FOMO – der Fluch der neuen Zeit

Warum wir ständig Angst haben, etwas zu verpassen

Na, sitzt du auch jeden Abend mit Freunden im Biergarten und schaust die Spiele der Fußball-EM? Oder tingelst von einer Grillparty zur nächsten? Oder feierst bis zum Abwinken auf der Fanmeile? Und wenn du kein Fußball-Fan bist – na, dann bist du bestimmt jetzt ständig auf tollen Konzerten, Festivals oder im Urlaub unter Palmen, oder?

So lässt es uns das zumindest bei anderen glauben, wenn wir auf den WhatsApp-Status oder die Insta-Story unserer Freunde und Bekannten schauen, oder?

Wie, nichts dergleichen? Du gehst zur Arbeit, lebst deinen Trott, und wenn du was Schönes mit anderen unternehmen willst, musst immer DU die Initiative ergreifen? Oder du hängst gefrustet zu Hause? Vielleicht hast du auch gar nicht so Lust auf ständige Gesellschaft oder Party und trotzdem das Gefühl, etwas zu verpassen?

Studie: Einsamkeit gerade unter jungen Leuten

Sollte es so sein, dann ist eines gewiss: mit diesem Gefühl bist du nicht allein. Eine aktuelle Umfrage der Bertelsmann-Stiftung (Juni 2024) hat gerade wieder bestätigt, dass Einsamkeit nicht nur ältere Menschen betrifft, sondern dass sogar auch junge Menschen darunter leiden. Fast die Hälfte (46%) der befragten 16 – 30-Jährigen fühlen sich einsam, 10% davon leiden sogar unter starker Einsamkeit.

Dies hat negative Auswirkungen auf die körperliche und auch psychische Gesundheit der Menschen und kann laut Studie so weit gehen, dass diese Menschen anfälliger sind für extreme politische Einstellungen oder gar Verschwörungstheorien.

Wir sehen nur die Fassade

Ein Faktor, der das Gefühl der Einsamkeit noch verstärkt oder gar hervorruft, ist die „Fear of Missing Out“, kurz FOMO. Überall sehen wir, was andere Menschen Tolles machen und erleben, ob wir wollen oder nicht. Alle anderen scheinen ein aufregenderes oder perfekteres Leben zu leben als wir selbst.

Doch wir sehen immer nur diesen kleinen Ausschnitt, die Fassade aus deren Leben und denken, dass bei ihnen alles perfekt läuft. Wir sehen nicht, dass jeder sein „Päckchen“ zu tragen hat, dass jeder mit Problemen und Konflikten zu kämpfen hat, und dass jeder mal gute und mal schlechte Zeiten hat. Es kann gar nicht anders sein, denn das ist das Leben.

Hinzu kommen die in der Selbst-Optimierungs-Szene gebetsmühlenartig verbreiteten Slogans wie „man lebt nur einmal!“, „nutze jetzt dein Potenzial voll aus!“, „mach was aus deinem Leben!“ und ähnliche Sprüche, die uns noch zusätzlich den Eindruck verschaffen, dass jeder, der nichts „Besonderes“ auf die Beine gestellt hat, eh ein Loser ist.

Social Media machen einsam

Das Phänomen FOMO – zu deutsch auch die „Angst, etwas zu verpassen“ – ist zwar nicht neu, wird aber durch Social Media und ständige Erreichbarkeit noch extrem verstärkt.

Früher hat man sich mit Freunden getroffen, und die haben von ihrem letzten Urlaub erzählt. Manchmal war das sterbenslangweilig, manchmal richtig spannend. Danach ist man zum Alltag übergegangen und hat sein eigenes Leben weitergelebt.

Heute sind wir immer online und erfahren sofort live und in Farbe davon, wenn irgendwo irgendjemand etwas erlebt. Dazu erhöht sich der Druck, „mitzuhalten“ und selbst tolle Bilder, Videos und Selfies mit anderen zu teilen.

Ein Leben nur noch auf dem Display

Die Künstlerin Adele soll mal in einer live Show gesagt haben:

„Könnt ihr bitte mit dem Filmen aufhören? Ich stehe real hier vor euch, ihr könnt das alles in Echtzeit genießen, anstatt es durch die Kamera anzuschauen.“

Die Folgen von FOMO

Die Folgen dieses Phänomens sind paradox: dadurch, dass wir die schönen Dinge, die wir erleben und genießen, sofort mit anderen teilen wollen, können wir das, was wir erleben, überhaupt nicht mehr richtig genießen. Der eigentliche Anspruch, das Beste aus dem Leben zu machen, verhindert genau das.

Doch FOMO kann noch weitere Folgen haben:

Stress und Angst: viele Menschen machen sich noch mehr Stress, um nicht „zu kurz zu kommen“ oder haben Angst, nicht mehr dazu zu gehören.

Schlafstörungen: wir machen uns mehr Gedanken und grübeln nachts, ob mit uns alles in Ordnung ist, erst recht, wenn mal nicht alles perfekt läuft.

Unzufriedenheit und Frust: Wer ständig das Gefühl hat, dieses vermeintliche Bilderbuchleben nie erreichen zu können, endet in Frust und Unzufriedenheit.

Vernachlässigung von echten Kontakten: Hast du es auch schon erlebt, dass du mit einer Freundin oder deinem Partner im Café sitzt und diese Person mehr an ihrem Handy ist, als sich mit dir zu unterhalten? Dann könnte es der Fall sein, dass für denjenigen Menschen Online-Kontakte und Posts schon wichtiger geworden sind als persönliche Beziehungen.

Wie komme ich mit FOMO besser klar? Fünf Anregungen

1. Social Media bewusster nutzen

Wir haben es uns angewöhnt, ständig auf das Smart Phone zu schauen, süchtig nach Neuigkeiten und Infos. Kein Wunder, denn jedes Mal, wenn eine neue Message aufblinkt, wird das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert und Dopamin ausgeschüttet.

Dieser Teil im Gehirn sorgt aber auch dafür, das wir süchtig werden können. Wie wäre es, sich einmal am Tag eine Zeit einzurichten, in der bewusst Social Media konsumiert werden, in der restlichen Zeit aber nicht?

Zusätzlich hilft es, Benachrichtigungen auszuschalten und WhatsApp-Gruppen auf stumm zu schalten.

2. Innenschau und inne halten

Oft steckt hinter dem unguten Gefühl, das durch FOMO entsteht, noch ein anderes Gefühl oder Thema, das dich umtreibt. Erlaube dir, das unangenehme Gefühl zu fühlen und anzunehmen. Frage dich, was dahinter stecken könnte: Ist es Neid? Angst vor Ablehnung? Traurigkeit? Wertlosigkeit? Ist das Gefühl wirklich begründet? Und würdest du wirklich komplett mit dem jeweiligen Menschen tauschen wollen, der gerade so etwas Tolles erlebt?

Schreibe dir eine Liste von 5 Dingen, die du gerne machen möchtest und fokussiere dich darauf statt auf das, was andere machen. Nimm dir dafür Zeit. Und nimm das, was andere erleben, allenfalls als Anregung, aber nicht als „ich muss auch.“ Genieße bewusst Zeiten des Nichtstuns, des Alleinseins oder in der Natur. Auch Meditation hilft, um den kontinuierlichen Grübelkreislauf zu beruhigen und sich wieder mehr auf sich selbst zu besinnen. Es ist NUR DEIN Leben, nicht das der anderen!

Und wenn du dann mal tatsächlich auf ein Konzert gehst, einen Urlaub machst oder etwas Schönes erlebst, tu es bewusst, ohne alles sofort dokumentieren zu müssen. Setze Qualität vor Quantität.

3. Dankbarkeit praktizieren

Wir neigen dazu, zu sehen, was wir NICHT haben statt das zu schätzen, was wir haben oder was schön ist im Leben. Wenn wir regelmäßig bewusst Dankbarkeit praktizieren (siehe Blog zu Dankbarkeit), dann richten wir den Fokus wieder Schritt für Schritt auf die positiven Dinge im Leben.

4. Digital Detox Zeiten planen

Würdest du es schaffen, dein Handy mal einen oder sogar mehrere Tage auszuschalten? Plane ab und zu einen „Digital Detox Tag“ ein und du wirst sehen, es lohnt sich! (Siehe auch Blogartikel zu „Digital Detox“).

5. Echte Freundschaften pflegen

Was nützen uns Tausende Facebook-Kontakte oder Instagram-Follower, wenn uns im echten Leben keine einzige Freundin / Freund einfällt, die auch dann für uns da ist, wenn es uns dreckig geht oder wir in Schwierigkeiten stecken?

Nimm dir Zeit, dich mit lieben Menschen zu treffen oder etwas mit ihnen zu unternehmen. Und lass das Smart Phone einfach mal in deiner Tasche. Widerstehe der Versuchung, schnell mal eben etwas zu googeln oder unbedingt Fotos von irgendetwas zu zeigen.

Was ist wirklich wichtig?

Die wachsende Einsamkeit in der Gesellschaft ist schon jetzt ein Riesenproblem, für die Betroffenen, aber auch für die Gesellschaft.

Wenn wir dafür sorgen, echte Kontakte zu pflegen, die Menschen um uns herum so anzunehmen wie sie sind, Prioritäten zu setzen und uns bewusst zu machen, wie wichtig tiefe, persönliche Beziehungen sind, dann tun wir uns selbst den größten Gefallen. Wenn wir es schaffen, bewusst weniger Zeit online zu verbringen, dann setzen wir plötzlich jede Menge Zeit frei. Vielleicht wird dann dein Leben wieder ein kleines Stückchen stressfreier – und glücklicher. Ich wünsche dir eine stressfreie Zeit!

Angela

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