Alles Unsinn? Vielfalt und Teilhabe als Glücksfaktor

„Diskriminierender Unsinn“…

… so hat US-Präsident Trump vor kurzem das bezeichnet, wofür jahrelang  unter dem Begriff „Vielfalt, Teilhabe und Inklusion“ gekämpft wurde. Im Englischen sagt man dazu  „DEI“, das bedeutet die Abkürzung für „Diversity, Equity & Inclusion“. Trump hat dem „Woke Wahnsinn“ den Kampf angesagt, findet das alles lächerlich und reine Verschwendung. So hat er mit wenigen Worten mal eben das vom Tisch gefegt, was sich in vielen Lebensbereichen gerade etabliert hatte.

Trump erteilt damit auch bestimmten Werten eine Absage die eine gute Demokratie ausmachen: Solidarität, Gleichberechtigung Teilhabe, Gemeinschaft, Engagement und gegenseitige Unterstützung. Er hat Programme verboten, die dafür sorgen, dass alle die gleichen Chancen haben, unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, körperlicher Einschränkung oder sexueller Orientierung. Mehrere amerikanische Firmen wie Meta, Mc Donalds und Disney haben nachgezogen (siehe hier…), und sogar europäische Firmen wie Aldi oder Novartis haben bereits entsprechende Hinweise von der Website genommen (siehe hier…). Manche stillschweigend, manche unter fadenscheinigen Begründungen. Die Gesellschaft müsse „wieder leistungsfähig werden“, heißt es bei einigen.

Doch sind diese Programme wirklich ein Hindernis für die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft? Und geht es am Ende überhaupt darum, dass wir „leistungsfähig“ sind? Oder ist es nicht viel wichtiger, dass wir in einer gesunden, erfüllten und glücklichen Gemeinschaft gut miteinander leben können?

Vielfalt ist kein Luxusthema

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es grundsätzlich und immer wichtig ist, für andere Menschen da zu sein und sie zu unterstützen. Wenn es ihnen nicht so gut geht, aber auch allgemein. Ich finde eine Gesellschaft, in der Solidarität und Teilhabe selbstverständlich sind, lebenswerter als eine Ellbogen-Mentalität, in der jeder nur noch seinen eigenen Vorteil verfolgt.

Doch was sagen die Fakten dazu? Geht es hier nur um ein „Bauchgefühl“, einen „Akt des Goodwill“, oder gibt es vielleicht noch andere Gründe, die für diese Werte sprechen? Hier ein paar Erkenntnisse dazu.

1. Happiness Report: Je mehr Teilhabe, umso glücklicher die Gesellschaft

In der Wirtschaft wird der Erfolg und die Leistung eines Landes über das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen.

Doch es gibt auch noch andere Kriterien: Zum Beispiel das „Bruttonationalglück (BNG)“, durch das nicht nur das kleine Land Bhutan bekannt ist (siehe hier…), sondern an dem sich auch Länder wie Island, Neuseeland oder Schottland orientieren. Hierbei geht es nicht nur um die wirtschaftliche Kraft, sondern der Fokus liegt auf dem Wohlergehen und auch der psychischen Gesundheit der gesamten Bevölkerung.

Weiterhin gibt es den „World Happiness Report“. In diesem Ranking werden Länder zusätzlich zum BIP danach bewertet, wie stabil die Demokratie ist, inwieweit die Menschen sich an Entscheidungen beteiligen können, wie gut das Gesundheitssystem ist oder ob es Korruption gibt.

Es zeigt sich: vor allem Länder, in denen eine gute, stabile Demokratie herrscht und Teilhabe gelebt wird, sind ganz oben auf der Liste mit dabei. Zum Beispiel Dänemark, Niederlande, die Schweiz und an Platz 1 Finnland. Deutschland hat es diesmal nur auf Platz 24 geschafft. Es gibt also viel zu tun.

2. „Diversity wins“ in der Arbeitswelt

Ähnliche Erkenntnisse gibt es aus Unternehmen. Eine Studie von McKinsey aus dem Jahr 2020 (siehe hier…) hat festgestellt, dass Unternehmen, die Geschlechtergerechtigkeit in ihr Management einbeziehen, eine 25 % höhere Wahrscheinlichkeit haben, erfolgreicher zu sein als andere. Auch Unternehmen, die ihre Führungsteams interkulturell besetzen, schneiden besser ab.

Für die meisten Unternehmen ist es somit längst kein Akt des Altruismus mehr, wenn sie Work Life Balance unterstützen, Gesundheitsprogramme anbieten oder für Familienfreundlichkeit sorgen. Sie haben eine höhere Mitarbeiterbindung und gewinnen im „War of Talents“ die besten Fachkräfte für sich. Die Fluktuation ist niedriger, die Fehlzeiten durch Krankheitstage sind geringer.

Vielfalt und Inklusion erhöhen die Kreativität. Wenn viele unterschiedliche Menschen gemeinsam Ideen entwickeln, dann mag das am Anfang anstrengend erscheinen und vielleicht auch Reibung geben. Aber am Ende entsteht Innovation.

3. Solidarität macht glücklich

Auch für jeden einzelnen persönlich sind Werte wie Solidarität, Mitgefühl und Empathie keine Einbahnstraße (siehe auch den Blogartikel zu „Engagement macht glücklich“). Wenn wir anderen helfen oder einfach nur jemandem etwas Freundliches sagen, werden Glückshormone aktiviert. Warm Glow Effekt nennt man das, wenn dieses wohlige, warme und angenehme Gefühle entsteht.
Viele weitere Studien belegen, dass Menschen, die sich ehrenamtlich oder sozial engagieren, langfristig zufriedener sind und mehr Selbstbewusstsein haben. Sie fühlen sich erfüllter und sehen mehr Sinn in ihrem Dasein. Wenn wir also andere Menschen unterstützen, dann haben wir selbst davon mindestens genauso viel davon wie diejenigen, die unterstützt werden.

Wir brauchen leuchtende Beispiele

Wenn also all die Werte, die mit Vielfalt, Teilhabe und Inklusion einhergehen, nicht mehr so wichtig zu sein scheinen, ist es umso wichtiger, nicht zu resignieren. Im Gegenteil: gerade jetzt sollten wir diese Werte hoch halten! Dafür braucht es Menschen, die leuchten, und die mit gutem Beispiel vorangehen. Und es braucht viel Kraft und Resilienz, um klar zu den eigenen Werten zu stehen.

Fünf Qualitäten, die uns unterstützen

Bist du dir ganz klar dessen bewusst, wofür du stehst, welche Werte dir wichtig sind? Bist du jemand, der mit gutem Beispiel vorangehen, etwas verändern möchte? Möchtest du dein Leuchten nicht verlieren, sondern optimistisch bleiben und an das Gute glauben? Dann können diese fünf Anregungen dich dabei unterstützen:

  1. Selbstbewusstsein

Kennst du deine Stärken und Schwächen und kannst dazu stehen? Kennst du deine Fähigkeiten und Talente und lebst diese? Wir brauchen in diesen Zeiten gutes Selbstbewusstsein und mentale Stärke, bzw. „Resilienz“. Das bedeutet, dass wir uns nicht umhauen lassen, wenn mal Gegenwind kommt. Dass wir uns selbst lieben können, mit all deinen Stärken und Schwächen, die uns ausmachen.

  1. Mut

Manchmal erfordert es Mut, mal gegen den Strom zu schwimmen, seine Meinung zu äußern, oder für das einzustehen und zu kämpfen, was uns wichtig ist. Vielleicht ist es auch hier und da mal erforderlich, einen Schritt aus der Komfortzone heraus zu tun. Mut unterstützt uns in allen Lebenslagen, und wir können diesen sogar trainieren.

  1. Gelassenheit

Geht es dir auch manchmal so, dass die Welt gefühlt in Panik versinkt? Die Nachrichten prasseln ununterbrochen auf uns ein, die Medien schaukeln sich gegenseitig hoch, die düstersten Aussichten werden noch ausgeschlachtet.

Erschaffe dir Momente, in denen du abschalten und innehalten kannst. Still werden auf deine eigene Seele lauschen. Dabei helfen Meditation, Atemübungen, Achtsamkeitsübungen oder einfach nur ein Waldspaziergang.

  1. Verbundenheit

Suche dir Gleichgesinnte, vernetze dich. Schau dass du nicht Einzelkämpfer:in bleibst, sondern dich mit anderen Menschen verbindest. Ob beruflich oder privat: Aus der Glücksforschung weiß man, wie wichtig es ist, gute und erfülle erfüllte Beziehungen zu haben.

Damit sind nicht Social Media Freunde oder Follower gemeint, sondern echte persönliche, authentische Kontakte. Suche nach Möglichkeiten, um offline Kontakte zu pflegen. Ein Gespräch im Café, ein gemeinsamer Spaziergang, spontan Freunde einladen – all das hilft, um mal abzuschalten und sich verbunden zu fühlen.

  1. Humor und Lachen

Egal wie schwer auch die Zeiten zu sein scheinen, wenn wir dabei das Lachen vergessen, dann ist keinem geholfen. Kultiviere Humor, aktiviere die Lebensfreude und den Spaß! Lachyoga kann dir dabei helfen. Durch Humor und Lachen sorgen wir auch dafür, den Optimismus zu bewahren, eine wichtige Voraussetzung für Resilienz.

Unsinn ist Unsinn

Das, was Trump als „Unsinn“ bezeichnet, mag er abwertend gemeint haben. Doch Unsinn hat auch etwas Positives. Lasst uns also den Unsinn kultivieren! Lasst uns albern sein, kreativ, verspielt und verrückt! Und vielleicht wird genau das verrückt sein uns am Ende davor bewahren, völlig verrückt zu werden.

Mental Health im Business: Fürsorge oder Farce?

Neulich wurde ich angefragt, in einem IT-Unternehmen einen „Mental Health Parcours“ zu begleiten. Es gab dort verschiedene kleine Spiele, Infos, Tipps und Inspirationen zu Themen wie „Dankbarkeit“, „Achtsamkeit“, „Emotionen“ und „Stress-Management“.

Die Mitarbeiter:innen des Unternehmens waren sehr interessiert, es gab interessante Gespräche, die sehr schnell über Small Talk hinausgingen. Fast jeder kannte im privaten Umfeld einen Menschen, der oder die an einer psychischen Störung erkrankt ist.

Die meisten Kolleg:innen freuten sich über dieses Angebot und schätzten es, dass ihr Arbeitgeber sich für mehr Bewusstsein zum Thema „Psychische Gesundheit“ einsetzt.

Hinter der Fassade sieht’s anders aus

Doch nicht alle sahen es so: Gegen Ende des Aktionstages kam eine Mitarbeiterin zu mir, die sichtlich unzufrieden war. „Was nützt mir das ganze Gedöns hier, wenn sich auf dem Schreibtisch die Arbeit türmt? Wenn ständig Stellen gestrichen werden und immer weniger Leute immer mehr Projekte stemmen müssen? Das ist doch fadenscheinig!“ fuhr sie fort. „…und einfach nur Symptom-Behandlung, statt sich um die wahren Ursachen der psychischen Belastung zu kümmern!“

Ich kann ihren Frust verstehen und höre das nicht zum ersten Mal. Ich argumentiere dann gerne so, dass es doch trotzdem gut ist, wenn eine Firma überhaupt etwas für die Mitarbeiter:innen tut, selbst wenn die Beweggründe eher profitorientiert statt menschenorientiert sind.

Die Vorteile von Mental Health in Unternehmen

Immerhin haben ja viele Chef:innen mittlerweile erkannt, dass das, was für die Mitarbeiter:innen gut ist, auch dem Wohle der Firma dient. Viele Unternehmen haben mittlerweile sogar die psychische Gesundheit der Angestellten als Erfolgsfaktor erkannt. Die Argumente sprechen für sich:

  1. Produktivität und Effizienz

Psychisch gesunde Mitarbeiter sind motivierter, fokussierter und belastbarer. Studien zeigen, dass Unternehmen, die auf das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter achten, oft produktiver sind und eine geringere Fehlerquote aufweisen.

  1. Kostensenkung

Psychische Erkrankungen wie Burnout oder Depression sind häufige Gründe für Fehlzeiten und langfristige Arbeitsausfälle. Prävention und frühzeitige Unterstützung können nicht nur die mentale und körperliche Gesundheit der Mitarbeiter verbessern, sondern durch weniger Fehlzeiten auch erhebliche Kosten sparen.

  1. Unternehmenskultur und Mitarbeiterbindung

Ein Unternehmen, das sich um die psychische Gesundheit seiner Angestellten kümmert, schafft eine positive Arbeitsatmosphäre. Dies stärkt die Bindung der Mitarbeiter:innen an das Unternehmen und verbessert das Image des Arbeitgebers.

Alles beginnt mit den Führungskräften

Das sind gute Gründe. Doch solche Maßnahmen verpuffen, wenn die Chef:innen selbst eine solche Unternehmenskultur nicht vorleben.

Ein Haupt-Kündigungsgrund von Angestellten ist immer noch die Tatsache, dass sie mit den Vorgesetzten nicht klarkommen. Auch die emotionale Bindung an den Arbeitgeber sinkt von Jahr zu Jahr. Im Jahre 2023 betrug diese laut Gallup Engagement Index nur noch 19%.

Herausforderungen für Unternehmen

Hinzu kommen verschiedene Herausforderungen, die mit dem Thema „Mental Health“ in Unternehmen verbunden sind:

Tabu-Thema
Trotz steigender Offenheit sind psychische Krankheiten bei vielen noch ein Tabu-Thema. Wer mag schon Vorgesetzten gestehen, dass er psychische Hilfe braucht – und womit möglicherweise nur noch eingeschränkt leistungsfähig ist?

Wenn nicht gerade ein solides Burn-Out vorliegt, in das man ja durch exzessive Leistung und Engagement gerutscht ist (und es somit gesellschaftsfähig ist), dann sollte man mit Depressionen oder Ängsten nicht gerade auf der Betriebs-Weihnachtsfeier hausieren gehen.

Ressourcenmangel
Viele Unternehmen haben nicht die Ressourcen oder Fachkräfte, um sich diesen Themen zu widmen. Gerade in Zeiten von schwieriger Wirtschaftslage haben sie andere Sorgen, müssen kurzfristig auf die aktuellen Entwicklungen reagieren oder können den langfristigen Nutzen nicht erkennen.

Stress ist schick
Hinzu kommt, dass sich zwar das Bewusstsein in den letzten Jahren verändert hat, es aber trotzdem immer noch „schick“ ist, viel Stress zu haben und viel zu leisten. An vielen Stellen herrscht immer noch eine Mentalität, die es erwartet, sich zu verausgaben, statt „Selfcare“ zu betreiben.

Überstunden zu leisten und Arbeit mit nach Hause zu nehmen sind immer noch angesehener als um Punkt 17:00 Feierabend zu machen. Hinzu kommt die ständige Erreichbarkeit durch Home Office und digitale Vernetzung, der viele kaum noch entgehen können.

Trotz dieser Herausforderungen sollten Unternehmen sich mit diesem Thema beschäftigen. Kaum eine Firma kann es sich derzeit leisten, dass die Menschen innerlich kündigen oder womöglich langfristig wegen psychischer Krankheiten ausfallen.

Fünf Anregungen für Mental Health im Business

Was können Unternehmen also tun, damit das Thema „Mental Health“ nicht als Farce angesehen wird oder als „aufobtruiert“ empfunden wird? Wie können Führungskräfte ein neues Bewusstsein erschaffen, in dem die Kolleg:innen offen reden können, sich verstanden fühlen und sich vielleicht sogar gegenseitig unterstützen?

Folgende Voraussetzungen sind meines Erachtens nach wichtig, um das Thema „Mental Health“ in Unternehmen voranzubringen:

  1. Kommunikation ist alles

Egal, ob HR Manager:in, Führungskraft oder externe Trainer:in: Alle Beteiligten sollten dafür sorgen, dass das Thema Mental Health sein „Tabu“ verliert. Wo auch immer du in einem Unternehmen Berührungspunkte hast: Erschaffe auf deine Art und Weise ein Arbeitsumfeld, in dem offen über psychische Gesundheit – und somit auch über psychische Probleme – gesprochen werden kann.

Ermutige die Führungskräfte, das Thema anzusprechen und Unterstützung zu signalisieren. Durch eine gute und offene Kommunikation kann neues Bewusstsein für dieses Thema entstehen.

 

  1. Nicht erst handeln, wenn es zu spät ist: Prävention

Nicht ohne Grund bieten immer mehr Unternehmen verschiedenste Kurse an, zum Beispiel im betrieblichen Gesundheitsmanagement oder als Weiterbildung. Dazu gehören Stress-Management-Trainings, Achtsamkeitskurse, Yoga, Autogenes Training, Resilienz-Training etc.

Lachyoga ist hier eine optimale Methode, die gleich verschiedene Aspekte miteinander verbindet: die Teilnehmer:innen kommen in Bewegung und tun gleichzeitig etwas für ihr mentales Wohlbefinden. Durch die Übungen entsteht ein Verbundenheitsgefühl, was auch den Teamspirit und die Motivation steigert.

 

  1. Zugang zu professioneller Hilfe erleichtern

Die Menschen sollten nicht nur über das Thema sprechen können, sondern auch Möglichkeiten der Unterstützung erhalten, ohne sich gleich direkt zu „outen“. Immer mehr Unternehmen bieten deshalb anonymen Zugang zu Beratungsdiensten, Coaches oder Psychologen an.

 

  1. Gute Work-Life-Balance

Wenn ich in Unternehmen unterwegs bin, stelle ich immer wieder fest: der beste Stress-Management-Workshop nützt nichts, wenn die Angestellten gleichzeitig mit Arbeit überladen sind, die sich auf dem Schreibtisch häuft – siehe oben.

Jeder sollte die Möglichkeit haben, genügend Pausen einzulegen, und auch im Home Office sollte keiner 24/7 erreichbar und verfügbar sein müssen (siehe auch den Blogartikel zu Work-Life-Balance).

 

  1. Alles beginnt mit den Führungskräften

Wenn sich etwas verändern soll, dann beginnt dies mit einem Umdenken bei den Chef:innen. Diese müssen erkennen, dass entspannte und motivierte Mitarbeiter:innen produktiver sind als übergestresste Menschen oder solche, die innerlich schon gekündigt haben. Führungskräfte sollten geschult werden, Anzeichen von Überlastung zu erkennen und angemessen zu reagieren. Sie sollten lernen, wie sie offen und authentisch kommunizieren können, aber auch, welche Methoden und Möglichkeiten es gibt, um ihr Team zu unterstützen.

Fazit: Mental Health ist ein wichtiges Win-Win

Ich bin davon überzeugt, dass „Mental Health“ ein Thema ist, in dem es noch viel Aufklärungs- und Handlungsbedarf gibt. Egal, ob du Führungskraft, Business Trainer:in, Coach, HR-Manager:in oder Angestellte:r bist: Wir alle sollten dafür sorgen, dass wir nicht nur funktionieren, sondern dass wir für unsere Bedürfnisse einstehen und für uns selbst sorgen können. Dadurch können wir Vorbilder für andere sein und sie dazu ermutigen, ebenfalls für sich einzustehen.

Wenn wir privat und beruflich authentisch bleiben, statt anderen etwas vorzugaukeln, dann sind wir auf dem Weg zu einem neuen Miteinander. Das hat auch zur Folge, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen sich besser verstanden und gesehen fühlen. Was wiederum dazu führen könnte, dass psychische Erkrankungen früher erkannt und behandelt werden, bevor jemand monatelang krank ist.

Zum Abschluss der Aktion erzähle ich dem Geschäftsführer der Niederlassung von der Skepsis der Mitarbeiter:in. „Ja, irgendjemand hat immer etwas an dem auszusetzen, was wir tun. Aber wir machen trotzdem weiter.“ Mit einer solchen Einstellung ist schonmal viel gewonnen, denke ich mir. Nicht nur für seine Niederlassung, sondern auch für die Menschen, die hier arbeiten.

Vagusnerv

Wellness-Booster Vagusnerv

Wie der „Wundernerv“ wirkt und was an dem Hype dran ist

Neulich hatte ich eine Lehrerin im Seminar: Carina. Gerade sitzen wir mit ein paar Leuten im Essensraum des Seminarhauses und tauschen uns über die Situation heutiger Lehrkräfte aus, da sagt sie: „Am Anfang einer jeden Unterrichtsstunde mache ich erstmal Vagusnerv-Übungen mit den Schülern, das hilft total.“ Wir nicken beeindruckt.

Immer wieder wird im Zusammenhang mit Stress-Management und mentaler Gesundheit der „Vagusnerv“ genannt. Scheint ja ein wahrer „Wundernerv“ zu sein, um den mittlerweile ein regelrechter Hype entstanden ist. Zahlreiche Übungen für den Vagusnerv finden sich im Internet, um durch dessen Stimulation für Entspannung und mentalen Ausgleich zu sorgen.

Der Hype ist nicht ganz unberechtigt: Der Vagusnerv ist der längste Nerv in unserem Körper und spielt eine wichtige Rolle bei der Verdauung, dem Herz-Kreislauf, der Atmung und vielem mehr. Er reguliert alle wichtigen Organe wie Herz, Lunge, Zwerchfell und Darm.

Wo sitzt der Vagusnerv?

Der Vagusnerv verläuft vom Darm aus über Brust und Hals bis ins das Gehirn hinein und ist die wichtigste Verbindung zwischen Organen und Gehirn. Er ist Teil des vegetativen (oder auch autonomen) Nervensystems, das alle Abläufe im Körper regelt, die wir nicht selbst steuern können. Also Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel.

Ganz im Gegensatz zum willkürlichen Nervensystem, dessen Vorgänge wir willentlich beeinflussen können, zum Beispiel ob wir den kleinen Finger heben (Muskelaktivität).

Zum vegetativen (autonomen) Nervensystem gehören auch das sympathische und das parasympathische Nervensystem. Diese ziehe ich dann immer gerne in meinen Kursen heran, wenn es um Stress-Management geht.

Wenn jemand gähnt, dann nicht aus Langeweile über meinen Kurs (hoffentlich!), sondern weil durch die Entspannungsübungen das parasympathische Nervensystem aktiviert wird. Das ist mir immer wichtig zu sagen.

Das sympathische Nervensystem ist dafür zuständig, dass wir uns in Stress-Situationen voll fokussieren und alle Kraft einsetzen können, um mit Kampf oder Flucht zu reagieren. Alle weiteren Körperfunktionen (Verdauung, Schlaf, Lustempfinden etc.) werden runtergefahren. Der Kampf gegen den Säbelzahntiger kann beginnen. so war es zumindest früher mal. Heute ist es vielleicht die cholerische Chefin oder das schreiende Kind.

Das parasympathische Nervensystem hingegen ist wichtig für die Entspannung und Erholung. Nach einer Stress-Situation sorgt es dafür, dass wieder neue Energie bereitgestellt wird. Während früher die Menschen am Lagerfeuer gechillt haben, sind es heute die Netflix-Serien (manchmal muss das sein) oder der Spaziergang im Wald (manchmal sollte es sein).

Der Vagotonus – entscheidend für Resilienz

Hier kommt der Vagusnerv ins Spiel. Wenn der gut funktioniert, dann ist es leichter für uns, aus einer Stress-Situation heraus schnell und effektiv wieder in einen Entspannungszustand zu kommen.

Vielleicht stand ich gerade eine Stunde lang im Stau und lasse mir die Laune trotzdem nicht verderben. Vielleicht musste ich Nachtschichten schieben, um meine Umsatzsteuer-Voranmeldung zu machen und mir reicht eine Kurzentspannung, um wieder fit zu sein. In dem Fall haben wir eine hohe Aktivität des Vagusnervs und sprechen von einem hohen Vagotonus. Langfristig wirkt sich dieser positiv auf unsere Resilienz aus.

Wenn wir allerdings ständig Stress haben und dieser zu chronischem Stress ausartet, dann kann das den Vagotonus beeinträchtigen. Ist der zu niedrig, dann werden wir noch anfälliger für Stress und sogar für Angstzustände. Wir geraten in einen Kreislauf aus Zeitdruck, Zukunfts- und Existenzangst und nehmen uns keine Zeit mehr für den Waldspaziergang. Irgendwann bleiben nur noch Netflix und Rotwein. Aber das hilft dann auch nicht mehr.

Um dieses Stadium frühzeitig zu verhindern, könnte uns die Aktivierung des Vagusnervs helfen, um wieder in eine innere Balance zu kommen.

Polyvagaltheorie – wie Stress auf unsere Gefühle wirkt

Doch das ist nicht alles. Mit der „Polyvagaltheorie“ hat Stephen Porges (erstmalig 1995) beschrieben, dass sogar unsere emotionalen Reaktionen eng mit dem autonomen Nervensystem verbunden sind.

Das bedeutet: Stress-Situationen lösen nicht nur eine körperliche Reaktion aus, sondern sie haben auch einen Einfluss auf unsere Gefühle und die damit verbundene Handlung. Das führt dazu, dass wir zum Beispiel manchmal impulsiv reagieren, selbst wenn wir es nicht wollen. Vielleicht schreien wir das bockige Kind an oder den Partner und ärgern uns direkt danach über uns selbst.

Je nachdem, wie flexibel das Nervensystem zwischen den Zuständen von Stress und Entspannung wechseln kann – was wiederum durch den Vagusnerv beeinflusst wird – werden  so auch langfristig unser Verhalten, unsere Emotionen und unsere Beziehungen geprägt.

Wer immer gleich ausrastet, macht sich keine Freunde oder riskiert gar seinen Job.

Der Vagusnerv und die Glückshormone

Der Vagusnerv beeinflusst auch auf andere Art unsere Stimmung. Er ist daran beteiligt, dass bestimmte Neurotransmitter – zum Beispiel die Glückshormone Serotonin und Dopamin –  produziert und transportiert werden. Wenn wir also den Vagusnerv stimulieren, dann steigt die Produktion dieser Neurotransmitter und wir verspüren mehr Glücksgefühle und Motivation (siehe auch Blogartikel „Glückshormone“).

Mit nur wenigen Sekunden bis Minuten Zeitaufwand können wir also mit rein körperlichen Maßnahmen den Groll loslassen oder mit frischem Schwung das neue Projekt angehen. Es kann so einfach sein!

Was sonst noch zählt

Nicht nur die emotionale Befindlichkeit, sondern erstaunlich viele andere Prozesse im Körper werden durch den Vagusnerv beeinflusst und können durch entsprechende Übungen verbessert werden:

  • Der Blutdruck und die Herzfrequenz sinken.
  • Die Atmung wechselt von der Brust- zur tieferen Bauchatmung.
  • Die Verdauung wird angeregt und die Magen-Darm-Passage beschleunigt.
  • Die Muskelspannung sinkt.
  • Das Immunsystem wird angeregt.
  • Chronische Schmerzen können nachlassen.
  • Entzündungen können reduziert werden

 

Übungen zur Aktivierung des Vagusnervs

 Hier findest du eine Auswahl an Beispielen für Vagusnerv-Übungen. Vielleicht hast du ja mal Lust, sie auszuprobieren.

  1. Tiefe Bauchatmung

Lege beide Hände auf den unteren Bauch und stell dir beim Einatmen vor, dass dein Bauch sich wie ein Luftballon füllt. Atme länger ein als du ausatmest. Atme dabei durch die Nase ein und mit geräuschlosem Pfeifton durch den Mund wieder aus. Führe diese Atemübung 3 Minuten lang durch.

  1. Massage

Nimm beide Zeigefinger und setze sie hinter den Ohren an. Dann beginne mit kreisenden Bewegungen zu massieren, ca. 3 Minuten.

  1. Yoga

Yoga ist die optimale Kombination aus Dehnung, Bewegung und Atem um den Vagusnerv zu stimulieren. Möglichkeiten dazu findest du unter anderem hier…

  1. Lachyoga

Beim Lachen praktizieren wir automatisch die tiefe Bauchatmung und trainieren das Zwerchfell, was beides auch für eine Stimulation des Vagusnervs führt. Hinzu kommt die positive soziale Interaktion mit anderen Menschen, so dass wir auf allen Ebenen für Entspannung und gute Stimmung sorgen. Möglichkeiten, siehe hier…

  1. Summen

Atme tief ein und beginne, ausatmend zu summen, zum Beispiel auf „Hammmmmm“. Summe so lange, bis die Luft aus der Lunge (fast) vollständig entleert ist.

 

Fazit: Vagusnerv als Wohlfühlbooster?

Auch wenn sich die Studien bezüglich des Vagusnervs bisher auf elektrische Stimulation beziehen und es über die „Selbstbehandlung“ bisher kaum Belege gibt, bin ich überzeugt davon, dass es sich lohnt, die Übungen mal auszuprobieren.

Letztlich sind es Übungen, die wir sowohl im Yoga als auch im Lachyoga ehedem praktizieren und bei denen wir am eigenen Körper merken, wie schnell sich ein Entspannungseffekt und sogar gute Laune einstellen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, dass unsere Prozesse im Körper so eng mit unserem seelischen Wohlbefinden zusammenhängen und ich frage mich, warum das in vielen Bereichen immer noch als getrennt angesehen und behandelt wird.

Ich bin mir sicher, dass nicht nur unsere Kinder in den Schulen, sondern wir alle besser und entspannter lernen würden, wenn mehr Menschen diesen „ganzheitlichen Aspekt“ einbeziehen würden. Sowohl im pädagogischen und sozialen Bereich als auch in allen anderen Feldern.

Immerhin kenne ich ja jetzt schon eine Lehrerin, die das anwendet. Carina ist fest entschlossen, nicht nur die Vagusnerv-Übungen, sondern auch das Lachyoga in ihre Schule zu tragen. Das gibt Hoffnung.

Hier lernst du weitere Übungen

In diesen Kursen lernst du mehr Übungen für den Vagusnerv kennen und praktisch anwenden:

Resilienztraining

Lachyoga Seminar

Happiness Yoga Ferien

Werte

Werte: dein Kompass für’s Leben

Würdest du töten, um Menschen zu retten? Das Trolley-Dilemma

„Mama!“ fragt mich mein Sohn: „Was würdest du tun: du bist Gleisarbeiter und ein außer Kontrolle geratener Zug rollt auf den Gleisen einen Berg hinunter. Auf der Schiene sind 5 Gleisarbeiter, die durch den Zug sterben würden. Du könntest den Zug aber auf ein Gleis umleiten, auf dem nur ein Gleisarbeiter steht und dann statt fünf Menschen nur einer sterben müsste.“

Wir laufen gerade am Deich von St. Peter Ording entlang. „Puh, weiß nicht,“ sage ich. „Vielleicht würde ich dann den Hebel umlegen.“

„Ok, und was wäre, wenn auf dem einen Gleis ein Kleinkind spielt und auf dem anderen Gleis – also wenn du umleitest – eine ältere Dame sich verirrt hat?“ hakt mein Sohn nach. Boh, das ist schwierig! „Ich glaube, ich würde dann eher die Variante wählen, bei der ich nicht eingreife“ sage ich. „Denn vielleicht ist es dann ja einfach vom Leben oder von Gott so vorgesehen, dass eine Seele nur ganz kurz auf der Welt ist? Und wer kann schon beurteilen, ob ein Leben mehr wert ist als ein anderes und wann?“

Ich bin ins Nachdenken gekommen. Offenbar hat mein Sohn irgendwo im Internet dieses „Trolley-Problem“ aufgeschnappt. Sogar eine Studie der Max-Planck-Gesellschaft hat sich schon damit beschäftigt, wie Menschen mit solchen moralischen Dilemmata umgehen würden (mehr dazu, siehe hier..). Diese und ähnliche Dilemma-Fragen sorgen für Diskussionen über Ethik und Moral. Übrigens: die Mehrheit würde in diesem Fall das Gleis umstellen, um die 5 Personen zu retten. Doch das heißt nicht, dass es ethisch richtig ist. Hier findest du weitere Beispiele für moralische Dilemmata… 

Darf ein Computer töten?

Zuletzt gab es diese auch im Zusammenhang mit dem Thema „selbstfahrende Autos.“ Was ist zum Beispiel, wenn das computergesteuerte Auto eine Frau mit Kinderwagen nur dann retten kann, wenn es ausweicht und dafür eine ältere Dame überfahren muss?

Für solche Fälle hat die „Ethik-Kommission für automatisiertes Fahren“ bereits klare Leitlinien festgelegt (siehe hier…): Um Menschenleben zu retten, darf zwar der Tod von Tieren in Kauf genommen werden, aber nicht der von anderen Menschen. Außerdem darf nicht zwischen Menschen unterschieden werden, egal wie jung, alt krank oder gesund, Herkunft oder Geschlecht.

Auch darf ein Menschenleben nicht für mehrere andere geopfert werden. Also dann doch den Tod von 5 Gleisarbeitern in Kauf nehmen, statt den Zug auf einen umzuleiten?

Welche Werte sind DIR wichtig?

Dies sind natürlich überspitzte Gedankenexperimente. Und doch werden wir tagtäglich mit kleinen Dilemma-Fragen konfrontiert. Jeden Tag neu müssen wir Entscheidungen zwischen Werten treffen, die sich gegenseitig torpedieren. Zum Beispiel…

  • Höre ich mir die Probleme der Freundin an (Verbundenheit und Empathie), oder würge ich sie am Telefon ab, um mein Seminar vorzubereiten (Erfolg, Qualität ,Anerkennung)?
  • Helfe ich meinem Sohn bei den Hausaufgaben (Familie, Verbundenheit), oder mache ich stattdessen Sport (Gesundheit, Disziplin)?
  • Spare ich alles, was ich habe, für die Rente (Sicherheit, Verlässlichkeit), oder mache ich eine Weltreise (Abenteuer, Freiheit)?

Manchmal denken wir gar nicht darüber nach, sondern machen einfach. Manchmal machen wir für Entscheidungen lange Pro- und Contra-Listen und sind hinterher trotzdem nicht schlauer (siehe auch den Blogartikel zu „Entscheidungen“). Die wenigsten Menschen sind sich ihrer Werte bewusst oder haben sich damit wirklich auseinandergesetzt.

Dabei können Werte ein absolut hilfreicher und wichtiger Kompass sein, um uns durch das Leben und unsere tagtäglichen Entscheidungen zu lotsen.

Werte als Säulen der Gesellschaft

Unsere Werte bestimmen, was wir als richtig, erstrebenswert oder moralisch richtig ansehen. Will ich um jeden Preis ehrlich sein, auch wenn ich den anderen verletze? Bin ich bereit, einen sicheren Job aufzugeben, um Freiheit zu leben? Können wir Frieden schaffen, indem wir Waffen einsetzen?

Werte sind nicht einfach da, sondern sie werden im Laufe der Zeit geprägt – durch die Eltern, durch unsere Kultur oder auch die Kirche. Ohne gemeinsame Werte könnten wir keine Demokratie leben, keine Gesetze erlassen, kein vernünftiges Miteinander gestalten.

Kein Wunder, dass das Zusammenleben derzeit so schwierig scheint – in Zeiten, in denen immer mehr Menschen mit unterschiedlichsten Wertvorstellungen miteinander auskommen müssen.

Manchmal verändern sich gesellschaftliche Werte auch mit der Zeit. Nachhaltigkeit, Umweltschutz oder mehr Toleranz für eine vielfältige Gesellschaft (z.B. LGBTQ-freundlich) werden bei uns wichtiger, während andere Werte weniger wichtig werden oder fast schon verpönt sind (z.B. Kreuzfahrten, Jet-Set-Leben oder viel und hart arbeiten).

Warum du DEINE Werte finden solltest

Doch bevor wir die Werte oder Lebensweise anderer Menschen beurteilen, sollten wir uns zunächst unserer eigenen Werte bewusst werden. Nur dann können wir integer handeln, authentisch bleiben, für uns selbst und für andere einstehen. Wir müssen uns nicht mehr von anderen verunsichern oder kritisieren lassen, wenn wir genau wissen, was wir tun und warum wir es tun.

Wir können Entscheidungen bewusster treffen und klarer handeln. Wir können wahrhaftiger leben und die Ziele verfolgen, die uns wirklich wichtig sind, statt Zielen hinterher zu hecheln, die andere für wichtig halten.

Wenn wir uns unserer eigenen Werte bewusst sind und die Werte anderer respektieren, machen wir einen Unterschied in der Welt und sorgen nicht nur für uns selbst, sondern auch für das Wohl der Gesellschaft.

Diese Werte sind für alle wichtig – oder sollten es sein

Hier sind ein paar Beispiele für allgemeingültige Werte, die wichtig sind, um ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft zu ermöglichen:

  • Ehrlichkeit: Die Bereitschaft, die Wahrheit zu sagen und sich an ethische Grundsätze zu halten.
  • Respekt: Die Anerkennung und Wertschätzung der Würde und Rechte anderer Menschen.
  • Verantwortung: Die Verpflichtung, für das eigene Handeln und seine Konsequenzen einzustehen.
  • Gerechtigkeit: Das Streben nach Fairness und Gleichbehandlung aller Menschen.
  • Freiheit: Das Recht und die Möglichkeit, Entscheidungen unabhängig von äußeren Zwängen zu treffen.

Vermutlich wirst du dich in diesen allgemeinen Werten grundsätzlich wiederfinden. Und doch können die Prioritäten unterschiedlich sein. Was sind deine Prioritäten?

Übrigens: Ich habe den Deichspaziergang in St. Peter Ording mit meinem Sohn und begleitender Diskussion über Werte-Dilemmata sehr genossen. So konnte ich gleichzeitig Zeit mit meinem Kind verbringen (Familie), Anregungen für diesen Blogartikel erhalten (Kreativität) und mich körperlich bewegen (Fitness). Was will man mehr?

Ich wünsche dir Liebe, Lachen und Wahrhaftigkeit! (meine wichtigsten Werte)

Angela

 

Du willst es genauer wissen? Wenn du mehr über deine eigenen Werte herausfinden möchtest, dann findest du unten ein paar Anregungen dazu.

Wenn du dies lieber in Begleitung tun möchtest, dann komm in das Online-Coaching-Programm SMILE – mehr Infos, siehe hier…

Werte priorisieren in 5 Schritten

Finde heraus, was dir wichtig ist und ob du deinen Werten entsprechend handelst. Die folgende Vorgehensweise kann dir dabei helfen:

  1. Suche dir aus den unten genannten Werten die für dich 10 wichtigsten Werte heraus
  2. Priorisiere sie, indem du immer 2 Werte miteinander vergleichst
  3. Schreibe dir die wichtigsten 5 Werte groß und sichtbar auf einen Zettel
  4. Beobachte dich selbst bei Entscheidungen und ordne ein, inwiefern du nach deinen Werten entscheidest.
  5. Korrigiere ggf. deine Werte

Beispiele für Werte

  • Abenteuer
  • Achtsamkeit
  • Authentizität
  • Bescheidenheit
  • Dankbarkeit
  • Demut
  • Disziplin
  • Durchhaltevermögen
  • Ehrgeiz
  • Ehrlichkeit
  • Einfluss
  • Empathie
  • Erfolg
  • Familie
  • Fairness
  • Fitness
  • Flexibilität
  • Freiheit
  • Freundlichkeit
  • Geduld
  • Gerechtigkeit
  • Gleichberechtigung
  • Großzügigkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • Höflichkeit
  • Innovation
  • Integrität
  • Kooperation
  • Kreativität
  • Lernbereitschaft
  • Liebe
  • Loyalität
  • Macht
  • Mitgefühl
  • Mut
  • Nachhaltigkeit
  • Offenheit
  • Optimismus
  • Pflichtbewusstsein
  • Pünktlichkeit
  • Respekt
  • Selbstachtung
  • Selbstlosigkeit
  • Sinnlichkeit
  • Solidarität
  • Toleranz
  • Treue
  • Verantwortung
  • Vergebung
  • Verständnis
  • Vertrauen
  • Weisheit
  • Zuverlässigkeit

Wie Yoga dein Leben verändern kann

Gymnastik für Hausfrauen…

…so dachte ich früher über den heutigen Trendsport, als ich mitbekam, wie meine Mutter wöchentlich mit der Matte unter dem Arm zu ihrem „Sport“ ging. Was sollte daran auch schon „Sport“ sein, wo ich mich damals als Teenagerin beim Leichtathletik und Volleyball so richtig ausgepowert habe…

Meine Meinung über Yoga sollte sich später radikal ändern. Ich war in Indien unterwegs, auf der Suche nach Sinn und Selbstliebe. Dabei klapperte ich so ziemlich alle Ashrams, spirituellen Zentren und Yoga-Schulen ab, die mir unterkamen.

Unter anderem auch das „Yoga Mandir“ in Varanasi. Hier traf ich den Yogalehrer Peetambar. Er startete die Stunde direkt mit dem Kopfstand. Und auch der Rest der Stunde war körperlich so fordernd und anspruchsvoll, dass ich hinterher 3 Tage lang Muskelkater hatte. Von da an war ich infiziert…

Süchtig nach Yoga

Nun wusste ich, was Yoga auch sein kann: ein anspruchsvolles Kraftprogramm, das die Muskeln stärkt und den Körper strafft, mich aber auch in die Entspannung bringt und den ständigen Gedankenkreislauf runterfährt.

Als ich aus Indien zurück war, suchte ich in ganz Berlin nach einer Yogaschule, einem Lehrer, der so war wie Peetambar – vergeblich. Ich akzeptierte schließlich, dass kein Yogalehrer wie der andere ist und machte trotzdem weiter.

Heute bin ich selbst Yogalehrerin und sehr dankbar, dass ich diesen „Sport“ ausüben und unterrichten darf. Ich kenne keine andere Methode, die auf so geniale und gleichzeitig einfache Art und Weise alles vereint, was unser Körper und Geist braucht. Sowohl Hatha Yoga als auch Lachyoga (siehe hier…) sind für mich das optimale „Rundumprogramm“ für Körper, Geist und Seele.

Was ist Yoga?

Meist denken wir ja beim Begriff „Yoga“ vor allem an die Körperübungen, genannt „Asanas“, die hier praktiziert werden. Doch Yoga bedeutet vielmehr als das.

Ursprünglich ist es eine indische Methode und Tradition, um sich spirituell weiterzuentwickeln und zur Erleuchtung zu kommen.

Heute wird bei uns meist „Hatha Yoga“ praktiziert. Das ist der Überbegriff für alle Yogastile (zum Beispiel Ashtanga, Iyengar, Kundalini und Yin Yoga) und bezieht sich auf den Bereich der Asanas (Körperhaltungen) und Pranayama (Atemübungen).

Wissenschaftlich erprobt: Yoga als Gesundheitsmethode

Der Begriff „Hatha“ setzt sich aus den Wörtern „Ha“ (Sonne) und „Tha“ (Mond) zusammen, was die Vereinigung gegensätzlicher Energien symbolisiert. Das Ziel von Hatha Yoga ist es, den Körper zu stärken und die Energien wieder in den Ausgleich zu bringen.

Was man vor Tausenden von Jahren nur erahnt hat, ist mittlerweile wissenschaftlich belegt: Yoga hat unzählige positive Effekte, sowohl körperlich als auch mental. Nicht ohne Grund praktizieren Millionen Menschen in aller Welt regelmäßig Yoga.

Sechs Gründe, um Yoga zu praktizieren

Hier findest du sechs Gründe, warum es sich lohnt, regelmäßig Yoga zu praktizieren. Vielleicht ist dies ja auch eine kleine Anregung für dich, es mal auszuprobieren. Oder wieder einzusteigen, falls du länger nicht praktiziert hast.

1. Bessere Flexibilität und Beweglichkeit

Durch die verschiedenen Körperhaltungen dehnen wir unsere Muskeln und Bänder und bleiben beweglich. Schließlich „rosten“ die Gelenke und Bänder mit jedem Jahr, das wir älter werden, weiter ein – wenn wir nicht regelmäßig etwas dagegen tun. Je flexibler wir jedoch bleiben, umso eher vermeiden wir Schmerzen und Verletzungsgefahren.

Auch die Muskelkraft wird durch Yoga gestärkt. Wir brauchen dafür nicht mal Gewichte, da wir mit unserem eigenen Körpergewicht arbeiten. Immer wieder ist es interessant, wenn sich im Fitness-Studio, in dem ich Yoga unterrichte, Männer hierher „verirren“, die dann oft ganz erstaunt sind, wie anstrengend Yoga sein kann, quasi muskelkaterverdächtig. Siehe auch Journal of Strength and Conditioning Research

2. Verbesserung der Körperhaltung

Wer kennt das nicht: den ganzen Tag in ungünstiger Haltung am Schreibtisch verbringen oder den ganzen Tag stehen müssen, Stress und Zeitdruck, all das kann Rückenschmerzen zur Folge haben. Laut Studien leiden etwa 60-80% der Deutschen mindestens einmal in ihrem Leben an Rückenschmerzen.

Auch mir ging es jahrelang so, und ich habe versucht, dies mit Medikamenten und Globuli zu bekämpfen. Die Wirkung davon hielt aber immer nur kurzfristig an. Seitdem ich Yoga praktiziere und unterrichte, sind Rückenschmerzen für mich kein Thema mehr.

Mit welcher Haltung gehst du durchs Leben?

Mir fällt es oft auf, dass Menschen mit gebeugtem Rücken gehen oder stehen und generell eine schlechte Körperhaltung haben. Yoga sorgt dafür, dass wir die Muskeln stärken – gerade auch die Rückenmuskulatur – und eine bessere Haltung einnehmen.

Die Haltungen, die wir im Yoga üben – gute Standposition, Rückbeugen, Rotationen – wirken sich automatisch auf unsere Körperhaltung im Alltag aus.

Hinzu kommen die Erkenntnisse aus dem Embodiment (siehe Blogartikel „Motion creates Emotion“…), dass Körperhaltungen auch mental etwas in uns bewirken. Sind wir oft in gebeugter Haltung, kraftlos und ohne Spannung, dann symbolisiert dies Unsicherheit und Energielosigkeit und wirkt sich entsprechend auf unsere innere Einstellung aus.

Stehen wir kraftvoll, aufrecht und stabil, dann bringen wir uns über die Haltung auch in eine mentale Haltung der Kraft, des Selbstbewusstseins und der Zuversicht.

Forschungen zeigen, dass Yoga die Körperhaltung verbessert und Rückenschmerzen reduziert, indem es die Rumpfmuskulatur stärkt und die Beweglichkeit erhöht.

3. Herz-Kreislauf-Gesundheit

 Studien haben gezeigt, dass Yoga positive Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit haben kann. Regelmäßige Praxis kann den Blutdruck senken, den Puls beruhigen und die allgemeine Herzfunktion verbessern.

Alle Yoga-Übungen basieren auf der Formel „Strecken-Entspannen-Tiefenatmung“. Sie steigern die Blutzirkulation und Konzentration. Durch langsame, kontrollierte Bewegungen, richtige Atmung und Entspannung wird das Herz nicht belastet, sondern gestärkt. Das kräftige Herz pumpt mehr Blut und verbessert die Durchblutung und Sauerstoffzufuhr im ganzen Körper.

Wenn wir Yoga-Übungen richtig ausführen, wird die Ansammlung von Giftstoffen im Körper verhindert. Gleichzeitig kann der Körper diese sowie Mineralienablagerungen in Knochen und Arterien leichter ausscheiden.

4. Stressabbau und Entspannung

 Yoga ist bekannt für seine beruhigende Wirkung auf den Geist. Durch Yoga wird das parasympathische Nervensystem aktiviert, was zu einem Zustand tiefer Entspannung führt. Dadurch kann sich der Körper erholen und regenerieren.

Die Übungen helfen hilft nicht nur bei bestehendem Stress, sondern auch zur Prävention von Stress. Yoga erweitert die eigenen Ressourcen, die wir brauchen, um Stress zu bewältigen.

Immer wieder berichten mir Teilnehmer:innen, dass sie es besser schaffen, auch in stressigen Situationen gelassen zu bleiben, zum Beispiel, indem sie ihre Atmung vertiefen oder sich bewusst entspannen.

Regelmäßige Yoga-Praxis kann somit helfen, Stress abzubauen und die allgemeine Stimmung zu verbessern.

Eine Meta-Analyse im Journal of Evidence-Based Complementary & Alternative Medicine zeigte, dass Yoga signifikant Stress und Ängste reduziert sowie das allgemeine Wohlbefinden steigert.

5. Mehr Konzentration und Achtsamkeit

 Oft bekomme ich die Rückmeldung, dass Teilnehmer:innen in der Yogastunde komplett abschalten können und endlich mal all ihre Gedanken und Probleme vergessen.

Genau das bedeutet Achtsamkeit: im Hier und Jetzt ankommen, die ständigen Gedankenschleifen mal loslassen.

Dies fällt vielen Menschen leichter, wenn sie sich auf bestimmte Übungen und Atemtechniken konzentrieren, als wenn sie einfach still sitzen und meditieren.

Der Geist ist nur noch beim Atem und bei den Übungen. Die im Yoga praktizierten Atemtechniken können auch im Alltag eingesetzt werden, um Gedanken abzuschalten oder die Energie zu erhöhen.

Der Fokus der Aufmerksamkeit auf die Übungen und die Wahrnehmung des Körpers kann zudem die Konzentrationsfähigkeit und das geistige Wohlbefinden verbessern.

Eine Studie in Mindfulness zeigte, dass regelmäßige Yoga-Praxis die Achtsamkeit und Konzentration bei den Teilnehmern deutlich verbesserte.

6. Förderung der inneren Balance

Das Besondere am Yoga im Vergleich zu anderen Sportarten: es geht nicht nur um den Körper, sondern es ist ein Rundumprogramm für den Körper und die Seele.

Durch die Kombination von körperlichen Übungen, Atemtechniken und Meditation entsteht ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Körper und Geist.

Regelmäßiges Yoga sorgt dafür, dass wir langfristig unsere innere Einstellung verändern. Im traditionellen Yoga spricht man von einem „neutralen Geist“. Das bedeutet, dass wir uns immer weniger von den Problemen des Alltags herunterziehen lassen.

Wir lassen unsere Stimmung nicht mehr von den Gefühlen beherrschen, die durch Situationen und Erlebnisse im Alltag ausgelöst werden, sondern bleiben gelassen, in der inneren Balance.

Dies führt dazu, dass wir gelassener und zufriedener durchs Leben gehen. Eine neuere Studie hat sogar gezeigt, dass durch Yoga Depressionen und Angstzustände verringert werden (siehe Blogartikel „Sorge dich nicht, bewege!“)

Und sonst noch…

Dies sind nur einige der Wirkungen des Yoga für den Körper und die Seele. Weiterhin kann Yoga als ergänzende Therapie bei chronischen Erkrankungen wie Asthma, Diabetes und Arthritis eingesetzt werden, Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern.

Es hilft Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Einschlafen haben und verbessert die Schlafqualität.

Lachyoga als spezielle Variante des klassischen Yoga ist eine tolle Ergänzung, um die Stimmung zu verbessern, die Verbundenheit mit anderen Menschen zu stärken, Glückshormone zu aktivieren und Stress zu lindern. Gerade auch für Menschen, die körperlich nicht so fit sind, ist dies eine gute Alternative.

Yoga – alles was wir brauchen

Ich bin sehr dankbar darüber, dass Yoga schon lange nicht mehr nur als esoterische Nische oder „Hausfrauensport“ belächelt wird, sondern zum beliebten Sport geworden ist.

Zahlreiche Promis praktizieren überzeugt Yoga, aber auch Senior:innen in der VHS, körperbewusste Mütter im Fitness-Studio oder Sinnsuchende in Indien.

Yoga ist für viele Menschen zum Bestandteil ihres täglichen Lebens geworden und sorgt dafür, dass so mancher gelassener, bewusster und glücklicher durchs Leben geht.

Die Kombination von körperlichen und geistigen Übungen hilft ihnen, Stress abzubauen, die körperliche Fitness zu verbessern und eine tiefere Verbindung zu sich selbst zu finden.

Peace mit Yoga

Je mehr Menschen mit sich selbst im Reinen und im inneren Frieden sind, umso mehr sorgen wir dafür, dass es in der Gesellschaft, im Umfeld und in der Welt weniger Stress und Konflikte gibt. Somit tun wir durch Yoga nicht nur etwas Gutes für uns selbst, sondern auch für die Welt.

Namasté Angela

P.S. du bist neugierig geworden? Dann komm mit auf die Happiness Yoga Ferien und probiere es mal aus! Auch Anfänger:innen sind hier herzlich willkommen!

Selektive Wahrnehmung: Du siehst was du denkst

Vor kurzem habe ich ein Hobby wiederentdeckt – Mountain Bike fahren: Über weiche Waldwege gleiten, in der Natur sein, die Vögel und das Rauschen des Waldes hören, verbunden mit Bewegung an der frischen Luft. Was will man mehr?

Dafür habe ich mir ein Mountain Bike gekauft. Vorher habe ich mich natürlich informiert, mir verschiedene Angebote angeschaut, verglichen und mich umgehört, was andere empfehlen. Auf dem Weg zurück vom Fahrradladen sind mir plötzlich überall Fahrradfahrer begegnet – in der Stadt, auf der Landstraße, wo auch immer ich hinschaute.

Ups, sind immer so viele unterwegs? Vermutlich ja, an einem Sommertag wie diesem. Doch es fällt mir heute besonders auf, nachdem ich mich tagelang mit dem Thema „Fahrrad“ beschäftigt hatte. Ich bin wohl hier wohl eindeutig dem Effekt der „selektiven Wahrnehmung“ erlegen.

Schwangere sehen Schwangere…

Vielleicht kennst du das auch oder hast es bei anderen mitbekommen: Schwangere sehen überall Schwangere, Menschen mit Liebeskummer überall glückliche Paare. Wir bleiben im Verkehr dreimal an einer roten Ampel stehen und denken, es ist rote Welle. Obwohl wir genauso oft bei grün durchgerauscht sind.

Selektive Wahrnehmung funktioniert in beide Richtungen, positiv wie negativ. Warum haben wir oft den Eindruck, die Welt geht zugrunde? Unter anderem, weil wir im Fernsehen so viele Katastrophenmeldungen sehen. Kein Wunder, dass wir angesichts all der Unfälle, Messerangriffe, Kriege, Gezanke unter Politikern zu der Überzeugung kommen, dass nur Schlimmes passiert.

Doch selektive Wahrnehmung wirkt auch auf positive Art und Weise. Wenn wir ein Ziel vor Augen haben, dann verschafft dies uns Optimismus und Durchhaltekraft, um es zu erreichen.

Die Kraft selektiver Wahrnehmung

Wenn wir zum Beispiel einen neuen Job suchen und uns darauf fokussieren, dann hören wir vielleicht eher hin, wenn jemand gesucht wird, wir schauen auf Aushänge oder Anzeigen. Kurzum, wir öffnen uns für neue Ideen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich klappt.

Als wir zum Beispiel letztes Jahr unsere Weltreise geplant haben, hatten wir plötzlich das Gefühl, dass immer genau der richtige Tipp, die richtige Info zur richtigen Zeit zu uns kommt. Es fühlt sich dann so an, wie wenn „das Universum uns dabei unterstützt“, sobald wir eine klare Absicht haben (siehe auch Blogartikel „Deine Vision als Glücksgarant?“).

Doch Universum hin oder her: Allein die Änderung der Sichtweise sorgt schon dafür, dass wir neue Chancen und Möglichkeiten entdecken und in unser Leben ziehen. Doch wie genau funktioniert selektive Wahrnehmung?

Der Filter im Gehirn als Schutz vor Reizüberflutung

Unser Gehirn hat die Fähigkeit, bestimmte Informationen bevorzugt wahrzunehmen und andere auszublenden. Angesichts der riesigen Menge an Informationen, die täglich auf uns einströmen, wäre es unmöglich, alles gleichzeitig zu verarbeiten, ohne verrückt zu werden.

Unser Gehirn muss daher filtern, damit wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können. Studien zeigen, dass nur etwa 1% der sensorischen Informationen, die unsere Sinne erreichen, bewusst wahrgenommen werden. Der Rest wird unbewusst gefiltert und verarbeitet.

Doch wie entscheidet unser Gehirn, was wichtig ist und was wir ignorieren können – welche Ereignisse es als bedrohlich einstuft und welche positive Emotionen auslösen? Hierfür spielen folgende Kriterien eine Rolle:

Kriterien für die Wahrnehmung im Gehirn

Erfahrungen und Erinnerungen

Du hast, wenn du in das Büro der Chefin gerufen wurdest, oft einen Rüffel bekommen? Dann ist es nachvollziehbar, dass sich dir schon alle Nackenhaare aufstellen, wenn du auch nur eine Mail von ihr auf dem Monitor aufploppen siehst.

Dich hat mal ein Hund gebissen? Dann wirst du vermutlich Hunde in deiner Umgebung sofort wahrnehmen und als Bedrohung einstufen.

Emotionaler Zustand

Wenn wir in guter Stimmung sind, fällt es uns viel leichter, Dinge positiv zu sehen, als wenn wir geknickt sind und eh alles schwarz sehen.

Sicherlich kennst du das auch: Wenn du gerade eine gute Nachricht bekommen hast oder im Glücksrausch oder frisch verliebt bist, dann stört dich auch nicht das Auto, das dir die Vorfahrt nimmt, oder die unfreundliche Kassiererin im Supermarkt.

Umgekehrt können wir vieles, was uns sonst erfreuen würde, nicht mehr wahrnehmen, wenn wir in einem depressiven Zustand sind.

Erwartungen und Überzeugungen

Hier kommen die Glaubenssätze ins Spiel, die wir uns oft ein Leben lang angeeignet haben – vielleicht durch Eltern, Lehrer oder auch durch eigene Erfahrungen. Wenn wir mit dem Gedanken durch die Welt gehen „ich bin nicht gut genug“, dann filtert unser Gehirn alle Ereignisse und Informationen, die bestätigen, dass ich nicht gut genug bin.

Wenn ich davon ausgehe, bei einer Sache zu scheitern, dann nehme ich möglicherweise alle Zeichen wahr, die dafür sprechen, dass etwas eh nicht klappt und gebe zu früh auf.

Folgende Beispiele und Erkenntnisse aus der Psychologie zeigen sehr eindrücklich die Effekte, die selektive Wahrnehmung haben kann:

Der Gorilla im Basketballfeld:

In diesem Experiment wurden die Teilnehmer gebeten, ein Video von Menschen, die sich einen Basketball zuwerfen, zu beobachten und zu zählen, wie oft der Ball von einer bestimmten Gruppe geworfen wird. Während des Videos läuft eine Person im Gorillakostüm durch das Bild. Viele Teilnehmer bemerken den Gorilla nicht, weil sie auf die Zählaufgabe fokussiert sind.

Cocktailparty-Effekt

Der Cocktailparty-Effekt demonstriert, wie das Gehirn in der Lage ist, sich auf ein Gespräch zu konzentrieren und andere Geräusche auszublenden, zeigt aber auch, dass plötzlich relevante Informationen (wie der eigene Name) trotzdem wahrgenommen werden können.

„Bestätigungsverzerrung“ (confirmation bias)

Wir neigen dazu, Informationen zu suchen, zu interpretieren und uns zu merken, die unsere bereits bestehenden Überzeugungen bestätigen. Dieses Phänomen wird durch Internet und Social Media noch verstärkt, da jeder sich immer mehr in der eigenen „Bubble“ bewegt.

Das heißt, wir bekommen von den Algorithmen vor allem das angezeigt, wofür wir uns schon vorher interessiert haben. Wir suchen Bestätigung für das, was wir eh schon glauben und bekommen sie auch. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass das, was sie sehen, immer nur ein kleiner Ausschnitt der gesamten Realität ist.

Wie du selektive Wahrnehmung für dich nutzen kannst

Doch wie können wir das Phänomen der selektiven Wahrnehmung für uns nutzen, statt uns in die Irre führen zu lassen? Hier ein paar Inspirationen dazu.

1. Dankbarkeit praktizieren

Wenn wir unseren Fokus bewusst auf die positiven Ereignisse und Dinge im Leben legen, dann verstellen wir die innere Wahrnehmungsbrille und sorgen Schritt für Schritt dafür, dass unser Gehirn diese positiven Ereignisse speichert und künftig immer mehr schöne Dinge wahrnimmt.

Wir können dies tun, indem wir jeden Tag 3 Dinge aufschreiben, für die wir dankbar sind, oder uns diese auch kurz vor dem Einschlafen im Kopf Revue passieren lassen (siehe Blog zu Dankbarkeit).

2. Positive Emotionen aktivieren

Da wir in einem guten Gefühlszustand positive Dinge mehr wahrnehmen können, hilft es, wenn wir uns bewusst und aktiv in einen guten Gefühlszustand versetzen. Zum Beispiel durch Lächeln, Lachen, Bewegung oder Tanzen (siehe auch Blogartikel „sorge dich nicht – bewege) .

3. Informationen bewusst konsumieren

In Zeiten von Fake News wissen wir immer weniger, was wir noch glauben können und was nicht. Mach dir bewusst, dass viele Infos in den Social Media immer nur Meinungen und Ansichten sind und nicht der ganzen Wahrheit entsprechen. Überlege dir gut, welche Nachrichten du wirklich regelmäßig konsumieren willst und versuche, verschiedene Informationsquellen heranzuziehen.

4. Glaubenssätze hinterfragen

Erkenne deine Glaubenssätze und hinterfrage sie, ob sie wirklich stimmen, oder ob es an der Zeit ist, diese durch neue Überzeugungen zu ersetzen. Dann kannst du die Welt schon mit ganz anderen Augen sehen (siehe auch Blogartikel „Glaubenssätze loslassen in 4 Schritten“).

Die Kraft der selektiven Wahrnehmung wird von den meisten Menschen unterschätzt. Also gehe mit offenen Augen durch die Welt, schau hinter die Kulissen, versuche, andere Perspektiven nachzuvollziehen und

glaub nicht alles, was du denkst!

 

Du möchtest deine Sichtweise mal aus anderer Perspektive anschauen, deine Glaubenssätze bearbeiten und den Fokus neu festlegen? Dann komm mit auf die Happiness Yoga Ferien…

Was ist Tantra?

„Gruppensex mit Räucherstäbchen“ – diese und andere Vorurteile über Tantra sind immer noch weit verbreitet. Es scheint mal wieder paradox: Wir werden überall mit Pornos und Nacktbildern überschüttet, zahlreiche Stars und Influencerinnen machen sich einen Sport daraus, halbnackt zu posieren und sich dann darüber aufzuregen, dass die „primitiven Männer“ das sexy finden und womöglich noch ausdrücken (mal von Hate-Kommentaren abgesehen). Wir können im Internet frei zugänglich alle nur denkbaren Spielarten von Sex konsumieren und kaufen.

Let’s not talk about Sex

Doch wenn es im privaten Umfeld um das Thema geht, wird schnell herumgedruckst, verlegen gekichert und großes Stillschweigen darüber bewahrt, was im eigenen Schlafzimmer wirklich passiert. Solche Themen sind auf der Grillparty oder beim Kaffeeklatsch einfach tabu. Und mal ehrlich: mit wie vielen Freund:innen kannst du wirklich offen über Sex reden?

Gleiches gilt für Tantra: viele werden bei dem Thema zwar hellhörig und neugierig, geben es aber ungern zu. Wenn Leute mitbekommen, dass ich etwas mit Tantra zu tun habe, sprechen sich mich allenfalls unter vier Augen an und fragen mich aus. Es scheint mit Tantra ähnlich zu sein wie mit Helene Fischer hören oder zu Mc Donalds gehen: Mehr Menschen als man denkt machen es, aber kaum jemand sagt es offen. Vielleicht aus Angst, dann für ein Sex-Monster gehalten zu werden, das jedes Wochenende den halben Swingerclub durchvögelt?

Raus aus der Komfortzone

Ich fand dies schon damals schräg, als ich meine ersten Erfahrungen mit Tantra gemacht habe. Doch wenn mich etwas interessiert, dann werde ich neugierig und muss einfach ausprobieren, was es damit auf sich hat. Also fuhr ich auf ein Tantra-Seminar, aufgeregt bis in die Haarspitzen: Was kommen da für Leute hin? Nur Freaks, Fetischisten oder Sexbesessene? Fast wäre ich beim Umsteigen in Bielefeld wieder in den nächsten Zug zurück nach Berlin gestiegen.

Aber ich hatte ja schon bezahlt. Zum Glück. Denn damit öffnete sich mir ein Eintrittstor in eine neue, aufregende und faszinierende Welt. Zuerst stellte ich fest: Tantra hat mit Sex fast genauso wenig zu tun wie der Papst mit Familienplanung. Man trifft dort weder Freaks noch potenzielle Triebtäter, sondern vor allem bewusste und achtsame Menschen.

Viele Methoden, ein Ziel

Der Begriff „Tantra“ steht ursprünglich für Gewebe, und das trifft es ganz gut. Tantra ist eine geniale, aber komplexe Kombination aus allen möglichen Methoden, die am Ende nur einem Ziel dienen: der Bewusstseinserweiterung. In verschiedenen traditionellen Philosophien wie dem Buddhismus und der vedischen Tradition ist damit Erleuchtung gemeint – also das Entkommen aus dem Karma-Kreislauf und das „Erwachen des Geistes.“

Im modernen westlichen Tantra ist die Erleuchtung nicht das primäre Ziel, sondern es gibt noch einen weiteren Aspekt, der mindestens genauso wichtig ist: Heilung. Es geht darum, Beziehungen zu heilen, das eigene Verhältnis zum Körper und zur Sexualität zu heilen, Scham und Schuld zu überwinden, die Schmerzen der Vergangenheit loszulassen und Ängste über die Zukunft als bedeutungslos zu erkennen.

Beim Tantra gilt es, die Dualität des Lebens anzunehmen, um sich dann darüber hinaus zu erheben. Wir erkennen an, dass es Polaritäten gibt: Licht und Dunkelheit, männlich und weiblich, Sonne und Mond, gut und böse.

Verehrung statt Bewertung

Wenn wir diese Polaritäten erkennen und annehmen, erkennen wir mehr und mehr, dass alles eins ist. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass nicht „die Männer“ auf der einen Seite und „die Frauen“ auf der anderen Seite stehen. Dass jeder Mensch alle Qualitäten in sich hat und alles harmonisch zusammenpasst, wie im Yin-Yang-Zeichen.

Beim Tantra geht es nicht darum, das andere Geschlecht zu bewerten oder gar zu bekämpfen, sondern die besonderen Qualitäten und das Göttliche im anderen zu verehren. „Shiva“ und „Shakti“ stehen für das männliche und weibliche Prinzip, das in jedem von uns gesehen und anerkannt werden darf. Erst wenn wir all diese Polaritäten des Lebens integrieren, kann Heilung geschehen. Was durchaus auch bedeuten kann, dass wir einen Schritt aus der Komfortzone wagen, Tabus brechen oder bestimmte Konventionen aufgeben müssen.

Körperarbeit als Schlüssel zur Erkenntnis

Doch wie läuft das nun konkret in der Praxis ab? Ein wichtiges Merkmal beim Tantra ist es, dass wir unseren Körper als „Instrument“ der Bewusstseinsentwicklung nutzen, und zwar auf allen Ebenen. Um Probleme zu lösen, Beziehungen zu heilen und Ängste zu überwinden gibt es zwar unzählige Therapiemethoden, Übungen und Techniken. Doch viele Ansätze haben einen rein kognitiven Bezug. Das meiste läuft über den Verstand, das rationale Denken. Im Tantra wird der körperliche Aspekt einbezogen und somit ganzheitlich gearbeitet.

Ich war schon damals fasziniert, wie schnell sich durch bestimmte Körpererfahrungen meine Denkweise komplett verändert hat. Ich hatte Erkenntnisse über mich selbst, meine Ängste, meine eingefahrenen Muster, die ich vermutlich in jahrelanger Psychotherapie nicht gehabt hätte. Über die Körperarbeit habe ich gelernt, meinen Verstand immer mehr außen vor zu lassen und meiner Intuition zu vertrauen. Auch hat sich mein eigenes Verhältnis zum Körper verbessert, und ich konnte in meine Selbstliebe zurückfinden.

Doch das ist nur eine von vielen positiven Nebenwirkungen im Tantra. Die Körperarbeit ist kein Selbstzweck, sondern sie dient der Erkenntnis und der Heilung. Tantra umfasst unter anderem folgende praktische Methoden:

Yoga

Beim Yoga (oder auch „Hatha Tantra“) geht es darum, die sieben Haupt-Chakras entlang der Wirbelsäule zu harmonisieren. Dies geschieht durch verschiedene Körperhaltungen (Asanas) und durch Atemtechniken (Pranayama), so dass der Energiefluss im Körper wieder in Gang gebracht wird. „Prana“ steht in der indischen Philosophie für „Atem“, der wiederum im Yoga als „Lebensenergie“ angesehen wird.

Indem wir Atemtechniken anwenden, bringen wir diese Energie in Balance, wir fahren den lärmenden Verstand runter und öffnen uns für die „Signale der Seele“, statt unser Leben von Gedanken und Ängsten diktieren zu lassen.

Energiearbeit

Ein weiteres Element ist die Energiearbeit, bei der es unter anderem darum geht, die Kundalini-Energie zu wecken. Diese wird als eine schlafende Kraft am unteren Ende der Wirbelsäule betrachtet. Durch dynamische Körperarbeit, Meditation, Atemarbeit und Mantra-Rezitation wird es angestrebt, die Kundalini entlang der Wirbelsäule zu erwecken und durch die Chakren zu lenken, um Bewusstseinserweiterung zu erreichen.

Bei der Energiearbeit spielt auch das Sexualchakra eine wichtige Rolle. Dieser Energiepunkt wird als natürliche Quelle der Lebenskraft und der Kreativität angesehen. Durch tantrische Praktiken können Menschen lernen, ihre sexuelle Energie bewusst zu lenken und zu nutzen, um spirituelles Wachstum und kreative Entfaltung zu fördern. Also so ziemlich das Gegenteil von Pornos und schneller Befriedigung. Wenn dieses Chakra (auch „Sakralchakra“ genannt) in Harmonie ist, dann sind wir imstande, tiefere Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen, Empathie zu spüren und uns für Liebe und Mitgefühl zu öffnen.

Mantren

Auch das Tönen von Mantras wird praktiziert, um die spirituelle Energie zu wecken und den Geist zu lenken. Wenn wir ein Mantra singen, dann können wir nicht gleichzeitig über unsere Ängste und Sorgen nachdenken und beruhigen immer mehr den Geist. Es heißt, dass die Mantras eine bestimmte Schwingung haben, die für uns heilend wirken – selbst wenn wir den Text nicht verstehen.

Rituale

Mantren sind auch Bestandteil verschiedener Rituale, die im Tantra durchgeführt werden. Tantrische Rituale dienen dazu, spirituelle Praktiken in einen Rahmen zu bringen, den Geist zu fokussieren und eine Verbindung zum Göttlichen herzustellen. Durch die gemeinsame Ausführung bestimmter Handlungen und Zeremonien wird ein Verbundenheitsgefühl aller Beteiligten erzeugt, bei dem die Qualitäten und Energien beim jeweiligen Gegenüber und bei allen anderen Beteiligten gewürdigt und verehrt werden.

Berührung

Es gibt auch einen Aspekt des Tantra, der mit dem ursprünglichen Tantra gar nicht so viel zu tun hat, von vielen aber für das „eigentliche“ Tantra gehalten wird: Berührung. Und nein, auch hier geht es nicht um Sex. Außer vielleicht bei einigen wenigen Fortgeschrittenen-Seminaren, die sich die „Vereinigung“ als Ritual auf die Fahnen schreiben.

Bei den meisten Tantra-Anbietern wird etwas gelehrt, was in unserer Gesellschaft leider viel zu kurz kommt: achtsame Berührung. Das beginnt damit, andere Menschen – egal ob gleichen oder anderen Geschlechts –  zu verehren und das Göttliche in ihnen zu sehen. Unabhängig davon, ob jemand äußerlich mein Typ ist oder nicht. Es gilt, Menschen sanft und achtsam zu berühren und sich berühren zu lassen. Dabei die eigenen Grenzen klar zu äußern und die des anderen zu akzeptieren. Dies fällt vielen Menschen anfangs schwer. Doch das kann man üben. Und es ist die beste Voraussetzung, um in der eigenen Beziehung eine heilsame und erfüllende Sexualität zu leben. Hier kommt nun also doch die Sexualität ins Spiel – als schöne „Nebenwirkung“ der tantrischen Praxis.

Berührung ist ein Lebenselixier, wie wir spätestens bei der Corona-Pandemie gelernt haben. Ohne Berührung verkümmern wir, wir werden hart, verspannt und sind in jeder Hinsicht blockiert. Dabei ist es mittlerweile auch wissenschaftlich erwiesen, wie sehr Berührung sich positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen auswirkt. Berührung sorgt dafür, dass die Glückshormone Endorphine und Oxytocin freigesetzt werden.

Darüber hinaus kann Berührung Stress reduzieren, das Immunsystem stärken, die Herzfrequenz senken und den Blutdruck regulieren. Auf psychologischer Ebene vermittelt Berührung ein Gefühl der Verbundenheit, Nähe und Zugehörigkeit. Es lindert das Gefühl von Einsamkeit und stärkt das Vertrauen und die Beziehungen zwischen Menschen. Berührung ist eine kraftvolle Kommunikation und Ausdruck von Liebe, Fürsorge und Mitgefühl. All das sind Qualitäten, die wir für unsere körperliche und seelische Gesundheit brauchen wie das Wasser zum Leben.

Massage und Heilung

Eine Königsdisziplin der Berührung ist die Tantra-Massage. Auch diese Technik hat weder mit dem ursprünglichen Tantra noch mit Sex zu tun. Sinn und Zweck der Tantra-Massage ist es, Berührung so einzusetzen, dass der Energiefluss sich ausdehnt. Hierbei kann und darf es geschehen, dass ausgehend vom Sakralchakra auch die sexuelle Energie aktiviert wird. Damit diese dann als Quelle der Kreativität und Kraft gestärkt und im Alltag eingesetzt werden kann.

Wie bei den anderen Techniken gilt das Prinzip der Achtsamkeit: nichts erzwingen, nichts vermeiden, annehmen was ist. Für die meisten ist diese Art von Ganzkörper-Massage vor allem eins: ein angenehmes, anregendes und erfüllendes Körpererlebnis, das uns hilft, den Kopf abzuschalten, die Selbstliebe zu stärken und alte Ängste sowie frühere Verletzungen zu heilen.

Ein Schritt, der sich lohnt

Als ich damals von meinem allerersten Tantra-Seminar wieder nach Hause fuhr, wusste ich: es hat mich gepackt. Es gibt kein Zurück mehr, auch nicht am Bahnhof von Bielefeld. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich diese „Methode“ kennengelernt habe.

Ich bin davon überzeugt: Ohne Tantra wäre mein bisheriges Leben nur halb so aufregend, erfüllt und gesund verlaufen, körperlich wie mental. Seit vielen Jahren ist Tantra nicht nur Teil meines privaten Lebens, sondern ich gebe auch selbst Tantra-Seminare. Ich bin jedes Mal dankbar zu erleben was passiert, wenn Menschen sich darauf einlassen. Es braucht nicht viel. Vielleicht einen kleinen Schritt aus der Komfortzone. Doch der lohnt sich!

 

Hier geht es zu den Tantra-Retreats mit mir:

Korfu: immer im September

Bali: im März

La Gomera: Pfingsten

Positive Psychologie: Glück beginnt von innen

Mein Albtraum im Frankfurter Bahnhofsviertel…

Kurz nach meinem Studium zog ich wegen eines PR-Jobs von Köln nach Frankfurt – ungern, widerstrebend und mit vielen Ängsten. Diese Ängste haben sich schnell bestätigt: meine Beziehung ging auseinander wegen der Entfernung, in der Agentur bekam ich Projekte, die mir keinen Spaß machten. Ich hatte ein abgeranztes WG-Zimmer mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel und sah jeden Tag vor der Haustür kaputte, verwahrloste, drogenabhängige und obdachlose Menschen.

Meinen Frust merkte man mir an: lustlos saß in den Teamsitzungen der Agentur und erledigte nur halbherzig meine Arbeit. Nach Hause ging ich genauso ungern, denn im Flur roch es komisch und im WG-Zimmer fühlte ich mich einsam.

Ein Weckruf – und es hat „klick“ gemacht

Nach nur wenigen Wochen kam jedoch ein „Weckruf“ – in Gestalt meines Chefs. Wenn ich weiterhin so miesepetrig und lustlos sei, dann wisse er nicht, ob ich die Probezeit überstehe. In dem Moment kapierte ich, dass ich so nicht weitermachen konnte. Ich musste eine Entscheidung treffen. Nämlich meine innere Einstellung zu verändern – und dadurch mein Verhalten.

Irgendwas hat in dem Moment meine Sichtweise auf die Dinge verändert. Vielleicht die Angst vor Kündigung. Vielleicht aber auch das Gefühl, dass mein Chef mir nicht drohen, sondern mich eher freundlich erinnern wollte. Ich fing an, in den Meetings bewusst zu lächeln und freundlich zu sein. Ich fragte aktiv nach Projekten, die mich interessierten, was wiederum gut ankam.

Plötzlich machte der Job Spaß – und dadurch war ich gut und bekam spannendere Projekte. Auch privat wurde offener für neue Kontakte und fand Freunde, um gemeinsam Salsa tanzen und Cocktail trinken zu gehen. Kurz darauf fand ich über eine Kollegin ein Appartement in toller Lage, mit Blick über die ganze Stadt. Plötzlich war nicht mehr alles trüb, sondern die Farben und die Freude kamen in mein Leben zurück. Was war passiert?

Im Außen hatte sich nichts verändert. Die Stadt war die Gleiche wie vorher, das Bahnhofsviertel genauso schlimm, die Agentur hatte immer noch die gleichen Chefs und Kolleg:innen. Doch ich hatte meine Einstellung verändert und strahlte das auch aus. Und so folgten die Änderungen im Außen. Diese Erfahrung hat mich schon damals gelehrt: es ist nicht immer alles perfekt im Leben – sondern es kommt darauf an, wie ich darüber denke und darauf reagiere (siehe auch den Blog „von innen nach außen“).

Studie: DAS macht uns wirklich glücklich

Studien aus der Resilienzforschung bestätigen: Eine positive innere Einstellung sorgt für mehr Optimismus und Flexibilität. Wenn wir zuversichtlich und vertrauensvoll an uns selbst und an das Leben glauben, dann können wir Stress besser bewältigen und mit Rückschlägen besser umgehen. Wir können Herausforderungen als Chancen sehen, um persönlich zu wachsen. Mit einer positiven Haltung stärken wir auch unsere Selbstwirksamkeit – also das Vertrauen darin, dass wir selbst etwas verändern und Probleme lösen können. All das sind Faktoren, die für die Resilienz eine wichtige Rolle spielen (siehe auch den Blogartikel zu Resilienz).

Doch was können wir tun, um von innen heraus die eigene Haltung zu verändern? Eine Studie von Seligman, Steen, Park und Peterson zur positiven Psychologie (2005) zeigt, was möglich ist. Der US-Psychologe Martin Seligman und seine Kollegen untersuchten, ob Menschen durch bestimmte „Interventionen“ ihr Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit erhöhen konnten. Bestandteile des Programms waren unter anderem

  • Dankbarkeit praktizieren
  • Persönliche Stärken erkennen und einsetzen
  • Selbstreflektion
  • Austausch

Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer, die an diesem Programm teilnahmen, sich hinterher eindeutig besser fühlten. Sie berichteten über eine Steigerung ihres Glücksempfindens, ihrer Lebenszufriedenheit und des allgemeinen Wohlbefindens im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die keine Intervention erhielt. Diese und zahlreiche weitere Studien bestätigen: wenn wir gezielt an unserer inneren Einstellung etwas verändern, dann verändern sich auch die Lebensumstände im Außen.

Schau deinen Film an und lache über die Storys

Wenn es also mal wieder schwierig oder anstrengend in deinem Leben ist, erinnere dich daran, dass alles bei dir selbst beginnt. Es ist, wie wenn du im Kino sitzt: du fühlst dich wie mittendrin, aber du kannst den Film nicht verändern, indem du die Leinwand veränderst.

Sprich: du kannst die Menschen in deinem Umfeld nicht ändern, Herausforderungen nicht vermeiden, Kriege und Krisen nicht verhindern.

Aber du kannst dein Drehbuch anschauen, wahrnehmen, beobachten und dir klar machen, dass der gesamte „Film des Lebens“ nur die Projektion deines Denkens ist. Damit verliert das Leben und all das, was da draußen passiert, an Bedrohlichkeit.

Du kannst gelassen diesen Film schauen und herzhaft über deine Storys lachen. Und wenn dir irgendwas daran nicht gefällt, dich verletzt oder dir Angst macht: dann versuche nicht, die Leinwand zu ändern, sondern ändere das Drehbuch. 

Übrigens: auf den Happiness Yoga Ferien nehmen wir das Drehbuch des Lebens wieder selbst in die Hand und werden zum „Regisseur“ des Lebens –  um es wieder so richtig mit Freude und Lebendigkeit aufzufüllen!

[maxbutton id=“2″ url=“https://happiness.community/yogaferien/“ text=“Infos zu den Happiness Yoga Ferien“ ]

Zitat

“Indem Menschen die innere Einstellung ihrer Gedanken ändern, können sie die äußeren Aspekte ihres Lebens verändern.” – William James, Psychologe und Philosoph.

Die Geschichte vom weisen Mann und dem Dorf

Ein alter, weiser Mann saß an einer Weggabelung, die zu einem Dorf führte. An dieser Stelle kamen viele Wanderer vorbei, so auch heute wieder. Der erste Wanderer, der kam, sprach den alten Mann direkt an: „Du kennst dich hier in der Gegend sicherlich gut aus. Kannst du mir sagen, wie die Menschen in dem Dorf da drüben so drauf sind? Der alte Mann fragte den Wanderer: „Wie waren denn die Menschen in dem letzten Dorf, wo du warst?“ Der Wanderer entgegnete: „Oh, sehr nett, hilfsbereit, höflich, voll in Ordnung.“ Der alte Mann sagte: „Genauso sind die Menschen dort drüben in dem Dorf auch.“ Der Wanderer freute sich und bedankte sich.

Dann kam der nächste Wanderer und sprach den alten Mann mit der gleichen Frage an: „Wie sind die Menschen in dem Dorf dort drüben?“ Der alte Mann fragte wieder zurück: „Wie waren denn die Menschen in dem letzten Dorf, in dem du warst?“ Der Wanderer sagte: „Oh, gar nicht nett. Sie waren unhöflich, unflätig, rücksichtslos und überhaupt nicht hilfsbereit.“ Der alte Mann sagte: „Genauso sind auch die Menschen in dem Dorf dort drüben.“

Sorge dich nicht – bewege!

Neue Studie: Tanzen und Yoga stärken die Psyche

Neulich nach dem Yoga kam eine Teilnehmerin zu mir und sagte, wie sehr sie sich freue, mal wieder einen positiven und zuversichtlichen Menschen wie mich zu treffen. Sie hatte 10 Jahre in Florida gelebt – die Menschen in Florida seien alle so offen und begeistert, während hier in Deutschland so viele schlecht drauf, pessimistisch oder sogar unfreundlich sind.

Ich kann das gut nachvollziehen, denn auch mir ist es schon oft so ergangen auf meinen Reisen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn ich finde, dass es auch hier sehr viele freundliche, zuversichtliche und hilfsbereite Menschen gibt.

99 % unserer Ärgergedanken sind verschwendete Energie

Es hängt nur von unserer Sichtweise ab: Lassen wir uns von den „Miesmuscheln“ runterziehen oder freuen wir uns über schöne Begegnungen?

Für mich hieß das gestern: Ärgere ich mich über die Frau auf dem Fahrrad, die mir die Vorfahrt nimmt und sich dann noch über mich aufregt? Oder bin ich dankbar für das nette Feedback und Gespräch mit der Yoga-Teilnehmerin?

So trainierst du dein Gehirn auf Freude

So können wir uns immer wieder daran erinnern und unser Gehirn darauf trainieren, die positiven Ereignisse wahrzunehmen. Was nicht immer einfach ist – schließlich ist es in uns seit Urzeiten angelegt, stärker auf Gefahren und Bedrohungen zu reagieren als auf positive Erlebnisse (siehe auch diesen Blogartikel dazu…). Doch es gibt ein effektives Wundermittel, um „Train your Brain“zu unterstützen: Bewegung und Aktivitäten der Freude!

DIESE Bewegungsarten wirken wie Psychotherapie

Eine neue Netzwerk-Metaanalyse des australischen Psychologen Michael Noetel (Universität Queensland in St. Lucia/ Brisbane) hat festgestellt, dass Körperaktivität Depressionen lindern und sogar die Wirkung von Psychotherapie verstärken kann. Er verglich verschiedene Bewegungsarten mit psychotherapeutischen Behandlungsmethoden und fand heraus:

Tanzen wirkt am besten! An zweiter Stelle stehen Joggen bzw. Walking, gefolgt von Yoga. Demnach wirken diese Aktivitäten sogar genauso effektiv wie eine kognitive Verhaltenstherapie oder die klassische Psychotherapie. Auch wenn die Analyse nur einen kleinen, nicht-repräsentativen Ausschnitt zeigt, ist die Richtung klar:

Tanze, laufe, bewege dich, praktiziere Yoga und Lachyoga! Das ist das Beste, was du tun kannst, um Depressionen vorzubeugen, deine Stimmung zu heben und deine „Wahrnehmungsbrille“ zum Positiven zu verändern.

All diese Elemente sind natürlich Bestandteil meiner Angebote, zum Beispiel der Happiness Yoga Ferien.

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Wie du Schaffensblockaden überwindest und wieder in den Flow kommst

Ich saß am Schreibtisch und starrte vor mich hin. Was auch immer ich an To Dos in meinem Kopf hatte, ich tat – nichts! Ich surfte lustlos auf sensationsheischenden News-Portalen und machte mir mit meinen eigenen Schuldgefühlen noch zusätzlich das Leben schwer.

Gerade mal seit 10 Tagen war ich von unserer Weltreise zurück und hatte mir so viel vorgenommen: jeden Tag diszipliniert und konsequent an meinem Business arbeiten, neue Konzepte entwickeln, Werbung machen, Social Media etc. Noch in Thailand hatte ich den Plan, zu Hause so richtig loszulegen, mich von nichts mehr ablenken zu lassen. Nun war ich zurück und fühlte mich wie erstarrt – ich war weder imstande, meine Wohnung richtig einzurichten noch irgendeine Aufgabe konsequent umzusetzen. Innerlich fühlte ich mich leer – und machte mir auch noch Vorwürfe.

Bis ich schließlich erkannte, dass es nur eine Sache gab, die mir helfen konnte: Absolute Akzeptanz von dem, was gerade ist! Ich hörte auf, mir Schuldgefühle einzureden, unterrichtete hier und da Yoga und nahm mir vor, in Leichtigkeit das zu nehmen, was gerade kommt, ohne mir selber Druck zu machen. Mir wurde zudem klar: Gerade dann, wenn wir uns leer fühlen, kann Raum für Neues entstehen.

Das kann sogar ein hilfreicher Reinigungsprozess sein: Altes loslassen und „rausschmeißen“, um Raum für Neues zu schaffen. Die Natur macht es uns vor: Bäume verlieren die Blätter, damit sie im Frühling wieder neu erblühen. In unserem menschlichen Körper sterben geschätzt täglich 50 bis 70 Milliarden Zellen, um neu ersetzt zu werden. Eine Raupe bleibt wochen- oder gar monatelang in ihrem Kokon eingeschlossen, bevor sie schließlich zum wunderschönen Schmetterling wird und frei in die Welt hinausflattert.

Mögliche Ursachen von Schaffensblockaden

Doch was bedeutet das überhaupt, „Schaffensblockade“? Ist das nur so ein diffuses Gefühl, oder sind hier auch körperliche und kognitive Prozesse involviert? Aus der Hirnforschung weiß man, dass es verschiedene Ursachen und Aspekte geben kann, die bei Schaffensblockaden eine Rolle spielen.

1. Äußere Umstände: Arbeitsbedingungen

Manchmal ist die Konzentrationsfähigkeit oder auch Kreativität aufgrund verschiedener äußerer Bedingungen eingeschränkt. Zum Beispiel, wenn wir unter starkem Stress oder Zeitdruck stehen oder Ängste uns bedrücken. Die Hirnforschung hat gezeigt, dass chronischer Stress und Angst die Gehirnstrukturen und -funktionen verändern können. Wenn wir zum Beispiel bei einer Tätigkeit stark unter Druck gesetzt werden (oder sogar die Kündigung droht, falls wir Fehler machen), dann ist es nachvollziehbar, dass das kreative Potenzial eher eingeschränkt ist. Vielleicht können wir nicht mehr klar denken, stecken im Grübelkreislauf fest oder kommen nicht auf die einfachsten Lösungen.

Auch wenn wir ständig von außen abgelenkt werden, leidet der Fokus (z.B. in einem Großraumbüro, wenn das Kind oder der Partner nach Hause kommt, eingehende Anrufe etc.).

Unabhängig davon, ob du festangestellt oder selbständig tätig bist: in dem Fall solltest du deine Arbeitsbedingungen nochmal genauer unter die Lupe nehmen. Kannst du ungestört arbeiten? Wo kannst du Zeitdruck rausnehmen, vielleicht Dinge delegieren – oder einfach sein lassen? Und dir klar machen: du musst nicht alles hinnehmen!

2. Innere Blockaden: Glaubenssätze

Manchmal sind es auch Glaubenssätze oder mentale Blockaden, die uns davon abhalten, in die Gänge zu kommen. Zum Beispiel, wenn wir von vornherein denken, dass ein bestimmtes Projekt oder eine bestimmte Idee kaum eine Chancen auf Erfolg hat. Vielleicht hat dies noch mit Überzeugungen zu tun, die tief in uns verankert sind, wie „ich schaffe es eh nicht“ oder „ich bin nicht gut genug.“ Siehe auch den Blogartikel zum Thema Glaubenssätze…

Studien haben gezeigt, dass bestimmte Gehirnregionen bei der Ausführung von kognitiven Prozessen aktiv sind, zum Beispiel der präfrontale Kortex (siehe auch „das limbische System“). Stress oder mentale Blockaden können dazu führen, dass die für die Tätigkeit erforderlichen Hirnareale eingeschränkt sind.

In dem Fall kann es helfen, nach vorhandenen inneren Blockaden und Glaubenssätzen zu forschen (z.B. sehe ich einen Sinn in dem, was ich da tue?). Allein die Erkenntnis darüber ist schon sehr hilfreich, und manchmal lasse sich solche Glaubenssätze leichter auflösen als vermutet.

3. Botenstoffe bzw. „Neurotransmitter“

Wenn wir in einem kreativen Flow sind, werden im Gehirn Glückshormone produziert, unter anderem Dopamin, Serotonin und Noradrenalin. Diese tragen dazu bei, dass wir in besserer Stimmung sind und auch motivierter. Doch nicht immer ist ein normaler Arbeitstag so erfüllend oder spannend, dass wir am laufenden Band Glückshormone produzieren.

Bei einer Schaffensblockade können wir auch nach anderen Wegen suchen, um diese Glückshormone anzukurbeln: ein Spaziergang um den Block, ein paar Minuten Lachen (z.B. am Lachtelefon), eine Atemübung, ein gutes Gespräch etc.

 

4. Neuroplastizität des Gehirns

Das Gehirn ist in der Lage, sich durch Erfahrung und Training laufend zu verändern und anzupassen. Hier zählt die Regelmäßigkeit. Je öfters wir kreativ arbeiten können oder auch dürfen und damit gutes Feedback bekommen, umso mehr verankern wir dies als positive Erfahrung in unserem Gehirn.

Wenn wir jedoch mit guten Ideen ständig vertröstet oder sogar belächelt werden, wird dies als negative Erfahrung abgespeichert und somit entsteht mit der Zeit ein mentaler „Widerstand“, wenn es darum geht, kreativ zu sein.

Hier kann es ebenfalls hilfreich sein, in anderen Bereichen neue, positive Erfahrungen zu machen. Zum Beispiel durch ein kreatives Hobby wie Malen oder musizieren, singen oder schreinern.

Akzeptanz als Grundlage jeder Veränderung

Wie geht es dir damit? Kennst du solche Phasen, in denen du das Gefühl hast, es geht nichts voran? Wie gehst du damit um?

Neben den oben genannten möglichen Ursachen gilt es vor allem, sich klar zu machen: Blockaden dürfen sein! Bevor wir also hingehen und versuchen, etwas zu verändern, sollten wir zunächst mal die Grundeinstellung zum Thema „Schaffensblockaden“ zu verändern. Mir hat dabei geholfen, sich folgende Aspekte nochmal bewusst zu machen:

1. Akzeptieren, was ist

Es nützt keinem etwas, wenn wir uns noch selbst verurteilen und geißeln. Leerlaufphasen gehören dazu und sind sogar wichtig. Mehr noch: Wer sich die nicht bewusst nimmt, endet womöglich im Burnout.

2. Gerade die Zeiten, in denen gefühlt nichts vorangeht, sind wichtig

Sie helfen uns, neue Ideen entstehen zu lassen und alles Alte loszulassen, was nicht mehr zu uns passt. In den Zeiten, in denen alles super läuft, sind wir oft viel zu beschäftigt, um überhaupt einen klaren Kopf zu bekommen.

3. Jede Blockade macht uns stärker

Es liegt nicht in der Natur der Sache, dass immer alles perfekt läuft, und wir würden es davon abgesehen auch gar nicht zu schätzen wissen. Also: annehmen, für Neues öffnen und wachsen! Das stärkt die Resilienz.

Dies hilft uns sofort, die innere Einstellung zu verändern. Und die Erfahrung zeigt: wenn wir aus der Bewertung heraustreten und etwas nicht mehr per se als „negativ“ beurteilen, ist schon der erste Schritt getan, um den Druck und Stress, der mit Schaffensblockaden verbunden ist, loszulassen. Dann können wir natürlich hingehen und diese zum Anlass nehmen für eine kleine Bestandsaufnahme: bin ich noch an der Position, wo ich am besten wirken kann? Kann ich selbst meine Arbeitsbedingungen verändern und beeinflussen? Wenn nein, ist es Zeit für Veränderung? Oder sollte ich im Innen anfangen, nach hinderlichen Glaubenssätzen und mentalen Blockaden forschen?

Was auch immer für dich passt: Ich wünsche dir, dass du auch deine Leerlaufphasen genießen kannst! Und dass diese zu einer fruchtbaren Grundlage für neue, kreative Ideen werden können.

Übrigens: wenn du dir Begleitung in diesen Prozessen wünschst, dann ist das SMILE-Programm genau richtig für dich.

Eine Gesellschaft im Burnout? Wie wir unser Akku wieder aufladen

Neulich hat mir eine Freundin erzählt, wie sie in ein heftiges Burnout geschlittert ist. Sie ist alleinerziehend, hatte während der Pandemie großen Stress, um ihre zwei Kinder unterzubringen, während sie selbst arbeiten musste. Kurz darauf erfuhr sie, dass sie aus ihrer Wohnung raus muss und hat sich dann zu guter Letzt noch am Knöchel verletzt. Na Halleluja. Es gibt Momente im Leben, da kommt alles gleichzeitig. Wenn wir dann nicht seelisch und körperlich stabil sind, kann es passieren, dass alles über uns zusammen bricht und der letzte Funken an Zuversicht in uns verglüht – sprich, dass wir wortwörtlich „ausbrennen“.

Die Folgen der Pandemie lassen grüßen

Neben solchen privaten Herausforderungen macht vielen Menschen aber auch die Situation in der Welt – Krieg, Krise, Inflation – zu schaffen. 60% der Deutschen haben Zukunftsangst. Viele von uns können nachts nicht mehr schlafen, weil sie sich im Bett wälzen und grübeln. Der weltweite Stresslevel ist laut Gallup-Institut mit 44% mehr als doppelt so hoch wie vor der Pandemie. Laut Mental Health Report fühlen sich 56% der Deutschen niedergeschlagen, 51% können sich über nichts mehr freuen und 44% haben gar keine positiven Gedanken mehr. Die Ausfallquote durch Krankmeldungen war in 2022 mit 5,5% so hoch wie nie zuvor, der dritthäufigste Grund dafür sind psychische Krankheiten wie Depressionen oder Angstzustände. Viele von uns gehen körperlich und auch mental auf dem Zahnfleisch.

Der neue Fluch des Home Office

Natürlich hat es auch Vorteile, dass viele Menschen dank Corona überhaupt Home Office machen können und ihr Arbeitsplatz nun bequem in wenigen Schritten vom Bett zum Schreibtisch erreichbar ist. Aber auch das bringt Nachteile mit sich: Die Trennung zwischen Berufs- und Privatleben ist bei vielen völlig verwischt. Immer wieder bekomme ich in meinem Umfeld mit, dass Menschen krank sind – manchmal sogar an Corona selbst – und dennoch aus Pflichtgefühl ganz normal von zu Hause aus weiterarbeiten.

Kleine natürliche Pausen und Rituale, die es im Büroalltag gibt, fallen weg: Der kurze spontane Plausch in der Kaffeeküche, der kleine Gang mit Kolleg:innen um den Block nach der Kantine oder eben das Abschalten anhand von Lesen oder Musik hören auf dem Arbeitsweg. Wenn die Arbeit nicht geschafft ist, bis die Kinder zu Hause sind, dann müssen diese eben „nebenher laufen“ und sich beschäftigen.

Wer hat den besten Freizeitkick?

Hinzu kommt, dass auch unser Freizeitleben wieder zu einer kleinen „schneller – höher – weiter“ Challenge geworden ist. Gab es während der Pandemie für viele eine kurze Rückbesinnung zu „back to the roots“ mit Spaziergängen, Uno spielen, kochen und Fahrradtouren ins Grüne, so wird heute wieder auf Insta gehyped, welche tollen Konzerte und Restaurants wir besuchen und wer den coolsten Urlaub macht. Siehe auch Blogartikel „vergleichen macht unglücklich“

All diese Entwicklungen haben eines gemeinsam: sie stressen uns. Und sie können schlimme Folgen haben: Wenn wir nicht umdenken und uns darüber klar werden, was uns Kraft gibt, was uns wichtig ist und wie wir leben wollen, dann landen wir sehr schnell in dem Hamsterrad: wir wollen unser Leben optimieren, uns beruflich reinhängen, erfolgreich sein, aber dazu auch noch perfekte Mami, Lebenspartnerin und Social-Media-wirksame Freizeitgestalterin sein. Vielleicht merken wir es erstmal gar nicht. Aber wenn wir in diesem Hamsterrad weiterrennen, dann kann das im Burnout enden.

Fear of Missing Out – Social Media Burnout

Durch die immens gestiegene Nutzung von Social Media und deren Folgen ist sogar noch eine weitere Variante des Burnout entstanden: der „Social Media Burnout“. Studien zeigen, dass die Intensivnutzung von Instagram und co. Stress und Schlafprobleme verursacht und das Immunsystem schwächt. Dies resultiert vor allem aus der ständigen Informationsflut, die einhergeht mit der Angst, etwas zu verpassen. Hinzu kommt, dass wir durch die perfekten Bilder eine Welt vorgegaukelt bekommen, die nicht real ist, sondern inszeniert wird. Sie wird uns aber als real suggeriert, und so haben wir das ständige Gefühl, nicht gut genug, schön genug oder aufregend genug zu sein. Ein „Social Media Burnout“ ist wie eine Sucht, die sich Schritt für Schritt in unser Verhalten einschleicht und  uns wie mechanisch schon vor dem Aufstehen durch Instagram scrollen lässt.

Diese oder auch andere Faktoren können dazu führen, dass wir auf allen Ebenen „ausbrennen“ – dass wir körperlich und emotional erschöpft und zu nichts mehr richtig imstande sind. Burnout ist keine offizielle Krankheit, sondern eine Diagnose, aus der sich psychische oder psychosomatische Störungen entwickeln können. Mögliche Folgen sind Depressionen, Angststörungen oder körperliche Beschwerden wie hoher Blutdruck, Herz- und Magenbeschwerden oder Kopfschmerzen.

Was ist ein Burnout?

Der Begriff Burnout wurde 1974 von dem Psychoanalytiker Herbert Freudenberger in New York eingeführt. Im Gegensatz zu chronischem Stress ist Burnout vor allem auch mit emotionaler Erschöpfung verbunden. Burnout entsteht, wenn Menschen sich für etwas einsetzen und in ihrem Anliegen keinerlei Wertschätzung oder Erfolge ernten. So entsteht ein Kreislauf aus sich noch mehr anstrengen, ausbleibender Belohnung und steigender Frustration.

Der Burnout-Kreislauf

 

Wenn eines der folgenden Merkmale auf deine Situation zutrifft, solltest du aufhorchen und dir möglichst Beratung und / oder Begleitung suchen:

De-Personalisierung:

Wenn Menschen sich nicht mehr so wie vorher mit ihrer Tätigkeit identifizieren bzw. das Interesse verloren haben, droht Burn-Out.  Zum Beispiel beginnen Pflegekräfte aus Frust darüber, nicht genügend Zeit für ihre Patient:innen zu haben, unpersönlich und harsch zu werden. Oder Menschen, die im sozialen Bereich arbeiten, werden gleichgültig angesichts der Probleme, die sie eh nicht ändern können.

Emotionale Erschöpfung:

Diese liegt dann vor, wenn Menschen bei Kleinigkeiten in Tränen ausbrechen oder einen Wutanfall bekommen. Auch, wenn sie depressiv sind und sich an den kleinen Dingen des Lebens – Sonne, schöne Begegnungen, Aufmerksamkeiten der Kinder –  nicht mehr freuen können. In dem Fall könnte dies auf emotionale Erschöpfung zurückzuführen sein.

Verringerte Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit:

Dies äußert sich darin, dass Menschen sich nicht mehr konzentrieren können, Dinge vor sich herschieben, schnell müde werden oder sehr lange brauchen für ganz normale Aufgaben. Auch dies sind alarmierende Zeichen dafür, dass ein Burnout vorliegen könnte.

Etwas ausführlicher findest du die verschiedenen Stufen auf dem Weg ins Burnout in dieser Abbildung. Hier kannst du überprüfen, ob etwas davon für dich zutrifft.

Was tun bei Burnout?

Wenn das Stadium Burnout erreicht ist, also nichts mehr geht, dann helfen ein paar Wochen Urlaub oder ein Wellness-Wochenende nicht mehr weiter. Meist sind mehrwöchige Reha-Aufenthalte und eine komplette Umstellung des Lebensstils erforderlich. Das kostet nicht nur Arbeitgeber und die Gesellschaft viel Geld, sondern vor allem die Betroffenen viel Leid, verlorene Zeit und mühseliges Wiedereinfinden in ein normales Leben.

Was können wir also tun, um es erst gar nicht so weit kommen zu lassen? Wichtig ist es bei der Burn-Out-Prävention, nicht nur Strategien für Stress-Management anzuwenden oder Stress zu vermeiden, sondern körperlich und mental dafür zu sorgen, gelassener und gesünder zu leben und mit Frust und Enttäuschung besser umgehen zu lernen. Wir sollten sowohl auf körperlicher als auch auf mentaler Ebene dafür sorgen, dass wir unser Akku immer wieder aufladen und nicht überstrapazieren. Mit anderen Worten: unsere Resilienz stärken. Hier ein paar Anregungen dazu:

Gesundheitsbewusste Lebensweise

Um unsere Ressourcen zu stärken, gehört es natürlich dazu, sich gesund zu ernähren, Risikofaktoren wie Alkohol, Rauchen oder Fast Food zu vermeiden und für genügend Schlaf zu sorgen. Weiterhin helfen folgende Methoden, um sich selbst wieder mit Energie aufzuladen.

Atemtechniken

In vielen traditionellen Konzepten geht man davon aus, dass der Atem (z.B. „Prana“ im Yoga) uns mit Lebensenergie versorgt. Dafür ist es wichtig, nicht durchgehend flach und schnell zu atmen (wie es oft unter Stress geschieht), sondern zwischendurch bewusst tief, lang und langsam zu atmen. Siehe auch Blogartikel „Atem – das unterschätzte Wunderwerkzeug“

Die Lunge sorgt dafür, dass genügend Sauerstoff in unsere Zellen gelangt und der Abtransport von abgelagerten Giftstoffen ermöglicht wird. Verschiedene Mediziner:innen sind davon überzeugt, dass die meisten Krankheiten vor allem entstehen, wenn die Zellen des Körpers nicht mit genügend Sauerstoff versorgt werden. Durch Atemübungen – wie sie z.B. im Yoga praktiziert werden – lässt sich dies vermeiden.

Bewegung

Bewegung ist nicht nur körperlich gesund, sondern erhöht auch die Stimmung. Sie ist das beste Ventil, um aufgestauten Stress abzubauen und Emotionen rauszulassen. Das wiederum stärkt das emotionale Wohlbefinden. Durch Sport oder Bewegung aktivierst du zunächst das sympathische Nervensystem und bringst den Körper in (positiven) Stress. Danach wird automatisch das parasympathische Nervensystem in Gang gesetzt und somit die Erholung aktiviert.

Entspannung

Unser System funktioniert am besten, wenn wir dafür sorgen, dass Aktivität und Entspannung im ausgewogenen Verhältnis stehen. Jede Form von dauerhafter Anspannung führt langfristig zu chronischem Stress und unter bestimmten Umständen auch zu Burn-Out. Um die eigenen Ressourcen wieder aufzuladen hilft alles, was uns entspannt. Das kann der Spaziergang im Wald sein, der Saunagang, aber auch gezielte Entspannungsübungen oder geführte Meditationen (siehe hier…).

Selbstwirksamkeit trainieren

Eine „hohe Selbstwirksamkeitserwartung“ ist einer der wichtigsten Resilienzfaktoren. Damit ist zum einen gemeint, dass wir imstande sind, unser Leben, unsere Stimmung und unser Glück selbst zu beeinflussen und daran zu glauben. Genauso wichtig ist es jedoch, Klarheit über die eigenen Ziele, Wünsche, Werte und Visionen zu haben. Menschen, die eine klare Vorstellung davon haben, wie sie leben wollen, lassen sich auch nicht mehr vom ständig erzählten „schneller-höher-weiter“- Märchen ablenken oder gar herunterziehen. Sie wissen, was sie wollen, was sie glücklich macht, und sie gehen selbstbestimmt ihren Weg (Unterstützung dazu findest du hier…)

Positive Innere Einstellung

Wenn wir lernen, auch unter „widrigen Umständen“ gelassen zu bleiben (siehe Blogartikel zu Gelassenheit), dann stärkt dies unsere mentale Kraft und wir schaffen es leichter, uns nicht unterkriegen zu lassen. Um dauerhaft eine positive innere Einstellung zu bewahren, ist es wichtig, unser Gehirn immer wieder in einen positiven emotionalen Zustand zu versetzen. Dies geht nicht immer per Willenskraft, aber mit einem kleinen „Trick“ – nämlich Lächeln und Lachen.

Lächeln und Lachen

Durch Lächeln und Lachen können wir anhand der körperlichen Aktivität dafür sorgen, dass unsere Stimmung sich innerhalb von kürzester Zeit verändert. Selbst wenn wir absichtlich ein Lachen initiieren – also auch dann, wenn es keinen Grund zum Lachen gibt – werden im Gehirn Glückshormone aktiviert, und wir kommen innerhalb von kürzester Zeit in eine andere Stimmung und in einen positiven Gefühlszustand. Wir können Dinge gelassener sehen und ärgern uns nicht mehr so schnell. Und ganz nebenbei profitieren wir noch von den gesundheitlichen Vorteilen des Lachens (siehe auch den Blogartikel „Lachen“).

Atem, Bewegung, Entspannung, Lachen: Der Königsweg

Wenn du diese 4 Elemente der Prävention in deinen Tagesablauf integrieren kannst – neben gesunder Ernährung, genügend Schlaf und erfüllenden sozialen Kontakten – dann reduzierst du die Gefahr eines Burnouts erheblich.

Und wenn du bewusst auf dich selbst achtest und immer wieder mal inne hältst und dich fragst, wo du stehst und was du für deine Gelassenheit tun kannst, dann wirst du schnell erkennen, falls du dich auf dem Weg in ein Burnout befinden solltest. Und du kannst gegensteuern. Dabei ist es hilfreich, wenn du Menschen in deinem Umfeld hast, die dich dabei unterstützen.

SMILE – and the World changes

Du möchtest die oben genannten Techniken lernen und sie effektiv anwenden? Du möchtest gelassener werden, deine Resilienz stärken und wieder mehr Freude und Spaß am Leben haben? Dich mit Gleichgesinnten sinnvoll austauschen? Dann komm in das SMILE-Programm und mach jetzt den Happiness Check!

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Reinhold Niebuhr

Der Ton macht die Musik – das „limbische System“ und wie wir es positiv nutzen können

Emotionale Erfahrungen bleiben hängen

Wo warst du am 11. September 2001? Sicherlich wurdest du das schon öfters mal gefragt. Und vermutlich wirst du es auch ganz genau wissen. Genauso wie du höchstwahrscheinlich wissen wirst, wo du am Tag des Mauerfalls, am 9. November 1989, warst – zumindest wenn du über 35 Jahre alt bist.

Doch kannst du dich auch daran erinnern, was du am 9. Februar 2013 gemacht hast? Ich schon: Ich habe da meinen Sohn geboren. Aber ich weiß es eben nur deshalb, weil ich an dem Datum diese höchst einschneidende und emotionale Erfahrung gemacht habe. Wenn für dich dieser Tag hingegen ein Tag wie jeder andere war, dann wirst du vermutlich nicht mehr wissen, wo du warst oder was du gemacht hast.

Warum ist es so, dass solche hoch emotionalen Erfahrungen oder gar traumatische Erlebnisse, genauso wie zutiefst glückliche Ereignisse sich so sehr in unser Gedächtnis einprägen, während wir das normale Dahinplätschern des Alltags so schnell wieder vergessen? Das hat vor allem mit unserem „limbischen System“ im Gehirn zu tun.

Falls du diesen Begriff – manchmal auch liebevoll als „Limbi“ bezeichnet – schon öfters mal gelesen hast, wundert mich das nicht. Gerne wird „Limbi“ herangezogen, um zu erklären, warum es so schwer ist, Gewohnheiten zu verändern. Der gute alte „Limbi“ steht uns nämlich oft im Weg, wenn wir versuchen, über den Verstand bestimmte Entscheidungen zu treffen oder schlechte Gewohnheiten loszuwerden. „Limbi“ sorgt so manches Mal dafür, dass wir lieber shoppen gehen als das Geld auf das Sparkonto zu bringen. Dass wir abends den Wein aufmachen, statt Tee zu kochen, und dass wir bis nachts um 3 Uhr die Netflix-Serie schauen, obwohl wir wissen, dass wir morgens um 6:00 aufstehen müssen.

Im limbischen System entstehen unsere Triebe, unsere Emotionen, unsere Süchte und leider auch Angst und Wut. Doch wir würden „Limbi“ nicht gerecht werden, wenn wir ihn einfach nur als triebhaften Suchtbolzen oder „Vernunftsverhinderer“ ansehen. Denn er ist viel mehr als nur das.

Das limbische System – mehr als nur Instinkt und Affekt

Und ja, im limbischen System entstehen Stress und Angst, wenn wir in bedrohlichen Situationen sind, oder auch Wut, wenn wir uns ärgern. Auch die sexuelle Lust entspringt dem limbischen System, aber auch alle möglichen Glückshormone werden hier produziert.

In späteren Studien der Hirnforschung hat man festgestellt, dass im limbischen System noch viel mehr Funktionen verortet sind als nur „emotionale affektive Impulse“. Hier finden nämlich auch wichtige Lernprozesse statt, und Gedächtnisinhalte werden hier abgespeichert.

Amygdala – die innere Jury

Wie entscheidet das Gehirn, was wir uns merken und im Gedächtnis abspeichern, und was wir als unwichtig abtun? Hierfür ist die Amygdala zuständig, zu deutsch „Mandelkern“. Die Amygdala ist als Teil des limbischen Systems mit verschiedenen anderen Hirnregionen verbunden und bekommt von dort aus die von außen aufgenommenen Sinnesreize als Signale gesendet. Die Amygdala nimmt all diese Signale auf, ordnet sie ein und bewertet sie – wie eine Art „innere Jury“.

Doch egal ob bei DSDS, Let’s dance oder The Voice: In der Jury sitzen immer (meistens zumindest :-)) fachkundige Menschen, die aufgrund ihrer Vorerfahrungen bewerten können, ob eine Darbietung exzellent oder grottenschlecht ist.

Bestandteile des Gehirns

Und so zieht auch das Gehirn in jeder Situation, die wir erleben, vorher gemachte Erfahrungen heran, um neue Ereignisse zu bewerten. Je nachdem, ob wir gute oder schlechte Erlebnisse hatten, bewertet es neue, ähnliche Situationen als gut, bedrohlich oder unwichtig. Hatten wir als Kind traumatische Trennungserfahrungen, so führt dies oft später in Beziehungen zu Verlustangst, während positive Bindungserfahrung uns auch in Krisen oder getrennten Phasen nicht so schnell verzweifeln lässt.

Welche Rolle spielt die Amygdala bei Stress?

Genauso ist es in Stress-Situationen. Die Situation selbst ist oft gar nicht bedrohlich. Wenn wir uns in einer wichtigen Verhandlung mit einem Kunden oder der Chefin befinden, dann ist das erstmal nur ein Gespräch. Je nach Vorerfahrung (ist ein solches Gespräch schonmal katastrophal gelaufen?) bewertet die Amygdala die Situation.

Sollte die Situation als „bedrohlich“ eingeordnet werden, folgt eine körperliche Reaktion: schweißnasse Hände, Herzrasen, Anspannung aller Muskeln. Auch unser Verhalten wird dadurch gesteuert: Möglicherweise gehen wir in die Defensive, werden emotional oder bringen kein Wort mehr heraus.

Wenn sich das Ganze jedoch als harmlos herausstellt, erfolgt Entwarnung und wir entspannen uns wieder. Wir können vielleicht sogar mit dem Gegenüber locker scherzen und selbstbewusst unsere Verhandlungsziele durchsetzen. Die innere Jury hat entschieden und somit auch unsere Reaktion geprägt.

Der Hippocampus – Datenspeicher des Gehirns

Diese innere Jury ist unverzichtbar, damit wir Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können. Das limbische System sorgt auch dafür, dass zunächst wichtige Dinge abgespeichert und selbstverständlich werden. So können wir Bewegungsabläufe wie schwimmen, Zähne putzen oder sogar Auto fahren automatisch ausführen, ohne dabei nachzudenken oder jede Bewegung einzeln zu steuern. Das haben wir einmal gelernt, das sitzt, und das verlernen wir in der Regel auch nicht wieder.

Dafür ist im limbischen System der Hippocampus zuständig. Dieser verarbeitet die Informationen aus anderen Bereichen des Gehirns und überführt alles Wichtige ins Langzeitgedächtnis. Wenn der Hippocampus geschädigt oder verkümmert ist, kann dies zu vorübergehendem oder dauerhaftem Gedächtnisverlust führen (Amnesie). Auch bei Alzheimer ist vor allem der Hippocampus die Ursache. Auch hat man festgestellt, dass Menschen mit Depressionen oder starkem emotionalen Stress ein reduziertes Hippocampus-Volumen haben. Genauso kann Epilepsie eine Folge davon sein.

Musik braucht Noten und Dirigenten – die Rolle des kognitiven Verstandes

Das limbische System ist also weder gut noch hinderlich für uns, sondern es beinhaltet eine riesige Klaviatur von Funktionen, Gefühlen und Instinkten, die alle zu unserem emotionalen Spektrum dazugehören. Dabei sind Wut, Angst und Trauer genauso ein Bestandteil wie Euphorie und Glück.

Man könnte das Ganze auch wie ein Musikstück ansehen, in dem alle Töne – auch mal Dissonanzen – anklingen, aber in der Gesamtheit ein wunderschönes und stimmiges Meisterwerk erklingt. Das wäre nicht der Fall, wenn einfach alle Töne wild durcheinander gespielt werden würden. Es funktioniert dann, wenn die Musiker Noten haben und von einer Dirigentin geführt werden.

Auf das Gehirn übertragen bedeutet das: das limbische System steht für die Töne und Emotionen, während der rationale Teil des Gehirns von der Dirigentin gesteuert wird.

Dieser rationale Teil des Gehirns ist der Präfrontale Cortex, zu deutsch die vordere Stirnhirnrinde. Hier sitzt das rationale und vernünftige Wissen, die Vorausschau, die Koordination von Zahlen und Fakten.

Emotionale vs. kognitive Prozesse im Gehirn

Wir Menschen und auch unser Gehirn sind so genial entworfen worden, dass in unserem Gehirn alle Komponenten, die wir brauchen, vorhanden sind. Ohne das limbische System wäre das Leben fad und langweilig. Im limbischen System findet das statt, was wir „Leben“ nennen, Spannung, Abenteuer, Begeisterung, Ekstase und größte Glücksgefühle! Hier spielt die Musik des Lebens!

Doch damit das nicht in Chaos ausartet, brauchen wir genauso den Verstand. Der präfrontale Cortex sorgt dafür, dass wir „vernünftig“ planen, abwägen und etwas rational betrachten können. Dabei ist nicht ein Teil besser als der andere, sondern das Zusammenspiel von beiden ist wichtig.

Gerade dann, wenn wir schlechte Gewohnheiten oder Denkweisen loslassen wollen, oder auch, um bewusst die innere Einstellung auf Freude und positive Gedanken zu trainieren, statt auf Grübeln und Jammern.

Veränderung geschieht nicht über Willenskraft

Was passiert im Gehirn, wenn wir „uns was vornehmen“? Irgendwie wissen wir ja, dass es z.B. nicht gut ist, jeden Abend Wein zu trinken oder bis in die Puppen Netflix zu schauen. Im präfrontalen Cortex können wir also rational – per Willenskraft – entscheiden, keinen Wein mehr zu trinken oder den Fernseher auszulassen. Doch gleichzeitig hat das limbische System gespeichert, dass dabei  ein Wohlfühlgefühl entsteht und kurzfristig sogar Glücksgefühle ausgeschüttet werden (vor allem Dopamin).

Vielleicht gelingt es uns ein paar Mal, bewusst den Wein wegzulassen und ganz „vernünftig“ zu bleiben. Doch die Krux dabei ist: Wenn wir unter Stress stehen, dann sorgen die beiden Stress-Hormone Cortisol und Noradrenalin dafür, dass die Funktionen des Frontalhirns – also des präfrontalen Cortex – heruntergefahren werden. Dies haben Psychologen der Ruhr-Universität Bochum herausgefunden. Das heißt, sobald wir unter Stress stehen – zum Beispiel im Job – können wir nicht mehr langfristig planen und zielgerichtet denken – nicht mehr „dirigieren“. Kein Wunder, dass wir nach einem anstrengenden Arbeitstag trotz aller guten Vorsätze wieder zum Alkohol oder den Süßigkeiten greifen. Wir haben den Kontakt zur Koordinationsstelle verloren. Wenn sie sich vorsichtig meldet, wird sie schnell mit einer Ausrede wie „das brauch ich jetzt“ oder „das gönne ich mir zum Feierabend“ besänftigt.

Die schlechten alten Gewohnheiten…

Meist können wir also nicht mit dem „Verstand“ allein – also dem präfrontalen Cortex –unsere eingeschliffenen Gewohnheiten verändern. Wir können auch umgekehrt nicht einfach mit dem Verstand beschließen, nur noch Glücksgefühle oder positive Gedanken zu haben. Wie kriegen wir es dann hin, zu unserem höchsten Wohle das limbische System und den Verstand in Einklang zu bringen? Hier hilft folgender „Trick“.

Wir können zwar nicht per Verstand beschließen, einfach gut drauf zu sein oder positiv zu denken. Aber wir können mit dem Verstand beschließen, positive emotionale Erfahrungen zu machen! Wir können bewusst Glücksmomente erschaffen und Freude kultivieren. Wir können uns jeden Tag neu über Körperaktivität, Bewegung, Meditation oder wertvolle Begegnungen in einen emotionalen Zustand der Freude versetzen. Genauso können wir schlechte Gewohnheiten zwar nicht einfach über den Verstand bleiben lassen. Aber wir können diese Schritt für Schritt durch neue gute Gewohnheiten ersetzen und positiv emotional aufladen. Zum Beispiel statt Netflix anzumachen, eine Runde um den Block gehen. Oder ein gutes Buch zur Hand nehmen.

Mit dem Verstand – also kognitiv – können wir uns außerdem bewusst dafür entscheiden, über Umwege die Produktion von Glückshormonen wie z.B. Serotonin anzuregen und deren Ausschüttung zu unterstützen. Hier ein paar konkrete Anregungen dafür.

Drei Tipps, um „Limbi“ zu begeistern

 1. Biete ihm immer etwas Spannendes!

Das limbische System liebt es, Neues zu lernen. Wenn sich ein neuer Inhalt nach einer gewissen Zeit ins Gedächtnis eingepflanzt hat (z.B. Auto fahren, schwimmen, ein Smart Phone bedienen), wird dies zum Automatismus und somit für das limbische System „langweilig“. Dann dürfen neue Erfahrungen kommen, um das limbische System lebendig zu halten. Also sorge immer wieder dafür, dass du ungewöhnliche, anregende und inspirierende Erfahrungen machst oder auch immer wieder neue, spannende Dinge dazulernst.

„Um herauszufinden, was in dir steckt, ist es wichtig, großes und freies Denken zu trainieren. Jeden Tag. Großes Denken heißt, außerhalb der von dir selbst oder anderen vorgegebenen Überzeugungsboxen zu denken.“ Veit Lindau

2. Kultiviere aktiv Momente der Freude

Wenn wir darauf warten, dass ein äußeres Ereignis Freude auslöst, dann funktioniert das nur selten. Ein besserer Weg ist es, bewusst Aktivitäten der Freude auszuführen und dadurch „automatisch“ im Gehirn Freudeprozesse und somit die Glückschemie auszulösen.

Dazu gehören Lachen, Tanzen, Singen, albern sein, aber auch eine Umarmung, ein Kompliment machen, ein gutes Gespräch, jemandem eine Freude bereiten. Hier kommt uns die Erkenntnis über die „Neuroplastizität des Gehirns“ zugute. Wenn das limbische System mit Erfahrungen von Freude, Glück, Geborgenheit etc. gefüttert wird, dann speichert es diese als positive emotionale Erfahrungen im Gedächtnis ab. Das heißt nicht, dass wir nie wieder wütend oder traurig sind. Aber Erfahrungen und Gefühle der Freude werden immer leichter und schneller abrufbar.

3. Iss dich glücklich!

Wusstest du, dass 90% des körpereigenen Glückshormons Serotonin nicht im Gehirn, sondern im Darm produziert werden? Von dort aus werden sie dann über den Vagusnerv zum Gehirn gesendet. Die Produktion von Serotonin im Darm geschieht durch die sogenannten „Enterochromaffinen Zellen“ (EC-Zellen), die wiederum durch unzählige mikrobiotische Bakterien unterstützt werden. Die Ansammlung all dieser Bakterien nennt man „Mikrobiom“ oder auch „Darmflora“. Durch probiotische Ernährung können wir das Mikrobiom im Darm stärken und intakt halten.

Dies sind zum Beispiel fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut, Jogurt, Apfelessig, Sauerteigbrot oder die japanische „Misosuppe“. Weiterhin gibt es auch bestimmte probiotische Käsesorten, wie zum Beispiel Cheddar Cheese, Gouda oder Mozzarella.

Auch „präbiotische Lebensmittel“ stärken das Mikrobiom, da die „guten Bakterien“ sich von diesen ernähren. Das sind zum Beispiel Ballaststoffe, Wurzelgemüse (Karotten), Gemüse (Chicorée, Tomaten, Spargel) und sogar Bananen. Weiterhin zählen dazu Zwiebelgewächse (Lauch, Porree, Knoblauch) sowie Hülsenfrüchte und Getreide.

Kurzum: Wenn du diese Zutaten in deinen Speiseplan einbeziehst, förderst du die Produktion von Serotonin und befeuerst das limbische System mit positiven Emotionen, die in deinem Gedächtnis abgespeichert werden können.

Ich wünsche dir viel Spaß damit! Natürlich ist dieser Blogartikel ist nur ein kleiner Erklärungsversuch komplexer Prozesse, über die es ganze wissenschaftliche Fachbücher und Abhandlungen gibt und die noch lange nicht auch nur ansatzweise erforscht oder erklärt sind.

Aber ein Grundbewusstsein davon kann uns helfen, den Kreislauf von Gedanken – Gefühlen – Handlungen – Erfahrungen und Bewertungen ein bisschen bewusster zu steuern und zu unserem Besten zu beeinflussen.

„Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. 


Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. 


Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. 


Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. 


Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.“

scheitern

Erfolgreich scheitern – wie geht das?

Diesen Blogartikel schreibe ich schonmal vorsorglich, denn es könnte sein, dass ich demnächst scheitere. Nein, es könnte nicht sein, es wird früher oder später so sein! Ich hoffe natürlich auf eher später als früher. In diesem Fall geht es um den Speaker Wettbewerb, zu dem ich mich angemeldet habe. Ich dachte mir einfach, ach, sende mal ein Video ein, versuchen kannst du es ja mal.

Erst als es dann an die ersten Ausscheidungsrunden ging, wurde mir klar: Hilfe, ich kann ja jederzeit scheitern! Dann kamen Gedanken wie „Oje, dann blamiere ich mich ja total! Was sollen die Leute bloß denken, wenn ich sie alle mobilisiere und dann mit Pauken und Trompeten scheitere?“ Plötzlich habe ich mich völlig unter Erfolgsdruck gefühlt, obwohl doch alles einfach leicht und locker sein sollte. Ein kleiner Spaß nebenbei.

Nur wer es nie versucht, kann nicht scheitern

Doch plötzlich wurde mir auch mehr denn je klar: Die einzige Möglichkeit, nicht zu scheitern wäre, es gar nicht erst zu versuchen! Doch was passiert, wenn wir nie irgendetwas versuchen?

  • Wir gehen nie eine Beziehung ein, denn sie könnte ja scheitern
  • Wir erleben nie etwas Neues, denn es könnte ja schiefgehen
  • Wir verwirklichen niemals einen Lebenstraum oder auch nur irgendein Projekt, da es ja sein könnte, dass es im Sande verläuft
  • Wir starten nie einen Kurs oder eine Ausbildung, weil wir ja mittendrin aufgeben könnten.

Kurzum: wir würden im besten Falle ein vorhersehbares, seichtes, dahinplätscherndes Leben führen, bei dem wir völlig unter unseren Möglichkeiten bleiben und niemals die Beziehung, die Berufung oder den Lebenstraum finden könnten, die für uns bestimmt sind! Im schlimmsten Falle würden uns trotzdem im Leben Schicksalsschläge und Krisen begegnen – denn die totale Sicherheit gibt es einfach nicht!

Dann doch lieber ab und zu mal scheitern, oder? Und das Geniale dabei: Je öfter wir scheitern, umso größer die Wahrscheinlichkeit, dass wir unsere Ziele und Träume erreichen und umsetzen! Es kommt also gar nicht darauf an, nicht zu scheitern, sondern im Gegenteil so oft zu scheitern, bis wir erfolgreich sind!

Scheitern will gelernt sein

Doch wir haben es so eben nie gelernt: Mein Sohn lernt in der Schule immer noch, dass eine Zwei gut ist und eine Vier schlecht, und dass man es nur mit Zweien auf das Gymnasium schaffen kann. Wäre es nicht schön, wenn eine „schlechte Note“ einfach als ein weiterer Schritt zum Erfolg gesehen werden könnte? Das fällt selbst mir als Mama noch schwer. Generell fällt es uns offenbar schwer, „richtig“ zu scheitern. Gerade in Deutschland herrscht immer noch die Grundeinstellung, dass man auf keinen Fall scheitern darf.

Eine Studie der Universität Hohenheim (Andeas Kuckertz, Christoph Mandl und Martin P. Allmendinger) hat herausgefunden: 42 Prozent der Deutschen sind der Meinung: „Man sollte kein Unternehmen gründen, wenn das Risiko des Scheiterns besteht.“ Und wenn es dann doch mal passiert, dann spricht man lieber nicht drüber: Scheitern ist hier ein Tabu-Thema. Schaut man dagegen in die USA, dann hat Scheitern dort eine ganz andere Bedeutung: All die Ideen, die im Silicon Valley tagtäglich neu hervorsprießen, haben vor allem deshalb eine Chance, weil sie das mögliche Scheitern mit einkalkulieren.

Scheitern scheint also eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg zu sein. Also gilt doch viel eher:

Es geht nicht darum, nicht zu scheitern, sondern auf die richtige Art zu scheitern!

Vier Anregungen, um erfolgreich zu scheitern

Wie können wir also nicht nur scheitern, sondern „erfolgreich“ scheitern? Hier ein paar Anregungen dazu:

  1. Das Geschenk im Scheitern sehen

In der Resilienzforschung hat man erkannt: Es geht nicht darum, weniger Probleme oder Krisen im Leben zu haben. Resilient sind die Menschen, die mit Problemen, Krisen – und eben auch Scheitern – gut und konstruktiv umgehen können. Wer nach einmal Scheitern resigniert und nie wieder etwas versucht, wird immer unzufriedener werden. Doch wer immer wieder aufsteht und weiß, dass es ihn oder sie nicht umhaut, wird keine Angst mehr vor dem Scheitern haben. Der Autor Charles R. Swindoll sagt dazu: „Leben ist zu 10 Prozent was passiert und zu 90 Prozent wie wir reagieren.“ Wir haben immer die Möglichkeit, zu wählen: ob wir uns als Opfer sehen, die halt immer Pech haben, oder ob wir in jeder Krise, in jedem Scheitern, auch ein Geschenk sehen können. Mit jedem Scheitern wachsen wir.

Osho sagte mal dazu: „Wenn du die Wahl hast, entscheide dich immer für das Neue, Unbekannte. Selbst wenn du dabei leidest, wirst du daran wachsen und lernen.“

  1. Wenn dein Pferd tot ist, steige ab

Manchmal kann die Angst vor dem Scheitern jedoch auch dazu führen, dass wir zu verbissen an einem bestimmten Projekt oder einer Aufgabe festhalten – selbst wenn die Aussicht auf Erfolg nur noch gering ist. Dann kommt irgendwann der Punkt, an dem wir nur noch Zeit und Ressourcen verschwenden. Die Kunst ist es, zu erkennen, wann es sich lohnt, dranzubleiben und wann wir es besser sein lassen sollten.

Viele Menschen halten zum Beispiel an Beziehungen fest, die längst tot sind – wegen der Kinder, wegen des Hauses oder aus Angst vor dem allein sein. Vielleicht auch, weil sie sich das „Scheitern“ ihrer Beziehung nicht eingestehen wollen.

Umgekehrt habe ich in meiner Selbständigkeit immer wieder Momente gehabt, in denen ich fast aufgegeben hätte. Doch irgendwie wusste ich innerlich immer, dass dies mein Weg ist. Also habe ich weitergemacht. Heute bereue ich es nicht. Trotzdem scheitern auch immer wieder einige meiner Ideen und Projekte, die ich anstoße, oder sie verlaufen im Sande.

Stelle dir also immer die Frage: kann das Pferd  – das Projekt, die Beziehung, das Produkt – noch reanimiert werden, oder sollte man hier lieber keine Zeit und Herzblut mehr verschwenden? Und wenn das Pferd tot ist, dann steige würdevoll ab und sieh es als weitere Lernerfahrung.

  1. Nach vorne schauen, nicht nach hinten

Als ich damals meinen Job verloren habe, habe ich mir sehr lange den Kopf zermartert mit Fragen wie: Was hätte ich anders machen können, was habe ich falsch gemacht, was wäre wenn…? Klar, eine klare Analyse und die ungeschönte Betrachtung der „Lessons learned“ sind wichtig. Aber dann gilt es auch wieder, nach vorne zu schauen und das Gelernte auf neue Ideen und Projekte anzuwenden. Und nein, es ist nicht unser „Schicksal“, immer wieder zu scheitern. Viel zu lange habe ich das damals geglaubt.

Mach mal eine Bestandsanalyse und schreibe dir auf, wobei du gescheitert bist und was du erfolgreich gemeistert hast. Ich bin mir sicher, dass du vieles finden wirst, bei dem du erfolgreich warst. Schreibe die Liste mindestens so lang, bis du mehr Erfolgserlebnisse als Niederlagen gefunden hast! Und vielleicht sind ja auch aus einigen „Niederlagen“ am Ende Erfolgserlebnisse geworden?

  1. Scheitern trainieren

Vermeide nicht das Scheitern, sondern ändere deine Einstellung dazu. Auch hierzu hat Osho etwas gesagt, was ich sehr passend finde:

„Mache so viele Fehler wie möglich. Aber mache jeden Fehler nur einmal.“

Mit „Scheitern trainieren“ meine ich nicht, ständig was Neues anzufangen und es sofort wieder hinzuschmeißen, wenn es mal nicht so glatt läuft wie erwartet. Sondern damit meine ich, den Mut aufzubringen, Neues zu wagen, Herausforderungen anzunehmen, auch wenn du scheitern könntest. Also dranzubleiben, das Beste zu geben, dein Herzblut hinein zu geben und nicht sofort aufzugeben. Und gleichzeitig immer wieder zu prüfen: Werden die Samen, die ich säe, aufgehen? Ist die Freude, die ich daran habe, noch größer als die Anstrengung? Brenne ich noch so sehr dafür, das ich auch mühselige Phasen gut überstehe? Und wie schaffe ich es, die Begeisterung zu halten und motiviert zu bleiben?

Wenn du keine Angst mehr vor dem Scheitern hast, dann stehen dir alle Türen offen. Ich wünsche dir viel Erfolg beim Scheitern!

„Ich kann scheitern akzeptieren. Jeder scheitert bei etwas. Aber was ich nicht akzeptieren kann ist, es nicht versucht zu haben.“ Michael Jordan

Glückshormone

Glück beginnt im Gehirn – Glückshormone und ihre Wirkung

Sommerzeit ist Urlaubszeit – zahlreiche Menschen strömen nach zwei Jahren Coronapause an die Flughäfen, um endlich wieder in die Ferne zu reisen und Urlaub zu machen. Vielleicht mit einem Cocktail am Pool oder Strand zu liegen und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Doch die Realität sieht derzeit noch anders aus: Menschenmassen an den Flughäfen, Sicherheits- und Check-In-Chaos, überfüllte Züge, teure Benzinpreise und wenn man es dann zum Urlaubsort schafft, ist auch nicht immer alles so perfekt, wie man sich das vorstellt.

Dabei geht es uns doch im Urlaub vor allem um eins: wir wollen uns wohl fühlen, glücklich und unbeschwert sein und einfach mal das tun, worauf wir Lust haben. Vielleicht Abenteuer und Action, vielleicht Nichtstun, vielleicht Gemeinschaft mit der Familie erleben.

Welcher Urlaubstyp bist du?

Wäre das nicht schön, wenn das auch ohne die beschwerliche Anreise ginge? Wenn du dir einfach dein körpereigenes Glückscocktail erzeugen und zusammen mixen könntest? Ohne einen ewigen Flug in die Ferne, teures Luxusresort oder nervige Animation? Die gute Nachricht: ja, das geht! Meist reichen ein paar kleine Aktivitäten schon aus, um dich in das „Urlaubsgefühl deiner Wahl“ zu versetzen.

Denn wie wir uns fühlen, entscheidet sich im Gehirn. Je nachdem, was wir gerade erleben, werden bestimmte Botenstoffe aktiviert und über die Synapsen an das Gehirn weitergeleitet. Hier wird das entsprechende Gefühl dazu erzeugt – vielleicht Wohlbefinden, Begeisterung, ein Glücksgefühl oder auch ein „Kick“. Im Folgenden findest du einen Überblick über die verschiedenen Glückshormone, wie sie wirken und wie du sie aktivieren kannst. Vielleicht bekommst du auch eine Idee davon, welcher dieser Urlaube dir am besten entsprechen würde. Und wie du die Gefühle dazu auch ohne die Reise erzeugen kannst.

Dopamin – Genuss pur, Herausforderungen meistern

Wie wäre es mit einem Urlaub in Italien – leckeres Essen, guter Wein, Dolce Vita? Dazu vielleicht ab und zu eine kleine Herausforderung, wie mit Händen und Füßen im Café einen Espresso bestellen? Oder dich mit dem Mietwagen durch den chaotischen Verkehr schlängeln, während alle um dich herum hupen und wild gestikulieren? Mamma Mia, dieses Land kann süchtig machen!

Genauso ist es mit dem Botenstoff Dopamin. Es wird dann aktiviert, wenn wir etwas Leckeres essen, schlemmen und genießen. Aber auch, wenn wir ein Projekt erfolgreich beendet oder eine Herausforderung gemeistert haben.

Dopamin fördert die Durchblutung der inneren Organe und erzeugt ein lebendiges Wohlgefühl. Es regt die Herz- und Nierenfunktion an und verbessert die kognitiven Funktionen. Dopamin stärkt die Feinmotorik und das Koordinationsvermögen. Nicht ohne Grund wird dem Dopamin dieser gewisse Suchtfaktor zugeschrieben, der vor allem durch den „Belohnungseffekt“ entsteht. Hast du es schonmal erlebt, dass du dich zu etwas überwinden musstest – zum Beispiel vom 3-Meter-Brett springen – und es direkt danach gleich wieder tun wolltest? Genau das passiert, wenn wir mit Dopamin vollgepumpt sind. Doch wir müssen nicht mal nach Italien fahren oder irgendwo runterspringen, um den Dopamin-Effekt zu erleben.

Wie lässt sich Dopamin aktivieren?

  • Bewegung an der frischen Luft
  • Lecker essen und trinken – genießen
  • Sich kleine Herausforderungen vornehmen
  • Erfolge feiern

Serotonin – entspannen, aufladen, wohlfühlen

Hättest du mal Lust auf einen richtig schönen Wellness-Urlaub? Mit Yoga und Meditation, tagsüber gechillt in der Sonne liegen, zwischendurch etwas Fahrrad fahren, Stand-Up-Paddeln oder Beachvolleyball spielen?

In dem Fall würdest du deinem Serotonin-Haushalt eine große Freude machen. Serotonin ist das Gute-Laune-Hormon schlechthin und auch als Stimmungsaufheller bekannt. Es reguliert das Herz-Kreislauf-System und senkt das Schmerzempfinden. Es wirkt ausgleichend und entspannend, stärkt unsere Stressresistenz und verschafft uns mehr Elan und Motivation. Insgesamt verbessert es unser Wohlbefinden und die allgemeine Stimmung.

Das Serotonin-Level lässt sich erhöhen durch

  • Bewegung an der frischen Luft
  • In der Sonne relaxen
  • Meditation und Entspannung
  • Folsäure oder Vitamin B (z.B. in Milchprodukten, Cerealien oder Hülsenfrüchten enthalten)

Übrigens: einen Urlaub genau dieser Art findest du auf den Happiness Yoga Ferien…

Endorphine – Energie anheben, Begeisterung entfachen

Stell dir vor, du machst einen richtig lustigen Städtetrip mit deinen besten Freundinnen – zum Beispiel nach London. Ihr habt jede Menge Spaß zusammen, nascht ohne Reue Schokopralinen und lacht euch über jede Kleinigkeit schlapp. Ihr schaut euch abends lustige Filme oder Comedy Shows an und tanzt danach wie im Rausch die ganze Nacht durch. Die wundern Füße in den High Heels und die Erschöpfung der durchgefeierten Nächte bemerkst du nicht einmal. Denn deine Endorphine tanzen vor Begeisterung gleich mit.

Diese Glückshormone lassen jedwedes Erschöpfungssymptom verschwinden. Sie versetzen uns in Euphorie und wirken wie ein natürliches Schmerzmittel, indem sie verhindern, dass Schmerzreize weitergeleitet werden. Endorphine (Kurzform von „endogene Morphine“) stärken die Motivation, erhöhen deine Energie und versetzen dich in eine Art Rauschzustand. Die Stimmung verbessert sich und die sexuelle Lust erhöht sich. Auch ohne teure Wochenendtrips lassen sich

Endorphine aktivieren, zum Beispiel durch:

  • Sport
  • Abtanzen nach deinem Lieblingssong
  • Comedy anschauen
  • Lachen- zum Beispiel mit Lachyoga

Oxytocin – kuscheln und sich verbunden fühlen

Träumst du davon, den Winter mal in einem schönen, gemütlichen Chalet in den Bergen zu genießen? Drinnen mit der Familie und dem Hund gemütlich vor dem Kamin zu sitzen, während draußen der Schneesturm tobt? Bei Kerzenlicht Spiele zu spielen und das Beisammensein und die Harmonie zu genießen? Deinen Kindern heißen Kakao zu machen, ihnen abends liebevoll Gute-Nacht-Geschichten vorzulesen, um dich danach mit deinem Liebsten aufs Sofa zu kuscheln? Dann kannst du gewiss sein, dass hier Oxytocin im Spiel ist.

Oxytocin ist dafür zuständig, dass wir uns verbunden fühlen. Es reduziert Angst, Stress und Aggressivität und lässt uns Treue, Liebe und Empathie empfinden. Dieses Hormon stärkt unser Vertrauen und fördert die soziale Kompetenz. Es wird schon während der Geburt eines Kindes ausgeschüttet und sorgt dafür, dass die Bindung zwischen Mutter und Kind gestärkt wird, aber auch die zu anderen Menschen. Es wird durch Umarmungen, kuscheln und auch nach dem Sex aktiviert. Für Menschen, sie sich nach einem One-Night-Stand lieber aus dem Staub machen wollen, ist dieses Hormon also eher kontraproduktiv. Doch auch ohne Familienharmonie oder Chalet in den Bergen gibt es

Möglichkeiten, um das „Kuschelhormon“ zu aktivieren:

  • Jemandem ein Kompliment machen
  • Einen Menschen umarmen
  • Kuscheln – oder auf eine Kuschelparty gehen
  • Ein Tier streicheln
  • Gemeinsam singen

Noradrenalin / Adrenalin – Abenteuer erleben

Du stehst nicht auf Familienharmonie, sondern mehr auf Action und Abenteuer? Du möchtest im Urlaub Wildwasser raften, Fallschirm springen, Bungee jumpen, paragliden oder an steilen Felswänden hochklettern? Dann brauchst du definitiv den berühmten Adrenalinkick!

Aber Achtung: Adrenalin sorgt nicht nur für den ultimativen Kick, sondern ist auch ein Stresshormon. Auch wenn es für positiven Stress steht, sollte es nicht in Überdosis und dauerhaft aktiviert sein. Erholungsphasen nach dem Adrenalinkick sind unabdingbar. In der richtigen Dosis eingesetzt kann Adrenalin jedoch Wunder bewirken. Es steigert die Motivation, erhöht die geistige Leistungsbereitschaft und sorgt für Wachheit und Aufmerksamkeit. In brenzligen Situationen lässt es uns sofort handeln und blitzschnell entscheiden: Kampf oder Flucht. Es verschafft uns Mut, neue Dinge anzugehen. Neben den oben genannten Abenteuer-Aktivitäten können wir folgendermaßen

den Adrenalinkick erzeugen:

  • Kleine Herausforderungen meistern
  • Etwas Neues, Ungewöhnliches tun
  • Stresssituationen managen oder etwas organisieren

Phenethylamin – der Verliebtheits-Kick

Und hier noch die Urlaubs-Krönung zum Abschluss – deine Flitterwochen! Egal ob nach deiner Hochzeit oder einfach so – vielleicht hast du dir immer mal so einen richtigen Liebesurlaub gewünscht, zum Beispiel auf den Malediven oder Bali? Ihr seid frisch verliebt, könnt die Hände nicht voneinander lassen, verbringt den ganzen Tag im Bett und geht allenfalls mal kurz zum Schnorcheln oder Essen raus? Dann hat euch vermutlich das „Lusthormon“ Phenethylamin (auch PEA genannt) fest im Griff.

Dieses sorgt dafür, dass wir die berühmten „Schmetterlinge im Bauch“ spüren, oder auch kribbeln und Herzklopfen. Wir haben durchgehend gute Laune, lassen uns von nichts unterkriegen und erleben immer wieder berauschende Glücksgefühle. Das Lustlevel ist hoch und wir könnten den ganzen Tag im Bett verbringen – natürlich zu zweit. Die Welt da draußen ist unwichtig, wir leben nur noch in unserem eigenen Universum. Da liegt es auf der Hand, wann das Hormon zum Einsatz kommt und

wie wir Phenethylamin aktivieren können:

  • Verliebt sein!
  • Sex haben
  • Marathon laufen

Doch: so schön die Verliebtheit auch ist, die Nebenwirkungen von diesem Hormon können langfristig große Nachteile haben. Der Rausch der Verliebtheit ist nämlich verbunden mit Konzentrationsstörungen, einem unruhigen Gefühl und möglicherweise Schlafstörungen. Vielleicht kannst du dich daran erinnern, dass es im Verliebtheits-Zustand sehr schwer war, einen klaren Kopf zu behalten oder dich auf die Arbeit zu konzentrieren? Kein Wunder, dass die Natur es so eingerichtet hat, dass wir nicht dauerverliebt durchs Leben rennen.

Es gibt aber auch eine Möglichkeit, sich den Kick dieses Hormons wohldosiert und punktuell zu verschaffen. Phenethylamin ist nämlich auch verantwortlich für das so genannten „Runner’s High“, das sich einstellt, wenn wir länger laufen oder Ausdauertraining machen. Also ab in die Turnschuhe und raus zum Training! Die nächste Verliebtheit kommt bestimmt.

Mixe dir dein persönliches Glückscocktail

Die hier beschriebenen Wirkungen und Auslöser der Botenstoffe sind natürlich nur Tendenzen, von denen sich viele überschneiden. Am Ende ist es immer die richtige Kombination aus verschiedenen Hormonen, die dafür sorgt, dass du gute Laune hast, begeistert bist oder dich glücklich fühlst. Ich hoffe, dass das Wissen um diese Hormone und deren Wirkung dir hilft, manche Lebenssituationen besser zu verstehen und möglicherweise gegenzusteuern.

Und wenn du gerade mal nicht in deinem Lieblingsurlaub bist: du kannst auch im Alltag bewusst den Fokus auf die Aktivitäten richten, die dein Glücks- und Wohlfühlgefühl befördern. Ein paar Dinge helfen immer: Bewegung an der frischen Luft, Gemeinschaft mit lieben Menschen und jede Menge lachen!

Wenn es dann doch mal ein richtiger Urlaub sein soll, dann findest du den genialen Glückscocktailmix auf den Happiness Yoga Ferien – sei dabei und schalte ab, tanke dich wieder auf, halte inne und richte dich neu aus!

Viel Spaß dabei und Namasté

Angela

Gelassenheit als Glücksgarant: Neun Anregungen, um souverän zu bleiben

Stell dir vor, du sitzt im ICE auf dem Weg zu einem wichtigen Termin. Dann hält der Zug mitten in der Walachei an und es kommt eine Durchsage: „20 Minuten Verspätung wegen unvorhergesehener Bauarbeiten.“ Aus den 20 Minuten werden 40 Minuten, dann eine Stunde. Du wirst langsam nervös… und nervöser… kommt dir das bekannt vor?

So ist es mir neulich ergangen auf dem Weg zu einem Workshop, zu dem ich unbedingt pünktlich sein musste. Die Verspätung wurde immer länger und ich mit jeder Durchsage nervöser. Klar hatte ich genügend Puffer eingeplant, aber ich wusste aus Erfahrung, dass bei der Bahn so manches passieren konnte (wobei ich mich eh fragte, wie Bauarbeiten „unerwartet“ auftreten konnten, wenn nicht gerade ein Hurricane durch das Land wehte – oder Schneesturm – oder Wüstensand – na gut…). Irgendwann fuhr der ICE zum Glück weiter, und ich kam gerade noch rechtzeitig zum Workshop. Ähnliches trug sich auf der Rückfahrt zu. Wieder begann die Verspätung erst mit nur 20 Minuten (machen die das absichtlich, um den „Ärgerpegel“ bei den Leuten niedrig zu halten?), am Ende kam ich wieder eine ganze Stunde später an als geplant. In dem Fall war ich jedoch relativ entspannt, denn ich wusste ja, dass kein wichtiger Termin mehr anstand. Ob ich nun eine Stunde später zu Hause ankam, war nicht ganz so entscheidend. Die fast gleiche Situation hatte also ein sehr unterschiedliches Potenzial dazu, mich aus meiner Gelassenheit zu bringen.

Gelassen bleiben lohnt sich

Warum können über manche Dinge easy peasy hinwegsehen, während uns andere Situationen auf die Palme bringen? Warum bleiben in ein- und derselben Situation die einen ruhig und andere rasten aus? Und müssen wir überhaupt immer gelassen bleiben? Ist es nicht manchmal sogar gut, den Ärger „rauszulassen“, statt runterzuschlucken? Warum bestimmte Situationen uns „triggern“, kann viele Gründe haben. Vielleicht wurden unsere Werte verletzt, vielleicht hat jemand uns provoziert, vielleicht fühlen wir uns hilflos den Umständen ausgeliefert. Manchmal geschehen auch Dinge, die braucht kein Mensch. Diesen Blogartikel zum Beispiel hatte ich gerade fertig geschrieben, in einer Spätschicht. Als ich am nächsten Morgen die Datei wieder öffnen wollte, da war sie weg. Einfach weg! Der Name der Datei sprang mir zwar entgegen unter „zuletzt verwendet“, aber ich konnte nicht darauf zugreifen. Jeder Wiederherstellungsversuch war vergeblich. Welch eine Ironie, dass mir dies gerade beim Blogartikel zum Thema „Gelassenheit“ passiert! Ich hätte hochgehen können, schreien, toben, stampfen. Aber was nützt es – dadurch taucht die Datei auch nicht wieder auf.

Und irgendwo tief in mir drin wusste ich: Es lohnt sich, gelassen zu bleiben. Der Schaden ist oft größer, wenn wir uns von unseren Emotionen davon tragen lassen, als wenn wir besonnen und lösungsorientiert bleiben. Intuitiv handeln ist gut – impulsiv nicht (siehe auch Artikel zu „Emotionale Intelligenz„). Was ist der Unterschied? Intuitiv handeln bedeutet, kurz innezuhalten, auf die „innere Stimme“ zu hören, vielleicht auch die Perspektive zu wechseln und dann von Herzen her zu agieren. Impulsiv sind wir dann, wenn wir unsere Emotionen – egal welcher Art – nicht mehr unter Kontrolle haben und diese womöglich auf eher nicht konstruktive Weise zum Ausdruck bringen.

Die Vorteile von Gelassenheit

  • Gelassene Menschen haben mehr Handlungsspielraum und sind sich immer dessen bewusst, dass sie einer Situation nicht hilflos ausgeliefert sind (siehe auch Blogartikel zu Selbstwirksamkeit…)
  • Sie sind empathischer und haben deshalb auch bessere Beziehungen – wer will schon Menschen um sich haben, die bei jeder Kleinigkeit hochgehen?
  • Gelassene Menschen sind optimistischer und glauben daran, dass es immer eine optimale Lösung geben wird.
  • Gelassene Menschen können auch in brenzligen Situationen ruhig bleiben und lösungsorientiert handeln. Sie sind dementsprechend auch leistungsfähiger.

Kurzum: gelassene Menschen sind glücklicher und erfolgreicher!

Die Bewertung ist entscheidend

Doch warum sind manche Menschen wie ein Fels in der Brandung und andere wie ein brodelnder Vulkan, der jederzeit ausbrechen könnte? Ist das Veranlagung – oder einfach Glückssache? Und: Können wir etwas für unsere Gelassenheit tun? Die gute Nachricht: die Frage, ob wir etwas gelassen sehen können oder nicht, hängt gar nicht so sehr von der Situation selbst ab. Sondern eher davon, wie wir diese bewerten (siehe auch Blogartikel zum Thema „Mindset“). Denn alles – jede Kleinigkeit, jedes Ereignis, das wir erfahren und erleben – durchläuft in unserem Gehirn einen Einordnungs- und Bewertungsprozess. Der amerikanische Emotionspsychologe und bekannte Stressforscher Richard Lazarus hat aufgrund zahlreicher Studien festgestellt, dass Menschen ein- und dieselbe Stress-Situation sehr unterschiedlich bewertet haben. Er hat auf der Basis all dieser Erkenntnisse das „transaktionale Stressmodell“ entwickelt. Dieses hilft uns verstehen, warum und wann bestimmte Situationen uns „triggern“ und an welchen Stellen wir etwas verändern können.

Du fühlst dich getriggert? Das passiert im Gehirn

Alles beginnt mit der Wahrnehmung einer bestimmten Situation durch unsere Sinnesreize. Jede Sekunde prasseln unendlich viele davon auf unser Gehirn ein – 11 Millionen Bits, heißt es. Das Gehirn nimmt jedoch nur einen Bruchteil davon bewusst auf – nämlich nur 40 Bits. Das ist auch gut so, denn sonst würden wir aufgrund von kontinuierlicher Informationsüberflutung schier verrückt werden. Um bei dem Beispiel Bahndurchsage zu bleiben: Ich höre die Durchsage, nehme die Inhalte wahr und es beginnt im Gehirn zu arbeiten. Alle anderen Reize sind in dem Moment ausgeblendet: der Regenschauer draußen, der Lebewurstbrotgeruch am Tisch gegenüber, das Geschrei eines Babys weiter hinten oder das Streitgespräch des Mannes, der vor mir sitzt, am Telefon.

Primäre Bewertung

Nun entscheidet das Gehirn, ob die Situation eine ernsthafte Bedrohung oder Gefahr darstellt oder nicht. Lazarus nennt es „primäre Bewertung“. Ist das hier gerade lebensgefährlich? Oder gar nicht relevant? Vielleicht sogar positiv zu bewerten? So ist eine verspätete Bahn zwar erstmal Stressfaktor. Aber wenn ich mit einer Gruppe netter Menschen zu einem Ausflug unterwegs bin und wir an der Fahrt an sich schon Spaß haben, wäre es vielleicht etwas anderes. Nur wenn mich das Ganze nervös macht, springen die Alarmsysteme im Gehirn auf die nächste Stufe, nämlich die „sekundäre Bewertung“ nach Lazarus.

Sekundäre Bewertung

Selbst wenn die Situation nun also brisant ist, bedeutet das noch lange nicht, dass die Gelassenheit dahin ist. Dann rattert das Gehirn weiter und überprüft: habe ich die Ressourcen, um die Situation zu managen? Habe ich möglicherweise schon einmal ähnliche Dinge gut gemeistert? Ist das, was passiert, wirklich bedrohlich oder komme ich damit klar? In meinem ICE-Beispiel wäre es vielleicht die Frage: kann ich damit leben, wenn ich den Workshop aufgrund er Verspätung absagen muss? Wenn dies vom Gehirn als Bedrohung eingeordnet wird, dann werden Alarmsignale an den Körper gesendet und der Stressmechanismus in Gang gesetzt. Schweiß bricht aus, der Herzschlag wird schneller, der ganze Körper wird aktiviert, um schnell zu reagieren auf – ja, was? Kampf gegen den Schaffner? Flucht aus dem Fenster? Kaum möglich! Also entweder den Schaffner anschreien (auch nicht empfehlenswert) oder sich wieder beruhigen.

Bewältigung

Hier ist die Frage: schlucke ich den Ärger runter, damit er in mir weiterköchelt? Oder finde ich gute Möglichkeiten, um Emotionen rauszulassen und verlorene Energie wieder aufzuladen? Dies nennt man dann in der Stressforschung „Coping-Strategie“ (siehe auch Blogartikel zum Thema „Resilienz“). Also die Frage, wie gut wir solche „Trigger-Situationen“ meistern. Wenn alles hier gut läuft, dann speichert mein Gehirn die Situation als „gut gemeistert“, eine Neubewertung findet statt, und so kann ich auch in künftigen ähnlichen Situationen gelassen bleiben. Komme ich jedoch nicht mit alldem klar, wird ein „Stress-Kreislauf“ in Gang gesetzt. Der wiederholte Stress sammelt sich an, der Körper ist nicht imstande, diesen aufzufangen und das Gehirn setzt eine Warnung nach der anderen ab. Auf Dauer endet das in körperlichen oder mentalen Stress-Symptomen und im schlimmsten Falle in psychischen Krankheiten.

Neun Anregungen, um gelassen zu bleiben

Wie können wir also auch dann gelassen bleiben, wenn vermeintlich alles schief läuft? Oder wenn ein Mitmensch uns triggert, provoziert oder mit seinem Verhalten verletzt? Wichtig ist zunächst die Erkenntnis: du bist einer Situation oder einem Menschen nie hilflos ausgeliefert. Wir können immer selbstbestimmt handeln und reagieren. Sich dies immer wieder bewusst zu machen, ist der erste Schritt zu mehr Gelassenheit. Weiterhin möchte ich hier noch ein paar weitere Anregungen mit dir teilen, um gelassener zu bleiben und auch zu werden. Denn du kannst auf verschiedenen Ebenen agieren und reagieren, wenn ein Ereignis droht, dich auf die Palme zu bringen.

Was tun bei akutem Trigger-Alarm? Mögliche Sofortmaßnahmen

1. Durchatmen – der Zug hat Verspätung? Du stehst im Stau? Dein Kind ist bockig? Einmal tief ein- und ausatmen kann Wunder bewirken. Wenn dein Herz rast, dann kannst du dies willentlich nicht stoppen. Aber mit entsprechenden Atemübungen kannst du dein gesamtes System beruhigen und wieder eine gute Basis finden, um die Kontrolle zu behalten und wieder handlungsfähig zu werden (siehe auch „Wunderwerkzeug Atem„).

2. Schweigen – dein Kollege hat immer wieder eine kleine Spitze für dich parat oder trifft deine verbale Schwachstelle? In solchen Fällen lohnt es sich meist nicht, darauf einzugehen. Tu ihm nicht den Gefallen, dich auch noch zu ärgern oder runterziehen zu lassen, sondern schütze dich lieber vor negativer Energie. Manchmal ist auch die Kombi mit einem Rückzug hilfreich.

3. Analysieren – halte kurz inne und frage dich: ist die Situation wirklich so schlimm wie es gerade scheint? Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte und könnte ich irgendwie damit klar kommen? Diese Frage relativiert meist so einiges. Denn zumindest die Überlebenschance ist meist recht hoch.

Nachhaltig agieren – vorbeugende Strategien

Doch neben diesen Sofort-Reaktionsmöglichkeiten ist eine gewisse Grund-Gelassenheit durchaus empfehlenswert. Diese kannst du zum Beispiel durch folgende Maßnahmen trainieren:

4. Entspannungstechniken – egal, ob eine geführte Meditation (hier findest du verschiedene Meditationen), autogenes Training oder Yoga – alles, was uns in die Entspannung bringt, erhöht die Grundgelassenheit und hilft uns, nicht mehr so schnell in Rage zu geraten.

5. Bewegung – Bewegung ist nicht nur körperlich gesund, sondern erhöht auch die Stimmung. Und sie ist das beste Ventil, um aufgestauten Stress abzubauen und Emotionen rauszulassen. Durch Sport oder Bewegung aktivierst du zunächst das sympathische Nervensystem und bringst den Körper in (positiven) Stress. Danach wird automatisch das parasympathische Nervensystem in Gang gesetzt und somit die Erholung aktiviert.

6. Lachyoga – Lachen ist gesund und senkt Stresshormone. Zudem können viele Übungen aus dem Lachyoga uns konkret dabei unterstützen, bestimmte „Trigger-Situationen“ nicht so ernst zu nehmen und den Ärger lachend loszulassen. Humor und Lachen – der beste Weg, um gelassen zu bleiben. Angebote, siehe hier…

Doch wie Richard Lazarus schon festgestellt hat: die Bewertung ist entscheidend. Wie können wir also unsere innere Einstellung verändern, um nicht so leicht aus der Fassung zu geraten, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns vorstellen? Hier ein paar Strategien.

Innere Einstellung verändern – kognitive Tricks

7. Akzeptanz – Manchmal hilft nur eines, wenn die Situation ausweglos erscheint: Das, was ist, annehmen. Die Verspätung der Bahn kann ich nicht aufhalten, den Stau nicht wegzaubern. Auch meine Mitmenschen werden sich nicht ändern, nur weil ich das von ihnen erwarte. Also kann ich mir überlegen, ob ich mir das Leben zusätzlich schwer mache, indem ich mich ärgere, oder es eben erstmal annehme. Wenn bestimmte Menschen mir Energie rauben oder mir auf Dauer nicht gut tun, habe ich ja dann zumindest noch die Möglichkeit, Abstand zu nehmen (siehe „Umgang mit Deppen“ etc…).

8. Dankbarkeit – So unangenehm eine Situation auch sein mag – meist gibt es trotz allem immer einen Anlass, dankbar zu sein. Deine Chefin macht dir Druck, dass etwas noch bis Morgen fertig werden muss? Das mag nerven, aber immerhin scheinst du deinen Job gut zu machen, sonst würde sie dich nicht fragen. Und – du hast einen Job! Auch das kann so manches wieder relativieren. Siehe auch Blog zu Dankbarkeit…

9. Perspektive wechseln – Gerade wenn andere Personen im Spiel sind, kann es hilfreich sein, sich zu fragen, ob der andere wirklich eine böse Absicht hatte oder vielleicht einfach nicht nachgedacht hat. Vielleicht gibt es auch eine bestimmte Vorgeschichte genau mit diesem Menschen, und nur deshalb gehst du direkt hoch bei Anlässen, die dich vielleicht bei jemand anders gar nicht stören würden. Spannend wird es auch dann, wenn wir uns klar machen – das, was mich bei der anderen Person triggert, hat immer auch mit mir zu tun. In dem Fall ist diese mein perfekter „Arschengel“.

Eines ist klar: Gelassenheit ist nicht die Herausforderung, wenn alles gut läuft. Sondern dann, wenn alles schief geht. Ich muss gestehen, dass ich in meinen Beispielen nicht immer die Gelassenheit in Person war – weder bei der Zugverspätung noch, als dieser Blogartikel einfach im Nirvana meines Computers verschwunden war. Ich habe mich tierisch geärgert, mich aufgeregt und war gefrustet. Doch was hilft es – irgendwann habe ich die Lage akzeptiert und diesen Text einfach neu geschrieben. Wenn du bis hier gelesen hast, dann bin ich dir sehr dankbar. Ich atme tief durch, lache drüber und habe für das nächste Mal gelernt.

Gebet für Gelassenheit

Von Reinhold Niebuhr, amerikanischer Theologe

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

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Verbundenheit

Verbundenheit als Glücks- und Resilienzfaktor

Hast du schon mal in einem Zug festgesessen der nicht weiterfuhr? Mir ist es vor einiger Zeit mal wieder passiert. Eine Stunde lang stand der ICE auf freier Strecke und bewegte sich nicht. So genervt die Menschen auch sind, beobachte ich in solchen Situationen immer wieder ein spannendes Phänomen: Die Menschen, die sich vorher jeder für sich mit Laptop oder Smart Phone und Kopfhörer eingeigelt hatten, beginnen sich zu verbinden. Der gemeinsame Feind „Bahn“ und die missliche Situation scheint uns in solchen Momenten zusammenzuschweißen. Man fängt an, sich zu unterhalten, sich gegenseitig etwas anzubieten und sich irgendwie zu solidarisieren.

Die Krisen dieser Welt – wir schaffen es nur gemeinsam

Ein ähnlicher Effekt zeigt sich auch jetzt bei den großen Krisen dieser Welt: wir verbinden uns dann, wenn die Gefahr so groß ist, dass es nicht mehr anders geht: Corona, Krieg und Klimakrise, die großen Herausforderungen dieser Zeit. Wenn wir auch nur irgendetwas Positives daraus ziehen können, dann wohl die Erkenntnis: Wir schaffen es nur gemeinsam! Das gibt mir immer wieder einen kleinen Funken Hoffnung und lässt mich darauf vertrauen, dass wir Menschen gemeinsam viel mehr erreichen können als mit Egoismus.

Die Klimakrise spitzt sich vor allem deshalb zu, weil die Länder sich seit Jahrzehnten nicht auf gemeinsame Ziele oder Vorgehensweisen einigen konnten. Die Coronakrise mit all den Einschränkungen, Lock-Downs und dem Verzicht auf die sonst so selbstverständlichen Vergnügungen des Lebens hat die viele Menschen noch einsamer gemacht als sie es eh schon waren (siehe Blogartikel „Einsamkeit“). Diejenigen hingegen, die sich mit anderen verbunden haben, kamen besser durch die Zeit.

Der Krieg zeigt uns jüngst nochmal mehr, wie wichtig es ist, gemeinsam zu handeln. Und es tut sich was: Die vielbeschworene „Spaltung der Gesellschaft“ durch Corona rückt in den Hintergrund. Hunderttausende von Menschen gehen derzeit gemeinsam auf die Straße, um für den Frieden zu demonstrieren. Die EU und die USA rücken zusammen, wie es vorher lange nicht mehr denkbar gewesen wäre. Dieser Krieg ist schrecklich, grausam, unmenschlich. Wenn wir auch nur irgendwas dagegen tun können, dann nur in Verbundenheit und nicht im Einzelkämpfertum. Dies ist die größte Chance, die wir haben, um einen größenwahnsinnigen und selbstverliebten Egomanen wie Putin aufzuhalten. Das ukrainische Volk macht uns auf beeindruckende Weise vor, dass Zusammenhalt und Verbundenheit stärker sein können als Panzer und Raketen.

Einsamkeit ist ungesund

Lange sind wir in dem Irrglauben erlegen, dass derjenige am erfolgreichsten ist, der sich am besten durchsetzen kann. Der am skrupellosesten seine Ziele verfolgt und nur um das eigene Wohl bemüht ist. „Ellbogenmentalität“ wurde als notwendig erachtet, um weiter zu kommen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Studie zeigt, dass die Menschen, die andere betrügen oder belügen, um sich selbst Vorteile zu verschaffen, eher das Gegenteil erreichen: sie werden isoliert, ausgeschlossen bei der Arbeit, haben mehr Stress und sind am Ende eher unglücklich (Metastudie von David Sloan Wilson über „machiavellistische Menschen“ – also solche, die nur auf den eigenen Vorteil bedacht sind und andere dafür klein machen).

Doch nicht nur selbstverliebte Egomanen haben ein Problem. Die Entwicklungen der neuen Zeit – Digitalisierung, Social Media, die Gentrifizierung in Großstädten und nicht zuletzt Corona – haben dazu geführt, dass Einsamkeit zu einem drängenden Problem unserer Zeit geworden ist. Laut Umfragen ist die Zahl der engen Freunde, die Menschen im Durchschnitt haben, seit 1985 von 3 auf 1 geschrumpft (siehe Buch „Die neue Einsamkeit“ von Diana Kinnert). Dreimal mehr Menschen als damals geben an, dass sie keinen Menschen haben, mit dem sie ernsthaft reden können. Einsamkeit ist Ursache für Stress, Krankheit, psychische Probleme und sogar den vorzeitigen Tod. Sie ist gesundheitlich genauso schädlich wie das Rauchen von 15 Zigaretten täglich. Die „Social Media“ haben mit „sozial“ genauso wenig zu tun wie Putin mit dem Begriff „Friedensmission“. Jeder stellt sich selbst dar, kaum einer fühlt sich hier wirklich verbunden. Hasskommentare, Fake News und destruktive Diskussionen über Corona haben den Trend  verschärft.

Evolution durch Kooperation

Umso wichtiger ist es derzeit, echte Verbundenheit wiederzufinden und zu leben. Wir müssen uns dafür nicht mal verbiegen. Das Bedürfnis nach Kooperation und Miteinander liegt in unserer Natur. Dies hat unsere Evolution geprägt und unser Überleben gesichert. Selbst unsere Körperzellen arbeiten auf geniale Weise und so perfekt aufeinander abgestimmt zusammen, wie wir selbst es logistisch niemals hinkriegen würden. In der Natur und der Tierwelt ist das Zusammenspiel von Systemen und Populationen wichtiger Bestandteil, zum Beispiel bei den Bienen und Ameisen. Auch Schimpansen zeigen Kooperationsbereitschaft und suchen gegenseitige Nähe – sogar dann, wenn es vorher Auseinandersetzungen gab. Immer mehr Erkenntnisse zeigen: In der Evolution hat nicht der Stärkste überlebt, sondern die Spezies, die am besten kooperieren kann.

Verbundenheit ist nicht nur die Voraussetzung für das Überleben der Menschheit, sondern auch für persönliches Glück. Die „Grant Study“ – eine Harvard Glücksstudie über einen lebenslangen Zeitraum  – zeigt: Menschen, die glückliche Beziehungen haben, leben länger, zufriedener und sind im Alter gesünder. Viele weitere Studien bestätigen: Menschen mit erfüllten Beziehungen – unabhängig ob mit Freunden oder Liebespartnern – sind glücklicher und gesünder. Sie haben ein besseres Immunsystem und verfügen über bessere psychische Widerstandskraft, also „Resilienz“. Kinder aus schwierigen Familien, die eine wichtige Bezugsperson hatten, waren im späteren Leben psychisch stabiler als andere, die sich allein gelassen fühlten. Nicht nur das: die Aktivität „Zeit mit Freunden verbringen“ oder „gute Gespräche führen“ verschafft uns einen Riesenschwall an positiven Gefühlen, stressmindernden Effekten und aktiviert die Belohnungszentren im Gehirn.

Verbundenheit leben – 5 Anregungen

Es spricht also vieles dafür, Verbundenheit zu suchen und zu leben. Doch wie können wir selbst dazu beitragen, dass Menschen sich wieder mehr verbinden, zugehörig fühlen und gemeinsam an einem Strang ziehen, um diesen Planeten als einen lebenswerten Ort zu erhalten? Ich bin der Meinung: beginne bei dir selbst! Wenn du mit dir selbst verbunden bist, kannst du auch Verbundenheit mit anderen Menschen fühlen. Du kannst vergeben und andere Menschen unterstützen, ohne dich selbst aufzugeben. So können Netzwerke entstehen, die von Liebe, Fürsorge und Miteinander geprägt sind. Je mehr wir diese Verbundenheit mit uns selbst und im eigenen Umfeld leben, umso weniger haben Kriege im Außen eine Chance. Hier ein paar Anregungen dazu.

1. Mit sich selbst im Reinen sein

Wir können nicht über den Krieg jammern, wenn wir gegen uns selbst Krieg führen, uns ständig selbst rügen oder gar beschimpfen. Sei nachsichtig mit dir selbst und behandle dich gut. Schließlich bist du der Mensch, mit dem du die meiste Zeit im Leben verbringst. Verdränge nicht deine Schattenseiten, sondern schaue liebevoll hin und erkenne sie an. Dann darfst du sie in den Urlaub schicken und deine Stärken feiern.

2. Mit anderen im Reinen sein

Übe Vergebung – nicht anderen zuliebe, sondern für dich selbst. Dann wirst du frei von Groll und offen für neue, nährende Menschen und Beziehungen sein.

3. Für andere da sein

Einer der größten Glücksfaktoren ist es, anderen zu helfen. Eine sehr effektive Übung ist es, jeden Tag 3 kleine „Gesten der Freundlichkeit“ auszuüben und dies abends aufzuschreiben. Das können unterschiedliche Dinge bei unterschiedlichen Menschen sein – einem Freund ein Kompliment machen, einem Kollegen etwas aus der Kantine mitbringen, mit einem Obdachlosen ein Gespräch führen – die Möglichkeiten sind unendlich. Diese Übung ist ein wahrer Glücksbooster.

4. Die Familie wertschätzen

So sehr Familien auch Verletzungs- und Konfliktpotenzial bieten – Freunde können wir loslassen, die Familie bleibt Familie. So lohnt es sich, mit Eltern und Geschwistern ins Reine zu kommen und Vergebung zu üben – jeder hat es so gut gemacht wie er / sie konnte. Wenn du selbst eine Familie hast, dann mach dir bewusst: Frieden beginnt auch hier im Kleinen. Es geht nicht darum, keine Konflikte zu haben, sondern diese mit Liebe und Wertschätzung lösen zu können.

5. Gemeinschaft suchen, in der man sich gegenseitig unterstützt

Studien in verschiedenen Gemeinschaften – z.B. in der Nachbarschaft – zeigen, dass die Gemeinschaften, in denen man sich gegenseitig besonders unterstützt, erstaunliche Wirkungen auf die Menschen haben:

  • die Kinder sind gesünder und haben bessere Hoschulabschlüsse
  • die Älteren haben eine höhere Lebenserwartung
  • insgesamt gibt es weniger soziale Schwierigkeiten wie z.B. Prügeleien

Vielleicht hast du ja bereits eine solche Gemeinschaft. Oder magst dich nach einer umschauen. Dies kann ein Verein sein, eine Gemeinde, eine Nordic Walking Gruppe oder ein Chor. Großes Potenzial liegt auch in der „Lachyoga Community“ bzw. den Lachclubs. Hier verbinden sich Menschen im Lachen, sowohl live als auch online. Unabhängig von Alter, Nationalität, Herkunft oder politischer Richtung wird hier jeder akzeptiert. Es geht um Toleranz, Frieden, Gesundheit und Glücksmomente. Hier entstehen Freundschaften, gemeinsame Unternehmungen und gegenseitige Unterstützung. Menschen verbinden sich, werden kreativ, mutig und blühen auf. Probiere es mal aus! Hier findest du Angebote live in Köln oder in Berlin oder deutschlandweit. Und hier online per Zoom.

Wir müssen nicht warten, bis der Zug stehen bleibt, das Klima kollabiert oder die Wirtschaftskrise kommt. Verbinde dich jetzt mit liebevollen und gleichgesinnten Menschen, unterstützt euch gegenseitig mit Trost und Hoffnung und habt gemeinsam Spaß! So tust du etwas für deine Resilienz und für die Aktivierung von Glücksgefühlen.

Ich wünsche mir von Herzen, dass die Menschen, die JETZT zusammenhalten und für Miteinander und Verbundenheit stehen, auf diesem Planeten überleben werden. So wie es die bisherige Evolution auch gezeigt hat.

Namasté Angela

P.S: Du hast Sehnsucht nach Verbundenheit an einem schönen Ort, guten Gesprächen und netten Menschen? Dann sind vielleicht die Happiness Yoga Ferien interessant für dich. In St. Peter Ording oder auf Zypern.

Stress durch Corona? Wie wir mental überleben in verrückten Zeiten

Das waren noch Zeiten…

… man ist fast versucht, ein wenig sehnsuchtsvoll zurückzublicken auf den ersten Corona Lockdown damals im März letzten Jahres. Ja, wir mussten auf vieles verzichten, uns zusammenreißen, zu Hause bleiben und uns auch noch um das Home Schooling kümmern. Doch wir haben alle zusammen gehalten, der Staat hat großzügig jeden Betroffenen unterstützt, es gab überall Solidarität, und wenn wir ehrlich sind, dann dachten wir doch alle, dass der ganze Spuk nach spätestens einem halben Jahr wieder vorbei ist, oder?

Von dieser fast abenteuerlichen Aufbruchstimmung ist mittlerweile nicht mehr viel übrig. Für Gastwirte und Geschäfte lohnt es sich kaum zu öffnen, da aus Angst oder Vorsicht eh viel weniger Gäste kommen. Auch Event- und Seminaranbieter haben das Nachsehen. Sie dürfen zwar öffnen – zumindest ab und zu – aber es bringt ihnen nicht viel. Die Soforthilfen müssen zurück gezahlt werden und jeder kann mittlerweile sehen, wo er bleibt.

Die Spaltung der Gesellschaft nimmt immer verrücktere Ausmaße an: auf Facebook und co. sortieren viele fleißig Freunde aus, je nachdem ob sie auch geimpft oder auch ungeimpft sind. Von dem, was wir im Moment am meisten bräuchten, um unser Immunsystem stark zu halten, haben wir am allerwenigsten: Sozialen Zusammenhalt und ein Gefühl von Grundsicherheit und Geborgenheit. Dieser Dauerstress macht uns am Ende womöglich kränker als Beta, Gamma, Delta und Omikron zusammen. Während die Politik sich vor allem darauf konzentriert, wie wir das medizinisch gewuppt kriegen, wird die Frage, was all dieser Stress mental mit uns macht, nur am Rande behandelt. Dabei sollten wir dieses Thema schon rein aus gesundheitlichen Gründen nicht ausblenden.

Der Corona Stresskreislauf

Hirnforscher Manfred Spitzer beschreibt in seinem Buch „Pandemie“ den Teufelskreis, in dem wir stecken: „Menschen sterben schneller an einer Infektion, wenn sie unter Bedingungen leben, die chronischen Stress und andere psychologische Ursachen begünstigen, die eine Infektion wahrscheinlicher machen.“ Mit anderen Worten: die jetzige Situation macht uns mürbe, stresst uns und macht uns nochmal anfälliger für Infektionen.

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der TK (siehe TK-Gesundheitsreport 2021) ist die gefühlte Belastung durch Corona nach einem Jahr nochmal um 20% gestiegen. Während sich im März 2020 noch 35 Prozent der Befragten stark oder sehr stark von der Corona-Situation belastet fühlten, waren es diesen März 2021 bereits 42 Prozent. Als besonders belastend empfinden die befragten Menschen die fehlenden Treffen mit Freunden und Verwandten (89%), Angst, dass Angehörige oder Freunde an Covid erkranken (60%), die Schließung von Kitas und Schulen (59%) sowie den gestiegenen Stress am Arbeitsplatz (49%). Noch belastender ist die Situation für Menschen im Home Office, die Kinder haben. Hier geben 54% an, sich stark oder sehr stark durch die Situation belastet zu fühlen. Der allgemeine Krankenstand ist zwar laut Studie nicht gestiegen, allerdings sind psychische Erkrankungen mit 19,8 die Hauptursache für Krankschreibungen. Das kostet sowohl die Unternehmen als auch die Gesellschaft viel Geld und Kraft.

Auch eine Langzeitstudie der TU Chemnitz bestätigt: Die Batterien sind bei vielen Menschen leer. Die Möglichkeiten, die uns helfen, die Ressourcen wieder aufzuladen, fehlen oder sind begrenzt. Die ständigen Einschränkungen, Lockdowns, Absagen von Events, Schließungen von Freizeit- und Wellnesseinrichtungen und letztlich die Reduzierung der sozialen Kontakte zwingen uns, auf das zu verzichten, was uns sonst entspannen und wieder aufladen würde.

Was ist die Wahrheit?

Keiner von uns kann in die Zukunft blicken und sagen, was falsch oder richtig ist. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder aus seiner Perspektive heraus sein Bestes tut. Die Impfungen mögen helfen, die medizinischen Gefahren und Folgen einzudämmen. Doch mit den psychologischen Folgen von alldem werden wir genauso zu tun haben. Klar, wir können jetzt Schuldige suchen, anklagen, Fehler anprangern, und wir werden jede Menge Anlässe dafür finden – auf allen Seiten. Doch sollten wir vielleicht lieber die Situation anschauen und konstruktiv überlegen, wie wir gemeinsam und gut weiterhin da durchgehen können. Das, was gerade ist, lässt sich nur zum kleinen Teil ändern. Alles was wir tun sind Tropfen auf den heißen Stein.

Und dennoch ist es wichtig, dass wir immer wieder Wege suchen, um die eigene Resilienz zu stärken (siehe Blogartikel zum Thema „Resilienz„), die Batterien wieder aufzuladen, uns neu auszurichten und dabei die Lebensfreude und den Humor nicht zu verlieren. Wenn wir konstruktiv, optimistisch und innerlich stabil bleiben, dann tun wir nicht nur uns selbst einen Gefallen, sondern auch den Menschen in unserem Umfeld. Wie wäre es, wenn wir die Zeit und Energie, die wir verwenden, um unsere Meinung zu vertreten oder in Social Media herum zu diskutieren, anders nutzen? Zum Beispiel, um die Zuversicht zu stärken oder uns in Toleranz zu üben? Ich bin mir sicher, dass das einen Unterschied machen würde!

Und übrigens: sich ärgern schwächt das Immunsystem immens, Lachen stärkt das Immunsystem!

Mental überleben in verrückten Zeiten – vier Strategien

Hier findest du weitere Anregungen, die dir helfen können, gut, gesund, gestärkt und zuversichtlich durch die Zeit zu kommen.

  1. Den Fokus verändern

Die Meinungen in unserer Gesellschaft sind unterschiedlich und driften scheinbar immer weiter auseinander. Dennoch gibt es nie die eine Wahrheit, sondern sie hat immer verschiedene Perspektiven und für jeden andere Auswirkungen. Einzelbeispiele finden sich für jede Seite. Schwarz-Weiß-Denken bringt uns nicht mehr weiter, da die Welt nun mal komplex ist. Vielleicht vergessen wir so manches Mal, dass sowohl Wissenschaftler genauso wie Politiker, aber eben auch weise, spirituelle Gurus und Geistheiler sich manchmal eben einfach irren können!

Wäre es nicht sehr viel konstruktiver, wenn wir es endlich bleiben lassen, DIE eine Wahrheit zu finden und zu verstehen? Wenn wir selbstbestimmt handeln statt uns weiterhin ausgeliefert zu fühlen? Den Fokus verändern, trübe Gedanken loslassen? Folgende Maßnahmen können helfen:

  • den Konsum von (schlechten) Nachrichten reduzieren,
  • Dankbarkeit kultivieren (siehe das YouTube-Video dazu)
  • Dinge tun, die dir gute Laune machen
  • den Optimismus stärken
  • dir jeden Tag etwas Schönes vornehmen (siehe Blogartikel „Die 8 Gebote des Genießens“)
  • mit Hilfe von Lachyoga den Fokus Schritt für Schritt verändern
  • die Dinge nicht so ernst nehmen und humorvoll betrachten
  1. Ressourcen aufladen

Die Coronasituation macht immer deutlicher: Wir können nicht warten, bis die Krise vorüber ist. Vielmehr geht es darum, Resilienz zu entwickeln und die Fähigkeit zu stärken, in dieser Dauerstress-Situationen gelassener zu reagieren. Psychologen bezeichnen dies als „regeneratives Stressmanagement“. Hier hilft zum Beispiel:

  • regelmäßige Bewegung
  • in der Natur sein
  • Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder Körperreisen (auf Soundcloud findest du geführte Entspannungsmeditationen mit mir…)
  • Humor und Lachen
  1. Den Geist füttern

Kennst du das auch? Du hast wahllos im TV gezappt oder warst eine Stunde auf Social Media unterwegs und hast hinterher das Gefühl, einfach nur sinnlos Zeit vergeudet zu haben? Klar ist es auch mal wichtig und gut, sich ohne irgendeinen Sinn „berieseln“ zu lassen. Aber auf Dauer stärkt es unsere innere Kraft und die Resilienz mehr, wenn wir Neues lernen, uns inspirieren lassen oder uns mit den tieferen Fragen des Lebens beschäftigen. Zum Beispiel:

  • In einem (online) Kurs etwas Neues lernen – eine Sprache, eine Technik, eine Methode
  • Dich fragen, was deine persönliche Aufgabe hier auf dem Planeten ist und was dein Beitrag für diese Welt sein könnte (in diesem Kurs findest du Inspirationen dazu)
  • Inspirierende Bücher lesen
  • Dich mit anderen über diese Themen austauschen
  1. Verbundenheit leben

Fehlende soziale Kontakte sind nicht nur der Hauptgrund für die psychischen Belastungen durch Corona, sondern tragen laut Glücksforschung auch dazu bei, dass Menschen im Alter krank (z.B. dement) werden und früher sterben. Es ist nicht nur für die Seele gut, sozial eingebunden zu sein, sondern auch ganz konkret für die körperliche Gesundheit – und somit für das Immunsystem. Auch hier gibt es viele Möglichkeiten, z.B.

  • Alte Freund:innen kontaktieren
  • Kurse belegen, in denen der Austausch über tiefe Themen Bestandteil ist
  • Dich lachend mit anderen Menschen verbinden
  • Mit einer Freundin / Freund spazieren gehen
  • Anderen Menschen helfen – laut Glücksforschung ist Engagement für andere einer der wichtigsten Glücksfaktoren – vielmehr als z.B. Wohlstand und Status (siehe Blogartikel zu „Engagement macht glücklich“)

Ich wünsche dir von Herzen, dass du weiterhin gut, entspannt und fröhlich durch diese verrückten Zeiten kommst!

Alles Liebe

Angela

 

P.S: du findest diese Anregungen hilfreich, weißt aber nicht so recht, wo du anfangen sollst? Dann komm in das SMILE-Programm und lass dich begleiten…

Selfcare: Fünf Tipps, um deine Energie zu erhöhen

Wir leben in einer Zeit, in der die Welt im Aufruhr scheint. Pandemie, Flutkatastrophen, nichts ist mehr planbar. Hinzu kommt der vermeintlich harmlose, aber nicht zu unterschätzende Alltagsstress: Beruf, Familie, Home Office, Home Schooling, Schließungen, Aufhebungen, ständige Änderungen der Situation und all die psychischen Belastungen, die damit einhergehen. Die Pandemie, von der wir dachten, sie sei in wenigen Monaten vorüber, zieht sich seit fast 2 Jahren dahin. Da kann so ziemlich jeder und jedem irgendwann mal die Puste ausgehen.

Was bedeutet überhaupt „Energie erhöhen“?

Gerade in diesen Zeiten ist es wichtig, in guter Energie zu bleiben und dafür zu sorgen, dass wir genügend Kraft haben, um all das zu meistern. Doch was genau bedeutet das, „Energie erhöhen“? Sich noch mehr vornehmen, um noch mehr zu schaffen? Alles daran setzen, um noch leistungsfähiger zu werden und noch besser zu funktionieren? Das kann nicht der Weg sein. Viele Menschen „halten durch“ bis zum Wochenende oder bis zum nächsten Urlaub. Dann werden sie krank. Meist auch deshalb, weil der Körper sein Tribut an Entspannung regelrecht einfordert. Kein Mensch kann dauerhaft wie ein Duracell-Häschen immer nur auf Hochtouren laufen. Wenn keine Erholungsphasen eingelegt werden, endet das im Burnout, das weiß man aus der Stressforschung.

Den Begriff „Energie“ kennen wir auch als Begriff für Antriebskraft, die wiederum durch Einsatz bestimmter Ressourcen erzeugt wird und etwas in Bewegung bringt. Wenn diese Energie verbraucht ist, dann gilt es, die Ressourcen einzusetzen, um nachladen zu können. Ein Elektroauto muss nach ein paar Hundert Kilometern an eine Steckdose. Dort gibt es Energie, die bestenfalls aus Wind oder Sonne erzeugt wurde. Ohne den Strom bzw. die Energie nützt uns das schönste Elektroauto nichts.

Warum wir zu wenig für uns selbst sorgen

Während das Auto regelmäßig brav getankt und geladen wird, vernachlässigen wir dies bei uns selbst und bei unserem Körper allzu oft. Obwohl dies nicht mal so zeitaufwändig ist wie bei einem Elektroauto, sondern es meist schon ausreicht, sich wenige Minuten am Tag Zeit für sich selbst zu nehmen. Stress lässt sich nicht reduzieren, indem wir nur auf der Couch hocken. Aber auch nicht, indem wir ihn ignorieren und immer weitermachen. Wenn wir hingegen die richtige Balance aus Aktivität und Entspannung finden, dann vermeiden wir, dass uns am Ende komplett die Puste ausgeht.

Kennst du es auch: du findest keine Zeit für 10 Minuten Meditation am Morgen, aber ertappst dich dabei, wie du dich im Instagram-Feed verlierst? Du findest keine Zeit, raus in die Natur zu gehen und bleibst bis spät nachts bei irgendeiner Netflix-Serie hängen? Mir kommt das jedenfalls ziemlich bekannt vor. Viel zu oft vergessen wir, für uns selbst zu sorgen und uns diese Zeit zu nehmen – und empfinden das Leben nur noch als eine Reihe von Verpflichtungen und Erledigungen.

Erhöhe deine Energie – für dich selbst und für andere

Wenn wir als Mensch unsere Energie erhöhen wollen, dann geht es nicht allein darum, mehr Energie oder Antrieb zu haben. Sondern es geht darum, auf eine „höhere Schwingungsebene“ zu kommen. Also nicht nur mehr Kraft zu haben, sondern Spaß an der Sache zu haben und in Leichtigkeit, Vertrauen und Gelassenheit durch den Alltag zu gehen. Wenn wir unsere Energie im positiven Sinne erhöhen, dann lassen wir uns vom Alltagsstress nicht mehr so leicht runterziehen. Dann sind wir mutig genug, auch mal nein zu sagen und für uns selbst zu sorgen. Dann sind wir nachsichtiger mit uns selbst und anderen und wissen genau, wann der Körper und der Geist mal eine Auszeit braucht. Dann haben wir erkannt, wie wichtig es ist, sich die erforderliche „Me-Time“ zu nehmen statt durchzuballern. Und wir kennen unsere eigenen Ressourcen, die dafür sorgen, dass wir in einer guten Balance bleiben und uns nicht selbst überfordern. Wir fühlen eine innere Kraft, aber auch Gelassenheit, um alles zu meistern.

Menschen, die in höherer Energie unterwegs sind, sind meist diejenigen, die „Leuchttürme“ in der Gesellschaft sind, die anpacken und die Herausforderungen dieser Zeit angehen. Wenn du also dafür sorgst, deine Energie zu erhöhen und hoch zu halten, dann tust du nicht nur dir selbst einen Gefallen, sondern auch deinen Mitmenschen. Wie das gehen kann? Ich habe hier fünf Tipps für dich zusammengestellt.

Energy Uplift: Fünf Tipps für mehr Energie

 

1. Perspektivenwechsel

Manchmal lassen sich die äußeren Umstände nicht ändern – wie jetzt in der Pandemie oder auch in anderen Lebenskrisen. Doch wir können immer noch unsere innere Einstellung dazu verändern. Indem wir zum Beispiel das Geschenk in der Krise sehen, die Themen anschauen, die dahinter stehen oder einfach den Fokus auf das richten, was uns glücklich macht statt über das zu grübeln, was nicht gut läuft. Aus der Mindset-Forschung (siehe Blogartikel zu „Selbstwirksamkeit“…) weiß man, dass die Art, WIE wir die Dinge sehen, auch einen großen Einfluss darauf hat wie wir Dinge erleben.

Wie kannst du die Sicht auf die Dinge verändern? Indem du z.B. Dankbarkeit traininerst (siehe Blog zu Dankbarkeit…) oder Glücksmomente sammelst. Auch hilft es, die Dinge aus der Perspektive von jemand anders zu sehen oder dein „zukünftiges Ich“ zu befragen. Und dir immer wieder deiner eigenen Ressourcen bewusst zu werden und diese zu aktivieren.

2. Achtsamkeit

Um die Energie zu erhöhen, ist es auch wichtig, erstmal die Energie runterzufahren und bewusst wahrzunehmen, auf welchem Energielevel du dich gerade in diesem Moment befindest. Allein die bewusste Wahrnehmung darüber verändert schon dein Energielevel. Dabei helfen Achtsamkeitsübungen, die du gut und einfach in den Alltag einbauen kannst. Zum Beispiel den Atem beobachten, oder alltägliche Dinge wie gehen, essen, aufräumen bewusst langsam ausführen und mit der Aufmerksamkeit genau bei der Sache zu sein, die du gerade tust. Auch wenn es die Buchhaltung oder das Sortieren von Unterlagen ist. Der Atem ist dafür immer wieder ein guter Begleiter (siehe Blogartikel „Atem – das unterschätzte Wunderwerkzeug“…)

 

3. Bewegung

Egal ob du Laufen gehst, regelmäßig schwimmst oder Yoga machst: Bewegung ist auch deshalb ein Energy Booster, weil sie uns sehr schnell aus dem Kopf und aus dem Grübeln rausbringt und hinein in die Körperwahrnehmung. Gerade wenn wir uns vorher ordentlich mit Bewegung auspowern, können wir hinterher die Batterien umso besser wieder aufladen. Es ist, wie wenn wir ein Glas spülen, in dem sich noch abgestandenes Wasser befindet. Wir müssen erst das alte Wasser auskippen, um das Glas spülen und es mit neuem, frischen Wasser füllen zu können.

Bewegung tut somit nicht nur dem Körper gut, sondern auch dem Geist. Durch bestimmte Körperhaltungen, Yoga oder Lachyoga kannst du deine Stimmung ins Positive beeinflussen und dich sofort in eine bessere Energie bringen. Zum Beispiel mit der Lachyoga-Übung „Power Poses.“

 

4. Lächeln

Ein weiterer Booster für bessere Stimmung und Ausrichtung auf die schönen Dinge im Leben ist Lächeln. Studien aus dem Body Feedback zeigen, dass allein das Hochziehen der Mundwinkel zu einer Lächelbewegung schon unsere Stimmung ins Positive beeinflusst.

Eine Minute Lächeln morgens vor dem Spiegel lässt uns ganz anders in den Tag hineingehen. Du möchtest es ausprobieren? Dann hol dir hier die kostenlose Meditation für Lächeln und positive Energie…

 

5. Lachen

Beim Lachen werden Glückshormone ausgeschüttet, der Stress wird gesenkt, das Immunsystem gestärkt (Fakten zum Lachen, siehe auch…). Nur wenige Minuten herzhaftes Lachen sorgen dafür, dass wir in eine ganz andere Energie kommen und uns wie euphorisiert fühlen. Das Schöne beim Lachen: Wir trainieren einerseits den Körper (Zwerchfell, Bauchmuskulatur), schwingen uns aber auch mental auf eine bessere Energie ein. Menschen, die regelmäßig lachen, werden gelassener und nehmen auch stressigen Alltagskleinkram nicht so ernst (was uns wiederum hilft, die innere Einstellung zu verändern). Du hast keinen Anlass zum Lachen? Dann probier es mal mit Lachyoga! Hier findest du Angebote und Möglichkeiten dazu…

 

Diese 5 Tipps sind nur eine kleine Auswahl an Strategien, mit denen wir in höhere, bessere und positivere Energie hineinkommen können. Nicht für jeden passt die gleiche Methode, sondern es ist wichtig herauszufinden, was für dich passt. Auch geht es nicht darum, alles gleichzeitig zu machen oder viel Zeit zu investieren, sondern für dich selbst eine Möglichkeit zu finden, mit der du effektiv und mit wenig Zeitaufwand deine Energie erhöhen kannst.

Du möchtest dabei Begleitung? Dann komm in das SMILE-Programm und mache jetzt den Happiness Check…

Atem – das unterschätzte Wunder-werkzeug

„Ich habe Kopfschmerzen“ sagte die Fotografin. Wir hatten gerade stundenlang mit dem WDR eine Sendung gedreht. Es hatte super Spaß gemacht, aber es war auch anstrengend. Unsere Köpfe rauchten, und wir waren ziemlich kaputt. Eine meine Yoga-Teilnehmerinnen stand neben mir und brachte mich drauf: „Angela, du machst im Yoga doch immer diese Atemübung, mit den beiden Nasenlöchern.“ Ja, klar, die Wechselatmung. Ich zeigte sie der Fotografin und machte gleich selbst mit. Innerhalb von wenigen Minuten sagte sie: „Ich fühle mich schon viel besser.“ Und ich selbst fühlte mich auch gleich besser.

Atem verbindet…

Manchmal kann es so einfach sein und wir kommen nicht drauf. Der Atem verbindet uns mit dem Hier und Jetzt. Wir können nur jetzt atmen, nicht morgen, nicht gestern. Wenn wir bewusst atmen, dann verbinden wir uns mit unserem Körper und dem Geist. Es reicht schon aus, die Aufmerksamkeit auf den Atem zu richten, und der Atem verändert sich, er wird ruhiger. Anhand des Atems können wir Körperfunktionen beeinflussen, die wir normalerweise nicht steuern können.

Klar, wir können willentlich mit dem Kopf nicken, einen Fuß vor den anderen setzen oder mit der Hand nach unserem Handy greifen. Wir können aber nicht unserem Herzen befehlen, langsamer oder schneller zu schlagen. Wir können auch nicht unserer Verdauung sagen „Jetzt mach mal hinne, ich mag diesen Klotz im Bauch nicht mehr haben“. Wenn wir ausgepowert sind, können wir unserem Körpersystem nicht einfach so den Auftrag geben, die Batterien wieder aufzuladen. Dies geht nur anhand von kleinen „Tricks“ und Umwegen. Der Atem ist ein genialer Schlüssel dazu.

Die Wirkung des Atems

Die „Wunderwaffe Atem“ können wir aber nur dann nutzen, wenn wir ab und zu mal bewusster atmen. Wir achten jedoch viel zu selten darauf, wie wir atmen. Mit einem normalen Atemzug nehmen wir nur einen halben Liter Atemluft auf, bei einer gesamten Lungenkapazität von 6 Litern. Wenn wir unter Stress stehen, atmen wir noch schneller, flacher und oberflächlicher und nehmen noch weniger Atemluft auf. Dies führt dazu, dass weniger Sauerstoff in den Körper gelangt, was wiederum die Gesundheit beeinträchtigen kann: „Sauerstoffunterversorgung kann als die schlimmste Krankheitsursache angesehen werden“ sagt Stephen Levine, Molekularbiologe und Genetiker.

Dr. Otto Warburg, Biochemiker, Arzt und Physiologe, war sogar der Meinung, dass fehlende Sauerstoffversorgung die Hauptursache von Krebs sei. Auch wenn seine These umstritten ist, gibt es viele wissenschaftliche Belege dafür, dass die Art, wie wir atmen, entscheidend unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden beeinflusst. Dr. Robert Fried erklärt in seinem Buch „Breath Connection“, dass alle Körperfunktionen mit der Atmung zusammenhängen und dass die richtige Sauerstoffversorgung aller Körperteile entscheidend für Gesundheit und Wohlbefinden sei. Das richtige Atmen sei der beste Weg, um den Körper mit genügend Sauerstoff zu versorgen. Laut Dr. Sheldon Hendler, Ärztin und Forscherin zum Thema zelluläre Sauerstoffversorgung stärkt tiefes Atmen das Immunsystem und kann den Körper sogar von chronischen Krankheiten befreien. Das Gehirn braucht sogar 25% mehr Sauerstoff als der restliche Körper. Davon hängt es auch ab, wie gut und wie lange wir uns auf etwas konzentrieren können oder wie schnell wir müde werden.

Sauerstoff – Essenz des Lebens

Zahlreiche weitere Wissenschaftler haben Belege dafür gefunden, wie wichtig die richtige Atmung und somit die Versorgung des Körpers mit genügend Sauerstoff ist. Zum Beispiel:

Ein erhöhter Sauerstoffgehalt verbessert die Wirkung einiger Antibiotika und des Immunsystems und regt den Zell-Stoffwechsel an (Linda Collison)

Tiefe Zwerchfellatmung stimuliert die Reinigung des Lymphsystems – durch den Vakuum-Effekt werden die Lymphe durch das Blut befördert, wodurch wiederum die Entgiftung 15 Mal besser als normalerweise funktioniert (Dr. J.W. Shields)

Bei tiefer Bauchatmung ist das Zwerchfell beteiligt, bei flacher Atmung im Brustbereich (also unter Stress) nicht. Wenn das Zwerchfell aktiv ist, wird der Parasympathikus aktiviert. Dieser sorgt dafür, dass in Ruhephasen unsere Energiereserven wieder aufgebaut werden können. Auch aktiviert der Parasympathikus das Verdauungssystem. Tiefes Atmen ist somit – neben der Ernährung – ein Schlüssel, mit dem wir auch unsere Verdauung beeinflussen und verbessern können.

Laut Thomas Loew, Leiter der Abteilung Psychosomatik und Psychotherapie am Universitätsklinikum Regensburg, senkt langsames Atmen den Blutdruck und ist bei manchen Menschen sogar genauso effektiv wie z.B. Blutdrucksenker oder angstlösende Mittel.

Atem ist Leben…

Nicht nur für das körperliche Wohlbefinden spielt die Atmung eine wichtige Rolle. Die traditionellen östlichen Lehren gehen sogar noch weiter.

Laut Yoga-Tradition ist „Prana“ (= Atem) die Lebensenergie, die durch unseren Körper fließt und die wir durch Atemlenkungstechniken („Pranayama“) aktivieren und harmonisieren können. Die traditionellen Yogis sind davon überzeugt, dass wir im Leben nur eine bestimmte Anzahl von Atemzügen haben, woraus sie folgern: je langsamer wir atmen, umso länger leben wir.

Auch in der traditionellen chinesischen Medizin spricht man von „Chi“ (oder auch „Qi“) , auf dessen Verständnis Lehren wie Qi Gong, Feng Shui und zahlreiche Kampfkünste basieren. Im Japanischen heißt Atem „Iki“ und bedeutet von der Wortzusammensetzung so viel wie „Selbst“ und „Herz“ in Verbindung. Die darauf basierende Technik der „Zen-Atmung“ wird auch bei uns immer beliebter und wurde mittlerweile sogar als Abnehmtechnik entdeckt (siehe hier…). „Ikigai“ wiederum steht für eine japanische Lebensphilosophie, bei dem das, was wir tun, im Einklang mit dem ist, was die Welt braucht und was wir gut können (siehe auch Blogartikel „IKIGAI“).

Seelisches Wohlbefinden durch Atem

Auch für unser seelisches Wohlbefinden spielt der Atem eine wichtige Rolle. In der Meditation hilft die Verbindung mit dem Atem uns, trübe Gedanken und Sorgen loszulassen und im Hier und Jetzt anzukommen. Dafür reicht es schon aus, nur den Atem zu beobachten – wahrzunehmen, wie die Ein- und Ausatmung geschieht, die Pause zwischen den Atemzügen wahrzunehmen, den Atem fließen zu lassen oder mit der Ein- und Ausatmung bestimmte Visualisierungen zu verknüpfen.

Oft setze ich in meinen Workshops und Yogastunden die Visualisierung von Atem als goldenem Licht ein, das durch den Körper und in alle Körperteile hineinströmt. Mir selbst und vielen Teilnehmer:innen hilft diese Vorstellung und kleine Übung bei Schmerzen oder Verspannungen, und es gibt sogar Beispiele, wie dadurch Heilung geschehen ist. Auch im Bereich der Selbsterkenntnis werden Atemtechniken erfolgreich genutzt, um das Bewusstsein zu erweitern und sich in einen fast rauschartigen Zustand zu versetzen, in dem wir Zugang zum Unterbewusstsein finden und die Begrenzungen des Verstandes und des „inneren Zweiflers“ vorübergehend loslassen. Zum Beispiel beim „Rebirthing“, durch das „holotrope Atmen“ oder auch die „Quantum Light Breathing“ Meditation.

Atemübungen für DICH

Wenn der Atem so wichtig ist – vielleicht fragst du dich jetzt auch, wie du konkret die Atmung nutzen kannst, um dein Stresslevel zu senken, dein Wohlbefinden zu erhöhen und deinen Geist in einen guten Energiezustand zu versetzen? Keine Sorge, es braucht keine komplizierten Techniken oder stundenlange Meditationen. Ich habe hier ein paar Übungen und Techniken für dich zusammen gestellt, die leicht machbar sind und sich gut in den Alltag integrieren lassen. Probiere sie aus und teile gerne in unserer Facebook-Community, welche Erfahrungen du damit gemacht hast. Ich empfehlen, dir zuerst nur eine oder zwei dieser Übungen herauszusuchen und diese eine Zeit lang zu machen. Im Yoga spricht man von 40 Tagen, die es braucht, damit die Wirkung einer Übung sich auf das Leben überträgt. Schau aber, wie es für dich passt, denn es gilt immer, in kleinen Schritten anzufangen und sich nicht zu viel vorzunehmen. Hier ein paar Übungen zur Auswahl für dich:

  1. Den Atem verlängern – mit 4711

Bei fast allen Atemtechniken geht es darum, länger auszuatmen als einzuatmen. Durch längeres Ausatmen leeren wir die Lunge und schaffen Platz für frischen Sauerstoff. Durch längeres Ausatmen vertieft sich die Atmung automatisch, das Zwerchfell wird beteiligt, das parasympathische Nervensystem aktiviert.

Eine einfache Möglichkeit, die man jederzeit am Tag einsetzen und sich noch gut merken kann, ist die „4711“-Übung: 4 Sekunden einatmen, 7 Sekunden ausatmen, dies 11 Mal wiederholen. Probier es aus! Es geht schnell und beruhigt sofort.

 

  1. Wechselatmung (Anuloma-Villoma)

Diese Technik bringt das Zwerchfell in Bewegung, verlängert ebenfalls die Atmung und beruhigt den Geist. Hinzu kommt der Effekt, dass wir hierbei abwechselnd durch die verschiedenen Nasenlöcher ein- und ausatmen und dadurch wieder ein Gleichgewicht zwischen aktivierenden und beruhigenden Systemen herstellen. Zum Beispiel Wärme und Kühle, Sonne und Mond, sympathischen und parasympathischen System sowie linker und rechter Gehirnhälfte. Viele berichten, dass die Wechseltmung ihnen gegen Schlafstörungen oder bei Einschlafproblemen hilft.

Hier findest du eine leicht machbare Variante der Wechseltamung.: Die Anuloma-Ujay…

Wenn du gerne mehr Pranayama-Techniken kennenlernen möchtest, dann komm doch auf einen meiner Yoga-Kurse oder zu den Happiness Yoga Ferien!

 

  1. Lachen!

Wenn wir lachen, dann atmen wir automatisch lachend so lange aus, bis die Lunge fast vollständig entleert ist. Lachen ist eine der besten und schönsten Atemübungen, die wir praktizieren können! Lache 3-5 Minuten täglich und du sorgst automatisch dafür, dass mehr Sauerstoff in deinen Körper kommt. Doch wie kannst du einfach so ins Lachen kommen? Hier nur einige wenige Möglichkeiten:

Mit der geführten Meditation „Inneres Lachen“ kannst du 3-minütiges Lachen mit bewusster Atmung kombinieren.

Der Online-Kurs „Lachyoga Basics“ vermittelt die Grundlagen und Wirkungen des Lachyoga und jede Menge Übungen dazu

Hier findest d weitere Lachyoga-Angebote und -Seminare, sowohl online als auch offline.

 

  1. Bienensummen / Humming-Atmung

Diese Technik ist besonders wirkungsvoll, um den Blutdruck zu senken, bei Stress in die Ruhe zu kommen und den eigenen Körper wieder wahrzunehmen. Hierfür solltest du einen Platz finden, an dem du ein paar Minuten lang ungestört bist und auch keinen anderen störst. Atme tief ein und töne beim ausatmen ein „Hammm!“ Atme so lange summend aus, wie es geht, dann atme wieder langsam und tief ein für das nächste Humming. Schließe dabei die Augen und spüre das Vibrieren im Körper. Dies lässt sich noch intensiver spüren, wenn du dabei auch beide Ohren verschließt. Wiederhole dies ca. 10 Mal. Du möchtest die Atemtechniken unter Anleitung kennenlernen? Im Online-Kurs „Lachyoga Basics“ gibt es eine ausführliche Lektion dazu.

  1. Visualisierung des Atems

Stell dir beim Einatmen vor, wie du Licht einatmest. Mit jedem Ausatmen stell dir vor, wie sich dieses Licht im Körper verteilt. Dabei kannst du nach und nach den Fokus auf alle Körperteile richten: Füße, Beine, Gesäß, Rücken, Bauch, Brust, Schultern, Arme, Hände, Hals- und Nackenbereich, Kopfhaut, Augenpartie und Kiefermuskulatur.

Auch hierfür würde ich dir jedoch empfehlen, eine angeleitete Meditation zu nutzen, am besten die Meditation „Licht-Atmung“, siehe hier…

Wie oft vergessen wir im stressigen Alltag das, was uns am meisten hilft! Es reichen 1-3 Minuten, kurz inne halten, den Atem wahrnehmen, länger und tiefer ein- und ausatmen. Gut, dass meine Yogaschülerin mich in dem Moment wieder daran erinnert hat, wie einfach es sein kann. Das Wunderwerkzeug Atem steht jedem zur Verfügung. Nutze es und sorge für mehr Energie und Wohlbefinden in deinem Leben.

 

Ich wünsche dir viel Spaß damit!

Namasté Angela

Den Perfektionisten überlisten

Kennst du das: du willst eine Power Point Präsentation vorbereiten, einen Text schreiben, ein Bild bearbeiten – du bist eigentlich fertig, es geht nur noch um den Feinschliff. Hier noch eine Kleinigkeit, da noch eine Änderung – und plötzlich hast du für den Feinschliff länger gebraucht als für die Erstellung selbst. Mir geht es oft so. Da sitzt dann der Perfektionist wie ein kleines Männchen auf meiner Schulter und sagt: “Du darfst keine Fehler machen”, vielleicht sogar “du bist nicht gut genug”. 

Kein Wunder: Schließlich lernen wir von klein auf, dass wir keine Fehler machen sollen. Dass wir nur dann liebenswert sind, wenn wir uns auch dafür anstrengen. In der Schule wird das, was nicht richtig ist, angekreidet. Und – ehrlich gesagt – weise auch ich meinen Sohn beim Home Schooling auf seine Fehler hin und halte ihn an, diese zu korrigieren. Naja, immerhin versuche ich ihn auch dafür zu loben, was er richtig gemacht hat. 

 

Perfekt ist langweilig

Doch wer sagt eigentlich, dass wir perfekt sein müssen? Ist die Natur perfekt? Im Gegenteil. Die Natur ist ein ständiger Fluss zwischen Chaos, Neuentstehung, Fehlbildungen, Anpassungen. Genauso wie das gesamte Universum – und auch unser Planet – auf der einen Seite perfekt scheint, auf der anderen Seite ein völliges Chaos. Sonst würden keine Meteoriten einschlagen und es gäbe keine Naturkatastrophen. Wobei letztere natürlich immer mehr menschengemacht sind. Der menschliche Körper – faszinierend, wie perfekt er gemacht ist, für alles gewappnet, bis ins kleinste Detail “ausgeklügelt” – und doch gibt es Krankheiten, Einschränkungen, einige Kinder werden mit Herzfehler geboren, andere müssen mit Diabetes klarkommen oder anderen chronischen Krankheiten. 

Und auch für uns gilt: ist es nicht manchmal viel entspannter, verrückt, wild, unperfekt und fehlbar zu sein als perfekt? Ich habe viele Menschen kennengelernt, die nach außen hin das perfekte Bild versucht haben abzugeben. Doch ich merke es mittlerweile denjenigen an, die dabei nicht authentisch sind. Bei genauerem Nachfragen stelle ich dann fest, dass dahinter oft Unsicherheit oder Angst stecken. Der Glaube, dass alles im Leben – und vor allem man selbst – perfekt sein muss, macht vielen Menschen das Leben schwer. Sie strengen sich an oder haben gar so viel Angst davor, Fehler zu machen, dass sie gar nicht erst etwas Neues wagen. Das wird dann zum größten Hindernisfaktor für Kreativität und Innovation. In der Stressforschung ist der Glaubenssatz “sei perfekt” einer von 5 entscheidenden Stressverstärkern. Perfektionisten sind diejenigen, die sich das Leben schwer machen, weil sie alles nochmal überprüfen müssen und oft riesige Angst vor Fehlern haben. Sie sind diejenigen, die im Büro bis nachts da sitzen, um in ihrer Powerpoint Präsentation noch die Abstände um ein paar Millimeter hin und her zu rücken. Sie lesen jede Mail, jeden Text, 50 Mal durch, bevor irgendetwas rausgeht. 

Sorgfalt ja – aber da wo es passt

Und Achtung, nicht falsch verstehen! Eine angemessene Sorgfalt ist bei alldem durchaus wünschenswert. Ich mag es auch nicht, wenn ich in Zeitungsartikeln oder Werbeanzeigen so offensichtliche Fehler sehe, dass ich die Hände über dem Kopf zusammenschlage. “Der Führling kommt” habe ich neulich in einer Werbung meiner Videosoftware gelesen, und zwar über Wochen hinweg. Anscheinend ist es keinem der Werbemacher aufgefallen. Und ja, von einer Chirurgin wünsche ich mir auch absolute Präzision und Sorgfalt, wenn sie ans Werk geht. 

Doch die Frage ist, wo wir ein Stückchen unserer Perfektion loslassen dürfen, um gelassener, mit mehr Freude und am Ende sogar effektiver unser Leben zu gestalten. Wenn du also auch manchmal so ein kleines Männchen in oder neben deinem Ohr sitzen hast, das dich zu Perfektionismus antreibt, dann helfen dir vielleicht diese Anregungen:

1. Erkenne das Gute an deinem Perfektionisten an

Sage dem kleinen Männchen mal danke, dass es dich zu Höchstleistungen motiviert, dich zu Sorgfalt drängt und das Beste aus dir rausholt. Dann sage ihm aber auch “danke, jetzt sorge ich für mich selbst und bin nachsichtig.” 

2. Erlaube dir Fehler

Jeder Mensch macht Fehler – auch diejenigen, die nach außen hin perfekt scheinen mögen. Je weniger Angst wir vor Fehlern haben und je mutiger wir sind, umso kreativer können wir sein – und somit am Ende auch erfolgreicher. In meinen Kursen üben wir es, uns selbst nicht so ernst zu nehmen. Zum Beispiel, indem wir über unsere eigenen Fehler lachen. Das befreit und beschwingt ungemein!

3. Stehe zu deinen Schwächen

Wir sind nur dann angreifbar, wenn wir versuchen, nach außen hin ein perfektes Bild abzugeben.  Wenn wir von vornherein zu unseren Schwächen stehen, wird keiner uns das übel nehmen. Ich habe eine Kollegin, die hat eine Lese- und Rechtschreibschwäche. Natürlich geht sie damit nicht hausieren, aber wenn es sich ergibt, steht sie dazu. Sie konzentriert sich lieber auf ihre Stärken – und damit ist sie sehr erfolgreich. 

4. Nutze das Pareto-Prinzip – zumindest da, wo es passt

Pareto hat herausgefunden, dass wir mit nur 20% unseres Aufwandes 80% unserer Arbeit schaffen können. Die restlichen 80% unserer Zeit verbringen wir mit Verbesserungen und Feinschliff, der nicht immer nötig ist – siehe oben. Ich halte den Grundgedanken für gut, aber auch hier gilt natürlich die Frage, um welchen Arbeitsbereich es sich handelt – von einer Chirurgin wünsche ich mir absolute Präzision. Auch in der Buchhaltung kann ein Fehler um einen Centbetrag alles durcheinander bringen. Genauso wünscht sich vermutlich jeder von uns 100%-ige Präzision bei der Loopingbahn im Vergnügungspark oder dem Corona-Impfstoff. Und doch lohnt es sich, zu überlegen, in welchen Bereichen wir mit weniger Aufwand vielleicht den gleichen Nutzen erzielen können.

5. Do your best and leave the rest

Dieser Spruch kommt von meinem Lehrer Dr. Madan Kataria, und ich kann ihn gar nicht oft genug zitieren. Wenn wir aus diesem Bewusstsein heraus handeln, dann kommt einfach Gelassenheit. Natürlich wollen wir in allen Lebensbereichen volles Engagement zeigen. Aber dann darf auch der Punkt kommen, an dem wir loslassen und darauf vertrauen dürfen, dass das Leben, das Universum – wer auch immer – den Rest für uns erledigen wird. 

6. Folge der Freude!

Beobachte bewusst bei dir selbst: Wann ist etwas so mühselig, dass du nicht weiterkommst? Natürlich kommt man um bestimmte Tätigkeiten nicht umhin: Die Steuererklärung, Haushalt, Reifenwechsel. Doch bei vielen Dingen kannst du dich auch fragen:  Ist es etwas, was ich unbedingt tun muss? Mir selbst geht es manchmal so, dass ich mich verrenne, weil ich oft denke, ich müsste noch unbedingt 100 Sachen erledigen. Dann verkrampfe ich und schaffe gar nichts mehr. Mittlerweile frage ich mich bei allem: “bringt mich das in die Freude? Oder tu ich das jetzt, weil ich meine, dass man das tun müsste?”

Egal, ob du dich jetzt selbst als Perfektionisten ertappt hast oder nicht – ich wünsche dir, dass du mit Nachsicht, Gelassenheit und natürlich Freude durch den Alltag gehen kannst! Wenn du mehr Inspirationen für Glück und Freude möchtest, die du direkt im Alltag anwenden kannst, dann trag dich gerne hier in den Happiness Newsletter ein.

Achja: und wenn du Fähler findest, dann liegt es daran, dass ich mein kleines Perfektionisten-Männchen heute mal ruhen lassen habe. ;-)