Die Paradoxie des Glücks – hinterher rennen bringt nichts

„Viel Glück im neuen Jahr“ „auf ein glückliches Jahr“, „dies wird endlich ein glückliches Jahr“, so lauten wieder viele Neujahrswünsche und Vorsätze, in der frohen Hoffnung, dass ab jetzt alles anders wird. Was für ein schönes Gefühl, wenn das neue Jahr vor einem liegt wie ein unbeschriebenes Blatt! Das hat den Charme, dass wir gefühlt alle Fehler und alles Unangenehme vom letzten Jahr einfach auslöschen können. Die neue Chance, das Wunschgewicht zu erreichen, die ersehnte Beförderung zu bekommen, alles anders zu machen, endlich glücklich zu werden! In den Social Media wird dies mit zahlreichen Weisheiten und Motivationssprüchen befeuert: „Sei jetzt glücklich, nicht irgendwann“, „jeder kann es schaffen“, „du musst es nur wollen“, „Dein Mindset entscheidet“ etc.

Glücklich über Nacht?

Es klingt alles so einfach –  wie wenn wir über Nacht für immer glücklich sein und nie wieder Probleme haben könnten. Es gibt dann auch immer irgendeine neue Methode am Markt, meist die ultimative Coaching-Methode, die innerhalb von Sekunden Wunder bewirken und das Leben von Grund auf verändern kann. Das Angebot ist unendlich groß, man verliert sich leicht in dem Dschungel an Webinaren, Online-Kursen und Live-Videos: Instant Happiness auf Mausklick, oft gegen astronomische Bezahlung. Wie einfach war es doch früher, als die Menschen auf der Suche nach Glück und Sinn schlichtweg in die Kirche gegangen sind! Sonntag 10:00 Uhr, keine Diskussion, keine Ausreden. Aber natürlich genauso zwangbehaftet wie heute die Selbstoptimierung. Eines steht fest: die Suche nach Sinn und Glück zieht sich durch alle Generationen.

Doch wonach suchen wir? Nach einem Leben ohne Probleme? Oder dem einen Trick, der uns für immer Glück und gute Laune verspricht? Nach himmelhochjauchzend, carpe diem, jeden Tag leben, wie es der letzte wäre? In dem Fall hätte ich schon mein Erspartes zusammen gekratzt und säße jetzt mit meinen Lieblingsmenschen cocktailtrinkend bei Sonnenuntergang auf den Seychellen – vielleicht würde ich noch einen schönen Joint dazu rauchen, denn auf gesundes Leben kommt es dann ja auch nicht mehr an. Aber das war wohl eher nicht damit gemeint, als der römische Dichter Horaz vor langer Zeit diesen Spruch formulierte – ohne auch nur zu ahnen, wie oft er damit später zitiert werden würde.

Auch in anderer Hinsicht artet die Suche nach Perfektion und Selbstoptimierung bei manchen schon ins Paradoxe aus: Burnout? Macht nix, denn in der Reha kann man ja direkt das Buch dazu schreiben und mit Ruhm glänzen. Investmentbanker, abgestürzt, zu viel gearbeitet? Da wird dann der vorherige Workaholic halt zum Achtsamkeitstrainer oder Entspannungscoach, betreibt dies aber mit genauso viel Perfektionswahn wie vorher das Management von Investment-Fonds. Der Antrieb scheint weniger die innere Erkenntnis zu sein, sondern der gleiche Wunsch nach Ruhm und Anerkennung wie vorher auch.

Die Glückssuche als reiner Zeitfresser?

Doch so oder so: Menschen, die sich auf der Suche nach dem Glück zu sehr anstrengen und sich zu viel vornehmen, erreichen das Gegenteil. Sie haben am Ende unter anderem das Gefühl, keine Zeit zu haben. Und das trägt nicht gerade zu persönlicher Zufriedenheit bei. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie der Rutgers University Newark und University of Toronto im März 2018. Sie machten vier Online-Studien mit je 100 bis 300 Teilnehmern. Dabei wurden die Probanden in Gruppen eingeteilt, deren Fokus entweder auf der Glückssuche oder aber auf dem Anerkennen bereits vorhandenen Glücks lag.

Das Fazit: Diejenigen, die das Glück als eine Art Ziel ansahen, das nur mit großem und ständigen Einsatz erreichbar ist, empfanden dies als zeitaufwändig und anstrengend. Für sie war die Suche nach dem Glück eher kontraproduktiv. Diejenigen, die sich schon als zufrieden bezeichneten bzw. das wertschätzten, was bereits da war, hatten weniger das Gefühl, dass ihnen die Zeit davon rennt und waren allgemein zufriedener.

Wirksamer für die persönliche Zufriedenheit scheint also eher die Wertschätzung dessen, was bereits da ist, statt irgendeinem „Glücksziel“ hinterher zu rennen – womit sich bestätigt, dass Dankbarkeit einer der wichtigsten Faktoren für Zufriedenheit ist (siehe auch den Blogartikel zum Thema „Dankbarkeit“). Genauso scheint Zeit ein wichtiger Glücksfaktor zu sein. Die Autoren der Studie empfehlen, lieber dafür zu sorgen, dass man mehr Zeit hat, statt sich noch mehr für irgendetwas „anzustrengen“.

Wahres Glück ist nicht perfekt

Auch der Therapeut und Autor Russ Harris aus Melbourne stellt in seinem neuesten Buchtitel die These auf: „Wer dem Glück hinterher rennt, läuft daran vorbei.“ Er ist der Meinung, dass unsere Vorstellungen über das Glück uns eher unglücklich machen. Er arbeitet mit der sogenannten „Akzeptanz- und Commitment-Therapie“ (ACT), bei der es darum geht, auch unangenehme Gedanken und Gefühle als Teil des Erlebens anzunehmen, statt sie zu verdrängen oder zu bewerten. Dabei helfen unter anderem Techniken der Achtsamkeit und der Meditation.

Glücklich sein, ohne es zu sehr zu wollen – geht das?

Womit wir wieder bei den alten Weisheiten gelandet sind. Die Buddhisten haben schon lange erkannt, dass es nicht darum geht, immer gute Gefühle oder Erlebnisse zu haben, sondern vielmehr darum, die Bewertung loszulassen und alles anzunehmen wie es ist. Für sie gibt es keine positiven oder negativen Gefühle, sondern alles ist einfach da. Ihnen zufolge bringt „Anhaftung“ – also auch die Suche nach einem bestimmten Glückszustand – nur Leiden mit sich, während ein „neutraler Geist“ uns die Dinge so zu nehmen hilft, wie sie nun mal sind. Ähnlich ist es in der Yoga-Philosophie.

Auch ganz praktisch gedacht finde ich den Vergleich zum Yoga sehr hilfreich für die Glückssuche. Denn beim Yoga haben wir zwar eine bestimmte Motivation, aber es gibt kein Ziel zu erreichen. Wir wollen bei uns selbst ankommen, uns körperlich stärken, fit bleiben, aber es geht nicht darum, Höchstleistung zu bringen. In dem Moment, in dem wir Yoga praktizieren, denken wir nicht ständig daran, was wir erreichen wollen, sondern wir versinken ganz in der Haltung, im Hier und Jetzt. Wir kommen runter und wir kommen an. Nachsicht und Achtsamkeit sind dabei wichtige Elemente, etwas erzwingen wollen bringt nichts.

Die erwünschten Wirkungen geschehen ganz nebenbei, durch die regelmäßige Praxis: Die Körperspannung erhöht sich, die Gesundheit verbessert sich, Rückenschmerzen gehen zurück. Doch das bedeutet nicht, dass wir dann mit Yoga aufhören. Yoga ist kein Ziel, sondern ein Weg.

Der „Yogische Glückspfad“

Ganz ähnlich lässt sich auch die „Suche nach dem Glück“ – wenn man es denn überhaupt so nennen kann – angehen: Es ist gut, wenn du eine Vorstellung davon hast, was dich glücklich macht und wie du leben möchtest. Und dann zu schauen, welche kleinen, täglichen Gewohnheitsveränderungen oder Rituale dir helfen, eine solche Lebensweise und Haltung anzunehmen. Und geschehen zu lassen. Dabei nicht die eine große Veränderung erwarten, sondern den Weg genießen, Schritt für Schritt.

Rückschläge gehören dazu. Trauer, Wut, Ärger, alle Gefühle und Stimmungen dürfen da sein, auch Trägheit oder fehlende Disziplin. Mach dich nicht selbst noch runter, wenn es mal nicht so läuft, sondern sei achtsam und nachsichtig mit dir selbst und bleibe dran. Du musst auch nicht jeden Tag so leben, wie wenn es der letzte wäre. Manchmal reicht es auch, wenn du dir ab und zu etwas Schönes vornimmst, was dein Herz erfreut.

Lass Glück in deinem Leben geschehen, ohne dass es in Stress ausartet! Erlaube dir, zu sein, zu vertrauen und geschehen zu lassen. Und dich auch mal entspannt zurück zu lehnen.

Namasté Angela

 

Drei Fragen für den „Yogischen Glückspfad“

1. Welche Werte tragen für dich zu deiner persönlichen Zufriedenheit bei?
Zum Beispiel: Freude, Gelassenheit, Klarheit, Erfolg, Zeit, Ruhe, Frieden, Exzellenz, Inspiration, Humor etc.

2. Wie hättest du es gerne, um zu zufrieden zu sein?
Schreibe zu den für dich relevanten Lebensbereichen (Beruf, Gesundheit, Beziehung etc.) je 1-3 Sätze auf – positiv formuliert und in Gegenwartsform.

3. Welche kleinen täglichen Rituale können dich dabei unterstützen, in eine solche Zufriedenheitshaltung hinein zu kommen?
Liste spontan auf, was dir einfällt und wähle dann eines davon aus, das dir im Moment besonders wichtig erscheint. Beginne noch heute damit, spätestens jedoch innerhalb der nächsten 48 Stunden.

Mehr davon?

In dem Online-Kurs „Aktiviere dein inneres Glück“ hast du die Möglichkeit, für dich herauszufinden, was dich glücklich macht und mit Unterstützung von kleinen täglichen Ritualen deinem Weg zu folgen. Und um es gleich vorweg zu nehmen: ich verspreche dir NICHT, dass du mit diesem Kurs von heute auf morgen glücklich wirst. Aber ich möchte dich mit diesem Kurs dabei begleiten, einen Anfang zu machen und dich neu auszurichten.

Entspannt, achtsam und zufrieden – das ist auch das Motto auf den Happiness Yoga Ferien – hier kannst du eine Woche lang abschalten und dich gleichzeitig inspirieren lassen, dein Leben neu auszurichten und den Weg einzuschlagen, der dich glücklich macht.

Buchtipp

Russ Harris: Wer dem Glück hinterherrennt, läuft daran vorbei: Ein Umdenkbuch

 

Dankbarkeit – es ist nie zu spät für ein glückliches Jahr

Neun Fragen für den Jahres-Rückblick

Wie war das Jahr für dich? Traumhaft, ganz besonders, voller Glück, Erfüllung und Erfolg? Oder war es eher anstrengend, schwierig, krisenbehaftet und du bist froh, dass es bald vorbei ist? Ich kenne beide Varianten. Und ehrlich gesagt gab es bisher wenige Jahre in meinem Leben, von denen ich uneingeschränkt sagen kann, dass sie toll waren, oder gar ohne Probleme und Schwierigkeiten. Das ist auch ok so, denn sonst wäre es ja langweilig. Zumal ich einen wichtigen Schlüssel gefunden habe, der mir hilft, die Dinge immer wieder aus einer anderen Perspektive zu sehen: Dankbarkeit.

Ich gebe zu: Das ist jetzt nicht unbedingt der neueste Tipp zum glücklich sein. Eher wohl ein alter Hut, denn schon meine Großeltern haben uns immer gepredigt: sei dankbar. So ziemlich jedes Kind wächst mit der Maxime auf: „immer schön danke sagen“, ob es will oder nicht. Kein Wunder, dass der Begriff „Dankbarkeit“ oft eher negativ belegt ist. Nämlich mit Zwang, Pflicht und Schuldgefühlen, wenn man als Kind nicht immer „schön brav danke“ gesagt hat oder gar Dankeskarten geschrieben hat. So hatten wir eine Tante, die uns irgendwann keine Weihnachtsgeschenke mehr geschickt hat, weil wir es mal versäumt hatten, eine Dankeskarte zu schreiben. Die fehlenden Geschenke waren dabei weniger schlimm als unsere Schuldgefühle dazu.

Und doch lege ich selbst jetzt bei meinem Sohn genauso Wert darauf, dass er „Danke“ sagt. Was würde schließlich die Metzgerin denken, die ihm gerade das Stückchen Fleischwurst geschenkt hat, wenn er nicht „danke“ sagt? Was die Bäckerin, die ihm ein Brötchen schenkt, oder gar der Onkel, der ihm auf jeder Familienfeier einen 5-Euro-Schein zusteckt? Diese Menschen will ich ja auch nicht verprellen, und schon gar nicht mein Kind als ungezogenes Blag dastehen lassen. Also bleibt „immer schön danke sagen“ auch bei uns – wie bei vielen anderen Eltern auch – eine wichtige Pflicht.

Die wahre Bedeutung von Dankbarkeit

Die wirkliche Bedeutung von Dankbarkeit habe ich erst verstanden, als ich dachte, ich hätte alles verloren – Job weg, Beziehung kaputt. Dann bin ich nach Indien gereist und habe Menschen gesehen, die alles dafür geben würden, ein Leben wie meines führen zu dürfen. Die froh wären, überhaupt ein Dach über dem Kopf und medizinische Versorgung zu haben. Ich habe dort gelernt, das wertzuschätzen, was gerade ist. Ich habe gelernt, dass es immer etwas gibt, wofür ich dankbar sein kann. Und dass Dankbarkeit eine Lebenseinstellung ist, mit der wir alles verändern können.

Wenn wir auf das schauen, was da ist, statt auf das, was uns fehlt, dann kommen wir in die Fülle. Und aus der Fülle heraus fliegen uns die Dinge im Leben leichter zu als wenn wir ständig das Gefühl haben, zu kurz zu kommen. Schon lange weiß man um die Kraft der Dankbarkeit.

„Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind.“ Francis Bacon

Die Kraft der Dankbarkeit aus Sicht der Glücksforschung

Auch in der Glücksforschung gibt es zahlreiche Erkenntnisse darüber, dass dankbare Menschen optimistischer, glücklicher, einfühlsamer, gesünder und belastbarer sind als andere. Robert Emmons, Professor für Psychologie an der University of California, führte dazu eine Studie durch. Er bildete drei Versuchsgruppen:

  • Die erste Gruppe sollte 10 Wochen lang abends fünf Dinge notieren, für die sie dankbar waren.
  • Eine zweite Versuchsgruppe schrieb über fünf Ärgernisse des Tages
  • Eine dritte Kontrollgruppe notierte fünf allgemeine wichtige Dinge, die an diesem Tag geschehen waren.

Das Ergebnis war deutlich: Die Teilnehmer der Dankbarkeitsgruppe waren optimistischer und zufriedener mit ihrem Leben. Zudem erlebten sie sich als gesünder, denn sie litten weniger unter Kopfschmerzen, Husten oder Schwindel. Und sie trieben mehr Sport.

In einer weiteren Studie mit chronisch Kranken stellte man zudem fest, dass Menschen, die regelmäßig „Dankbarkeitstage“ praktizierten, mehr positive Gefühle erlebten (wie Interesse, Begeisterung, Freude, Stolz), sich sozial verbundener fühlten und sogar besser schliefen.

Höflichkeitsfloskel oder Herzensangelegenheit?

Dennoch sollte Dankbarkeit nicht zu einer mechanischen Pflichtübung verkommen. So waren in einer weiteren Studie diejenigen, die nur einmal die Woche bewusst einen Dankbarkeitsrückblick vornahmen, langfristig zufriedener als diejenigen, die dreimal pro Woche ihre Dankbarkeit aufschreiben sollten. Man vermutet, dass dann eine Art „Gewöhnungseffekt“ eintritt. Bewährt hat sich hingegen ein kurzes inne halten abends im Bett. Den Tag nochmal Revue passieren lassen und den Geist für die schönen Dinge und kleinen Glücksmomente im Alltag schärfen (siehe auch Blogartikel „Das Ei das auf den Teppich fiel„).

Wenn wir also als Kind oder Erwachsener „danke“ sagen und dies gar nicht fühlen, so bleibt das erstmal eine Höflichkeitsfloskel und erscheint uns vielleicht sogar überflüssig oder heuchlerisch. Dem ist aber nicht so. Denn nicht nur in Beziehungen, sondern auch im Arbeitsleben ist es absolut förderlich, anderen gegenüber Wertschätzung auszudrücken – die wünschen wir uns schließlich auch. Es mag als Floskel beginnen. Aber wenn wir die wahre Power der Dankbarkeit erkannt haben, dann können wir auch dem Bäcker, dem Briefträger und der Verkäuferin von ganzem Herzen und ehrlich „danke“ sagen. Und uns dabei nochmal mehr bewusst machen, was all diese Menschen jeden Tag für uns leisten oder uns Gutes tun.

Dankbarkeit als wichtige Voraussetzung für Glück

„In der Dankbarkeit gewinne ich das rechte Verhältnis zu meiner Vergangenheit. In ihr wird das Vergangene fruchtbar für die Gegenwart.“ Dietrich Bonhoeffer

Ich möchte dich hier einladen, dein persönliches Glücks-Jahres-Resümee zu ziehen – ein Resümee in Dankbarkeit. Warum ist es so wichtig, nochmal zurück zu schauen und Bilanz zu ziehen? Heißt es nicht sonst immer, man solle Ziele und Visionen formulieren und nach vorne schauen? Auf einer Autofahrt gibt man doch auch nur das Ziel ein und schaut nicht mehr, wo man herkommt, oder? Aber mal umgekehrt gedacht: Wenn ich mich auf dem Weg zu einem bestimmten Ziel schon Hundert Mal verfahren haben, dann ist es doch sinnvoll, wenn ich mir die bisherige Strecke nochmal anschaue, um künftig Umwege zu vermeiden, oder?

Außerdem: wenn das Vergangene so unwichtig wäre – warum knabbern dann so viele Menschen noch an ihrer Vergangenheit, schieben die Schuld für ihre Misere auf die „unglückliche Kindheit“, frühere Verletzungen oder unfaires Verhalten anderer, das sie irgendwann mal erlebt haben und nehmen dies als Vorwand, um nicht selbst Verantwortung zu übernehmen? Mit anderen Worten:

Erst dann, wenn du die Vergangenheit in Frieden und Dankbarkeit annehmen kannst, kannst du das loslassen, was du nicht mehr in deinem Leben haben möchtest. Dann kannst du einen „fruchtbaren Boden“ für all das bereiten, was du neu in dein Leben holen möchtest. Du schaffst neuen Raum für deine Träume und Wünsche und kannst diese mit Zuversicht und Entschlusskraft umsetzen. Und dann machst du dich auf zur nächsten Stufe der Dankbarkeit: schon jetzt dankbar für das zu sein, was noch kommen wird!

Dein persönliches Glücks-Resümee des Jahres

Schau dir also nochmal an, was in diesem Jahr war. Die schönen und die schmerzhaften Dinge. Schau es dir aus einer Haltung der Akzeptanz und der Liebe heraus an. Und gib dann deinen Segen. Akzeptiere alles. Auch die Ereignisse, bei denen du dich unfair oder ungerecht behandelt oder verletzt gefühlt hast. Gib deinen Segen auf das, wo du selbst Schuld auf dich geladen hast oder dich im Nachhinein ärgerst über bestimmte Entscheidungen oder Verhaltensweisen. Akzeptiere die Fehlbarkeiten der anderen Menschen und von dir selbst. Nimm alles – auch die „negativen Dinge“ – in Dankbarkeit an. Und mach dir bewusst, dass alles für irgendetwas gut war (siehe auch den Blogartikel „Pech gehabt – Glück gehabt“…). Lass in Vergebung los.

Wenn du magst, nimm dafür die unten stehenden Fragen, um dein persönliches Glücks-Resümee des Jahres zu ziehen. Mir selbst hat es nochmal die Augen geöffnet, mich zu Tränen gerührt und mir eine wichtige neue Erkenntnis gebracht. Es ist nie zu spät, ein glückliches Jahr zu haben! Mache dieses Jahr zu deinem Glücksjahr – und schaffe damit den Nährboden für viele weitere erfüllte, bombastische und sensationelle Jahre in der Zukunft!

Namasté, Angela

 

Du möchtest dich mit diesen Themen ausführlicher beschäftigen? Dann mach den Online-Kurs „Aktiviere dein inneres Glück“ und finde Klarheit über deine Glücksvision!

Oder komm mit auf die Happiness Yoga Ferien und gönne dir eine inspirierende Auszeit vom Alltag mit Glücksmomenten für Körper und Seele.

 

Fragen für den Jahres-Rückblick in Dankbarkeit

Hier findest du die Fragen als Workbook zum ausdrucken und eintragen – zum pdf…

1. Welche schönen Dinge hast du erlebt? Was war gut? Wofür bist du dankbar? Wenn dir nicht spontan etwas einfällt, gehe nochmal einzeln die Monate durch.

Zum Beispiel: einen schönen Urlaub erlebt, liebe Menschen wiedergesehen, schönes Seminar mitgemacht, eine Ausbildung abgeschlossen / bestanden o.ä.

2. Was war allgemein in diesem Jahr etwas Besonderes für dich? Unter welchem „Stern“ stand es?

Zum Beispiel: ich habe viele neue Erkenntnisse in Bezug auf mich selbst gehabt, meine Ziele weiter verfolgt, bestimmte Fähigkeiten erweitert, mich selbst weiterentwickelt o.ä.

3. Wie zufrieden bist du mit deinem Jahr in Bezug auf verschiedene Lebensbereiche: Gesundheit, Job, Familie, Beziehung, Freunde, eigene Weiterentwicklung?

Zum Beispiel: Endlich mehr Zeit mit Freundinnen verbracht, öfters Sport gemacht, zu wenig für die Gesundheit getan o.ä.

4. Welchen Menschen bist du besonders dankbar? Wie kannst du ihnen deine Wertschätzung zum Ausdruck bringen?

Zum Beispiel: dem Partner, dass er mir zugehört hat – diesen umarmen – der Kollegin, dass sie mich weiterempfohlen hat – diese mal zum Essen einladen o.ä.

5. Was war nicht so toll in diesem Jahr? Welche Herausforderungen sind dir begegnet? Womit bist du nicht zufrieden? Wo warst du selbst möglicherweise ungerecht oder unfair anderen gegenüber? Liste auf, was dir spontan einfällt:

Zum Beispiel: Konflikte mit anderen Menschen, misslungene Urlaube, Rückschläge im Job, Krankheit bei dir selbst oder anderen, Trennung o.ä.

6. Gehe dann die Punkte aus Frage 5 nochmal durch und überlege dir jeweils dazu:
  • Welche Erkenntnis ziehst du daraus? Wo liegt das Geschenk?
  • Was würdest du nächstes Mal anders machen?
  • Wo gilt es, jemand anderem oder dir selbst zu vergeben?

Zum Beispiel: bestimmte Augenblicke mehr genießen, mehr Mut und Klarheit in Konflikten, akzeptieren was ist, mehr für mich tun, mehr für andere tun o.ä.

7. Was sind deine Prioritäten für dein nächstes Jahr? Schau dir nochmal die Erkenntnisse aus den vorherigen Fragen an und fasse daraus ca. 3-5 Prioritäten zusammen

Zum Beispiel: mehr Klarheit leben, bestimmte Projekte umsetzen, mehr Zeit mit lieben Menschen verbringen o.ä.

8. Dankbarkeit für künftige Ereignisse – die Königsdisziplin

Formuliere 3-5 Wünsche für das nächste Jahr, und zwar in Dankbarkeit dafür, dass sie sich bereits erfüllt haben. Beginne jeden Satz mit „Ich bin so glücklich und dankbar, dass…“ und beende ihn in Gegenwartsform. Formuliere positiv!

Zum Beispiel: Ich bin so glücklich und dankbar, dass ich so viele wunderschöne Momente und Erlebnisse mit meiner Familie habe. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich regelmäßig Yoga praktiziere o.ä.

9. Raus aus der Komfortzone!

Was möchtest du im kommenden Jahr machen, was dich richtig Überwindung kostet, was vielleicht verrückt ist, auf Kritik stoßen könnte oder keiner verstehen wird? Was könnte dir so richtig einen Schub verpassen, um voll durchzustarten?

Zum Beispiel: mit dem intriganten Kollegen Tacheles reden – eine Freundschaft beenden, die mir nicht mehr gut tut – ein Hilfsprojekt unterstützen – mich ehrenamtlich engagieren – einen Job kündigen, der mir nicht mehr gut tut.

Vergleichen macht unglücklich – fünf Tipps, wie du dein Ding machen kannst

Geht dir das auch so? Gestern noch in Flipflops im Freibad umherspaziert, und jetzt soll man plötzlich den Adventskranz fertig, Geschenke organisiert und Plätzchen gebacken haben. Weihnachten überfällt mich jedes Jahr einfach völlig aus dem Nichts. Ich glaube, ich habe da so eine Art „Weihnachtsblindheit“ entwickelt: Der Termin rückt näher, das sehe ich im Kalender und in den Schaufenstern. Aber ich ignoriere sowas einfach. Bis es mich eben dann doch überfällt – meist kurz vor dem 1. Advent, wenn ich merke, dass wir noch ohne Adventskranz dastehen.

Also beschließe ich am 1. Advent, dem Anlass mal gerecht zu werden und hole – zwischen aufräumen, Essen machen und Hausaufgaben kontrollieren –die Kinderbibel aus dem Regal. Vielleicht bringt das meinen Sohn und mich ja etwas in weihnachtliche Stimmung. Wir landen aber nicht bei der Weihnachtsgeschichte, sondern bei der Geschichte der Arbeiter vom Weinberg.

Doppelte Arbeit – halber Lohn?

Ich stelle mal wieder wieder fest, wie viel aus der Bibel direkt auf heute übertragbar ist. Bei dieser Geschichte geht es um einen Weinbauern, der sich Arbeiter für die Rebenernte organisiert. Erst holt er sich morgens ein paar Tagelöhner und später nochmal mittags, weil er mehr Unterstützung braucht. Abends erhalten alle – wie vorher versprochen – ihren Lohn, nämlich ein Silberstück. Woraufhin sich diejenigen, die schon morgens angefangen haben zu arbeiten, beschweren – schließlich haben sie ja länger gearbeitet. Doch der Weinbauer lässt sich nicht beirren. Er habe ein Silberstück zugesagt und somit sein Wort gehalten. Unabhängig davon, was die anderen bekommen, sollten die Arbeiter doch mit ihrem Lohn zufrieden sein.

Die Tendenz, sich die eigene Zufriedenheit durch Vergleiche madig zu machen, haben wir auch heute noch. Am Anfang freuen wir uns vielleicht über etwas –bis jemand anders es nochmal besser hat oder kann. Das neue Auto? Schick! Aber nur solange, bis der Nachbar sich eine Klasse höher anschafft. Die Beförderung? Stolz erfüllt uns! Aber in dem Moment, in dem die vermeintlich unfähige Kollegin plötzlich einen neuen und besseren Job findet, ist die Freude dahin.

Lieber der Beste unter den Schlechten als der Schlechte unter den Besten

Kein Wunder: Wettbewerb und Vergleich werden uns spätestens ab dem Grundschulalter eingetrichtert. Wenn mein Sohn nachmittags aus der Schule kommt, kann er mir genau sagen, welcher seiner Kumpels im Übungsheft am weitesten ist (neben ihm selbst natürlich), und wer noch völlig hinterher hängt. Und bei Schulnoten ist in der Regel nicht die absolute Leistung die Grundlage, sondern es wird ein Schnitt aus den Gesamtergebnissen der Klasse gezogen. Das ständige Vergleichen geht weiter bei Sportwettbewerben, Fußballturnieren, im Job und bei der Partnersuche. Überall müssen wir mithalten – und wollen selbst nicht zu kurz kommen.

In einer Studie hat man herausgefunden, dass Menschen sogar mit einem niedrigeren Gehalt zufrieden sind, solange ihre Kollegen noch weniger verdienen als sie. Wenn sie selbst mehr bekommen, aber andere Kollegen noch mehr als sie, dann sind sie unzufriedener. Menschen bevorzugen es also, weniger zu verdienen, solange es im Vergleich zu ihren Kollegen mehr ist. Der Philosoph Montesquieu beschrieb es so: „Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.“

Warum vergleichen wir überhaupt?

Unser Drang zum ständigen Vergleichen kommt nicht von ungefähr. Kinder machen ihre ersten wichtigen Lernerfahrungen, indem sie ihr Verhalten mit den Erwachsenen vergleichen und imitieren. Die Spiegelneuronen im Gehirn sorgen dafür, dass wir auch im Erwachsenenalter noch auf andere schauen, sie oft unbewusst imitieren und somit auch vergleichen.

Natürlich kann es uns anspornen und motivieren, wenn wir uns mit anderen messen. Aber wenn wir ständig nach rechts und nach links schauen, uns ungerecht behandelt oder benachteiligt fühlen, dann verzetteln wir uns oder enden gar in Komplexen und Depressionen. Auch Sportler haben schon Wettkämpfe deshalb knapp verloren, weil sie eine Millisekunde lang zur Konkurrenz geschaut haben.

Glücklich sind immer die anderen – dank Social Media

Doch wer schafft es schon, sich in einer Welt von Show und Selbstdarstellung dem ständigen Vergleichen zu entziehen? Wenn zahlreiche aufgehübschte und perfekt erscheinende Influencerinnen in Insta posieren und selbst sprachgestörte Nerds es offenbar geschafft haben, sich dank „Affiliate Marketing“ oder anderen Techniken zum Online-Millionär zu machen –  was bleibt da noch an Ausreden? Mit welcher Begründung können wir noch auf der Couch sitzen und einfach mal jammern? Wie können wir den Bauchspeck noch rechtfertigen, wenn eine vormals-150-Kilo-Frau es dank täglicher Disziplin es geschafft hat, nicht nur den perfekten Body zu bekommen, sondern nebenbei auch noch Youtube-Star zu werden? Wir sehen dabei nicht, dass das Bild, was wir in den Social Media von der Welt bekommen, völlig verzerrt ist.

In einer Studie der Stanford University in Kalifornien stellten Psychologen fest, dass ihre Probanden dazu neigten, generell zu überschätzen, wie viel Freude die Mitmenschen in deren Leben verspüren. Da sie im direkten Vergleich schlechter abschnitten, fühlten sie sich selbst niedergeschlagener, als man vermuten würde. Egal, wie sehr wir also danach streben, besser, schöner, glücklicher oder erfolgreicher zu werden – der Kampf bleibt aussichtslos. Denn es wird immer jemanden geben, der / die besser, schöner oder erfolgreicher ist als wir selbst.

Ich bin manchmal ganz erleichtert, wenn ich aus der digitalen Welt heraus und in die „normale Welt“ eintrete. Dann sehe ich dort ältere Damen mit schlechter Fönfrisur, Mütter mit blassem Gesicht und Ringen unter den Augen, Männer mit Glatze und Bierbauch, dicke Kinder, und ich denke mir: ja, das ist echtes Leben! Aber auch das ist natürlich ein Vergleich und kein Garant für die eigene Zufriedenheit.

Raus aus der Vergleichsfalle!

Letztlich ist doch nur eines entscheidend: dass wir uns selbst gerecht werden und nachsichtig mit uns selbst sind. Auch mal Fünfe gerade sein lassen und sagen können: „Einen Scheiß muss ich“. Dass wir uns selbst akzeptieren mit all unseren Schwächen, der fehlenden Disziplin, den Macken und der Unperfektheit. Dass wir herausfinden, wie wir unsere Ziele und Träume mit dem Unbewussten in Einklang bringen können. Welche von diesen Zielen wirklich uns selbst entsprechen – und nicht den Erwartungen anderer oder der Gesellschaft. Wenn wir dauerhaft mit dem Verstand etwas erzwingen, was unserem Inneren nicht entspricht, dann folgen Krankheit und Depression.

Wenn wir jedoch immer wieder auf unsere Intuition lauschen, unsere Herzenswünsche ergründen und uns dafür auf den Weg machen – Schritt für Schritt – dann bleiben wir authentisch. Wir sind zufriedener mit uns selbst, egal was andere gerade so machen. Das Paradoxe dabei: Je mehr wir mit uns selbst zufrieden sind, umso überzeugender kommen wir auch in der Außenwelt rüber. Doch das ist ja am Ende gar nicht mehr so wichtig.

 

5 Ideen, um dein Ding zu machen statt zu vergleichen

 

1. Werde dir deines eigenen Wertes bewusst

Du bist einzigartig. Du hast das vollkommene Potenzial und besondere Fähigkeiten. Schreibe dir 10 Punkte auf, die du an dir magst, gut kannst oder die etwas Besonderes an dir sind. Hänge sie an die Wand und lies sie dir jeden Tag durch. Oder nutze die Affirmationen aus der Glücksmeditation….

Hier geht’s zur Glücksmeditation…

2. Höre auf deine Intuition

Statt dir von anderen einreden zu lassen, was jetzt richtig oder cool ist und was nicht – komme regelmäßig in die Stille, meditiere, werde ruhig, atme und mach den Kopf frei für das, was deine Seele dir mitteilen möchte. Die geführte Seelenmeditation unterstützt dich dabei.

Zur Seelenmeditation…

3. Werde dir deiner eigenen Ziele und Träume bewusst

Konzentriere dich auf das, was DICH glücklich macht und verwirkliche dies mit Geduld und Herzblut. Im Online-Kurs „Aktiviere dein inneres Glück“ hast du die Möglichkeit, Schritt für Schritt deinen Träumen und Visionen auf die Spur zu kommen und dein eigenes Ding zu machen.

Zum Online-Kurs…

4. Reduziere deine Social Media-Aktivitäten

Musst du wirklich jeden Tag wissen, wer wieder auf einem tollen Konzert war, an einem sensationellen Urlaubsort oder im schönsten Restaurant der Stadt? Sei es jedem gegönnt! Aber lass dich dadurch nicht entmutigen, wenn du einfach gerade grauen Alltag erlebst und nichts Sensationelles zu berichten hast. Freue dich über die kleinen Selbstverständlichkeiten des Lebens und sammle Glücksmomente! Wenn du dich hierzu austauschen möchtest, dann mach mit bei der Glücksmomente-Challenge… hier geht es nicht um Protzerei, sondern um den Austausch von den kleinen, wahren Glücksmomenten des Alltags.

Zur Glücksmomente-Challenge…

5. Wenn du schon vergleichst, dann sieh das Gesamtpaket

Vergleichem macht auch deshalb unglücklich, weil wir meist nur einen Aspekt sehen. Wir sehen in dem Moment nicht, dass der Traumurlaub vielleicht hart verdient war und derjenige sich sonst jeden Morgen aus dem Bett quält für eine Arbeit, die keinen Spaß macht. Dass die Diet Queen schon seit Jahren auf Essenseinladungen oder Genuss völlig verzichtet. Es hilft also immer wieder die Frage: Willst du wirklich tauschen?

Siehe dazu auch den Blogartikel „Wer bin ich – wer sind die anderen?“…

Ich wünsche dir viel Glück und Erfüllung bei allem!

Namasté, Angela

 

Buchtipps:

„Glück kommt selten allein“ von Hirschhausen

„Einen Scheiß muss ich“ von Tommy Jaud

„Am Arsch vorbei geht auch ein Weg“ von Alexandra Reinwarth

 

Zitate

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ Søren Kierkegaard

„Man will nicht nur glücklich sein, sondern glücklicher als die anderen. Und das ist deshalb so schwer, weil wir die anderen für glücklicher halten, als sie sind.“ Montesquieu

Humor – der rote Faden, der das Leben leichter macht

Humor – nicht immer passend

„Steht am Wochenende etwas an?“ fragt mich mein Partner – weil er sich mit Kumpels verabreden und dabei netterweise Rücksicht auf die Familien-Wochend-Planung nehmen will. „Nö“, sage ich, „höchstens wir in der Schlange beim Einkaufen“. Das findet er nicht lustig. Gut, nach einem langen Arbeitstag ist man vielleicht für solche Späßchen nicht mehr zu haben. Humorversuch missglückt – ich nehm’s mal mit Humor. Denn ich habe mir neulich vorgenommen, bewusst mit noch mehr Humor durch den Alltag zu gehen.

Oft funktioniert es auch. Mit meinem 6-jährigen Sohn zum Beispiel. Auf Zypern waren wir mit einem öffentlichen Bus unterwegs, um zu verschiedenen Ausgrabungsstätten zu fahren. Der Busfahrer entpuppte sich als Choleriker vom Feinsten. Erst machte er eine arme Nonne runter, weil sie nicht die passenden Münzen dabei hatte. Dann wies er barsch einen älteren Herrn zurück, der seinen Koffer mit zum Platz nehmen wollte, statt ihn – wie es sich gehört – nach unten in den Gepäckraum zu verfrachten. Das Ganze gipfelte darin, dass er ein junges Pärchen laut anschrie und mitten auf der Straße rauswarf, weil sie es gewagt hatten, vor dem Anhalten des Busses aufzustehen.

Mein Sohn wirkte etwas eingeschüchtert, und ich fragte mich, ob ich ihm die Weiterfahrt mit diesem überhitzten Choleriker überhaupt noch zumuten konnte. Dann sagte ich einfach zu ihm: „Weißt du: Diese Busstrecke ist weltberühmt dafür, dass sie den unfreundlichsten Busfahrer von ganz Zypern hat. Jetzt haben wir das auch mal erlebt.“ Als uns dann auf der Rückfahrt wieder der gleiche cholerische Busfahrer mit finsterer Mine erwartete, grinsten mein Sohn und ich uns nur vielsagend an. Diese Geschichte haben wir danach immer wieder gerne erzählt und jedes Mal darüber gelacht. Humoreinsatz gelungen.

Humor schreibt Geschichten

Mit Humor verbinde ich auch bestimmte Situationen im Leben, über die ich immer wieder gerne lache, selbst Wochen oder Jahre später. So habe ich zu meinen Agenturzeiten mal einen wichtigen und sehr sensiblen Kunden, der mit Nachnamen „Herrmann“ hieß, mit „Sehr geehrter Herrmann“ angeschrieben und es leider erst gemerkt, als die Mail schon raus war. Noch heute lache ich darüber. Genauso über das Gespräch mit drei Mitarbeiterinnen in einem Unternehmen, das kürzlich statt fand. Dort hatte ich vorher in einem Workshop über die Miesmacher und Pessimisten dieser Welt gesprochen. Die eine sagte hinterher zu mir: „Ich bin mit einem Pessimisten verheiratet, obwohl ich Optimistin bin – anscheinend ziehen sich Gegensätze an.“, die nächste bestätigte das Gleiche. Die Dritte sagte daraufhin: „Ich bin Single – ich suche noch einen Pessimisten.“

Fettnäpfchen und Missgeschicke? Mit Humor geht’s leichter

Das Leben wird leichter mit Humor. Humor ermöglicht einen Perspektivenwechsel, er macht alles etwas erträglicher, Schlimmes ist nicht mehr so schlimm. Humor hilft uns, über die Missgeschicke des Lebens zu lachen, vor allem auch über die eigenen Missgeschicke. Das, worüber wir uns aufregen könnten, wird plötzlich lustig, und wenn wir es richtig verpacken, wird sogar eine gute Story daraus. Nicht ohne Grund sind Comedys und Kabarett so beliebt – vor allem die, in denen Menschen sich ständig selbst zum Affen machen. Situationen, in denen anderen genau das passiert, vor dem wir Angst haben. Angst, bestimmten Ansprüchen nicht zu genügen, Angst, dass andere uns schief anschauen, wenn wir etwas Dummes sagen oder tun. Die Tatsache, dass sowas auch anderen passieren kann – und wenn es nur im Film ist – lässt uns menschlicher fühlen. Sich blamieren im Edelrestaurant, im Kostüm zu einer Party kommen, die gar keine Kostümparty ist, den Schlussstrich des Freundes für einen Heiratsantrag halten. Manchmal bitter, das Ganze – und trotzdem macht es Spaß, über die Blamagen anderer zu lachen.

Ich liebe es ja zum Beispiel, wenn im Kabarett über die Helikopter-Mamas gescherzt wird. Wenn ich im richtigen Leben eine treffe, fühle ich mich immer so unzulänglich. Weil mein Sohn halt noch nicht chinesisch lernt oder Klavier spielt, und weil er zum Fußballtraining eher überredet werden muss, statt jetzt schon ehrgeizig und diszipliniert seine künftige Profi-Karriere vorzubereiten oder gar für den Auftritt als Star-Pianist zu üben. Andererseits erkenne ich mich auch selbst wieder in der Heli-Mama-Satire. Schließlich helfe auch ich dem Kind immer noch beim Anziehen, bin ständig als Chauffeurin im Einsatz und stelle bei Kälte sofort sicher, dass er auch ja drei Schichten Kleidung an und noch ne Winterjacke drüber hat.

Ist Humor das Gleiche wie Lachen?

Humor ist super! Doch kann man das lernen? Oder wenigstens üben? Als „Lachexpertin“ stelle ich immer wieder fest, dass Humor und Lachen gerne in einen Topf geworfen werden. Doch meiner Meinung nach ist Lachen eher eine Folge von Humor, quasi ein Symptom oder eine Begleiterscheinung. Denn Lachen kann auch anders ausgelöst werden, wie wir aus dem Lachyoga wissen – nämlich durch Hochziehen der Mundwinkel, gefolgt von einem stoßweise absichtlich abgegebenen „Hahahahaha“. Zum wirklich herzhaften Lachen braucht es dann nicht mehr viel.

Humor hingegen ist erstmal kognitiv einzuordnen. Wir hören oder sehen etwas, das nicht zusammen passt, das Gehirn wird in die Irre geleitet, um dann das Lachen als befreienden Reflex auszulösen. Dabei gibt es verschiedene Arten von Humor.

Formen von Humor

Manche Menschen können sich über Situationskomik vor Lachen ausschütten. Mein Partner zum Beispiel schaut mit Freude all diese lustigen Videos, bei denen Menschen rückwärts vom Laufband fallen, beim Springen mit dem Mountain Bike im Bach landen oder mit einer Rüttelplatte in der Hand versuchen, ein Bier zu trinken. Ich finde das eher befremdlich. Wobei – das mit der Rüttelplatte ist zugegebenermaßen schon lustig (siehe hier…).

Ich stehe da schon eher auf Wortwitze. Sowas wie „der Scheck heiligt die Mittel“ oder „das Leben muss ja auch einen Gin machen“. Ja, auch über so flache Reißer wie „Wie nennt man das Lieblingsessen von Models? – Laufsteak“ oder über „Was macht ein Dieb im Zirkus? – Clown.“ kann ich mich wegschmeißen.

Auch Übertreibungen sind eine intelligente und humorvolle Art, auf provozierende Fragen gewitzt zu antworten, statt sich zu rechtfertigen. So fragt der Tourist den Bürgermeister des Kurortes: „Ist das Klima hier wirklich so gesund?“ – „Und ob! Um den Friedhof endlich einweihen zu können, waren wir gezwungen, unseren ältesten Einwohner zu vergiften.“

Humor lebt zudem von Widersprüchen und Paradoxien – also einer Aussage, die entweder so banal ist, dass sie schon wieder lustig ist, oder die man einfach nicht erwartet. Darunter fallen auch Aussagen wie „Maß halten sollte man nicht übertreiben“ oder „Reinkarnation? Nur über meine Leiche!“

Besonders pikant ist natürlich der schwarze Humor. Dazu passt die Aussage von Woody Allen „Ich habe keine Angst vor meinem eigenen Tod. Ich möchte einfach nicht da sein, wenn es passiert.“

Wie definiert man Humor?

Doch Humor ist nicht nur eine Ansammlung guter Witze. Humor ist eine Lebenseinstellung. Sigmund Freud definierte Humor als “ Seelische Grundhaltung, die in den Missständen des Lebens menschliche Unzulänglichkeiten erkennt und lachend verzeiht.“ Laut Wikipedia ist Humor „die Begabung eines Menschen, der Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den alltäglichen Schwierigkeiten und Missgeschicken mit heiterer Gelassenheit zu begegnen.“ Gerne wird dazu auch die Aussage „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ von dem deutschen Schriftsteller Otto Julius Bierbaum zitiert.

Der Ursprung von Humor

Laut ursprünglicher Wortherkunft bedeutet Humor, lateinisch umor, Feuchtigkeit oder Flüssigkeit. In der griechischen Antike wurde Humor mit den vier Körpersäften assoziiert, die entscheidend sind für Leben und Gesundheit. Die seelische Gestimmtheit des Menschen war gemäß der von Galen entwickelten Temperamentenlehre von den im Körper wirksamen Säften abhängig, die das cholerische, melancholische, phlegmatische oder sanguinische Temperament hervorbringen. Wenn diese vier Körpersäfte ausgeglichen waren, war ein Mensch gesund. Neben dieser durchaus schlüssigen Theorie weiß man heute auch aus wissenschaftlicher Sicht, dass humorvolle Menschen viele Vorzüge und Vorteile haben.

Humor zeugt von Intelligenz

In einer Studie von Gil Greengross und Geoffrey Miller an der University of New Mexico, USA, wurden rund 400 Probanden auf ihre Intelligenz getestet, aber auch auf ihre Fähigkeit, Humor zu zeigen. Fazit: Während der Intelligenzquotient der durchschnittlichen Probanden zwischen 90 und 110 lag, kamen die besonders Humorvollen auf einen Wert von 126 bis 138 Punkten. Besonders schwarzer Humor sei Ausdruck von Intelligenz, so stellte auch Ulrike Willinger von der Uni Wien in einer weiteren Studie fest.

Humor macht attraktiv

Spannendes Ergebnis der ersten Studie war auch, dass humorvolle Menschen deutlich attraktiver auf das andere Geschlecht wirkten. Vor allem Frauen legten demnach sehr viel Wert auf humorvolle Männer. Eine weitere aktuelle Studie von Media Control Media Control unter 1.243 Online-Nutzern zeigte, dass die Eigenschaft „Humor“ für 53 Prozent der Männer ein wichtiges Kriterium bei der Partnerwahl darstellte. Umgekehrt wünschten sich sogar 57 Prozent der Frauen einen humorvollen Partner.

Humor bleibt in Erinnerung

Weitere Wissenschaftler (Kaplan und Pascoe sowie Forscher der Universität Michigan) fanden heraus, dass Personen sich eher an eine Rede erinnerten, wenn diese humorvolle Elemente enthielt. Auch erinnert man sich generell eher an humorvolle Menschen, und diese werden öfters weiterempfohlen.

Humor macht erfolgreich

Die Psychologin Alice Isen (New York) fand heraus, dass humorvolle Kollegen beliebter und populärer sind und häufig besser bewertet und befördert werden als ihre miesmuffeligen Kollegen. Was zur Folge hat, dass die humorvollen Kollegen erfolgreicher sind und am Ende mehr Einkommen erzielen.

Lässt sich Humor erlernen?

Während die Fähigkeit zum Lächeln und Lachen allen Menschen angeboren ist, ist das beim Sinn für Humor nur teilweise der Fall. Willibald Ruch, Professor für Persönlichkeitspsychologie an der Uni Zürich, fand anhand von Zwillingsstudien heraus, dass es nicht genetisch bedingt ist, ob jemand etwas komisch findet oder nicht.

In einer Studie führte er Humortrainings mit verschiedenen Testgruppen durch, bei denen er den Sinn von Humor der Probanden anhand von Fragebögen und Aufgaben erfasste. Er verglich den Verlauf mit einer Kontrollgruppe, die kein Humortraining erhielt. Fazit: Bei den Personen, die das Humortraining absolviert hatten, stieg der Sinn für Humor auf einer Humor-Skala an. Ihre schlechte Laune im Alltag wurde seltener, ihre Heiterkeit nahm zu und die Lebenszufriedenheit stieg an. Dies bestätigte auch Ruchs Erkenntnis, dass Humor eine der wichtigsten Charaktereigenschaften ist, die die Lebenszufriedenheit ausmachen.

Doch was können wir konkret tun, um mehr Humor in unser Leben zu bringen und zu einem humorvolleren Menschen zu werden?

So kannst du Humor trainieren – vier humorvolle Hex ;-)

1. Sei unperfekt!

Warum streben wir eigentlich immer danach, perfekt zu sein? Weiterentwicklung ja, aber aalglatt werden, um bloß nirgendwo anzuecken? Viktor Frankl, österreichischer Neurologe und Psychiater, drückte es so aus: „Wären alle Menschen vollkommen, dann wären alle einander gleich… und ersetzlich. Gerade aus der Unvollkommenheit des Menschen folgt aber die Unentbehrlichkeit und Unaustauschbarkeit jedes Einzelnen, denn der Einzelne ist zwar unvollkommen, aber jeder ist es in seiner Art.“

Also, sei fehlbar, ecke mal an und springe mal ruhig in ein paar Fettnäpfchen hinein. „Blamiere dich täglich“ ist ein Motto, das uns hilft, vieles mal weniger ernst zu nehmen. Dazu gehört es auch, sich nicht ständig zu rechtfertigen, sondern es mit Humor zu nehmen.

2. Lache so viel wie möglich!

„Nichts ist fürs Leben wichtiger als das Lachen. Lachen bedeutet Stärke, Selbstvergessenheit und Leichtigkeit.“ So brachte es Frida Kahlo auf den Punkt, die in ihrem Leben sicherlich nicht immer Grund zum Lachen hatte. Aber genau darum geht es: auch dann zu lachen, wenn das Leben nicht zum Lachen ist. Durch regelmäßiges Lachen trainieren wir unsere Humorfähigkeit und lernen immer mehr, gelassener und optimistischer durch Krisen zu gehen. Davon abgesehen ist Lachen gesund, stärkt die Fitness und beugt Krankheiten vor. Wenn du wieder mehr Lachen in dein Leben holen möchtest, dann probiere es mal mit Lachyoga.

3. Schalte jeden Morgen den Humorknopf an

Triff morgens bewusst die Enscheidung: „Heute werde ich so oft wie möglich humorvoll reagieren“. Dann halte immer mal wieder inne – gerade in Situationen, in denen du dich sonst ärgern würdest – und frage dich selbst: wie kann ich heute anders reagieren? Mit Humor, mit Wortwitz, mit Ironie? Überlege dir, wie daraus jetzt eine lustige Geschichte werden könnte. Das nimmt Missgeschicken und unangenehmen Situationen sofort ihre Schwere und bringt dich in die spielerische Leichtigkeit.

4. Kultiviere kindliche Verspieltheit

Erlaube dir, albern zu sein, Quatsch zu machen, andere zu überraschen, mal nicht die Vernunft zu bewahren. All die Kreativität und Spontaneität, die Kinder noch haben, wurde uns mit der Zeit abgewöhnt – in der Schule, später im Arbeitsleben. Wenn wir auch nur ein Stück davon zurück erobern, dann fördert das nicht nur unsere Kreativität, sondern auch unsere Unbefangenheit und unser Gute-Laune-Potenzial.

Humor bringt uns zum Lachen, durch Lachen entwickeln wir Humor – was uns wiederum mehr Anlässe zum Lachen verschafft. Hier schließt sich der Kreis. Ich wünsche dir, dass du jeden Tag humorvoll und mit Lebensfreude in den Tag gehen kannst und so dein Leben mit Freude und Gelassenheit meistern kannst!

Namasté, Angela

 

P.S: Du möchtest mal wieder unter Menschen sein, mit denen du richtig viel lachen kannst? Einfach mal entspannen, jeden Tag Lachen und Humor leben, in schöner Umgebung? Dann komm mit auf die Happiness Yoga Ferien!

 

Zitate

„Humor zu umschreiben ist eine denkbar humorlose Angelegenheit, mehr noch – Humor ist offenbar genau das, was abhanden kommt, wenn er definiert werden soll.“  Johannes Gruntz- Stoll

„Aller Humor fängt damit an, dass man die eigene Person nicht mehr ernst nimmt.“ Herrmann Hesse

„Deutscher Humor ist, wenn man trotzdem nicht lacht.“ Sigismund von Radecki

„Sehen sie sich um. Die meisten Ehemänner sind der beste Beweis dafür, dass Frauen Humor haben.“ Donna Leon

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht.“ Otto Julius Bierbaum

 

Buchtipps

Die Humorstrategie. Michael Titze und Inge Patsch

Lachen trotz und alledem. Von meiner wunderbaren Kollegin Silvia Rößler

Humor in Coaching, Beratung und Training. Von Cornelia Schinzilarz und Charlotte Friedl

Am Ende ist nicht Schluss mit lustig. Von meinem wunderbaren Kollegen Harald-Alexander Korp

Pessimisten überleben – Optimisten leben

Was Pessimismus uns bringt – und warum trotzdem Optimismus angebracht ist

Yoga-Angebot im Beach Hotel auf Zypern – das schaue ich mir doch gerne mal an, nachdem ich selbst eine Woche lang Yoga unterrichtet habe. Ich komme morgens um viertel vor acht in den Raum, und es läuft „So much Magnificence“ von Deva Premal – mein absolutes Lieblings-Mantra, besetzt mit vielen schönen Erinnerungen. Die nächste Teilnehmerin, die in den Raum kommt, sieht das offenbar nicht so: „Boh, ist das laut“ ist das einzige, was ihr dazu einfällt. Dies ist nur eines von vielen Beispielen dafür, wie unterschiedlich Menschen die Welt sehen. Bestimmte Ereignisse oder Situationen bringen die einen zur Entzückung, die anderen an den Rand der Verzweiflung. Irgendwie ist es ja auch legitim, die Musik zu laut, das Event zu voll oder die Kinder zu wild zu finden – und dies auch zu äußern. Man weiß schließlich nicht, welche Vorgeschichte ein Mensch hat oder welche schlechten Erfahrungen er irgendwo gemacht hat.

Aber es gibt eben auch diese typischen „Jammerer“, die an allem etwas auszusetzen haben. Das sind die Eltern in der Schule, die sich aufregen, wenn die Hausaufgaben unklar sind – statt ihr Kind einfach mal selbst zu fragen. Das sind die Büro-Kollegen, denen das Essen in der Kantine nicht passt, der Chef zu cholerisch oder die Kollegin zu neugierig ist. Dann gibt es die, denen das Wetter entweder zu heiß, zu kalt oder zu regnerisch ist – oder auch die „Zweck-Pessimisten“, die lieber erstmal mit dem Schlimmsten rechnen, damit es dann nur noch halb so schlimm ist. Aber wollen wir wirklich „halb so schlimm“ leben? Oder in Dankbarkeit, Fülle und Freude?

Pessimismus als Überlebenschance?

Generell scheinen wir einen Hang zum Negativen zu haben. Nicht ohne Grund werden wir in den Medien zugeballert mit schlechten Nachrichten. Autounfälle, Eifersuchtsdramen oder Erdbeben erregen nunmal mehr Aufmerksamkeit als der normale Alltag oder ein sicher angekommenes Flugzeug. Hier schließt sich der Kreislauf – denn diese Nachrichten führen wiederum dazu, dass wir immer mehr davon überzeugt sind, wie schlimm die Welt ist. Auch im Privaten neigen wir zum Pessimismus. Eine verletzende Bemerkung des Partners halten wir ihm wochenlang, ja monatelang vor, während ein Kompliment sehr schnell wieder verpufft. Einmal die U-Bahn verpasst am Morgen, und die Laune ist dahin für den Rest des Tages – wenn hingegen alles glatt läuft, nehmen wir es für selbstverständlich. Unsere Gesundheit wissen wir oft erst zu schätzen wenn wir mal krank sind.

All das hat einen guten Grund: ohne diese „negativity bias“ (=“Hang zum Negativen“) gäbe es uns vermutlich nicht mehr. Der Evolution sei Dank. Wir sind darauf geeicht, auf Bedrohungen und Unannehmlichkeiten schneller zu reagieren als auf angenehme Erfahrungen oder Erlebnisse. Wenn in früheren Zeiten der Säbelzahntiger unsere Spezies angriff, konnte auch nur eine Sekunde Zögern uns das Leben kosten. Kein Wunder also, dass unser Gehirn darauf geeicht ist, auf Bedrohungen und Gefahren schneller zu reagieren als auf die angenehmen Dinge des Lebens.

Abkürzung im Gehirn bei akutem Stress

Auch ohne ständige Bedrohung durch Säbelzahntiger und co. ist uns dieser „Stress-Reaktions-Mechanismus“ erhalten geblieben. Auch heute noch wird bei bedrohlichen Situationen sofort das gesamte Körpersystem in Alarmbereitschaft versetzt. Normalerweise nehmen wir eine Situation mit unseren Sinnen wahr. Diese Sinneseindrücke werden im Gehirn verarbeitet, bewertet, eingeordnet, und es werden entsprechende Gefühle oder Reaktionen ausgelöst.

Bei einer akuten Gefahr hingegen wird direkt die Amygdala eingeschaltet, die für die klassische Kampf- oder Fluchtreaktion zuständig ist. Sie lässt uns sofort reagieren, wenn ein Auto auf uns zurast, etwas von oben herunterfällt oder ein Hund uns angreift. Dieser Mechanismus hat uns also geholfen, als Spezies zu überleben – und das ist gut so. Aber es führt eben auch dazu, dass wir Glücksmomente übersehen oder die schönen Dinge des Lebens nicht zu schätzen wissen. Das lässt sich ändern – auch ohne unser „natürliches Alarmsystem“ auszuschalten.

Optimisten leben länger

So sehr Zweck-Pessimismus manchmal hilft, so sehr lohnt es sich, Optimist zu sein. Also daran zu glauben, dass gute Dinge passieren werden und dass man selbst etwas ändern oder bestimmte Ziele erreichen kann. Man weiß mittlerweile, dass Optimisten zufriedener leben, besser mit Schwierigkeiten umgehen können und es ihnen leichter fällt, gute Beziehungen zu führen. Eine neue, gerade erst beendete Langzeitstudie (Lewina Lee, Boston University School of Medicine, August 2019) hat gezeigt, dass Optimisten sogar länger leben als Pessimisten. Diejenigen, die sich als besonders optimistisch zeigten, hatten laut dieser Studie eine 50% größere Wahrscheinlichkeit, das Alter von 85 zu erreichen als diejenigen, die sehr pessimistisch waren.

Doch was macht es aus, ob jemand optimistisch oder pessimistisch ist? Sicherlich ist dies zum Teil genetisch bedingt. Aber Optimismus lässt sich auch erlernen und trainieren – zum Beispiel durch kognitive Therapie oder Meditation. Mein ganz persönlicher Tipp dazu: werde Zweck-Optimist! Denn wenn es Zweck-Pessimisten gibt, warum sollen wir dann nicht auch Zweck-Optimisten sein können?

Drei Eigenschaften, die Zweck-Optimisten auszeichnen

 

1. Sie tun so, als ob sie Optimisten sind

„Fake it until you make it“ ist nicht nur beim Lachyoga das Motto, sondern es gilt für verschiedenste Emotionen, die wir erleben. Schauspieler, die ständig tragische Rollen spielen, können darüber depressiv werden – selbst wenn es nur gespielt ist. Unser Gehirn ist drauf ausgerichtet, Emotionen, die wir oft empfinden, immer leichter zu empfinden. Das gilt für Freude wie auch für Wut oder Ärger. Das Schöne dabei: Wir sind nicht unser Gefühl, sondern wir können bewusst und absichtlich bestimmte Gefühle in uns erzeugen. Warum also nicht bewusst Freude erzeugen?

2. Sie haben den Fokus verändert

Die Welt ist schlecht. Und die Welt ist gut. Energie folgt der Aufmerksamkeit. Wir können viel Energie dafür verwenden, um uns über irgendetwas zu ärgern. Oder wir können uns auf die Dinge fokussieren, die uns Freude und Wohlbefinden bringen. Wir müssen nicht die Augen verschließen vor den Problemen dieser Welt. Aber wir können in unserem kleinen Umfeld die schönen Dinge erkennen und diese in Dankbarkeit annehmen.

3. Sie trainieren regelmäßig Optimismus

Wenn wir Muskelaufbau betreiben wollen, gehen wir regelmäßig ins Fitness-Studio. Genauso sollten wir Optimismus regelmäßig, am besten täglich trainieren, um nicht wieder in alte pessimistische Gewohnheiten zurück zu fallen.

So kannst du Optimismus trainieren…

…und falls du schon Optimist bist – dann sieh es einfach als Präventionsmaßnahme für schlechte Zeiten:

  • Humor und Lachen – lache viel, nimm dich selbst nicht immer allzu ernst, sei albern und bring dein inneres Kind wieder zum Ausdruck – Kinder lachen 400 Mal am Tag, Erwachsene 15 Mal und Tote gar nicht. Lachyoga hilft uns dabei, auch unabhängig von den äußeren Umständen viel zu lachen.
  • Körperhaltung und Bewegung – Bewegung ist eine natürliche Pille gegen Depressionen und schlechte Stimmung. Das wissen die meisten aus eigener Erfahrung, und es ist mittlerweile belegt durch verschiedene Studien. Auch durch bestimmte Körperhaltungen können wir unsere Gemütsverfassung positiv beeinflussen – zum Beispiel mal zwischendurch einatmend die Arme nach oben strecken, sich weit machen, präsent sein und dann mit einem erleichterten Seufzer wieder ausatmen. Übungen dazu findest du auf meinem youtube-Channel…
  • Innere Kommunikation – wie sprichst du mit dir selbst? Wie oft entfährt einem mal ein „Ich Idiot“, „bin ich blöd!“ oder „ich krieg’s einfach nicht hin“. Probiere es mal andersherum: Überlege dir eine passende Affirmation, zum Beispiel „ich bin klasse, großartig, wunderbar“, stelle dich jeden Morgen vor den Spiegel und sprich sie aus. Du kannst dafür auch die besondere „Glücks-Meditation“ nutzen, die du hier auf Soundcloud findest…

Ich wünsche dir viel Anlass zum Optimismus und viele glückliche Momente!

Namasté Angela

P.S: Du möchtest tiefer einsteigen und deine innere Einstellung Schritt für Schritt auf glücklich sein programmieren? Dann mach jetzt den Hapinness Check und  komm in das Online Coaching Programm „SMILE – für Resilienz und Lebensfreude“

Einmal mehr aufstehen als hinfallen – sieben Tipps für die Stärkung der Resilienz

Ich habe eine Freundin, da scheint es einfach im Leben zu flutschen. Sie macht Karriere, hat ihren Partner fürs Leben gefunden, mit dem sie tolle Kinder hat und lebt in einem Land, in dem immer die Sonne scheint. Eine andere Freundin von mir hat es immer irgendwie schwer. Viele ihrer Wünsche – zum Beispiel eine eigene Familie – haben sich nicht erfüllt, im Job hat sie Mobbing erlebt, in der Beziehung Stalking, bis hin zu einer lebensbedrohlichen Krankheit, mit der sie jahrelang zu kämpfen hatte. So manches Mal habe ich mich gefragt, ob ich nicht an ihrer Stelle schon verzweifelt aufgegeben hätte. Doch sie hat sich nicht beirren lassen und immer wieder die positiven Aspekte gesehen. Sie ist optimistisch geblieben, hat sich durchgebissen und durchgekämpft – und es hat sich gelohnt. Heute hat sie einen lieben Menschen an ihrer Seite, macht den Job den sie liebt, und es geht ihr besser als je zuvor. Auf dem Weg dahin hat ihr vor allem eins geholfen: Resilienz.

So gibt es einige Menschen, die bei einer kleinen Lebenskrise schon zusammen brechen, andere wiederum, die eine Krise nach der anderen wuppen und dabei noch optimistisch bleiben. Selbst traumatische Erlebnisse oder Erfahrungen aus der Kindheit scheinen die einen umzuhauen, die anderen nicht wirklich zu beeinträchtigen. Auch das ist Resilienz.

Widerstand kann hilfreich sein

In der Stressforschung ist der Begriff „Resilienz“ mittlerweile unverzichtbar. Er kommt von lateinisch „resilire“, was so viel wie „zurückspringen“ oder „abprallen“ bedeutet. Gemeint ist damit die „psychische Widerstandsfähigkeit“ eines Menschen. Dies basiert auch auf der Erkenntnis, dass es nicht das Ziel sein kann, dass im Leben immer alles stressfrei oder perfekt funktioniert. Auch geht es nicht darum, sich in Watte einzupacken, das Leben vor sich hindümpeln zu lassen oder Probleme zu vermeiden. Viel wichtiger ist es, auch bei schwierigen und negativen Ereignissen gute Laune zu behalten und sich nicht umhauen zu lassen. Wissenschaftler haben sich schon viel mit der Frage beschäftigt, was die „Resilienz“ von Menschen stärkt und wie sie gefördert werden kann.

Eine wichtige Erkenntnis dazu hatte die US-amerikanische Psychologin Emmy Werner. Sie führte eine Langzeitstudie mit Kindern aus schwierigen Verhältnissen auf Hawaii durch. Viele von ihnen waren schon früh mit Gewalt, Missbrauch, Drogen oder Kriminalität konfrontiert worden. Die meisten schafften es nicht, aus diesem Kreislauf heraus zu kommen. Aber ein Drittel dieser Kinder schaffte es doch. Der Unterschied: Sie hatten von Anfang an eine Bezugsperson, der sie sich anvertrauen konnten. Eine solche Bezugsperson scheint wichtig für die Entwicklung von Resilienz. Das muss nicht ein Elternteil sein, sondern es kann auch ein Lehrer, eine Tante oder ein Freund der Familie sein, der dem Kind Geborgenheit gibt, seine Fortschritte anerkennt und es unabhängig von Leistungen oder Erwartungen liebt und unterstützt.

Die sieben Säulen der Resilienz

Mittlerweile sind Psychologen ausführlich der Frage nachgegangen, welche Faktoren für eine gute Resilienz entscheidend sind und wie diese beeinflusst werden können. Folgende „Sieben Säulen der Resilienz“ haben sie dabei als besonders entscheidend benannt.

  1. Selbstwirksamkeit

Diejenigen, die daran glauben, dass sie selbst für ihr Glück verantwortlich sind und bewusst etwas dafür tun können, lassen sich auch nicht so leicht von den Krisen des Lebens unterkriegen und fühlen sich weniger hilflos den äußeren Umständen ausgesetzt.

  1. Positive Lebenseinstellung

Oft ist es gar nicht die Sache selbst, die uns umhaut, sondern unsere Denkweise darüber. Menschen, die auch in negativen Ereignissen einen Sinn sehen und ihren Optimismus nicht verlieren, leben zufriedener. Siehe auch den Blogartikel…PECH GEHABT? GLÜCK GEHABT! ES IST NICHT SO WIE ES AUSSIEHT…

  1. Soziale Kontakte

Tiefe, innige Beziehungen sind die wichtigste Voraussetzung, um auch in Krisen psychisch stabil zu bleiben und sich geborgen zu fühlen.

  1. Mit Veränderung umgehen können

Viele Menschen wollen krampfhaft das beibehalten, was gerade ist und verzweifeln daran, wenn sich die Dinge im Leben verändern. Wer jedoch flexibel auf Veränderungen reagiert und immer noch das Beste daraus machen kann, lebt freier und unbeschwerter.

  1. Ziele setzen

Menschen, die Ziele und Träume haben und diese Schritt für Schritt umsetzen, sehen auch negative Ereignisse nur als kleine Rückschläge auf ihrem Weg. Sie lassen sich nicht davon abbringen, ihre Ziele zu verfolgen und ihre Träume zu leben.

  1. Mut zum Risiko

Viele bereuen es eher, bestimmte Dinge nicht getan oder ausprobiert zu haben, als etwas getan zu haben, was gescheitert ist. Das bestätigen auch die Gespräche, die z.B. die Australierin Bronnie Ware als Palliativschwester mit Sterbenden geführt hat (siehe Buchtipp…). Wer nichts riskiert, kann vielleicht nicht scheitern – aber auch nichts Neues erschließen.

  1. Lösungsorientiertheit

Das Leben besteht aus Herausforderungen und „Problemen“, daran gibt es keinen Zweifel. Es läuft nicht immer alles glatt. Doch es gibt unterschiedliche Arten, mit Problemen umzugehen. Wer nach Lösungen sucht, statt Probleme zu wälzen, ist nicht nur im Job erfolgreicher, sondern auch im Leben zufriedener.

Ist Resilienz Glückssache?

Schon die frühe Kindheit kann darüber entscheiden, wie resilient jemand im Leben wird und wie gut er mit Schicksalsschlägen umgehen kann. Das heißt aber nicht, dass für Erwachsene alles zu spät ist. Denn egal, was früher war –  jeder kann auch im späteren Alter noch etwas für seine Resilienz tun. Alle Eigenschaften, die Resilienz ausmachen, können trainiert und weiterentwickelt werden. Hier findest du ein paar Strategien, die dir dabei helfen können.

 

Sieben Tipps für die Stärkung der Resilienz

 

  1. Übernimm Verantwortung

Entscheide dich bewusst dafür, dein Leben in die Hand zu nehmen und für das zu gehen, was dir selbst wirklich wichtig ist – nicht anderen. Mach dir bewusst: Du bist zu 100% verantwortlich für alles in deinem Leben!

  1. Nimm’s mit Humor

Viele Dinge nehmen wir sehr ernst und machen uns einen Riesenkopf darüber. Sobald wir lernen, über uns selbst und unsere kleinen Missgeschicke zu lachen, geht alles mit mehr Leichtigkeit. Humor hilft uns, optimistisch zu bleiben und die Perspektive zu wechseln. Um Humor zu trainieren, hilft Lachen. Und wenn kein Grund zum Lachen da ist, dann können wir immer noch ohne Grund lachen – mit Lachyoga!

  1. Pflege Freundschaften

Es geht nicht darum, Hunderte von Menschen oberflächlich zu kennen oder sich in den Social Media toll darzustellen. Viel wichtiger sind die wirklich wahren Freunde, die auch zu uns stehen, wenn es uns mal schlecht geht oder wir an etwas scheitern.

Sorge schon in guten Zeiten dafür, dass jemand für dich da ist, der dich auch in schlechten Zeiten auffängt. Gute innige Beziehungen und Freundschaften sind das wichtigste Elixier, um glücklich und zufrieden zu sein. Siehe auch den Blogartikel „Das Hamsterrad des Glücks – nur 10% sind entscheidend“…

  1. Sei offen für Veränderung

Wenn du nicht Spielball des Lebens sein möchtest, sondern dein Glück selbst gestalten willst, dann nimm rechtzeitig Veränderungen vor – bevor das Leben es tut. Nimm ab und zu eine „Standortbestimmung“ vor, schau dir die verschiedenen Lebensbereiche an und frage dich: was möchtest du verändern, was loslassen, was gilt es zu akzeptieren? Frei nach dem Motto „Love it, leave it or change it.“

  1. Setze dir Ziele und finde deine Vision

Formuliere für dich deine Vision, wie du – z.B. in 5 oder 7 Jahren – leben möchtest. Was machst du beruflich, welche Menschen umgeben dich, wie und wo lebst du? Erlaube dir, zu träumen und überlasse den Rest dem Universum. Setze dir gleichzeitig aber auch realistische Zwischenziele, z.B. indem du aufschreibst, was du in einem Jahr umgesetzt haben möchtest. Denn nur wenn du weißt, wie du leben willst, kannst du dir auch dein Leben so gestalten, wie du es dir wünschst.

  1. Suche das Risiko

Es muss nicht gleich der Bungee Jump oder die Alpenüberquerung sein – manchmal ist es auch schon eine gute Übung, mal anders zu reagieren, mal „nein“ zu sagen oder dich absichtlich zu blamieren. Wenn wir im Kleinen das Risiko trainieren, können wir auch die „großen Risiken“ besser bewältigen.

  1. Finde Lösungen, statt Probleme zu wälzen

Wenn mal etwas nicht so läuft, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten, damit umzugehen: ständig nachsinnen, was passiert ist und was hätte anders laufen können. Oder nach vorne zu schauen und Lösungen zu finden für das, was jetzt ansteht.

Ich wünsche dir eine wundervolle Zeit und viel Kraft, um die Herausforderungen des Lebens mit Leichtigkeit und guter Laune zu meistern!

Namasté, Angela

 

Übrigens: Der Online-Kurs „Aktiviere dein inneres Glück und leuchte“ begleitet dich dabei, eine solche Standortbestimmung aufzunehmen und dich neu auszurichten auf das, was du wirklich möchtest.

 

 

Zitate

„Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“ Aristoteles

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Gelassenheitsgebet, verfasst von dem US-amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr

 

Buchtipps

Resilienz: Das Geheimnis der psychischen Widerstandskraft, Was uns stark macht gegen Stress, Depressionen und Burn-out

5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen: Einsichten, die Ihr Leben verändern werden

Klimademo

Nicht jammern – engagieren! Sinn macht glücklich

Millionen von Kindern und Erwachsenen gehen derzeit auf die Straße, um für den Erhalt der Erde und für Klimaschutz zu demonstrieren. Noch vor gut einem Jahr hätte kein Mensch es für möglich gehalten, dass eine 15-jährige Schülerin es schafft, solche Massen zu mobilisieren und einen fast historischen Bewusstseinswandel zu initiieren. Ich finde, das gibt Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass wir gemeinsam viel mehr bewirken können als wir jemals dachten. Und es motiviert. Es motiviert jeden einzelnen von uns dazu, für das zu stehen und zu gehen, was sein Herz bewegt – aber eben auch für ein gemeinsames Anliegen. Es bestätigt mal wieder, dass es viel erfüllender sein kann, sich für die Anliegen der Menschen zu engagieren, als ständig um sich selbst zu kreisen und darüber zu jammern, wie schwer das Leben ist.

Jammern oder Helfen – wir haben die Wahl

Klar, jeder Mensch hat seine Themen. Ich bewundere es, wenn Menschen sich bewusst damit auseinander setzen, sich weiterentwickeln. Aber ich denke, einigen würde es manchmal gut tun, wenn sie mit dem Jammern aufhören und stattdessen schauen würden, wo sie anderen etwas Gutes tun können. Ich sehe das nicht als „Flucht“ oder Ablenkung vor den eigenen Problemen, sondern bin davon überzeugt, dass man sich selbst damit den größten Gefallen tut.

Ich selbst habe früher viel über meine Lebenssituation gejammert: Mobbing im Job, Beziehung kaputt, Arbeitgeber pleite, warum immer ich? Diese Fragen haben mich gequält und mir immer wieder mein Glück vermiest. Ich habe mir mein Unglück selbst kreiert – vor lauter Angst, dass mal wieder etwas schief geht, ist alles schief gegangen. Dann flog ich nach Indien, arbeitete in einem Hilfsprojekt mit und hatte dort ganz unerwartet eine meiner glücklichsten Zeiten. Ich sah so viel Leid wie nie zuvor, aber endlich hatte ich das Gefühl, etwas beitragen zu können.

Immer wieder erlebe ich Menschen, die so in der Opferrolle feststecken, dass sie völlig beratungsresistent sind. Sie wollen meist gar nichts ändern. Sie kreisen gedanklich nur um sich selbst und ihr eigenes miserables Leben und merken dabei nicht, wie gut es ihnen eigentlich geht. In der Regel sind sie gesund und so gutsituiert, dass sie sich bestimmte Seminare oder Urlaube leisten können. Wir alle leben in einem sicheren und freien Land, können im Supermarkt um die Ecke alles kaufen, und wenn wir doch mal den Job verlieren sollten, sind wir abgesichert. Doch reicht das aus, um wirklich sinnerfüllt zu leben?

Engagement macht glücklich

In einer Langzeitstudie (Thoits und Hewitt, 2001) wurden über viele Jahre hinweg Tausende Menschen beobachtet und hinsichtlich ihres ehrenamtlichen Engagements und ihres Wohlbefindens befragt. Dabei bestätigte sich: Bei Menschen, die sich stärker freiwillig engagierten, verbesserte sich das Wohlempfinden und die allgemeine Lebenszufriedenheit. Dieser Effekt verstärkte ich sogar noch bei älteren Menschen, die dank ehrenamtlichem Engagement gesünder blieben und sogar länger lebten.

Eine weitere Studie (Stephanie Brown, Uni Michigan, 2003) zeigte, dass gerade ältere Menschen, die ihren Verwandten, ihren Freunden, ihrer Familie halfen, länger lebten als diejenigen, die keinem halfen. Ob jemand wiederum selbst viel Hilfe empfangen hatte, spielte keine Rolle für das Glücksempfinden.

Liebe statt Langeweile

So scheint sich der Spruch „Geben ist seliger denn nehmen“ auch wissenschaftlich zu bestätigen. Es lohnt sich also, sich zu engagieren, einen Beitrag zu leisten, für etwas Größeres einzustehen – für etwas, wofür unser Herz brennt, was uns von der Couch wegholt. Etwas, das über Haus bauen, Karriere machen und Wohlstand anhäufen hinausgeht.

So kann ich nur dazu ermutigen: Lebe, kämpfe, leide, lache, liebe! Kämpfe für dein Glück und das Glück deiner Mitmenschen. Und wenn du abends erschöpft, aber zufrieden im Bett liegst, dann weißt du, wofür. Jeden Tag neu. Vielleicht geht es bei den aktuellen Demonstrationen nicht nur um den Klimaschutz. Wer von uns ist da schon 100%ig konsequent? Wer verzichtet schon komplett auf Fleisch, Fliegen oder Auto fahren? Trotzdem beginnen die Menschen auf dieser Welt, das Prinzip zu begreifen. Nämlich, dass es nicht um Machterhalt, Krieg, Streiterei und Herumgezackere geht. Sondern dass wir alle hier ein Anliegen haben –  noch möglichst lange und glücklich gemeinsam auf diesem Planeten zu leben. Vielleicht ist es schon zu spät, um das Klimaruder noch herumzureißen. Vermutlich wird es diesen Planeten Erde noch sehr viel länger geben als uns Menschen.

Doch wir können etwas tun, um diese verbleibende gemeinsame Zeit gut zu gestalten. Wir können zusammen rücken, uns neu und anders begegnen und für unsere Herzensangelegenheiten einstehen – unabhängig von gesellschaftlichen Vorgaben. Selbst wenn es irgendwann vorbei ist mit uns Menschen, wünsche ich mir, dass jeder einzelne auf dieser Welt zum Strahlen gekommen ist. Dass jeder seinen Beitrag geleistet und seine Mission in die Welt gebracht hat.

 

„Kennst du das 11. Gebot? Du sollst Gott nicht langweilen.“ Veit Lindau

 

Fünf Anregungen gegen Langeweile

  1. Scher dich nicht darum, was andere von dir denken oder erwarten
  2. Kreise nicht ständig um dich selbst und deine eigenen Probleme, sondern schau, was du für andere tun kannst
  3. Pfeif auf das, was die Gesellschaft vorgibt, sondern finde deinen eigenen Sinn
  4. Gehe jeden Tag ein Stückchen aus deiner Komfortzone heraus
  5. Blamiere dich täglich und lache über dich selbst

 

Du möchtest herausfinden, was deine Mission ist und diese in die Welt bringen? Der Kurs „Aktiviere dein inneres Glück“ unterstützt dich dabei – mehr Infos hier…

Beliebt oder geliebt

Willst du beliebt sein oder dich geliebt fühlen?

Ein Unterschied, der glücklich macht

Letzte Woche hatte mein Sohn seinen ersten Schultag – begleitet von einer rührseligen Einschulungsfeier, aber auch von den Sorgen und Ängsten der Mama. Da kommen schon mal alte Erinnerungen aus der eigenen Schulzeit hoch. Einige ganz nett, andere weniger schön. Denn wer kann schon von sich sagen, dass alles während der Schulzeit toll war? Wer hat nicht schon das ein oder andere „Trauma“ hinter sich, vielleicht sogar „Mobbing“ erlebt?

Den Begriff kannte ich zu meinen Schulzeiten damals noch nicht. Aber ich lernte schnell, wie es sich anfühlt, nicht zu den hippen Kreisen oder Cliquen zu gehören, sondern eher am Rande zu stehen, „Außenseiter“ zu sein. Irgendwie war ich da hinein gerutscht, ohne es anfangs direkt zu merken. Ich hatte damals eben einfach keine Lust, mich in diesem Wahnsinn ständig behaupten oder „profilieren“ zu müssen. Ich hab lieber ein Buch gelesen, statt auf den Spielplatz zu gehen oder mit anderen Mädels Schminktipps auszutauschen. Das führte aber auch dazu, dass ich in den Pausen keine Spielkameradinnen mehr hatte und im Sport oder auf Klassenfahrten nicht mehr wusste, mit wem ich zusammen sitzen oder die Übung machen sollte. Bis heute mag ich in Seminaren oder bei anderen Anlässen keine Sätze wie „so, nun findet euch mal zu zweit zusammen“.

Beliebt sein um jeden Preis?

Doch was war meine Konsequenz daraus? Ich habe mit der Zeit gelernt, mich zu verbiegen. Nie wieder wollte ich das erleben und habe von da an alles dafür getan, um „beliebt“ zu sein. Der Preis war hoch. Ich habe mich selbst dabei verloren. Ich habe das gemacht, von dem ich meinte, dass es gut ankommt, aber nicht mehr das, was wirklich mir entsprach. Ich habe meine eigene Meinung nicht mehr gesagt und aus lauter Unsicherheit keinem mehr widersprochen. Das hat eine lange Zeit lang auch ganz gut funktioniert. Ich eckte nicht mehr an, hatte keine Feinde mehr, war auf aalglatt getrimmt und angepasst, soweit es nur ging. Ich hatte wieder Freundinnen, wurde überall eingeladen und war überall dabei. Doch glücklich war ich damit nur kurzzeitig.

Es hat lange gedauert, bis ich das merkte. Es hat mich viel Mut, viele Seminare und viele Lernerfahrungen gekostet, zu mir zu stehen, in meine Kraft zu kommen und nicht mehr so viel auf die Meinung anderer zu geben. Ich musste akzeptieren, dass man auch Feinde haben kann – ja sogar sollte. Dass nicht alles harmonisch und glatt läuft, sondern dass Konflikte zu Beziehungen dazu gehören. Dass Menschen im Leben kommen und gehen, dass man sich reibt, lernt, sich weiterentwickelt. Wer will schon verletzt werden? Und doch ist Verletzlichkeit unsere wahre Stärke. Denn es erfordert Mut, die gewohnten Verbiegungs- und Verteidigungsmechanismen fallen zu lassen und die eigene Menschlichkeit offen zu zeigen.

Bedürftig nach Anerkennung – oder im Vertrauen?

Ich weiß heute: ich kann es nie allen recht machen. Aber ich kann in Liebe handeln. Ich sehe heute den Unterschied zwischen „beliebt sein“ und „sich geliebt fühlen“. Wer sich geliebt fühlt, hat ein tiefes Vertrauen darin, dass es eine universelle Liebe gibt, die alle einschließt. Wer sich geliebt fühlt, liebt vor allem erstmal sich selbst – von innen heraus und nicht abhängig davon, welche Erfolge man vorzuweisen hat oder wie viele Likes man in Facebook hat. Wer sich geliebt fühlt, hat möglicherweise Feinde. Nicht aufgrund von Unsicherheit oder unsozialem Verhalten, sondern weil er zu sich steht, in seiner Kraft ist, präsent ist. Damit kommt nicht jeder im Umfeld klar. Denn wer sich geliebt fühlt, hat den Mut, sich zu zeigen – mit allen Ecken und Kanten, allen Schwächen und Unzulänglichkeiten.

„Liebe leben“ geschieht aus der Fülle heraus, nicht aus der Bedürftigkeit nach Anerkennung. Es bedeutet, erst zu geben, ohne herumzufeilschen oder zu erwarten, dass etwas zurückkommt. Es bedeutet, anderen Menschen ihr Glück zu gönnen und sie dabei zu unterstützen.

Ein Mensch, der sich an der Liebe orientiert, hat keine Angst vor der Zukunft. Er fürchtet sich nicht vor irgendwelchen Konsequenzen oder Ergebnissen. Er lebt im Hier und Jetzt und macht sich keinen Kopf über den Kleinkram des Lebens.

Der Weg vom Ego zum erfüllten Selbst

Wirft man einen Blick in die Positive Psychologie, so entspricht der Weg vom „Ich“ (Ego) zum „Selbst“ dem Lauf des Lebens: Wir sind zunächst darauf geeicht, uns anzupassen – auf die Anforderungen der Gesellschaft und die Anforderungen unserer Existenz. Wir werden Experten darin, allem zu genügen, aber wir verlieren dabei allmählich unser Potenzial, unsere Kreativität, unsere Flexibilität. Wenn wir dies verhindern wollen, dann gilt es, immer wieder eigene Lernerfahrungen zu machen, daran zu wachsen. Dinge selbst zu tun, zu erfahren, zu erleben, statt vor dem Fernseher oder im Internet zu hängen.

Der Begriff „Selbst-Optimierung“ ist mittlerweile in aller Munde und wird oft leider falsch verstanden. Denn es geht hier nicht darum, „optimal angepasst für die Gesellschaft“ zu sein. Es geht darum, das eigene Potenzial so zu leben, dass man Erfüllung findet – und zwar in dem, was dem eigenen Selbst entspricht  – und nicht in dem, was die Gesellschaft einem vorgibt.

Du willst ankommen? Dann gehe los!

Glücksforscher Tobias Esch beschreibt dies auch als einen Prozess, der uns von „Angst vermeiden und Stress bekämpfen“ über „Wollen, Neugier, Vergnügen und Abenteuer“ hinführt zu einem Zustand des „Angekommen seins“. Hier geht es nicht mehr um Schein, sondern um Sein. Dabei entsteht Vertrauen, Zufriedenheit, Entspannung und Ruhe. Es wird wichtiger, anderen etwas weiterzugeben. In diesem Zustand  ist man im inneren Frieden mit sich selbst und mit sich im Reinen. Bei vielen älteren Menschen – sofern sie sich eine positive Lebenseinstellung bewahrt haben – kann man beobachten, dass sie gelassener sind und sich von negativen Dingen und Menschen nicht mehr mitreißen lassen.

Meiner Meinung nach müssen wir nicht auf das Alter warten, um in diese Grundeinstellung von Gelassenheit und Vertrauen zu kommen. Im Gegenteil – ich denke, wir können uns nicht früh genug auf diesen „Weg des Bewusstseins“ machen: weg von „um jeden Preis beliebt sein wollen“, hin zu „geliebt sein“, „sich selbst lieben“ und „Liebe leben“.

Die neuen Schulkinder stehen vielleicht damit ganz am Anfang. Sie wollen beliebt sein, anerkannt und gelobt werden. Doch das Beste, was wir tun können, ist es, ihnen schon jetzt zu vermitteln, dass sie geliebt sind – einfach so, nur für ihr Sein – unabhängig davon, was sie tun oder erreichen.

Ich wünsche dir, dass du Liebe leben kannst – zu dir selbst und zu anderen!

Namasté Angela

Der Unterschied zwischen „beliebt sein“ und „sich geliebt fühlen“

Wenn du beliebt bist, dann…
  • finden alle dich toll, aber kennen dich nicht wirklich
  • hast du viele Freunde, on- und offline
  • musst du nie allein sein
  • wirst du überall eingeladen, weil du cool und hip bist
  • Bist du damit beschäftigt, den äußeren Schein zu wahren, damit keiner deine Schwächen erkennt
  • Orientierst du dich an den Zielen, die andere als erstrebenswert ansehen
  • Bist du äußerlich stark, aber innerlich unsicher
  • Machst du dein Selbstwertgefühl abhängig von der Bestätigung durch andere
  • Weißt du nicht, wem du wirklich trauen kannst
  • Lebst du im Mangel
  • Hast du ständig Angst, etwas falsch zu machen und diesen Status zu verlieren

 

Wenn du geliebt bist, dann…
  • Weißt du um dein inneres vollkommenes Potenzial
  • Hast du Feinde oder „Widersacher“, lässt dich aber davon nicht beeindrucken
  • Ruhst du in dir selbst und gönnst dir den Rückzug, den du brauchst
  • Bist du nicht „cool“, „hip“ oder „perfekt schön“, aber strahlst von innen heraus
  • Hast du keine Angst, dich so zu zeigen, wie du bist, weil du zu deinen Schwächen stehst
  • Kennst du deine Mission im Leben und gehst dafür
  • Bist du innerlich stark und strahlst dies nach außen aus
  • Liebst du dich selbst, unabhängig von der Bestätigung durch andere
  • Hast du ein Grundvertrauen darin, dass es eine universelle Liebe gibt, die uns alle einschließt
  • Lebst du in der Fülle
  • Weißt du, dass du keine Fehler machen kannst – sondern nur Lernerfahrungen

 

Jetzt loslaufen

Du möchtest dich auf den Weg machen und wünschst dir Begleitung dazu? Dann gönne dir eine Woche für dich selbst auf unseren „Happiness Yoga Ferien“ – hier werden wir in Workshops Schritt für Schritt deine Lebensaufgabe erkunden und Ressourcen aktivieren, um Schritt für Schritt in dein echtes erfülltes Sein zu finden. Mehr Infos hier…

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Work Life Balance: Ideal oder Irrtum?

Sommerferien…

…für Schulkinder ein Traum, für Eltern oft ein Albtraum. Von allen Seiten höre ich derzeit von verzweifelten Versuchen, die freie Zeit der Kinder mit der Arbeitszeit der Eltern unter einen Hut zu bringen. Da kommt es schonmal vor, dass der Papa von 6:00 bis 11:00 Frühschicht schiebt, damit die Mama dann zur Gleitzeit in ihr Büro fahren kann. Wenn am Ende noch eine Woche Urlaub für alle zusammen übrig bleibt, ist das schon ein Privileg. Auch für mich ist dieses Thema nun aktuell, da mein Sohn ab September zum Schulkind wird. Ich bin zwar in meiner Selbständigkeit relativ flexibel, aber die Projekte wollen trotzdem organisiert sein.

Work-Life-Balance als Aushängeschild für Arbeitgeber

Früher gab’s das nicht. Da haben Familien einen Betrieb gehabt, einen Laden oder einen Hof. Die Kinder haben mitgeholfen, wenn sie aus der Schule kamen oder sind „nebenbei mitgelaufen“, wie es so schön heißt. Mit der Industrialisierung kam der Umbruch: man ging in das Büro oder in die Fabrik und kam erst spät abends wieder zum „Feierabend“ nach Hause. Die Arbeit war zum Geld verdienen da, die wohlverdiente Freizeit zum Entspannen.

Hinzu kamen mit steigendem Wohlstand immer mehr Freizeitaktivitäten und der Anspruch, in der Freizeit „Spaß zu haben“ und etwas Schönes zu unternehmen. Vielen wurde bewusst, dass Arbeit nicht alles ist im Leben, und dass es wichtig ist, die verschiedenen Lebensbereiche („Life Domains“) unter einen Hut zu kriegen. Auch Unternehmen erkannten, dass eine gute Work-Life-Balance dazu beiträgt, dass die Mitarbeiter ausgeglichener sind und entsprechend produktiver arbeiten. Fortschrittliche Konzerne unterstützen dies heutzutage mit Betriebskindergärten, Teilzeitmodellen, Home Office und Entspannungs- und Sportangeboten in der Firma. So ist „Work-Life-Balance“ – oder auch die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben – für viele zum Aushängeschild geworden, auch um Nachwuchskräfte zu werben.

Ist Arbeit das richtige Leben?

Doch es gibt auch kritische Stimmen. Denn allein die Begrifflichkeit, mit der „Arbeit“ und „Leben“ überhaupt unterschieden wird, suggeriert, dass „Arbeit“ nicht das Leben ist, sondern etwas, das erledigt werden muss, zum Geld verdienen. Findet demnach das „richtige Leben“ nur in der Freizeit statt? Kein Wunder, dass wir uns die Freizeit voll stopfen, weil wir meinen, jetzt unbedingt richtig leben zu müssen. Trotzdem verbringen die meisten von uns einen Großteil des Lebens mit Arbeit. Da wäre es schade, wenn schon ab 50 die Jahre bis zur Rente gezählt werden.

Diese Trennung von Arbeit und Privatleben scheint eh bald hinfällig. Durch die Digitalisierung verschmelzen Arbeit und Freizeit immer mehr miteinander. Home Office, Telearbeit, Videokonferenzen und die zunehmende Zahl von Selbständigen, Freelancern und Teilzeitarbeitenden lösen den klassischen 9-to-5-Job ab. Dazu gehört es auch, dass wir nach Feierabend oder im Urlaub in unsere dienstlichen Mails schauen – oder umgekehrt während der Arbeit in Sozialen Medien unterwegs sind.

Da dies auch stressen kann, versuchen einige Arbeitgeber, die Erholung der Mitarbeiter*innen durch Abschalten des Servers nach Feierabend zu unterstützen. Doch die zunehmende Verschmelzung von beruflich und privat lässt sich dadurch nicht aufhalten.

Von Work-Life-Balance zu „Work Life Happiness Balance“

Um diesen Trends gerecht zu werden, entstehen neue Begriffe – von „Work Life Integration“ bis hin zu „Work Fun Balance“. Mit „Work Life Sleep Balance“ wirbt gar ein großer schwedischer Möbelhersteller für „gute Schlafkultur“ und letztlich seine Möbel.

Ich selbst plädiere für „Work Life Happiness Balance“. Ich finde es ok, wenn man die „Life Domains“ getrennt betrachtet – ohne einen davon per se als „schlecht“ oder „falsch“ zu bewerten. Vielleicht lassen sie sich räumlich nicht mehr so trennen, vielleicht auch nicht immer zeitlich. Aber inhaltlich sprechen wir hier von verschiedenen Lebensbereichen, die es gilt, in Einklang zu bringen. Man könnte es auch „Work-Life-Heart-Family-Health-Welfare-Self-Development-Balance“ nennen. Dabei ist nicht ein Bereich wichtiger als der andere oder das „richtige“ bzw. das „falsche“ Leben, sondern jeder Bereich gehört dazu.

Die Natur macht es vor: Pflanzen brauchen Wasser, Erde und Sonne. Aus eigener Erfahrung weiß ich: bekommen unsere Pflanzen im Sommer zu wenig Wasser, so kann dies nicht durch mehr Sonne ausgewogen werden. Auch im Yoga geht es darum, die sieben Energiezentren – oder auch „Chakren“ – in Ausgleich zu bringen. Dies ist die Grundlage, um wiederum Körper, Seele und Geist in Balance zu bringen. Wenn ein Bereich zu kurz kommt, dann kann dies kaum durch ein Mehr in anderen Bereichen ausgeglichen werden.

Das Leben in Balance bringen – wie geht das?

Mit anderen Worten: Wenn der Job keinen Spaß macht, wenn du gemobbt wirst, dich langweilst, etwas tun „musst“, das gegen deine Ethik verstößt, dann nützt die beste Work-Life-Balance nichts. Wenn andererseits deine Beziehung in der Krise steckt, dann wirst du das Yoga-Angebot oder den Pausenraum in der Firma auch nicht wirklich genießen können.

Um das Leben wieder in Balance zu bringen, gilt es, die verschiedenen Lebensbereiche zu benennen und anzuschauen. Wenn ich dies in meinen Coachings und Seminaren mache, dann wird meist schnell deutlich, welche Bereiche nicht im Einklang sind. Sei es der Job, die Beziehung, die Familie, die Gesundheit. Oft liegt in dem Bereich, der gerade „im Argen“ ist, das größte Entwicklungspotenzial. Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch bestimmte Lebensthemen hat, die gelöst werden wollen. Dies zu erkennen, ist für viele schon eine große Erleichterung und der erste Schritt auf einem unumkehrbaren Weg Richtung Freude und Erfüllung.

Sieben Anregungen für eine gute „Work Life Happiness Balance“

Doch was kann man noch tun, um die verschiedenen Lebensbereiche unter einen Hut zu bringen, ohne in völliger Erschöpfung oder Frust zu enden? Hier ein paar Anregungen dazu:

1. Nicht den Arbeitsort, sondern die Arbeitszeit klar abgrenzen

Bei den meisten liegt das Problem am Home Office nicht darin, dass man zu Hause ist, sondern dass die Zeiten nicht klar abgegrenzt sind. Statt morgens irgendwo einzustempeln, wird die Arbeitszeit nach Vertrauen gehandhabt. Der Plausch mit Kollegen im Büro ist ok, aber beim Wäsche machen zu Hause meldet sich der „innere Kritiker“ mit Vorwürfen und Schuldgefühlen. Was bei vielen dazu führt, dass man bis spät abends oder ohne weitere Pausen durcharbeitet, um das schlechte Gewissen zu beruhigen.

Ich selbst habe oft nächtelang gearbeitet und mich wie ein „Workaholic“ gefühlt. Mittlerweile erfasse ich meine Zeiten und sehe, wann mein selbst gesetztes Stundenkontingent erreicht ist. Das Arbeitsvolumen wird dadurch nicht weniger – aber die Einstellung verändert sich und der Genussfaktor steigt. Wenn ich zwischendurch joggen gehe oder meditiere, dann ohne schlechtes Gewissen. Wenn ich abends die Zeit dran hänge, dann mit einem guten Gefühl.

2. Glücksmomente zwischenschieben statt aufschieben

Wir neigen dazu, uns erst dann etwas Schönes zu gönnen, wenn die Arbeit geschafft oder das Projekt beendet ist. Da fallen so manche Dinge hintenüber. Studien von Psychologen (Ed O’Brien und Ellen Roney, 2017) haben jedoch gezeigt, dass wir eine schöne Aktivität auch dann genießen können, wenn später noch Arbeit ansteht. Warum also nicht mal zwischendurch einen Mittagsschlaf oder einen Spaziergang machen, oder mit dem Kind auf den Spielplatz gehen? Wichtig ist dabei nur, vorher die erforderliche telefonische Erreichbarkeit abzuklären.

Pausen sind ehedem wichtig: Laut Erkenntnissen im Zeitmanagement funktioniert das Gehirn besser, wenn wir alle 25 – 50 Minuten eine Pause machen. Es braucht solche Auszeiten, um neue Informationen zu verarbeiten und von hier aus wieder in einen kreativen Prozess zu kommen.

3. Nie wieder „ich müsste noch“

Der Reifenwechsel, die Hausreparatur – klar muss das gemacht werden. Man könnte den ganzen Tag mit sowas füllen. Hier hilft manchmal nur noch die Taktik des „aktiven Ignorierens“: Erstmal auf die wesentlichen Dinge konzentrieren – und sich bei allem fragen: was davon ist wirklich wichtig?

4. Erholen – aber richtig!

Nach dem Bürotag auf die Couch, um runterzukommen? Kontraproduktiv! Laut Stressforscher Prof. Dr. Gert Kaluza ist es empfehlenswert, sich außerhalb der Arbeitswelt eine „regenerative Gegenwelt“ zu erschaffen. Wer viel im Büro sitzt, sollte sich hinterher beim Sport auspowern. Wer im Job geistig unterfordert ist, den erfüllen möglicherweise kreative oder künstlerische Tätigkeiten in der Freizeit, oder auch ehrenamtliches Engagement. Wer sich nach der Arbeit – vor allem bei körperlicher Tätigkeit – erschöpft und ausgelaugt fühlt, dem kann ein Vollbad, ein Saunagang oder einfach mal Nichtstun helfen.

5. Die Arbeit sollte Spaß machen – zumindest grundsätzlich

In der Selbstentwicklungsszene sprechen viele von „Herzensaufgabe finden“, „Berufung leben“ oder „Lebensaufgabe finden“. Das finde ich zwar erstrebenswert, aber nicht immer 100%ig und sofort realisierbar. Meiner Meinung nach muss es nicht immer „die eine Sache“ sein, die Berufung, die uns von heute auf morgen für immer glücklich macht.

Aber natürlich solltest du morgens mit einem guten Gefühl und nicht mit Magenschmerzen zur Arbeit gehen. Wenn Letzteres der Fall ist, dann ist es vielleicht an der Zeit, über Veränderung nachzudenken und ggf. den Job zu wechseln.

6. Schuldgefühle loslassen statt sie anderen zuzuschieben

Wir werden nie alles perfekt machen. Gehen wir pünktlich von der Arbeit weg, um Zeit mit Familie oder Freunden zu haben, nagt das schlechte Gewissen, weil wir dem Chef nein gesagt haben zu Überstunden. Sagen wir ja und bleiben länger im Büro, wartet möglicherweise der Partner mit versauerter Mine, weil er alleine die Kinder ins Bett bringen musste. Vor lauter eigenen Schuldgefühlen fangen wir an, dem anderen Vorwürfe zu machen oder aufzurechnen, wer wie viel macht. Dies führt zu Mangeldenken und hilft uns keinen Deut weiter. Also am besten gleich die eigenen Schuldgefühle loslassen und Nachsicht dem Umfeld gegenüber walten lassen.

7. Bestandsaufnahme machen und Lebensbereiche in Einklang bringen

Das Leben ist im Fluss. Unsere Lebensthemen verändern sich kontinuierlich und wollen gelöst werden. Das, was anfangs vielleicht als anstrengend, problematisch und leidvoll erscheint, birgt für die eigene Entwicklung oft das größte Potenzial. Ein erster Schritt in Richtung Balance ist es, Ungleichgewichte zu erkennen, Wünsche zu definieren und Veränderungen vorzunehmen.

Du möchtest dich näher damit beschäftigen? Dann komm zu einem unserer Workshops oder Retreats – siehe hier…

Buchtipps

„Das Leben ist keine ToDo-Liste“ von Shirley Seul

„Einen Scheiß muss ich“ von Tommy Jaud

 

Videotipp

Robert Betz zum Thema „Work-Life-Balance“

Endlich Ruhe! Digital Detox im Selbstversuch

Wie lange kann man es ohne Internet und Social Media aushalten? Früher ging es schließlich auch. Heute hat man schon ein komisches Gefühl, wenn man mal ausversehen das Handy liegen lässt oder dreht sogar nochmal um, um es zu holen. Viele Menschen bekommen Entzugserscheinungen und greifen verzweifelt immer wieder zum imaginären Handy, wenn sie es nicht dabei haben. Es fehlt ja auch der ständige Dopaminkick. Wäre es wirklich so schlimm? Ich möchte es mal ausprobieren. Zugegebenermaßen, mein Plan ist nicht allzu spektakulär: Ich habe mir den Urlaub dafür ausgesucht, um mal abzuschalten. „Digital Detox“, wie es so schön heißt. Und davon auch nur drei Tage.

Abschalten – doch wie?

Doch auch das will geplant sein. Was, wenn genau jetzt ein wichtiger Kunde mit dem Traumauftrag anruft? Eine Teilnehmerin sich nach einem Seminar erkundigen will? Oder mit meiner Mutter, Vater, Geschwistern oder sonstiger Verwandtschaft irgendetwas ist?

Ich wäge ab, dass die Wahrscheinlichkeit auf den Traumauftrag, den Lottogewinn oder den plötzlichen Herzinfarkt eines Verwandten zwischen Freitag- und Montagvormittag relativ gering ist. Genauso wie alle anderen Anfragen bis Montag warten können. Für meine WhatsApp-Freunde ändere ich meinen Status in „bin grad offline“. Für sonstige Eventualitäten beschließe ich, einmal am Abend kurz mein Handy vom Flugmodus in den normalen Modus zu wechseln – ohne Paketdaten. Nun aber wirklich ab in den Flugmodus! Am liebsten würde ich ganz abschalten – aber das geht nicht, weil ich es ja im Urlaub zum Fotografieren brauche. Der normale Fotoapparat liegt zu Hause.

Am ersten Tag vermisse ich nichts – ich ertappe mich nur hier und da, auf einem Ausflug ständig nach Instagram-tauglichen Fotomotiven zu suchen. Ganz schön stressig. Abends, als ich im Bett liege und den Tag Revue passieren lasse, werde ich irgendwie traurig. Nicht, weil mir Facebook fehlt oder ich mir den Kopf zerbreche, was ich alles gerade auf Instagram und co. verpasse. Sondern im Gegenteil: Mir wird schmerzlich bewusst, wie überflüssig das alles ist. Hat diese ganze Selbstdarstellung und Selbstprofilierung noch mit uns selbst als Mensch zu tun? Wer soll das alles lesen? Müssen wir wirklich so viel Zeit mit Facebook, Instagram, Xing, Twitter, Flickr, Youtube und co. verbringen? Und vor allem: macht uns das glücklich? Psychologen wissen, dass das Gegenteil der Fall ist: Wir vergleichen uns mit den tollen Erlebnissen der anderen und kommen dabei zwangsweise zu kurz. Denn wer ist schon im Dauerurlaub, geht immer auf tolle Konzerte oder ist ständig frisch verliebt? Den schnöden Alltag der Leute, das kämpfen, scheitern, die Leere, die Langeweile kriegen wir nicht mit.

Nicht nur das: die digitalen Medien kosten uns Zeit, rauben uns die Konzentrationsfähigkeit und vermutlich auch einige Gehirnzellen. Viele Menschen können zudem immer schlechter schlafen, weil sie gerade in den Abendstunden noch mit digitalen Medien beschäftigt sind. Eine Studie, die von Microsoft unter Kanadiern durchgeführt wurde, bestätigt Beängstigendes:

  • Menschen verbringen täglich 11 Stunden mit digitalen Medien
  • Sie werfen im Schnitt 253 Blicke täglich auf das Handy
  • 44% haben Schwierigkeiten, sich auf eine Sache zu konzentrieren.
  • Insgesamt sinkt die Aufmerksamkeitsspanne: Menschen können 8 Sekunden bei der Sache bleiben – ein Goldfisch 9 Sekunden.

In Deutschland ist es noch nicht ganz so schlimm, aber auch hier verbringen Menschen zweieinhalb bis drei Stunden täglich mit Social Media, gerade jüngere Leute.

Ist „Digital Detox“ ein Ausweg?

Da liegt es nahe, einfach mal das Smart Phone abzuschalten und zu „fasten“. Macht das Sinn? Experten sagen, dass es jedoch nicht reicht, einmalig länger abzuschalten und danach so weiterzumachen wie vorher. Viel wichtiger sei es, sich regelmäßige Auszeiten zu nehmen, mal ohne Handy spazieren zu gehen oder bei Verabredungen nicht auf das Gerät zu starren, sondern sich dem Gegenüber zu widmen. Sie betonen aber auch: Social Media an sich müssen nicht unglücklich machen. Sondern es kommt darauf an, wie man sie nutzt – man kann sie einsetzen, um Hetze zu betreiben oder einen Spendenaufruf zu tätigen, um zu verblöden oder sich weiterzubilden.

Ich finde es klasse, dass ich dank Facebook Kontakte mit Menschen in aller Welt pflegen kann, die ich kennengelernt habe. Doch ich merke, dass die Relationen nicht mehr stimmen: Muss ich wissen, wo entfernte Bekannte gerade im Urlaub sind und welche Cocktails sie dort schlürfen? Welchen Sandburgenbau-Wettbewerb die Kinder gewonnen haben, ob die Katze getanzt oder der Hund gesungen hat? Während ich andererseits nicht mal die Zeit finde, meine besten Freundinnen „live“ zu sehen? Da stimmt doch was nicht. Am zweiten Detox-Tag nehme ich mir vor, ganz bald meine Freundin zu besuchen, die ich lange nicht gesehen habe.

Achtsamkeit und digitale Welt – passt das zusammen?

Zum Glück findet jeder Wahnsinn auch irgendwann einen Gegentrend. So entstehen Trends, dass moderne Menschen nicht nur vegan, ökologisch, biologisch und fair leben wollen, sondern auch „low digital“. Da wird zum Beispiel vor Meetings in einigen Unternehmen eine Minute in Stille inne gehalten und bewusst geatmet. Da wird empfohlen, statt ein Selfie zu machen, lieber in die Ruhe zu kommen, in sich hinein zu fühlen, wie es einem geht und wo man gerade steht.

Atem, Yoga, Achtsamkeit – alles nichts Neues und dennoch aktueller denn je. All diese Methoden helfen uns dabei, „low digital“ umzusetzen. Zumindest hat man beim Yoga einen Anlass, abzuschalten. Besser noch, wenn es dabei nicht bleibt. Im Café, beim Treffen mit Freunden oder beim Spielen mit dem Kind könnte man es ebenfalls ausprobieren. Übrigens: es gibt bereits Apps, die „low digital“ unterstützen. Da sieht man dann abends, wie oft man online war. Verrückte Welt, aber vielleicht hilft es ja.

Am dritten Digital Detox Tag nehme ich vor, „low digital“ mehr in meinen Alltag zu integrieren. Auch wenn es nicht so leicht fällt wie ich dachte. Nicht weil ich selbst nicht klar komme. Sondern weil die anderen ja auch mit Smart Phone leben –  und das dann eben auch von mir erwarten. Dazu ist das Smart Phone schon so sehr Bestandteil des Alltags geworden – von der Einkaufsliste über den Wecker, Kalender, Taschenlampe, Notizbuch, Rechner bis hin zu Google Maps.

Wie konsequent soll es sein?

Das wurde mir in meinem drei-tägigen Urlaubs-Detox sehr bewusst: Eine Fahrradtour mit unseren Freunden und den Kindern stellte sich als um einiges länger heraus als geplant, so dass letztere irgendwann streikten. Na gut, Detoxbruch Nr. 1: Ich schalte den Flugmodus aus, rufe meinen Partner an, der eh als „Besenwagen“ eingeplant war und bitte ihn, die Kinder mit dem Auto abzuholen. Doch er findet uns nicht, während wir irgendwo bei Hitze in einem abgelegenen Feld zwischen Molkerei und Tulpenfeld sitzen. Hmmpf, es hilft ja alles nichts –  Detoxbruch Nr. 2. Ich schalte die Paketdaten an, sende ihm per WhatsApp unseren Standort, und innerhalb von wenigen Minuten ist er da und sammelt drei erschöpfte, aber glückliche Kinder ein. Ein Hoch auf das Smart Phone! Und ein Hoch auf die Möglichkeit, es auch mal auszuschalten.

Digital Detox – mein persönliches Fazit

Abgesehen von diesem kleinen geschummelten „Notfall“ habe ich aber auch viele schöne Dinge erlebt und erfahren: Mehr entspannte Phasen, mehr Ideen und Kreativität, gute Gespräche mit den Freunden und der Familie (sofern diese auch mal ihr Smart Phone weggelegt haben), in Ruhe ein Buch lesen, den Kindern beim Sandburgen bauen zuschauen (ohne ein Bild zu posten!) und einfach nur auf die Wellen schauen. Der Urlaub ist schnell vorbei. Bereits auf der Rückfahrt erlaube ich mir, wieder einzuschalten und die ca. 100 neuen WhatsApp Nachrichten zu überfliegen. Nichts Wichtiges – vieles aus Gruppen, kaum etwas Persönliches. Ein lieber Freund hatte sich Sorgen gemacht – weil er vergeblich versucht hatte, mich auf verschiedenen Kanälen zu erreichen. Irgendwie schön zu wissen.

Wenn du diesen Blog auf deinem Smart Phone oder Tablet bis hierhin gelesen hast – egal wo du gerade bist – dann atme einmal tief durch, halte inne und lass vor deinem inneren Auge die Menschen erscheinen, die dir wirklich wichtig sind. Denn wenn du mal traurig, angeschlagen, deprimiert oder in Not bist, dann werden nicht deine Facebook-oder Insta-Follower für dich da sein – sondern die Menschen, mit denen du echte, wertvolle und erfüllende Zeit verbracht hast.

Namasté Angela

 

7 Tipps für „Low Digital“ – das empfehlen Experten

  1. Eingewöhnung: mal ein bis drei Tage ganz verzichten – es ist einen Versuch wert
  2. Handyfreie Zonen einrichten: Raus mit dem geliebten Knochen – vor allem aus dem Schlafzimmer! Denn allein der kurze Smart Phone Check kurz vor dem Einschlafen kann einem den letzten Schlaf rauben.
  3. Handyfreie Zeiten einplanen – beim Essen mit der Familie oder Freunden, bei Verabredungen, beim Spaziergang im Wald – da geht’s sicherlich auch mal ohne.
  4. Im Ungewissen bleiben – wie hieß noch gerade der Schauspieler, der damals…? Kaum hat man in geselliger Runde eine solche Frage gestellt, werden die Handys gezückt, Siri, Google und co. befragt. Warum nicht mal etwas herumraten und sich freuen, wenn es einem auch so irgendwann einfällt?
  5. Live statt Video- wie oft werden wir bei Treffen mit Freunden gedrängt, uns mal eben kurz die letzten Urlaubsbilder oder das neueste lustige Video anzuschauen. Ist das wirklich nötig, wenn man sich eh selten sieht und sich vielleicht viel wichtigere Themen zu erzählen hat?
  6. Benachrichtigungen ausschalten – mindestens auf stumm schalten, besser noch die Anzeige von neuen Nachrichten ausschalten – so sinkt mit der Zeit die Versuchung, ständig zu schauen, was es Neues gibt. Ist vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber garantiert stressfreier.
  7. Zurück zu analog – nimm die Taschenlampe, Stift und Papier, einen Wecker oder gar einen Stadtplan – und wenn du mal deine AirBNB-Unterkunft oder die Blabla-Car nicht findest, dann frage einfach jemanden nach dem Weg ;-).

 

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Warum glückliche Menschen anders mit Pech umgehen

Hast du schon einmal erlebt, dass etwas, worüber du dich zunächst geärgert hast, sich später als Glücksfall herausgestellt hat?

Eine Absage. Ein Fehler. Eine unerwartete Wendung. In dem Moment erscheint vieles davon einfach nur ärgerlich oder schmerzhaft. Doch mit etwas Abstand erkennen wir oft: Genau dieses Ereignis hat uns auf einen neuen Weg geführt, uns etwas Wichtiges gelehrt oder sogar vor etwas bewahrt.

Interessanterweise sind es oft nicht die Dinge, die nach Plan laufen, die uns am stärksten prägen. Es sind die Umwege, Rückschläge und ungeplanten Wendungen, die uns wachsen lassen.

Der Sinn zeigt sich oft erst im Rückblick

Viele erfolgreiche Menschen haben eines gemeinsam: Sie haben sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen.

Steve Jobs brach sein Studium ab und belegte stattdessen Kurse, die ihn interessierten – unter anderem Kalligrafie. Jahre später half ihm genau dieses Wissen dabei, den Mac mit verschiedenen Schriftarten auszustatten – damals eine Revolution.

Seine Erkenntnis:

„Ihr könnt keinen Zusammenhang herstellen, indem ihr vorausschaut. Ihr könnt diesen nur herstellen, indem ihr zurückschaut.“

Auch Buddha wusste:

„Jedes Leben hat sein Maß an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.“

Wer hätte schon gerne Schwierigkeiten oder Krisen? Und doch sind es oft genau diese Erfahrungen, die uns wachsen lassen und unserem Leben eine neue Richtung geben.

Die Sichtweise macht den Unterschied

Psychologen sprechen von sogenannten „günstigen Erklärungsstilen“. Glückliche Menschen suchen die Ursache für Rückschläge nicht ausschließlich bei sich selbst. Sie sehen Herausforderungen als Teil des Lebens und vertrauen darauf, dass auch wieder bessere Zeiten kommen.

Gleichzeitig glauben sie an ihre Selbstwirksamkeit. Sie wissen: Nicht alles lässt sich kontrollieren. Aber sie können beeinflussen, wie sie damit umgehen.

Meine Erfahrung ist:

Wir können nicht immer beeinflussen, was uns passiert. Aber wir können entscheiden, wie wir darüber denken und wie wir damit umgehen.

Genau diese Haltung hilft uns, nach einer Enttäuschung wieder aufzustehen, statt aufzugeben.

Positiv denken oder schönreden?

Positiv denken bedeutet nicht, Probleme zu verdrängen oder alles schönzureden.

Es bedeutet, darauf zu vertrauen, dass jede Erfahrung eine Chance zum Lernen enthält. Dass ein Ende auch ein Anfang sein kann. Und dass das Leben manchmal einen besseren Plan für uns hat, als wir selbst.

Als ich vor vielen Jahren meinen Job verlor, konnte ich lange nicht erkennen, wofür das gut sein sollte. Heute weiß ich: Ohne dieses Ereignis hätte ich viele wunderbare Erfahrungen nie gemacht. Es hat mich aus meiner Komfortzone geholt und auf einen Weg geführt, den ich sonst vielleicht nie gegangen wäre.

Wird alles gut?

Vielleicht nicht sofort.

Aber oft erkennen wir erst später, warum etwas genauso geschehen musste.

Deshalb wünsche ich dir das Vertrauen, die Dinge anzunehmen, wie sie sind. Den Mut, auch nach Rückschlägen weiterzugehen. Und die Gelassenheit, darauf zu vertrauen, dass sich die Punkte irgendwann verbinden.

Namasté

Angela

6 Tipps für mehr Gelassenheit bei Rückschlägen

  1. Frage dich: Wird mich dieses Ereignis in 10 Jahren noch beschäftigen?
  2. Suche nach dem Geschenk oder der Botschaft, die darin verborgen sein könnte.
  3. Erinnere dich an drei Situationen, die sich erst im Nachhinein als Glücksfall erwiesen haben.
  4. Bei kleinen Ärgernissen: Lächle darüber und lass sie weiterziehen.
  5. Bei größeren Fehlern: Ziehe deine Erkenntnisse daraus, vergib dir selbst und mache weiter.
  6. Wenn das Leben gerade unfair erscheint: Erlaube dir, traurig oder wütend zu sein – aber richte deinen Blick danach wieder nach vorne.

Denn wer nie bereit ist zu scheitern, bleibt in seiner Komfortzone. Glücklich und erfolgreich sind oft die Menschen, die den Mut haben zu springen, auch wenn sie das Netz noch nicht sehen.

FLOW: Arbeiten, ohne zu Arbeiten

Fünf Tipps für mehr Flow im Leben

Kennst du diese Tage, an denen man überhaupt nicht in die Gänge kommt? Ich zur Genüge. Ich ärgere mich an solchen Tagen immer, dass die Zeit so nutzlos dahin fließt, ohne dass ich etwas Produktives geschafft habe. Wenn es dann noch draußen sommerlich heiß ist, man die Zeit auch gut und gerne im Freibad oder am See verbringen könnte und gleich das Kind abgeholt werden will – da ist der Frust vorprogrammiert.

Manchmal geht es mir aber auch so, dass ich – wenn ich erstmal mit etwas angefangen habe – unendlich viele Stunden damit verbringen kann, etwas fertig zu kriegen. Ich vergesse dabei sogar, zu essen oder mir etwas zu trinken zu holen – und das will was heißen. Ich gehe dann voll in meiner Aufgabe auf. Ich schau nicht auf die Uhr, weil ich hoffe, dass endlich Feierabend ist, sondern weil ich hoffe, dass noch genügend Zeit bleibt, um weiter zu machen, bevor ich das Kind abholen oder abends ins Bett muss.

Sinn und Potenzialentfaltung bei der Arbeit – wie ist das möglich?

Diesen letzteren beschriebenen Zustand nennen Wissenschaftler den „Flow-Zustand.“ Seitdem die meisten von uns nicht mehr schweißtreibende und harte Arbeit am Fließband machen müssen, rückt immer mehr die Frage in den Vordergrund: wie können wir so arbeiten, dass wir einerseits unser Potenzial voll einsetzen (so hätten es gerne die Chefs), wir andererseits aber auch mit Spaß und Leichtigkeit dabei sind? So wünschen es sich zumindest die meisten Berufstätigen.

Ein Forscher, der sich mit diesem Phänomen besonders einen Namen gemacht hat – wenn auch einen unaussprechlichen –  ist der ungarische Wissenschaftler Mihaly Csikszentmihalyi. Er hat bei Künstlern beobachtet, dass diese in ihrem kreativen Schaffen wie in einer Art „Trance“ den Pinsel geschwungen oder ein Lied komponiert haben. Er machte außerdem Erhebungen mit Spitzensportlern und stellte fest, dass diese vor allem im Flow-Zustand zu Höchstleistungen fähig waren.

Csikszentmihalyi beschreibt Flow auch als „Entrücktsein vom aktuellen Tagesgeschehen“, „das völlige Aufgehen in der momentanen Tätigkeit“ oder „das Verweilen in einem Zustand des glücklichen Unendlichkeitsgefühls.“

Kinder im Dauerflow

Kindern scheint das sehr viel näher zu liegen als Erwachsenen. Im Gegensatz zu mir fällt es meinem Kind überhaupt nicht schwer, in den Flow-Zustand zu kommen. Er nimmt sich ein Spielzeug, Bauklötze oder Playmobil und kann sich so intensiv damit beschäftigen, dass er es auch beim 10. Mal nicht hört, wenn ich ihn dazu auffordere, sich anzuziehen oder die Zähne zu putzen.

Auch wenn mir dann manchmal fast der Geduldsfaden reißt, kann ich es ihm nicht verübeln, dass er in seine Welt eintaucht. Zumal Kinder in diesem Zustand unendlich kreativ sind und mehr lernen, als sie es je durch Belehrungen von außen tun. Sie brauchen in solchen Momenten nicht mal eine positive Rückmeldung – die Aufgabe an sich ist Belohnung genug. Wenn ich meinen Sohn lobe, was er Tolles gebaut hat, will er das nicht hören.

Der Psychologe Siegbert A. Warwitz hat festgestellt, dass bei spielenden Kindern der Urzustand des Flow zu finden ist. Er nennt dies auch „glückseligen Zustand des Bei-sich-Seins.“ Wenn Kinder zum Beispiel Rollenspiele machen, dann spielen sie nicht Captain Sharky, sondern sie sind es. Sie gehen voll in der Figur auf, die sie gerade spielen.

Voraussetzungen für Flow

Doch kann auch ein normaler Erwachsener in diesen Zustand kommen, wenn er nicht Künstler oder Sportler ist? Wie können wir es erreichen, dass Arbeit nicht mehr als Arbeit erscheint, sondern als sinnvoller Ausdruck des eigenen Potenzials? Laut Csikszentmihalyi braucht es folgende Voraussetzungen, um in den Flow-Zustand zu kommen:

⇒ Das richtige Maß an Herausforderung

Mir geht es oft so: wenn die Aufgabe langweilig ist, kann ich mich nicht aufraffen, sie zu beginnen. Wenn mir umgekehrt etwas zu schwierig, komplex oder zu viel erscheint, dann gerate ich in eine Art „Schockstarre“ und es geht auch nichts mehr.

Wichtig ist es, eine gewisse Herausforderung zu haben, aber keine Überforderung. Die Stressforschung bestätigt: „Guter Stress“ – auch „Eustress“ genannt –macht produktiv und kreativ. Zu viel oder zu wenig Stress macht krank.

⇒ Ein Ziel vor Augen haben

Diese alte Geschichte macht deutlich, worum es geht:
Ein Passant traf auf seinem Wege drei verschiedene Arbeiter. Er fragte den ersten, was er denn da tue, als dieser mürrisch einen Stein bearbeitete. „Das siehst du doch. Ich maure“ sagt er dem Passanten. Der zweite tat das Gleiche, schien aber etwas motivierter zu sein. Auf die Frage des Passanten hin antwortete er „ich arbeite an einem Fenster.“ Der dritte Arbeiter bearbeitete mit einer solchen Hingabe den Stein, dass er kaum ansprechbar war. Seine Antwort auf die Frage des Passanten: „Ich baue eine Kathedrale.“

Das Gefühl, für etwas Größeres zu arbeiten, beflügelt uns. Selbst wenn die Tätigkeit an sich nicht spannend ist. Die Sichtweise entscheidet.

⇒ Vollkommene Konzentration und direkt sichtbares Handlungsergebnis

Wenn mein Sohn einen Turm baut, dann stürzt der zusammen oder bleibt stehen. Er sieht sofort, ob er „erfolgreich“ gebaut hat oder nicht. In unserem Arbeits- und Privatleben ist es leider nicht immer so direkt ersichtlich, ob ein Projekt klappt, eine Beziehung hält oder eine Strategie aufgeht. Wichtig ist, dass das Gehirn optimal gefordert ist. Und dass man schnell merkt, ob die Tätigkeit zum Erfolg führt. Ein Fliesenleger sieht schnell, ob es passt, ein Lehrer hingegen braucht viel Geduld und Feingefühl, um kleine Erfolge zu erzielen.

⇒ Die Zeit vergessen

Wer auf der Arbeit nichts zu tun hat, für den zieht sich die Zeit wie Kaugummi. Wer im Flow ist, vergisst die Zeit. Nachteulen wir ich merken dann gegen 2:00 nachts, dass sie doch mal langsam ins Bett gehen sollten.

⇒ Glücksgefühl aus sich heraus

Im „Flow-Zustand“ ist auch die Tätigkeit an sich schon Belohnung genug. Wer in einem Chor singt, zieht sein Glücksgefühl nicht nur aus dem großen Auftritt, sondern auch aus den zahlreichen Proben, in denen jeder kleine Erfolg, jede gelungene Partitur schon zählt.

Auch hier machen Kinder es vor: Wenn mein Sohn ein richtig tolles Schiff aus Magnetspielzeug gebaut hat, dann zerstört er es meist sofort wieder, um neu anzufangen. Das Tun macht ihn glücklich.

Mehr Flow im Alltag – so geht’s

Was bedeutet das für uns? Wir wollen doch schließlich produktiv sein und nicht das, was wir erschaffen, gleich wieder kaputt machen, oder? Chirurgen haben nur eine Chance, es richtig zu machen, sonst kommen sie in Teufels Küche. Auch Baufirmen können ein Haus nicht immer wieder abreißen, bis es ihnen gefällt. Doch wenn wir unsere vielen kleinen Tätigkeiten im Berufs- und Privatleben mal genauer betrachten, können wir trotzdem Voraussetzungen schaffen, um öfters in den Flow-Zustand zu kommen. Und somit mehr Erfüllung, Produktivität, Kreativität und sogar Spaß bei dem zu empfinden, was wir tun.

Flowtipp 1: Lass den Perfektionismus los

Oft lähmt uns das Gefühl, es unbedingt richtig machen zu wollen. Perfektionismus ist ein Grund dafür, dass wir vieles entweder gar nicht anfangen oder es nicht zum Ende bringen. Wie oft höre ich Menschen sagen, „Ich muss vorher noch die oder die Ausbildung machen, bevor ich loslegen kann.“ Auch Fehler dürfen sein und gehören dazu. Edison hat es Tausende Male immer wieder neu versucht mit der Glühbirne. Vertriebler müssen sich zahlreiche „Neins“ einholen, um irgendwann mal ein „Ja“ zu bekommen. Lass den Gedanken los, dass alles sofort perfekt sein muss. Fange einfach an – der Rest kommt von selbst.

Flowtipp 2: Sieh das Große Ganze

Um in den Flow zu kommen, ist es hilfreich, ein Ziel vor Augen zu haben, das Größere Ganze. Im beruflichen Zusammenhang bedeutet das: Sieh das Ziel des Unternehmens, des Projektes oder des Produktes an und führ dir vor Augen, inwiefern dieses Produkt oder diese Organisation etwas für das Wohl der Menschen tut. So ziemlich jede Aufgabe – vom Manager bis zur Putzfrau – hat ihre Bedeutung, sonst gäbe es sie nicht.

Solltest du in deiner Tätigkeit auch bei genauerer Betrachtung absolut nichts finden, was der Menschheit dient, dann wechsele deinen Job. Gleiches gilt auch, wenn du dich ständig über- oder unterfordert fühlst mit den Aufgaben, die dir zugetragen werden.

Flowtipp 3: Schalte Ablenkungen aus

Es fällt uns immer schwerer, uns länger auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Ständig tingeln neue Nachrichten ein, WhatsApp-, Telegram-, Mails, Facebook etc. Wie oft sind wir versucht, mal eben zwischendurch drauf zu schauen. Und schon brauchen wir wieder richtig lange, um zurück in die jeweilige Aufgabe zu finden. Also: Benachrichtigungen ausschalten, das Handy auf stumm oder weit weg gelegt, die Bürotür zu und Eintauchen in die wirklich wichtige Aufgabe. Es ist bei dir im Büro nicht machbar? Dann finde Wege – vielleicht durch Home Office oder ein Schild an der Tür.

Flowtipp 4: Lerne zu spielen und zu lachen

Jeder von uns konnte spielen. Doch mit der Zeit haben wir es verlernt. Erwecke deinen Spieltrieb wieder. Mache etwas Albernes, spiele mit Kindern, tue etwas, was du sonst nie tun würdest. Humor ist dabei das A und O, denn damit geht alles leichter. Suche dir eine Lachyoga-Gruppe. Hier gibt es einen Raum, in dem du ungestört und ungehemmt spielen kannst. Hier ist albern sein erlaubt, loslassen, lachen und lustig sein.

Wenn wir etwas verkrampft tun oder wollen, entsteht kein Flow. Wenn wir jedoch üben, spielerisch an Dinge heran gehen, dann meistern wir auch Herausforderungen leichter.

Flowtipp 5: Erschaffe dir Flow-Momente

„Flow“ ist in deinem Beruf nicht machbar, aber du kannst derzeit nicht kündigen? Dann schaue privat nach Möglichkeiten und Aktivitäten, die dich in den Flow bringen. Singe in einem Chor, mache einen Malkurs, schreibe Gedichte oder koche etwas nach einem besonderen Rezept. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich Flow-Erlebnisse – und somit auch Glücksmomente – zu erschaffen. Mehr Ideen und Tipps dazu findest du auch im vorherigen Blog „Das Ei das auf den Teppich fiel„.

Ich wünsche dir viel Leichtigkeit und FLOW!

Namasté

Angela

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Zitate

„Indem wir uns mit jedem Detail unseres Lebens befassen, egal ob gut oder schlecht, finden wir Glück, nicht indem wir direkt danach suchen.“ Mihály Csíkszentmihályi

„Glück entsteht auf der Grenze zwischen Langeweile und Angst, wenn also die Herausforderung genauso groß ist wie die Fähigkeit, mit ihr umzugehen.“ Mihaly Csikszentmihalyi

„Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Friedrich Schiller

Buchtipp

Mihaly Csikszentmihalyi: Flow. Das Geheimnis des Glücks

Veränderung: Die einzige Konstante im Leben

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Du möchtest Veränderung in dein Leben holen? Dann lass dich mit diesem Kurs dabei begleiten!

Veränderung war immer Teil meines Lebens. Ich bin mindestens 20 Mal umgezogen, habe an 12 verschiedenen Orten gelebt, davon vier im Ausland, und in mindestens 10 verschiedenen Jobs gearbeitet. Auch meine „Lebensabschnittsgefährten“ haben öfters gewechselt. Das habe ich mir nicht ausgesucht. Ich mag zwar Freiheit und Abenteuer, aber oft habe ich mich nach mehr Beständigkeit und Sicherheit gesehnt.

Nicht festklammern, sondern loslassen – nur wie?

Doch immer wenn ich das Gefühl hatte, jetzt kann ich mich mal zurücklehnen, hat das Leben mich wieder aus meiner Komfortzone heraus geschubst – manchmal auch ziemlich hart, anhand von Jobverlust oder ungewollten Trennungen. Je mehr ich mich an etwas festgeklammert habe, umso schneller ist es zwischen meinen Händen in Scherben zerfallen. Mein Nicht-Loslassen-Wollen hat mich dazu gezwungen, loszulassen.

Weißt du, wie in Indien die Affen gefangen werden? Die Jäger legen eine Banane in eine Kokosnuss, deren Öffnung gerade so groß ist, dass die Pfote hindurch passt. Der Affe umfasst seine Beute, macht die Pfote zur Faust und kommt nicht mehr heraus, weil er krampfhaft daran festhält. Der Jäger hat dann ein leichtes Spiel.

Genauso habe ich damals versucht, alles festzuhalten – den Job, den Partner, die Sicherheit – in der Hoffnung auf mehr Beständigkeit in meinem Leben. Doch vergeblich. Bis ich von einem Trainer einen entscheidenden Satz hörte, der mein Leben veränderte:

„Veränderung ist die einzige Konstante im Leben“

Mir wurde klar: Es geht darum, die Veränderung anzunehmen. Die Wellen des Lebens gehören dazu, und wir können uns nicht dagegen wehren. Es kann sogar Spaß machen, darauf zu reiten. Wenn wir lernen, Veränderungen als Teil des Lebens anzunehmen, gehen wir darin nicht mehr unter. Wie bei einem Surfer: Er paddelt in das Meer, nutzt die Kraft der Wellen und hat jede Menge Spaß dabei. Wenn es ihn umhaut, stellt er sich wieder drauf und surft weiter.

Als ich mit diesem Bild meine Sichtweise änderte, passierte etwas Erstaunliches: mein Leben wurde beständiger. Die Abstände zwischen Job-, Stadt-, und Partnerwechsel wurden größer. Und irgendwann hatte ich das Gefühl, angekommen zu sein. Wenn Veränderung ansteht, dann geht es sanft und ohne Drama. Schließlich bin ich mittlerweile darin geübt, immer wieder meine Komfortzone zu erweitern.

Viele von den Menschen, die ich früher beneidet habe – weil sie die „sichere Variante“ des Lebens gewählt haben, mit Hochzeit, Hausbau, festem Job – sind mittlerweile getrennt oder haben aufgrund von Umstrukturierungen mindestens einmal ihren Job verloren. Andere wiederum sagen mir, dass sie nichts lieber tun würden, als aus ihrem Hamsterrad auszusteigen. Veränderung geht an keinem vorbei. Doch wie viel oder wenig davon ist gut?

Macht Veränderung glücklich?

Veränderungsbereitschaft ist Typsache. Manche sind schnell überfordert. Sie brauchen die äußere Sicherheit. Auf der anderen Seite sprechen Psychologen von den „Sensation Seekers“, die immer wieder den Kick brauchen, um nicht in Langeweile unterzugehen. Sie werden dann zu Freeclimbern, Base Jumpern oder Höhlentauchern. Aber auch diejenigen, die Beziehungen oder Jobs beenden, sobald sich Routine einstellt oder ihnen etwas nicht passt, zählen als „Sensation Seekers“.

Dann gibt es die Menschen, die jahrelang ein scheinbar „normales“, geradliniges Leben geführt haben. Bis die Sinnkrise oder ein Schicksalsschlag sie dazu bringt, den Sprung aus der Sicherheit zu wagen und sich komplett neu zu orientieren. Sie verfolgen mutig ihren Lebenstraum: Der Bänker, der zum Yogalehrer wird, die Ärztin, die nach Nepal auswandert, um in einem Entwicklungshilfeprojekt zu arbeiten oder der Anwalt, der auf LKW-Fahrer umsattelt. Befragt man diese Menschen, so ist das Fazit bei den meisten: Sie haben zwar weniger Status und Geld als vorher, sind aber glücklicher. Doch ob ein solcher Schritt realisierbar scheint, hängt auch von der Lebensphase ab.

Wann macht Veränderung Sinn?

Forscher des Max-Planck-Instituts haben festgestellt, dass Menschen bis 30 eher bereit sind für Veränderung. Es hängt noch nicht so viel dran, wie Kinder, eigenes Haus oder Karriere. Danach ist vielen das Risiko zu hoch. Erst ab Mitte 60 steigt wieder die Veränderungsbereitschaft. Man tritt in eine neue Lebensphase ein, die Kinder sind aus dem Haus, es geht wieder leichter.

Grundsätzlich ist das Bedürfnis nach Sicherheit tief in uns verankert. Unser Gehirn ist darauf programmiert, effizient zu arbeiten und möglichst viele Prozesse automatisch ablaufen zu lassen. Selbst im Ruhezustand verbrauchen unsere 80 Milliarden Nervenzellen im Gehirn viel Energie. Routinierte Abläufe reduzieren den Stress und verschaffen uns ein ruhiges Gefühl. Was dazu führt, dass wir oft lieber den Status Quo beibehalten als etwas zu ändern, auch wenn dieser nicht mehr angenehm ist.

Neue Erlebnisse? Glückstraining für’s Gehirn!

Trotzdem lohnt sich der Schritt aus der Komfortzone: In einer Studie wurden Menschen befragt, die mit großen Veränderungen im Leben rangen. Sechs Monate nach der Entscheidung waren diejenigen glücklicher, die sich für die große Veränderung entschieden hatten. Aber es geht auch im Kleinen. Alles, was das Gehirn aus der Routine herausreißt, mag sich zunächst ungewohnt anfühlen. Laut Forschung aktivieren jedoch gerade neue, positive Erfahrungen das Gehirn und überfluten das Belohnungszentrum mit Glückshormonen.

Schon kleine Erlebnisse reichen dafür aus. Probiere es mal aus: ein neues Musikstück hören, mal irgendwo hingehen, wo du sonst nie landen würdest: Nähkurs, Doppelkopfabend, Salsa-Tanzkurs oder Infoabend zum Thema Renaissance. Vielleicht mal wahllos in einen Zug oder eine S-Bahn steigen, irgendwo aussteigen, wo du noch nie warst und dort in die Eckkneipe gehen. In ein Land reisen, wo du noch nie warst.

Wenn also ein kompletter „Reset“ im Leben nicht ansteht, dann kannst du auch im Kleinen dafür sorgen, dass das Gehirn aktiv bleibt und dich mit Glücksgefühlen versorgt. Das ist wie eine Art „Training“: Wenn du innerlich flexibel bist und eine positive Grundeinstellung hast, dann bist du gut aufgestellt, wenn mal eine „große“ Veränderung im Leben ansteht. Egal, ob diese durch äußere Umstände erzwungen wird, oder du dich selbst dafür entscheidest.

Happiness Gedanken

  • Wir können nichts halten, indem wir uns daran festklammern
  • Sobald wir die Veränderung als Teil des Lebens akzeptieren, geht alles leichter
  • Wir können unser Gehirn auf Veränderung programmieren, indem wir im Alltag neue Erfahrungen suchen
  • Wenn wir im Kleinen neue Erfahrungen erleben, sind wir für große Veränderungen besser gewappnet.
  • Die Surfer machen es vor: auf den Wellen reiten, genießen, und wenn es uns umhaut, einfach wieder aufstehen

Happiness Tipp

Suche dir eine ungewöhnliche Aktivität, etwas, was du noch nie oder selten gemacht hast. Tue dies in einem Bewusstsein von kindlicher Neugier, Freude und Offenheit. Fühle hinein, wie es dir dabei geht und hab Spaß daran!

Coaching-Programm: Der Glücks-Charakter-Booster

Trainiere die Eigenschaften, die dich glücklich machen!

Zitate

»Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.« Chinesisches Sprichwort

»Es sind nicht die äußeren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äußern.«, Wilma Thomalla, Deutsche Publizistin

»Nichts in der Geschichte des Lebens ist beständiger als der Wandel.« Charles Darwin, Englischer Naturforscher

Buchtipp

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