Gleisarbeitern in Kauf nehmen, statt den Zug auf einen umzuleiten?
Welche Werte sind DIR wichtig?
Dies sind natürlich überspitzte Gedankenexperimente. Und doch werden wir tagtäglich mit kleinen Dilemma-Fragen konfrontiert. Jeden Tag neu müssen wir Entscheidungen zwischen Werten treffen, die sich gegenseitig torpedieren. Zum Beispiel…
- Höre ich mir die Probleme der Freundin an (Verbundenheit und Empathie), oder würge ich sie am Telefon ab, um mein Seminar vorzubereiten (Erfolg, Qualität ,Anerkennung)?
- Helfe ich meinem Sohn bei den Hausaufgaben (Familie, Verbundenheit), oder mache ich stattdessen Sport (Gesundheit, Disziplin)?
- Spare ich alles, was ich habe, für die Rente (Sicherheit, Verlässlichkeit), oder mache ich eine Weltreise (Abenteuer, Freiheit)?
Manchmal denken wir gar nicht darüber nach, sondern machen einfach. Manchmal machen wir für Entscheidungen lange Pro- und Contra-Listen und sind hinterher trotzdem nicht schlauer (siehe auch den Blogartikel zu „Entscheidungen“). Die wenigsten Menschen sind sich ihrer Werte bewusst oder haben sich damit wirklich auseinandergesetzt.
Dabei können Werte ein absolut hilfreicher und wichtiger Kompass sein, um uns durch das Leben und unsere tagtäglichen Entscheidungen zu lotsen.
Werte als Säulen der Gesellschaft
Unsere Werte bestimmen, was wir als richtig, erstrebenswert oder moralisch richtig ansehen. Will ich um jeden Preis ehrlich sein, auch wenn ich den anderen verletze? Bin ich bereit, einen sicheren Job aufzugeben, um Freiheit zu leben? Können wir Frieden schaffen, indem wir Waffen einsetzen?
Werte sind nicht einfach da, sondern sie werden im Laufe der Zeit geprägt – durch die Eltern, durch unsere Kultur oder auch die Kirche. Ohne gemeinsame Werte könnten wir keine Demokratie leben, keine Gesetze erlassen, kein vernünftiges Miteinander gestalten.
Kein Wunder, dass das Zusammenleben derzeit so schwierig scheint – in Zeiten, in denen immer mehr Menschen mit unterschiedlichsten Wertvorstellungen miteinander auskommen müssen.
Manchmal verändern sich gesellschaftliche Werte auch mit der Zeit. Nachhaltigkeit, Umweltschutz oder mehr Toleranz für eine vielfältige Gesellschaft (z.B. LGBTQ-freundlich) werden bei uns wichtiger, während andere Werte weniger wichtig werden oder fast schon verpönt sind (z.B. Kreuzfahrten, Jet-Set-Leben oder viel und hart arbeiten).
Warum du DEINE Werte finden solltest
Doch bevor wir die Werte oder Lebensweise anderer Menschen beurteilen, sollten wir uns zunächst unserer eigenen Werte bewusst werden. Nur dann können wir integer handeln, authentisch bleiben, für uns selbst und für andere einstehen. Wir müssen uns nicht mehr von anderen verunsichern oder kritisieren lassen, wenn wir genau wissen, was wir tun und warum wir es tun.
Wir können Entscheidungen bewusster treffen und klarer handeln. Wir können wahrhaftiger leben und die Ziele verfolgen, die uns wirklich wichtig sind, statt Zielen hinterher zu hecheln, die andere für wichtig halten.
Wenn wir uns unserer eigenen Werte bewusst sind und die Werte anderer respektieren, machen wir einen Unterschied in der Welt und sorgen nicht nur für uns selbst, sondern auch für das Wohl der Gesellschaft.
Diese Werte sind für alle wichtig – oder sollten es sein
Hier sind ein paar Beispiele für allgemeingültige Werte, die wichtig sind, um ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft zu ermöglichen:
- Ehrlichkeit: Die Bereitschaft, die Wahrheit zu sagen und sich an ethische Grundsätze zu halten.
- Respekt: Die Anerkennung und Wertschätzung der Würde und Rechte anderer Menschen.
- Verantwortung: Die Verpflichtung, für das eigene Handeln und seine Konsequenzen einzustehen.
- Gerechtigkeit: Das Streben nach Fairness und Gleichbehandlung aller Menschen.
- Freiheit: Das Recht und die Möglichkeit, Entscheidungen unabhängig von äußeren Zwängen zu treffen.
Vermutlich wirst du dich in diesen allgemeinen Werten grundsätzlich wiederfinden. Und doch können die Prioritäten unterschiedlich sein. Was sind deine Prioritäten?
Übrigens: Ich habe den Deichspaziergang in St. Peter Ording mit meinem Sohn und begleitender Diskussion über Werte-Dilemmata sehr genossen. So konnte ich gleichzeitig Zeit mit meinem Kind verbringen (Familie), Anregungen für diesen Blogartikel erhalten (Kreativität) und mich körperlich bewegen (Fitness). Was will man mehr?
Ich wünsche dir Liebe, Lachen und Wahrhaftigkeit! (meine wichtigsten Werte)
Angela
Du willst es genauer wissen? Wenn du mehr über deine eigenen Werte herausfinden möchtest, dann findest du unten ein paar Anregungen dazu.
Wenn du dies lieber in Begleitung tun möchtest, dann komm in das Online-Coaching-Programm SMILE – mehr Infos, siehe hier…
Werte priorisieren in 5 Schritten
Finde heraus, was dir wichtig ist und ob du deinen Werten entsprechend handelst. Die folgende Vorgehensweise kann dir dabei helfen:
- Suche dir aus den unten genannten Werten die für dich 10 wichtigsten Werte heraus
- Priorisiere sie, indem du immer 2 Werte miteinander vergleichst
- Schreibe dir die wichtigsten 5 Werte groß und sichtbar auf einen Zettel
- Beobachte dich selbst bei Entscheidungen und ordne ein, inwiefern du nach deinen Werten entscheidest.
- Korrigiere ggf. deine Werte
Beispiele für Werte
- Abenteuer
- Achtsamkeit
- Authentizität
- Bescheidenheit
- Dankbarkeit
- Demut
- Disziplin
- Durchhaltevermögen
- Ehrgeiz
- Ehrlichkeit
- Einfluss
- Empathie
- Erfolg
- Familie
- Fairness
- Fitness
- Flexibilität
- Freiheit
- Freundlichkeit
- Geduld
- Gerechtigkeit
- Gleichberechtigung
- Großzügigkeit
- Hilfsbereitschaft
- Höflichkeit
- Innovation
- Integrität
- Kooperation
- Kreativität
- Lernbereitschaft
- Liebe
- Loyalität
- Macht
- Mitgefühl
- Mut
- Nachhaltigkeit
- Offenheit
- Optimismus
- Pflichtbewusstsein
- Pünktlichkeit
- Respekt
- Selbstachtung
- Selbstlosigkeit
- Sinnlichkeit
- Solidarität
- Toleranz
- Treue
- Verantwortung
- Vergebung
- Verständnis
- Vertrauen
- Weisheit
- Zuverlässigkeit




Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!