Das Ei, das auf den Teppich fiel – oder: Glücksmomente sind überall

Unser Glücksexperiment und was dabei Erstaunliches passierte

Heute war kein schöner Tag. Nix Schlimmes, aber auch nichts Besonderes, halt so die üblichen Pflichten: Kind zum Kindergarten, Büroarbeit, Versicherungskram regeln. Spaß? Genießen? Besondere Erlebnisse? Nicht wirklich. Jetzt ist es Abend und ich habe das Gefühl, der Tag war irgendwie vergeudet. Von wegen „Carpe Diem – genieße den Tag“. Wenn das so einfach wäre. Ich hadere noch ein bisschen, nehme dann mein Handy und schreibe in die WhatsApp-Gruppe: „Ich bin dankbar, dass ich ein Dach über dem Kopf habe.“ Schon bessert sich meine etwas gedrückte Stimmung. Andere leben auf der Straße – oder wären froh, wenn sie ein Kind in den Kindergarten bringen könnten – oder einen Job hätten, in dem sie Bürokram machen könnten. Mir wird wieder bewusst, wie gut es mir geht. Und ich gehe zufrieden ins Bett.

„Die WhatsApp-Gruppe“ – das ist eine „Glücksmomente-Challenge“, die ich mal ins Leben gerufen habe. Dabei geht es darum, jeden Tag etwas in die Gruppe zu schreiben, worüber man sich gefreut hat oder wofür man dankbar ist. Ein kleiner Gruppen-Selbstversuch, für den ich auf einem Workshop ein paar freiwillige Mitmacher*innen gewinnen konnte. Die Idee ist aus folgender Erkenntnis heraus entstanden:

Dankbarkeit macht glücklich

Es geht uns so gut wie selten zuvor, aber wir jammern trotzdem. Kein Wunder: in der Steinzeit mussten wir ständig auf der Hut sein vor den Gefahren des Lebens, sonst wären wir schon ausgestorben. Im Angesicht des Säbelzahntigers gibt es nun mal keine Muße, den Sonnenaufgang zu bewundern. Heute leben wir einigermaßen sicher, aber wir können schöne Momente trotzdem nicht genießen.

Um das zu ändern, haben sich Dankbarkeitsübungen bewährt. Zahlreiche Studien aus der Glücksforschung belegen die Wirkung von Dankbarkeit: Menschen, die zum Beispiel jeden Tag drei Dinge aufschrieben, für die sie dankbar waren, haben schon nach kurzer Zeit positive Veränderungen erlebt. Sie waren nicht nur insgesamt zufriedener, sondern es ging ihnen auch gesundheitlich besser. Sie hatten ein höheres Energielevel, erreichten ihre Ziele schneller und es erhöhte sich ihr Bedürfnis, auch anderen zu helfen.
Das wollte ich doch mal ausprobieren mit unserer Gruppe. Und zwar, indem wir nicht nur Glücksmomente oder Dinge aufschreiben, für die wir dankbar sind, sondern diese auch noch per WhatsApp mit anderen teilen – 40 Tage lang. Ich war gespannt, wie es laufen würde – und es übertraf meine Erwartungen. Hier einige Erkenntnisse daraus:

Glücksmomente erleben, ohne glücklich zu sein

Viele Menschen denken, dass sie dann glücklich sein werden, wenn alle äußeren Umstände perfekt sind. Sie vertagen ihr Glück auf später: wenn ich in Rente bin, wenn ich erstmal die Beförderung habe, wenn ich genügend Geld habe, dann… Doch durch diese Denkweise nehmen wir uns die Freude über das, was bereits ist und vergessen das Hier und Jetzt.

Natürlich ist es auch wichtig, an morgen zu denken, zum Zahnarzt zu gehen oder Versicherungskram zu regeln. Wenn wir jeden Tag nur noch in die Sauna gehen, Urlaub machen oder Freunde treffen würden, ohne uns um unsere Existenz zu kümmern, wären wir bald pleite und planlos. „Carpe Diem“ muss nicht heißen, es immer krachen zu lassen oder nur zu faulenzen. Es bedeutet vielmehr, auch im Alltag die kleinen Glücksmomente zu erkennen.

Zum Beispiel:

  • Den Vögeln zuhören, die morgens früh ihr Konzert singen, bevor man zur Arbeit fährt.
  • den Duft nach Sommerregen auf der Straße riechen
  • Menschen beobachten, die einem Bettler Geld geben und sich daran freuen
  • Nach einem langen Arbeitstag zufrieden ins Bett fallen

Unser Experiment hat aber auch deutlich gemacht, dass wir nicht immer auf die „glücklichen Zufälle“ warten müssen. Wir können uns täglich bewusst Glücksmomente kreieren, indem wir uns eine bestimmte Sache vornehmen. Zum Beispiel Gartenarbeit, frühmorgens schwimmen gehen, sich mit langjährigen Freundinnen treffen, tanzen gehen oder mal einen anderen Weg von der Arbeit nach Hause nehmen.
Glück vermehrt sich, wenn man es teilt

Was mich besonders geflasht hat war die Erkenntnis, dass wir uns nochmal doppelt und dreifach freuen konnten, als wir die Glücksmomente der anderen gelesen haben. Zusätzlich haben wir wiederum von den anderen Inspirationen bekommen. Jeden Tag sind wir daran erinnert worden, inne zu halten, den Tag zu reflektieren und einen Grund für Dankbarkeit zu finden. Und wir haben festgestellt: egal was gerade ist – wir können wir immer noch dankbar sein, ein Dach über dem Kopf und genug zu Essen zu haben.

Aus „Pechmomenten“ Glücksmomente machen

Es ging sogar darüber hinaus. Denn wir haben gemerkt, dass sogar aus „Pechmomenten“ oder trotz trauriger Ereignisse Glücksmomenten entstehen konnten. Hier einige Beispiele:

  • Ich hab ein spontanes Treffen abgesagt weil ich mich als „Lückenbüßer“ gefühlt habe – und ich fühl mich gut damit 😉
  • Es tut so gut Freude zu haben mit denen ich auch kurze Zeit nach der Nachricht, dass meine Oma verstorben ist, noch lachen und Spaß haben kann
  • Ich habe den Mut gehabt, zu mir zu stehen und damit einen Konflikt in Kauf zu nehmen
  • Heute hat mein Kater auf den Teppich gebrochen und ich war so froh, dass es ganz frisch war und ich es ohne Flecken wegnehmen konnte. 😀🐈🍀
  • Mir war nicht besonders, aber ich habe ein Lied gehört und habe ich bisschen getanzt. Danach fühlte ich mich glücklich und wohl.
  • Mein Glücksmoment war, als mir ein rohes Ei auf den Teppichboden gefallen war und es sich ganz leicht und ohne Flecken wieder entfernen ließ. 😀

Wer entscheidet also darüber, wie wir mit einem Ungeschick, einem ärgerlichen oder gar traurigen Ereignis umgehen? Das Experiment zeigt: nur wir selbst! Wir können immer wieder inne halten und entscheiden, wie wir etwas bewerten. Sollen wir uns den Tag vermiesen lassen oder das Positive sehen? Positiv denken heißt dabei nicht, Probleme zu verdrängen – sondern eher eine andere Perspektive einzunehmen und den Silberstreif am Horizont zu sehen.

Glück = Glück + Glücksmomente

Das Leben ist sicherlich mehr als eine Aneinanderreihung von Glücksmomenten. Für ein zufriedenes Leben braucht es laut Glücksforschung erfüllte Beziehungen, das Gefühl, einen Sinn zu sehen und in Dankbarkeit zu sein über das, was ist. Der Fokus auf die kleinen Glücksmomente erhöht jedoch die Dankbarkeit und richtet die Aufmerksamkeit auf die Sahnehäubchen des Lebens. Die bewusste Wahrnehmung der schönen Momente trainiert unser Gehirn darauf, diese immer leichter zu erkennen und auch bewusst zu erschaffen.

Außerdem lernen wir automatisch, auch in den unangenehmen Dingen des Lebens das Gute zu sehen oder zumindest nicht daran zu verzweifeln. Wir können uns immer mehr freuen an den Glücksmomenten anderer und entwickeln selbst den Wunsch, anderen etwas Gutes zu tun. Wenn immer mehr Menschen dies bewusst tun, dann tun sie nicht nur etwas Gutes für sich, sondern auch für die Welt.

Namasté Angela

 

Glückstipps

Der Klassiker: das  „Glückstagebuch„: Besorge dir ein schönes Heft oder einen Block und schreibe jeden Tag auf: 3 Dinge, die gut gelaufen sind, die du erfolgreich gemeistert hast oder für die du dankbar bist. Ich bin mir sicher – dein Leben wird sich verändern.

18 Glücksmomente – Nachmachen ausdrücklich erwünscht!

Nimm dir jeden Tag eine Sache vor, die dir einen Glücksmoment beschert. Hier ein paar Ideen dafür aus unserer Challenge:

  1. Frühmorgens schwimmen gehen
  2. Meditation
  3. In der Mittagspause ein Eis essen
  4. Zeit mit Kindern verbringen (eigene Kinder, Enkel, Patenkinder…)
  5. Gartenarbeit
  6. In die Sauna gehen
  7. Sport machen
  8. Sich auf eine Wiese legen, in den Himmel schauen und die Sonne genießen
  9. Sich mit alten Freundinnen oder Freunden treffen
  10. Kabarett anschauen
  11. Jemanden in den Arm nehmen
  12. Torte essen
  13. Tanzen gehen
  14. Bastelabend mit der Familie / Freunden
  15. Bewusst den Vögeln lauschen
  16. Ein besonderes Rezept raussuchen und lecker kochen
  17. Einen fremden Menschen ansprechen und mit ihm zusammen 1 Minute Lachen
  18. Sich blamieren und dabei Spaß haben

 

Zitate

„Glück entsteht oft durch Aufmerksamkeit in kleinen Dingen, Unglück oft durch Vernachlässigung kleiner Dinge.“ Wilhelm Busch

„Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.“ Erasmus von Rotterdam

„Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten.“ Pearl S. Buck

Fels in der Brandung des Lebens – warum Meditation glücklich macht

Boh, ist das langweilig! Ferse, Spann, Ballen, Zehen – gaanz langsam schreite ich durch die Gehmeditation. Lieber würde ich jetzt joggen gehen oder mich mit jemandem angeregt unterhalten. Aber ich soll eben lahm gehen, hier im „Vipassana Meditation Center“ in Nepal. Ich müsste nachher mal mein T-Shirt durchwaschen, fällt mir da ein. Und bald gibt es endlich Frühstück! Meine Gedanken schweifen ab. Ich zwinge mich, bei der Wahrnehmung meiner Fersen zu bleiben, bei jedem einzelnen Muskel, der sich anspannt, wieder entspannt, bei jedem Druckpunkt, der meinen Fuß nacheinander mit der Erde verbindet. Dann spüre ich die aufgehende Morgensonne auf meinen Wangen, dazu den sanften Wind. In der Ferne ertönt der Gong des nahen japanischen Tempels, exotische Vögel beginnen ihr Lied zu singen. Am Wegesrand sehe ich eine Blume, die in einem solch tiefen Rot blüht, wie ich es noch nie zuvor gesehen habe. Ein Schmetterling tanzt um sie herum. Was für eine unendliche Fülle an Sinneseindrücken!

Später, in der Sitzmeditation, geht es nur noch um die Innenwelt. Der Raum ist abgedunkelt, man soll sich anderthalb Stunden lang nicht bewegen, die Füße schlafen ein. Die Schmerzen wandern von einer Stelle im Körper zur nächsten. Manchmal sind sie kaum noch aushaltbar. Wenn ich dann trotzdem ausharre, beginnt die Energie in meinem Körper zu fließen. Wow! Solche Momente gehören zu den schönsten in diesen 10 Tagen, dich ich mir hier auferlegt habe. Die längsten 10 Tage meines Lebens – und doch auch mit die prägendsten.

Meditation – Trend nicht nur in der Wirtschaftswelt

Meditation: das ist heute keine weltferne Eso-Masche mehr, sondern in aller Munde. In der Wirtschaftswelt redet man von „Achtsamkeit“ und so manch ein gestandener Manager meditiert vor wichtigen Meetings, um gelassen und mit innerer Kraft in die Verhandlung gehen zu können. Entspannung, MBSR und Meditation werden nicht nur in zahlreichen Frauenmagazinen als Weg zur Gelassenheit empfohlen, sondern auch in ZEIT, FAZ und Wirtschaftswoche. Dies birgt jedoch die Gefahr, dass Menschen sich gedrängt fühlen, diesem Trend zu folgen. Um fit für den Erfolg oder leistungsfähiger zu werden oder um noch besser zu funktionieren.

Innere Einkehr – neue Perspektiven

Doch es geht um das Gegenteil. Nämlich darum, einfach mal zu sein statt zu tun und zu machen. Ziel ist es, inne zu halten, zur Ruhe zu kommen, den eigenen – meist negativen – Gedankenkreislauf zu durchbrechen. Bei der Meditation üben wir, im Hier und Jetzt zu sein, die Perspektive zu wechseln und Zugang zur eigenen Intuition, göttlichen Essenz oder inneren Weisheit zu finden. Durch Meditation stärken wir unsere innere Kraft und machen unsere Lebenszufriedenheit und Gefühle unabhängig von den Stürmen des Lebens. Sie hilft uns, aus der Opferrolle auszusteigen und zu erkennen, in welchen Bereichen des Lebens wir uns viel zu viele Sorgen und Gedanken machen. Wir werden uns bewusst, dass wir dem alltäglichen Stress und unseren Problemen nicht hilflos ausgeliefert sind. Viele Probleme verlieren an Bedrohlichkeit, wenn wir unsere Einstellung dazu verändern. Durch Meditation können wir dies Schritt für Schritt tun – in Richtung mehr Lebensfreude, Gelassenheit und Zufriedenheit. Dabei wiederum können bessere Konzentrationsfähigkeit, Stressresistenz und somit auch mehr Erfolg im Leben durchaus eine Folge von regelmäßiger Meditationspraxis sein.

Meditation verändert Gehirnstrukturen

Auch für Skeptiker oder diejenigen, die sich gerne selbst als „Verstandesmensch“ bezeichnen, gibt es mittlerweile genügend Argumente und Studien, die die positive Wirkung von Meditation belegen. Forscher weltweit haben herausgefunden, dass bei der Meditation der Blutdruck sinkt, der Herzschlag sich verlangsamt, die Atmung sich vertieft und Muskelanspannungen reduziert werden. Hirnforscher haben festgestellt, dass sich durch regelmäßige Meditation die Aktivität des Gehirns messbar verändert. Und zwar genau in den Hirnregionen, wo es um Gefühle geht, und auch um körperliche Empfindungen. Der Hirnbereich, in dem Sinneseindrücke gebündelt werden (Thalamus) und die gesamte Aufmerksamkeit sich sammelt, wird gestärkt. Der Fokus richtet sich auf positive Dinge und die Hirnregion, in der Angst und Stress entstehen (Amygdala), wird gedämpft. Auch konkrete körperliche Beschwerden lassen sich nachweislich durch Meditation reduzieren, so zum Beispiel Kopfschmerzen, Schlafprobleme, Herzstolpern oder Durchblutungsstörungen.

Meditation gegen Kriminalität?

Einige Studien beschreiben darüber hinaus noch den sogenannten „Maharishi-Effekt“: demnach sei in den Städten in den USA, in denen mindestens 1% der Bevölkerung regelmäßig Meditation ausübten, die Kriminalität signifikant zurückgegangen. So könnte Meditation auch ein Weg sein, um zu mehr Frieden, Harmonie und Mitgefühl auf dieser Welt beizutragen. Die Belegbarkeit dieser These wird jedoch von einigen Seiten angezweifelt.

Unabhängig von wissenschaftlichen Ergebnissen und Belegen erlebe ich, was in unseren Kursen und Seminaren passiert, in denen Menschen inne halten, meditieren, atmen, entspannen oder Yoga praktizieren. Der Gruppenzusammenhalt steigt, es entstehen Mitgefühl, Liebe und Verständnis für die Mitmenschen. Statt Stress, Misstrauen oder Konkurrenz breitet sich eine Atmosphäre von Gelassenheit und Zufriedenheit aus. Da jeder einzelne ein sehr viel stärkeres Bewusstsein für die eigenen Bedürfnisse – aber auch die Bedürfnisse der anderen – entwickelt, finden die meisten eine gute und gesunde Ausgewogenheit zwischen „für sich selbst sorgen“ und für andere da sein. Nicht nur im Seminar selbst, sondern auch später im Alltag.

5 Tipps, um Meditation in den Alltag zu integrieren

Doch wie lässt sich Meditation dauerhaft und sinnvoll in den Alltag integrieren? Ich selbst kam damals mit den besten Vorsätzen aus dem Meditationszentrum heraus: Jeden Tag zweimal anderthalb Stunden, das hatte ich mir vorgenommen. Zwei Wochen lang habe ich das durchgehalten. Dann kamen wieder Lebensphasen, in denen ich völlig vom Alltag verschluckt wurde, gar nicht meditierte oder nur selten. Nach jahrelangem Experimentieren habe ich nun Wege gefunden, die mir helfen, dran zu bleiben. Diese Erfahrungen möchte ich hier mit dir teilen.

1. Weniger ist mehr

Jeden Tag anderthalb Stunden in tiefe Meditation versinken? Das schaffen vielleicht Mönche im Himalaya, aber für einen normalen berufstätigen Menschen ziemlich unrealistisch. Macht aber überhaupt nichts. Der Wissenschaftler John Kabat Zinn hat festgestellt, dass auch kurzes, regelmäßiges Meditieren positive Effekte zeigt. Nimm dir also lieber eine kürzere Zeitdauer vor und versuche, dies regelmäßig zu machen, statt nach wenigen Tagen entnervt aufzugeben, weil du keine anderthalb Stunden schaffst. 15 Minuten täglich reichen schon aus.

2. Sei nicht zu streng mit dir selbst – aber bleibe dran

Geißele dich nicht selbst, wenn es mal an einem Tag nicht klappt. Es wäre schade, wenn Schuldgefühle die bereits erzielten Fortschritte wieder zunichte machten. Mache dann einfach am nächsten Tag wieder weiter! Wichtiger ist, dass du dauerhaft dran bleibst, auch wenn du immer wieder neu anfängst.

3. Fange leicht an und probiere aus

Du musst nicht gleich die schwierigsten Meditationstechniken beherrschen, um loszulegen. Absolute Gedankenlosigkeit mag für einige das Ziel sein, sollte aber nicht krampfhaft angestrebt werden. Beginne sanft, vielleicht mit einem täglichem „Body Scan“ oder Yoga Nidra, oder auch einer geführten Phantasiereise. Wenn du dann das Gefühl hast, dabei schon ruhiger zu werden, kannst du weitere Techniken ausprobieren.

4. Nutze die 40-Tage-Formel

Laut Yoga-Tradition braucht der Mensch 40 Tage, bis sich eine neue Denk- oder Handlungsweise als Gewohnheit etabliert hat. Laut Gehirnforschung braucht es 30 Tage, bis sich neue neuronale Verbindungen im Gehirn bilden. Wenn du verschiedene Arten von Meditation ausprobieren möchtest, dann bleibe mindestens 40 Tage am Stück bei einer Technik. Führe dabei Tagebuch über das, was in deinem Leben so passiert. Dann kannst du die Wirkung verschiedener Techniken noch besser reflektieren.

5. Sei ohne Erwartungen

Wie bei vielen anderen Dingen ist es bei der Meditation auch: Je mehr wir mit einer bestimmten Vorerwartung oder Vorbewertung herangehen, umso weniger erfüllt sich dies. Erwarte weder Erleuchtung noch Wunderheilung von irgendeiner Art der Meditation. Denn genau das ist auch das Prinzip: Löse dich von allen Vorstellungen, wie die Dinge sein sollten und akzeptiere das, was gerade ist. Je mehr du dich der Erwartungslosigkeit hingibst, umso mehr wirst du positiv überrascht werden.

Ich wünsche dir viel Spaß dabei!

Namasté Angela

 

Glücksaufgabe

Mache dir eine Notiz in deinem Kalender, in 40 Tagen. Wähle eine Meditationstechnik für dich aus, die du in diesen 40 Tagen anwenden möchtest. Besorge dir ein Tagebuch und schreibe jeden Tag deine Erfahrungen auf.

Meditationen für dich

Hier findest du Entspannungsreisen, Meditationen, Yoga Nidra und vieles mehr. Such dir einfach eine raus und lege los!

 

Buchtipps

Meditation löst Lebensprobleme von Safi Nidiaye

Jetzt! Die Kraft der Gegenwart von Eckhart Tolle

 

Bekannte Entspannungs- und Meditationstechniken

Body Scan

Eine sehr einfache und effektive Möglichkeit, den Grübelkreislauf der Gedanken zu unterbrechen, inne zu halten und in die Entspannung zu kommen. Dieser wird eingesetzt als Vorbereitung auf autogenes Training sowie zur Entspannung nach einer Yoga-Stunde oder auch Fitness-Stunde. Hierbei geht man den Körper gedanklich durch und entspannt nach und nach jeden Körperteil. Hier findest du einen angeleiteten Body Scan…

Yoga Nidra

Yoga Nidra bedeutet „yogischer Schlaf“. Dies ist eine Yoga-Technik aus der tantrischen Tradition, die durch tiefe Entspannung und bewussten Schlaf den Zugang zu tiefen Bewusstseinsschichten ermöglicht. Yoga Nidra ist eine systematische Methode, um vollkommene mentale, emotionale und physische Entspannung herbeizuführen. Diese geführte Reise durch den Körper lenkt das Bewusstsein auf alle Körperteile. Die Teilnehmer scannen dabei ihren Körper vom Kopf bis zu den Zehen und entspannen dabei jeden einzelnen Teil ihres Körpers. Optional führt der Gruppenleiter sie danach durch verschiedene Visualisierungen und Empfindungen, z.B. heiß/ kalt, leicht / schwer, Atemräume (Nase, Brustraum, Bauch), Orte der Entspannung (Meer, Wald, Landschaft). Weiterhin gibt es die Möglichkeit, am Anfang einen Wunsch oder Intention (Sankalpa) einzugeben und die Aufmerksamkeit am Anfang und Ende darauf zu lenken. Hier findest du eine Yoga Nidra Kurzentspannung…

Phantasiereise

Fantasie-, Märchen- oder Traumreisen sind imaginative Verfahren. In der Psychotherapie werden sie zum Aufspüren von innerer Kraft und Weisheit eingesetzt. Als Entspannungsverfahren wirken sie therapeutisch. Sie werden als Geschichten von einem Sprecher erzählt. Ein tiefer Ruhe- und Erholungszustand wird durch eine entspannte Körperposition, die Zuwendung durch den Sprecher sowie die Hinwendung auf die meist als angenehm erlebten Bilder in der eigenen Fantasie erzielt. Durch eine herabgesetzte Muskelspannung kommt es zu einer körperlich-seelischen Entspannung. Der Zuhörer stellt sich innere Bilder zu den Texten vor, in die möglichst viele angenehme Sinneseindrücke eingebaut sind. Hier geht es zur Phantasiereise „Die Oase“…

Vipassana-Meditation

Vipassana ist eine der ältesten Meditationstechniken Indiens und bedeutet soviel wie „die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind“. Es geht hier darum, den Geist von trüben Gedanken und „Unreinheiten“ zu befreien. Dies geschieht durch Selbstbeobachtung. Man beobachtet den Atem, körperliche Empfindungen und die Gedanken. Alles was gerade da ist – Gedanken, Sorgen, Schmerzen – wird als reine Empfindung angesehen und von einer Bewertung (gut oder schlecht) abgekoppelt.

Zen-Meditation

Zen ist eine wichtige Richtung im Buddhismus. Der Begriff „Zen“ leitet sich vom Sanskrit ab und bedeutet „Meditation“ oder „Versenkung“. Man versucht dabei, im gegenwärtigen Augenblick präsent zu sein, sei es bei der Zen-Meditation in der Konzentration auf die Haltung und Atmung oder auch bei allen anderen Tätigkeiten des Alltags. Um den Gedankenkreislauf zu stoppen, arbeitet man hier mit „Tricks“, wie z.B. von 1 bis 10 zählen, den Atem beobachten, sich mit Rätseln („Koans“) befassen. Das sind unlösbare Aufgaben oder paradoxe Aussagen, die der Lehrer dem Schüler in die Meditation mitgibt.

MBSR – Mindfulness Based Stress Reduction

Die Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (Mindfulness-Based Stress Reduction – MBSR) ist ein von dem Molekularbiologen Jon Kabat-Zinn in den späten 1970er Jahren in den USA entwickeltes Programm zur Stressbewältigung durch gezielte Lenkung von Aufmerksamkeit und durch Entwicklung, Einübung und Stabilisierung erweiterter Achtsamkeit. Hier geht es um eine Kombination von Yoga, Sitz- und Gehmeditation. Bei allen Übungen steht das nicht-wertende Annehmen dessen im Vordergrund, was gerade im Augenblick wahrnehmbar ist. Das können Körperempfindungen (z. B. Druck, Kribbeln), Gefühle (angenehm / unangenehm), Emotionen (z. B. Angst, Trauer), Stimmungen, Sinneswahrnehmungen oder Gedanken sein. Diese Methode findet sowohl in der Wirtschaftswelt immer größere Verbreitung, wird aber auch im klinischen Bereich (zum Beispiel mit chronisch Kranken) eingesetzt.

Dynamische Meditationen

Der spirituelle Lehrer Osho hat verschiedene Meditationen entwickelt, die mit Bewegung verbunden sind: zum Beispiel schütteln, tanzen, springen, aber auch Wut oder Albernheit herauslassen. Verschiedene Gefühle wie Weinen und Lachen finden hier ebenso ihren Ausdruck.

Besonders effektiv ist vor allem die Lachmeditation, die auch im Lachyoga nach Dr. Madan Kataria eingesetzt wird. Hier lässt man ca. 10 – 30 Minuten lang das Lachen frei sprudeln. Dies kann alleine praktiziert werden, ist aber einfacher in einer Gruppe, weil hier der gegenseitige Ansteckungseffekt genutzt werden kann. Hier findest du eine „Lachaufnahme„, die dich dabei unterstützen kann, in das freie Lachen hinein zu kommen.

Zitate

„Bei der Meditation geht es nicht um den Versuch, irgendwo hinzugelangen. Es geht darum, dass wir uns selbst erlauben, genau dort zu sein, wo wir sind, und genau so zu sein, wie wir sind, und desgleichen der Welt zu erlauben, genau so zu sein, wie sie in diesem Augenblick ist.“ Jon Kabat-Zinn

„Das Gegenstück zum äußeren Lärm ist der innere Lärm des Denkens. Das Gegenstück zur äußeren Stille ist innere Stille jenseits der Gedanken.“ Eckhart Tolle

„Du kannst die Wellen nicht stoppen, aber du kannst lernen zu surfen.“ Jon Kabat-Zinn

„Meditation ist das Reinigen des Geistes und Herzens vom Egoismus; durch diese Reinigung entsteht das richtige Denken, das allein den Menschen vom Leid befreien kann.“ Jiddu Krishnamurti

„Existenz ist nur im gegenwärtigen Moment. Der Verstand ist niemals im gegenwärtigen Moment.“ Osho