Erholung und Action auf Koh Samui
„Your boy is young and strong, so he is improving much faster than supposed”, sagt uns der Doktor bei der nächsten Visite und gibt Entwarnung. Wenn alle Blutwerte gut seien, dann könne mein Sohn bereits morgen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Was für eine Erleichterung! Am Tag zuvor hatte alles noch ganz anders ausgesehen, und ich dachte, ich müsste mir Sorgen machen bzw. alsbald mit Joshua nach Hause fliegen. Nun sieht die Welt schon wieder anders aus. Alles halb so wild! Dennoch ist mit einer solchen Magen- und Niereninfektion nicht zu spaßen und ich wollte in jedem Fall sicher gehen. So habe ich den „Medical Report“ dieses Krankenhauses an Joshuas Kinderarzt sowie an verschiedene befreundete und bekannte Ärzte geschickt und von allen Seiten grünes Licht für die Weiterreise bekommen.
Beschwingt gehe ich an diesem Tag mal für eine Stunde raus, finde einen Markt, auf dem ich ein paar Souvenirs und Mitbringsel kaufen kann, und den in Thailand überall vorhandenen 7/11 Shop, also eine Art modernen Mini-Supermarkt, wo wir uns immer mit Getränken, Chips und Keksen eindecken können. Es dauert dann zwar doch noch eine Nacht länger als geplant, aber schließlich können wir nach 4 Nächten im Krankenhaus gehen. Was für ein Luxus: wir werden mit dem krankenhauseigenen Pick-Up direkt zum Bootsanleger von Ko Phangan gebracht.
Endlich wieder Meer
Ich habe für uns erstmal ein Zimmer in einem schönen Hotel am Meer auf Koh Samui gebucht. Von dort aus ist der Flughafen in der Nähe – für alle Fälle – und wir können uns in Ruhe von dem Stress erholen und dann weiterschauen. So genießen wir es die nächsten Tage, am Pool oder im wunderbaren Zimmer mit Weitblick über das Meer zu relaxen. Wir schreiben Weihnachtskarten, holen etwas Schule nach und ich meine liegen gebliebene Arbeit.
In der Zeit im Krankenhaus hatte ich fast jeden Tag darüber nachgedacht, ob nicht alles einfacher wäre, wenn wir direkt nach Hause fliegen. Grund genug hätten wir ja schließlich. Doch irgendwie spüre ich, dass es sich für uns beide noch blöder anfühlen würde, wenn wir die Gelegenheit für die restlichen Wochen nicht noch nutzen würden, um das Beste draus zu machen. Also schaue ich nach Möglichkeiten, um etwas Schönes zu unternehmen.
Jetzt erst recht: auf zu den Elefanten
Über die App „Get your Guide“ suche ich verschiedene Unternehmungen raus. Es beginnt mit einer Tour zu einem „Elephant’s Sanctuary“. Wir werden direkt vom Hotel abgeholt und zu der „Elefanten-Station“ gefahren. Hier leben 13 Elefanten, die aus unwürdigen Verhältnissen gerettet wurden. Es geht ihnen gut hier, sie haben ein riesiges Gelände zur Verfügung, werden von Touristen gefüttert, aber keiner reitet auf ihnen und sie werden auch nicht als Zirkustiere o.ä. missbraucht. Die Stiftung zur Rettung von Elefanten lässt es sich ganz schön was kosten: Umgerechnet € 30.000 kostet der Kauf eines Elefanten, um ihn zu retten.
Dafür braucht es viele Spendengelder und viele Tourist:innen, die bereit sind, auch etwas höhere Eintrittspreise zu zahlen. Dafür bekommen wir aber wirklich etwas geboten. Auf einer Art Steg können wir einen Rundgang machen und von oben die Elefanten füttern, zunächst aus sicherer Entfernung. Wir bekommen Bananen und Palmenblätter, die uns von deren Rüsseln dankbar aus den Händen gerissen werden. Die Rüssel sind ja quasi Nase und Greifarm zugleich. Die Elefanten haben dabei eine interessante Technik, indem die mit ihrer „Nase“ nach der Banane (inkl. Schale natürlich!) greifen und diese gleichzeitig ansaugen und zum Mund führen. Wir Menschen würden es vermutlich nur schwer hinkriegen, einen Strohhalm oder ähnliches mit der Nase so festzusaugen, dass er nicht runterfällt. Später dürfen wir tatsächlich noch näher auf Tuchfühlung mit den Elefanten gehen und werden direkt in das Gehege gelassen. Wie zahm und zutraulich diese Tiere sind!
Das letzte Mal habe ich Elefanten gesehen, als ich eine Safari durch den Krügerpark in Südafrika gemacht habe. Da haben wir die riesigen Tiere nur aus sicherer Entfernung sehen können und es hieß sogar „Achtung! Es ist schon vorgekommen, dass die Elefanten mit den Autos Fußball gespielt haben.“ Nicht sehr beruhigend. Hier sind die grauen Riesen so zutraulich, dass sie uns sogar mit ihrem Rüssel „in den Arm nehmen“, wenn wir uns ihnen nähern. Was für ein Spaß für alle Tourist:innen, die sich dabei natürlich reihenweise gegenseitig fotografieren und filmen. Dies war sicherlich eine Tour, die man im Leben nicht so oft erlebt. Aber sie war definitiv ihre Zeit und ihr Geld wert und gerade für Kinder ein tolles Erlebnis!
Nach dieser Tour haben wir erstmal einen Tag Erholung im Hotel eingeplant, damit Joshua nach dem Krankenhaus-Schock nicht direkt überfordert ist. Es regnet zwar vormittags noch oft, aber meist hört der Regen dann auf, und es ist bewölkt. Genau richtig, weil es dann mal nicht mehr so heiß ist. Und auch sonst stört es uns überhaupt nicht, da Joshua wegen der Antibiotika eh noch nicht in die Sonne darf.
Insel-Achterbahn mal anders
Das nächste Abenteuer klingt genauso vielversprechend: eine Jeep-Tour über die Insel Koh Samui. Wir werden mit einem ausrangierten Militärjeep vom Hotel abgeholt und gemeinsam mit 6 anderen Reisenden zu verschiedenen Tempeln gekarrt. Dort stellen wir fest, dass zu dieser Tour noch 3 weitere Jeeps á 8 Personen gehören – das wirkt dann doch etwas wie Massenabfertigung, aber egal. Ein umtriebiger Reiseleiter ist für die gesamte Schar zuständig und erklärt alles auf englisch und dann sogar auf deutsch. Allerdings spricht er dabei so schnell und undeutlich – wie auswendig gelernt – dass wir nicht wirklich verstehen, worum es geht. Er erzählt von Mönchen und Buddhas und vom Großvaterfelsen, der eher aussieht wie ein überdimensionierter Phallus. Nachdem die Tempel „abgehakt“ sind – für Joshua eher nicht so aufregend – beginnt der coole Teil der Tour. Ab geht’s in die Berge und auf kleine Straßen, sozusagen „offroad.“ Jetzt dürfen wir uns oben auf das Dach setzen und den Fahrtwind genießen. Sicherheitstechnisch wäre sowas in Deutschland ein absolutes No-Go – aber hier nimmt man es nicht so genau. Ab und zu müssen wir uns ducken, damit uns kein Ast oder Palmblatt ins Gesicht fliegt, es geht manchmal ziemlich steil bergauf und bergab, die schwarzen Abgase von dem Jeep vor uns wehen uns in die Nase, aber es macht uns allen einfach einen Heidenspaß!
Beim darauffolgenden Mittagessen lernen wir unsere Mitreisenden ein wenig kennen: Francesca aus Kanada, die mit einem Bekannten unterwegs ist. Diana, um die Mitte 40, aus Germersheim, die gemeinsam mit ihrem Vater Gunter reist ist sowie ein weiteres Pärchen. Sie ist Engländerin aus London, er Amerikaner aus Boston, und sie haben sich in Boston beim Studium kennengelernt. Da sie nicht dauerhaft in den USA bleiben konnte, führen die beiden nun im wahrsten Sinne des Wortes eine Fernbeziehung. „We fly a lot“ sagt der Typ nur dazu. Alle 2 Monate besuchen sie sich gegenseitig. Wir machen uns in Deutschland Gedanken über das Fliegen – aber wo die Liebe hinfällt, da kann man eben nichts machen.
Da unsere Mitfahrer lieber unten auf der etwas ruhigeren Bank sitzen bleiben, nutzen Joshua und ich die Gelegenheit, weiter auf dem Dach zu fahren, die frische Luft zu genießen und die tropische Palmenlandschaft an uns vorüberziehen zu lassen. Ein schöner Abschied von dieser Insel – denn morgen geht es weiter nach Chiang Mai, in den Norden von Thailand.
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