Mental Health im Business: Fürsorge oder Farce?

Neulich wurde ich angefragt, in einem IT-Unternehmen einen „Mental Health Parcours“ zu begleiten. Es gab dort verschiedene kleine Spiele, Infos, Tipps und Inspirationen zu Themen wie „Dankbarkeit“, „Achtsamkeit“, „Emotionen“ und „Stress-Management“.

Die Mitarbeiter:innen des Unternehmens waren sehr interessiert, es gab interessante Gespräche, die sehr schnell über Small Talk hinausgingen. Fast jeder kannte im privaten Umfeld einen Menschen, der oder die an einer psychischen Störung erkrankt ist.

Die meisten Kolleg:innen freuten sich über dieses Angebot und schätzten es, dass ihr Arbeitgeber sich für mehr Bewusstsein zum Thema „Psychische Gesundheit“ einsetzt.

Hinter der Fassade sieht’s anders aus

Doch nicht alle sahen es so: Gegen Ende des Aktionstages kam eine Mitarbeiterin zu mir, die sichtlich unzufrieden war. „Was nützt mir das ganze Gedöns hier, wenn sich auf dem Schreibtisch die Arbeit türmt? Wenn ständig Stellen gestrichen werden und immer weniger Leute immer mehr Projekte stemmen müssen? Das ist doch fadenscheinig!“ fuhr sie fort. „…und einfach nur Symptom-Behandlung, statt sich um die wahren Ursachen der psychischen Belastung zu kümmern!“

Ich kann ihren Frust verstehen und höre das nicht zum ersten Mal. Ich argumentiere dann gerne so, dass es doch trotzdem gut ist, wenn eine Firma überhaupt etwas für die Mitarbeiter:innen tut, selbst wenn die Beweggründe eher profitorientiert statt menschenorientiert sind.

Die Vorteile von Mental Health in Unternehmen

Immerhin haben ja viele Chef:innen mittlerweile erkannt, dass das, was für die Mitarbeiter:innen gut ist, auch dem Wohle der Firma dient. Viele Unternehmen haben mittlerweile sogar die psychische Gesundheit der Angestellten als Erfolgsfaktor erkannt. Die Argumente sprechen für sich:

  1. Produktivität und Effizienz

Psychisch gesunde Mitarbeiter sind motivierter, fokussierter und belastbarer. Studien zeigen, dass Unternehmen, die auf das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter achten, oft produktiver sind und eine geringere Fehlerquote aufweisen.

  1. Kostensenkung

Psychische Erkrankungen wie Burnout oder Depression sind häufige Gründe für Fehlzeiten und langfristige Arbeitsausfälle. Prävention und frühzeitige Unterstützung können nicht nur die mentale und körperliche Gesundheit der Mitarbeiter verbessern, sondern durch weniger Fehlzeiten auch erhebliche Kosten sparen.

  1. Unternehmenskultur und Mitarbeiterbindung

Ein Unternehmen, das sich um die psychische Gesundheit seiner Angestellten kümmert, schafft eine positive Arbeitsatmosphäre. Dies stärkt die Bindung der Mitarbeiter:innen an das Unternehmen und verbessert das Image des Arbeitgebers.

Alles beginnt mit den Führungskräften

Das sind gute Gründe. Doch solche Maßnahmen verpuffen, wenn die Chef:innen selbst eine solche Unternehmenskultur nicht vorleben.

Ein Haupt-Kündigungsgrund von Angestellten ist immer noch die Tatsache, dass sie mit den Vorgesetzten nicht klarkommen. Auch die emotionale Bindung an den Arbeitgeber sinkt von Jahr zu Jahr. Im Jahre 2023 betrug diese laut Gallup Engagement Index nur noch 19%.

Herausforderungen für Unternehmen

Hinzu kommen verschiedene Herausforderungen, die mit dem Thema „Mental Health“ in Unternehmen verbunden sind:

Tabu-Thema
Trotz steigender Offenheit sind psychische Krankheiten bei vielen noch ein Tabu-Thema. Wer mag schon Vorgesetzten gestehen, dass er psychische Hilfe braucht – und womit möglicherweise nur noch eingeschränkt leistungsfähig ist?

Wenn nicht gerade ein solides Burn-Out vorliegt, in das man ja durch exzessive Leistung und Engagement gerutscht ist (und es somit gesellschaftsfähig ist), dann sollte man mit Depressionen oder Ängsten nicht gerade auf der Betriebs-Weihnachtsfeier hausieren gehen.

Ressourcenmangel
Viele Unternehmen haben nicht die Ressourcen oder Fachkräfte, um sich diesen Themen zu widmen. Gerade in Zeiten von schwieriger Wirtschaftslage haben sie andere Sorgen, müssen kurzfristig auf die aktuellen Entwicklungen reagieren oder können den langfristigen Nutzen nicht erkennen.

Stress ist schick
Hinzu kommt, dass sich zwar das Bewusstsein in den letzten Jahren verändert hat, es aber trotzdem immer noch „schick“ ist, viel Stress zu haben und viel zu leisten. An vielen Stellen herrscht immer noch eine Mentalität, die es erwartet, sich zu verausgaben, statt „Selfcare“ zu betreiben.

Überstunden zu leisten und Arbeit mit nach Hause zu nehmen sind immer noch angesehener als um Punkt 17:00 Feierabend zu machen. Hinzu kommt die ständige Erreichbarkeit durch Home Office und digitale Vernetzung, der viele kaum noch entgehen können.

Trotz dieser Herausforderungen sollten Unternehmen sich mit diesem Thema beschäftigen. Kaum eine Firma kann es sich derzeit leisten, dass die Menschen innerlich kündigen oder womöglich langfristig wegen psychischer Krankheiten ausfallen.

Fünf Anregungen für Mental Health im Business

Was können Unternehmen also tun, damit das Thema „Mental Health“ nicht als Farce angesehen wird oder als „aufobtruiert“ empfunden wird? Wie können Führungskräfte ein neues Bewusstsein erschaffen, in dem die Kolleg:innen offen reden können, sich verstanden fühlen und sich vielleicht sogar gegenseitig unterstützen?

Folgende Voraussetzungen sind meines Erachtens nach wichtig, um das Thema „Mental Health“ in Unternehmen voranzubringen:

  1. Kommunikation ist alles

Egal, ob HR Manager:in, Führungskraft oder externe Trainer:in: Alle Beteiligten sollten dafür sorgen, dass das Thema Mental Health sein „Tabu“ verliert. Wo auch immer du in einem Unternehmen Berührungspunkte hast: Erschaffe auf deine Art und Weise ein Arbeitsumfeld, in dem offen über psychische Gesundheit – und somit auch über psychische Probleme – gesprochen werden kann.

Ermutige die Führungskräfte, das Thema anzusprechen und Unterstützung zu signalisieren. Durch eine gute und offene Kommunikation kann neues Bewusstsein für dieses Thema entstehen.

 

  1. Nicht erst handeln, wenn es zu spät ist: Prävention

Nicht ohne Grund bieten immer mehr Unternehmen verschiedenste Kurse an, zum Beispiel im betrieblichen Gesundheitsmanagement oder als Weiterbildung. Dazu gehören Stress-Management-Trainings, Achtsamkeitskurse, Yoga, Autogenes Training, Resilienz-Training etc.

Lachyoga ist hier eine optimale Methode, die gleich verschiedene Aspekte miteinander verbindet: die Teilnehmer:innen kommen in Bewegung und tun gleichzeitig etwas für ihr mentales Wohlbefinden. Durch die Übungen entsteht ein Verbundenheitsgefühl, was auch den Teamspirit und die Motivation steigert.

 

  1. Zugang zu professioneller Hilfe erleichtern

Die Menschen sollten nicht nur über das Thema sprechen können, sondern auch Möglichkeiten der Unterstützung erhalten, ohne sich gleich direkt zu „outen“. Immer mehr Unternehmen bieten deshalb anonymen Zugang zu Beratungsdiensten, Coaches oder Psychologen an.

 

  1. Gute Work-Life-Balance

Wenn ich in Unternehmen unterwegs bin, stelle ich immer wieder fest: der beste Stress-Management-Workshop nützt nichts, wenn die Angestellten gleichzeitig mit Arbeit überladen sind, die sich auf dem Schreibtisch häuft – siehe oben.

Jeder sollte die Möglichkeit haben, genügend Pausen einzulegen, und auch im Home Office sollte keiner 24/7 erreichbar und verfügbar sein müssen (siehe auch den Blogartikel zu Work-Life-Balance).

 

  1. Alles beginnt mit den Führungskräften

Wenn sich etwas verändern soll, dann beginnt dies mit einem Umdenken bei den Chef:innen. Diese müssen erkennen, dass entspannte und motivierte Mitarbeiter:innen produktiver sind als übergestresste Menschen oder solche, die innerlich schon gekündigt haben. Führungskräfte sollten geschult werden, Anzeichen von Überlastung zu erkennen und angemessen zu reagieren. Sie sollten lernen, wie sie offen und authentisch kommunizieren können, aber auch, welche Methoden und Möglichkeiten es gibt, um ihr Team zu unterstützen.

Fazit: Mental Health ist ein wichtiges Win-Win

Ich bin davon überzeugt, dass „Mental Health“ ein Thema ist, in dem es noch viel Aufklärungs- und Handlungsbedarf gibt. Egal, ob du Führungskraft, Business Trainer:in, Coach, HR-Manager:in oder Angestellte:r bist: Wir alle sollten dafür sorgen, dass wir nicht nur funktionieren, sondern dass wir für unsere Bedürfnisse einstehen und für uns selbst sorgen können. Dadurch können wir Vorbilder für andere sein und sie dazu ermutigen, ebenfalls für sich einzustehen.

Wenn wir privat und beruflich authentisch bleiben, statt anderen etwas vorzugaukeln, dann sind wir auf dem Weg zu einem neuen Miteinander. Das hat auch zur Folge, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen sich besser verstanden und gesehen fühlen. Was wiederum dazu führen könnte, dass psychische Erkrankungen früher erkannt und behandelt werden, bevor jemand monatelang krank ist.

Zum Abschluss der Aktion erzähle ich dem Geschäftsführer der Niederlassung von der Skepsis der Mitarbeiter:in. „Ja, irgendjemand hat immer etwas an dem auszusetzen, was wir tun. Aber wir machen trotzdem weiter.“ Mit einer solchen Einstellung ist schonmal viel gewonnen, denke ich mir. Nicht nur für seine Niederlassung, sondern auch für die Menschen, die hier arbeiten.

Vagusnerv

Wellness-Booster Vagusnerv

Wie der „Wundernerv“ wirkt und was an dem Hype dran ist

Neulich hatte ich eine Lehrerin im Seminar: Carina. Gerade sitzen wir mit ein paar Leuten im Essensraum des Seminarhauses und tauschen uns über die Situation heutiger Lehrkräfte aus, da sagt sie: „Am Anfang einer jeden Unterrichtsstunde mache ich erstmal Vagusnerv-Übungen mit den Schülern, das hilft total.“ Wir nicken beeindruckt.

Immer wieder wird im Zusammenhang mit Stress-Management und mentaler Gesundheit der „Vagusnerv“ genannt. Scheint ja ein wahrer „Wundernerv“ zu sein, um den mittlerweile ein regelrechter Hype entstanden ist. Zahlreiche Übungen für den Vagusnerv finden sich im Internet, um durch dessen Stimulation für Entspannung und mentalen Ausgleich zu sorgen.

Der Hype ist nicht ganz unberechtigt: Der Vagusnerv ist der längste Nerv in unserem Körper und spielt eine wichtige Rolle bei der Verdauung, dem Herz-Kreislauf, der Atmung und vielem mehr. Er reguliert alle wichtigen Organe wie Herz, Lunge, Zwerchfell und Darm.

Wo sitzt der Vagusnerv?

Der Vagusnerv verläuft vom Darm aus über Brust und Hals bis ins das Gehirn hinein und ist die wichtigste Verbindung zwischen Organen und Gehirn. Er ist Teil des vegetativen (oder auch autonomen) Nervensystems, das alle Abläufe im Körper regelt, die wir nicht selbst steuern können. Also Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel.

Ganz im Gegensatz zum willkürlichen Nervensystem, dessen Vorgänge wir willentlich beeinflussen können, zum Beispiel ob wir den kleinen Finger heben (Muskelaktivität).

Zum vegetativen (autonomen) Nervensystem gehören auch das sympathische und das parasympathische Nervensystem. Diese ziehe ich dann immer gerne in meinen Kursen heran, wenn es um Stress-Management geht.

Wenn jemand gähnt, dann nicht aus Langeweile über meinen Kurs (hoffentlich!), sondern weil durch die Entspannungsübungen das parasympathische Nervensystem aktiviert wird. Das ist mir immer wichtig zu sagen.

Das sympathische Nervensystem ist dafür zuständig, dass wir uns in Stress-Situationen voll fokussieren und alle Kraft einsetzen können, um mit Kampf oder Flucht zu reagieren. Alle weiteren Körperfunktionen (Verdauung, Schlaf, Lustempfinden etc.) werden runtergefahren. Der Kampf gegen den Säbelzahntiger kann beginnen. so war es zumindest früher mal. Heute ist es vielleicht die cholerische Chefin oder das schreiende Kind.

Das parasympathische Nervensystem hingegen ist wichtig für die Entspannung und Erholung. Nach einer Stress-Situation sorgt es dafür, dass wieder neue Energie bereitgestellt wird. Während früher die Menschen am Lagerfeuer gechillt haben, sind es heute die Netflix-Serien (manchmal muss das sein) oder der Spaziergang im Wald (manchmal sollte es sein).

Der Vagotonus – entscheidend für Resilienz

Hier kommt der Vagusnerv ins Spiel. Wenn der gut funktioniert, dann ist es leichter für uns, aus einer Stress-Situation heraus schnell und effektiv wieder in einen Entspannungszustand zu kommen.

Vielleicht stand ich gerade eine Stunde lang im Stau und lasse mir die Laune trotzdem nicht verderben. Vielleicht musste ich Nachtschichten schieben, um meine Umsatzsteuer-Voranmeldung zu machen und mir reicht eine Kurzentspannung, um wieder fit zu sein. In dem Fall haben wir eine hohe Aktivität des Vagusnervs und sprechen von einem hohen Vagotonus. Langfristig wirkt sich dieser positiv auf unsere Resilienz aus.

Wenn wir allerdings ständig Stress haben und dieser zu chronischem Stress ausartet, dann kann das den Vagotonus beeinträchtigen. Ist der zu niedrig, dann werden wir noch anfälliger für Stress und sogar für Angstzustände. Wir geraten in einen Kreislauf aus Zeitdruck, Zukunfts- und Existenzangst und nehmen uns keine Zeit mehr für den Waldspaziergang. Irgendwann bleiben nur noch Netflix und Rotwein. Aber das hilft dann auch nicht mehr.

Um dieses Stadium frühzeitig zu verhindern, könnte uns die Aktivierung des Vagusnervs helfen, um wieder in eine innere Balance zu kommen.

Polyvagaltheorie – wie Stress auf unsere Gefühle wirkt

Doch das ist nicht alles. Mit der „Polyvagaltheorie“ hat Stephen Porges (erstmalig 1995) beschrieben, dass sogar unsere emotionalen Reaktionen eng mit dem autonomen Nervensystem verbunden sind.

Das bedeutet: Stress-Situationen lösen nicht nur eine körperliche Reaktion aus, sondern sie haben auch einen Einfluss auf unsere Gefühle und die damit verbundene Handlung. Das führt dazu, dass wir zum Beispiel manchmal impulsiv reagieren, selbst wenn wir es nicht wollen. Vielleicht schreien wir das bockige Kind an oder den Partner und ärgern uns direkt danach über uns selbst.

Je nachdem, wie flexibel das Nervensystem zwischen den Zuständen von Stress und Entspannung wechseln kann – was wiederum durch den Vagusnerv beeinflusst wird – werden  so auch langfristig unser Verhalten, unsere Emotionen und unsere Beziehungen geprägt.

Wer immer gleich ausrastet, macht sich keine Freunde oder riskiert gar seinen Job.

Der Vagusnerv und die Glückshormone

Der Vagusnerv beeinflusst auch auf andere Art unsere Stimmung. Er ist daran beteiligt, dass bestimmte Neurotransmitter – zum Beispiel die Glückshormone Serotonin und Dopamin –  produziert und transportiert werden. Wenn wir also den Vagusnerv stimulieren, dann steigt die Produktion dieser Neurotransmitter und wir verspüren mehr Glücksgefühle und Motivation (siehe auch Blogartikel „Glückshormone“).

Mit nur wenigen Sekunden bis Minuten Zeitaufwand können wir also mit rein körperlichen Maßnahmen den Groll loslassen oder mit frischem Schwung das neue Projekt angehen. Es kann so einfach sein!

Was sonst noch zählt

Nicht nur die emotionale Befindlichkeit, sondern erstaunlich viele andere Prozesse im Körper werden durch den Vagusnerv beeinflusst und können durch entsprechende Übungen verbessert werden:

  • Der Blutdruck und die Herzfrequenz sinken.
  • Die Atmung wechselt von der Brust- zur tieferen Bauchatmung.
  • Die Verdauung wird angeregt und die Magen-Darm-Passage beschleunigt.
  • Die Muskelspannung sinkt.
  • Das Immunsystem wird angeregt.
  • Chronische Schmerzen können nachlassen.
  • Entzündungen können reduziert werden

 

Übungen zur Aktivierung des Vagusnervs

 Hier findest du eine Auswahl an Beispielen für Vagusnerv-Übungen. Vielleicht hast du ja mal Lust, sie auszuprobieren.

  1. Tiefe Bauchatmung

Lege beide Hände auf den unteren Bauch und stell dir beim Einatmen vor, dass dein Bauch sich wie ein Luftballon füllt. Atme länger ein als du ausatmest. Atme dabei durch die Nase ein und mit geräuschlosem Pfeifton durch den Mund wieder aus. Führe diese Atemübung 3 Minuten lang durch.

  1. Massage

Nimm beide Zeigefinger und setze sie hinter den Ohren an. Dann beginne mit kreisenden Bewegungen zu massieren, ca. 3 Minuten.

  1. Yoga

Yoga ist die optimale Kombination aus Dehnung, Bewegung und Atem um den Vagusnerv zu stimulieren. Möglichkeiten dazu findest du unter anderem hier…

  1. Lachyoga

Beim Lachen praktizieren wir automatisch die tiefe Bauchatmung und trainieren das Zwerchfell, was beides auch für eine Stimulation des Vagusnervs führt. Hinzu kommt die positive soziale Interaktion mit anderen Menschen, so dass wir auf allen Ebenen für Entspannung und gute Stimmung sorgen. Möglichkeiten, siehe hier…

  1. Summen

Atme tief ein und beginne, ausatmend zu summen, zum Beispiel auf „Hammmmmm“. Summe so lange, bis die Luft aus der Lunge (fast) vollständig entleert ist.

 

Fazit: Vagusnerv als Wohlfühlbooster?

Auch wenn sich die Studien bezüglich des Vagusnervs bisher auf elektrische Stimulation beziehen und es über die „Selbstbehandlung“ bisher kaum Belege gibt, bin ich überzeugt davon, dass es sich lohnt, die Übungen mal auszuprobieren.

Letztlich sind es Übungen, die wir sowohl im Yoga als auch im Lachyoga ehedem praktizieren und bei denen wir am eigenen Körper merken, wie schnell sich ein Entspannungseffekt und sogar gute Laune einstellen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, dass unsere Prozesse im Körper so eng mit unserem seelischen Wohlbefinden zusammenhängen und ich frage mich, warum das in vielen Bereichen immer noch als getrennt angesehen und behandelt wird.

Ich bin mir sicher, dass nicht nur unsere Kinder in den Schulen, sondern wir alle besser und entspannter lernen würden, wenn mehr Menschen diesen „ganzheitlichen Aspekt“ einbeziehen würden. Sowohl im pädagogischen und sozialen Bereich als auch in allen anderen Feldern.

Immerhin kenne ich ja jetzt schon eine Lehrerin, die das anwendet. Carina ist fest entschlossen, nicht nur die Vagusnerv-Übungen, sondern auch das Lachyoga in ihre Schule zu tragen. Das gibt Hoffnung.

Hier lernst du weitere Übungen

In diesen Kursen lernst du mehr Übungen für den Vagusnerv kennen und praktisch anwenden:

Resilienztraining

Lachyoga Seminar

Happiness Yoga Ferien

Werte

Werte: dein Kompass für’s Leben

Würdest du töten, um Menschen zu retten? Das Trolley-Dilemma

„Mama!“ fragt mich mein Sohn: „Was würdest du tun: du bist Gleisarbeiter und ein außer Kontrolle geratener Zug rollt auf den Gleisen einen Berg hinunter. Auf der Schiene sind 5 Gleisarbeiter, die durch den Zug sterben würden. Du könntest den Zug aber auf ein Gleis umleiten, auf dem nur ein Gleisarbeiter steht und dann statt fünf Menschen nur einer sterben müsste.“

Wir laufen gerade am Deich von St. Peter Ording entlang. „Puh, weiß nicht,“ sage ich. „Vielleicht würde ich dann den Hebel umlegen.“

„Ok, und was wäre, wenn auf dem einen Gleis ein Kleinkind spielt und auf dem anderen Gleis – also wenn du umleitest – eine ältere Dame sich verirrt hat?“ hakt mein Sohn nach. Boh, das ist schwierig! „Ich glaube, ich würde dann eher die Variante wählen, bei der ich nicht eingreife“ sage ich. „Denn vielleicht ist es dann ja einfach vom Leben oder von Gott so vorgesehen, dass eine Seele nur ganz kurz auf der Welt ist? Und wer kann schon beurteilen, ob ein Leben mehr wert ist als ein anderes und wann?“

Ich bin ins Nachdenken gekommen. Offenbar hat mein Sohn irgendwo im Internet dieses „Trolley-Problem“ aufgeschnappt. Sogar eine Studie der Max-Planck-Gesellschaft hat sich schon damit beschäftigt, wie Menschen mit solchen moralischen Dilemmata umgehen würden (mehr dazu, siehe hier..). Diese und ähnliche Dilemma-Fragen sorgen für Diskussionen über Ethik und Moral. Übrigens: die Mehrheit würde in diesem Fall das Gleis umstellen, um die 5 Personen zu retten. Doch das heißt nicht, dass es ethisch richtig ist. Hier findest du weitere Beispiele für moralische Dilemmata… 

Darf ein Computer töten?

Zuletzt gab es diese auch im Zusammenhang mit dem Thema „selbstfahrende Autos.“ Was ist zum Beispiel, wenn das computergesteuerte Auto eine Frau mit Kinderwagen nur dann retten kann, wenn es ausweicht und dafür eine ältere Dame überfahren muss?

Für solche Fälle hat die „Ethik-Kommission für automatisiertes Fahren“ bereits klare Leitlinien festgelegt (siehe hier…): Um Menschenleben zu retten, darf zwar der Tod von Tieren in Kauf genommen werden, aber nicht der von anderen Menschen. Außerdem darf nicht zwischen Menschen unterschieden werden, egal wie jung, alt krank oder gesund, Herkunft oder Geschlecht.

Auch darf ein Menschenleben nicht für mehrere andere geopfert werden. Also dann doch den Tod von 5 Gleisarbeitern in Kauf nehmen, statt den Zug auf einen umzuleiten?

Welche Werte sind DIR wichtig?

Dies sind natürlich überspitzte Gedankenexperimente. Und doch werden wir tagtäglich mit kleinen Dilemma-Fragen konfrontiert. Jeden Tag neu müssen wir Entscheidungen zwischen Werten treffen, die sich gegenseitig torpedieren. Zum Beispiel…

  • Höre ich mir die Probleme der Freundin an (Verbundenheit und Empathie), oder würge ich sie am Telefon ab, um mein Seminar vorzubereiten (Erfolg, Qualität ,Anerkennung)?
  • Helfe ich meinem Sohn bei den Hausaufgaben (Familie, Verbundenheit), oder mache ich stattdessen Sport (Gesundheit, Disziplin)?
  • Spare ich alles, was ich habe, für die Rente (Sicherheit, Verlässlichkeit), oder mache ich eine Weltreise (Abenteuer, Freiheit)?

Manchmal denken wir gar nicht darüber nach, sondern machen einfach. Manchmal machen wir für Entscheidungen lange Pro- und Contra-Listen und sind hinterher trotzdem nicht schlauer (siehe auch den Blogartikel zu „Entscheidungen“). Die wenigsten Menschen sind sich ihrer Werte bewusst oder haben sich damit wirklich auseinandergesetzt.

Dabei können Werte ein absolut hilfreicher und wichtiger Kompass sein, um uns durch das Leben und unsere tagtäglichen Entscheidungen zu lotsen.

Werte als Säulen der Gesellschaft

Unsere Werte bestimmen, was wir als richtig, erstrebenswert oder moralisch richtig ansehen. Will ich um jeden Preis ehrlich sein, auch wenn ich den anderen verletze? Bin ich bereit, einen sicheren Job aufzugeben, um Freiheit zu leben? Können wir Frieden schaffen, indem wir Waffen einsetzen?

Werte sind nicht einfach da, sondern sie werden im Laufe der Zeit geprägt – durch die Eltern, durch unsere Kultur oder auch die Kirche. Ohne gemeinsame Werte könnten wir keine Demokratie leben, keine Gesetze erlassen, kein vernünftiges Miteinander gestalten.

Kein Wunder, dass das Zusammenleben derzeit so schwierig scheint – in Zeiten, in denen immer mehr Menschen mit unterschiedlichsten Wertvorstellungen miteinander auskommen müssen.

Manchmal verändern sich gesellschaftliche Werte auch mit der Zeit. Nachhaltigkeit, Umweltschutz oder mehr Toleranz für eine vielfältige Gesellschaft (z.B. LGBTQ-freundlich) werden bei uns wichtiger, während andere Werte weniger wichtig werden oder fast schon verpönt sind (z.B. Kreuzfahrten, Jet-Set-Leben oder viel und hart arbeiten).

Warum du DEINE Werte finden solltest

Doch bevor wir die Werte oder Lebensweise anderer Menschen beurteilen, sollten wir uns zunächst unserer eigenen Werte bewusst werden. Nur dann können wir integer handeln, authentisch bleiben, für uns selbst und für andere einstehen. Wir müssen uns nicht mehr von anderen verunsichern oder kritisieren lassen, wenn wir genau wissen, was wir tun und warum wir es tun.

Wir können Entscheidungen bewusster treffen und klarer handeln. Wir können wahrhaftiger leben und die Ziele verfolgen, die uns wirklich wichtig sind, statt Zielen hinterher zu hecheln, die andere für wichtig halten.

Wenn wir uns unserer eigenen Werte bewusst sind und die Werte anderer respektieren, machen wir einen Unterschied in der Welt und sorgen nicht nur für uns selbst, sondern auch für das Wohl der Gesellschaft.

Diese Werte sind für alle wichtig – oder sollten es sein

Hier sind ein paar Beispiele für allgemeingültige Werte, die wichtig sind, um ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft zu ermöglichen:

  • Ehrlichkeit: Die Bereitschaft, die Wahrheit zu sagen und sich an ethische Grundsätze zu halten.
  • Respekt: Die Anerkennung und Wertschätzung der Würde und Rechte anderer Menschen.
  • Verantwortung: Die Verpflichtung, für das eigene Handeln und seine Konsequenzen einzustehen.
  • Gerechtigkeit: Das Streben nach Fairness und Gleichbehandlung aller Menschen.
  • Freiheit: Das Recht und die Möglichkeit, Entscheidungen unabhängig von äußeren Zwängen zu treffen.

Vermutlich wirst du dich in diesen allgemeinen Werten grundsätzlich wiederfinden. Und doch können die Prioritäten unterschiedlich sein. Was sind deine Prioritäten?

Übrigens: Ich habe den Deichspaziergang in St. Peter Ording mit meinem Sohn und begleitender Diskussion über Werte-Dilemmata sehr genossen. So konnte ich gleichzeitig Zeit mit meinem Kind verbringen (Familie), Anregungen für diesen Blogartikel erhalten (Kreativität) und mich körperlich bewegen (Fitness). Was will man mehr?

Ich wünsche dir Liebe, Lachen und Wahrhaftigkeit! (meine wichtigsten Werte)

Angela

 

Du willst es genauer wissen? Wenn du mehr über deine eigenen Werte herausfinden möchtest, dann findest du unten ein paar Anregungen dazu.

Wenn du dies lieber in Begleitung tun möchtest, dann komm in das Online-Coaching-Programm SMILE – mehr Infos, siehe hier…

Werte priorisieren in 5 Schritten

Finde heraus, was dir wichtig ist und ob du deinen Werten entsprechend handelst. Die folgende Vorgehensweise kann dir dabei helfen:

  1. Suche dir aus den unten genannten Werten die für dich 10 wichtigsten Werte heraus
  2. Priorisiere sie, indem du immer 2 Werte miteinander vergleichst
  3. Schreibe dir die wichtigsten 5 Werte groß und sichtbar auf einen Zettel
  4. Beobachte dich selbst bei Entscheidungen und ordne ein, inwiefern du nach deinen Werten entscheidest.
  5. Korrigiere ggf. deine Werte

Beispiele für Werte

  • Abenteuer
  • Achtsamkeit
  • Authentizität
  • Bescheidenheit
  • Dankbarkeit
  • Demut
  • Disziplin
  • Durchhaltevermögen
  • Ehrgeiz
  • Ehrlichkeit
  • Einfluss
  • Empathie
  • Erfolg
  • Familie
  • Fairness
  • Fitness
  • Flexibilität
  • Freiheit
  • Freundlichkeit
  • Geduld
  • Gerechtigkeit
  • Gleichberechtigung
  • Großzügigkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • Höflichkeit
  • Innovation
  • Integrität
  • Kooperation
  • Kreativität
  • Lernbereitschaft
  • Liebe
  • Loyalität
  • Macht
  • Mitgefühl
  • Mut
  • Nachhaltigkeit
  • Offenheit
  • Optimismus
  • Pflichtbewusstsein
  • Pünktlichkeit
  • Respekt
  • Selbstachtung
  • Selbstlosigkeit
  • Sinnlichkeit
  • Solidarität
  • Toleranz
  • Treue
  • Verantwortung
  • Vergebung
  • Verständnis
  • Vertrauen
  • Weisheit
  • Zuverlässigkeit

Wie Yoga dein Leben verändern kann

Gymnastik für Hausfrauen…

…so dachte ich früher über den heutigen Trendsport, als ich mitbekam, wie meine Mutter wöchentlich mit der Matte unter dem Arm zu ihrem „Sport“ ging. Was sollte daran auch schon „Sport“ sein, wo ich mich damals als Teenagerin beim Leichtathletik und Volleyball so richtig ausgepowert habe…

Meine Meinung über Yoga sollte sich später radikal ändern. Ich war in Indien unterwegs, auf der Suche nach Sinn und Selbstliebe. Dabei klapperte ich so ziemlich alle Ashrams, spirituellen Zentren und Yoga-Schulen ab, die mir unterkamen.

Unter anderem auch das „Yoga Mandir“ in Varanasi. Hier traf ich den Yogalehrer Peetambar. Er startete die Stunde direkt mit dem Kopfstand. Und auch der Rest der Stunde war körperlich so fordernd und anspruchsvoll, dass ich hinterher 3 Tage lang Muskelkater hatte. Von da an war ich infiziert…

Süchtig nach Yoga

Nun wusste ich, was Yoga auch sein kann: ein anspruchsvolles Kraftprogramm, das die Muskeln stärkt und den Körper strafft, mich aber auch in die Entspannung bringt und den ständigen Gedankenkreislauf runterfährt.

Als ich aus Indien zurück war, suchte ich in ganz Berlin nach einer Yogaschule, einem Lehrer, der so war wie Peetambar – vergeblich. Ich akzeptierte schließlich, dass kein Yogalehrer wie der andere ist und machte trotzdem weiter.

Heute bin ich selbst Yogalehrerin und sehr dankbar, dass ich diesen „Sport“ ausüben und unterrichten darf. Ich kenne keine andere Methode, die auf so geniale und gleichzeitig einfache Art und Weise alles vereint, was unser Körper und Geist braucht. Sowohl Hatha Yoga als auch Lachyoga (siehe hier…) sind für mich das optimale „Rundumprogramm“ für Körper, Geist und Seele.

Was ist Yoga?

Meist denken wir ja beim Begriff „Yoga“ vor allem an die Körperübungen, genannt „Asanas“, die hier praktiziert werden. Doch Yoga bedeutet vielmehr als das.

Ursprünglich ist es eine indische Methode und Tradition, um sich spirituell weiterzuentwickeln und zur Erleuchtung zu kommen.

Heute wird bei uns meist „Hatha Yoga“ praktiziert. Das ist der Überbegriff für alle Yogastile (zum Beispiel Ashtanga, Iyengar, Kundalini und Yin Yoga) und bezieht sich auf den Bereich der Asanas (Körperhaltungen) und Pranayama (Atemübungen).

Wissenschaftlich erprobt: Yoga als Gesundheitsmethode

Der Begriff „Hatha“ setzt sich aus den Wörtern „Ha“ (Sonne) und „Tha“ (Mond) zusammen, was die Vereinigung gegensätzlicher Energien symbolisiert. Das Ziel von Hatha Yoga ist es, den Körper zu stärken und die Energien wieder in den Ausgleich zu bringen.

Was man vor Tausenden von Jahren nur erahnt hat, ist mittlerweile wissenschaftlich belegt: Yoga hat unzählige positive Effekte, sowohl körperlich als auch mental. Nicht ohne Grund praktizieren Millionen Menschen in aller Welt regelmäßig Yoga.

Sechs Gründe, um Yoga zu praktizieren

Hier findest du sechs Gründe, warum es sich lohnt, regelmäßig Yoga zu praktizieren. Vielleicht ist dies ja auch eine kleine Anregung für dich, es mal auszuprobieren. Oder wieder einzusteigen, falls du länger nicht praktiziert hast.

1. Bessere Flexibilität und Beweglichkeit

Durch die verschiedenen Körperhaltungen dehnen wir unsere Muskeln und Bänder und bleiben beweglich. Schließlich „rosten“ die Gelenke und Bänder mit jedem Jahr, das wir älter werden, weiter ein – wenn wir nicht regelmäßig etwas dagegen tun. Je flexibler wir jedoch bleiben, umso eher vermeiden wir Schmerzen und Verletzungsgefahren.

Auch die Muskelkraft wird durch Yoga gestärkt. Wir brauchen dafür nicht mal Gewichte, da wir mit unserem eigenen Körpergewicht arbeiten. Immer wieder ist es interessant, wenn sich im Fitness-Studio, in dem ich Yoga unterrichte, Männer hierher „verirren“, die dann oft ganz erstaunt sind, wie anstrengend Yoga sein kann, quasi muskelkaterverdächtig. Siehe auch Journal of Strength and Conditioning Research

2. Verbesserung der Körperhaltung

Wer kennt das nicht: den ganzen Tag in ungünstiger Haltung am Schreibtisch verbringen oder den ganzen Tag stehen müssen, Stress und Zeitdruck, all das kann Rückenschmerzen zur Folge haben. Laut Studien leiden etwa 60-80% der Deutschen mindestens einmal in ihrem Leben an Rückenschmerzen.

Auch mir ging es jahrelang so, und ich habe versucht, dies mit Medikamenten und Globuli zu bekämpfen. Die Wirkung davon hielt aber immer nur kurzfristig an. Seitdem ich Yoga praktiziere und unterrichte, sind Rückenschmerzen für mich kein Thema mehr.

Mit welcher Haltung gehst du durchs Leben?

Mir fällt es oft auf, dass Menschen mit gebeugtem Rücken gehen oder stehen und generell eine schlechte Körperhaltung haben. Yoga sorgt dafür, dass wir die Muskeln stärken – gerade auch die Rückenmuskulatur – und eine bessere Haltung einnehmen.

Die Haltungen, die wir im Yoga üben – gute Standposition, Rückbeugen, Rotationen – wirken sich automatisch auf unsere Körperhaltung im Alltag aus.

Hinzu kommen die Erkenntnisse aus dem Embodiment (siehe Blogartikel „Motion creates Emotion“…), dass Körperhaltungen auch mental etwas in uns bewirken. Sind wir oft in gebeugter Haltung, kraftlos und ohne Spannung, dann symbolisiert dies Unsicherheit und Energielosigkeit und wirkt sich entsprechend auf unsere innere Einstellung aus.

Stehen wir kraftvoll, aufrecht und stabil, dann bringen wir uns über die Haltung auch in eine mentale Haltung der Kraft, des Selbstbewusstseins und der Zuversicht.

Forschungen zeigen, dass Yoga die Körperhaltung verbessert und Rückenschmerzen reduziert, indem es die Rumpfmuskulatur stärkt und die Beweglichkeit erhöht.

3. Herz-Kreislauf-Gesundheit

 Studien haben gezeigt, dass Yoga positive Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit haben kann. Regelmäßige Praxis kann den Blutdruck senken, den Puls beruhigen und die allgemeine Herzfunktion verbessern.

Alle Yoga-Übungen basieren auf der Formel „Strecken-Entspannen-Tiefenatmung“. Sie steigern die Blutzirkulation und Konzentration. Durch langsame, kontrollierte Bewegungen, richtige Atmung und Entspannung wird das Herz nicht belastet, sondern gestärkt. Das kräftige Herz pumpt mehr Blut und verbessert die Durchblutung und Sauerstoffzufuhr im ganzen Körper.

Wenn wir Yoga-Übungen richtig ausführen, wird die Ansammlung von Giftstoffen im Körper verhindert. Gleichzeitig kann der Körper diese sowie Mineralienablagerungen in Knochen und Arterien leichter ausscheiden.

4. Stressabbau und Entspannung

 Yoga ist bekannt für seine beruhigende Wirkung auf den Geist. Durch Yoga wird das parasympathische Nervensystem aktiviert, was zu einem Zustand tiefer Entspannung führt. Dadurch kann sich der Körper erholen und regenerieren.

Die Übungen helfen hilft nicht nur bei bestehendem Stress, sondern auch zur Prävention von Stress. Yoga erweitert die eigenen Ressourcen, die wir brauchen, um Stress zu bewältigen.

Immer wieder berichten mir Teilnehmer:innen, dass sie es besser schaffen, auch in stressigen Situationen gelassen zu bleiben, zum Beispiel, indem sie ihre Atmung vertiefen oder sich bewusst entspannen.

Regelmäßige Yoga-Praxis kann somit helfen, Stress abzubauen und die allgemeine Stimmung zu verbessern.

Eine Meta-Analyse im Journal of Evidence-Based Complementary & Alternative Medicine zeigte, dass Yoga signifikant Stress und Ängste reduziert sowie das allgemeine Wohlbefinden steigert.

5. Mehr Konzentration und Achtsamkeit

 Oft bekomme ich die Rückmeldung, dass Teilnehmer:innen in der Yogastunde komplett abschalten können und endlich mal all ihre Gedanken und Probleme vergessen.

Genau das bedeutet Achtsamkeit: im Hier und Jetzt ankommen, die ständigen Gedankenschleifen mal loslassen.

Dies fällt vielen Menschen leichter, wenn sie sich auf bestimmte Übungen und Atemtechniken konzentrieren, als wenn sie einfach still sitzen und meditieren.

Der Geist ist nur noch beim Atem und bei den Übungen. Die im Yoga praktizierten Atemtechniken können auch im Alltag eingesetzt werden, um Gedanken abzuschalten oder die Energie zu erhöhen.

Der Fokus der Aufmerksamkeit auf die Übungen und die Wahrnehmung des Körpers kann zudem die Konzentrationsfähigkeit und das geistige Wohlbefinden verbessern.

Eine Studie in Mindfulness zeigte, dass regelmäßige Yoga-Praxis die Achtsamkeit und Konzentration bei den Teilnehmern deutlich verbesserte.

6. Förderung der inneren Balance

Das Besondere am Yoga im Vergleich zu anderen Sportarten: es geht nicht nur um den Körper, sondern es ist ein Rundumprogramm für den Körper und die Seele.

Durch die Kombination von körperlichen Übungen, Atemtechniken und Meditation entsteht ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Körper und Geist.

Regelmäßiges Yoga sorgt dafür, dass wir langfristig unsere innere Einstellung verändern. Im traditionellen Yoga spricht man von einem „neutralen Geist“. Das bedeutet, dass wir uns immer weniger von den Problemen des Alltags herunterziehen lassen.

Wir lassen unsere Stimmung nicht mehr von den Gefühlen beherrschen, die durch Situationen und Erlebnisse im Alltag ausgelöst werden, sondern bleiben gelassen, in der inneren Balance.

Dies führt dazu, dass wir gelassener und zufriedener durchs Leben gehen. Eine neuere Studie hat sogar gezeigt, dass durch Yoga Depressionen und Angstzustände verringert werden (siehe Blogartikel „Sorge dich nicht, bewege!“)

Und sonst noch…

Dies sind nur einige der Wirkungen des Yoga für den Körper und die Seele. Weiterhin kann Yoga als ergänzende Therapie bei chronischen Erkrankungen wie Asthma, Diabetes und Arthritis eingesetzt werden, Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern.

Es hilft Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Einschlafen haben und verbessert die Schlafqualität.

Lachyoga als spezielle Variante des klassischen Yoga ist eine tolle Ergänzung, um die Stimmung zu verbessern, die Verbundenheit mit anderen Menschen zu stärken, Glückshormone zu aktivieren und Stress zu lindern. Gerade auch für Menschen, die körperlich nicht so fit sind, ist dies eine gute Alternative.

Yoga – alles was wir brauchen

Ich bin sehr dankbar darüber, dass Yoga schon lange nicht mehr nur als esoterische Nische oder „Hausfrauensport“ belächelt wird, sondern zum beliebten Sport geworden ist.

Zahlreiche Promis praktizieren überzeugt Yoga, aber auch Senior:innen in der VHS, körperbewusste Mütter im Fitness-Studio oder Sinnsuchende in Indien.

Yoga ist für viele Menschen zum Bestandteil ihres täglichen Lebens geworden und sorgt dafür, dass so mancher gelassener, bewusster und glücklicher durchs Leben geht.

Die Kombination von körperlichen und geistigen Übungen hilft ihnen, Stress abzubauen, die körperliche Fitness zu verbessern und eine tiefere Verbindung zu sich selbst zu finden.

Peace mit Yoga

Je mehr Menschen mit sich selbst im Reinen und im inneren Frieden sind, umso mehr sorgen wir dafür, dass es in der Gesellschaft, im Umfeld und in der Welt weniger Stress und Konflikte gibt. Somit tun wir durch Yoga nicht nur etwas Gutes für uns selbst, sondern auch für die Welt.

Namasté Angela

P.S. du bist neugierig geworden? Dann komm mit auf die Happiness Yoga Ferien und probiere es mal aus! Auch Anfänger:innen sind hier herzlich willkommen!

FOMO – der Fluch der neuen Zeit

Warum wir ständig Angst haben, etwas zu verpassen

Na, sitzt du auch jeden Abend mit Freunden im Biergarten und schaust die Spiele der Fußball-EM? Oder tingelst von einer Grillparty zur nächsten? Oder feierst bis zum Abwinken auf der Fanmeile? Und wenn du kein Fußball-Fan bist – na, dann bist du bestimmt jetzt ständig auf tollen Konzerten, Festivals oder im Urlaub unter Palmen, oder?

So lässt es uns das zumindest bei anderen glauben, wenn wir auf den WhatsApp-Status oder die Insta-Story unserer Freunde und Bekannten schauen, oder?

Wie, nichts dergleichen? Du gehst zur Arbeit, lebst deinen Trott, und wenn du was Schönes mit anderen unternehmen willst, musst immer DU die Initiative ergreifen? Oder du hängst gefrustet zu Hause? Vielleicht hast du auch gar nicht so Lust auf ständige Gesellschaft oder Party und trotzdem das Gefühl, etwas zu verpassen?

Studie: Einsamkeit gerade unter jungen Leuten

Sollte es so sein, dann ist eines gewiss: mit diesem Gefühl bist du nicht allein. Eine aktuelle Umfrage der Bertelsmann-Stiftung (Juni 2024) hat gerade wieder bestätigt, dass Einsamkeit nicht nur ältere Menschen betrifft, sondern dass sogar auch junge Menschen darunter leiden. Fast die Hälfte (46%) der befragten 16 – 30-Jährigen fühlen sich einsam, 10% davon leiden sogar unter starker Einsamkeit.

Dies hat negative Auswirkungen auf die körperliche und auch psychische Gesundheit der Menschen und kann laut Studie so weit gehen, dass diese Menschen anfälliger sind für extreme politische Einstellungen oder gar Verschwörungstheorien.

Wir sehen nur die Fassade

Ein Faktor, der das Gefühl der Einsamkeit noch verstärkt oder gar hervorruft, ist die „Fear of Missing Out“, kurz FOMO. Überall sehen wir, was andere Menschen Tolles machen und erleben, ob wir wollen oder nicht. Alle anderen scheinen ein aufregenderes oder perfekteres Leben zu leben als wir selbst.

Doch wir sehen immer nur diesen kleinen Ausschnitt, die Fassade aus deren Leben und denken, dass bei ihnen alles perfekt läuft. Wir sehen nicht, dass jeder sein „Päckchen“ zu tragen hat, dass jeder mit Problemen und Konflikten zu kämpfen hat, und dass jeder mal gute und mal schlechte Zeiten hat. Es kann gar nicht anders sein, denn das ist das Leben.

Hinzu kommen die in der Selbst-Optimierungs-Szene gebetsmühlenartig verbreiteten Slogans wie „man lebt nur einmal!“, „nutze jetzt dein Potenzial voll aus!“, „mach was aus deinem Leben!“ und ähnliche Sprüche, die uns noch zusätzlich den Eindruck verschaffen, dass jeder, der nichts „Besonderes“ auf die Beine gestellt hat, eh ein Loser ist.

Social Media machen einsam

Das Phänomen FOMO – zu deutsch auch die „Angst, etwas zu verpassen“ – ist zwar nicht neu, wird aber durch Social Media und ständige Erreichbarkeit noch extrem verstärkt.

Früher hat man sich mit Freunden getroffen, und die haben von ihrem letzten Urlaub erzählt. Manchmal war das sterbenslangweilig, manchmal richtig spannend. Danach ist man zum Alltag übergegangen und hat sein eigenes Leben weitergelebt.

Heute sind wir immer online und erfahren sofort live und in Farbe davon, wenn irgendwo irgendjemand etwas erlebt. Dazu erhöht sich der Druck, „mitzuhalten“ und selbst tolle Bilder, Videos und Selfies mit anderen zu teilen.

Ein Leben nur noch auf dem Display

Die Künstlerin Adele soll mal in einer live Show gesagt haben:

„Könnt ihr bitte mit dem Filmen aufhören? Ich stehe real hier vor euch, ihr könnt das alles in Echtzeit genießen, anstatt es durch die Kamera anzuschauen.“

Die Folgen von FOMO

Die Folgen dieses Phänomens sind paradox: dadurch, dass wir die schönen Dinge, die wir erleben und genießen, sofort mit anderen teilen wollen, können wir das, was wir erleben, überhaupt nicht mehr richtig genießen. Der eigentliche Anspruch, das Beste aus dem Leben zu machen, verhindert genau das.

Doch FOMO kann noch weitere Folgen haben:

Stress und Angst: viele Menschen machen sich noch mehr Stress, um nicht „zu kurz zu kommen“ oder haben Angst, nicht mehr dazu zu gehören.

Schlafstörungen: wir machen uns mehr Gedanken und grübeln nachts, ob mit uns alles in Ordnung ist, erst recht, wenn mal nicht alles perfekt läuft.

Unzufriedenheit und Frust: Wer ständig das Gefühl hat, dieses vermeintliche Bilderbuchleben nie erreichen zu können, endet in Frust und Unzufriedenheit.

Vernachlässigung von echten Kontakten: Hast du es auch schon erlebt, dass du mit einer Freundin oder deinem Partner im Café sitzt und diese Person mehr an ihrem Handy ist, als sich mit dir zu unterhalten? Dann könnte es der Fall sein, dass für denjenigen Menschen Online-Kontakte und Posts schon wichtiger geworden sind als persönliche Beziehungen.

Wie komme ich mit FOMO besser klar? Fünf Anregungen

1. Social Media bewusster nutzen

Wir haben es uns angewöhnt, ständig auf das Smart Phone zu schauen, süchtig nach Neuigkeiten und Infos. Kein Wunder, denn jedes Mal, wenn eine neue Message aufblinkt, wird das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert und Dopamin ausgeschüttet.

Dieser Teil im Gehirn sorgt aber auch dafür, das wir süchtig werden können. Wie wäre es, sich einmal am Tag eine Zeit einzurichten, in der bewusst Social Media konsumiert werden, in der restlichen Zeit aber nicht?

Zusätzlich hilft es, Benachrichtigungen auszuschalten und WhatsApp-Gruppen auf stumm zu schalten.

2. Innenschau und inne halten

Oft steckt hinter dem unguten Gefühl, das durch FOMO entsteht, noch ein anderes Gefühl oder Thema, das dich umtreibt. Erlaube dir, das unangenehme Gefühl zu fühlen und anzunehmen. Frage dich, was dahinter stecken könnte: Ist es Neid? Angst vor Ablehnung? Traurigkeit? Wertlosigkeit? Ist das Gefühl wirklich begründet? Und würdest du wirklich komplett mit dem jeweiligen Menschen tauschen wollen, der gerade so etwas Tolles erlebt?

Schreibe dir eine Liste von 5 Dingen, die du gerne machen möchtest und fokussiere dich darauf statt auf das, was andere machen. Nimm dir dafür Zeit. Und nimm das, was andere erleben, allenfalls als Anregung, aber nicht als „ich muss auch.“ Genieße bewusst Zeiten des Nichtstuns, des Alleinseins oder in der Natur. Auch Meditation hilft, um den kontinuierlichen Grübelkreislauf zu beruhigen und sich wieder mehr auf sich selbst zu besinnen. Es ist NUR DEIN Leben, nicht das der anderen!

Und wenn du dann mal tatsächlich auf ein Konzert gehst, einen Urlaub machst oder etwas Schönes erlebst, tu es bewusst, ohne alles sofort dokumentieren zu müssen. Setze Qualität vor Quantität.

3. Dankbarkeit praktizieren

Wir neigen dazu, zu sehen, was wir NICHT haben statt das zu schätzen, was wir haben oder was schön ist im Leben. Wenn wir regelmäßig bewusst Dankbarkeit praktizieren (siehe Blog zu Dankbarkeit), dann richten wir den Fokus wieder Schritt für Schritt auf die positiven Dinge im Leben.

4. Digital Detox Zeiten planen

Würdest du es schaffen, dein Handy mal einen oder sogar mehrere Tage auszuschalten? Plane ab und zu einen „Digital Detox Tag“ ein und du wirst sehen, es lohnt sich! (Siehe auch Blogartikel zu „Digital Detox“).

5. Echte Freundschaften pflegen

Was nützen uns Tausende Facebook-Kontakte oder Instagram-Follower, wenn uns im echten Leben keine einzige Freundin / Freund einfällt, die auch dann für uns da ist, wenn es uns dreckig geht oder wir in Schwierigkeiten stecken?

Nimm dir Zeit, dich mit lieben Menschen zu treffen oder etwas mit ihnen zu unternehmen. Und lass das Smart Phone einfach mal in deiner Tasche. Widerstehe der Versuchung, schnell mal eben etwas zu googeln oder unbedingt Fotos von irgendetwas zu zeigen.

Was ist wirklich wichtig?

Die wachsende Einsamkeit in der Gesellschaft ist schon jetzt ein Riesenproblem, für die Betroffenen, aber auch für die Gesellschaft.

Wenn wir dafür sorgen, echte Kontakte zu pflegen, die Menschen um uns herum so anzunehmen wie sie sind, Prioritäten zu setzen und uns bewusst zu machen, wie wichtig tiefe, persönliche Beziehungen sind, dann tun wir uns selbst den größten Gefallen. Wenn wir es schaffen, bewusst weniger Zeit online zu verbringen, dann setzen wir plötzlich jede Menge Zeit frei. Vielleicht wird dann dein Leben wieder ein kleines Stückchen stressfreier – und glücklicher. Ich wünsche dir eine stressfreie Zeit!

Angela

Happiness Yoga Ferien – Qualitätszeit für Körper, Geist und Seele

Du möchtest gerne bewusst inne halten, mehr offline Zeit mit echten Menschen verbringen, gute Gespräche führen, etwas für dich tun und schöne Unternehmungen mit anderen genießen? Dann komm mit auf die Happiness Yoga Ferien…

Selektive Wahrnehmung: Du siehst was du denkst

Vor kurzem habe ich ein Hobby wiederentdeckt – Mountain Bike fahren: Über weiche Waldwege gleiten, in der Natur sein, die Vögel und das Rauschen des Waldes hören, verbunden mit Bewegung an der frischen Luft. Was will man mehr?

Dafür habe ich mir ein Mountain Bike gekauft. Vorher habe ich mich natürlich informiert, mir verschiedene Angebote angeschaut, verglichen und mich umgehört, was andere empfehlen. Auf dem Weg zurück vom Fahrradladen sind mir plötzlich überall Fahrradfahrer begegnet – in der Stadt, auf der Landstraße, wo auch immer ich hinschaute.

Ups, sind immer so viele unterwegs? Vermutlich ja, an einem Sommertag wie diesem. Doch es fällt mir heute besonders auf, nachdem ich mich tagelang mit dem Thema „Fahrrad“ beschäftigt hatte. Ich bin wohl hier wohl eindeutig dem Effekt der „selektiven Wahrnehmung“ erlegen.

Schwangere sehen Schwangere…

Vielleicht kennst du das auch oder hast es bei anderen mitbekommen: Schwangere sehen überall Schwangere, Menschen mit Liebeskummer überall glückliche Paare. Wir bleiben im Verkehr dreimal an einer roten Ampel stehen und denken, es ist rote Welle. Obwohl wir genauso oft bei grün durchgerauscht sind.

Selektive Wahrnehmung funktioniert in beide Richtungen, positiv wie negativ. Warum haben wir oft den Eindruck, die Welt geht zugrunde? Unter anderem, weil wir im Fernsehen so viele Katastrophenmeldungen sehen. Kein Wunder, dass wir angesichts all der Unfälle, Messerangriffe, Kriege, Gezanke unter Politikern zu der Überzeugung kommen, dass nur Schlimmes passiert.

Doch selektive Wahrnehmung wirkt auch auf positive Art und Weise. Wenn wir ein Ziel vor Augen haben, dann verschafft dies uns Optimismus und Durchhaltekraft, um es zu erreichen.

Die Kraft selektiver Wahrnehmung

Wenn wir zum Beispiel einen neuen Job suchen und uns darauf fokussieren, dann hören wir vielleicht eher hin, wenn jemand gesucht wird, wir schauen auf Aushänge oder Anzeigen. Kurzum, wir öffnen uns für neue Ideen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich klappt.

Als wir zum Beispiel letztes Jahr unsere Weltreise geplant haben, hatten wir plötzlich das Gefühl, dass immer genau der richtige Tipp, die richtige Info zur richtigen Zeit zu uns kommt. Es fühlt sich dann so an, wie wenn „das Universum uns dabei unterstützt“, sobald wir eine klare Absicht haben (siehe auch Blogartikel „Deine Vision als Glücksgarant?“).

Doch Universum hin oder her: Allein die Änderung der Sichtweise sorgt schon dafür, dass wir neue Chancen und Möglichkeiten entdecken und in unser Leben ziehen. Doch wie genau funktioniert selektive Wahrnehmung?

Der Filter im Gehirn als Schutz vor Reizüberflutung

Unser Gehirn hat die Fähigkeit, bestimmte Informationen bevorzugt wahrzunehmen und andere auszublenden. Angesichts der riesigen Menge an Informationen, die täglich auf uns einströmen, wäre es unmöglich, alles gleichzeitig zu verarbeiten, ohne verrückt zu werden.

Unser Gehirn muss daher filtern, damit wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können. Studien zeigen, dass nur etwa 1% der sensorischen Informationen, die unsere Sinne erreichen, bewusst wahrgenommen werden. Der Rest wird unbewusst gefiltert und verarbeitet.

Doch wie entscheidet unser Gehirn, was wichtig ist und was wir ignorieren können – welche Ereignisse es als bedrohlich einstuft und welche positive Emotionen auslösen? Hierfür spielen folgende Kriterien eine Rolle:

Kriterien für die Wahrnehmung im Gehirn

Erfahrungen und Erinnerungen

Du hast, wenn du in das Büro der Chefin gerufen wurdest, oft einen Rüffel bekommen? Dann ist es nachvollziehbar, dass sich dir schon alle Nackenhaare aufstellen, wenn du auch nur eine Mail von ihr auf dem Monitor aufploppen siehst.

Dich hat mal ein Hund gebissen? Dann wirst du vermutlich Hunde in deiner Umgebung sofort wahrnehmen und als Bedrohung einstufen.

Emotionaler Zustand

Wenn wir in guter Stimmung sind, fällt es uns viel leichter, Dinge positiv zu sehen, als wenn wir geknickt sind und eh alles schwarz sehen.

Sicherlich kennst du das auch: Wenn du gerade eine gute Nachricht bekommen hast oder im Glücksrausch oder frisch verliebt bist, dann stört dich auch nicht das Auto, das dir die Vorfahrt nimmt, oder die unfreundliche Kassiererin im Supermarkt.

Umgekehrt können wir vieles, was uns sonst erfreuen würde, nicht mehr wahrnehmen, wenn wir in einem depressiven Zustand sind.

Erwartungen und Überzeugungen

Hier kommen die Glaubenssätze ins Spiel, die wir uns oft ein Leben lang angeeignet haben – vielleicht durch Eltern, Lehrer oder auch durch eigene Erfahrungen. Wenn wir mit dem Gedanken durch die Welt gehen „ich bin nicht gut genug“, dann filtert unser Gehirn alle Ereignisse und Informationen, die bestätigen, dass ich nicht gut genug bin.

Wenn ich davon ausgehe, bei einer Sache zu scheitern, dann nehme ich möglicherweise alle Zeichen wahr, die dafür sprechen, dass etwas eh nicht klappt und gebe zu früh auf.

Folgende Beispiele und Erkenntnisse aus der Psychologie zeigen sehr eindrücklich die Effekte, die selektive Wahrnehmung haben kann:

Der Gorilla im Basketballfeld:

In diesem Experiment wurden die Teilnehmer gebeten, ein Video von Menschen, die sich einen Basketball zuwerfen, zu beobachten und zu zählen, wie oft der Ball von einer bestimmten Gruppe geworfen wird. Während des Videos läuft eine Person im Gorillakostüm durch das Bild. Viele Teilnehmer bemerken den Gorilla nicht, weil sie auf die Zählaufgabe fokussiert sind.

Cocktailparty-Effekt

Der Cocktailparty-Effekt demonstriert, wie das Gehirn in der Lage ist, sich auf ein Gespräch zu konzentrieren und andere Geräusche auszublenden, zeigt aber auch, dass plötzlich relevante Informationen (wie der eigene Name) trotzdem wahrgenommen werden können.

„Bestätigungsverzerrung“ (confirmation bias)

Wir neigen dazu, Informationen zu suchen, zu interpretieren und uns zu merken, die unsere bereits bestehenden Überzeugungen bestätigen. Dieses Phänomen wird durch Internet und Social Media noch verstärkt, da jeder sich immer mehr in der eigenen „Bubble“ bewegt.

Das heißt, wir bekommen von den Algorithmen vor allem das angezeigt, wofür wir uns schon vorher interessiert haben. Wir suchen Bestätigung für das, was wir eh schon glauben und bekommen sie auch. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass das, was sie sehen, immer nur ein kleiner Ausschnitt der gesamten Realität ist.

Wie du selektive Wahrnehmung für dich nutzen kannst

Doch wie können wir das Phänomen der selektiven Wahrnehmung für uns nutzen, statt uns in die Irre führen zu lassen? Hier ein paar Inspirationen dazu.

1. Dankbarkeit praktizieren

Wenn wir unseren Fokus bewusst auf die positiven Ereignisse und Dinge im Leben legen, dann verstellen wir die innere Wahrnehmungsbrille und sorgen Schritt für Schritt dafür, dass unser Gehirn diese positiven Ereignisse speichert und künftig immer mehr schöne Dinge wahrnimmt.

Wir können dies tun, indem wir jeden Tag 3 Dinge aufschreiben, für die wir dankbar sind, oder uns diese auch kurz vor dem Einschlafen im Kopf Revue passieren lassen (siehe Blog zu Dankbarkeit).

2. Positive Emotionen aktivieren

Da wir in einem guten Gefühlszustand positive Dinge mehr wahrnehmen können, hilft es, wenn wir uns bewusst und aktiv in einen guten Gefühlszustand versetzen. Zum Beispiel durch Lächeln, Lachen, Bewegung oder Tanzen (siehe auch Blogartikel „sorge dich nicht – bewege) .

3. Informationen bewusst konsumieren

In Zeiten von Fake News wissen wir immer weniger, was wir noch glauben können und was nicht. Mach dir bewusst, dass viele Infos in den Social Media immer nur Meinungen und Ansichten sind und nicht der ganzen Wahrheit entsprechen. Überlege dir gut, welche Nachrichten du wirklich regelmäßig konsumieren willst und versuche, verschiedene Informationsquellen heranzuziehen.

4. Glaubenssätze hinterfragen

Erkenne deine Glaubenssätze und hinterfrage sie, ob sie wirklich stimmen, oder ob es an der Zeit ist, diese durch neue Überzeugungen zu ersetzen. Dann kannst du die Welt schon mit ganz anderen Augen sehen (siehe auch Blogartikel „Glaubenssätze loslassen in 4 Schritten“).

Die Kraft der selektiven Wahrnehmung wird von den meisten Menschen unterschätzt. Also gehe mit offenen Augen durch die Welt, schau hinter die Kulissen, versuche, andere Perspektiven nachzuvollziehen und

glaub nicht alles, was du denkst!

 

Du möchtest deine Sichtweise mal aus anderer Perspektive anschauen, deine Glaubenssätze bearbeiten und den Fokus neu festlegen? Dann komm mit auf die Happiness Yoga Ferien…

Was ist Tantra?

„Gruppensex mit Räucherstäbchen“ – diese und andere Vorurteile über Tantra sind immer noch weit verbreitet. Es scheint mal wieder paradox: Wir werden überall mit Pornos und Nacktbildern überschüttet, zahlreiche Stars und Influencerinnen machen sich einen Sport daraus, halbnackt zu posieren und sich dann darüber aufzuregen, dass die „primitiven Männer“ das sexy finden und womöglich noch ausdrücken (mal von Hate-Kommentaren abgesehen). Wir können im Internet frei zugänglich alle nur denkbaren Spielarten von Sex konsumieren und kaufen.

Let’s not talk about Sex

Doch wenn es im privaten Umfeld um das Thema geht, wird schnell herumgedruckst, verlegen gekichert und großes Stillschweigen darüber bewahrt, was im eigenen Schlafzimmer wirklich passiert. Solche Themen sind auf der Grillparty oder beim Kaffeeklatsch einfach tabu. Und mal ehrlich: mit wie vielen Freund:innen kannst du wirklich offen über Sex reden?

Gleiches gilt für Tantra: viele werden bei dem Thema zwar hellhörig und neugierig, geben es aber ungern zu. Wenn Leute mitbekommen, dass ich etwas mit Tantra zu tun habe, sprechen sich mich allenfalls unter vier Augen an und fragen mich aus. Es scheint mit Tantra ähnlich zu sein wie mit Helene Fischer hören oder zu Mc Donalds gehen: Mehr Menschen als man denkt machen es, aber kaum jemand sagt es offen. Vielleicht aus Angst, dann für ein Sex-Monster gehalten zu werden, das jedes Wochenende den halben Swingerclub durchvögelt?

Raus aus der Komfortzone

Ich fand dies schon damals schräg, als ich meine ersten Erfahrungen mit Tantra gemacht habe. Doch wenn mich etwas interessiert, dann werde ich neugierig und muss einfach ausprobieren, was es damit auf sich hat. Also fuhr ich auf ein Tantra-Seminar, aufgeregt bis in die Haarspitzen: Was kommen da für Leute hin? Nur Freaks, Fetischisten oder Sexbesessene? Fast wäre ich beim Umsteigen in Bielefeld wieder in den nächsten Zug zurück nach Berlin gestiegen.

Aber ich hatte ja schon bezahlt. Zum Glück. Denn damit öffnete sich mir ein Eintrittstor in eine neue, aufregende und faszinierende Welt. Zuerst stellte ich fest: Tantra hat mit Sex fast genauso wenig zu tun wie der Papst mit Familienplanung. Man trifft dort weder Freaks noch potenzielle Triebtäter, sondern vor allem bewusste und achtsame Menschen.

Viele Methoden, ein Ziel

Der Begriff „Tantra“ steht ursprünglich für Gewebe, und das trifft es ganz gut. Tantra ist eine geniale, aber komplexe Kombination aus allen möglichen Methoden, die am Ende nur einem Ziel dienen: der Bewusstseinserweiterung. In verschiedenen traditionellen Philosophien wie dem Buddhismus und der vedischen Tradition ist damit Erleuchtung gemeint – also das Entkommen aus dem Karma-Kreislauf und das „Erwachen des Geistes.“

Im modernen westlichen Tantra ist die Erleuchtung nicht das primäre Ziel, sondern es gibt noch einen weiteren Aspekt, der mindestens genauso wichtig ist: Heilung. Es geht darum, Beziehungen zu heilen, das eigene Verhältnis zum Körper und zur Sexualität zu heilen, Scham und Schuld zu überwinden, die Schmerzen der Vergangenheit loszulassen und Ängste über die Zukunft als bedeutungslos zu erkennen.

Beim Tantra gilt es, die Dualität des Lebens anzunehmen, um sich dann darüber hinaus zu erheben. Wir erkennen an, dass es Polaritäten gibt: Licht und Dunkelheit, männlich und weiblich, Sonne und Mond, gut und böse.

Verehrung statt Bewertung

Wenn wir diese Polaritäten erkennen und annehmen, erkennen wir mehr und mehr, dass alles eins ist. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass nicht „die Männer“ auf der einen Seite und „die Frauen“ auf der anderen Seite stehen. Dass jeder Mensch alle Qualitäten in sich hat und alles harmonisch zusammenpasst, wie im Yin-Yang-Zeichen.

Beim Tantra geht es nicht darum, das andere Geschlecht zu bewerten oder gar zu bekämpfen, sondern die besonderen Qualitäten und das Göttliche im anderen zu verehren. „Shiva“ und „Shakti“ stehen für das männliche und weibliche Prinzip, das in jedem von uns gesehen und anerkannt werden darf. Erst wenn wir all diese Polaritäten des Lebens integrieren, kann Heilung geschehen. Was durchaus auch bedeuten kann, dass wir einen Schritt aus der Komfortzone wagen, Tabus brechen oder bestimmte Konventionen aufgeben müssen.

Körperarbeit als Schlüssel zur Erkenntnis

Doch wie läuft das nun konkret in der Praxis ab? Ein wichtiges Merkmal beim Tantra ist es, dass wir unseren Körper als „Instrument“ der Bewusstseinsentwicklung nutzen, und zwar auf allen Ebenen. Um Probleme zu lösen, Beziehungen zu heilen und Ängste zu überwinden gibt es zwar unzählige Therapiemethoden, Übungen und Techniken. Doch viele Ansätze haben einen rein kognitiven Bezug. Das meiste läuft über den Verstand, das rationale Denken. Im Tantra wird der körperliche Aspekt einbezogen und somit ganzheitlich gearbeitet.

Ich war schon damals fasziniert, wie schnell sich durch bestimmte Körpererfahrungen meine Denkweise komplett verändert hat. Ich hatte Erkenntnisse über mich selbst, meine Ängste, meine eingefahrenen Muster, die ich vermutlich in jahrelanger Psychotherapie nicht gehabt hätte. Über die Körperarbeit habe ich gelernt, meinen Verstand immer mehr außen vor zu lassen und meiner Intuition zu vertrauen. Auch hat sich mein eigenes Verhältnis zum Körper verbessert, und ich konnte in meine Selbstliebe zurückfinden.

Doch das ist nur eine von vielen positiven Nebenwirkungen im Tantra. Die Körperarbeit ist kein Selbstzweck, sondern sie dient der Erkenntnis und der Heilung. Tantra umfasst unter anderem folgende praktische Methoden:

Yoga

Beim Yoga (oder auch „Hatha Tantra“) geht es darum, die sieben Haupt-Chakras entlang der Wirbelsäule zu harmonisieren. Dies geschieht durch verschiedene Körperhaltungen (Asanas) und durch Atemtechniken (Pranayama), so dass der Energiefluss im Körper wieder in Gang gebracht wird. „Prana“ steht in der indischen Philosophie für „Atem“, der wiederum im Yoga als „Lebensenergie“ angesehen wird.

Indem wir Atemtechniken anwenden, bringen wir diese Energie in Balance, wir fahren den lärmenden Verstand runter und öffnen uns für die „Signale der Seele“, statt unser Leben von Gedanken und Ängsten diktieren zu lassen.

Energiearbeit

Ein weiteres Element ist die Energiearbeit, bei der es unter anderem darum geht, die Kundalini-Energie zu wecken. Diese wird als eine schlafende Kraft am unteren Ende der Wirbelsäule betrachtet. Durch dynamische Körperarbeit, Meditation, Atemarbeit und Mantra-Rezitation wird es angestrebt, die Kundalini entlang der Wirbelsäule zu erwecken und durch die Chakren zu lenken, um Bewusstseinserweiterung zu erreichen.

Bei der Energiearbeit spielt auch das Sexualchakra eine wichtige Rolle. Dieser Energiepunkt wird als natürliche Quelle der Lebenskraft und der Kreativität angesehen. Durch tantrische Praktiken können Menschen lernen, ihre sexuelle Energie bewusst zu lenken und zu nutzen, um spirituelles Wachstum und kreative Entfaltung zu fördern. Also so ziemlich das Gegenteil von Pornos und schneller Befriedigung. Wenn dieses Chakra (auch „Sakralchakra“ genannt) in Harmonie ist, dann sind wir imstande, tiefere Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen, Empathie zu spüren und uns für Liebe und Mitgefühl zu öffnen.

Mantren

Auch das Tönen von Mantras wird praktiziert, um die spirituelle Energie zu wecken und den Geist zu lenken. Wenn wir ein Mantra singen, dann können wir nicht gleichzeitig über unsere Ängste und Sorgen nachdenken und beruhigen immer mehr den Geist. Es heißt, dass die Mantras eine bestimmte Schwingung haben, die für uns heilend wirken – selbst wenn wir den Text nicht verstehen.

Rituale

Mantren sind auch Bestandteil verschiedener Rituale, die im Tantra durchgeführt werden. Tantrische Rituale dienen dazu, spirituelle Praktiken in einen Rahmen zu bringen, den Geist zu fokussieren und eine Verbindung zum Göttlichen herzustellen. Durch die gemeinsame Ausführung bestimmter Handlungen und Zeremonien wird ein Verbundenheitsgefühl aller Beteiligten erzeugt, bei dem die Qualitäten und Energien beim jeweiligen Gegenüber und bei allen anderen Beteiligten gewürdigt und verehrt werden.

Berührung

Es gibt auch einen Aspekt des Tantra, der mit dem ursprünglichen Tantra gar nicht so viel zu tun hat, von vielen aber für das „eigentliche“ Tantra gehalten wird: Berührung. Und nein, auch hier geht es nicht um Sex. Außer vielleicht bei einigen wenigen Fortgeschrittenen-Seminaren, die sich die „Vereinigung“ als Ritual auf die Fahnen schreiben.

Bei den meisten Tantra-Anbietern wird etwas gelehrt, was in unserer Gesellschaft leider viel zu kurz kommt: achtsame Berührung. Das beginnt damit, andere Menschen – egal ob gleichen oder anderen Geschlechts –  zu verehren und das Göttliche in ihnen zu sehen. Unabhängig davon, ob jemand äußerlich mein Typ ist oder nicht. Es gilt, Menschen sanft und achtsam zu berühren und sich berühren zu lassen. Dabei die eigenen Grenzen klar zu äußern und die des anderen zu akzeptieren. Dies fällt vielen Menschen anfangs schwer. Doch das kann man üben. Und es ist die beste Voraussetzung, um in der eigenen Beziehung eine heilsame und erfüllende Sexualität zu leben. Hier kommt nun also doch die Sexualität ins Spiel – als schöne „Nebenwirkung“ der tantrischen Praxis.

Berührung ist ein Lebenselixier, wie wir spätestens bei der Corona-Pandemie gelernt haben. Ohne Berührung verkümmern wir, wir werden hart, verspannt und sind in jeder Hinsicht blockiert. Dabei ist es mittlerweile auch wissenschaftlich erwiesen, wie sehr Berührung sich positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen auswirkt. Berührung sorgt dafür, dass die Glückshormone Endorphine und Oxytocin freigesetzt werden.

Darüber hinaus kann Berührung Stress reduzieren, das Immunsystem stärken, die Herzfrequenz senken und den Blutdruck regulieren. Auf psychologischer Ebene vermittelt Berührung ein Gefühl der Verbundenheit, Nähe und Zugehörigkeit. Es lindert das Gefühl von Einsamkeit und stärkt das Vertrauen und die Beziehungen zwischen Menschen. Berührung ist eine kraftvolle Kommunikation und Ausdruck von Liebe, Fürsorge und Mitgefühl. All das sind Qualitäten, die wir für unsere körperliche und seelische Gesundheit brauchen wie das Wasser zum Leben.

Massage und Heilung

Eine Königsdisziplin der Berührung ist die Tantra-Massage. Auch diese Technik hat weder mit dem ursprünglichen Tantra noch mit Sex zu tun. Sinn und Zweck der Tantra-Massage ist es, Berührung so einzusetzen, dass der Energiefluss sich ausdehnt. Hierbei kann und darf es geschehen, dass ausgehend vom Sakralchakra auch die sexuelle Energie aktiviert wird. Damit diese dann als Quelle der Kreativität und Kraft gestärkt und im Alltag eingesetzt werden kann.

Wie bei den anderen Techniken gilt das Prinzip der Achtsamkeit: nichts erzwingen, nichts vermeiden, annehmen was ist. Für die meisten ist diese Art von Ganzkörper-Massage vor allem eins: ein angenehmes, anregendes und erfüllendes Körpererlebnis, das uns hilft, den Kopf abzuschalten, die Selbstliebe zu stärken und alte Ängste sowie frühere Verletzungen zu heilen.

Ein Schritt, der sich lohnt

Als ich damals von meinem allerersten Tantra-Seminar wieder nach Hause fuhr, wusste ich: es hat mich gepackt. Es gibt kein Zurück mehr, auch nicht am Bahnhof von Bielefeld. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich diese „Methode“ kennengelernt habe.

Ich bin davon überzeugt: Ohne Tantra wäre mein bisheriges Leben nur halb so aufregend, erfüllt und gesund verlaufen, körperlich wie mental. Seit vielen Jahren ist Tantra nicht nur Teil meines privaten Lebens, sondern ich gebe auch selbst Tantra-Seminare. Ich bin jedes Mal dankbar zu erleben was passiert, wenn Menschen sich darauf einlassen. Es braucht nicht viel. Vielleicht einen kleinen Schritt aus der Komfortzone. Doch der lohnt sich!

 

Hier geht es zu den Tantra-Retreats mit mir:

Korfu: immer im September

Bali: im März

La Gomera: Pfingsten

Positive Psychologie: Glück beginnt von innen

Mein Albtraum im Frankfurter Bahnhofsviertel…

Kurz nach meinem Studium zog ich wegen eines PR-Jobs von Köln nach Frankfurt – ungern, widerstrebend und mit vielen Ängsten. Diese Ängste haben sich schnell bestätigt: meine Beziehung ging auseinander wegen der Entfernung, in der Agentur bekam ich Projekte, die mir keinen Spaß machten. Ich hatte ein abgeranztes WG-Zimmer mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel und sah jeden Tag vor der Haustür kaputte, verwahrloste, drogenabhängige und obdachlose Menschen.

Meinen Frust merkte man mir an: lustlos saß in den Teamsitzungen der Agentur und erledigte nur halbherzig meine Arbeit. Nach Hause ging ich genauso ungern, denn im Flur roch es komisch und im WG-Zimmer fühlte ich mich einsam.

Ein Weckruf – und es hat „klick“ gemacht

Nach nur wenigen Wochen kam jedoch ein „Weckruf“ – in Gestalt meines Chefs. Wenn ich weiterhin so miesepetrig und lustlos sei, dann wisse er nicht, ob ich die Probezeit überstehe. In dem Moment kapierte ich, dass ich so nicht weitermachen konnte. Ich musste eine Entscheidung treffen. Nämlich meine innere Einstellung zu verändern – und dadurch mein Verhalten.

Irgendwas hat in dem Moment meine Sichtweise auf die Dinge verändert. Vielleicht die Angst vor Kündigung. Vielleicht aber auch das Gefühl, dass mein Chef mir nicht drohen, sondern mich eher freundlich erinnern wollte. Ich fing an, in den Meetings bewusst zu lächeln und freundlich zu sein. Ich fragte aktiv nach Projekten, die mich interessierten, was wiederum gut ankam.

Plötzlich machte der Job Spaß – und dadurch war ich gut und bekam spannendere Projekte. Auch privat wurde offener für neue Kontakte und fand Freunde, um gemeinsam Salsa tanzen und Cocktail trinken zu gehen. Kurz darauf fand ich über eine Kollegin ein Appartement in toller Lage, mit Blick über die ganze Stadt. Plötzlich war nicht mehr alles trüb, sondern die Farben und die Freude kamen in mein Leben zurück. Was war passiert?

Im Außen hatte sich nichts verändert. Die Stadt war die Gleiche wie vorher, das Bahnhofsviertel genauso schlimm, die Agentur hatte immer noch die gleichen Chefs und Kolleg:innen. Doch ich hatte meine Einstellung verändert und strahlte das auch aus. Und so folgten die Änderungen im Außen. Diese Erfahrung hat mich schon damals gelehrt: es ist nicht immer alles perfekt im Leben – sondern es kommt darauf an, wie ich darüber denke und darauf reagiere (siehe auch den Blog „von innen nach außen“).

Studie: DAS macht uns wirklich glücklich

Studien aus der Resilienzforschung bestätigen: Eine positive innere Einstellung sorgt für mehr Optimismus und Flexibilität. Wenn wir zuversichtlich und vertrauensvoll an uns selbst und an das Leben glauben, dann können wir Stress besser bewältigen und mit Rückschlägen besser umgehen. Wir können Herausforderungen als Chancen sehen, um persönlich zu wachsen. Mit einer positiven Haltung stärken wir auch unsere Selbstwirksamkeit – also das Vertrauen darin, dass wir selbst etwas verändern und Probleme lösen können. All das sind Faktoren, die für die Resilienz eine wichtige Rolle spielen (siehe auch den Blogartikel zu Resilienz).

Doch was können wir tun, um von innen heraus die eigene Haltung zu verändern? Eine Studie von Seligman, Steen, Park und Peterson zur positiven Psychologie (2005) zeigt, was möglich ist. Der US-Psychologe Martin Seligman und seine Kollegen untersuchten, ob Menschen durch bestimmte „Interventionen“ ihr Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit erhöhen konnten. Bestandteile des Programms waren unter anderem

  • Dankbarkeit praktizieren
  • Persönliche Stärken erkennen und einsetzen
  • Selbstreflektion
  • Austausch

Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer, die an diesem Programm teilnahmen, sich hinterher eindeutig besser fühlten. Sie berichteten über eine Steigerung ihres Glücksempfindens, ihrer Lebenszufriedenheit und des allgemeinen Wohlbefindens im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die keine Intervention erhielt. Diese und zahlreiche weitere Studien bestätigen: wenn wir gezielt an unserer inneren Einstellung etwas verändern, dann verändern sich auch die Lebensumstände im Außen.

Schau deinen Film an und lache über die Storys

Wenn es also mal wieder schwierig oder anstrengend in deinem Leben ist, erinnere dich daran, dass alles bei dir selbst beginnt. Es ist, wie wenn du im Kino sitzt: du fühlst dich wie mittendrin, aber du kannst den Film nicht verändern, indem du die Leinwand veränderst.

Sprich: du kannst die Menschen in deinem Umfeld nicht ändern, Herausforderungen nicht vermeiden, Kriege und Krisen nicht verhindern.

Aber du kannst dein Drehbuch anschauen, wahrnehmen, beobachten und dir klar machen, dass der gesamte „Film des Lebens“ nur die Projektion deines Denkens ist. Damit verliert das Leben und all das, was da draußen passiert, an Bedrohlichkeit.

Du kannst gelassen diesen Film schauen und herzhaft über deine Storys lachen. Und wenn dir irgendwas daran nicht gefällt, dich verletzt oder dir Angst macht: dann versuche nicht, die Leinwand zu ändern, sondern ändere das Drehbuch. 

Übrigens: auf den Happiness Yoga Ferien nehmen wir das Drehbuch des Lebens wieder selbst in die Hand und werden zum „Regisseur“ des Lebens –  um es wieder so richtig mit Freude und Lebendigkeit aufzufüllen!

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Zitat

“Indem Menschen die innere Einstellung ihrer Gedanken ändern, können sie die äußeren Aspekte ihres Lebens verändern.” – William James, Psychologe und Philosoph.

Die Geschichte vom weisen Mann und dem Dorf

Ein alter, weiser Mann saß an einer Weggabelung, die zu einem Dorf führte. An dieser Stelle kamen viele Wanderer vorbei, so auch heute wieder. Der erste Wanderer, der kam, sprach den alten Mann direkt an: „Du kennst dich hier in der Gegend sicherlich gut aus. Kannst du mir sagen, wie die Menschen in dem Dorf da drüben so drauf sind? Der alte Mann fragte den Wanderer: „Wie waren denn die Menschen in dem letzten Dorf, wo du warst?“ Der Wanderer entgegnete: „Oh, sehr nett, hilfsbereit, höflich, voll in Ordnung.“ Der alte Mann sagte: „Genauso sind die Menschen dort drüben in dem Dorf auch.“ Der Wanderer freute sich und bedankte sich.

Dann kam der nächste Wanderer und sprach den alten Mann mit der gleichen Frage an: „Wie sind die Menschen in dem Dorf dort drüben?“ Der alte Mann fragte wieder zurück: „Wie waren denn die Menschen in dem letzten Dorf, in dem du warst?“ Der Wanderer sagte: „Oh, gar nicht nett. Sie waren unhöflich, unflätig, rücksichtslos und überhaupt nicht hilfsbereit.“ Der alte Mann sagte: „Genauso sind auch die Menschen in dem Dorf dort drüben.“

Sorge dich nicht – bewege!

Neue Studie: Tanzen und Yoga stärken die Psyche

Neulich nach dem Yoga kam eine Teilnehmerin zu mir und sagte, wie sehr sie sich freue, mal wieder einen positiven und zuversichtlichen Menschen wie mich zu treffen. Sie hatte 10 Jahre in Florida gelebt – die Menschen in Florida seien alle so offen und begeistert, während hier in Deutschland so viele schlecht drauf, pessimistisch oder sogar unfreundlich sind.

Ich kann das gut nachvollziehen, denn auch mir ist es schon oft so ergangen auf meinen Reisen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn ich finde, dass es auch hier sehr viele freundliche, zuversichtliche und hilfsbereite Menschen gibt.

99 % unserer Ärgergedanken sind verschwendete Energie

Es hängt nur von unserer Sichtweise ab: Lassen wir uns von den „Miesmuscheln“ runterziehen oder freuen wir uns über schöne Begegnungen?

Für mich hieß das gestern: Ärgere ich mich über die Frau auf dem Fahrrad, die mir die Vorfahrt nimmt und sich dann noch über mich aufregt? Oder bin ich dankbar für das nette Feedback und Gespräch mit der Yoga-Teilnehmerin?

So trainierst du dein Gehirn auf Freude

So können wir uns immer wieder daran erinnern und unser Gehirn darauf trainieren, die positiven Ereignisse wahrzunehmen. Was nicht immer einfach ist – schließlich ist es in uns seit Urzeiten angelegt, stärker auf Gefahren und Bedrohungen zu reagieren als auf positive Erlebnisse (siehe auch diesen Blogartikel dazu…). Doch es gibt ein effektives Wundermittel, um „Train your Brain“zu unterstützen: Bewegung und Aktivitäten der Freude!

DIESE Bewegungsarten wirken wie Psychotherapie

Eine neue Netzwerk-Metaanalyse des australischen Psychologen Michael Noetel (Universität Queensland in St. Lucia/ Brisbane) hat festgestellt, dass Körperaktivität Depressionen lindern und sogar die Wirkung von Psychotherapie verstärken kann. Er verglich verschiedene Bewegungsarten mit psychotherapeutischen Behandlungsmethoden und fand heraus:

Tanzen wirkt am besten! An zweiter Stelle stehen Joggen bzw. Walking, gefolgt von Yoga. Demnach wirken diese Aktivitäten sogar genauso effektiv wie eine kognitive Verhaltenstherapie oder die klassische Psychotherapie. Auch wenn die Analyse nur einen kleinen, nicht-repräsentativen Ausschnitt zeigt, ist die Richtung klar:

Tanze, laufe, bewege dich, praktiziere Yoga und Lachyoga! Das ist das Beste, was du tun kannst, um Depressionen vorzubeugen, deine Stimmung zu heben und deine „Wahrnehmungsbrille“ zum Positiven zu verändern.

All diese Elemente sind natürlich Bestandteil meiner Angebote, zum Beispiel der Happiness Yoga Ferien.

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Wie du Schaffensblockaden überwindest und wieder in den Flow kommst

Ich saß am Schreibtisch und starrte vor mich hin. Was auch immer ich an To Dos in meinem Kopf hatte, ich tat – nichts! Ich surfte lustlos auf sensationsheischenden News-Portalen und machte mir mit meinen eigenen Schuldgefühlen noch zusätzlich das Leben schwer.

Gerade mal seit 10 Tagen war ich von unserer Weltreise zurück und hatte mir so viel vorgenommen: jeden Tag diszipliniert und konsequent an meinem Business arbeiten, neue Konzepte entwickeln, Werbung machen, Social Media etc. Noch in Thailand hatte ich den Plan, zu Hause so richtig loszulegen, mich von nichts mehr ablenken zu lassen. Nun war ich zurück und fühlte mich wie erstarrt – ich war weder imstande, meine Wohnung richtig einzurichten noch irgendeine Aufgabe konsequent umzusetzen. Innerlich fühlte ich mich leer – und machte mir auch noch Vorwürfe.

Bis ich schließlich erkannte, dass es nur eine Sache gab, die mir helfen konnte: Absolute Akzeptanz von dem, was gerade ist! Ich hörte auf, mir Schuldgefühle einzureden, unterrichtete hier und da Yoga und nahm mir vor, in Leichtigkeit das zu nehmen, was gerade kommt, ohne mir selber Druck zu machen. Mir wurde zudem klar: Gerade dann, wenn wir uns leer fühlen, kann Raum für Neues entstehen.

Das kann sogar ein hilfreicher Reinigungsprozess sein: Altes loslassen und „rausschmeißen“, um Raum für Neues zu schaffen. Die Natur macht es uns vor: Bäume verlieren die Blätter, damit sie im Frühling wieder neu erblühen. In unserem menschlichen Körper sterben geschätzt täglich 50 bis 70 Milliarden Zellen, um neu ersetzt zu werden. Eine Raupe bleibt wochen- oder gar monatelang in ihrem Kokon eingeschlossen, bevor sie schließlich zum wunderschönen Schmetterling wird und frei in die Welt hinausflattert.

Mögliche Ursachen von Schaffensblockaden

Doch was bedeutet das überhaupt, „Schaffensblockade“? Ist das nur so ein diffuses Gefühl, oder sind hier auch körperliche und kognitive Prozesse involviert? Aus der Hirnforschung weiß man, dass es verschiedene Ursachen und Aspekte geben kann, die bei Schaffensblockaden eine Rolle spielen.

1. Äußere Umstände: Arbeitsbedingungen

Manchmal ist die Konzentrationsfähigkeit oder auch Kreativität aufgrund verschiedener äußerer Bedingungen eingeschränkt. Zum Beispiel, wenn wir unter starkem Stress oder Zeitdruck stehen oder Ängste uns bedrücken. Die Hirnforschung hat gezeigt, dass chronischer Stress und Angst die Gehirnstrukturen und -funktionen verändern können. Wenn wir zum Beispiel bei einer Tätigkeit stark unter Druck gesetzt werden (oder sogar die Kündigung droht, falls wir Fehler machen), dann ist es nachvollziehbar, dass das kreative Potenzial eher eingeschränkt ist. Vielleicht können wir nicht mehr klar denken, stecken im Grübelkreislauf fest oder kommen nicht auf die einfachsten Lösungen.

Auch wenn wir ständig von außen abgelenkt werden, leidet der Fokus (z.B. in einem Großraumbüro, wenn das Kind oder der Partner nach Hause kommt, eingehende Anrufe etc.).

Unabhängig davon, ob du festangestellt oder selbständig tätig bist: in dem Fall solltest du deine Arbeitsbedingungen nochmal genauer unter die Lupe nehmen. Kannst du ungestört arbeiten? Wo kannst du Zeitdruck rausnehmen, vielleicht Dinge delegieren – oder einfach sein lassen? Und dir klar machen: du musst nicht alles hinnehmen!

2. Innere Blockaden: Glaubenssätze

Manchmal sind es auch Glaubenssätze oder mentale Blockaden, die uns davon abhalten, in die Gänge zu kommen. Zum Beispiel, wenn wir von vornherein denken, dass ein bestimmtes Projekt oder eine bestimmte Idee kaum eine Chancen auf Erfolg hat. Vielleicht hat dies noch mit Überzeugungen zu tun, die tief in uns verankert sind, wie „ich schaffe es eh nicht“ oder „ich bin nicht gut genug.“ Siehe auch den Blogartikel zum Thema Glaubenssätze…

Studien haben gezeigt, dass bestimmte Gehirnregionen bei der Ausführung von kognitiven Prozessen aktiv sind, zum Beispiel der präfrontale Kortex (siehe auch „das limbische System“). Stress oder mentale Blockaden können dazu führen, dass die für die Tätigkeit erforderlichen Hirnareale eingeschränkt sind.

In dem Fall kann es helfen, nach vorhandenen inneren Blockaden und Glaubenssätzen zu forschen (z.B. sehe ich einen Sinn in dem, was ich da tue?). Allein die Erkenntnis darüber ist schon sehr hilfreich, und manchmal lasse sich solche Glaubenssätze leichter auflösen als vermutet.

3. Botenstoffe bzw. „Neurotransmitter“

Wenn wir in einem kreativen Flow sind, werden im Gehirn Glückshormone produziert, unter anderem Dopamin, Serotonin und Noradrenalin. Diese tragen dazu bei, dass wir in besserer Stimmung sind und auch motivierter. Doch nicht immer ist ein normaler Arbeitstag so erfüllend oder spannend, dass wir am laufenden Band Glückshormone produzieren.

Bei einer Schaffensblockade können wir auch nach anderen Wegen suchen, um diese Glückshormone anzukurbeln: ein Spaziergang um den Block, ein paar Minuten Lachen (z.B. am Lachtelefon), eine Atemübung, ein gutes Gespräch etc.

 

4. Neuroplastizität des Gehirns

Das Gehirn ist in der Lage, sich durch Erfahrung und Training laufend zu verändern und anzupassen. Hier zählt die Regelmäßigkeit. Je öfters wir kreativ arbeiten können oder auch dürfen und damit gutes Feedback bekommen, umso mehr verankern wir dies als positive Erfahrung in unserem Gehirn.

Wenn wir jedoch mit guten Ideen ständig vertröstet oder sogar belächelt werden, wird dies als negative Erfahrung abgespeichert und somit entsteht mit der Zeit ein mentaler „Widerstand“, wenn es darum geht, kreativ zu sein.

Hier kann es ebenfalls hilfreich sein, in anderen Bereichen neue, positive Erfahrungen zu machen. Zum Beispiel durch ein kreatives Hobby wie Malen oder musizieren, singen oder schreinern.

Akzeptanz als Grundlage jeder Veränderung

Wie geht es dir damit? Kennst du solche Phasen, in denen du das Gefühl hast, es geht nichts voran? Wie gehst du damit um?

Neben den oben genannten möglichen Ursachen gilt es vor allem, sich klar zu machen: Blockaden dürfen sein! Bevor wir also hingehen und versuchen, etwas zu verändern, sollten wir zunächst mal die Grundeinstellung zum Thema „Schaffensblockaden“ zu verändern. Mir hat dabei geholfen, sich folgende Aspekte nochmal bewusst zu machen:

1. Akzeptieren, was ist

Es nützt keinem etwas, wenn wir uns noch selbst verurteilen und geißeln. Leerlaufphasen gehören dazu und sind sogar wichtig. Mehr noch: Wer sich die nicht bewusst nimmt, endet womöglich im Burnout.

2. Gerade die Zeiten, in denen gefühlt nichts vorangeht, sind wichtig

Sie helfen uns, neue Ideen entstehen zu lassen und alles Alte loszulassen, was nicht mehr zu uns passt. In den Zeiten, in denen alles super läuft, sind wir oft viel zu beschäftigt, um überhaupt einen klaren Kopf zu bekommen.

3. Jede Blockade macht uns stärker

Es liegt nicht in der Natur der Sache, dass immer alles perfekt läuft, und wir würden es davon abgesehen auch gar nicht zu schätzen wissen. Also: annehmen, für Neues öffnen und wachsen! Das stärkt die Resilienz.

Dies hilft uns sofort, die innere Einstellung zu verändern. Und die Erfahrung zeigt: wenn wir aus der Bewertung heraustreten und etwas nicht mehr per se als „negativ“ beurteilen, ist schon der erste Schritt getan, um den Druck und Stress, der mit Schaffensblockaden verbunden ist, loszulassen. Dann können wir natürlich hingehen und diese zum Anlass nehmen für eine kleine Bestandsaufnahme: bin ich noch an der Position, wo ich am besten wirken kann? Kann ich selbst meine Arbeitsbedingungen verändern und beeinflussen? Wenn nein, ist es Zeit für Veränderung? Oder sollte ich im Innen anfangen, nach hinderlichen Glaubenssätzen und mentalen Blockaden forschen?

Was auch immer für dich passt: Ich wünsche dir, dass du auch deine Leerlaufphasen genießen kannst! Und dass diese zu einer fruchtbaren Grundlage für neue, kreative Ideen werden können.

Übrigens: wenn du dir Begleitung in diesen Prozessen wünschst, dann ist das SMILE-Programm genau richtig für dich.

Meine fünf wichtigsten Erkenntnisse der Reise

 

  1. Wohin du auch gehst – deine Themen begleiten dich

 Sowohl bei uns als auch bei den Teilnehmer:innen meiner Retreats habe ich festgestellt: Wir können am schönsten paradiesischen Ort sein, aber das allein ist kein Garant für glücklich sein. Denn wenn wir versuchen, vor unseren Problemen wegzulaufen, statt uns mit ihnen auseinander zu setzen, dann werden sie uns woanders wieder begegnen – an anderen Orten oder auch mit anderen Menschen. Die gute Nachricht: Wenn wir nach innen schauen und immer wieder bei uns selbst beginnen, dann ist es nicht so wichtig, an welchem Ort wir gerade sind.

  1. Wir haben keine Zeit – weil wir sie vergeuden

Wenn eine solche Reise etwas bewirkt, dann, dass sie uns mal komplett aus dem Alltag herausnimmt. Weg von Freizeitveranstaltungen, Terminen, Verpflichtungen, von denen man vielleicht auf die Hälfte eh keine Lust hat. Auch das abendliche Fernsehen ist hinfällig, weil das Programm in anderer Sprache stattfindet. So haben wir festgestellt, dass wir grundsätzlich viel mehr Zeit haben, als wir zu Hause oft denken. Wir haben sie zu Hause nur deshalb nicht, weil wir sie entweder mit Fernsehen oder Social Media vergeuden, oder weil wir uns zu oft viel zu viele Termine aufhalsen.

  1. Wer aus Liebe handelt, gewinnt

Wo wir auch hinkamen, immer haben wir einen Riesenunterschied bemerkt, wie wohl oder unwohl wir uns in einem Hotel oder Geschäft oder an einem Ort gefühlt haben. Da konnte ein Hotel noch so durchgestyled sein, wenn die Mitarbeiter:innen unfreundlich oder lieblos waren, haben wir uns nicht wohlgefühlt. Dort, wo wir liebevolle Menschen getroffen haben – wie Gregoria auf Zypern, Nawal in Indien, Coco auf der geheimen Insel – herrschte direkt eine ganz andere Energie. Dies waren die Orte, die magisch Menschen angezogen haben und an denen wir uns uneingeschränkt wohl gefühlt haben.

  1. Es kommt nicht darauf an, WO du bist, sondern mit WEM du bist

Wir waren in einfachen Bungalows und haben Spaß gehabt, wir waren in 4-Sterne-Hotels und haben uns dort verloren gefühlt. Und umgekehrt. Den größten Spaß haben wir dort gehabt, wo liebevolle Menschen waren – entweder Reisefreunde oder auch besondere Menschen vor Ort (siehe vorherigen Punkt). Doch sowohl für meinen Sohn als auch für mich war es wichtig, den Kontakt zu den Freunden zu Hause zu halten und zu pflegen. Uns ist bewusst geworden, dass wir das nicht missen wollen. Viele stellen sich z.B. auswandern als DEN großen Traum vor. Doch die meisten machen sich nicht bewusst, dass dies auch bedeutet, Abschied von Freunden, Familie und lieben Menschen zu nehmen. Es viel wert, Freunde zu haben, mit denen man sich auch mal spontan treffen oder etwas unternehmen kann. Zu denen du hinfahren kannst oder die zu dir kommen, wenn du in Schwierigkeiten steckst.

  1. Es geht nicht darum, dass alles perfekt ist – sondern es gilt, die Höhen und Tiefen gelassen und mit einem Lächeln zu meistern

Diese Erkenntnis war bereits vor der Reise einer meiner wichtigsten Leitsprüche und hat sich mal wieder bestätigt. Wahrlich, auf unserer Reise ist nicht alles perfekt gelaufen. Aber wir hatten durchgehend die Zuversicht und die Gelassenheit, dass alles schon irgendwie gutgehen wird. Wir haben schöne Erlebnisse genossen und schwierige Situationen gemeistert. Und was auch immer wir daraus mitgenommen haben, eines ist sicher: Wir haben unsere Resilienz gestärkt und wissen, dass uns nichts so leicht umhauen kann. Und ich denke, das ist in diesen Zeiten eine der wichtigsten Ressourcen, die man haben kann.

Unsere „Weltreise“ – was nehmen wir mit?

Unser Mut hat uns belohnt – mit sensationellen Bildern und Erlebnissen, Rollerfahrten in der Abendsonne, Lachanfällen in Hotelzimmern, Schlafen auf dem Segelboot unterm Sternenhimmel, faszinierenden Unterwasserwelten beim Schnorcheln, Schwimmen bei Mondlicht im Infinity Pool. Wir haben Elefanten und Giraffen gefüttert, Feuershows und Feuerwerke gesehen, die Wellen gesurft und die Aussicht von Bergen auf umwerfende Landschaften genossen. Wir haben exotisches Essen probiert, spannende Menschen kennengelernt und nachts die Landschaft in einem Nachtbus an uns vorüberziehen lassen. Ich habe Retreats angeleitet, meinen Sohn unterrichtet und manchmal mit ihm auch einfach nur Serien geschaut. Sicherlich wird diese Reise noch sehr lange nachwirken und in uns arbeiten.

Wie fühlt es sich an, wieder zurück zu sein? Ich kenne dieses komische, etwas ernüchterte Gefühl schon von früheren Auslandsaufenthalten. Aber ich kenne es auch, einige Dinge hier zu Hause wieder mehr schätzen zu wissen: saubere Straßen, einen gut sortierten Supermarkt, eine leckere Currywurst oder es sich nach einem kalten Wintertag in der Wohnung gemütlich zu machen. Ich freue mich, wieder Termine und Struktur zu haben, aber vor allem: viele liebe Menschen wieder live sehen zu können!

DANKE

Wenn du bis hier gelesen hast, dann möchte ich dir als Leser:in und Begleiter:in nochmal DANKE sagen. Danke für dein Sein und deine Anteilnahme, für dein Einlassen und das virtuelle „Mitreisen“.

Ich möchte vor allem meinem Sohn Joshua danke sagen, der das alles so toll mitgemacht hat, sich auf alle Erlebnisse eingelassen hat und so lange auf Papa, Omas, Opas und seine Freunde verzichtet hat. Wir waren einfach ein klasse Mama-Sohn-Team und sind noch mehr zusammen gewachsen.

Und ich möchte meinem Freund Michael danken für die vielen schönen Momente in der ersten Reisehälfte und für die spätere Unterstützung aus der Ferne heraus. Ich bin froh und erleichtert, dass jetzt bei dir gesundheitlich alles gut überstanden ist.

MEHR…

Berichte, Bilder und Videos zur gesamten Reise findest du unter Reiseblog…

Du möchtest deine eigenen Träume entdecken und leben? Dann komm in das SMILE-Programm…

Heiligabend in Bangkok und die „geheime Insel“

Weihnachten unter Palmen – ist das jetzt schön oder traurig? Die Gedanken machen wir uns erstmal gar nicht, weil wir genau an Heiligabend den Flug von Phuket nach Bangkok antreten. Außer dass vor vielen Hotels und Läden glitzernde Weihnachtsbäume aufgestellt sind, merkt man hier nicht so viel von Heiligabend. Das macht es sicherlich einfacher, nicht sentimental zu werden. Es ist heiß draußen, der Flug läuft reibungslos, und wir sind nachmittags in dem schönen Hotel, in dem wir uns auch mit meiner Freundin Inga und ihrer Tochter Toyah treffen. Die beiden kommen extra in den Weihnachtsferien angereist, um mit uns Weihnachten und Silvester in Bangkok und am Strand zu verbringen.

Joshua und ich haben Kerzen besorgt, einen leuchtenden Mini-LED-Weihnachtsbaum, ein paar Accessoires und kleine Geschenke. Damit haben wir im Hotelzimmer einen kleinen „Weihnachtstisch“ aufgebaut, vor dem großen Fenster, durch das wir im Hintergrund die Lichter von Bangkok sehen. Dazu Wein, ein paar Süßigkeiten und Chips. So kann man es sich gutgehen lassen, denke ich mir. Wir freuen uns auf einen lustigen Abend zu viert, mit Spielen, herumscherzen und viel quatschen – wie wir es schon oft auf früheren Reisen gemacht haben. Vorher wollen wir noch mit den beiden essen gehen. Dafür haben Joshua und ich beim letzten Bangkok-Aufenthalt ein schönes Rooftop-Restaurant entdeckt, in dem es Steak und andere Leckereien gibt – obendrauf  den Blick auf verschiedene Tempel mit goldenen Dächern.

Es kommt immer anders und erst recht als man denkt

Doch erstmal kommt die Hiobsbotschaft: Der Flieger von den beiden wurde in Frankfurt gestrichen, wegen Sturm in Wien. Sie bekamen einen Ersatzflug – allerdings über Seoul! Also erstmal ein Umweg komplett in die falsche Richtung bzw. viel zu weit über das Ziel „Thailand“ hinaus. Was auch bedeutet, dass sie erst Abends gegen 22:00 Uhr im Hotel ankommen werden – und wir den Heiligabend dann wohl zu zweit verbringen dürfen. Wir nehmen es gelassen, gehen trotzdem zum Rooftop-Restaurant, genießen das leckere Essen und die Aussicht und machen Weihnachtsanrufe. Zu Hause ist es ja eh noch früher. Irgendwann treffen schließlich Inga und Toyah ein, und wir machen uns noch bis spät nachts eine gemütliche Zeit im Hotelzimmer.

VISA-Rennerei – im wahrsten Sinne des Wortes

Am nächsten Tag fahren Joshua und ich wieder zum Immigration Office, da wir ja noch eine Verlängerung für unser Visum brauchen, wenn auch nur für 10 Tage. Dort wird uns gesagt, dass dies leider nicht nochmal möglich ist und wir dafür aus dem Land raus und wieder einreisen müssten. Puh, wie soll das jetzt noch gehen auf die Schnelle? Ich recherchiere und finde eine Lösung: Der Ort, von dem aus wir auf die „geheime Insel“ fahren wollen, liegt nah an der Grenze zu Myanmar. Und es wird tatsächlich angeboten, mit dem Boot einmal über die Grenze und zurück zu fahren, um das Visum zu verlängern. Das Ganze nennt sich dann „Visa Run“ und ist durchaus üblich unter Backpackern.

Direkt am nächsten Tag geht’s los. Wir fliegen zu viert von Bangkok nach Ranong, einem abgelegenen Fischerort – Fischerort im wahrsten Sinne des Wortes, da es hier überall stark nach Fisch riecht. Hier empfängt uns die Dame, die für uns den „Run“ organisiert hat. Wir haben nicht viel Zeit, denn um 15:00 startet bereits das Speed Boat auf die Insel. Inga und Toyah – die ja kein Visum brauchen – warten solange in einem kleinen Straßenrestaurant auf uns, mitsamt Gepäck. Joshua und ich werden zur Eile angetrieben und können gerade noch schnell unsere Handgepäck-Rucksäcke greifen, um direkt von der Dame an den Pier geführt zu werden. Zum Glück habe ich noch etwas Wasser dabei und ein paar Cracker vom Flug. Zeit bleibt nur noch zum Geld abheben, denn schließlich lassen die sich das Ganze gut bezahlen.

Alles geht zack zack. Wir werden erst zu einem kleinen Schalter geführt, um dort eine Ausreisebestätigung zu erhalten. Dann klettern wir an dem kleinen Anlege-Pier über mehrere Holzboote hinweg auf ein Long Tail Boot. Ein Mann fährt das Boot, der andere, der dabei ist, sackt unsere Reisepässe ein. Los geht’s mit laut tuckerndem Motor, durch unruhige Gewässer, Richtung Myanmar. Hoffentlich. Ganz kurz beschleicht mich ein unruhiges Gefühl. Sie haben unsere Reisepässe, und wir haben all unsere wichtigen Karten und Wertsachen dabei, bis hin zu Tablets und Laptops. Theoretisch könnten diese Männer uns jetzt entführen, erpressen oder sonstwas mit uns machen. Ich versuche, gelassen zu bleiben und beschließe, einfach mal zu vertrauen, dass das Ganze gut geht. Was bleibt mir auch anderes übrig? Joshua ist zumindest die Ruhe in Person. Er hat die Noise Cancelling Kopfhörer aufgesetzt – wegen des lauten Motors – und hört darüber seinen Lieblings-Podcast.

Wir fahren an einen weiteren Pier heran, vermutlich irgendeine Zollstelle. Der „Begleitmann“ verschwindet mit unseren Pässen in dem Office und kommt zurück mit einem weiteren Mann in Militäruniform, der das Boot genau absucht, sogar unter den Planken nachschaut und in unseren Rucksäcken. Keine Beanstandungen und weiter geht’s. Der Begleitmann hat immer noch unsere Pässe in der Hand, und ich hoffe nur, dass sie ihm nicht ausversehen ins Wasser fallen. Ob das schonmal passiert ist bei einer solchen Fahrt? Ich denke lieber nicht drüber nach. Die Fahrt beginnt, Spaß zu machen. Wir fahren an dem Ufer von Myanmar entlang, sehen Häuser auf Pfählen und improvisierte Bretterbuden, Fischerkähne, Long Tail Boote, aber auch Tempel und Buddhafiguren. Schließlich kommen wir in ein Mini-Fischerdorf, mit ein paar heruntergekommenen Hotels und einem Schild: „Welcome to Myanmar.“ Hier dürfen wir aussteigen, klettern wieder über mehrere Boote hinweg und sollen an einem „Office“ – einem kleinen Schalter in einem Brettergebäude – die Ausreiseformalitäten erledigen. Pass, Foto, Fingerabdrücke. Schnell selbst noch ein Foto gemacht, dann geht es wieder mit dem Longtail Boot zurück über das Meer.

Um viertel vor drei kommen wir zurück an den Pier und müssen noch an den „Einwanderungsschalter“. Um drei geht das Speed Boat zur Insel. Unsere „Managerin“ empfängt uns, macht Druck am Schalter und führt uns dann im Laufschritt zu ihrem Auto und zum anderen Pier. Dort empfangen uns Inga und Toyah mit dem Gepäck, wir stürmen zum Anleger für das Speed Boat und… es ist nicht da! Etwa schon weg? Wir erfahren, dass es woanders abfährt, wegen Ebbe. Also ab ins Taxi und zum nächsten Anleger. Am Ende dauert es noch eine Stunde, bis wir mit dem Speedboat ablegen und auf die Insel fahren können.

Die „geheime Insel“ – Paradies auf Zeit

Diese Insel ist der Abschluss unserer Reise, wo wir uns mit Inga und Toyah noch eine schöne Zeit machen wollen. Sie wurde mir von einem Kollegen empfohlen, der aber Wert darauf legt, dass ich den Namen der Insel geheim halten soll. Daher nenne ich sie hier „geheime Insel“. Es ist eine der wenigen thailändischen Inseln, die noch nicht vom Massentourismus heimgesucht wurden. Weder von den Pauschaltouristen, wie in Phuket, noch von der „spirituellen Backpackerszene“ wie auf Ko Phangan. Natürlich gibt es auch hier Roller-Verleihstationen, kleine Tourismus-Offices, die Schnorcheltouren anbieten, Restaurants, Resorts und ein paar Souvenirläden. Aber es ist merklich anders, ursprünglicher und ruhiger. Und es gibt keinen „7/11“ Supermarkt, wie ich mit Genugtuung feststelle. Wir steigen nach Ankunft am Pier direkt auf die vorab gemieteten Roller, lassen unser Gepäck mit dem Taxi transportieren und ich genieße mit Joshua hinter mir den seichten Fahrtwind und die Stimmung des frühen Abends, während wir über die palmenbesäumten kleinen Straßen der Insel fahren. Hier gibt es keine Autos, nur Roller und Tuktuks. Genial!

Unser vom Kollegen empfohlenes Resort ist einfach, aber sehr sympathisch. Abends sitzen wir im Restaurant am Strand und sind geflashed von der tiefroten Sonne, die langsam im Meer versinkt, wir genießen gutes Essen und kalte Getränke. So verbringen wir die nächsten 10 Tage mit ausschlafen, gut und lange frühstücken, im Meer baden, Massagen erhalten, abends lustige Spiele wie „Tabu“ spielen und mit dem Roller über die Insel fahren. Carla aus Kalifornien ist ebenfalls auf der Insel und leistet uns ab und zu Gesellschaft, für Spiele und interessante Gespräche. Mit ihr zusammen biete ich 2 Lachyoga-Sessions für interessierte Touristen an, was jedes Mal großen Spaß macht. Silvester gibt es eine Riesenparty am Strand, mit DJ, Feuershow, Festessen und Himmelslaternen. Traumhaft, so kann es bleiben!

Die wildeste Cornflakes-Idee des Jahres

Doch ein paar Tage später wachen wir auf und merken: es reicht! Wir sind satt. Im positiven Sinne. Wir haben die gesamte Insel mit dem Roller erkundet, alle Souvenirläden abgegrast, im Meer gebadet, sind gesurft, haben Sonnenuntergänge noch und nöcher gesehen. Jetzt wird es Zeit für etwas Neues! Wir sitzen zu viert morgens beim Frühstück und sind uns einig: Wir wollen nach Bangkok –  noch heute! Toyah löffelt ihre Cornflakes und sagt „ich wär dabei.“ Also starten wir die Operation „Cornflakes-Idee“.

Wir organisieren uns einen Mini-Van (9 Stunden Fahrt!), tauschen die Tickets für das Speed Boat, packen schnell unsere Sachen und checken aus. Jetzt noch auf die andere Seite der Insel zum Speed Boat Anleger fahren, die Roller abgeben, und… puh, wieder in letzter Minute auf das Boot! Auf der anderen Seite – im Fischerdorf – wartet der bestellte Van. In 9 Stunden Fahrt würde man es von Köln bis nach Mailand schaffen. Doch hier in Thailand herrschen andere Relationen. Man fährt nicht so schnell, das Land ist groß und 9 Stunden Fahrt nichts Ungewöhnliches.

Crazy Bangkok intensiv

Spät abends bei Ankunft am Hotel erwartet uns erstmal das Kontrastprogramm zur „geheimen Insel“: zwielichtige bzw. eindeutige „Massagesalons“, vor denen leicht bekleidete Frauen oder Lady Boys herumlungern, Night Bars, Weed Shops und Karaoke Kneipen.

Aber wir finden die nächsten Tage in Bangkok auch hypermoderne Shopping Malls, ein Hard Rock Café, Elektro-Rikshas, die uns in allen Farben leuchtend durch die Nacht kutschieren. Und natürlich einen 7/11, bei dem wir uns mit den üblichen Snacks – Chips, Sandwich, Instant Nudeln und Chang Bier – eindecken können. Bangkok ist wirklich eine Stadt der Rekorde, der Ideen, der Partys, der faszinierenden Mischung aus Tradition und New Life. Ein Highlight ist auch der Besuch in einem „Hundecafé“, in dem lauter süße kleine dicke Corgi-Hunde um uns herumtollen und schier ausrasten, wenn wir ihnen Leckerlis reichen. Was für ein Erlebnis!

Unsere „Weltreise“ – was nehmen wir mit?

Doch nach ein paar Tagen ist es soweit: unser Rückflug nach Deutschland steht an! Nach einem Stopp in Qatar, leckerem Essen und jeder Menge Spielfilme setzt der Flieger in Frankfurt auf. Hier erwarten uns kalte Temparaturen, unfreundliche Zollbeamte, Schlangen vor der Passkontrolle und „deutsche Nüchternheit“. Aber es warten auch liebe Menschen, die uns von Herzen empfangen und sich freuen, dass wir wieder da sind. Freunde, Familie, Teilnehmer:innen und viele, die mit uns virtuell mitgereist sind und mitgefiebert haben.

Ich danke jedem und jeder einzelnen von euch für die Anteilnahme, die Motivation, den Trost und immer wieder die ermutigenden Worte, wenn es mal schwierig war! Ein großes Abenteuer geht zu Ende. Wir haben geliebt, gelitten, geweint, gelacht, genossen und gelernt. Wir sind immer wieder mal auf die Schnauze gefallen und haben uns jedesmal aufgerappelt. Wir hatten jede Menge Abenteuer, aber auch eintönige Tage. Die Reise hat uns – mich mit meinem Sohn – zusammengeschweißt und wir haben gelernt, was geht und was nicht geht. Wir haben unsere Freunde vermisst und auch Federn gelassen.

Aber der Mut hat uns belohnt – mit sensationellen Bildern und Erlebnissen, Rollerfahrten in der Abendsonne, Lachanfällen in Hotelzimmern, Schlafen auf dem Segelboot unterm Sternenhimmel, faszinierenden Unterwasserwelten beim Schnorcheln, Schwimmen bei Mondlicht im Infinity Pool. Wir haben Elefanten und Giraffen gefüttert, Feuershows und Feuerwerke gesehen, die Wellen gesurft und die Aussicht von Bergen auf umwerfende Landschaften genossen. Wir haben exotisches Essen probiert, spannende Menschen kennengelernt und nachts die Landschaft in einem Nachtbus an uns vorüberziehen lassen. Ich habe Retreats angeleitet, meinen Sohn unterrichtet und manchmal mit ihm auch einfach nur Serien geschaut. Sicherlich wird diese Reise noch sehr lange nachwirken und in uns arbeiten.

Wie fühlt es sich an, wieder zurück zu sein? Ich kenne dieses komische, etwas ernüchterte Gefühl schon von früheren Auslandsaufenthalten. Aber ich kenne es auch, einige Dinge hier zu Hause wieder mehr schätzen zu wissen: saubere Straßen, einen gut sortierten Supermarkt, eine leckere Currywurst oder es sich nach einem kalten Wintertag in der Wohnung gemütlich zu machen. Ich freue mich, wieder Termine und Struktur zu haben, aber vor allem: viele liebe Menschen wieder live sehen zu können!

Wir sind an der Reise gewachsen und haben viel gelernt. Daran möchte ich dich gerne teilhaben lassen.

Meine wichtigsten Erkenntnisse der Reise 

 

  1. Wohin du auch gehst – deine Themen begleiten dich

 Sowohl bei uns als auch bei den Teilnehmer:innen meiner Retreats habe ich festgestellt: Wir können am schönsten paradiesischen Ort sein, aber das allein ist kein Garant für glücklich sein. Denn wenn wir versuchen, vor unseren Problemen wegzulaufen, statt uns mit ihnen auseinander zu setzen, dann werden sie uns woanders wieder begegnen – an anderen Orten oder auch mit anderen Menschen. Die gute Nachricht: Wenn wir nach innen schauen und immer wieder bei uns selbst beginnen, dann ist es nicht so wichtig, an welchem Ort wir gerade sind.

  1. Wir haben keine Zeit – weil wir sie vergeuden

Wenn eine solche Reise etwas bewirkt, dann, dass sie uns mal komplett aus dem Alltag herausnimmt. Weg von Freizeitveranstaltungen, Terminen, Verpflichtungen, von denen man vielleicht auf die Hälfte eh keine Lust hat. Auch das abendliche Fernsehen ist hinfällig, weil das Programm in anderer Sprache stattfindet. So haben wir festgestellt, dass wir grundsätzlich viel mehr Zeit haben, als wir zu Hause oft denken. Wir haben sie zu Hause nur deshalb nicht, weil wir sie entweder mit Fernsehen oder Social Media vergeuden, oder weil wir uns zu oft viel zu viele Termine aufhalsen.

  1. Wer aus Liebe handelt, gewinnt

Wo wir auch hinkamen, immer haben wir einen Riesenunterschied bemerkt, wie wohl oder unwohl wir uns in einem Hotel oder Geschäft oder an einem Ort gefühlt haben. Da konnte ein Hotel noch so durchgestyled sein, wenn die Mitarbeiter:innen unfreundlich oder lieblos waren, haben wir uns nicht wohlgefühlt. Dort, wo wir liebevolle Menschen getroffen haben – wie Gregoria auf Zypern, Nawal in Indien, Coco auf der geheimen Insel – herrschte direkt eine ganz andere Energie. Dies waren die Orte, die magisch Menschen angezogen haben und an denen wir uns uneingeschränkt wohl gefühlt haben.

  1. Es kommt nicht darauf an, WO du bist, sondern mit WEM du bist

Wir waren in einfachen Bungalows und haben Spaß gehabt, wir waren in 4-Sterne-Hotels und haben uns dort verloren gefühlt. Und umgekehrt. Den größten Spaß haben wir dort gehabt, wo liebevolle Menschen waren – entweder Reisefreunde oder auch besondere Menschen vor Ort (siehe vorherigen Punkt). Doch sowohl für meinen Sohn als auch für mich war es wichtig, den Kontakt zu den Freunden zu Hause zu halten und zu pflegen. Uns ist bewusst geworden, dass wir das nicht missen wollen. Viele stellen sich z.B. auswandern als DEN großen Traum vor. Doch die meisten machen sich nicht bewusst, dass dies auch bedeutet, Abschied von Freunden, Familie und lieben Menschen zu nehmen. Es viel wert, Freunde zu haben, mit denen man sich auch mal spontan treffen oder etwas unternehmen kann. Zu denen du hinfahren kannst oder die zu dir kommen, wenn du in Schwierigkeiten steckst.

  1. Es geht nicht darum, dass alles perfekt ist – sondern es gilt, die Höhen und Tiefen gelassen und mit einem Lächeln zu meistern

Diese Erkenntnis war bereits vor der Reise einer meiner wichtigsten Leitsprüche und hat sich mal wieder bestätigt. Wahrlich, auf unserer Reise ist nicht alles perfekt gelaufen. Aber wir hatten durchgehend die Zuversicht und die Gelassenheit, dass alles schon irgendwie gutgehen wird. Wir haben schöne Erlebnisse genossen und schwierige Situationen gemeistert. Und was auch immer wir daraus mitgenommen haben, eines ist sicher: Wir haben unsere Resilienz gestärkt und wissen, dass uns nichts so leicht umhauen kann. Und ich denke, das ist in diesen Zeiten eine der wichtigsten Ressourcen, die man haben kann.

DANKE

Wenn du bis hier gelesen hast, dann möchte ich dir als Leser:in und Begleiter:in nochmal DANKE sagen. Danke für dein Sein und deine Anteilnahme, für dein Einlassen und das virtuelle „Mitreisen“.

Ich möchte vor allem meinem Sohn Joshua danke sagen, der das alles so toll mitgemacht hat, sich auf alle Erlebnisse eingelassen hat und so lange auf Papa, Omas, Opas und seine Freunde verzichtet hat. Wir waren einfach ein klasse Mama-Sohn-Team und sind noch mehr zusammen gewachsen.

Und ich möchte meinem Freund Michael danken für die vielen schönen Momente in der ersten Reisehälfte und für die spätere Unterstützung aus der Ferne heraus. Ich bin froh und erleichtert, dass jetzt bei dir gesundheitlich alles gut überstanden ist.

MEHR…

Berichte, Bilder und Videos zur gesamten Reise findest du unter Reiseblog…

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Meckern verpönt? Von Hotels und anderen Baustellen in Phuket

Das Leben ist eine Baustelle – und manches Hotel auch

Ich sitze mit Joshua im Taxi, erfüllt und zufrieden von dem schönen und besonderen Segelerlebnis, das wir hatten. Aber wir freuen uns auch mal wieder auf ein klimatisiertes Hotelzimmer, ein großes Bett zum Schlafen und nicht kochen müssen. Als das Taxi zum Hotel einbiegt, sehen wir jedoch zunächst – einen riesigen Bauzaun. Daran vorbei, kommen wir an der Rezeption an. Da es noch früh ist, können wir noch nicht in das Zimmer. Wir gehen also zum Poolbereich, um es uns dort auf einem der Liegestühle bequem zu machen und zu warten. Der Pool ist schmal und lang, die Liegestühle passen nur daneben, wenn sie schräg stehen, daneben ist der Bauzaun und dahinter – jede Menge Baulärm. Solche Dinge sieht man natürlich bei Booking.com nicht auf den Bildern. Da zudem das Hotel ganz neu ist – eben noch eine halbe Baustelle – gab es auch noch kaum Rezensionen dazu. Wobei ich eigentlich dachte, dass man bei einem 4-Sterne-Hotel nichts falsch machen kann. Aber da habe ich mich leider getäuscht. Entgegen der Aussage in Booking liegt das Hotel auch nicht direkt am Strand. Um zum Strand zu kommen, müssen wir am Bauzaun entlang durch die sengende Hitze laufen und noch über eine Straße.

Schließlich können wir in unser Zimmer einziehen, was immerhin sehr gut ist. Geräumig, modern, mit einer kleinen Küchenzeile (wobei dort noch nichts eingerichtet und benutzbar ist), einem Schreibtisch und zusätzlichem Sofa. Mit Mühe überrede ich Joshua, noch einen kleinen Gang durch den Ort zu machen. Wobei der Begriff „Ort“ etwas übertrieben ist, was wir hier vorfinden: Eine große lange Straße entlang des Strandes, an der Straße entlang das übliche: Massagesalons, kleine Supermärkte, Restaurants. Kein gemütlicher Ortskern, alles einfach nur aufgereiht an der großen Straße. Und beschleicht das Gefühl, dass wir unser Hotelzimmer die nächsten Tage nicht so oft verlassen werden.

Das Frühstück am nächsten Morgen macht es nicht besser. Aus dem Mini-Frühstücksraum blickt man auf den Bauzaun, die Tische sind eng zusammen gepfercht und wir kommen uns vor wie in einem Käfig. Das Buffet hat zwar das Übliche, was es so gibt – English Toast bis hin zu Scrambled Eggs, aber appetitlich ist das alles nicht, wenn direkt am Nebentisch irgendwelche dickbäuchigen Typen das Rührei in sich hineinschaufeln und alle Reste unappetitlich am Tisch hinterlassen. Ich bedaure es, dass ich direkt eine komplette Woche in diesem Hotel gebucht habe. Natürlich – das mag alles nach „Luxusproblem“ klingen, aber ich sehe es nicht ein, wenn der Preis in Relation viel höher ist als das, was man angeboten bekommt.

Should I stay or should I go?

Muss ich das jetzt so hinnehmen, weil ich nun mal verbindlich und stornierungsfrei gebucht habe? Oder darf ich / ja, sollte ich versuchen, es zu ändern? Ich entscheide mich für ändern und gehe zur Rezeption, mit der Bitte, vorzeitig auszuchecken. Immerhin sind die Mitarbeiterinnen an der Rezeption sehr freundlich. Sie rufen den Manager, der ebenfalls sehr kooperativ ist. Ich vermute fast, dass ich nicht die erste bin, die sich beschwert. Er versucht fast verzweifelt, mich zum bleiben zu überreden: er bietet mir Upgrades an, ein kostenloses Dinner etc. Doch ich will nur weg hier, und schließlich willigt er ein, dass ich am nächsten Tag auschecken und das restliche Geld zurückbekommen kann. Er müsste nur noch mit der Reservierungsabteilung klären, wie sie es handhaben. Ich bin total erleichtert und suche mir direkt ein anderes Hotel raus, das einen guten Eindruck macht, in der Nähe und bezahlbar ist. Schließlich gilt es nur noch, die restlichen 4 Tage etwas zu finden, bis wir an Heiligabend nach Bangkok fliegen.

Gerade habe ich online auf „buchen“ (ohne kostenfreie Stornierung, wohlgemerkt) gedrückt, kommt ein Anruf über das Hoteltelefon. Es sei doch nicht möglich, vorzeitig zu stornieren, sagt mir der Manager am Telefon. Ich hätte bis zum 24.12. gebucht und bezahlt, das wäre nicht rückgängig zu machen. Na ganz toll, denke ich mir, jetzt habe ich gerade das andere Hotel gebucht und komme hier nicht raus! Was tun? Aufgeben? Ich recherchiere im Netz „Was tun bei Baulärm“? So kampflos will ich das nicht hinnehmen. Man solle es dokumentieren, finde ich auf diversen Anwalts-Beratungsseiten im Netz heraus. Ah, ok. Ich gehe mit meinem Smart Phone nach unten und mache Bilder, Tonaufnahmen und Videos von allem: dem Lärm hinter dem Zaun, dem eingequetschten Pool, der provisorischen Einrichtung. Dann setze ich mich hin und schreibe eine lange Mail an den Hotelmanager sowie Booking.com. Ich beschreibe die Mängel und dass ich diese gerne auf Anfrage dokumentieren kann. Ich beschreibe den Vorgang und die mündliche Zusage des Hotelmanagers. Fast komme ich mir dabei vor wie so eine typische deutsche Meckertante, die an allem etwas auszusetzen hat. Skrupel begleiten mich die ganze Zeit: ist es nicht übertrieben, da so viel Energie reinzustecken? Sollte ich das nicht einfach als „Dumm gelaufen“ oder „Pech gehabt“ abhaken und nächstes Mal schlauer sein?

Für sich einstehen erlaubt

Doch dann erinnere ich mich wieder an mein Motto: „love it, leave it or change it”. Und mir wird noch etwas klar: Nein, ich MUSS nicht alles so hinnehmen, was man mir vorsetzt! Das habe ich auch schon in Indien, aber auch auf der restlichen Reise gelernt. Und ich finde, das gilt für uns alle, vielleicht sogar gerade für uns Frauen: Wir dürfen es einfordern, dass man uns respektvoll und gut behandelt: Wir dürfen die Stimme erheben, wenn uns nicht das geboten wird, wofür wir bezahlen – und in dem Fall war es nicht zu wenig. Wir müssen, ja dürfen es nicht zulassen, wenn andere so unverschämt sind und denken, wir würden schweigend alles akzeptieren, was man uns anzubieten versucht. Für mich ist das immer wieder eine der wichtigsten Übungen überhaupt.

Ich habe dies früher anders vermittelt bekommen: sei nicht unverschämt, fordere nicht zu viel, lass mal Fünfe gerade sein, halte die Bälle flach etc. Die Geschichte mit dem Hotel mag ein kleinliches Beispiel sein, aber es lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen: Wo stehen wir im Job nicht für uns selbst ein, in der Familie, in der Partnerschaft? Ich habe mittlerweile gelernt: Ja, wir dürfen auch mal einen „Zwergenaufstand“ machen, wir dürfen laut werden, toben, uns beschweren, fordern und für uns einstehen! Wir müssen uns nicht mit weniger zufrieden geben, nur um möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen! Als harmoniebedürftiger Mensch fällt es mir schwer, Grenzen zu setzen. Jemand könnte mich nicht mögen, selbst wenn er „nur“ ein Hotelmanager ist, den ich nie wiedersehe. Mir wird bewusst: nicht nur hier, sondern in allen Lebensbereichen ist es eine gute und auch schwierige Übung, zu riskieren, dass andere mich nicht mögen.

Und dazu lade ich auch dich ein: probiere es mal aus, mit der Einstellung durch den Tag zu gehen, nur so als Übung. Riskiere, dass andere dich nicht mögen. Vielleicht wirst du dann in der Tat mehr anecken. Aber du wirst auch mutiger, das kann ich garantieren!

Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende

Als wir am nächsten Tag auschecken überbringt uns der Hotelmanager strahlend die Nachricht, dass ich mein restliches Geld zurückbekomme. Na also, geht doch! Ich soll ihnen allerdings unterschreiben, dass ich eine gute Bewertung für das Hotel abgebe. Tja, so läuft das hier wohl, aber was soll’s. Ich unterschreibe und bin erleichtert, dass es doch noch geklappt hat.

Das „Ausweichhotel“ zwei Buchten weiter ist sehr schön und hat einen richtig tollen Pool auf dem Dach, mit Blick über die Landschaft. Wir nutzen die Tage bis Weihnachten, um Online-Schule zu machen, Fotos zu sortieren, zu arbeiten und noch ein paar Aktivitäten aus Joshuas Adventskalender zu machen. Die 3 Fragezeichen hören, zusammen einen Film nach Joshuas Wahl schauen – in diesem Fall Jurassic Park. Wir machen Kissenschlachten und Kitzelschlachten und toben im Pool. Am frühen Abend habe ich meist diesen wunderschönen Rooftop Pool für mich alleine. Ich setze mich dann auf einen der Liegestühle und schaue mir den Sonnenuntergang an. Der Himmel färbt sich in allen Orange- und Rottönen, hinten durch die Bäume hindurch sieht man das Meer. Ja, es ist schön hier in Thailand. Und doch merken wir beide, dass es bald Zeit wird, zurück nach Deutschland zu kommen. Joshua vermisst seinen Papa, seine Freunde, seine Omas, und ich brauche auch mal wieder mehr Struktur. So werden wir im Januar, zum Halbjahreswechsel an der Schule, zurückfliegen. Doch bevor es soweit ist, warten in Bangkok und auf der Insel noch einige Abenteuer auf uns. Dazu mehr im nächsten Blog…

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