Die Freude der Wahl? Leichter Entscheidungen treffen

Neulich im Urlaub habe ich versucht, für meine Freundin, mich und die Kinder etwas im Café zu bestellen: „Drei Crêpes“ – „mit Nutella, Apfelmus oder Zimt?“ fragt die nette Spanierin hinter der Theke. „Nutella“. „Mit Sahne oder ohne?“ „Drei mit Sahne, einen ohne.“ „Mit Eis?“ „ähm, ja, mit Eis“. Der Kakao wird einfacher, dachte ich mir. „Mit Sahne oder ohne?“ „Mit“. „Welche Art von Schokolade – weiß, braun, Bitterschokolade,…?“ Sie hält mir eine Karte hin mit etwa 6 verschiedenen Kakaosorten. Als wir endlich am Tisch sitzen und dazu noch zwei Cappuccino organisiert haben – der für meine Freundin sollte laktosefrei sein, aber das habe ich im Eifer des Gefechts verpasst – war ich urlaubsreif, obwohl wir uns gerade in selbigem befanden. Ich fühle mich bei sowas immer wie in einem Assessment Center, in dem man hoch konzentriert zuhören und Fragen wie aus der Pistole geschossen beantworten muss. So viele Wahlmöglichkeiten können ganz schön anstrengend sein.

Dabei müssten wir doch dankbar sein. Selten in der Geschichte der Menschheit haben wir mehr Freiheiten gehabt – ob es um unsere Beziehungsform geht, den Beruf, die Länder, die wir bereisen, den Namen, den wir annehmen oder das Geschlecht. Diese Freiheit ist ein großes Privileg und nicht in allen Teilen dieser Welt selbstverständlich.

Dafür ist auch dagegen

Doch je mehr Möglichkeiten wir in unserem Leben haben, umso mehr Entscheidungen müssen wir treffen. Jede Entscheidung für etwas ist auch eine Entscheidung gegen etwas. Mit jeder Entscheidung können wir jemanden vor den Kopf stoßen oder auf uns selbst achten, etwas Schönes erleben oder auch mal scheitern. Mit jeder Entscheidung verpassen wir auch irgendwo etwas. Und das wurde uns nie so krass vor Augen geführt wie in Zeiten der Selbstdarstellung über Facebook und co. Heißt es nicht, man soll möglichst viel aus dem Leben rausholen, das JETZT erleben, Abenteuer suchen, nichts auf morgen verschieben, immer etwas Tolles unternehmen? Oder sollte man sich doch lieber mal Zeit für sich gönnen und auf der Couch bleiben? Mir persönlich sind Entscheidungen immer schwer gefallen. Im Restaurant bin ich die letzte, die bestellt, bei der Urlaubsplanung wälze ich vorher wochenlang Angebote.

Wie ist es erst mit den großen Lebensentscheidungen? Was ist der richtige Beruf, der Partner, Wohnort, Freundeskreis? Mit bestimmten Entscheidungen legen wir eine Richtung fest, das ist nunmal so. Manchmal bekomme ich von Freunden zu hören „früher war alles unbeschwerter, jetzt habe ich so viel Verantwortung.“ Jeder jenseits der 40 weiß: irgendwann hat man nicht mehr alle Möglichkeiten. Man kann nicht mehr Arzt, Astronautin oder Pilot werden. Man hat Familie gegründet oder nicht. Wir können bei vielen Dingen nicht die Zeit zurück drehen und es nochmal anders probieren. Wir haben in jedem Moment immer nur die eine oder andere Möglichkeit. Jeder, mit dem ich spreche, sagt auch: „Bestimmte Entscheidungen im Leben hätte ich im nachhinein anders getroffen.“ Und doch wissen wir nicht, ob es besser geworden wäre.

Was kann uns helfen, Entscheidungen mit einem guten Gefühl zu treffen? Psychologen raten dazu, diese nicht allzu lange hinaus zu zögern. Wir fühlen uns erleichtert, sobald eine Entscheidung getroffen ist. Laut Studien sind Menschen, die einmal einen beherzten Entschluss treffen, zufriedener als die, die etwas ewig vor sich herschieben. Letztendlich sei es sogar unerheblich, ob es die „richtige“ Wahl war oder nicht, denn wir haben die glückliche Gabe, uns mit den Dingen zu arrangieren und das Positive daran zu sehen.

Wichtig sei auch ein vernünftiger Realitätssinn bezüglich unserer Erwartungen. Oft führen ja die Entscheidungen, die wir so nebenbei – ohne große Erwartungen – treffen, zu den schönsten Erlebnissen. Wie viele grauselige Silvesterpartys habe ich schon erlebt, weil ich unbedingt genau an diesem Abend das Allerbeste erleben wollten, während das spontane „Versacken“ mit Freunden an einem ganz normalen Abend unter der Woche viel mehr Spaß gemacht hat. Wer mit jeder Wahl immer das absolute Optimum herausholen will, so sagen Psychologen, wird nie zufrieden sein.

Auch hier liegt die Krux: Wir machen uns viele Gedanken, weil alles optimiert werden soll. Wir wollen das Beste draus machen, möglichst viele schöne Dinge erleben. Je mehr Möglichkeiten sich uns auftun, umso mehr wird uns bewusst, was wir verpassen. Das macht Entscheidungen nicht einfacher. Ich habe mir früher oft darüber den Kopf zerbrochen. Mittlerweile helfen mir folgende Gedanken dabei, Entscheidungen leichter zu treffen:

1. Keine Entscheidung ist endgültig

Natürlich steht uns irgendwann nicht mehr alles offen. Trotzdem müssen wir nicht den Rest unseres Lebens in derselben eingefahrenen Bahn bleiben. Wir können den Partner wechseln, umziehen oder auch beruflich mit 60 nochmal neu anfangen. Hierfür gibt es zahlreiche Beispiele von Menschen, die dies erfolgreich gemacht haben – manche von sich aus, andere durch einen Schicksalsschlag bedingt. Für einige war es vielleicht schwer, andere sind dabei zu Hochform aufgelaufen.

2. Es nicht allen Recht machen wollen

Bei fast jeder Entscheidung sind andere Menschen involviert – oft müssen wir den einen oder anderen dabei vor den Kopf stoßen. Mädelsabend oder Zeit mit dem Partner, mit dem Kind spielen oder mit der besten Freundin telefonieren? Wir werden es nie allen Recht machen können. Setze bewusst Prioritäten, kommuniziere diese deutlich und lass das schlechte Gewissen außen vor. Bei jeder Entscheidung sind bestimmte Grundwerte involviert. Loyalität oder Mut? Ehrlichkeit oder Diplomatie? Schreibe dir deine wichtigsten Werte auf und frage dich bei jeder Entscheidung, um welchen Wert es geht und welcher dir wichtig ist.

3. Wie würde ein Vorbild jetzt entscheiden?

Denke an jemanden, den du bewunderst – den du privat kennst oder auch eine inspirierende Persönlichkeit – und überlege dir, wie in einer solchen Situation der- oder diejenige jetzt handeln würde. Das kann helfen, die Perspektive zu verändern.

4. Sich die Zeit nehmen, die es braucht

Manchmal höre ich von Menschen die Aussage: „Ich weiß, ich muss das jetzt endlich entscheiden, aber ich kann einfach nicht.“ Dann lass es. Manchmal darf man sich auch die Zeit nehmen, die eine Entscheidung braucht, um sie überzeugt zu treffen. Wenn der richtige Zeitpunkt da ist, dann wirst du es merken – sofern dies nicht eine Ausrede ist, um sich ganz vor der Entscheidung zu drücken.

5. Auf den Bauch hören, aber mit Bedacht

Oft heißt es ja, dass eine „Bauchentscheidung“ die richtige sei, dass wir auf unsere Intuition hören sollten. Dies ist hilfreich, solange wir nicht bestimmte impulsive Emotionen als „Intuition“ deuten. Manchmal ist es vielleicht Wut (nie wieder lass ich mich unterbuttern), Trotz (jetzt zeige ich es denen aber mal) oder Zögerlichkeit (mein Gefühl sagt, es soll nicht sein…), die uns treibt, Dinge vorschnell zu tun oder bleiben zu lassen. Hier hilft es, kurz inne zu halten und sich anzuschauen, welches Grundgefühl hinter dem Impuls steckt, so zu entscheiden.

6. Höhere Ebene sehen – Zustand der Achtsamkeit

Ich bin davon überzeugt, dass wir Zugang zu einer höheren Weisheit haben, einem Wissen darüber, was zu tun ist. An dieses Wissen gelangen wir jedoch nicht, wenn der Gedankenkreislauf schon im Gange ist. Viel wichtiger ist der Zustand, aus dem heraus wir entscheiden. Wenn wir Gedanken, Emotionen, Alltagssorgen loslassen können, sehen wir das große Ganze. Dann können wir unsere innere Weisheit, unsere Seele befragen. Dieser Zustand entsteht aus der Stille heraus – zum Beispiel durch Entspannung, Atemübungen oder Meditation. Hier richtet sich der Fokus auf das Essentielle, auf das, was wirklich wichtig ist im Leben. Mir selbst haben bestimmte Meditationen bei so einigen Entscheidungsfragen geholfen, eine Richtung zu finden.

Freier Wille oder vorgegebener Weg?

Vielleicht gibt es ja auch eine vorgegebene Bestimmung, eine Aufgabe, eine Richtung im Leben. Was nicht bedeuten muss, dass wir dem „Schicksal“ willenlos ausgeliefert sind. Vielleicht eher, dass das „Ziel“ auf verschiedenen Wegen erreicht werden kann. Welchen Weg wir nehmen, das können wir selbst entscheiden. Vielleicht ist es mal die staubige Landstraße, mal der saftige grüne Waldpfad oder auch die anstrengende Wanderung auf den Berg. Wenn es diese vorgegebene Richtung gibt, dann können wir darauf vertrauen, dass jeder Weg – jede Entscheidung – uns so oder so dahin bringt. Diesen Gedanken finde ich sehr beruhigend.

Namasté, Angela

Zitate

„Entscheide dich immer für das Unbekannte, auch wenn es riskant ist, und du wirst ständig wachsen“ Osho

„Es ist besser, unvollkommene Entscheidungen durchzuführen, als beständig nach vollkommenen Entscheidungen zu suchen, die es niemals geben wird.“ Charles de Gaulle

„Zu mancher richtigen Entscheidung kam es nur, weil der Weg zur falschen gerade nicht frei war.“ Hans Krailsheimer

„Richtig und falsch beziehen sich nicht auf das Ergebnis deiner Handlung, sondern darauf, in welchem Zustand du bist, wenn du etwas tust – meditativ oder nicht, wach und achtsam oder wie ein Schlafwandler.“ Osho

Meditationstipp

Die Seelenmeditation hilft, Gedanken und Gefühle loszulassen und Zugang zur Seele zu finden.

Glücksaufgabe

Schreibe deine 6 wichtigsten Werte auf und schaue sie dir jedes Mal, bevor du eine Entscheidung triffst, an. Versuche dann zu benennen, welcher Wert jeweils die Grundlage für deine Entscheidung ist. (Beispiele: Freiheit, Spaß, Gesundheit, Gerechtigkeit, Frieden, Loyalität, Liebe, Sinn, Reichtum, Erfolg, Gelassenheit, Verbindung, Freundschaft, Dankbarkeit, Klarheit etc…)

Glücksgedanken

  • Viele Wahlmöglichkeiten zu haben ist unser großes Privileg
  • Jede Entscheidung für etwas ist auch eine Entscheidung gegen etwas
  • Entscheidungen schnell und beherzt zu treffen macht zufrieden
  • Manchmal braucht eine Entscheidung aber auch Zeit
  • Intuition nicht mit impulsiven Emotionen verwechseln
  • Der Zustand, in dem eine Entscheidung getroffen wird, ist entscheidend: statt Pro-Contra-Listen lieber in die Stille kommen und nach innen lauschen
  • Stell dir vor, es gibt keine falschen Entscheidungen – nur welche, bei denen du einen anderen Weg zum Ziel nimmst.

Motion creates Emotion: die innere Einstellung über den Körper verändern

Früher war ich oft in einem Grübelkreislauf gefangen: Mit Sorgen über die Vergangenheit, die Zukunft, über die Ungerechtigkeiten des Lebens allgemein und mir selbst gegenüber. Ich wusste letztendlich, dass ich oft sehr pessimistisch war und es mir in der Opferrolle bequem gemacht hatte –  aber ich hatte keine Ahnung, wie ich das ändern konnte. Ich wollte ja fröhlich und optimistisch sein, aber es ging irgendwie nicht.

Dann traf ich die wichtigste Entscheidung meines Lebens: mein Glück in die Hand zu nehmen. Der erste Schritt war der Besuch eines Seminars zum Thema Persönlichkeitsentwicklung. Erwartungsvoll kam ich dort an – und rechnete mit einer Art „Selbsthilfegruppe“, bei der im Stuhlkreis jeder über seine Probleme lamentieren würde und wir diese dann ausführlich psychologisch analysieren würden. Doch es kam anders. Fetzige Musik wurde aufgedreht und es wurde erstmal ordentlich abgetanzt. Und das jeden Morgen – noch vor dem Frühstück! „Habe ich hier so viel Geld bezahlt, um zu einem Tanzworkshop zu gehen?“ sagte ich ironisch zu meiner Zimmergenossin. War mir als Morgenmuffel doch so gar nicht danach, schon morgens einfach nur abzutanzen und die gute Laune der anderen zu ertragen.

Mit finsterer Miene ergab ich mich meinem Schicksal. Am dritten Tag dachte ich mir schließlich: Na gut, wenn die das so wollen, dann werde ich jetzt halt ganz übertrieben so tun, als ob ich Spaß habe. Und siehe da: ich hatte tatsächlich einen Riesenspaß! Und was noch viel erstaunlicher war: all meine Emotionen kamen endlich wieder ins Fließen. Es flossen die Tränen, aber es kam auch eine unbändige, begeisterte Freude auf, so wie ich sie lange nicht mehr erlebt hatte. Ich war in einem Zustand, in dem mentale Arbeit überhaupt erst möglich wurde. In diesem Moment wurde mir klar: Der Körper ist der beste Schlüssel, um an unsere – auch unbewussten – Emotionen heran zu kommen und wirkliche Veränderungen anzustoßen.

Diese Erkenntnis war für mich der Beginn eines Weges, der durch Nachdenken oder Willenskraft allein nicht möglich gewesen wäre. Heute setze ich selbst in meinen Seminaren immer wieder Körperarbeit ein, ob es nun Lachyoga, Yoga, Atemübungen, Berührungselemente, dynamische Meditationen oder Tanzsequenzen sind. Doch warum ist das so hilfreich?

Bewegung macht gute Laune

Hast du auch ab und zu solche Tage, an denen du dir vorgenommen hast, Sport zu machen, aber dich nur schwer aufraffen kannst? Je nachdem, wie dein „Schweinehund“ drauf ist, bleibst du dann auf der Couch sitzen oder überwindest dich mit Mühe. In letzterem Fall wirst du vielleicht hinterher merken, dass deine Stimmung besser ist, du dich voller Energie fühlst und du froh bist, doch Sport gemacht zu haben. Noch nie habe ich am Ende meines Yoga-Kurses gehört, „ach, wäre ich bloß nicht gekommen“, aber oft „ich bin froh, dass ich mich aufgerafft habe.“

Dass Bewegung sogar gegen Depressionen hilft, zeigt eine Studie, die mit Depressiven durchgeführt wurde (Babyak, 2000). Während die eine Gruppe Anti-Depressiva einnahm, trieb die andere Gruppe drei Mal die Woche Sport. Nach 10-20 Tagen zeigten diejenigen, die die Anti-Depressiva genommen hatten, die ersten Verbesserungen. Aber die „Sportgruppe“ holte auf: nach einem Monat zeigte sich bei den Probanden eine ebenso positive Entwicklung. Nach vier Monaten waren beide Gruppen gleichauf. Noch spannender: 6 Monate nach Beendigung der Maßnahmen wurden 38% aus der „Anti-Depressiva-Gruppe“ wieder rückfällig. Von denjenigen, die Sport getrieben hatten, waren es nur 8%. Wissenschaftler bestätigen: Sport hilft, Ängste zu senken und Stress zu reduzieren. Das Immunsystem wird gestärkt und wir werden kreativer. Es lohnt sich, den Schweinehund zu überwinden, die Yogamatte rauszuholen oder einen auch einfach einen Spaziergang im Wald zu machen.

Die Körperhaltung wirkt sich auf die Gefühlslage aus

Kennst du die Empfehlung, eine Minute zu lächeln, wenn du dich über irgendetwas ärgerst? Wer es schon mal ausprobiert hat, weiß: das ist am Anfang ziemlich albern, aber irgendwann kommt man gar nicht umhin, zumindest ein wenig über sich selbst zu schmunzeln. Woran liegt das? Allein die körperliche Aktivität des Lächelns sorgt dafür, dass bestimmte Signale an das Gehirn gesendet werden, die eine Stimmungsänderung erzeugen. Das funktioniert sogar, wenn die Körperhaltung nicht willentlich oder absichtlich erzeugt wurde. In der sogenannten „Lächelstudie“ wurden beispielsweise Probanden gebeten, einen Stift quer in den Mund zu nehmen – ihre Stimmung war hinterher nachweislich besser als bei der Vergleichsgruppe. Weiterhin fand man heraus, dass Menschen, die regelmäßig eine Zeit lang eine aufrechte Körperhaltung einnahmen, mehr Selbstbewusstsein ausstrahlten und dies am Ende auch hatten.

Diese Beispiele zeigen: nicht nur der Körper ist ein „Spiegel der Seele“, indem er unsere Gefühlslage ausdrückt. Sondern unsere Körperhaltung hat umgekehrt einen direkten Effekt auf unsere Stimmung und auf die Seele. Im Yoga weiß man es schon lange: hier wird auf eine stabile, aufrechte und selbstbewusste Körperhaltung Wert gelegt, bevor man überhaupt mit den ersten Positionen anfängt. Alle Übungen haben hier seelische Effekte: die Arme nach oben und zur Seite ausstrecken stärkt die „Aura“ und somit die Resilienz gegen negative Ereignisse oder Menschen. Andere Übungen dienen der Herzöffnung (z.B. Kamel oder Fisch) oder der Erhöhung der Stand- und Durchsetzungsfähigkeit (wie der „Krieger“). Im Lachyoga geht man noch weiter und nutzt die Wirkung des absichtlichen Lachens. Denn ein positiver Effekt für die Emotionen tritt auch dann ein, wenn das Lachen anfänglich nur motorisch aktiviert wurde. Im Körper werden die Glückshormone angekurbelt und somit wird die Stimmung direkt und merklich erhöht.

Veränderung geht leichter über den Körper als durch Willenskraft

Das Schöne dabei: Du kannst ab jetzt damit aufhören, alles zu analysieren oder dir einen Kopf zu machen, wie du selbstbewusster, stärker, besser gelaunt oder mutiger wirst. Klar ist hier manchmal auch eine grundsätzliche Veränderung der Denkweise erforderlich. Aber durch gezielte Körperübungen kannst du bewusst die gewünschten Gefühle erzeugen und verstärken. Wenn du dies regelmäßig machst, dann ändern sich nicht nur kurzfristig deine Gefühle, sondern auch langfristig die innere Einstellung – hin zu mehr Freude, Selbstbewusstsein, innerer Kraft und positiver Ausstrahlung.

Der Autor Norbekov beschreibt es in seinem Buch „Eselsweisheiten“. Wir haben drei Bereiche in uns: das Gedankenzentrum, das emotionale Zentrum und das Zentrum zur Steuerung der Muskeln. Ihm zufolge ist es viel einfacher, eine bestimmte Muskelaktivität auszuführen als sich willentlich in eine bessere Stimmung versetzen zu wollen, so nach dem Motto „reiß dich mal zusammen.“

Auch beim Trend des sogenannten „Power Posing“ geht es darum, sich durch bestimmte Haltungen in eine kraftvollere und selbstbewusstere Haltung zu versetzen. Die amerikanische Sozialpsychologin Amy Cuddy hat festgestellt, dass bestimmte Haltungen (so die „Siegerhaltung“ mit den Armen nach oben geöffnet) uns bereits angeboren sind. Auch Blinde reißen die Arme nach oben, wenn sie in einem Wettbewerb gewonnen haben. Weiterhin hat sie erkannt, dass der jeweilige Hormonspiegel eine Rolle dafür spielt, ob jemand eine Führungspersönlichkeit ist oder sich eher unterbuttern lässt. Um selbstbewusster aufzutreten, empfiehlt sie zum Beispiel folgende Haltungen:

  • Cowboy- oder Wonderwoman-Haltung: Stelle dich breitbeinig hin, die Hände in die Hüfte gestemmt.
  • Siegerhaltung: Hüftbreit hinstellen, die Arme nach oben gestreckt.
  • Entspannt am Schreibtisch: Füße auf den Tisch legen, die Arme hinter dem Kopf verschränkt.

Die Parallelen zum Yoga und auch zum Lachyoga sind unverkennbar.

Training für den Körper ist auch Training für die Seele

Wenn es tatsächlich stimmt, dass die Körperhaltung eine solch entscheidende Wirkung auf den seelischen Zustand hat, dann ist es umso trauriger zu sehen, wie viele Menschen täglich Raubbau an ihrem Körper und an ihrer Seele betreiben. Durch Mangel an Bewegung oder ständiges sich selbst klein machen, indem sie über dem Schreibtisch oder am Smartphone eine gekrümmte Haltung einnehmen. Die Folgen sind nicht nur Haltungsschäden, sondern nachweislich auch die Zunahme der Depressionsrate. Veränderung könnte einfacher sein als man oft denkt.

Doch hier kommt dann wieder die Willenskraft ins Spiel: nur wer wirklich die Bereitschaft und den Wunsch hat, etwas im Leben zu verändern, wird bereit sein, „sich zu bewegen“. Es braucht 30 – 40 Tage, bis sich neue Verknüpfungen im Gehirn gebildet haben. Je öfters wir bestimmte Emotionen auslösen, umso leichter werden sie mit der Zeit ausgelöst. Wie wir diese Emotionen auslösen – ob durch förderliche Gedanken oder durch Muskelaktivität – das ist dem Gehirn egal. So können wir unser Gehirn darauf trainieren, Freude, Power und Selbstbewusstsein zu empfinden – und dies auch auszustrahlen.

Lange habe ich gebraucht, um das zu verstehen. Doch der beste Zugangsweg, um an sich selbst und an der eigenen inneren Einstellung zu arbeiten, ist tatsächlich: kräftig abtanzen oder ablachen! Und das macht dann auch noch jede Menge Spaß.

Happiness Gedanken für die Woche

  • Die Körperhaltung spiegelt nicht nur unsere Gefühle wider, sondern beeinflusst auch umgekehrt die Stimmung
  • Durch gezielte Körperhaltungen und Übungen können wir uns in einen bestimmten emotionalen Zustand versetzen
  • Langfristig können wir dadurch in unserem Gehirn Veränderungen bewirken und uns in eine positive Grundhaltung – zum Beispiel Freude, Selbstbewusstsein oder Charisma – versetzen.

Happiness Tipps für die Woche

  • Gehe spazieren oder mache Sport – mindestens 3 Mal die Woche
  • Versuche in Situationen, in denen du dich über jemanden ärgerst, eine Minute zu lächeln
  • Stelle dich täglich 2 Minuten lang in die „Siegerpose“ – Arme hoch, Beine etwas auseinander – und lächeln!

Weitere Tipps und Anregungen

Wo ist unsere Zeit geblieben?

Neulich saß ich an einem Sonntagmorgen gemütlich mit Mann und Sohn am Frühstückstisch. Das kommt selten vor, da ich oft an Wochenenden unterwegs bin –  umso mehr genieße ich den freien Morgen. Wir unterhalten uns und überlegen, was wir heute so unternehmen könnten. „Ich schau mal, wie das Wetter ist“, sagt mein Partner und holt sein Smartphone hervor. „Ok“ sage ich, „dann hole ich mir solange noch einen Kaffee.“ Der Weg zur Küche führt durch den Flur. Dort liegt mein Smartphone. Ach, ich schau mal eben, wie spät es ist, denke ich, und schon sehe ich dieses trügerische Zeichen auf dem Telefon: eine neue WhatsApp! Dopamin befeuert mein Hirn. Es könnte etwas Wichtiges sein, denke ich, vielleicht wegen des Kurses morgen? Ich nehme mein Smartphone mit zum Tisch und schaue drauf. Der Kaffee ist plötzlich vergessen. „Darf ich einen Film gucken?“ fragt mein Sohn, sobald er dieses Gerät sieht. „Bitte, nur ganz kurz!“ PAFF, voll ertappt! Warum sitzen wir plötzlich alle mit dem Smartphone da? Warum dreht sich alles nun nur noch um dieses kleine Gerät?

War früher alles besser?

Ich würde in solchen Momenten am liebsten die Zeit anhalten und zurück drehen. Zurück zu den Zeiten, in denen ich in der S-Bahn und auf Reisen noch ein Buch gelesen habe. In denen ich Kindern (damals noch als Babysitterin) auf dem Spielplatz einfach nur beim Spielen zugeschaut habe – ja, mich vielleicht sogar ein bisschen gelangweilt habe. Aber mit voller Aufmerksamkeit da war, und nicht bei Facebook, WhatsApp oder Instagram. Zurück zu der Zeit, wo ich mit meiner ersten Liebe verliebt am Strand gesessen habe – ohne sofort zu überlegen, welches Bild wir jetzt posten, um allen zu zeigen, wie glücklich wir sind. Zeiten, in denen mein Sohn nicht sagen würde „Mama, gib das mal eben in Google ein“, sondern wir gemeinsam erwartungsvoll einen Duden aufschlagen würden, so wie mein Opa es früher mit uns gemacht hat. Oder wir sogar zusammen in die Stadtbibliothek fahren, um etwas über ein Thema herauszufinden. Eine Zeit, in der ich mit Freunden in der Kneipe zusammen gesessen habe, ohne gleich Videos und Bilder vom Haustier, den Kindern, dem letzten Urlaub oder der letzten Mahlzeit aufgedrückt zu bekommen. Oder ich selbst reflexartig mein Smartphone zücke, um Bilder von meinem Sohn oder sonstigen Erlebnissen zu zeigen.

Zeit – jeder will sie, keiner hat sie

Aber wir können die Zeit nicht zurück drehen. Und das ist letztlich auch gut so. Wir alle kennen die Vorteile der neuen Technologien. Vieles ist praktischer und bequemer geworden, das ganze Wissen der Welt steht uns innerhalb von Sekunden zur Verfügung. Doch eines hat sich durch die Digitalisierung nicht geändert, so zumindest der Eindruck: Wir haben nicht mehr Zeit gewonnen. Wie kann das sein? Und wo soll das noch hinführen? Warum haben wir alle das Gefühl, dass wir nur noch der Zeit hinterher hetzen?

Offenbar reißt die Beschleunigung fast jeden von uns mit, der nicht zurückgezogen in der Almhütte oder im brasilianischen Urwald lebt. Das Wissen der Menschheit hat sich innerhalb von kürzester Zeit vervielfacht, das Tempo auch. Wir Menschen passen uns daran an, kaum einer kann sich dem entziehen, selbst wenn er möchte. Studien zeigen, dass Menschen, die nicht ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt oder gefordert sind, über kurz oder lang in Langeweile und Resignation verfallen. Menschen, die erst unter Zeitdruck eine Aufgabe lösen mussten, langweilen sich, wenn sie später dafür mehr Zeit haben. Nicht ohne Grund entwickeln Menschen, die dauerhaft unter dem Label „Hartz IV“ aussortiert werden und sich nicht gebraucht fühlen, Lethargie bis hin zur Depression. Es liegt in unserer Natur, dass wir gefordert sein wollen, uns weiter entwickeln und wachsen wollen.

Ich glaube sogar, dass es der Sinn unseres Lebens ist, die eigene Lebensaufgabe zu entdecken und diese umzusetzen. Mit anderen Worten: unser vollkommenes Potenzial zu leben. Doch geht das nicht auch, ohne dass wir uns ständig gehetzt und getrieben fühlen angesichts all der Aufgaben, Nachrichten und Verpflichtungen, die auf uns einprasseln? Wie können wir es hinkriegen, mal runterzufahren und uns auf die wesentlichen Dinge zu fokussieren?

Vielleicht können und wollen wir auf unsere technologischen Errungenschaften nicht verzichten. Aber wir können beginnen,  damit bewusster umzugehen. Denn wie sollen wir unseren Kindern das Spielen mit dem Smart Phone untersagen, wenn wir selbst es ständig vormachen? Übrigens: Im Silicon Valley achten die meisten Eltern sehr streng darauf, dass ihr Nachwuchs möglichst wenig Zeit mit Smartphones, Tablets und Computern verbringt. Das sollte einem zu denken geben.

Gefragt oder gelangweilt?

Neben dem „digitalen Wahnsinn“ gibt es natürlich noch weitere Ursachen dafür, dass viele von uns sich so gestresst und getrieben fühlen: nicht nein sagen können, Leistungsdruck, Perfektionismus oder die Befürchtung, nicht mehr mitzukommen oder nicht gemocht zu werden. Hinzu kommen Angst vor Langeweile oder Leere. Kennst du das Phänomen, dass Termine sich wundersamerweise sofort wieder auffüllen, sobald einer frei wird? Die  Leere lässt sich heutzutage so leicht stopfen und verdrängen – egal ob durch Freizeitstress, Smartphone, TV oder Tablet. Auch viel arbeiten ist eine effektive Möglichkeit, sich selbst und der Begegnung mit dem Inneren aus dem Weg zu gehen.

Mir selbst wurde das schmerzlich bewusst, als ein Freund zu mir sagte „du hast ja anscheinend nie Zeit.“ Ja, da ist was dran. Von meinem Ausbilder – Dieter Hörner – habe ich damals den Gedanken mitgenommen: „Zeit ist Existenz.“ Das führt zu der Frage: Welche Existenz gestehen wir uns selbst, unserem Leben zu? Wenn wir dieser Frage nachgehen, dann geht es nicht mehr um Zeitmanagement oder Zeitersparnis durch irgendwelche technischen Innovationen. Dann geht es um die Frage: Was ist wirklich wichtig im Leben?

Jeder von uns könnte morgen einen Unfall haben und monatelang im Krankenhaus liegen. Die Erde würde sich weiter drehen. Keiner von uns ist unersetzbar, auch wenn wir das manchmal denken. Keiner von uns weiß, wie lange er oder sie noch lebt. Alle reden davon, man müsse die Zeit optimal nutzen, den Tag genießen, aus jedem Augenblick das Beste rausholen. Aber setzt uns das nicht auch wieder unter Druck? Muss Zeit immer effektiv genutzt werden, oder darf sie auch mal so dahin plätschern?

Was ist wirklich wichtig?

Ich denke, dass die größte Herausforderung „unserer Zeit“ darin liegt, uns noch konsequenter auf unsere eigenen Werte und Prioritäten zu besinnen. Wenn wir selbst Klarheit darüber haben, was uns wichtig ist im Leben, dann finden wir auch den Mut, dafür einzustehen. Dann geht es nicht mehr darum, was die anderen von uns denken oder ob jeder uns mag, sondern darum, dass wir selbst glücklich sind. Und das heißt auch, mit dem Unperfekten glücklich zu sein. Einfach nur zu SEIN, ohne ständig etwas tun oder darstellen zu müssen. Die eigenen Prioritäten zu kennen und zu diesen zu stehen, ohne es allen recht machen zu wollen.

Wie wir das umsetzen, liegt in unserer Hand. Wir selbst können uns dafür entscheiden, einfach mal mit dem Kind – oder auch alleine – in die Bibliothek zu gehen. Wir selbst können beim Essen oder beim Treff mit Freunden das Smartphone ausgeschaltet lassen. Mal wieder ein Buch aus Papier lesen oder eine Postkarte an jemanden schreiben. Und beim Frühstückstisch am Sonntagmorgen mal nicht auf das Smartphone, sondern einfach aus dem Fenster schauen, wie das Wetter ist.

Fragen für die Woche

  • Was ist dir wirklich wichtig im Leben?
  • Was möchtest du mal eine Zeit lang bleiben lassen, was dir unnötig Zeit raubt?
  • Womit möchtest du wieder mehr Zeit verbringen?

Glücksanregungen für die Woche

  • Lasse mal einen Tag lang dein Smartphone aus
  • Schreibe einen Brief oder eine Postkarte an einen Menschen, bei dem du dich länger nicht gemeldet hast

Tipps

Buchtipp: „Das Leben ist keine ToDo-Liste“ von Shirley Seul

Filmtipp: arte-Reportage „Speed. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“, anzusehen auf youtube …

Podcast-Tipp: Veit Lindau mit dem Vortrag „Mensch 4.0“, auf youtube…

Zitate

„Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen wir uns in zehn Jahren zurücksehnen.“ Peter Ustinov

„Ihre Zeit ist begrenzt, also verschwenden Sie sie nicht damit, das Leben eines anderen zu leben. Lassen Sie sich nicht von Dogmen in die Falle locken. Lassen Sie nicht zu, dass die Meinungen anderer Ihre innere Stimme ersticken. Am wichtigsten ist es, dass Sie den Mut haben, Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen. Alles andere ist nebensächlich.“ Steve Jobs