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Klimademo

Nicht jammern – engagieren! Sinn macht glücklich

Millionen von Kindern und Erwachsenen gehen derzeit auf die Straße, um für den Erhalt der Erde und für Klimaschutz zu demonstrieren. Noch vor gut einem Jahr hätte kein Mensch es für möglich gehalten, dass eine 15-jährige Schülerin es schafft, solche Massen zu mobilisieren und einen fast historischen Bewusstseinswandel zu initiieren. Ich finde, das gibt Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass wir gemeinsam viel mehr bewirken können als wir jemals dachten. Und es motiviert. Es motiviert jeden einzelnen von uns dazu, für das zu stehen und zu gehen, was sein Herz bewegt – aber eben auch für ein gemeinsames Anliegen. Es bestätigt mal wieder, dass es viel erfüllender sein kann, sich für die Anliegen der Menschen zu engagieren, als ständig um sich selbst zu kreisen und darüber zu jammern, wie schwer das Leben ist.

Jammern oder Helfen – wir haben die Wahl

Klar, jeder Mensch hat seine Themen. Ich bewundere es, wenn Menschen sich bewusst damit auseinander setzen, sich weiterentwickeln. Aber ich denke, einigen würde es manchmal gut tun, wenn sie mit dem Jammern aufhören und stattdessen schauen würden, wo sie anderen etwas Gutes tun können. Ich sehe das nicht als „Flucht“ oder Ablenkung vor den eigenen Problemen, sondern bin davon überzeugt, dass man sich selbst damit den größten Gefallen tut.

Ich selbst habe früher viel über meine Lebenssituation gejammert: Mobbing im Job, Beziehung kaputt, Arbeitgeber pleite, warum immer ich? Diese Fragen haben mich gequält und mir immer wieder mein Glück vermiest. Ich habe mir mein Unglück selbst kreiert – vor lauter Angst, dass mal wieder etwas schief geht, ist alles schief gegangen. Dann flog ich nach Indien, arbeitete in einem Hilfsprojekt mit und hatte dort ganz unerwartet eine meiner glücklichsten Zeiten. Ich sah so viel Leid wie nie zuvor, aber endlich hatte ich das Gefühl, etwas beitragen zu können.

Immer wieder erlebe ich Menschen, die so in der Opferrolle feststecken, dass sie völlig beratungsresistent sind. Sie wollen meist gar nichts ändern. Sie kreisen gedanklich nur um sich selbst und ihr eigenes miserables Leben und merken dabei nicht, wie gut es ihnen eigentlich geht. In der Regel sind sie gesund und so gutsituiert, dass sie sich bestimmte Seminare oder Urlaube leisten können. Wir alle leben in einem sicheren und freien Land, können im Supermarkt um die Ecke alles kaufen, und wenn wir doch mal den Job verlieren sollten, sind wir abgesichert. Doch reicht das aus, um wirklich sinnerfüllt zu leben?

Engagement macht glücklich

In einer Langzeitstudie (Thoits und Hewitt, 2001) wurden über viele Jahre hinweg Tausende Menschen beobachtet und hinsichtlich ihres ehrenamtlichen Engagements und ihres Wohlbefindens befragt. Dabei bestätigte sich: Bei Menschen, die sich stärker freiwillig engagierten, verbesserte sich das Wohlempfinden und die allgemeine Lebenszufriedenheit. Dieser Effekt verstärkte ich sogar noch bei älteren Menschen, die dank ehrenamtlichem Engagement gesünder blieben und sogar länger lebten.

Eine weitere Studie (Stephanie Brown, Uni Michigan, 2003) zeigte, dass gerade ältere Menschen, die ihren Verwandten, ihren Freunden, ihrer Familie halfen, länger lebten als diejenigen, die keinem halfen. Ob jemand wiederum selbst viel Hilfe empfangen hatte, spielte keine Rolle für das Glücksempfinden.

Liebe statt Langeweile

So scheint sich der Spruch „Geben ist seliger denn nehmen“ auch wissenschaftlich zu bestätigen. Es lohnt sich also, sich zu engagieren, einen Beitrag zu leisten, für etwas Größeres einzustehen – für etwas, wofür unser Herz brennt, was uns von der Couch wegholt. Etwas, das über Haus bauen, Karriere machen und Wohlstand anhäufen hinausgeht.

So kann ich nur dazu ermutigen: Lebe, kämpfe, leide, lache, liebe! Kämpfe für dein Glück und das Glück deiner Mitmenschen. Und wenn du abends erschöpft, aber zufrieden im Bett liegst, dann weißt du, wofür. Jeden Tag neu. Vielleicht geht es bei den aktuellen Demonstrationen nicht nur um den Klimaschutz. Wer von uns ist da schon 100%ig konsequent? Wer verzichtet schon komplett auf Fleisch, Fliegen oder Auto fahren? Trotzdem beginnen die Menschen auf dieser Welt, das Prinzip zu begreifen. Nämlich, dass es nicht um Machterhalt, Krieg, Streiterei und Herumgezackere geht. Sondern dass wir alle hier ein Anliegen haben –  noch möglichst lange und glücklich gemeinsam auf diesem Planeten zu leben. Vielleicht ist es schon zu spät, um das Klimaruder noch herumzureißen. Vermutlich wird es diesen Planeten Erde noch sehr viel länger geben als uns Menschen.

Doch wir können etwas tun, um diese verbleibende gemeinsame Zeit gut zu gestalten. Wir können zusammen rücken, uns neu und anders begegnen und für unsere Herzensangelegenheiten einstehen – unabhängig von gesellschaftlichen Vorgaben. Selbst wenn es irgendwann vorbei ist mit uns Menschen, wünsche ich mir, dass jeder einzelne auf dieser Welt zum Strahlen gekommen ist. Dass jeder seinen Beitrag geleistet und seine Mission in die Welt gebracht hat.

 

„Kennst du das 11. Gebot? Du sollst Gott nicht langweilen.“ Veit Lindau

 

Fünf Anregungen gegen Langeweile

  1. Scher dich nicht darum, was andere von dir denken oder erwarten
  2. Kreise nicht ständig um dich selbst und deine eigenen Probleme, sondern schau, was du für andere tun kannst
  3. Pfeif auf das, was die Gesellschaft vorgibt, sondern finde deinen eigenen Sinn
  4. Gehe jeden Tag ein Stückchen aus deiner Komfortzone heraus
  5. Blamiere dich täglich und lache über dich selbst

 

Du möchtest herausfinden, was deine Mission ist und diese in die Welt bringen? Der Kurs „Aktiviere dein inneres Glück“ unterstützt dich dabei – mehr Infos hier…

Beliebt oder geliebt

Willst du beliebt sein oder dich geliebt fühlen?

Ein Unterschied, der glücklich macht

Letzte Woche hatte mein Sohn seinen ersten Schultag – begleitet von einer rührseligen Einschulungsfeier, aber auch von den Sorgen und Ängsten der Mama. Da kommen schon mal alte Erinnerungen aus der eigenen Schulzeit hoch. Einige ganz nett, andere weniger schön. Denn wer kann schon von sich sagen, dass alles während der Schulzeit toll war? Wer hat nicht schon das ein oder andere „Trauma“ hinter sich, vielleicht sogar „Mobbing“ erlebt?

Den Begriff kannte ich zu meinen Schulzeiten damals noch nicht. Aber ich lernte schnell, wie es sich anfühlt, nicht zu den hippen Kreisen oder Cliquen zu gehören, sondern eher am Rande zu stehen, „Außenseiter“ zu sein. Irgendwie war ich da hinein gerutscht, ohne es anfangs direkt zu merken. Ich hatte damals eben einfach keine Lust, mich in diesem Wahnsinn ständig behaupten oder „profilieren“ zu müssen. Ich hab lieber ein Buch gelesen, statt auf den Spielplatz zu gehen oder mit anderen Mädels Schminktipps auszutauschen. Das führte aber auch dazu, dass ich in den Pausen keine Spielkameradinnen mehr hatte und im Sport oder auf Klassenfahrten nicht mehr wusste, mit wem ich zusammen sitzen oder die Übung machen sollte. Bis heute mag ich in Seminaren oder bei anderen Anlässen keine Sätze wie „so, nun findet euch mal zu zweit zusammen“.

Beliebt sein um jeden Preis?

Doch was war meine Konsequenz daraus? Ich habe mit der Zeit gelernt, mich zu verbiegen. Nie wieder wollte ich das erleben und habe von da an alles dafür getan, um „beliebt“ zu sein. Der Preis war hoch. Ich habe mich selbst dabei verloren. Ich habe das gemacht, von dem ich meinte, dass es gut ankommt, aber nicht mehr das, was wirklich mir entsprach. Ich habe meine eigene Meinung nicht mehr gesagt und aus lauter Unsicherheit keinem mehr widersprochen. Das hat eine lange Zeit lang auch ganz gut funktioniert. Ich eckte nicht mehr an, hatte keine Feinde mehr, war auf aalglatt getrimmt und angepasst, soweit es nur ging. Ich hatte wieder Freundinnen, wurde überall eingeladen und war überall dabei. Doch glücklich war ich damit nur kurzzeitig.

Es hat lange gedauert, bis ich das merkte. Es hat mich viel Mut, viele Seminare und viele Lernerfahrungen gekostet, zu mir zu stehen, in meine Kraft zu kommen und nicht mehr so viel auf die Meinung anderer zu geben. Ich musste akzeptieren, dass man auch Feinde haben kann – ja sogar sollte. Dass nicht alles harmonisch und glatt läuft, sondern dass Konflikte zu Beziehungen dazu gehören. Dass Menschen im Leben kommen und gehen, dass man sich reibt, lernt, sich weiterentwickelt. Wer will schon verletzt werden? Und doch ist Verletzlichkeit unsere wahre Stärke. Denn es erfordert Mut, die gewohnten Verbiegungs- und Verteidigungsmechanismen fallen zu lassen und die eigene Menschlichkeit offen zu zeigen.

Bedürftig nach Anerkennung – oder im Vertrauen?

Ich weiß heute: ich kann es nie allen recht machen. Aber ich kann in Liebe handeln. Ich sehe heute den Unterschied zwischen „beliebt sein“ und „sich geliebt fühlen“. Wer sich geliebt fühlt, hat ein tiefes Vertrauen darin, dass es eine universelle Liebe gibt, die alle einschließt. Wer sich geliebt fühlt, liebt vor allem erstmal sich selbst – von innen heraus und nicht abhängig davon, welche Erfolge man vorzuweisen hat oder wie viele Likes man in Facebook hat. Wer sich geliebt fühlt, hat möglicherweise Feinde. Nicht aufgrund von Unsicherheit oder unsozialem Verhalten, sondern weil er zu sich steht, in seiner Kraft ist, präsent ist. Damit kommt nicht jeder im Umfeld klar. Denn wer sich geliebt fühlt, hat den Mut, sich zu zeigen – mit allen Ecken und Kanten, allen Schwächen und Unzulänglichkeiten.

„Liebe leben“ geschieht aus der Fülle heraus, nicht aus der Bedürftigkeit nach Anerkennung. Es bedeutet, erst zu geben, ohne herumzufeilschen oder zu erwarten, dass etwas zurückkommt. Es bedeutet, anderen Menschen ihr Glück zu gönnen und sie dabei zu unterstützen.

Ein Mensch, der sich an der Liebe orientiert, hat keine Angst vor der Zukunft. Er fürchtet sich nicht vor irgendwelchen Konsequenzen oder Ergebnissen. Er lebt im Hier und Jetzt und macht sich keinen Kopf über den Kleinkram des Lebens.

Der Weg vom Ego zum erfüllten Selbst

Wirft man einen Blick in die Positive Psychologie, so entspricht der Weg vom „Ich“ (Ego) zum „Selbst“ dem Lauf des Lebens: Wir sind zunächst darauf geeicht, uns anzupassen – auf die Anforderungen der Gesellschaft und die Anforderungen unserer Existenz. Wir werden Experten darin, allem zu genügen, aber wir verlieren dabei allmählich unser Potenzial, unsere Kreativität, unsere Flexibilität. Wenn wir dies verhindern wollen, dann gilt es, immer wieder eigene Lernerfahrungen zu machen, daran zu wachsen. Dinge selbst zu tun, zu erfahren, zu erleben, statt vor dem Fernseher oder im Internet zu hängen.

Der Begriff „Selbst-Optimierung“ ist mittlerweile in aller Munde und wird oft leider falsch verstanden. Denn es geht hier nicht darum, „optimal angepasst für die Gesellschaft“ zu sein. Es geht darum, das eigene Potenzial so zu leben, dass man Erfüllung findet – und zwar in dem, was dem eigenen Selbst entspricht  – und nicht in dem, was die Gesellschaft einem vorgibt.

Du willst ankommen? Dann gehe los!

Glücksforscher Tobias Esch beschreibt dies auch als einen Prozess, der uns von „Angst vermeiden und Stress bekämpfen“ über „Wollen, Neugier, Vergnügen und Abenteuer“ hinführt zu einem Zustand des „Angekommen seins“. Hier geht es nicht mehr um Schein, sondern um Sein. Dabei entsteht Vertrauen, Zufriedenheit, Entspannung und Ruhe. Es wird wichtiger, anderen etwas weiterzugeben. In diesem Zustand  ist man im inneren Frieden mit sich selbst und mit sich im Reinen. Bei vielen älteren Menschen – sofern sie sich eine positive Lebenseinstellung bewahrt haben – kann man beobachten, dass sie gelassener sind und sich von negativen Dingen und Menschen nicht mehr mitreißen lassen.

Meiner Meinung nach müssen wir nicht auf das Alter warten, um in diese Grundeinstellung von Gelassenheit und Vertrauen zu kommen. Im Gegenteil – ich denke, wir können uns nicht früh genug auf diesen „Weg des Bewusstseins“ machen: weg von „um jeden Preis beliebt sein wollen“, hin zu „geliebt sein“, „sich selbst lieben“ und „Liebe leben“.

Die neuen Schulkinder stehen vielleicht damit ganz am Anfang. Sie wollen beliebt sein, anerkannt und gelobt werden. Doch das Beste, was wir tun können, ist es, ihnen schon jetzt zu vermitteln, dass sie geliebt sind – einfach so, nur für ihr Sein – unabhängig davon, was sie tun oder erreichen.

Ich wünsche dir, dass du Liebe leben kannst – zu dir selbst und zu anderen!

Namasté Angela

Der Unterschied zwischen „beliebt sein“ und „sich geliebt fühlen“

Wenn du beliebt bist, dann…
  • finden alle dich toll, aber kennen dich nicht wirklich
  • hast du viele Freunde, on- und offline
  • musst du nie allein sein
  • wirst du überall eingeladen, weil du cool und hip bist
  • Bist du damit beschäftigt, den äußeren Schein zu wahren, damit keiner deine Schwächen erkennt
  • Orientierst du dich an den Zielen, die andere als erstrebenswert ansehen
  • Bist du äußerlich stark, aber innerlich unsicher
  • Machst du dein Selbstwertgefühl abhängig von der Bestätigung durch andere
  • Weißt du nicht, wem du wirklich trauen kannst
  • Lebst du im Mangel
  • Hast du ständig Angst, etwas falsch zu machen und diesen Status zu verlieren

 

Wenn du geliebt bist, dann…
  • Weißt du um dein inneres vollkommenes Potenzial
  • Hast du Feinde oder „Widersacher“, lässt dich aber davon nicht beeindrucken
  • Ruhst du in dir selbst und gönnst dir den Rückzug, den du brauchst
  • Bist du nicht „cool“, „hip“ oder „perfekt schön“, aber strahlst von innen heraus
  • Hast du keine Angst, dich so zu zeigen, wie du bist, weil du zu deinen Schwächen stehst
  • Kennst du deine Mission im Leben und gehst dafür
  • Bist du innerlich stark und strahlst dies nach außen aus
  • Liebst du dich selbst, unabhängig von der Bestätigung durch andere
  • Hast du ein Grundvertrauen darin, dass es eine universelle Liebe gibt, die uns alle einschließt
  • Lebst du in der Fülle
  • Weißt du, dass du keine Fehler machen kannst – sondern nur Lernerfahrungen

 

Jetzt loslaufen

Du möchtest dich auf den Weg machen und wünschst dir Begleitung dazu? Dann gönne dir eine Woche für dich selbst auf unseren „Happiness Yoga Ferien“ – hier werden wir in Workshops Schritt für Schritt deine Lebensaufgabe erkunden und Ressourcen aktivieren, um Schritt für Schritt in dein echtes erfülltes Sein zu finden. Mehr Infos hier…

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Work Life Balance: Ideal oder Irrtum?

Sommerferien…

…für Schulkinder ein Traum, für Eltern oft ein Albtraum. Von allen Seiten höre ich derzeit von verzweifelten Versuchen, die freie Zeit der Kinder mit der Arbeitszeit der Eltern unter einen Hut zu bringen. Da kommt es schonmal vor, dass der Papa von 6:00 bis 11:00 Frühschicht schiebt, damit die Mama dann zur Gleitzeit in ihr Büro fahren kann. Wenn am Ende noch eine Woche Urlaub für alle zusammen übrig bleibt, ist das schon ein Privileg. Auch für mich ist dieses Thema nun aktuell, da mein Sohn ab September zum Schulkind wird. Ich bin zwar in meiner Selbständigkeit relativ flexibel, aber die Projekte wollen trotzdem organisiert sein.

Work-Life-Balance als Aushängeschild für Arbeitgeber

Früher gab’s das nicht. Da haben Familien einen Betrieb gehabt, einen Laden oder einen Hof. Die Kinder haben mitgeholfen, wenn sie aus der Schule kamen oder sind „nebenbei mitgelaufen“, wie es so schön heißt. Mit der Industrialisierung kam der Umbruch: man ging in das Büro oder in die Fabrik und kam erst spät abends wieder zum „Feierabend“ nach Hause. Die Arbeit war zum Geld verdienen da, die wohlverdiente Freizeit zum Entspannen.

Hinzu kamen mit steigendem Wohlstand immer mehr Freizeitaktivitäten und der Anspruch, in der Freizeit „Spaß zu haben“ und etwas Schönes zu unternehmen. Vielen wurde bewusst, dass Arbeit nicht alles ist im Leben, und dass es wichtig ist, die verschiedenen Lebensbereiche („Life Domains“) unter einen Hut zu kriegen. Auch Unternehmen erkannten, dass eine gute Work-Life-Balance dazu beiträgt, dass die Mitarbeiter ausgeglichener sind und entsprechend produktiver arbeiten. Fortschrittliche Konzerne unterstützen dies heutzutage mit Betriebskindergärten, Teilzeitmodellen, Home Office und Entspannungs- und Sportangeboten in der Firma. So ist „Work-Life-Balance“ – oder auch die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben – für viele zum Aushängeschild geworden, auch um Nachwuchskräfte zu werben.

Ist Arbeit das richtige Leben?

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Denn allein die Begrifflichkeit, mit der „Arbeit“ und „Leben“ überhaupt unterschieden wird, suggeriert, dass „Arbeit“ nicht das Leben ist, sondern etwas, das erledigt werden muss, zum Geld verdienen. Findet demnach das „richtige Leben“ nur in der Freizeit statt? Kein Wunder, dass wir uns die Freizeit voll stopfen, weil wir meinen, jetzt unbedingt richtig leben zu müssen. Trotzdem verbringen die meisten von uns einen Großteil des Lebens mit Arbeit. Da wäre es schade, wenn schon ab 50 die Jahre bis zur Rente gezählt werden.

Diese Trennung von Arbeit und Privatleben scheint eh bald hinfällig. Durch die Digitalisierung verschmelzen Arbeit und Freizeit immer mehr miteinander. Home Office, Telearbeit, Videokonferenzen und die zunehmende Zahl von Selbständigen, Freelancern und Teilzeitarbeitenden lösen den klassischen 9-to-5-Job ab. Dazu gehört es auch, dass wir nach Feierabend oder im Urlaub in unsere dienstlichen Mails schauen – oder umgekehrt während der Arbeit in Sozialen Medien unterwegs sind.

Da dies auch stressen kann, versuchen einige Arbeitgeber, die Erholung der Mitarbeiter*innen durch Abschalten des Servers nach Feierabend zu unterstützen. Doch die zunehmende Verschmelzung von beruflich und privat lässt sich dadurch nicht aufhalten.

Von Work-Life-Balance zu „Work Life Happiness Balance“

Um diesen Trends gerecht zu werden, entstehen neue Begriffe – von „Work Life Integration“ bis hin zu „Work Fun Balance“. Mit „Work Life Sleep Balance“ wirbt gar ein großer schwedischer Möbelhersteller für „gute Schlafkultur“ und letztlich seine Möbel.

Ich selbst plädiere für „Work Life Happiness Balance“. Ich finde es ok, wenn man die „Life Domains“ getrennt betrachtet – ohne einen davon per se als „schlecht“ oder „falsch“ zu bewerten. Vielleicht lassen sie sich räumlich nicht mehr so trennen, vielleicht auch nicht immer zeitlich. Aber inhaltlich sprechen wir hier von verschiedenen Lebensbereichen, die es gilt, in Einklang zu bringen. Man könnte es auch „Work-Life-Heart-Family-Health-Welfare-Self-Development-Balance“ nennen. Dabei ist nicht ein Bereich wichtiger als der andere oder das „richtige“ bzw. das „falsche“ Leben, sondern jeder Bereich gehört dazu.

Die Natur macht es vor: Pflanzen brauchen Wasser, Erde und Sonne. Aus eigener Erfahrung weiß ich: bekommen unsere Pflanzen im Sommer zu wenig Wasser, so kann dies nicht durch mehr Sonne ausgewogen werden. Auch im Yoga geht es darum, die sieben Energiezentren – oder auch „Chakren“ – in Ausgleich zu bringen. Dies ist die Grundlage, um wiederum Körper, Seele und Geist in Balance zu bringen. Wenn ein Bereich zu kurz kommt, dann kann dies kaum durch ein Mehr in anderen Bereichen ausgeglichen werden.

Das Leben in Balance bringen – wie geht das?

Mit anderen Worten: Wenn der Job keinen Spaß macht, wenn du gemobbt wirst, dich langweilst, etwas tun „musst“, das gegen deine Ethik verstößt, dann nützt die beste Work-Life-Balance nichts. Wenn andererseits deine Beziehung in der Krise steckt, dann wirst du das Yoga-Angebot oder den Pausenraum in der Firma auch nicht wirklich genießen können.

Um das Leben wieder in Balance zu bringen, gilt es, die verschiedenen Lebensbereiche zu benennen und anzuschauen. Wenn ich dies in meinen Coachings und Seminaren mache, dann wird meist schnell deutlich, welche Bereiche nicht im Einklang sind. Sei es der Job, die Beziehung, die Familie, die Gesundheit. Oft liegt in dem Bereich, der gerade „im Argen“ ist, das größte Entwicklungspotenzial. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch bestimmte Lebensthemen hat, die gelöst werden wollen. Dies zu erkennen, ist für viele schon eine große Erleichterung und der erste Schritt auf einem unumkehrbaren Weg Richtung Freude und Erfüllung.

Sieben Anregungen für eine gute „Work Life Happiness Balance“

Doch was kann man noch tun, um die verschiedenen Lebensbereiche unter einen Hut zu bringen, ohne in völliger Erschöpfung oder Frust zu enden? Hier ein paar Anregungen dazu:

1. Nicht den Arbeitsort, sondern die Arbeitszeit klar abgrenzen

Bei den meisten liegt das Problem am Home Office nicht darin, dass man zu Hause ist, sondern dass die Zeiten nicht klar abgegrenzt sind. Statt morgens irgendwo einzustempeln, wird die Arbeitszeit nach Vertrauen gehandhabt. Der Plausch mit Kollegen im Büro ist ok, aber beim Wäsche machen zu Hause meldet sich der „innere Kritiker“ mit Vorwürfen und Schuldgefühlen. Was bei vielen dazu führt, dass man bis spät abends oder ohne weitere Pausen durcharbeitet, um das schlechte Gewissen zu beruhigen.

Ich selbst habe oft nächtelang gearbeitet und mich wie ein „Workaholic“ gefühlt. Mittlerweile erfasse ich meine Zeiten und sehe, wann mein selbst gesetztes Stundenkontingent erreicht ist. Das Arbeitsvolumen wird dadurch nicht weniger – aber die Einstellung verändert sich und der Genussfaktor steigt. Wenn ich zwischendurch joggen gehe oder meditiere, dann ohne schlechtes Gewissen. Wenn ich abends die Zeit dran hänge, dann mit einem guten Gefühl.

2. Glücksmomente zwischenschieben statt aufschieben

Wir neigen dazu, uns erst dann etwas Schönes zu gönnen, wenn die Arbeit geschafft oder das Projekt beendet ist. Da fallen so manche Dinge hintenüber. Studien von Psychologen (Ed O’Brien und Ellen Roney, 2017) haben jedoch gezeigt, dass wir eine schöne Aktivität auch dann genießen können, wenn später noch Arbeit ansteht. Warum also nicht mal zwischendurch einen Mittagsschlaf oder einen Spaziergang machen, oder mit dem Kind auf den Spielplatz gehen? Wichtig ist dabei nur, vorher die erforderliche telefonische Erreichbarkeit abzuklären.

Pausen sind ehedem wichtig: Laut Erkenntnissen im Zeitmanagement funktioniert das Gehirn besser, wenn wir alle 25 – 50 Minuten eine Pause machen. Es braucht solche Auszeiten, um neue Informationen zu verarbeiten und von hier aus wieder in einen kreativen Prozess zu kommen.

3. Nie wieder „ich müsste noch“

Der Reifenwechsel, die Hausreparatur – klar muss das gemacht werden. Man könnte den ganzen Tag mit sowas füllen. Hier hilft manchmal nur noch die Taktik des „aktiven Ignorierens“: Erstmal auf die wesentlichen Dinge konzentrieren – und sich bei allem fragen: was davon ist wirklich wichtig?

4. Erholen – aber richtig!

Nach dem Bürotag auf die Couch, um runterzukommen? Kontraproduktiv! Laut Stressforscher Prof. Dr. Gert Kaluza ist es empfehlenswert, sich außerhalb der Arbeitswelt eine „regenerative Gegenwelt“ zu erschaffen. Wer viel im Büro sitzt, sollte sich hinterher beim Sport auspowern. Wer im Job geistig unterfordert ist, den erfüllen möglicherweise kreative oder künstlerische Tätigkeiten in der Freizeit, oder auch ehrenamtliches Engagement. Wer sich nach der Arbeit – vor allem bei körperlicher Tätigkeit – erschöpft und ausgelaugt fühlt, dem kann ein Vollbad, ein Saunagang oder einfach mal Nichtstun helfen.

5. Die Arbeit sollte Spaß machen – zumindest grundsätzlich

In der Selbstentwicklungsszene sprechen viele von „Herzensaufgabe finden“, „Berufung leben“ oder „Lebensaufgabe finden“. Das finde ich zwar erstrebenswert, aber nicht immer 100%ig und sofort realisierbar. Meiner Meinung nach muss es nicht immer „die eine Sache“ sein, die Berufung, die uns von heute auf morgen für immer glücklich macht.

Aber natürlich solltest du morgens mit einem guten Gefühl und nicht mit Magenschmerzen zur Arbeit gehen. Wenn Letzteres der Fall ist, dann ist es vielleicht an der Zeit, über Veränderung nachzudenken und ggf. den Job zu wechseln.

6. Schuldgefühle loslassen statt sie anderen zuzuschieben

Wir werden nie alles perfekt machen. Gehen wir pünktlich von der Arbeit weg, um Zeit mit Familie oder Freunden zu haben, nagt das schlechte Gewissen, weil wir dem Chef nein gesagt haben zu Überstunden. Sagen wir ja und bleiben länger im Büro, wartet möglicherweise der Partner mit versauerter Mine, weil er alleine die Kinder ins Bett bringen musste. Vor lauter eigenen Schuldgefühlen fangen wir an, dem anderen Vorwürfe zu machen oder aufzurechnen, wer wie viel macht. Dies führt zu Mangeldenken und hilft uns keinen Deut weiter. Also am besten gleich die eigenen Schuldgefühle loslassen und Nachsicht dem Umfeld gegenüber walten lassen.

7. Bestandsaufnahme machen und Lebensbereiche in Einklang bringen

Das Leben ist im Fluss. Unsere Lebensthemen verändern sich kontinuierlich und wollen gelöst werden. Das, was anfangs vielleicht als anstrengend, problematisch und leidvoll erscheint, birgt für die eigene Entwicklung oft das größte Potenzial. Ein erster Schritt in Richtung Balance ist es, Ungleichgewichte zu erkennen, Wünsche zu definieren und Veränderungen vorzunehmen.

Du möchtest dich näher damit beschäftigen? Dann komm zu einem unserer Workshops oder Retreats – siehe hier…

Buchtipps

„Das Leben ist keine ToDo-Liste“ von Shirley Seul

„Einen Scheiß muss ich“ von Tommy Jaud

 

Videotipp

Robert Betz zum Thema „Work-Life-Balance“

Warum glückliche Menschen anders mit Pech umgehen

Hast du schon einmal erlebt, dass etwas, worüber du dich zunächst geärgert hast, sich später als Glücksfall herausgestellt hat?

Eine Absage. Ein Fehler. Eine unerwartete Wendung. In dem Moment erscheint vieles davon einfach nur ärgerlich oder schmerzhaft. Doch mit etwas Abstand erkennen wir oft: Genau dieses Ereignis hat uns auf einen neuen Weg geführt, uns etwas Wichtiges gelehrt oder sogar vor etwas bewahrt.

Interessanterweise sind es oft nicht die Dinge, die nach Plan laufen, die uns am stärksten prägen. Es sind die Umwege, Rückschläge und ungeplanten Wendungen, die uns wachsen lassen.

Der Sinn zeigt sich oft erst im Rückblick

Viele erfolgreiche Menschen haben eines gemeinsam: Sie haben sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen.

Steve Jobs brach sein Studium ab und belegte stattdessen Kurse, die ihn interessierten – unter anderem Kalligrafie. Jahre später half ihm genau dieses Wissen dabei, den Mac mit verschiedenen Schriftarten auszustatten – damals eine Revolution.

Seine Erkenntnis:

„Ihr könnt keinen Zusammenhang herstellen, indem ihr vorausschaut. Ihr könnt diesen nur herstellen, indem ihr zurückschaut.“

Auch Buddha wusste:

„Jedes Leben hat sein Maß an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.“

Wer hätte schon gerne Schwierigkeiten oder Krisen? Und doch sind es oft genau diese Erfahrungen, die uns wachsen lassen und unserem Leben eine neue Richtung geben.

Die Sichtweise macht den Unterschied

Psychologen sprechen von sogenannten „günstigen Erklärungsstilen“. Glückliche Menschen suchen die Ursache für Rückschläge nicht ausschließlich bei sich selbst. Sie sehen Herausforderungen als Teil des Lebens und vertrauen darauf, dass auch wieder bessere Zeiten kommen.

Gleichzeitig glauben sie an ihre Selbstwirksamkeit. Sie wissen: Nicht alles lässt sich kontrollieren. Aber sie können beeinflussen, wie sie damit umgehen.

Meine Erfahrung ist:

Wir können nicht immer beeinflussen, was uns passiert. Aber wir können entscheiden, wie wir darüber denken und wie wir damit umgehen.

Genau diese Haltung hilft uns, nach einer Enttäuschung wieder aufzustehen, statt aufzugeben.

Positiv denken oder schönreden?

Positiv denken bedeutet nicht, Probleme zu verdrängen oder alles schönzureden.

Es bedeutet, darauf zu vertrauen, dass jede Erfahrung eine Chance zum Lernen enthält. Dass ein Ende auch ein Anfang sein kann. Und dass das Leben manchmal einen besseren Plan für uns hat, als wir selbst.

Als ich vor vielen Jahren meinen Job verlor, konnte ich lange nicht erkennen, wofür das gut sein sollte. Heute weiß ich: Ohne dieses Ereignis hätte ich viele wunderbare Erfahrungen nie gemacht. Es hat mich aus meiner Komfortzone geholt und auf einen Weg geführt, den ich sonst vielleicht nie gegangen wäre.

Wird alles gut?

Vielleicht nicht sofort.

Aber oft erkennen wir erst später, warum etwas genauso geschehen musste.

Deshalb wünsche ich dir das Vertrauen, die Dinge anzunehmen, wie sie sind. Den Mut, auch nach Rückschlägen weiterzugehen. Und die Gelassenheit, darauf zu vertrauen, dass sich die Punkte irgendwann verbinden.

Namasté

Angela

6 Tipps für mehr Gelassenheit bei Rückschlägen

  1. Frage dich: Wird mich dieses Ereignis in 10 Jahren noch beschäftigen?
  2. Suche nach dem Geschenk oder der Botschaft, die darin verborgen sein könnte.
  3. Erinnere dich an drei Situationen, die sich erst im Nachhinein als Glücksfall erwiesen haben.
  4. Bei kleinen Ärgernissen: Lächle darüber und lass sie weiterziehen.
  5. Bei größeren Fehlern: Ziehe deine Erkenntnisse daraus, vergib dir selbst und mache weiter.
  6. Wenn das Leben gerade unfair erscheint: Erlaube dir, traurig oder wütend zu sein – aber richte deinen Blick danach wieder nach vorne.

Denn wer nie bereit ist zu scheitern, bleibt in seiner Komfortzone. Glücklich und erfolgreich sind oft die Menschen, die den Mut haben zu springen, auch wenn sie das Netz noch nicht sehen.