Selektive Wahrnehmung: Du siehst was du denkst

Vor kurzem habe ich ein Hobby wiederentdeckt – Mountain Bike fahren: Über weiche Waldwege gleiten, in der Natur sein, die Vögel und das Rauschen des Waldes hören, verbunden mit Bewegung an der frischen Luft. Was will man mehr?

Dafür habe ich mir ein Mountain Bike gekauft. Vorher habe ich mich natürlich informiert, mir verschiedene Angebote angeschaut, verglichen und mich umgehört, was andere empfehlen. Auf dem Weg zurück vom Fahrradladen sind mir plötzlich überall Fahrradfahrer begegnet – in der Stadt, auf der Landstraße, wo auch immer ich hinschaute.

Ups, sind immer so viele unterwegs? Vermutlich ja, an einem Sommertag wie diesem. Doch es fällt mir heute besonders auf, nachdem ich mich tagelang mit dem Thema „Fahrrad“ beschäftigt hatte. Ich bin wohl hier wohl eindeutig dem Effekt der „selektiven Wahrnehmung“ erlegen.

Schwangere sehen Schwangere…

Vielleicht kennst du das auch oder hast es bei anderen mitbekommen: Schwangere sehen überall Schwangere, Menschen mit Liebeskummer überall glückliche Paare. Wir bleiben im Verkehr dreimal an einer roten Ampel stehen und denken, es ist rote Welle. Obwohl wir genauso oft bei grün durchgerauscht sind.

Selektive Wahrnehmung funktioniert in beide Richtungen, positiv wie negativ. Warum haben wir oft den Eindruck, die Welt geht zugrunde? Unter anderem, weil wir im Fernsehen so viele Katastrophenmeldungen sehen. Kein Wunder, dass wir angesichts all der Unfälle, Messerangriffe, Kriege, Gezanke unter Politikern zu der Überzeugung kommen, dass nur Schlimmes passiert.

Doch selektive Wahrnehmung wirkt auch auf positive Art und Weise. Wenn wir ein Ziel vor Augen haben, dann verschafft dies uns Optimismus und Durchhaltekraft, um es zu erreichen.

Die Kraft selektiver Wahrnehmung

Wenn wir zum Beispiel einen neuen Job suchen und uns darauf fokussieren, dann hören wir vielleicht eher hin, wenn jemand gesucht wird, wir schauen auf Aushänge oder Anzeigen. Kurzum, wir öffnen uns für neue Ideen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich klappt.

Als wir zum Beispiel letztes Jahr unsere Weltreise geplant haben, hatten wir plötzlich das Gefühl, dass immer genau der richtige Tipp, die richtige Info zur richtigen Zeit zu uns kommt. Es fühlt sich dann so an, wie wenn „das Universum uns dabei unterstützt“, sobald wir eine klare Absicht haben (siehe auch Blogartikel „Deine Vision als Glücksgarant?“).

Doch Universum hin oder her: Allein die Änderung der Sichtweise sorgt schon dafür, dass wir neue Chancen und Möglichkeiten entdecken und in unser Leben ziehen. Doch wie genau funktioniert selektive Wahrnehmung?

Der Filter im Gehirn als Schutz vor Reizüberflutung

Unser Gehirn hat die Fähigkeit, bestimmte Informationen bevorzugt wahrzunehmen und andere auszublenden. Angesichts der riesigen Menge an Informationen, die täglich auf uns einströmen, wäre es unmöglich, alles gleichzeitig zu verarbeiten, ohne verrückt zu werden.

Unser Gehirn muss daher filtern, damit wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können. Studien zeigen, dass nur etwa 1% der sensorischen Informationen, die unsere Sinne erreichen, bewusst wahrgenommen werden. Der Rest wird unbewusst gefiltert und verarbeitet.

Doch wie entscheidet unser Gehirn, was wichtig ist und was wir ignorieren können – welche Ereignisse es als bedrohlich einstuft und welche positive Emotionen auslösen? Hierfür spielen folgende Kriterien eine Rolle:

Kriterien für die Wahrnehmung im Gehirn

Erfahrungen und Erinnerungen

Du hast, wenn du in das Büro der Chefin gerufen wurdest, oft einen Rüffel bekommen? Dann ist es nachvollziehbar, dass sich dir schon alle Nackenhaare aufstellen, wenn du auch nur eine Mail von ihr auf dem Monitor aufploppen siehst.

Dich hat mal ein Hund gebissen? Dann wirst du vermutlich Hunde in deiner Umgebung sofort wahrnehmen und als Bedrohung einstufen.

Emotionaler Zustand

Wenn wir in guter Stimmung sind, fällt es uns viel leichter, Dinge positiv zu sehen, als wenn wir geknickt sind und eh alles schwarz sehen.

Sicherlich kennst du das auch: Wenn du gerade eine gute Nachricht bekommen hast oder im Glücksrausch oder frisch verliebt bist, dann stört dich auch nicht das Auto, das dir die Vorfahrt nimmt, oder die unfreundliche Kassiererin im Supermarkt.

Umgekehrt können wir vieles, was uns sonst erfreuen würde, nicht mehr wahrnehmen, wenn wir in einem depressiven Zustand sind.

Erwartungen und Überzeugungen

Hier kommen die Glaubenssätze ins Spiel, die wir uns oft ein Leben lang angeeignet haben – vielleicht durch Eltern, Lehrer oder auch durch eigene Erfahrungen. Wenn wir mit dem Gedanken durch die Welt gehen „ich bin nicht gut genug“, dann filtert unser Gehirn alle Ereignisse und Informationen, die bestätigen, dass ich nicht gut genug bin.

Wenn ich davon ausgehe, bei einer Sache zu scheitern, dann nehme ich möglicherweise alle Zeichen wahr, die dafür sprechen, dass etwas eh nicht klappt und gebe zu früh auf.

Folgende Beispiele und Erkenntnisse aus der Psychologie zeigen sehr eindrücklich die Effekte, die selektive Wahrnehmung haben kann:

Der Gorilla im Basketballfeld:

In diesem Experiment wurden die Teilnehmer gebeten, ein Video von Menschen, die sich einen Basketball zuwerfen, zu beobachten und zu zählen, wie oft der Ball von einer bestimmten Gruppe geworfen wird. Während des Videos läuft eine Person im Gorillakostüm durch das Bild. Viele Teilnehmer bemerken den Gorilla nicht, weil sie auf die Zählaufgabe fokussiert sind.

Cocktailparty-Effekt

Der Cocktailparty-Effekt demonstriert, wie das Gehirn in der Lage ist, sich auf ein Gespräch zu konzentrieren und andere Geräusche auszublenden, zeigt aber auch, dass plötzlich relevante Informationen (wie der eigene Name) trotzdem wahrgenommen werden können.

„Bestätigungsverzerrung“ (confirmation bias)

Wir neigen dazu, Informationen zu suchen, zu interpretieren und uns zu merken, die unsere bereits bestehenden Überzeugungen bestätigen. Dieses Phänomen wird durch Internet und Social Media noch verstärkt, da jeder sich immer mehr in der eigenen „Bubble“ bewegt.

Das heißt, wir bekommen von den Algorithmen vor allem das angezeigt, wofür wir uns schon vorher interessiert haben. Wir suchen Bestätigung für das, was wir eh schon glauben und bekommen sie auch. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass das, was sie sehen, immer nur ein kleiner Ausschnitt der gesamten Realität ist.

Wie du selektive Wahrnehmung für dich nutzen kannst

Doch wie können wir das Phänomen der selektiven Wahrnehmung für uns nutzen, statt uns in die Irre führen zu lassen? Hier ein paar Inspirationen dazu.

1. Dankbarkeit praktizieren

Wenn wir unseren Fokus bewusst auf die positiven Ereignisse und Dinge im Leben legen, dann verstellen wir die innere Wahrnehmungsbrille und sorgen Schritt für Schritt dafür, dass unser Gehirn diese positiven Ereignisse speichert und künftig immer mehr schöne Dinge wahrnimmt.

Wir können dies tun, indem wir jeden Tag 3 Dinge aufschreiben, für die wir dankbar sind, oder uns diese auch kurz vor dem Einschlafen im Kopf Revue passieren lassen (siehe Blog zu Dankbarkeit).

2. Positive Emotionen aktivieren

Da wir in einem guten Gefühlszustand positive Dinge mehr wahrnehmen können, hilft es, wenn wir uns bewusst und aktiv in einen guten Gefühlszustand versetzen. Zum Beispiel durch Lächeln, Lachen, Bewegung oder Tanzen (siehe auch Blogartikel „sorge dich nicht – bewege) .

3. Informationen bewusst konsumieren

In Zeiten von Fake News wissen wir immer weniger, was wir noch glauben können und was nicht. Mach dir bewusst, dass viele Infos in den Social Media immer nur Meinungen und Ansichten sind und nicht der ganzen Wahrheit entsprechen. Überlege dir gut, welche Nachrichten du wirklich regelmäßig konsumieren willst und versuche, verschiedene Informationsquellen heranzuziehen.

4. Glaubenssätze hinterfragen

Erkenne deine Glaubenssätze und hinterfrage sie, ob sie wirklich stimmen, oder ob es an der Zeit ist, diese durch neue Überzeugungen zu ersetzen. Dann kannst du die Welt schon mit ganz anderen Augen sehen (siehe auch Blogartikel „Glaubenssätze loslassen in 4 Schritten“).

Die Kraft der selektiven Wahrnehmung wird von den meisten Menschen unterschätzt. Also gehe mit offenen Augen durch die Welt, schau hinter die Kulissen, versuche, andere Perspektiven nachzuvollziehen und

glaub nicht alles, was du denkst!

 

Du möchtest deine Sichtweise mal aus anderer Perspektive anschauen, deine Glaubenssätze bearbeiten und den Fokus neu festlegen? Dann komm mit auf die Happiness Yoga Ferien…

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