Meine fünf wichtigsten Erkenntnisse der Reise

 

  1. Wohin du auch gehst – deine Themen begleiten dich

 Sowohl bei uns als auch bei den Teilnehmer:innen meiner Retreats habe ich festgestellt: Wir können am schönsten paradiesischen Ort sein, aber das allein ist kein Garant für glücklich sein. Denn wenn wir versuchen, vor unseren Problemen wegzulaufen, statt uns mit ihnen auseinander zu setzen, dann werden sie uns woanders wieder begegnen – an anderen Orten oder auch mit anderen Menschen. Die gute Nachricht: Wenn wir nach innen schauen und immer wieder bei uns selbst beginnen, dann ist es nicht so wichtig, an welchem Ort wir gerade sind.

  1. Wir haben keine Zeit – weil wir sie vergeuden

Wenn eine solche Reise etwas bewirkt, dann, dass sie uns mal komplett aus dem Alltag herausnimmt. Weg von Freizeitveranstaltungen, Terminen, Verpflichtungen, von denen man vielleicht auf die Hälfte eh keine Lust hat. Auch das abendliche Fernsehen ist hinfällig, weil das Programm in anderer Sprache stattfindet. So haben wir festgestellt, dass wir grundsätzlich viel mehr Zeit haben, als wir zu Hause oft denken. Wir haben sie zu Hause nur deshalb nicht, weil wir sie entweder mit Fernsehen oder Social Media vergeuden, oder weil wir uns zu oft viel zu viele Termine aufhalsen.

  1. Wer aus Liebe handelt, gewinnt

Wo wir auch hinkamen, immer haben wir einen Riesenunterschied bemerkt, wie wohl oder unwohl wir uns in einem Hotel oder Geschäft oder an einem Ort gefühlt haben. Da konnte ein Hotel noch so durchgestyled sein, wenn die Mitarbeiter:innen unfreundlich oder lieblos waren, haben wir uns nicht wohlgefühlt. Dort, wo wir liebevolle Menschen getroffen haben – wie Gregoria auf Zypern, Nawal in Indien, Coco auf der geheimen Insel – herrschte direkt eine ganz andere Energie. Dies waren die Orte, die magisch Menschen angezogen haben und an denen wir uns uneingeschränkt wohl gefühlt haben.

  1. Es kommt nicht darauf an, WO du bist, sondern mit WEM du bist

Wir waren in einfachen Bungalows und haben Spaß gehabt, wir waren in 4-Sterne-Hotels und haben uns dort verloren gefühlt. Und umgekehrt. Den größten Spaß haben wir dort gehabt, wo liebevolle Menschen waren – entweder Reisefreunde oder auch besondere Menschen vor Ort (siehe vorherigen Punkt). Doch sowohl für meinen Sohn als auch für mich war es wichtig, den Kontakt zu den Freunden zu Hause zu halten und zu pflegen. Uns ist bewusst geworden, dass wir das nicht missen wollen. Viele stellen sich z.B. auswandern als DEN großen Traum vor. Doch die meisten machen sich nicht bewusst, dass dies auch bedeutet, Abschied von Freunden, Familie und lieben Menschen zu nehmen. Es viel wert, Freunde zu haben, mit denen man sich auch mal spontan treffen oder etwas unternehmen kann. Zu denen du hinfahren kannst oder die zu dir kommen, wenn du in Schwierigkeiten steckst.

  1. Es geht nicht darum, dass alles perfekt ist – sondern es gilt, die Höhen und Tiefen gelassen und mit einem Lächeln zu meistern

Diese Erkenntnis war bereits vor der Reise einer meiner wichtigsten Leitsprüche und hat sich mal wieder bestätigt. Wahrlich, auf unserer Reise ist nicht alles perfekt gelaufen. Aber wir hatten durchgehend die Zuversicht und die Gelassenheit, dass alles schon irgendwie gutgehen wird. Wir haben schöne Erlebnisse genossen und schwierige Situationen gemeistert. Und was auch immer wir daraus mitgenommen haben, eines ist sicher: Wir haben unsere Resilienz gestärkt und wissen, dass uns nichts so leicht umhauen kann. Und ich denke, das ist in diesen Zeiten eine der wichtigsten Ressourcen, die man haben kann.

Unsere „Weltreise“ – was nehmen wir mit?

Unser Mut hat uns belohnt – mit sensationellen Bildern und Erlebnissen, Rollerfahrten in der Abendsonne, Lachanfällen in Hotelzimmern, Schlafen auf dem Segelboot unterm Sternenhimmel, faszinierenden Unterwasserwelten beim Schnorcheln, Schwimmen bei Mondlicht im Infinity Pool. Wir haben Elefanten und Giraffen gefüttert, Feuershows und Feuerwerke gesehen, die Wellen gesurft und die Aussicht von Bergen auf umwerfende Landschaften genossen. Wir haben exotisches Essen probiert, spannende Menschen kennengelernt und nachts die Landschaft in einem Nachtbus an uns vorüberziehen lassen. Ich habe Retreats angeleitet, meinen Sohn unterrichtet und manchmal mit ihm auch einfach nur Serien geschaut. Sicherlich wird diese Reise noch sehr lange nachwirken und in uns arbeiten.

Wie fühlt es sich an, wieder zurück zu sein? Ich kenne dieses komische, etwas ernüchterte Gefühl schon von früheren Auslandsaufenthalten. Aber ich kenne es auch, einige Dinge hier zu Hause wieder mehr schätzen zu wissen: saubere Straßen, einen gut sortierten Supermarkt, eine leckere Currywurst oder es sich nach einem kalten Wintertag in der Wohnung gemütlich zu machen. Ich freue mich, wieder Termine und Struktur zu haben, aber vor allem: viele liebe Menschen wieder live sehen zu können!

DANKE

Wenn du bis hier gelesen hast, dann möchte ich dir als Leser:in und Begleiter:in nochmal DANKE sagen. Danke für dein Sein und deine Anteilnahme, für dein Einlassen und das virtuelle „Mitreisen“.

Ich möchte vor allem meinem Sohn Joshua danke sagen, der das alles so toll mitgemacht hat, sich auf alle Erlebnisse eingelassen hat und so lange auf Papa, Omas, Opas und seine Freunde verzichtet hat. Wir waren einfach ein klasse Mama-Sohn-Team und sind noch mehr zusammen gewachsen.

Und ich möchte meinem Freund Michael danken für die vielen schönen Momente in der ersten Reisehälfte und für die spätere Unterstützung aus der Ferne heraus. Ich bin froh und erleichtert, dass jetzt bei dir gesundheitlich alles gut überstanden ist.

MEHR…

Berichte, Bilder und Videos zur gesamten Reise findest du unter Reiseblog…

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Heiligabend in Bangkok und die „geheime Insel“

Weihnachten unter Palmen – ist das jetzt schön oder traurig? Die Gedanken machen wir uns erstmal gar nicht, weil wir genau an Heiligabend den Flug von Phuket nach Bangkok antreten. Außer dass vor vielen Hotels und Läden glitzernde Weihnachtsbäume aufgestellt sind, merkt man hier nicht so viel von Heiligabend. Das macht es sicherlich einfacher, nicht sentimental zu werden. Es ist heiß draußen, der Flug läuft reibungslos, und wir sind nachmittags in dem schönen Hotel, in dem wir uns auch mit meiner Freundin Inga und ihrer Tochter Toyah treffen. Die beiden kommen extra in den Weihnachtsferien angereist, um mit uns Weihnachten und Silvester in Bangkok und am Strand zu verbringen.

Joshua und ich haben Kerzen besorgt, einen leuchtenden Mini-LED-Weihnachtsbaum, ein paar Accessoires und kleine Geschenke. Damit haben wir im Hotelzimmer einen kleinen „Weihnachtstisch“ aufgebaut, vor dem großen Fenster, durch das wir im Hintergrund die Lichter von Bangkok sehen. Dazu Wein, ein paar Süßigkeiten und Chips. So kann man es sich gutgehen lassen, denke ich mir. Wir freuen uns auf einen lustigen Abend zu viert, mit Spielen, herumscherzen und viel quatschen – wie wir es schon oft auf früheren Reisen gemacht haben. Vorher wollen wir noch mit den beiden essen gehen. Dafür haben Joshua und ich beim letzten Bangkok-Aufenthalt ein schönes Rooftop-Restaurant entdeckt, in dem es Steak und andere Leckereien gibt – obendrauf  den Blick auf verschiedene Tempel mit goldenen Dächern.

Es kommt immer anders und erst recht als man denkt

Doch erstmal kommt die Hiobsbotschaft: Der Flieger von den beiden wurde in Frankfurt gestrichen, wegen Sturm in Wien. Sie bekamen einen Ersatzflug – allerdings über Seoul! Also erstmal ein Umweg komplett in die falsche Richtung bzw. viel zu weit über das Ziel „Thailand“ hinaus. Was auch bedeutet, dass sie erst Abends gegen 22:00 Uhr im Hotel ankommen werden – und wir den Heiligabend dann wohl zu zweit verbringen dürfen. Wir nehmen es gelassen, gehen trotzdem zum Rooftop-Restaurant, genießen das leckere Essen und die Aussicht und machen Weihnachtsanrufe. Zu Hause ist es ja eh noch früher. Irgendwann treffen schließlich Inga und Toyah ein, und wir machen uns noch bis spät nachts eine gemütliche Zeit im Hotelzimmer.

VISA-Rennerei – im wahrsten Sinne des Wortes

Am nächsten Tag fahren Joshua und ich wieder zum Immigration Office, da wir ja noch eine Verlängerung für unser Visum brauchen, wenn auch nur für 10 Tage. Dort wird uns gesagt, dass dies leider nicht nochmal möglich ist und wir dafür aus dem Land raus und wieder einreisen müssten. Puh, wie soll das jetzt noch gehen auf die Schnelle? Ich recherchiere und finde eine Lösung: Der Ort, von dem aus wir auf die „geheime Insel“ fahren wollen, liegt nah an der Grenze zu Myanmar. Und es wird tatsächlich angeboten, mit dem Boot einmal über die Grenze und zurück zu fahren, um das Visum zu verlängern. Das Ganze nennt sich dann „Visa Run“ und ist durchaus üblich unter Backpackern.

Direkt am nächsten Tag geht’s los. Wir fliegen zu viert von Bangkok nach Ranong, einem abgelegenen Fischerort – Fischerort im wahrsten Sinne des Wortes, da es hier überall stark nach Fisch riecht. Hier empfängt uns die Dame, die für uns den „Run“ organisiert hat. Wir haben nicht viel Zeit, denn um 15:00 startet bereits das Speed Boat auf die Insel. Inga und Toyah – die ja kein Visum brauchen – warten solange in einem kleinen Straßenrestaurant auf uns, mitsamt Gepäck. Joshua und ich werden zur Eile angetrieben und können gerade noch schnell unsere Handgepäck-Rucksäcke greifen, um direkt von der Dame an den Pier geführt zu werden. Zum Glück habe ich noch etwas Wasser dabei und ein paar Cracker vom Flug. Zeit bleibt nur noch zum Geld abheben, denn schließlich lassen die sich das Ganze gut bezahlen.

Alles geht zack zack. Wir werden erst zu einem kleinen Schalter geführt, um dort eine Ausreisebestätigung zu erhalten. Dann klettern wir an dem kleinen Anlege-Pier über mehrere Holzboote hinweg auf ein Long Tail Boot. Ein Mann fährt das Boot, der andere, der dabei ist, sackt unsere Reisepässe ein. Los geht’s mit laut tuckerndem Motor, durch unruhige Gewässer, Richtung Myanmar. Hoffentlich. Ganz kurz beschleicht mich ein unruhiges Gefühl. Sie haben unsere Reisepässe, und wir haben all unsere wichtigen Karten und Wertsachen dabei, bis hin zu Tablets und Laptops. Theoretisch könnten diese Männer uns jetzt entführen, erpressen oder sonstwas mit uns machen. Ich versuche, gelassen zu bleiben und beschließe, einfach mal zu vertrauen, dass das Ganze gut geht. Was bleibt mir auch anderes übrig? Joshua ist zumindest die Ruhe in Person. Er hat die Noise Cancelling Kopfhörer aufgesetzt – wegen des lauten Motors – und hört darüber seinen Lieblings-Podcast.

Wir fahren an einen weiteren Pier heran, vermutlich irgendeine Zollstelle. Der „Begleitmann“ verschwindet mit unseren Pässen in dem Office und kommt zurück mit einem weiteren Mann in Militäruniform, der das Boot genau absucht, sogar unter den Planken nachschaut und in unseren Rucksäcken. Keine Beanstandungen und weiter geht’s. Der Begleitmann hat immer noch unsere Pässe in der Hand, und ich hoffe nur, dass sie ihm nicht ausversehen ins Wasser fallen. Ob das schonmal passiert ist bei einer solchen Fahrt? Ich denke lieber nicht drüber nach. Die Fahrt beginnt, Spaß zu machen. Wir fahren an dem Ufer von Myanmar entlang, sehen Häuser auf Pfählen und improvisierte Bretterbuden, Fischerkähne, Long Tail Boote, aber auch Tempel und Buddhafiguren. Schließlich kommen wir in ein Mini-Fischerdorf, mit ein paar heruntergekommenen Hotels und einem Schild: „Welcome to Myanmar.“ Hier dürfen wir aussteigen, klettern wieder über mehrere Boote hinweg und sollen an einem „Office“ – einem kleinen Schalter in einem Brettergebäude – die Ausreiseformalitäten erledigen. Pass, Foto, Fingerabdrücke. Schnell selbst noch ein Foto gemacht, dann geht es wieder mit dem Longtail Boot zurück über das Meer.

Um viertel vor drei kommen wir zurück an den Pier und müssen noch an den „Einwanderungsschalter“. Um drei geht das Speed Boat zur Insel. Unsere „Managerin“ empfängt uns, macht Druck am Schalter und führt uns dann im Laufschritt zu ihrem Auto und zum anderen Pier. Dort empfangen uns Inga und Toyah mit dem Gepäck, wir stürmen zum Anleger für das Speed Boat und… es ist nicht da! Etwa schon weg? Wir erfahren, dass es woanders abfährt, wegen Ebbe. Also ab ins Taxi und zum nächsten Anleger. Am Ende dauert es noch eine Stunde, bis wir mit dem Speedboat ablegen und auf die Insel fahren können.

Die „geheime Insel“ – Paradies auf Zeit

Diese Insel ist der Abschluss unserer Reise, wo wir uns mit Inga und Toyah noch eine schöne Zeit machen wollen. Sie wurde mir von einem Kollegen empfohlen, der aber Wert darauf legt, dass ich den Namen der Insel geheim halten soll. Daher nenne ich sie hier „geheime Insel“. Es ist eine der wenigen thailändischen Inseln, die noch nicht vom Massentourismus heimgesucht wurden. Weder von den Pauschaltouristen, wie in Phuket, noch von der „spirituellen Backpackerszene“ wie auf Ko Phangan. Natürlich gibt es auch hier Roller-Verleihstationen, kleine Tourismus-Offices, die Schnorcheltouren anbieten, Restaurants, Resorts und ein paar Souvenirläden. Aber es ist merklich anders, ursprünglicher und ruhiger. Und es gibt keinen „7/11“ Supermarkt, wie ich mit Genugtuung feststelle. Wir steigen nach Ankunft am Pier direkt auf die vorab gemieteten Roller, lassen unser Gepäck mit dem Taxi transportieren und ich genieße mit Joshua hinter mir den seichten Fahrtwind und die Stimmung des frühen Abends, während wir über die palmenbesäumten kleinen Straßen der Insel fahren. Hier gibt es keine Autos, nur Roller und Tuktuks. Genial!

Unser vom Kollegen empfohlenes Resort ist einfach, aber sehr sympathisch. Abends sitzen wir im Restaurant am Strand und sind geflashed von der tiefroten Sonne, die langsam im Meer versinkt, wir genießen gutes Essen und kalte Getränke. So verbringen wir die nächsten 10 Tage mit ausschlafen, gut und lange frühstücken, im Meer baden, Massagen erhalten, abends lustige Spiele wie „Tabu“ spielen und mit dem Roller über die Insel fahren. Carla aus Kalifornien ist ebenfalls auf der Insel und leistet uns ab und zu Gesellschaft, für Spiele und interessante Gespräche. Mit ihr zusammen biete ich 2 Lachyoga-Sessions für interessierte Touristen an, was jedes Mal großen Spaß macht. Silvester gibt es eine Riesenparty am Strand, mit DJ, Feuershow, Festessen und Himmelslaternen. Traumhaft, so kann es bleiben!

Die wildeste Cornflakes-Idee des Jahres

Doch ein paar Tage später wachen wir auf und merken: es reicht! Wir sind satt. Im positiven Sinne. Wir haben die gesamte Insel mit dem Roller erkundet, alle Souvenirläden abgegrast, im Meer gebadet, sind gesurft, haben Sonnenuntergänge noch und nöcher gesehen. Jetzt wird es Zeit für etwas Neues! Wir sitzen zu viert morgens beim Frühstück und sind uns einig: Wir wollen nach Bangkok –  noch heute! Toyah löffelt ihre Cornflakes und sagt „ich wär dabei.“ Also starten wir die Operation „Cornflakes-Idee“.

Wir organisieren uns einen Mini-Van (9 Stunden Fahrt!), tauschen die Tickets für das Speed Boat, packen schnell unsere Sachen und checken aus. Jetzt noch auf die andere Seite der Insel zum Speed Boat Anleger fahren, die Roller abgeben, und… puh, wieder in letzter Minute auf das Boot! Auf der anderen Seite – im Fischerdorf – wartet der bestellte Van. In 9 Stunden Fahrt würde man es von Köln bis nach Mailand schaffen. Doch hier in Thailand herrschen andere Relationen. Man fährt nicht so schnell, das Land ist groß und 9 Stunden Fahrt nichts Ungewöhnliches.

Crazy Bangkok intensiv

Spät abends bei Ankunft am Hotel erwartet uns erstmal das Kontrastprogramm zur „geheimen Insel“: zwielichtige bzw. eindeutige „Massagesalons“, vor denen leicht bekleidete Frauen oder Lady Boys herumlungern, Night Bars, Weed Shops und Karaoke Kneipen.

Aber wir finden die nächsten Tage in Bangkok auch hypermoderne Shopping Malls, ein Hard Rock Café, Elektro-Rikshas, die uns in allen Farben leuchtend durch die Nacht kutschieren. Und natürlich einen 7/11, bei dem wir uns mit den üblichen Snacks – Chips, Sandwich, Instant Nudeln und Chang Bier – eindecken können. Bangkok ist wirklich eine Stadt der Rekorde, der Ideen, der Partys, der faszinierenden Mischung aus Tradition und New Life. Ein Highlight ist auch der Besuch in einem „Hundecafé“, in dem lauter süße kleine dicke Corgi-Hunde um uns herumtollen und schier ausrasten, wenn wir ihnen Leckerlis reichen. Was für ein Erlebnis!

Unsere „Weltreise“ – was nehmen wir mit?

Doch nach ein paar Tagen ist es soweit: unser Rückflug nach Deutschland steht an! Nach einem Stopp in Qatar, leckerem Essen und jeder Menge Spielfilme setzt der Flieger in Frankfurt auf. Hier erwarten uns kalte Temparaturen, unfreundliche Zollbeamte, Schlangen vor der Passkontrolle und „deutsche Nüchternheit“. Aber es warten auch liebe Menschen, die uns von Herzen empfangen und sich freuen, dass wir wieder da sind. Freunde, Familie, Teilnehmer:innen und viele, die mit uns virtuell mitgereist sind und mitgefiebert haben.

Ich danke jedem und jeder einzelnen von euch für die Anteilnahme, die Motivation, den Trost und immer wieder die ermutigenden Worte, wenn es mal schwierig war! Ein großes Abenteuer geht zu Ende. Wir haben geliebt, gelitten, geweint, gelacht, genossen und gelernt. Wir sind immer wieder mal auf die Schnauze gefallen und haben uns jedesmal aufgerappelt. Wir hatten jede Menge Abenteuer, aber auch eintönige Tage. Die Reise hat uns – mich mit meinem Sohn – zusammengeschweißt und wir haben gelernt, was geht und was nicht geht. Wir haben unsere Freunde vermisst und auch Federn gelassen.

Aber der Mut hat uns belohnt – mit sensationellen Bildern und Erlebnissen, Rollerfahrten in der Abendsonne, Lachanfällen in Hotelzimmern, Schlafen auf dem Segelboot unterm Sternenhimmel, faszinierenden Unterwasserwelten beim Schnorcheln, Schwimmen bei Mondlicht im Infinity Pool. Wir haben Elefanten und Giraffen gefüttert, Feuershows und Feuerwerke gesehen, die Wellen gesurft und die Aussicht von Bergen auf umwerfende Landschaften genossen. Wir haben exotisches Essen probiert, spannende Menschen kennengelernt und nachts die Landschaft in einem Nachtbus an uns vorüberziehen lassen. Ich habe Retreats angeleitet, meinen Sohn unterrichtet und manchmal mit ihm auch einfach nur Serien geschaut. Sicherlich wird diese Reise noch sehr lange nachwirken und in uns arbeiten.

Wie fühlt es sich an, wieder zurück zu sein? Ich kenne dieses komische, etwas ernüchterte Gefühl schon von früheren Auslandsaufenthalten. Aber ich kenne es auch, einige Dinge hier zu Hause wieder mehr schätzen zu wissen: saubere Straßen, einen gut sortierten Supermarkt, eine leckere Currywurst oder es sich nach einem kalten Wintertag in der Wohnung gemütlich zu machen. Ich freue mich, wieder Termine und Struktur zu haben, aber vor allem: viele liebe Menschen wieder live sehen zu können!

Wir sind an der Reise gewachsen und haben viel gelernt. Daran möchte ich dich gerne teilhaben lassen.

Meine wichtigsten Erkenntnisse der Reise 

 

  1. Wohin du auch gehst – deine Themen begleiten dich

 Sowohl bei uns als auch bei den Teilnehmer:innen meiner Retreats habe ich festgestellt: Wir können am schönsten paradiesischen Ort sein, aber das allein ist kein Garant für glücklich sein. Denn wenn wir versuchen, vor unseren Problemen wegzulaufen, statt uns mit ihnen auseinander zu setzen, dann werden sie uns woanders wieder begegnen – an anderen Orten oder auch mit anderen Menschen. Die gute Nachricht: Wenn wir nach innen schauen und immer wieder bei uns selbst beginnen, dann ist es nicht so wichtig, an welchem Ort wir gerade sind.

  1. Wir haben keine Zeit – weil wir sie vergeuden

Wenn eine solche Reise etwas bewirkt, dann, dass sie uns mal komplett aus dem Alltag herausnimmt. Weg von Freizeitveranstaltungen, Terminen, Verpflichtungen, von denen man vielleicht auf die Hälfte eh keine Lust hat. Auch das abendliche Fernsehen ist hinfällig, weil das Programm in anderer Sprache stattfindet. So haben wir festgestellt, dass wir grundsätzlich viel mehr Zeit haben, als wir zu Hause oft denken. Wir haben sie zu Hause nur deshalb nicht, weil wir sie entweder mit Fernsehen oder Social Media vergeuden, oder weil wir uns zu oft viel zu viele Termine aufhalsen.

  1. Wer aus Liebe handelt, gewinnt

Wo wir auch hinkamen, immer haben wir einen Riesenunterschied bemerkt, wie wohl oder unwohl wir uns in einem Hotel oder Geschäft oder an einem Ort gefühlt haben. Da konnte ein Hotel noch so durchgestyled sein, wenn die Mitarbeiter:innen unfreundlich oder lieblos waren, haben wir uns nicht wohlgefühlt. Dort, wo wir liebevolle Menschen getroffen haben – wie Gregoria auf Zypern, Nawal in Indien, Coco auf der geheimen Insel – herrschte direkt eine ganz andere Energie. Dies waren die Orte, die magisch Menschen angezogen haben und an denen wir uns uneingeschränkt wohl gefühlt haben.

  1. Es kommt nicht darauf an, WO du bist, sondern mit WEM du bist

Wir waren in einfachen Bungalows und haben Spaß gehabt, wir waren in 4-Sterne-Hotels und haben uns dort verloren gefühlt. Und umgekehrt. Den größten Spaß haben wir dort gehabt, wo liebevolle Menschen waren – entweder Reisefreunde oder auch besondere Menschen vor Ort (siehe vorherigen Punkt). Doch sowohl für meinen Sohn als auch für mich war es wichtig, den Kontakt zu den Freunden zu Hause zu halten und zu pflegen. Uns ist bewusst geworden, dass wir das nicht missen wollen. Viele stellen sich z.B. auswandern als DEN großen Traum vor. Doch die meisten machen sich nicht bewusst, dass dies auch bedeutet, Abschied von Freunden, Familie und lieben Menschen zu nehmen. Es viel wert, Freunde zu haben, mit denen man sich auch mal spontan treffen oder etwas unternehmen kann. Zu denen du hinfahren kannst oder die zu dir kommen, wenn du in Schwierigkeiten steckst.

  1. Es geht nicht darum, dass alles perfekt ist – sondern es gilt, die Höhen und Tiefen gelassen und mit einem Lächeln zu meistern

Diese Erkenntnis war bereits vor der Reise einer meiner wichtigsten Leitsprüche und hat sich mal wieder bestätigt. Wahrlich, auf unserer Reise ist nicht alles perfekt gelaufen. Aber wir hatten durchgehend die Zuversicht und die Gelassenheit, dass alles schon irgendwie gutgehen wird. Wir haben schöne Erlebnisse genossen und schwierige Situationen gemeistert. Und was auch immer wir daraus mitgenommen haben, eines ist sicher: Wir haben unsere Resilienz gestärkt und wissen, dass uns nichts so leicht umhauen kann. Und ich denke, das ist in diesen Zeiten eine der wichtigsten Ressourcen, die man haben kann.

DANKE

Wenn du bis hier gelesen hast, dann möchte ich dir als Leser:in und Begleiter:in nochmal DANKE sagen. Danke für dein Sein und deine Anteilnahme, für dein Einlassen und das virtuelle „Mitreisen“.

Ich möchte vor allem meinem Sohn Joshua danke sagen, der das alles so toll mitgemacht hat, sich auf alle Erlebnisse eingelassen hat und so lange auf Papa, Omas, Opas und seine Freunde verzichtet hat. Wir waren einfach ein klasse Mama-Sohn-Team und sind noch mehr zusammen gewachsen.

Und ich möchte meinem Freund Michael danken für die vielen schönen Momente in der ersten Reisehälfte und für die spätere Unterstützung aus der Ferne heraus. Ich bin froh und erleichtert, dass jetzt bei dir gesundheitlich alles gut überstanden ist.

MEHR…

Berichte, Bilder und Videos zur gesamten Reise findest du unter Reiseblog…

Du möchtest deine eigenen Träume entdecken und leben? Dann komm in das SMILE-Programm…

Meckern verpönt? Von Hotels und anderen Baustellen in Phuket

Das Leben ist eine Baustelle – und manches Hotel auch

Ich sitze mit Joshua im Taxi, erfüllt und zufrieden von dem schönen und besonderen Segelerlebnis, das wir hatten. Aber wir freuen uns auch mal wieder auf ein klimatisiertes Hotelzimmer, ein großes Bett zum Schlafen und nicht kochen müssen. Als das Taxi zum Hotel einbiegt, sehen wir jedoch zunächst – einen riesigen Bauzaun. Daran vorbei, kommen wir an der Rezeption an. Da es noch früh ist, können wir noch nicht in das Zimmer. Wir gehen also zum Poolbereich, um es uns dort auf einem der Liegestühle bequem zu machen und zu warten. Der Pool ist schmal und lang, die Liegestühle passen nur daneben, wenn sie schräg stehen, daneben ist der Bauzaun und dahinter – jede Menge Baulärm. Solche Dinge sieht man natürlich bei Booking.com nicht auf den Bildern. Da zudem das Hotel ganz neu ist – eben noch eine halbe Baustelle – gab es auch noch kaum Rezensionen dazu. Wobei ich eigentlich dachte, dass man bei einem 4-Sterne-Hotel nichts falsch machen kann. Aber da habe ich mich leider getäuscht. Entgegen der Aussage in Booking liegt das Hotel auch nicht direkt am Strand. Um zum Strand zu kommen, müssen wir am Bauzaun entlang durch die sengende Hitze laufen und noch über eine Straße.

Schließlich können wir in unser Zimmer einziehen, was immerhin sehr gut ist. Geräumig, modern, mit einer kleinen Küchenzeile (wobei dort noch nichts eingerichtet und benutzbar ist), einem Schreibtisch und zusätzlichem Sofa. Mit Mühe überrede ich Joshua, noch einen kleinen Gang durch den Ort zu machen. Wobei der Begriff „Ort“ etwas übertrieben ist, was wir hier vorfinden: Eine große lange Straße entlang des Strandes, an der Straße entlang das übliche: Massagesalons, kleine Supermärkte, Restaurants. Kein gemütlicher Ortskern, alles einfach nur aufgereiht an der großen Straße. Und beschleicht das Gefühl, dass wir unser Hotelzimmer die nächsten Tage nicht so oft verlassen werden.

Das Frühstück am nächsten Morgen macht es nicht besser. Aus dem Mini-Frühstücksraum blickt man auf den Bauzaun, die Tische sind eng zusammen gepfercht und wir kommen uns vor wie in einem Käfig. Das Buffet hat zwar das Übliche, was es so gibt – English Toast bis hin zu Scrambled Eggs, aber appetitlich ist das alles nicht, wenn direkt am Nebentisch irgendwelche dickbäuchigen Typen das Rührei in sich hineinschaufeln und alle Reste unappetitlich am Tisch hinterlassen. Ich bedaure es, dass ich direkt eine komplette Woche in diesem Hotel gebucht habe. Natürlich – das mag alles nach „Luxusproblem“ klingen, aber ich sehe es nicht ein, wenn der Preis in Relation viel höher ist als das, was man angeboten bekommt.

Should I stay or should I go?

Muss ich das jetzt so hinnehmen, weil ich nun mal verbindlich und stornierungsfrei gebucht habe? Oder darf ich / ja, sollte ich versuchen, es zu ändern? Ich entscheide mich für ändern und gehe zur Rezeption, mit der Bitte, vorzeitig auszuchecken. Immerhin sind die Mitarbeiterinnen an der Rezeption sehr freundlich. Sie rufen den Manager, der ebenfalls sehr kooperativ ist. Ich vermute fast, dass ich nicht die erste bin, die sich beschwert. Er versucht fast verzweifelt, mich zum bleiben zu überreden: er bietet mir Upgrades an, ein kostenloses Dinner etc. Doch ich will nur weg hier, und schließlich willigt er ein, dass ich am nächsten Tag auschecken und das restliche Geld zurückbekommen kann. Er müsste nur noch mit der Reservierungsabteilung klären, wie sie es handhaben. Ich bin total erleichtert und suche mir direkt ein anderes Hotel raus, das einen guten Eindruck macht, in der Nähe und bezahlbar ist. Schließlich gilt es nur noch, die restlichen 4 Tage etwas zu finden, bis wir an Heiligabend nach Bangkok fliegen.

Gerade habe ich online auf „buchen“ (ohne kostenfreie Stornierung, wohlgemerkt) gedrückt, kommt ein Anruf über das Hoteltelefon. Es sei doch nicht möglich, vorzeitig zu stornieren, sagt mir der Manager am Telefon. Ich hätte bis zum 24.12. gebucht und bezahlt, das wäre nicht rückgängig zu machen. Na ganz toll, denke ich mir, jetzt habe ich gerade das andere Hotel gebucht und komme hier nicht raus! Was tun? Aufgeben? Ich recherchiere im Netz „Was tun bei Baulärm“? So kampflos will ich das nicht hinnehmen. Man solle es dokumentieren, finde ich auf diversen Anwalts-Beratungsseiten im Netz heraus. Ah, ok. Ich gehe mit meinem Smart Phone nach unten und mache Bilder, Tonaufnahmen und Videos von allem: dem Lärm hinter dem Zaun, dem eingequetschten Pool, der provisorischen Einrichtung. Dann setze ich mich hin und schreibe eine lange Mail an den Hotelmanager sowie Booking.com. Ich beschreibe die Mängel und dass ich diese gerne auf Anfrage dokumentieren kann. Ich beschreibe den Vorgang und die mündliche Zusage des Hotelmanagers. Fast komme ich mir dabei vor wie so eine typische deutsche Meckertante, die an allem etwas auszusetzen hat. Skrupel begleiten mich die ganze Zeit: ist es nicht übertrieben, da so viel Energie reinzustecken? Sollte ich das nicht einfach als „Dumm gelaufen“ oder „Pech gehabt“ abhaken und nächstes Mal schlauer sein?

Für sich einstehen erlaubt

Doch dann erinnere ich mich wieder an mein Motto: „love it, leave it or change it”. Und mir wird noch etwas klar: Nein, ich MUSS nicht alles so hinnehmen, was man mir vorsetzt! Das habe ich auch schon in Indien, aber auch auf der restlichen Reise gelernt. Und ich finde, das gilt für uns alle, vielleicht sogar gerade für uns Frauen: Wir dürfen es einfordern, dass man uns respektvoll und gut behandelt: Wir dürfen die Stimme erheben, wenn uns nicht das geboten wird, wofür wir bezahlen – und in dem Fall war es nicht zu wenig. Wir müssen, ja dürfen es nicht zulassen, wenn andere so unverschämt sind und denken, wir würden schweigend alles akzeptieren, was man uns anzubieten versucht. Für mich ist das immer wieder eine der wichtigsten Übungen überhaupt.

Ich habe dies früher anders vermittelt bekommen: sei nicht unverschämt, fordere nicht zu viel, lass mal Fünfe gerade sein, halte die Bälle flach etc. Die Geschichte mit dem Hotel mag ein kleinliches Beispiel sein, aber es lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen: Wo stehen wir im Job nicht für uns selbst ein, in der Familie, in der Partnerschaft? Ich habe mittlerweile gelernt: Ja, wir dürfen auch mal einen „Zwergenaufstand“ machen, wir dürfen laut werden, toben, uns beschweren, fordern und für uns einstehen! Wir müssen uns nicht mit weniger zufrieden geben, nur um möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen! Als harmoniebedürftiger Mensch fällt es mir schwer, Grenzen zu setzen. Jemand könnte mich nicht mögen, selbst wenn er „nur“ ein Hotelmanager ist, den ich nie wiedersehe. Mir wird bewusst: nicht nur hier, sondern in allen Lebensbereichen ist es eine gute und auch schwierige Übung, zu riskieren, dass andere mich nicht mögen.

Und dazu lade ich auch dich ein: probiere es mal aus, mit der Einstellung durch den Tag zu gehen, nur so als Übung. Riskiere, dass andere dich nicht mögen. Vielleicht wirst du dann in der Tat mehr anecken. Aber du wirst auch mutiger, das kann ich garantieren!

Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende

Als wir am nächsten Tag auschecken überbringt uns der Hotelmanager strahlend die Nachricht, dass ich mein restliches Geld zurückbekomme. Na also, geht doch! Ich soll ihnen allerdings unterschreiben, dass ich eine gute Bewertung für das Hotel abgebe. Tja, so läuft das hier wohl, aber was soll’s. Ich unterschreibe und bin erleichtert, dass es doch noch geklappt hat.

Das „Ausweichhotel“ zwei Buchten weiter ist sehr schön und hat einen richtig tollen Pool auf dem Dach, mit Blick über die Landschaft. Wir nutzen die Tage bis Weihnachten, um Online-Schule zu machen, Fotos zu sortieren, zu arbeiten und noch ein paar Aktivitäten aus Joshuas Adventskalender zu machen. Die 3 Fragezeichen hören, zusammen einen Film nach Joshuas Wahl schauen – in diesem Fall Jurassic Park. Wir machen Kissenschlachten und Kitzelschlachten und toben im Pool. Am frühen Abend habe ich meist diesen wunderschönen Rooftop Pool für mich alleine. Ich setze mich dann auf einen der Liegestühle und schaue mir den Sonnenuntergang an. Der Himmel färbt sich in allen Orange- und Rottönen, hinten durch die Bäume hindurch sieht man das Meer. Ja, es ist schön hier in Thailand. Und doch merken wir beide, dass es bald Zeit wird, zurück nach Deutschland zu kommen. Joshua vermisst seinen Papa, seine Freunde, seine Omas, und ich brauche auch mal wieder mehr Struktur. So werden wir im Januar, zum Halbjahreswechsel an der Schule, zurückfliegen. Doch bevor es soweit ist, warten in Bangkok und auf der Insel noch einige Abenteuer auf uns. Dazu mehr im nächsten Blog…

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We are sailing

Das nächste Abenteuer wartet in Phuket auf uns: Wir haben von hier aus einen einwöchigen Segeltörn gebucht. Ich habe tatsächlich einen deutschen Anbieter gefunden, bei dem es zum einen wirklich um Mitsegeln geht und zum anderen sehr viel günstiger ist als bei anderen Anbietern. Also machen wir uns auf den Weg zur „Haven Yacht Marina“, um dort auf Reiner zu treffen. Reiner ist der Skipper für unseren Törn, 65 Jahre alt, und das Segelboot – die „Sunrise“ – gehört ihm. Nicht das neueste Luxusschiff, aber solide, und gut für bis zu 8 Personen geeignet. Reiner fährt in der Saison – von Oktober bis Februar – jede Woche einen neuen Törn mit neuen Leuten. Den Rest der Zeit verbringt er in seiner Heimat – dem  Saarland – oder mit seinen Kindern und Enkeln in Boston. Er ist so, wie man sich einen echten Seebären vorstellt: Eine raue, direkte Art, trotzdem empathisch und unterhaltsam. Er drängt sich bei keinem auf, und wenn man zu viele Fragen stellt – so wie ich es gerne tue – dann weist er einen auch schonmal etwas harscher zurück.

Reiner, der Seebär

Er ist der Meinung, dass wir Dinge nur lernen, indem wir sie tun. Grundsätzlilch gebe ich ihm da ja auch Recht. Aber wenn ich etwas tue, dnan muss ich auch verstehen, WOZU ich es tue. Und deshalb frage ich ziemlich viel. Zum Beispiel, welche Leine für welches Segel zuständig ist. Warum erst das Großsegel raus muss und dann das Vorsegel. Welchen Knoten man für welchen Zweck einsetzt. Leider bin ich in technischen und räumnlichen Dingen nicht so versiert und fühle mich dann immer ein wenig im Hintertreffen. Aber ich versuche, dran zu bleiben, mitzuhalten und meinen vor über 10 Jahren absolvierten Sportbootführerschein See so gut es geht wieder aufzufrischen. Was am Ende gut gelingt.

Mit von der Partie ist noch ein junges Pärchen aus Regensburg – sie sind auch auf einer Art „Weltreise“ in Asien unterwegs – und eine Schweizerin. Eigentlich hieß es vorher, dass der Skipper keine Kinder mitnehmen würde, aber Reiner hat dann wohl Mitleid bekommen und eine Ausnahme für uns gemacht. Oder er hatte einfach noch zu wenig Mitsegler. Am Ende ist er vermutlich sogar froh, dass Joshua dabei ist. Es stellt sich nämlich heraus, dass er auch noch in dem Sinne „vom alten Schlag“ ist, dass er grundsätzlich Jungs bzw. Männern eher zutraut, mit Technik umzugehen als Frauen. So sind tatsächlich Julian – der Mann von dem jungen Pärchen – und Joshua meist die ersten, die gefragt werden, wenn es um Segelangelegenheiten geht – zum Beispiel Knoten, Navigation oder das Steuerrad in die Hand nehmen. Joshua meistert es bravourös und steuert uns auch durch wildere Winde, wofür der Skipper ihm großes Lob zollt. Ich freue mich mit Joshua und scherze am Ende des Törns mit Reiner: „Wenn deine Freunde dich fragen, wie es mit dem Kind geklappt hat, dann wirst du vermutlich sagen, ‚mit dem Kind war super, aber die Mama – ohoh, die war kompliziert.“

Achtung, Coaching-Falle!

Auch mit der Antwort auf die Frage nach meinem Beruf stoße ich nicht auf Begeisterung. Als ich sage, „Life Coach“ und „Yogalehrerin“, da geht direkt das volle Klischeeprogramm mit dem Skipper durch. Das sei ja eine ganz schreckliche Szene, in der nur Schaumschläger und Dummschätzer unterwegs seien und keiner von dem eine Ahnung habe, was er da tue. Was solll man darauf antworten? Er hat wohl mal Segeltörns für die Deutsche Vermögensberatung gemacht und schert nun alle über einen Kamm. Und letztendlich stimme ich ihm ja sogar zu, dass es leider viele „schwarze Schafe“ am Markt gibt, die so drauf sind. Aber ich selbst zähle mich nicht zu denen, da ich anders arbeite und mich für absolut seriös halte und dies auch von meinen Teilnehmer:innen bestätigt bekomme. Manchmal fast zu meinem Leidwesen. Denn ich würde ich niemals etwas anbieten, von dem ich nicht selbst völlig überzeugt bin, und erst recht nicht für einen astronomischen Preis, wie es so oft geschieht in der Szene. Ich diskutiere das nicht weiter mit Reiner, denn ich merke schnell, dass er zu der Sorte Mensch gehört, mit der man nicht diskutieren kann. Auch findet er es ganz schrecklich, wenn auf einem Törn Menschen dabei sind, die jedem ihr Herz ausschütten, weil sie gerade in einer Lebenskrise sind oder ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen, oder sich nicht in das „normale Leben“ einpassen können. Wobei es ja nun auch nicht gerade „normal“ ist, jedes Jahr monatelang auf einem Segelboot in Thailand zu leben und ständig unterwegs zu sein. Aber das sieht Reiner anders, denn er sei ja schließlich noch gesellschaftsfähig.

Menschen und Landschaften

Unsere kleine Crew dürfte ihm ganz recht sein für die Woche. Es entsteht eine nette „Segel-Zweckgemeinschaft“, bei der wir uns zwanglos unterhalten, es aber eher oberflächlich bleibt. Jeder packt super mit an, beim kochen, abwaschen oder was noch zu erledigen ist. Wir kochen nur selbst, was wir alle tatsächlich mal richtig genießen. Denn genau wie Joshua und ich war das Pärchen auf ihrer bisherigen Reise so oft essen, dass sie sich mal über andere Mahlzeiten als die üblichen Stir Fried Rice, Pad Thai, Hamburger, Club Sandwich oder Pizza freuen. Bei unseren Gesprächen geht es um bisherige Reiseerlebnisse, Zukunftsplanung, Job oder Segelstorys. Reiner hat schon mehrmals den Atlantik überquert und entsprechend Seglergarn im Gepäck. Völlig ok, aber auf Dauer würde mich das langweilen. Hier bin ich froh, mich auch mal mit einem Buch zurückziehen zu können, und auf den Törns tagsüber gibt es tatsächlich immer sensationelle Meereslandschhaften zu sehen. Die für Thailand so typischen Felsformationen bringen uns immer wieder zum staunen. Wir sehen weites, blaues Meer, einsame Buchten – es sind erstaunlich wenige Segelboote unterwegs – weiße Sandstrände und faszinierende Inseln, manchmal noch mit Höhlen oder Felsbögen, hinter denen sich manchmal eine richtige Dschungel-Landschaft erstreckt. Wir bewundern den „James-Bond-Felsen“, an dem der Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gedreht wurde.

Partytourismus? Oder lieber einsame Buchten?

Wir sehen die berühmte Insel Koh Phiphi mit der Zwillingsbucht (hier wurde „The Beach“ mit Leonardo Di Caprio gedreht), von der wir allerdings ziemlich enttäuscht sind. Diese Insel ist offenbar das neue Mallorca von Thailand geworden, und abends hören wir auf dem Boot bis weit in die Nacht laute Partymusik. Am nächsten Tag fährt Reiner uns mit dem Dhingi – Beiboot – auf die Insel und wir sehen die Überreste der Party. Überall Müll und Bierdosen vor den Kneipen am Strand, die „Alcohol in a Bucket“ anbieten. Dazu die Weed-Shops, abgehalfterte, vermutlich bekiffte Partytouristen jeden Alters. Es ist einfach zu voll, zu touristisch und zu dreckig, um sich dort wohlzufühlen. Wir laufen bei sengender Hitze zum Aussichtspuntk hoch, nur um von dort aus eine Hotelruine bewundern zu können. Da hat wohl mal ein Investor angefangen, eine Bettenburg zu bauen, vielleicht ist ihm dann Corona dazwischen gekommen oder eine Pleite. Schön ist das alles nicht, und wir sind froh, als wir auf dem Segelboot zurück sind und den Anker wieder lichten.

Am nächsten Abend werden wir um ein Vielfaches entschädigt. Wir ankern in einer einsamen Bucht, wo sonst niemand ist. Da wir selbst kochen, brauchen wir keinen Ort, an dem es ein Restaurant oder Infrastruktur gibt. Hier ist einfach nur ein schöner Strand am Ufer, der Blick über das weite Meer und der rote Abendhimmel. Joshua und ich beschließen, heute Nacht draußen auf dem Oberdeck zu schlafen. Das Übernachten in der Kajüte gleicht eher meist einem Saunabesuch, da es dort weder eine Klimaanlage noch einen Ventilator gibt. So packen wir Matten und Schlafsäcke nach oben, schauen in den Sternenhimmel und genießen die absolute Ruhe. Der Knaller obendrauf: Es ist eine Nacht mit besonders vielen Sternschnuppen. Joshua sieht direkt 6 Sternschnuppen, ich in der späteren Nacht noch zwei. Ein angenehmer Wind kühlt uns, und wir schlafen so gut durch wie schon lange nicht mehr. Am nächsten Morgen gratuliert Reiner uns mit den Worten, dass es bisher nur wenige da oben durchgehalten haben, weil es ihnen dann doch irgendwann zu kalt wurde.

Unsere ersten Wünsche scheinen sich zu erfüllen: wir haben nämlich heute tatsächlich mal etwas mehr Wind! Nach einer Stunde unter Motor können wir die Segel hissen und so richtig loslegen. Wir wechseln uns ab mit Steuern, üben das Wende fahren, vom Wind abfallen, anluven, die Leinen bedienen. So langsam kommt mein altes Wissen wieder und vor allem auch der Spaß an der Sache. Es ist einfach total entspannend, mit dem Wind zu segeln, ohne Motorgeräusche durch die Wellen zu schießen, dazu der kleine Adrenalinschub, wenn das Boot sich so schief legt, dass man doch einen kleinen Moment denkt, es könnte umkippen. Wir sehen vom Boot aus weutere atemberaubende Felslanschaften, weiße Strände, Krabbenfischer in den für Thailand berühmten Longtail-Booten, den blauen Himmel und das weite Meer. Abends ankern wir in verschiedenen Buchten, essen, sitzen zusammen und schauen in den Sternenhimmel. Besser kann man die Insel-Landschaft von Thailand wohl kaum genießen. Nach einer Woche steigen wir zufrieden vom Boot, es schaukelt noch ein wenig unter den Füßen und wir freuen uns auch mal wieder auf ein klimatisiertes Hotelzimmer. Zum Glück wissen wir nicht, was uns als nächstes erwartet, sonst wäre die Vorfreude vielleicht ein wenig getrübt gewesen…

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Reisen ist Abenteuer: von Chiang Mai über Hua Hin bis Phuket

Schön warˋs in Chiang Mai! Unsere nächste Zwischenstation ist Bangkok, da wir hier unser Visum verlängern müssen. Also habe ich online einen Termin beim Immigration Office gemacht. Außerdem ist meine US-amerikanische Lachyoga-Kollegin Carla gerade in Bangkok und wir können sie dort treffen. Zunächst allerdings haben wir noch eine Nachtbusfahrt vor uns: von Chiang Mai nach Bangkok. Auf meinen früheren Reisen bin ich schon etliche Male mit Bussen über Nacht gereist und fand es irgendwie immer cool: gute Musik in den Ohren, man sieht die Lichter der Stadt vorüberziehen wie in einem Film, und wenn man Glück hat, lernt man noch nette Mitreisende kennen. Doch unser Bus – der auf dem Bild sehr modern aussah – ist leider von innen nicht so gemütlich. Es riecht komisch, und die Beinfreiheit lässt auch zu wünschen übrig.

Ok, wir überstehen es irgendwie mit wenig Schlaf und sind schon morgens um 5 in Bangkok am Busterminal, wo wir erstmal eine halbe Stunde am Taxistand warten müssen. Im Hotel angekommen, ebenfalls nochmal 3 Stunden warten, bis wir auf unser Zimmer können. Gut, dass wir mittlerweile so flexibel sind und von überall aus arbeiten bzw. Schule machen können. Also suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen in der Hotellobby, gutes Wifi inklusive, was will man mehr. Das Warten lohnt sich: wir bekommen ein Zimmer im 7. Stock, mit Blick auf den Kanal.

Behördenrennerei – gibt es auch in Thailand

Am nächsten Tag geht es zur VISA-Verlängerung. Durch Stau – leider auch in Bangkok an der Tagesordnung  – kommen wir in letzter Minute zu unserem Termin – um dann zu erfahren, dass wir im falschen Büro sind und ganz woanders hinfahren müssen. Auch hier gibt es also Behördenrennerei – ich fühle mich schon wie zu Hause. Das für uns zuständige Burö ist in einer etwas heruntergekommenen Shopping Mall. Auf Plastikstühlen sitzen draußen im Wartebereich zahlreiche Menschen, die offenbar das Gleich wollen wie wir. Immerhin werden wir mit großen Schildern idiotensicher und Schritt für Schritt durchgeführt, was wir zu tun haben: Formular ausfüllen, Kopie vom Reisepass machen, Passfotos, eine Wartemarke ziehen. Dazu noch eine Adresse in Thailand angeben, und schließlich sind wir durch.

Faszinierendes Bangkok – trauriger Strandort

Für ein Treffen mit Carla reicht die Zeit jetzt nicht mehr, aber das holen wir am nächsten Tag nach:  mit einer „Hop on –  Hop off Tour“ auf dem beliebten Fluss Chao Praya. Von hier aus kann man die schönsten Tempel vom Wasser aus sehen, bis hin zur modernsten – und vermutlich auch teuersten – Shopping Mall von Bangkok. Diesmal reicht es für einen guten ersten Eindruck, der uns positiv überrascht: Einerseits gibt es hier Großstadtfeeling, mit Skyline, modernen Shopping Malls und Sky Train – andererseits wirkt Bangkok aber nicht so laut, dreckig, voll und anstrengend wie Delhi oder Mumbai.

Unsere nächste Station ist die Stadt Hua Hin an der Ostküste, etwa 4 Stunden Richtung Süden. Es heißt, dass hier viele Deutsche auch längerfristig leben, und von vielen Seiten hatte ich Gutes gehört. Für uns sieht die Hauptstraße der Stadt jedoch eher aus wie die schlimmsten Bettenburgen von Mallorca: sie ist gesäumt von heruntergekommenen Häusern und billigen Tourishops, nicht wirklich schön. Immerhin ist unser Resort gut – ich hatte dank Black Friday einen relativ günstigen Preis ergattert für ein richtig gutes Hotel –  und so beschließen wir, dieses möglichst wenig zu verlassen. Es reicht noch dafür, einen Friseur zu entdecken, den Joshua dringend nötig hat, ein Nagelstudio für mich, ein richtig gutes Sushi-Restaurant und einen Service zum Wäsche waschen.

The Grass is always greener…

Auch auf einer Reise fallen gewisse Erledigungen an, um die man nicht umhinkommt. Grundsätzlich bin ich nicht traurig drum, dass mir vieles von der üblichen Haushaltsarbeit erspart bleibt. Kein bisschen vermisse ich es, zu putzen, die Spülmaschine einzuräumen oder Wäsche zu waschen. Was mir manchmal dann aber doch fehlt, ist die Möglichkeit, selbst zu kochen und sich selbst versorgen zu können. Auch das klingt wie ein Luxusproblem: Aber auf Dauer macht es keinen Spaß, jeden Tag zu einem Frühstücksbuffet zu gehen, zu schauen, was davon uns überhaupt schmeckt, und sich zwischen den anderen Menschen durchzudrängeln, die ebenfalls am Kaffeeautomaten warten. Nicht immer ist unser Frühstück inklusive, so dass wir uns manchmal mit gekaufter Milch und kleinen Müslipackungen aus dem 7/11 behelfen, in unseren provisorischen Tupperdosen. Doch eine richtige Küche für so etwas haben wir nirgendwo.

Auch mit dem Essen gehen allgemein ist das so eine Sache, selbst wenn es hier natürlich weitaus günstiger ist als in Deutschland. An Straßenständen essen wir meistens nicht, da ich seit Joshuas Fast-Blut-Vergiftung damit sehr vorsichtig geworden bin. Ich selbst liebe zwar das thailändische Essen, doch auch mir ist es oft zu scharf. So gehen wir in Restaurants, die auch „westliches“ Essen anbieten und bestellen dort Club Sandwich oder Hamburger für Joshua. In der Hinsicht freuen wir uns schon jetzt wieder darauf, zu Hause selbst einkaufen zu gehen und zu kochen, was das Herz begehrt. An einem „vernünftigen“ Herd mit 4 guten Kochplatten. Es klingt paradox, aber wir merken in vielerlei Hinsicht, wie sehr man bestimmte Dinge vor allem dann zu schätzen weiß, wenn man sie eben nicht immer hat.

Wieder mal wird mir klar, dass es genau das ist, was das Leben ausmacht: in allen Bereichen gibt es die Sonnen- und die Schattenseite. Ohne „negative“ Gefühle würden wir schöne Gefühle wie Freude, Liebe, Begeisterung weniger schätzen. Ist es dann also eine Illusion, wenn wir es anstreben, immer glücklich zu sein und gute Gefühle zu haben? Sollten wir uns nicht lieber einfach damit abfinden und es hinnehmen, dass Gutes und Schlechtes im Leben passiert?

Das Glück ist nicht perfekt

Definitiv war ich schon immer davon überzeugt und vermittele es auch so, dass es nicht darum geht, dauerhaft und kontinuierlich gut drauf und glücklich zu sein. Das wäre tatsächlich eine Illusion. Doch können wir überhaupt unser Glück selbst gestalten, wie es immer so schön heißt? Oder müssen wir einfach alles im Leben geschehen lassen, so wie es kommt, weil uns eh immer Gutes und Schlechtes passiert?

Meiner Meinung nach liegt der Unterschied darin, WIE wir mit den negativen Dingen, Gefühlen und Ereignissen umgehen. Klar müssen wir manchmal einfach das annehmen, was ist. Aber wir können dabei entweder in die Opferhaltung verfallen, indem wir hadern und denken, „immer passiert mir das“. Oder wir können darauf vertrauen, dass die Zeiten wieder besser werden – denn es gibt ja immer die zwei Seiten. Ich denke: wir können immer und trotz allem aktiv dazu beitragen, dass sich etwas verändert. Und wenn es nur im Kleinen ist.

Nachtbusfahrt mit jähem Ende

Unser nächstes Erlebnis ist das beste Beispiel dafür. Wir haben eine weitere Nachtbus-Fahrt geplant: Diesmal nach Phuket. Eigentlich war das nicht auf dem Plan, aber von hier aus wollen wir eine Segeltour machen. Ich hatte tatsächlich noch einen bezahlbaren und sogar deutschen Anbieter gefunden, um diesen Törn ab Phuket zu machen – zu verlockenden Orten wie dem James Bond Felsen, Ko Phi Phi, Ko Lanta etc. Phuket selbst ist ja eher bekannt für Pauschaltourismus und daher nicht mein bevorzugtes Reiseziel. Neu war mir aber, dass Phuket nicht nur eine Stadt ist, sondern auch eine gesamte (Halb-) Insel, fast so groß wie die gesamte Insel Fuerteventura. Da der Yachthafen im Norden der Insel Phuket liegt, habe ich für die Nacht vorher ein Hotel rausgesucht, das im Norden, also in der Nähe des Yachthafens liegt. Die Fernbusse nach Phuket fahren jedoch alle zum Busterminal in Phuket Stadt, im Süden. Egal – sicherlich kann der Bus uns irgendwo im Norden rauslassen, schließlich habe ich es schon oft erlebt, dass Fahrer irgendwo stoppen, um Passagiere außer der Reihe aufzunehmen oder abzusetzen. .

Ich hatte diesmal extra darauf geachtet, dass wir den super Luxusbus nehmen, mit nur 3 Sitzen in einer Reihe, die sich in Schlafposition herunterklappen lassen. Natürlich gegen entsprechenden Aufpreis. Doch diesmal freue ich mich schon richtig darauf. Zunächst müssen wir jedoch bis 22:00 Uhr an der Hauptstraße von Hua Hin warten, bis der Bus endlich kommt. Wir werden nicht enttäuscht: Ein hochmoderner Luxusbus, mit neuen und gemütlichen Ledersitzen. Joshua ist begeistert und lässt sich erleichtert in den Sitz fallen. Wir bekommen frisch gewaschene Decken, Wasserflaschen, Saft und Cracker gereicht. Ich lehne mich zurück mit guter Musik im Ohr und lasse die weihnachtlich geschmückten Straßen von Hua Hin an mir vorüberziehen. Joshua, der sonst nie in Bussen, Flugzeugen oder Zügen schlafen kann, schläft nach kurzer Zeit tief und fest. Herrlich, so lässt es sich reisen!

Doch plötzlich findet die Fahrt ein jähes Ende: um 4:30 – gefühlt mitten in der Nacht – hält der Bus plötzlich an. Hmm, blöder Zeitpunkt für eine Pause, denke ich mir, und dass wir einfach im Bus bleiben werden, zumal Joshua immer noch schläft. Daraus wird nichts: Der vorher so freundliche „Bus-Assistent“ ruft laut und bestimmt, dass hier ALLE Passagiere mitsamt Gepäck den Bus verlassen müssen. Es ist gar nicht so einfach, Joshua wach zu kriegen und ihn raus in die Hitze der Nacht zu scheuchen. Wir stehen irgendwo mitten an einer Straße, das gesamte Gepäck wurde ausgeladen und auf dem kleinen Bürgersteig gestapelt. Zum Glück sind unsere beiden Taschen dabei, wie ich schnell mit einem Blick überprüfe. Wir Gestrandeten – fast nur Rucksack-Touristen – stehen jetzt auf der Straße. Es gibt einen Mini-Verkaufstisch mit Kaffee und Chips und Keksen, aber keiner weiß, was Sache ist. Joshua ist noch halb im Schlaf, und ich versuche mich durchzufragen. Offenbar sollen hier die Passagiere umverteilt werden. Eine Mitarbeiterin der Busfirma fragt mich harsch, in welches Hotel wir wollen und sagt mir, das sei vom Phuket Busterminal noch 1,5 Stunden Fahrt und koste 900 Baht. Ich frage, ob wir denn im Norden – Nähe Flughafen – abgesetzt werden können, und sie sagt mir unfreundlich, das sei nicht möglich. Wir hätten schließlich bis zum Terminal gebucht und müssten bis zum Terminal mitfahren und von dort aus wieder mit dem Taxi zurück in den Norden. Ich werde sauer, beschwere mich, doch sie ignoriert mich einfach und wendet sich dem nächsten Passagier zu.

An der Straße stehen kleine weiße Vans, in die wir nun einsteigen sollen, um zu unserem Ziel gebracht zu werden. Ich koche vor Wut. So eine Abzocke kenne ich von Indien, aber hier im freundlichen Thailand habe ich das noch nicht erlebt! Doch ich stehe mitten in der Nacht mit meinem halb schlafenden Kind an einer unbekannten Straße, also bleibt mir nichts anderes übrig, als das zu nehmen, was wir kriegen können. Wir quetschen uns in den Van, ich versuche noch, mit dem Busfahrer zu verhandeln, doch auch hier stoße ich auf taube Ohren. Ein Engländer, der hinter uns sitzt, hat das mitbekommen. Er gibt mir den Tipp, dass Busfahrer eher „kooperativ“ sind, wenn man ihnen einen kleinen „Extrabonus“ dafür anbietet.

Love it, leave it or change it

Also nutze ich die nächste Pause, um mir den Busfahrer zu krallen, und biete ihm 500 Baht an, wenn er uns im Norden rauslässt. „Welches Hotel?“ fragt er sofort, und plötzlich ist alles möglich. Ich drücke ihm die Scheine in die Hand, und so haben wir am Ende weniger bezahlt UND 3 Stunden Fahrzeit gespart. Dennoch wird meine Bewertung für DIESE Busfirma sicherlich nicht gut ausfallen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie solche Erfahrungen beim Reisen sich auf das „das richtige Leben“ übertragen lassen. Hier üben wir, einerseits anzunehmen, was nicht zu ändern ist. Sprich, uns in einen Van quetschen zu lassen für die restliche Fahrt. Aber es zeigt sich auch, wie wichtig es ist, nicht einfach ALLES hinzunehmen, was man vorgesetzt bekommt, sondern für das eigene Wohlbefinden zu kämpfen und das Beste rauszuholen.

In wie vielen Lebensbereichen nehmen Menschen einfach Dinge hin, jammern darüber, setzen aber nicht wirklich alles daran, um doch noch das Beste daraus zu machen? Wie viele Menschen hängen in einem untragbaren Job fest, in dem sie schlecht behandelt werden? Wie viele in einer Beziehung, die lieblos ist? So wird hier wieder klar: Bei allem im Leben sollten wir für uns sorgen und uns fragen: bin ich so damit zufrieden wie es ist? Wenn nein, was daran kann ich ändern, was muss ich akzeptieren, wie kann ich es ändern?

Wenn wir hier auf der Reise etwas gelernt haben, dann ist es, sich flexibel auf jedwede Situation einzustellen. Ich möchte dabei gerade auch meinem Kind vermitteln, dass es manchmal wichtig ist, nicht zu schnell aufzugeben, sondern das Beste draus zu machen. Denn natürlich haben wir beide auch manchmal Heimweh und vermissen Freunde und Familie zu Hause. Genauso möchte ich ihm umgekehrt vermitteln, dass wir immer und an jeder Situation etwas ändern können. Egal, ob es das Hotelzimmer ist, unsere Aktivitäten oder unsere Reiseorte. Ich bin mir sicher, dass Joshua – neben englisch – eines auf dieser Reise gelernt hat: Flexibilität. Flexibilität, um mit unterschiedlichsten Lebenssituationen umzugehen und das Beste draus zu machen. Diese Flexibilität wird uns auch bei unserem nächsten Abenteuer – dem Segelltörn – sehr abgefordert werden. Doch dazu mehr im nächsten Blog.

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Chiang Mai: von Tempeln, Laternen und Lichtermeer

Chiang Mai ist eine Stadt im Norden von Thailand, von der alle schwärmen. Ich konnte damit erstmal nichts anfangen und mir nicht vorstellen, warum. Doch wir haben festgestellt, dass sich oft das Gesicht einer Stadt schon auf dem Weg vom Flughafen, Bahnhof oder Busterminal zum Hotel zeigt. Und hier ist der erste Eindruck von Chiang Mai schonmal sehr schön. Der Name klingt ja irgendwie ein bisschen chinesisch, und so sehen wir an vielen Läden in den Straßen, überall bunte Laternen aufgehängt –  so dass Joshua schon den Taxifahrer fragt, ob das immer so ist, oder hier gerade ein besonderes Festival ist. Die Antwort kann zwar der Taxifahrer mangels ausreichender Englischkenntnisse nicht geben, wir stellen aber später fest: Sie ist ist ja und ja. Ja, hier sind immer und überall viele schöne bunte Laternen zu sehen. Und ja, am Wochenende beginnt hier das thailändische Lichterfestival Kry Lathong, an dem NOCH MEHR Lichter und Laternen zu sehen sind als eh schon üblicherweise.

Hotels: der Schein kann trügen

Den zweiten Eindruck einer Stadt haben wir dann meistens im entsprechenden Hotel, in dem wir uns eingebucht haben. Wir sind mittlerweile zu Booking-Experten geworden und wissen, dass schöne Bilder online nicht unbedingt bedeuten, dass das Hotel auch schön ist. Denn die den Bildern, mit denen sich die Hotels anpreisen, zeigen natürlich nicht die abgeranzten Ecken, die Flecken auf der Bettwäsche oder die schäbige Gegend um das Hotel herum. Manche Hotels werben zwar mit Swimming Pool, der ist dann aber entweder leer oder gerade in „chemischer Behandlung“ und somit nicht nutzbar. Manchmal gibt es nur kaltes Wasser in der Dusche, oder der seitliche Meerblick bedeutet, dass man auf einen dreckigen Hinterhof blickt und irgendwo mit viel Phantasie eine kleine Ecke vom Meer erblickt. Alles schon gehabt. Ein leidiges Thema sind auch die Klimaanlagen. Es mag sich im derzeit kalten Deutschland wie ein Luxusproblem anhören, aber eine Klimaanlage kann sehr schlafentscheidend sein. Fast immer ist sie entweder zu laut oder zu kalt. Oft wachen wir nachts auf, um sie abwechselnd aus- und wieder anzustellen. Ökologisch ist das alles nicht. Man sollte eine extra Kategorie einführen bei Booking, die die Qualität der Klimaanlage mit bewertet.

Ein weiteres Kriterium für mich ist vor allem der Ausblick. Ich liebe es einfach, auf die Berge oder erst recht auf das Meer zu blicken, und das war mir schon so manches Mal – sofern bezahlbar – einen kleinen Aufpreis wert. Hier in Chiang Mai werden wir weder in Sachen Zimmer noch Ausblick enttäuscht. Das Zimmer ist sauber, schick und mit einem Schreibtisch dabei. Wir schauen durch ein großes Fenster in die Ferne, über Dächer, Bäume und sogar einige tempelartig aussehende Dächer. Auch ein Schreibtisch oder wenigstens eine Kommode ist für uns auch nicht unerheblich, wenn man Remote Schooling und Office macht.

Entspannung überfällig

Ein erster Erkundungsgang in Chiang Mai ist sehr entspannt, da es hier nicht so viel Verkehr gibt, kein Hupen der Autos wie in Indien und überall nette Cafés. Viele haben nicht nur Tische an der Straßenfront stehen, sondern man kann in den ersten Stock gehen, in dem es fast wie in einem Wohnzimmer aussieht und nicht mehr wie in einem Café. Oft haben wir diesen Raum sogar für uns. Es sind zwar schon einige Touristen in chiang Mai, aber ich habe den Eindruck, dass trotz allem keine Hochsaison herrscht. Oder es gibt einfach ein Überangebot. Wir laufen immer wieder an leeren Restaurants vorbei und an den zahlreichen Massagesalons, vor denen die Masseurinnen sitzen und sich langweilen. Ich frage mich, wie die alle existieren und überleben können.

Da bei einem Salon gerade eine „Schulter-Nacken-Kopf-Massage“ reduziert im Angebot ist, buche ich spontan eine Massage, jeweils für Joshua und für mich. Wir beide können es gut gebrauchen, denn das Arbeiten unter unterschiedlichsten Bedingungen – manchmal vom Hotelbett aus, an Kommoden, in Cafés, auf Gartenstühlen oder sonstwo – beansprucht uns doch ganz schön. Ohne Yoga hätte ich möglicherweise schon einen Rückenschaden, aber so bleibe ich flexibel und gewöhne mich an alles. Wir fühlen uns manchmal schon wie die Hipsters, die in Berlin Prenzlberg abhängen und den ganzen Tag im Café arbeiten. Trotzdem freue ich mich schon wieder auf meinen großen Schreibtisch und den richtigen Monitor. Die Nackenmassage ist allerdings kein Zuckerschlecken, sondern ziemlich schmerzhaft. Bei Joshua sind sie vermutlich etwas vorsichtiger, aber meine Masseurin geht so richtig hart in meine Nackenverspannungen hinein. Naja, Hauptsache, es hilft. Wir gehen gleich am nächsten Tag nochmal hin.

Und wieder im Krankenhaus!

Das, was die Beliebtheit von Chiang Mai ausmacht, sind jedoch nicht die Massagen, sondern wohl eher die vielen Dinge, die man hier unternehmen kann. Von einer Tempeltour über River Rafting bis hin zu thailändisch kochen ist alles dabei. Doch unser erster Ausflug führt uns erstmal in die Klinik. Denn wir sollten eine Woche nach Joshuas Entlassung aus dem Krankenhaus nochmal einen Check machen. Das Krankenhaus hier in Chiang Mai ist allerdings nicht so „klein und fein“ wie auf Ko Phangan. Wir müssen länger in einem überfüllten und ungemütlichen Wartezimmer sitzen, bis wir drankommen. Doch der zuständige Arzt ist nett, empfiehlt uns, die „Night Safari“ und gibt uns grünes Licht für die weitere Reise.

Grünes Licht für bunte Laternen

Für das Wochenende schau ich bei GetYourGuide nach Aktivitäten für das Wochenende. Wir starten mit einer Tuktuk-Tour zu Tempeln und Night Markets. Joshua liebt Tuktuk Fahren und auch Night Market klingt gut. Den Preis von € 33,00 finde ich auch ok. Doch statt uns durch die Tempel zu führen und Dinge zu erklären, kutschiert uns der Tuktuk-Fahrer jeweils zu einem Ort, lässt uns dort raus und wartet, bis wir zurück sind. Nun gut, das hätten wir uns auch günstiger selbst organisieren können. Aber egal, es ist bequem und wir müssen uns nirgendwo um ein Taxi kümmern. Der Night Market ist beeindruckend, aber noch mehr sind es die vielen Lichter und Kerzen, die wir in der ganzen Stadt verteilt sehen. Denn wir schon erwähnt ist hier am Wochenende das berühmte Loy Kratong Festival, zu dem Menschen sogar aus ganz Thailand und auch aus aller Welt extra nach Chiang Mai kommen.

Loy Krathong ist ein thailändisches Lichterfest, bei dem Menschen schwimmende Blumenkränze auf Flüssen und Seen platzieren, um ihre Dankbarkeit gegenüber dem Wasser zu zeigen und schlechtes Karma loszuwerden. Das Ganze wird dann in Kombination mit vielen Kerzen, Laternen und zahlreichen Festlichkeiten begangen. Aus dem Tuktuk heraus bekommen wir einen schönen Eindruck von den vielen Lichtern und Laternen. Auf der alten Stadtmauer stehen sogar echte Kerzen!

Rasend durch den Dschungel

Am Samstag ist dann etwas mehr Action angesagt. Wir wollen zum Hochseilgarten, die mit einer 800 Meter langen Seilbahn wirbt. Mehrere Stationen, davon die meisten als Zipline und zurück mit einem Miniaturtrain. Hört sich vielversprechend an, aber ein bisschen Bammel hab ich ja auch. Sind die Sicherheitsvorkehrungen hier auch genauso streng wie bei uns? Ein Restrisiko bleibt immer. Wir waren auch in Deutschland schon öfters im Hochseilgarten und lieben dieses Gefühl von Adrenalin, wenn man Schritt für Schritt immer höher klettert, auf der Plattform steht, sich vielleicht ein wenig überwinden muss, um dann loszurasen in das Nirgendwo hinein. Hier ist es etwas anders. Keine große Einführung per Video, kein umständliches selbst anziehen der Klettergurte. Wir bekommen zwei Guides an die Seite, die uns direkt die Klettergurte verpassen, und los geht’s. Sie begleiten uns sogar durch die gesamte Zipline hindurch. Also nix mit zögern oder nochmal nach unten schauen, wir werden an jeder Station sanft vorgeschubst, und schon geht’s jauchzend durch den Dschungel. Nebenbei machen sie noch Fotos und Videos von uns, um wie immer alles schön festzuhalten. So sind wir entsprchend schnell durch, bekommen unser im Paket inbegriffenes Lunch und fahren zufrieden mit der Mini-Eisenbahn zurück.

Taxis in Asien – immer ein Abenteuer

Doch das Highlight unseres Aufenthaltes in Chiang Mai ist definitiv der von unserem „Arzt“ empfohlene Night Safari. Diesmal buchen wir keine Tour dafür, weil die nette Rezeptionistin uns empfiehlt, einfach selbst mit dem Taxi hinzufahren. Taxi fahren ist Asien ist auch so eine Sache. Es ist zwar viel billiger als bei uns in Deutschland, aber es ist nicht immer so leicht, ein Taxi zu bekommen, und dann noch mit einem Fahrer, der einen übers Ohr haut oder ein Vielfaches vom üblichen Preis nimmt. Gerade in Indien ist es leider Standard, dass die Taxifahrer einen abzocken wollen oder hinterher mehr verlangen als vereinbart – mit irgendeiner fadenscheinigen Ausrede wie „Es war Stau“ (ach ja? Kommt vor…) oder „ich habe den Weg nicht gefunden und war länger unterwegs“ (nun, das sollte doch ein Taxifahrer eigentlich draufhaben und nicht auf den Kunden abgeschrieben, oder?) Jedenfalls haben wir gerade in Indien schon alle möglichen schlechten Erfahrungen gemacht, bis hin zu aufdringlichen Taxifahrern, als ich damals alleine in Indien unterwegs war. Mit großer Freude haben wir daher „Uber“ entdeckt. Bei uns in Deutschland hat sich das nicht durchgesetzt, aber in Indien war es einfach praktisch: du kannst es online bestellen genau zu dem Ort wo du bist, gibst den Zielort ein, der Fahrer weiß genau wohin es geht, und meist sind es junge, zurückhaltende Studenten, die uns nicht bedrängen und auch sehr ruhig fahren. Die Autos sind modern, bequem und klimatisiert – und mit E-Antrieb! In Delhi und Mumbai haben wir das sehr zu schätzen gelernt.

Hier in Thailand wird uns „Grab“ empfohlen, das nach dem gleichen Prinzip sehr gut funktioniert. Wir nehmen also ein „Grab“ Taxi zur Night Safari und werden gleich mit riesigen Elefantenstatuen aus Marmor begrüßt. Elefanten gehören zum Inventar von Thailand wie die Kühe zu Indien. Selbst die Handtücher in den Hotels haben wir schon zu Elefanten gefaltet bewundern dürfen. Auch in der „Night Safari“ stellen wir wieder fest, wie gut hier alle durchorganisiert sind. Direkt mit dem Eintrittsticket erhalten wir einen genauen und abgepassten Zeitplan, was wir wann machen können: Erst mit der Tram auf Safari, dann Dance Show, dann Water Show, dann Tigershow. Es wirkt hier ein bisschen wie im Disneyland, nur nicht so groß und verwirrend. Trotz allem werden wir nicht enttäuscht.

Tanzende Grizzlys bei Vollmond

Es ist wirklich ein tolles Erlebnis, mit der offenen „Tram“ bei Vollmond durch das Gelände zu fahren und alle möglichen Tiere – wohl gemerkt nur wenige einheimische, sondern eher andere Tiere – in ihrem Gehege zu sehen, auf das dann extra die Scheinwerfer gerichtet werden. Es scheint die Tiere nicht zu stören. Einige machen sogar fast eine Show daraus. Ob sie darauf trainiert wurden? Das Zebra scheint uns regelrecht zuzulächeln, als wir vorbei fahren, der braune Grizzly Bär richtet sich zu seiner vollen Größe auf, und eine Giraffe kommt sogar ganz nah an uns heran. Der Guide drückt Joshua eine Banane in die Hand, und er darf sie damit füttern und sogar noch streicheln. Sicherlich ein Erlebnis, das ein Zehnjähriger nicht so schnell vergisst. Zahlreiche Smart Phones werden in die Höhe gerichtet, um diesen Moment festzuhalten. Ich will nicht wissen, in wie vielen japanischen, thailändischen und sonstigen digitalen Fotoalben wir landen werden. Ich habe den Eindruck, dass die Asiaten mittlerweile den Großteil ihrer Erlebnisse nur noch durch das Display ihres Smart Phones sehen, da sie ständig am Filmen und Fotografieren sind. Wobei das sicherlich eine Entwicklung ist, die auch bei uns nicht aufzuhalten ist.

Beim nächsten Highlight kann jedoch auch ich kaum mein Smartphone aus der Hand legen. Uns wird eine Wassershow ohne Gleichen geboten, in dem Fontänen, Farben, Bilder und Musik perfekt abgepasst zu einer beeindruckenden Show komponiert wurden. Ein tolles Highlight, das alle Zuschauer vom Rande des Ufers aus gebannt verfolgen und – natürlich filmen.

Da kann die nachfolgende „Tiger Show“ noch so sehr mit im Käfig hoch springenden Tigern und Löwen aufwarten, das ist kaum noch zu toppen. Wir bewundern noch ein paar Hindernisläufe der Raubtiere, einen Leoparden, der unter Wasser taucht – was wir dank eines gläsernen Beckens gut mitverfolgen können – und ein paar Nachttiere, die von einem Bau in den anderen hüpfen. Alles verbunden mit fetziger Musik und einer lauten Stimme, die auf thailändisch und in leider unverständlichem Englisch alles kommentiert. Dafür, dass wir nachmittags gar keine Lust hatten, uns aufzuraffen, muss ich sagen: es hat sich gelohnt!

Nach dieser Woche in Chiang Mai kann ich sagen: Es ist ein Ort, an dem man sich gut länger aufhalten kann. Doch wir müssen leider weiterziehen und nehmen am nächsten Tag den Nachtbus nach Bangkok. Warum wird nach Bangkok müssen, das erfährst du im nächsten Blogartikel.

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Erholung und Action auf Koh Samui

„Your boy is young and strong, so he is improving much faster than supposed”, sagt uns der Doktor bei der nächsten Visite und gibt Entwarnung. Wenn alle Blutwerte gut seien, dann könne mein Sohn bereits morgen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Was für eine Erleichterung! Am Tag zuvor hatte alles noch ganz anders ausgesehen, und ich dachte, ich müsste mir Sorgen machen bzw. alsbald mit Joshua nach Hause fliegen. Nun sieht die Welt schon wieder anders aus. Alles halb so wild! Dennoch ist mit einer solchen Magen- und Niereninfektion nicht zu spaßen und ich wollte in jedem Fall sicher gehen. So habe ich den „Medical Report“ dieses Krankenhauses an Joshuas Kinderarzt sowie an verschiedene befreundete und bekannte Ärzte geschickt und von allen Seiten grünes Licht für die Weiterreise bekommen.

Beschwingt gehe ich an diesem Tag mal für eine Stunde raus, finde einen Markt, auf dem ich ein paar Souvenirs und Mitbringsel kaufen kann, und den in Thailand überall vorhandenen 7/11 Shop, also eine Art modernen Mini-Supermarkt, wo wir uns immer mit Getränken, Chips und Keksen eindecken können. Es dauert dann zwar doch noch eine Nacht länger als geplant, aber schließlich können wir nach 4 Nächten im Krankenhaus gehen. Was für ein Luxus: wir werden mit dem krankenhauseigenen Pick-Up direkt zum Bootsanleger von Ko Phangan gebracht.

Endlich wieder Meer

Ich habe für uns erstmal ein Zimmer in einem schönen Hotel am Meer auf Koh Samui gebucht. Von dort aus ist der Flughafen in der Nähe – für alle Fälle – und wir können uns in Ruhe von dem Stress erholen und dann weiterschauen. So genießen wir es die nächsten Tage, am Pool oder im wunderbaren Zimmer mit Weitblick über das Meer zu relaxen. Wir  schreiben Weihnachtskarten, holen etwas Schule nach und ich meine liegen gebliebene Arbeit.

In der Zeit im Krankenhaus hatte ich fast jeden Tag darüber nachgedacht, ob nicht alles einfacher wäre, wenn wir direkt nach Hause fliegen. Grund genug hätten wir ja schließlich. Doch irgendwie spüre ich, dass es sich für uns beide noch blöder anfühlen würde, wenn wir die Gelegenheit für die restlichen Wochen nicht noch nutzen würden, um das Beste draus zu machen. Also schaue ich nach Möglichkeiten, um etwas Schönes zu unternehmen.

Jetzt erst recht: auf zu den Elefanten

Über die App „Get your Guide“ suche ich verschiedene Unternehmungen raus. Es beginnt mit einer Tour zu einem „Elephant’s Sanctuary“. Wir werden direkt vom Hotel abgeholt und zu der „Elefanten-Station“ gefahren. Hier leben 13 Elefanten, die aus unwürdigen Verhältnissen gerettet wurden. Es geht ihnen gut hier, sie haben ein riesiges Gelände zur Verfügung, werden von Touristen gefüttert, aber keiner reitet auf ihnen und sie werden auch nicht als Zirkustiere o.ä. missbraucht. Die Stiftung zur Rettung von Elefanten lässt es sich ganz schön was kosten: Umgerechnet € 30.000 kostet der Kauf eines Elefanten, um ihn zu retten.

Dafür braucht es viele Spendengelder und viele Tourist:innen, die bereit sind, auch etwas höhere Eintrittspreise zu zahlen. Dafür bekommen wir aber wirklich etwas geboten. Auf einer Art Steg können wir einen Rundgang machen und von oben die Elefanten füttern, zunächst aus sicherer Entfernung. Wir bekommen Bananen und Palmenblätter, die uns von deren Rüsseln dankbar aus den Händen gerissen werden. Die Rüssel sind ja quasi Nase und Greifarm zugleich. Die Elefanten haben dabei eine interessante Technik, indem die mit ihrer „Nase“ nach der Banane (inkl. Schale natürlich!) greifen und diese gleichzeitig ansaugen und zum Mund führen. Wir Menschen würden es vermutlich nur schwer hinkriegen, einen Strohhalm oder ähnliches mit der Nase so festzusaugen, dass er nicht runterfällt. Später dürfen wir tatsächlich noch näher auf Tuchfühlung mit den Elefanten gehen und werden direkt in das Gehege gelassen. Wie zahm und zutraulich diese Tiere sind!

Das letzte Mal habe ich Elefanten gesehen, als ich eine Safari durch den Krügerpark in Südafrika gemacht habe. Da haben wir die riesigen Tiere nur aus sicherer Entfernung sehen können und es hieß sogar „Achtung! Es ist schon vorgekommen, dass die Elefanten mit den Autos Fußball gespielt haben.“ Nicht sehr beruhigend. Hier sind die grauen Riesen so zutraulich, dass sie uns sogar mit ihrem Rüssel „in den Arm nehmen“, wenn wir uns ihnen nähern. Was für ein Spaß für alle Tourist:innen, die sich dabei natürlich reihenweise gegenseitig fotografieren und filmen. Dies war sicherlich eine Tour, die man im Leben nicht so oft erlebt. Aber sie war definitiv ihre Zeit und ihr Geld wert und gerade für Kinder ein tolles Erlebnis!

Nach dieser Tour haben wir erstmal einen Tag Erholung im Hotel eingeplant, damit Joshua nach dem Krankenhaus-Schock nicht direkt überfordert ist. Es regnet zwar vormittags noch oft, aber meist hört der Regen dann auf, und es ist bewölkt. Genau richtig, weil es dann mal nicht mehr so heiß ist. Und auch sonst stört es uns überhaupt nicht, da Joshua wegen der Antibiotika eh noch nicht in die Sonne darf.

Insel-Achterbahn mal anders

Das nächste Abenteuer klingt genauso vielversprechend: eine Jeep-Tour über die Insel Koh Samui. Wir werden mit einem ausrangierten Militärjeep vom Hotel abgeholt und gemeinsam mit 6 anderen Reisenden zu verschiedenen Tempeln gekarrt. Dort stellen wir fest, dass zu dieser Tour noch 3 weitere Jeeps á 8 Personen gehören – das wirkt dann doch etwas wie Massenabfertigung, aber egal. Ein umtriebiger Reiseleiter ist für die gesamte Schar zuständig und erklärt alles auf englisch und dann sogar auf deutsch. Allerdings spricht er dabei so schnell und undeutlich – wie auswendig gelernt – dass wir nicht wirklich verstehen, worum es geht. Er erzählt von Mönchen und Buddhas und vom Großvaterfelsen, der eher aussieht wie ein überdimensionierter Phallus. Nachdem die Tempel „abgehakt“ sind – für Joshua eher nicht so aufregend – beginnt der coole Teil der Tour. Ab geht’s in die Berge und auf kleine Straßen, sozusagen „offroad.“ Jetzt dürfen wir uns oben auf das Dach setzen und den Fahrtwind genießen. Sicherheitstechnisch wäre sowas in Deutschland ein absolutes No-Go –  aber hier nimmt man es nicht so genau. Ab und zu müssen wir uns ducken, damit uns kein Ast oder Palmblatt ins Gesicht fliegt, es geht manchmal ziemlich steil bergauf und bergab, die schwarzen Abgase von dem Jeep vor uns wehen uns in die Nase, aber es macht uns allen einfach einen Heidenspaß!

Beim darauffolgenden Mittagessen lernen wir unsere Mitreisenden ein wenig kennen: Francesca aus Kanada, die mit einem Bekannten unterwegs ist. Diana, um die Mitte 40, aus Germersheim, die gemeinsam mit ihrem Vater Gunter reist ist sowie ein weiteres Pärchen. Sie ist Engländerin aus London, er Amerikaner aus Boston, und sie haben sich in Boston beim Studium kennengelernt. Da sie nicht dauerhaft in den USA bleiben konnte, führen die beiden nun im wahrsten Sinne des Wortes eine Fernbeziehung. „We fly a lot“ sagt der Typ nur dazu. Alle 2 Monate besuchen sie sich gegenseitig. Wir machen uns in Deutschland Gedanken über das Fliegen – aber wo die Liebe hinfällt, da kann man eben nichts machen.

Da unsere Mitfahrer lieber unten auf der etwas ruhigeren Bank sitzen bleiben, nutzen Joshua und ich die Gelegenheit, weiter auf dem Dach zu fahren, die frische Luft zu genießen und die tropische Palmenlandschaft an uns vorüberziehen zu lassen. Ein schöner Abschied von dieser Insel – denn morgen geht es weiter nach Chiang Mai, in den Norden von Thailand.

Du möchtest weitere Bilder, Berichte und Videos von der Reise sehen? Dann schau mal vorbei unter https://happiness.community/reiseblog/

Angekommen im Paradies – und am Tiefpunkt der Reise

Endlich weg aus Indien! Was freuen wir uns darauf, nach Koh Samui zu fliegen, uns an einem schönen Strand eine Weile niederzulassen und einfach nur die Seele baumeln zu lassen! Schon der Transfer am Flughafen Bangkok ist klasse organisiert. Direkt nach dem Ausstieg aus der Maschine erwartet uns eine Flughafenmitarbeiterin mit einem Schild und führt uns im Schnellschritt durch den riesigen Flughafen. Anscheinend ist der Anschluss nach Koh Samui wohl doch sehr knapp. Nix mit Duty Free Shopping Bummel, etwas trinken oder mal irgendwo umschauen. Erst am Gate ist Ruhe. Aber es ist irgendwie auch schön, mal nicht mehr nur unter Indern zu sein, sondern wieder „westliche Touristen“ zu sehen. Man könnte fast meinen, der Flug ginge von Dortmund nach Mallorca.

Bei Ankunft auf Koh Samui merken wir den Unterschied: Wir stehen an einem Mini-Flughafen und warten auf das Gepäck, in feucht-tropischer Hitze. Gekkos laufen an der Wand, die halb offene Halle hat nur ein Bambusdach. Immerhin, unser Hotel-Shuttle ist ein moderner Kleinbus mit super Klimaanlage. Und das Resort, in dem wir uns für die ersten Tage eingemietet haben, ein Traum! Ein großes Zimmer mit Terrasse, direkt dahinter der Pool, Blick auf das Meer, dann direkt weißer Sandstrand. Das heißt, vom Zimmer aus können wir in den Pool hüpfen, von dort aus ins Meer und wieder zurück. Für Frühstück und Abendessen gibt es ein nettes Restaurant direkt am Meer, abends werden sogar die Tische und Stühle direkt am Strand aufgestellt. Angekommen im Paradies!

Paradies mit Hindernissen

Und doch ist das Leben nun mal kein Hollywood-Film mit Happy End. Wozu auch? Das wäre letztendlich langweilig und würde uns nicht weiterbringen im Spiel des Lebens. Eigentlich könnten wir uns jetzt zurücklehnen und genießen. Eigentlich. Doch das, was sich schon in den Wochen vorher abgezeichnet hatte, spitzt sich jetzt zu: Die Patchwork-Konstellation ist doch nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es kommt immer wieder zu Interessenskonflikten, Unverständnis und Diskussionen. Es fällt uns schwer, konstruktiv zu bleiben, ohne in Vorwürfe abzurutschen. Ich stehe zwischen den Stühlen und schaffe es nicht, die Balance zu halten in unserem „Dreierteam“. Es fühlt sich so an, wie wenn ich machen kann was ich will, aber einer fühlt sich immer benachteiligt. Für uns alle ist es anstrengend.

Wir suchen nach Möglichkeiten. Vielleicht eine Weile getrennt weiterreisen? Die Reise komplett abbrechen? Alles scheint sinnlos und nicht passend. Ein weiterer Faktor kommt jedoch hinzu, der uns am Ende die Entscheidung abnimmt: Michaels Gesundheitszustand. Er hatte bereits in Indien hohes Fieber gehabt. Dieses konnte dort zwar mit Medikamenten gedämpft werden, aber es blieb ein ständiges Kribbeln in seinen Händen, bis diese am nächsten Morgen auf Koh Samui völlig gerötet und geschwollen waren. Somit wurde klar, dass die Reise für Michael hier – zumindest vorerst – beendet sein würde. Nach einem schweren Abschied stieg er noch am selben Abend in den Flieger zurück nach Deutschland. Dort stellte sich dann heraus, dass die Entscheidung richtig war: Er hatte sich tatsächlich Dengue-Fieber eingefangen. Zum Glück konnte er gut behandelt werden und ist mittlerweile wieder wohlauf.

Ich fahre am nächsten Morgen mit Joshua alleine zur Nachbarinsel Ko Phangan weiter. Die Bungalows dort liegen zwar direkt an einem wahren Traumstrand, aber es ist durch all das Geschehene auch bei uns ein wenig Ernüchterung und „Reisemüdigkeit“ eingetreten. Joshua vermisst seine Freunde zu Hause, ja sogar die „normale Schule“ und auch die kühlen Temperaturen. Es mag paradox klingen, aber irgendwann ist es tatsächlich so: du kannst am schönsten Strand sein, quasi im Paradies, und irgendwann ist es nichts Besonderes mehr. Irgendwann reicht es, morgens ins Meer zu springen, schnorcheln zu gehen, nachts zu schwitzen oder zu frieren – je nach Klimaanlage. Es nerven die Mücken im Bungalow, die Lautstärke der Klimaanlage, die Mini-Ameisen, die überall auftauchen, sobald man irgendwo auch nur Spuren von Essen hinterlässt. So sehr wir uns zu dritt auch gerieben haben, zu zweit ist es gerade auch schwer – wie wenn die Luft raus ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich liebe Freundinnen habe, die mir alle von Herzen her ihre seelische Unterstützung und Telefonate anbieten.

So nehme ich mir abends immer mal eine kleine Auszeit, setze mich an den Strand und rufe eine Freundin an. Dank moderner Technik und der Möglichkeit von Whatsapp-Call klappt das super und hört sich an wie 2 Straßen weiter. Auch Joshua freut sich, dass er auf die Weise – meist verbunden mit gemeinsamem Gaming – den Kontakt mit seinen Freunden halten kann.

Zen Beach ohne Zen

Ein weiterer Lichtblick ist Isabell mit ihrer Familie. Ich hatte sie zufällig auf dem Hotelflur in Agra, Indien, kennengelernt. Ich kam von einem Coaching-Call, den ich unten im Restaurant geführt hatte, sie mit ihrem kleinen Sohn vom Swimming Pool. Da ich hörte, wie sie mit ihm deutsch sprach, sprach ich sie direkt an. Schließlich sieht man auf einer solchen Reise nicht sehr oft andere Eltern mit Kindern. Tatsächlich, sie war allein mit ihrem Vierjährigen unterwegs, würde sich dann auf Ko Phangan mit ihrem Freund treffen. Wir tauschten direkt Kontaktdaten aus, gingen abends zusammen essen und verabredeten uns auf Ko Phangan. Hier im Resort gibt es also nun ein freudiges Wiedersehen mit Isabell, ihrem Sohn und ihrem Freund.

Sie kennt sich hier aus und will mit uns zum „Zen Beach“ gehen, das ist der bekannte und beliebte Hippie-Beach, zum Sonnenuntergang schauen. Als wir dort ankommen, scheint es mir jedoch eher so, dass dies der „Angeber-„ und „Poser-Beach“ der Insel ist. Es gibt eine Bar mit Sonnenliegen und Stühlen, an der man günstig Gin Tonic, Bier und spezielle „Kekse“ bekommen kann – was ich von Amsterdam kenne, aber hier nicht erwartet hätte. Wir halten uns lieber an Gin Tonic.

Joshua ist zusammen mit Isabells Sohn Marlon trotz des Altersunterschiedes damit beschäftigt, Sandburgen zu bauen. Isabel, ihr Freund Vivian und ich quatschen und beobachten dabei das „Szenepublikum“ an diesem Beach. Ein langhaariger, etwas verlebter Typ geht rum und verkauft irgendwelche bewusstseinserweiternden Substanzen an die in Gruppen rumsitzenden Leute – bevorzugt Mädels. Man sieht hier aber auch zahlreiche muskulöse, tätowierte Typen mit langen Haaren oder einem „Männerdutt“ – also dieser typischen Yoga-Spiri-Frisur, die man an Orten sieht, wo die Leute sich für besonders spirituell und gleichzeitig hip halten. Einer von ihnen steht direkt vorne am Strand und macht irgendwelche Yoga- oder Tai Chi Verrenkungen, damit auch alle sehen können, wie toll er sich darstellt. Oder ist er einfach nur high? Wir erkennen es nicht. Einige Frauen kommen im knappen Bikini und versuchen sicher zu gehen, dass schon ihr Auftritt und die Art, wie sie sich an den Strand legen, zum sensationellen Erlebnis für die Zuschauer wird. Zum Glück färbt sich jetzt der Himmel rot zum Sonnenuntergang, und ich widme mich lieber dem weitaus authentischeren Schauspiel der Natur, statt mir diese skurrile Schauspielerei der Poser und Pseudo-Spiris weiter anzuschauen. Trotzdem ist es irgendwie lustig, und wir gehen am nächsten Tag wieder zum Zen Beach.

Ich versuche weiterhin, so gut es geht, diese Zeit mit Joshua schön zu gestalten, auch wenn es in mir stimmungsmäßig anders aussieht. Wir machen eine längere Schnorcheltour, mieten einen Roller, toben im Pool, gehen am Strand auf und ab und sammeln im Wasser Korallen. Außerdem haben wir jetzt endlich eine Online-Schule gefunden, über die Joshua Kurse machen kann. Langfristig ist es doch einfacher, wenn jemand „von außen“ ihm Schulaufgaben gibt als immer nur Mama.

Wenn Tiefpunkt, dann richtig!

Noch am selben Abend wird jedweder Versuch, das Beste aus diesen Tagen zu machen, wieder jäh zerstört. Gerade habe ich mit einer Freundin telefoniert und komme zurück in den Bungalow, da ist Joshua plötzlich ganz heiß und liegt apathisch auf dem Bett. Die Messung ergibt: 39 Grad Fieber. Ich gebe ihm Paracetamol, in der Hoffnung, dass es wieder runtergeht. Am nächsten Tag scheint es etwas besser, doch abends wieder Fieber. Ich hatte mich schon vorab bei der Rezeption erkundigt, ob man einen Arzt kommen lassen kann, doch der junge Ami dort sagte mir, dass wir selbst ins Krankenhaus fahren müssen. Samstag morgen sind es 39,5 Grad Fieber. Jetzt heißt es, schnell handeln! Ich packe schonmal vorsorglich unsere Taschen, nehme die beiden Handgepäckrucksäcke und bestelle das Taxi zum Krankenhaus. Sicherlich sind wir gegen Mittag wieder zurück, denke ich noch. Draußen regnet es in Strömen und gewittert so laut, dass wir bei jedem Donnerschlag zusammenzucken.

Ein Taxi auf Ko Phangan bedeutet: Eine Art Mini-LKW, wo die Fahrgäste hinten auf der Ladefläche – mit Dach, aber ansonsten offen – auf 2 Bänken gegenüber sitzen. Das bedeutet für uns, dass der starke Regen ordentlich hineinpeitscht und wir uns notdürftig mit einem Handtuch schützen müssen. Nach einem Kilometer Fahrt beginne ich zu bezweifeln, dass wir mittags zurück aus der Klinik sind. In einer spontanen Eingebung bitte ich den Fahrer, umzudrehen, um auch unser restliches Gepäck zu holen. Also wieder zum Bungalow, im strömenden Regen die beiden schweren Taschen auf die Ladefläche gehievt und weiter zum Krankenhaus. Dieses ist im gleichen Ort, in dem auch das Boot nach Koh Samui fährt. Das ist schonmal gut.

Erste Erleichterung bei der Diagnose des Arztes: Kein Dengue. Aber dafür eine Infektion im Darmbereich. Er muss auf jeden Fall die Nacht hier bleiben. Eine deutsche Frau, die hier arbeitet, gesellt sich zu uns und beruhigt uns ein wenig. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen, und natürlich darf ich als Mama mit auf dem Krankenhauszimmer übernachten. So werden wir auf das Zimmer gebracht und erleben eine freudige Überraschung: Ein wirkliches Luxuszimmer, besser als in so manchen Hotels, in denen wir übernachtet haben. Es empfängt uns sanfte SPA-Musik vom Fernseher, auf dem Traumstrandbilder von Thailand gezeigt werden. Neben dem „Krankenbett“ von Joshua haben sie eine Liege für mich aufgebaut. Es gibt sogar eine kleine Küchenzeile mit Wasserkocher, Instant Nudeln, einer Mikrowelle, Minibar und einem Kühlschrank. Hier können wir es sicherlich gut aushalten. Ein Hoffnungsschimmer. Doch wir werden eines anderen belehrt.

Step by Step geht immer

Am nächsten Tag heißt es, wir müssten aufgrund der Symptome mindestens eine Woche bleiben. Ich bin ziemlich am Boden zerstört, kann kaum noch klar denken und weiß überhaupt nicht mehr, wie es weiter gehen soll. Außerdem mache ich mir Vorwürfe – dass ich es zu spät gemerkt habe, dass ich die Reise überhaupt gemacht habe, alles bricht über mir zusammen. Ich hadere sehr mit dem „Schicksal“ – wozu? Wozu nur soll es gut sein, das Ganze hier zu erleben? Wir wollten uns gemeinsam einen Traum erfüllen mit dieser Reise. Und jetzt zerbricht alles in Scherben. Es fällt mir schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Ich kann einfach nur noch irgendwie den Moment überstehen, von einem Tag auf den nächsten. Meine Traurigkeit über den Verlauf der Reise, meine Sorge, meine Anspannung – gerade echt schlimm. Der Himmel draußen weint mit – es stürmt und regnet, die Palmwipfel draußen vor dem Fenster bewegen sich heftig im Wind.

Das Leben schöpferisch gestalten – jeden Tag

Dabei weiß ich ja letztendlich, dass das alles Luxusprobleme sind. Andere Menschen leiden unter Krieg, Armut, chronischen Krankheiten. Doch das ist ja nicht immer ein Trost für die eigene Situation.

Und ich kenne doch alle Methoden, die helfen, um solche Situationen zu überstehen: lachen, etwas Gutes für mich tun, meditieren – all das, was ich schließlich auch in meinen Kursen und Workshops meinen Teilnehmer:innen erzähle! Trotzdem bin ich wie gelähmt und beherzige nur den einen Tipp, den ich auch anderen gebe: Mach dich nicht noch selber runter, wenn du all das gerade nicht schaffst und einfach nur traurig und besorgt bist! Dann ist es gerade so und darf angenommen werden. Mir hilft im Moment nur eins: nicht groß nachdenken, einen Tag nach dem anderen leben, im Hier und Jetzt. Und irgendwo tief in mir drin habe ich trotz allem das Vertrauen, dass alles wieder gut wird – egal wie.

Das Einzige, was ich schaffe, ist morgens eine kleine Meditation zu machen und immer wieder ein paar Sätze von Kurt Tepperwein zu lesen, die mir Hoffnung machen:

„Sie können aus JEDEM Augenblick etwas ganz Besonderes machen. Realität ist JEDERZEIT bereit JEDE gewünschte Form anzunehmen und das Leben wartet NUR auf Ihre „Anweisungen“. Der erste Schritt ist aufzuwachen aus dem Traum, wach zu sein und sich bewusst zu machen, wer Sie sind, wer Sie WIRKLICH sind. Das Leben ist ein Spiel, in dem Sie nur gewinnen können, aber es geht nicht darum, zu gewinnen, sondern das Spiel zu genießen.“ Kurt Tepperwein

Ja, das Spiel des Lebens. Es ist eben nicht immer eitel Sonnenschein und happy happy. Es ist ein ordentlich geschnürtes Päckchen, das aus Aufgaben, Herausforderungen und auch Geschenken besteht. Selbst wenn ich die Geschenke im Moment noch nicht erkennen kann – ich bin mir sicher, es gibt welche. Und so bestätigt sich wieder genau das, was ich auch in meinen Kursen und Vorträgen und Seminaren versuche zu vermitteln: Es geht nicht darum, dass alles immer perfekt läuft im Leben. Sondern es geht darum, die Krisen des Lebens mit Zuversicht zu meistern, sich immer wieder aus der Opferhaltung (warum nur passiert mir das?) zu befreien und schöpferisch tätig zu werden. Und wenn es nur Tag für Tag ist. Es gilt, immer davon auszugehen, dass sich alles ordnet im Leben. Dafür muss manchmal vorher alles auseinander brechen, das wir uns mit unserem Ego so schön zurecht gelegt hatten. Die Buddhisten würden sagen „jede Anhaftung loslassen.“ Sobald wir an etwas festklammern, etwas unbedingt wollen, uns auf etwas verlassen, was sein soll, die „Schäfchen im Trockenen“ wähnen, dann macht uns das Leben halt mal eben so einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Danke, liebes Leben, für diese Extra-Lektion!

Immerhin: der nächste Tag in der Klinik bringt Entwarnung: Die Antibiotika wirken, die Symptome sind unter Kontrolle, und wenn alles klappt, dürfen wir doch am nächsten Tag raus. Endlich das Schlimmste geschafft! Doch ob wir wirklich raus dürfen und wie es dann weitergeht, das erfährst du im nächsten Blog…

Hier geht’s zurück zum Reiseblog, mit weiteren Bildern und Videos…

Herzlichst Angela

 

Du möchtest Krisen mit Zuversicht und einem Lächeln meistern lernen? Dann komm in das SMILE-Programm…

Die folgende Geschichte hilft mir, zuversichtlich zu bleiben. Vielleicht findest du sie auch interessant.

Die Geschichte vom alten Mann und dem Pferd

Eine alte chinesische Geschichte erzählt von einem Bauern in einem armen Dorf. Er besaß ein Pferd, mit dem er pflügte und Lasten beförderte.

Eines Tages lief ihm sein Pferd davon. Seine Nachbarn riefen, wie schrecklich das sei, aber der Bauer meinte nur: „Wir werden sehen.“

Ein paar Tage später kehrte das Pferd zurück und brachte ein weiteres Pferd mit. Die Nachbarn freuten sich alle über sein günstiges Geschick, aber der Bauer antwortete erneut: „Wir werden sehen.“

Am nächsten Tag versuchte der Sohn des Bauern, das neue Pferd zu reiten. Das Pferd warf ihn ab und er brach sich dabei ein Bein. Die Nachbarn bekundeten ihm alle ihr Mitgefühl für dieses Missgeschick, aber vom Bauer hörten sie wieder nur ein: „Wir werden sehen.“

In der nächsten Woche brach ein Krieg mit dem Nachbarkönigreich aus. Alle jungen Männer aus dem Dorf sollten eingezogen werden, um im Krieg zu kämpfen. Doch den Sohn des Bauern wollten sie nicht, weil er ein gebrochenes Bein hatte.

Als die Nachbarn ihm sagten, was für ein Glück er hat, antwortete der Bauer: „Wir werden sehen.“

Indien – intensiv und immer wieder faszinierend

Nun ist es soweit und wir kommen in dieses wahnsinnige Land, das man gleichzeitig hassen und lieben kann. Nach Indien kommen viele einmal und nie wieder. Andere lassen sich irgendwie dann doch auf das Land ein und kommen immer wieder – so wie ich. Kein Land, das ich kenne, triggert Menschen so krass wie dieses. Wir haben auch diesmal all die faszinierenden und zum Teil verstörenden Gegensätze voll mitgenommen.

Lachen verbindet – auch international

Auf der internationalen Laughter Yoga Conference in Nashik haben wir gelebt wie die Könige und Königinnen. Die Konferenz fand in einem gehobenen Resort statt, in dem wohl eher die reichen Inder verkehren. Das ging so weit, dass wir mit ein paar Leuten zusammen ein Haus mit eigenem Pool hatten und ein „House Keeper“ rund um die Uhr für uns zur Verfügung stand. Da unser Wohnhaus etwas weiter entfernt von dem Ort war, an dem die Conference statt fand, wurden wir – wann immer nötig – eigens mit dem Auto hin- und hergefahren. An allen Orten stand ein Auto mit Chauffeur bereit oder wurde schnell herbei gerufen. Ökologische Aspekte? Danach fragt hier keiner. So konnte man Indien hier fast auf „Kolonialherren/ – frauenart“ genießen und sich einzig und allein darüber beschweren, dass es keine Einzelzimmer gab.

Immer wieder erweist sich das Lachyoga als eine wunderbare Möglichkeit, mit Menschen international in Kontakt zu kommen. Alle sind offen und freundlich, auch gegenüber Joshua, der es als „Schulaufgabe“ von mir bekommen hat, wenigstens zu einigen Vorträgen mitzukommen. Zahlreiche Japaner:innen sind dabei, Teilnehmer:innen aus Thailand, Italien, Frankreich, Deutschland und vielen mehr. Aus Israel konnte nur eine Frau anreisen, da die meisten Flüge aufgrund des Krieges storniert waren bzw. zu Hause wichtigere Aufgaben warteten. Sehr berührend war es, gemeinsam mit Lily aus Isreal für Frieden zu beten und zu lachen. Auch aus Russland waren ein paar Teilnehmer:innen angereist, leider nicht aus der Ukraine.

Hilfe, die Ohren!

Besonders spannend war es, einen indischen Lachclub in Nashik zu besuchen. Mit ca. 80 Personen aus allen Ländern waren wir als „International Delegates“ die Ehrengäste und wurden von allen herzlich begrüßt und gefeiert. Lachclub bedeutet dort: Hunderte von Menschen treffen sich in einer Riesenhalle und vorne auf der Bühne steht jemand und hält erstmal eine lange Rede, die man kaum versteht wegen Mikro-Überdrehung und Indian English. Vielleicht ist so eine Rede ja sonst auch nicht üblich, sondern war nur für uns gedacht. Dann werden Übungen gemacht und alle machen im Sitzen mit bzw. nur nach Aufforderung im Stehen. Auf jeden Fall ist alles, was dort passiert sehr sehr sehr laut – über 100 Dezibel, wie meinem Kollegen auf seiner Apple Watch warnend angezeigt wird.

Je länger ich in diesem Land bin, umso mehr komme ich zu der Überzeugung, dass die meisten Inder:innen bereits fast taub sein müssten, bei dem Lärmpegel überall. Zumindest wird mit dieser Lautstärke dann am Ende der Lachyoga-Session noch gemeinsam Party gemacht und getanzt. Und das bedeutet hier: auch ältere Frauen in ihren Saris, tanzen, rocken ab, wollen alle Selfies machen und strahlen und feiern um die Wette. Einfach ein Spaß, in den wir eintauchen und jeden besonderen Augenblick genießen können. Und wieder mal frage ich mich: warum sind die Menschen in Deutschland oft so missmutig und wählerisch („nein, nach der Musik tanze ich nicht!“), wo es doch so einfach sein kann, gemeinsam begeistert Spaß zu haben. Meiner Meinung nach braucht es dafür nicht mal Lachyoga. Sondern einfach nur die Entscheidung, sich auf die besonderen Momente des Lebens einzulassen, statt immer daran zu denken, wie es „eigentlich“ richtig sein müsste.

Gelassenheit ist alles

Diese gelassene Grundeinstellung brauchen wir allerdings auch an unseren nächsten Stationen: zunächst sind es noch 2 Nächte Mumbai. Hier nutzen wir natürlich den Tag, um zum Gateway of India zu fahren. Das bedeutet, den halben Tag in einem überhitzten Taxi im Stau stehen, dann durch Staub, Dreck und Menschenmassen zu laufen, den Himmel nicht richtig zu sehen vor lauter Smog, sich ständig mit indischen Familien fotografieren lassen und abends froh sein, sich im fensterlosen Hotel wieder ins Bett fallen zu lassen.

Leben und Tod – nah beieinander

Wir sind schließlich froh, als der Flieger in Varanasi landet. Varanasi, die heilige Stadt am Ganges. Ich kenne Varanasi gut von meiner früheren Mitarbeit in Projekten, aber wie werden die anderen es verkraften? Neben Michael und Joshua besteht hier unsere kleine „Reisegruppe“ noch aus Heidi und Andrea aus Berlin (beide Lachyogis) sowie Carla aus Kalifornien, die wir von der Laughter Yoga Conference kennen und die ebenfalls auf Weltreise ist. Zunächst erwartet uns eine schöne Überraschung bei Ankunft.

Das Yoga Ashram, das ich für uns organisiert habe, ist ruhig und friedlich, und von unserem Zimmer aus haben wir einen atemberaubenden Blick über die Stadt und über den Ganges. Morgens um 8:00 gibt es Yoga mit Peetambar, meinem absoluten Lieblings-Yogalehrer. Er hat mir gezeigt, dass Yoga nicht nur ein „Gymnastik-Programm für Hausfrauen“ ist, sondern ein geniales Workout für Körper, Geist und Seele. Monatelang habe ich damals in Berlin nach einer Yogaschule gesucht, die es ähnlich macht wie er, aber leider vergeblich. Mittlerweile habe ich als Yogalehrerin meinen eigenen Stil gefunden, uns es ist auch ok. Trotzdem genieße ich es, einfach nur als Teilnehmerin dabei zu sein und so von ihm gefordert zu werden, dass ich innerhalb von wenigen Tagen rasante Fortschritte mache und sogar den Kopfstand ohne Probleme schaffe.

Nawal – Business mit Lachen und Leidenschaft

Ein weiteres Highlight ist das Wiedersehen mit meinem indischen Freund Nawal. Wie ich es von früher kenne, sitzt er entspannt in seinem Laden, macht nebenbei sein „Business“ schüttelt lachend seinen dunklen Lockenkopf und alle kaufen ihm den Laden leer. Ungewohnt sind die vielen indischen Touristen, die in Varanasi unterwegs sind, zu Teil auch „gehobeneres Klientel“ aus Delhi und Mumbai. Nawal organisiert für uns eine „Walking Tour“ durch Varanasi mit einem amerikanischen Freund. Drei Stunden lang führt er uns durch zahlreiche Tempel, durch die engen Gassen der Stadt, in kleine Hinterhöfe hinein. Super spannende Ecken und Infos, die selbst ich vorher noch nicht kannte. Aber auch sehr krasse Eindrücke, zum Beispiel von den „Ghats“ – so heißen die Treppen am Ganges – an denen die Leichen verbrannt werden. Es riecht überall in der ganzen Stadt ständig nach Rauch, aber hier natürlich noch mehr. Joshua nimmt es relativ gelassen. Man sieht nicht direkt, was dort passiert, aber man weiß es eben. Ich rede offen mit ihm darüber. Hier ist eben der Tod kein Tabu, sondern Bestandteil des Lebens – bzw. des Karmakreislaufs. Wenn hier jemand stirbt, ist es nicht etwas Schlimmes, sondern für die Menschen eine Erlösung. Neben der Verbrennungsstätte ist jede Menge Leben: Verkäufer, Familien auf Sightseeing, religiöse Pilger.

„Hupen ist sooo überflüssig“ – nicht in Indien

Was uns mehr zu schaffen macht – besonders Joshua mit seinem empfindlichen Gehör – ist auch in Varanasi der Lärm. Es ist sehr anstrengend, gemeinsam durch die überfüllten Straßen zu laufen und ständig den hupenden Mopeds auszuweichen. Joshua bekommt bei jedem Hupen einen Tobsuchtsanfall. Sobald wir dann in Nawals Laden oder im netten „Rooftop-Restaurant“ nebenan sitzen, ist es eine akustische Wohltat und wie in einer Oase. Auch mit dem Essen ist es hier schwierig. Selbst wenn wir noch so oft sagen „non-spicy“, ist es zu scharf für ein Kind, das nun eben nicht schon als Baby mit Masala Chai gefüttert wurde.

Im Nachhinein bin ich glücklich und dankbar, dass alle diese Stadt so toll „gemeistert“ haben. Ich habe in Varanasi damals – vor 18 Jahren –  Erfahrungen gemacht, die für mich lebensverändernd waren. Ich habe mich alleine hier hinein gewagt, viele spannende und tolle Menschen getroffen und mehr zurückbekommen als ich je hätte geben können. Oft hat es mich in diese besondere Stadt und zu den Menschen dort wieder hingezogen, doch jetzt merke ich, dass es für mich „rund“ ist, irgendwie abgeschlossen. Und das ist gut so. Und so sind wir alle froh, als wir am Flughafen von Delhi endlich wieder eine Art „normale Zivilisation“ vorfinden, so banal es klingt: Subway, Pizza Hut und ein richtiger Kaffee Latte können manchmal tatsächlich paradiesische Gefühle hervorrufen.

Indien bringt vor allem eine Lektion mit sich: Wir sollten das, was wir haben, einfach sehr sehr schätzen. In Indien versinken die Menschen zum Teil in Dreck, Smog und Müll. Und doch weinen und lachen sie, glauben an ihre Götter, sind fröhlich oder traurig, leben ihr Leben und sind grundsätzlich gut und liebevoll. „Innere Schönheit“ so hat Joshua das Land beschrieben.

Wir haben bei uns in Deutschland alle Voraussetzungen, glücklich zu sein und ein Leben in Wohlstand (dies ist ja immer relativ!) zu leben. Das gelingt uns vor allem dann, wenn wir uns nicht mehr über die kleinen Probleme des Alltags aufregen, sondern in Dankbarkeit alles annehmen, was uns begegnet. Dass genau das für mich meine wichtigste Übung in Thailand sein wird, ahne ich in dem Moment noch nicht. Doch mehr dazu im nächsten Blog.

Zypern: Aphrodite-Spirit und Griechische Gastfreundschaft mit Gregoria

Gastfreundschaft mit Herz

Warum sitzen in manchen Restaurant viele Menschen und woanders gar keine? Warum fühlen wir uns auf einer bestimmten Veranstaltung so richtig wohl und woanders fehl am Platz? Meiner Meinung nach ist es nur zu einem kleinen Teil das Design, die Einrichtung oder das perfekte Programm. Viel entscheidender ist: wir merken, ob jemand uns wirklich authentisch und offenen Herzens begegnet. Wir merken, ob es jemandem nur um ein Business geht oder wirklich um die Menschen. Da kann das Café, das Restaurant, das Hotel oder auch die Website noch so perfekt durchgestylt sein – wenn die Menschen, die wir dort treffen, lieblos oder berechnend agieren, dann bringt das gar nichts.

Diesen Unterschied erleben wir jedes Jahr mit Gregoria, der Inhaberin des „Aphrodite Beach Hotel“ auf Zypern. Kein Wunder, dass ich hier schon seit 4 Jahren mit großer Begeisterung Retreats ausrichte. Die Art, wie sie herzlich und freundlich jeden einzelnen Gast begrüßt, macht schon von Anfang an den entscheidenden Unterschied. Egal, mit welchem Wunsch ich zu ihr komme: geht nicht gibt’s nicht. Ob es andere Yogamatten sein sollen, ich Ausdrucke brauche, wir mehr Privatsphäre im Seminarraum wünschen, den öffentlichen Bus nehmen oder beim Essen mit 18 Personen zusammen sitzen wollen: Gregoria – und auch ihr Sohn Yiannis – finden IMMER eine Lösung. Während ich in deutschen Yoga-Hotels schon öfters mal höre „nein, das machen wir grundsätzlich nicht“, „das geht nicht“ oder „das kostet extra“, wird hier alles möglich gemacht.

Wertschätzung leben – im Seminar und überall

Gregoria erschafft in diesem Hotel eine Atmosphäre, in der Gäste, Seminarteilnehmer:innen, Kinder, zahlreiche Katzen und ein Hund friedlich und harmonisch einfach miteinander sein können. Für mich ist diese Philosophie perfekt passend zu meinen Werten und als Ort für die „Happiness Yoga Ferien“.  Denn auch auf Retreats ist es nicht selbstverständlich, dass verschiedenste Menschen zusammen kommen und auch noch eine geniale Seminar- und Urlaubswoche zusammen verbringen: Single-Frauen, Familien, gleich- und gegengeschlechtliche Paare, begleitende Ehemänner, Mädchen und Jungs im Teenie-Alter – es ist diesmal absolut bunt bei uns.

Das Motto der Woche: leben und leben lassen, sich gegenseitig helfen, wenn es jemand braucht, aber auch diejenigen in Ruhe lassen, die es gerade wollen. Wer zum Yoga möchte, ist dabei, wer ausschlafen möchte, kann das auch tun. Wer die Workshops nutzen möchte, um wieder mehr bei sich anzukommen, kann dies tun, muss es aber nicht. Und mit  Aktivitäten wie schnorcheln, wandern, Bootstour und Lachyoga haben wir alle obendrein und gemeinsam jede Menge Spaß.

So blicke ich – mal wieder – nach einer Woche Urlaubsseminar in glückliche und begeisterte Gesichter und höre Feedbacks wie „so wohl habe ich mich noch nie gefühlt nach nur einer Woche“, oder „ich konnte jetzt endlich richtig runterfahren“, oder gar „all meine Erwartungen wurden übertroffen.“ Jedes Mal am Ende des Seminars frage ich mich, warum das hier so gut funktioniert mit dem liebevollen, wertschätzenden und toleranten Miteinander – und warum an so vielen anderen Orten in der Welt nicht?

Die Haltung ist entscheidend

Und ich stelle fest: Nein, es ist kein Selbstläufer. Es ist eine Entscheidung – zu Beginn des Ganzen, aber auch jeden Tag neu. Es ist die Entscheidung, einerseits für sich selbst Verantwortung zu übernehmen, andererseits aber auch dafür zu sorgen, dass es allen gut geht. Es ist die Entscheidung, an jedem einzelnen Menschen etwas Liebenswertes zu erkennen und sich gegenseitig wertschätzend und respektvoll zu begegnen. Es ist die Entscheidung, mutig zu sein und für das eigene Glück zu gehen. Denn das weiß man aus der Glücksforschung: wenn wir selbst zufrieden sind, dann haben wir auch ein Interesse daran, dass es anderen gut geht – ohne uns aufzuopfern oder es allen Recht machen zu müssen.

Hier im Aphrodite Beach Hotel waren wir definitiv in einer Art Paradies. Doch wir müssen nicht im Paradies sein, um miteinander das Paradies auf Erden zu erschaffen. „Aphrodite“ ist die Göttin der Fruchtbarkeit und der Sinnlichkeit. Sie steht für Verbundenheit mit der Natur und für die Kontinuität der menschlichen Gemeinschaften. Dieser Spirit wird im „Aphrodite Beach Hotel“ definitiv gelebt.

Du hast Interesse an den Happiness Yoga Ferien? Hier findest du die nächsten Termine…

 

Mit Wassermännern im Wasser – Warm-up und Cool-Down auf Korfu

„Wie ist es denn so auf eurer Reise?…“

fragte mich neulich eine Freundin im Zoom. Gar nicht so einfach, diese Frage zu beantworten, fast so wie wenn jemand dich fragt, „na, wie ist das Leben denn so?“ Ich sag mal so: von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt ist alles dabei.

Der erste Monat unserer Reise ist nun vorbei und die erste Station Korfu liegt hinter uns. Eines lässt sich schon jetzt sagen: eine solche Reise ist wie ein Brennglas. Das, was schwierig ist, erscheint hier noch schwieriger und anstrengender. Das, was schön ist, ist hier um ein Vielfaches schöner. Die Dramen sind dramatischer, Missstimmungen einschneidender, Glücksmomente noch schöner.

Seminar oder privat – die Themen sind die gleichen

Diese Erfahrung machen auch die Teilnehmer:innen auf meinen Urlaubs-Retreats. Und so haben wir es auf Korfu mit unserer Seminargruppe wieder erlebt: Wir können nicht vor den Themen weglaufen, die uns zu Hause beschäftigen. Im Gegenteil, oft werden sie uns in solchen Reise- und Urlaubssituationen – wenn wir diese bewusst gestalten – noch intensiver auf dem Silbertablett serviert. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als uns unsere Macken und Themen anzuschauen – das loszulassen, was wir loslassen können und das zu akzeptieren, was wir nicht ändern können.

Nachdem das Urlaubsseminar auf Korfu und die Teilnehmer:innen abgereist waren, war es dann auch für unsere kleine private Reisegruppe an der Zeit, sich aneinander zu gewöhnen – inklusive all der Fehlbarkeiten und Macken eines jeden einzelnen. Zunächst noch gemeinsam mit Joshuas Papa, danach ungefiltert und ohne Ablenkung als „Dreierteam“. Was nicht einfach ist, wenn das Kind noch traurig ist über den Abschied vom Papa und mit entsprechendem Widerwillen gegenüber dem Freund. Patchwork ist ja schon zu Hause unter normalen Umständen eine Herausforderung – aber so?

Wasser geht immer

Doch es gab einen Hoffnungsschimmer: Das Wasser. Denn wie es der „Zufall“ so wollte, sind Michael und Joshua nicht nur vom Sternzeichen Wassermänner, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes. Beide lieben es ohne Ende, im Wasser zu toben, zu spielen und den gesamten Pool „aufzumischen“. Egal, ob es vorher Widerwillen, Knatschigkeit oder miese Laune gab. Sobald wir auf irgendeine Art irgendwo im Wasser sind, ist die Welt wieder in Ordnung. Beim Schnorcheln, tauchen, Ball spielen, sich gegenseitig untertauchen, ins Wasser springen schmolzen jedes Mal alle Ressentiments wie unsere Schokokekse in der Sonne. Das Beste, was uns passieren konnte, waren all die unbeschwerten Momente, die wir im Wasser, auf dem Boot und in verschiedensten Pools erleben durften.

Man wächst mit seinen Aufgaben

Diese Wassermomente haben uns zusammengeschweißt und dafür gesorgt, dass wir langsam, Schritt für Schritt, auch außerhalb des Wassers unser kleines Team formieren konnten. So hat jeder auf dieser Reise seine besondere Aufgabe bzw. Zuständigkeit bekommen:

  • Joshua ist „Reise- und Ticketminister“ und kümmert sich um Flüge, Busse, Check-In und Hotels.
  • Michael ist „Spaß- und Unternehmungsminister“ und kümmert sich um das Wohl und die gute Laune aller Beteiligten sowie gemeinsame Aktivitäten.
  • Ich, Angela, bin „Finanzministerin“ und habe unser Reisebudget im Blick.

Na, da kann doch nichts mehr schief gehen, oder?

Doch auch wenn es auf den Bildern so aussehen mag, verbringen wir hier nun mal keinen Dauerurlaub. Vormittags arbeiten wir im Home Office bzw. der „Mama School“ und dürfen uns mit Sitzungen, Seminarorganisation und Stochastik beschäftigen. Zugegebenermaßen, es gibt schlimmere Orte, an denen es sich arbeiten lässt.

Da ich neben meiner Tätigkeit als „Finanzministerin“ nun auch selbsternannte Lehrerin und Direktorin der „Mama School“ bin, hat sich jedoch meine eigene Arbeitszeit auf ein Minimum reduziert. Das hat mir schon den ein oder anderen Panikanfall verschafft, dass ich nicht mehr 8 Stunden am Tag für meine Projekte und meine Sichtbarkeit investieren kann. Aber es zwingt mich auch dazu, Prioritäten zu setzen und nur die wirklich wichtigen Dinge zu tun.

Zeit ist relativ

Insgesamt sind wir doch überrascht, wie viel Zeit frei wird, wenn man bestimmte Dinge weniger oder gar nicht mehr tut und wie sich insgesamt die Prioritäten verschieben:

  • weniger durch Insta scrollen, mehr gemeinsam im Wasser toben.
  • weniger Nachrichten oder Serien schauen, mehr abends auf dem Balkon sitzen und sich über die Geschehnisse des Tages austauschen
  • Weniger Webinare oder Online Kongresse anschauen, mehr Buch lesen.
  • Weniger Podcast hören, mehr einfach da sitzen und den Geräuschen der Natur lauschen.

Reisen allein macht nicht glücklich – aber Spaß!

Unsere Zeit auf Korfu ist nun schon vorbei, und neue Erfahrungen auf Zypern warten auf uns. Wir haben diese Zeit gebraucht und genutzt, um uns aneinander zu gewöhnen. Wir haben schon jetzt die Erfahrung gemacht, dass dies kein Urlaub und auch kein Garant für einen dauerhaften Glückszustand ist.

Ja, wir haben schon viele stressige, ärgerliche und schlecht gelaunte Momente erlebt, in denen einiges schief gegangen ist. Schon zweimal sind wir irgendwo mit einem Bus liegen geblieben, um dann in der Mittagshitze im Nirvana zu stehen und auf einen Ersatzbus zu warten. Wir sind mit einem Mietwagen durch Korfu Stadt geirrt, um dann festzustellen, dass wir genau an der falschen Stelle geparkt haben als dort wo wir hinwollten. Wir haben uns von Mücken zerstechen lassen und Ameisenkolonien aus dem Appartement entfernt, weil irgendwo noch Chipskrümel rumlagen.

Aber wir sind auch mit dem Moped durch die Gegend gesaust und haben uns an der Landschaft gefreut, sind vom Boot aus ins glasklare Meer gesprungen, um Fische zu bestaunen, haben einen Pool auf dem Berg für uns alleine gehabt, mit Blick über die Bucht und das Meer, waren auf den Spuren von James Bond unterwegs und haben einen Donut am höchsten Punkt von Korfu Stadt gegessen.

Wir sind jeden Tag dankbar für alles, was wir erleben dürfen und stellen schon jetzt fest: Reisen ist toll! Wir können zwar nie vor den Problemen weglaufen, die wir zu Hause haben, aber wir bekommen einen anderen Blick darauf. All das, was wir hier machen, erfordert sehr viel Gelassenheit, Vertrauen, vielleicht auch Mut. Aber es lohnt sich! Reisen reduziert uns einerseits auf die wesentlichen Dinge. Andererseits werden wir beschenkt mit Fülle pur – einer Fülle von Erfahrungen, Erlebnissen, Begegnungen und Glücksmomenten.

Auf Korfu wird das Wetter langsam kühler, die Tretboote und SUPs zum Mieten werden weggefahren. In den Restaurants und an den Pools sitzen immer weniger Touristen rum, das Hauptpublikum besteht nun aus älteren englischen Ehepaaren. Dieser „Cool-Down“ leitet auch für uns das Ende eines gelungenen Warm-Ups ein. Wir sind bereit für alles, was noch kommt!

Du möchtest unsere weitere Reise mitverfolgen? Dann schau hier: http://50plusminus-ontour.de

 

Mission Impossible? Warum wir eine „Weltreise“ machen

„Warum macht ihr das?“

„Was versprecht ihr euch davon?“

„Habt ihr noch Platz für mich im Koffer?“

„Das könnte ich ja nie!“

Diese und ähnliche Sätze haben wir in den letzten Wochen und Monaten oft zu hören bekommen – verständlicherweise. Denn unser Plan mag für Außenstehende tatsächlich erstmal wie eine „Mission Impossible“ klingen: zusammen auf Reisen gehen – mit dem Freund, mit dem man bisher noch nicht mal zusammen gewohnt hat. Und mit einem 10-jährigen Teenie-Sohn, der nicht der Sohn des Freundes ist und außerdem schulpflichtig.

Wir machen es trotzdem. Warum? Ich weiß es nicht. Es sollte so sein, könnte man sagen. Oder: wir haben es uns in den Kopf gesetzt. Vielleicht haben wir auch zu wenig nachgedacht. Ein bisschen hat es sich auch einfach ergeben.

Ist eine Weltreise nicht zu gefährlich?

Eines ist klar: wir werden sterben. Alle. Irgendwann. Vielleicht morgen, vielleicht in 50 Jahren. Doch wenn es dann soweit ist, dann haben wir den Wunsch, sagen zu können, wir haben die Chancen und Möglichkeiten des Lebens genutzt. Wir möchten nichts bereuen, nichts auf Morgen verschoben haben.

Damit meine ich nicht, dass man von früh bis spät und rund um die Uhr Action oder bahnbrechende Erlebnisse haben muss. Sondern ich meine, dass wir so viele Glücksmomente wie möglich erschaffen möchten. Dass wir für alles, was ist, dankbar sein und das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen genießen wollen – die großen Abenteuer genauso wie die kleinen feinen Momente des Lebens.

Umfragen bestätigen, dass die meisten Menschen am Ende ihres Lebens eher das bereuen, was sie NICHT getan haben als das, was sie getan haben – selbst wenn sie dabei Fehler gemacht haben (siehe auch das Buch „Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ von Bronnie Warne).

Alles beginnt mit dem Gedanken – von der Idee zur Umsetzung

So ist auch die Idee der Reise in unseren Köpfen entstanden: mal eine Zeit im Ausland leben, reisen gehen, etwas anderes leben als den üblichen Alltag –  andere Menschen treffen, Kulturen kennenlernen, neue Perspektiven auf die Welt und das Leben erhalten. Das Leben hat mich gelehrt: alles beginnt mit dem Gedanken – mit dem Wunsch, der Idee, etwas zu tun, etwas zu erleben oder auch ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Kennst du es, dass sich manchmal plötzlich alles wie von selbst fügt und ergibt, wenn du erstmal gedanklich eine Absicht, einen Wunsch formuliert hast? Das, was ich in meinen Kursen immer wieder betone, hat sich auch hier genauso bestätigt: Unser Wunsch, die Sehnsucht, dies zu tun, hat sich in unseren Köpfen festgesetzt. Wir haben beschlossen, es einfach zu tun, und die klare Absicht war da.

Wie bereitet man eine „Weltreise“ vor?

Und plötzlich hat sich alles genauso ergeben, dass es passte. Jede scheinbar noch so große „Hürde“ war in Leichtigkeit zu bewältigen – oder hat uns nichts ausgemacht. Alle aufkommenden Fragen konnten wir tatsächlich Schritt für Schritt klären:

Wann?

Schnell war klar, dass der Schulwechsel des Sohnes von der Grundschule in das Gymnasium der beste Zeitpunkt wäre, also ab Herbst 2023.

Wohin?

Die verschiedenen Eckpunkte der Reise haben sich schnell ergeben. Da ich Seminare auf Korfu und Zypern gebe, sollten dies die ersten Stationen sein. Danach zur World Laughter Yoga Conference nach Indien und über Silvester ein Treffen mit meiner Freundin und ihrer Tochter in Thailand. Der Rest würde sich ergeben. Von meinen eigenen zahlreichen Indien- und Südamerika-Reisen weiß ich, dass man immer unterwegs Menschen trifft, die einem Tipps geben oder erzählen, wo man noch unbedingt hin muss. Dafür sollte Raum bleiben. Auch, damit wir an besonders schönen Orten auch mal Zeit dranhängen können. Somit ist die „Weltreise“ keine richtige Weltumrundungsreise, sondern eher eine „Teil-Weltreise“.

Gesetzliche Schulpflicht – wie soll das gehen?

„Wie machst du das mit deinem Sohn?“ war wohl die häufigste Frage, die ich vorab gehört habe, wenn ich von der Reise erzählt habe. Grundsätzlich bin ich ja davon überzeugt, dass ein 10-jähriges Kind auf einer solchen Reise mindestens genauso viel lernen und daran wachsen kann wie in einem halben Jahr Schule – selbst wenn er im Zweifel eine Klasse wiederholen müsste.

Übrigens: Deutschland ist das einzige Land Europas, in dem gesetzliche Schulpflicht besteht. In den meisten Ländern – z.B. Österreich, den Niederlanden, Kanada, Neuseeland oder den USA – ist es erlaubt, Kinder von zu Hause aus zu unterrichten. Doch um in Deutschland ein Kind von der Schule zu beurlauben, erfordert es viel Geduld und Behördenrennerei.

Ich rufe also zuerst beim Schulamt an, die mich auf das Bezirksamt verweisen. „So einen Fall hatten wir noch nie“, sagt die zuständige Sachbearbeiterin. Weiter beim Bezirksamt, das mich wiederum an die Schule verweist. Doch die Grundschule ist nicht mehr zuständig und an der weiterführenden Schule ist das Kind noch nicht angemeldet.

Nach mehreren Mails und immer wieder Nachhaken beim weiterführenden Gymnasium bekomme ich endlich einen Termin mit der Schulleiterin. Zum Glück ist diese aufgeschlossen für unseren Plan. Ich muss allerdings nachweisen, dass ich beruflich ins Ausland muss – und angeben, wie ich dort mein Kind „beschulen“ werde. Also Nachweise eingeholt, irgendeine Schule in Indien rausgesucht, das Kind am hiesigen weiterführenden Gymnasium angemeldet und begleitend dazu einen netten Brief geschrieben.

Bis kurz vor Abflug sind wir noch im Ungewissen, ob das letztlich zuständige Bezirksamt die Zusage gibt. Doch schließlich ist die Bestätigung da und wir können das Kind ganz legal von der Schule nehmen. Die größte Hürde ist gemeistert!

Dauerurlaub nur für Lottogewinner?

Genauso wichtig war auch die Frage, wie wir es finanziell und beruflich geregelt kriegen. Uns war klar, dass wir nicht Dauerurlaub machen wollten, sondern von unterwegs aus arbeiten würden – und auch müssen. Tatsächlich kam uns hier Corona zugute: Michael hatte seit der Pandemie zum größten Teil Home Office und bekam die Zusage, dass er von unterwegs aus arbeiten darf – sogar von außerhalb von Europas!

Ich selbst musste zwar meine wöchentlichen Yogakurse vor Ort aufgeben, kann aber durch meine Urlaubs-Retreats und mein Online-Programm SMILE meine finanzielle Grundlage sichern. Seit Jahren habe ich darauf hingearbeitet, ortsunabhängig arbeiten zu können. Jetzt weiß ich, wofür es gut war. Für die Wohnung habe ich mir eine Zwischenmieterin gesucht, so dass auch hier nicht mehr Kosten anfallen als ich sie zu Hause gehabt hätte.

Wohin mit dem ganzen Kram?

Dies bedeutete für mich aber auch, dass ich kurz vor Abreise noch einen Mini-Umzug stemmen durfte – nämlich meine persönlichen Sachen aus der Wohnung in Kisten verpacken und auf den Dachboden hieven, der zum Glück genügend Platz für meine zahlreichen Umzugskartons bietet. Die Zwischenmieterin ist dankbar über eine Lösung für sich und ihre Tochter, da sie frisch getrennt ist und es für sie als Alleinerziehende so gut wie unmöglich ist, auf „normalem Wege“ eine bezahlbare Wohnung zu finden. Sie erklärte sich dementsprechend gerne bereit, meine Post zu sammeln und meine Pflanzen zu gießen: Win-Win für alle!

Mit Zuversicht ins Abenteuer

Bleibt noch die wichtigste Frage: wie schaffen wir es als „zusammengewürfeltes Dreiertam“ und Patchworkfamilie, die Herausforderungen einer solchen Reise zu meistern, mit allem, was dazu gehört: auf engstem Raum lange zusammen, anstrengende Fahrten in Bussen und Zügen, unterschiedliche Bedürfnisse, möglicherweise Heimweh nach Hause? Wir wissen noch nicht genau, wie es gehen wird. Aber wir sind überzeugt und festen Willens, DASS es klappen wird. Wir vertrauen darauf, dass ganz viel Mut, Gelassenheit, Humor und Optimismus sowie ein wunderbarer Schutzengel uns begleiten werden.

Unser Reisemotto:

  • Es ist, wie du denkst
  • Es ist, wie es ist
  • Et hätt noch emmer joot jejange!

Na, was soll da noch schiefgehen?

 

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