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Gelassenheit als Glücksgarant: Neun Anregungen, um souverän zu bleiben

Stell dir vor, du sitzt im ICE auf dem Weg zu einem wichtigen Termin. Dann hält der Zug mitten in der Walachei an und es kommt eine Durchsage: „20 Minuten Verspätung wegen unvorhergesehener Bauarbeiten.“ Aus den 20 Minuten werden 40 Minuten, dann eine Stunde. Du wirst langsam nervös… und nervöser… kommt dir das bekannt vor?

So ist es mir neulich ergangen auf dem Weg zu einem Workshop, zu dem ich unbedingt pünktlich sein musste. Die Verspätung wurde immer länger und ich mit jeder Durchsage nervöser. Klar hatte ich genügend Puffer eingeplant, aber ich wusste aus Erfahrung, dass bei der Bahn so manches passieren konnte (wobei ich mich eh fragte, wie Bauarbeiten „unerwartet“ auftreten konnten, wenn nicht gerade ein Hurricane durch das Land wehte – oder Schneesturm – oder Wüstensand – na gut…). Irgendwann fuhr der ICE zum Glück weiter, und ich kam gerade noch rechtzeitig zum Workshop. Ähnliches trug sich auf der Rückfahrt zu. Wieder begann die Verspätung erst mit nur 20 Minuten (machen die das absichtlich, um den „Ärgerpegel“ bei den Leuten niedrig zu halten?), am Ende kam ich wieder eine ganze Stunde später an als geplant. In dem Fall war ich jedoch relativ entspannt, denn ich wusste ja, dass kein wichtiger Termin mehr anstand. Ob ich nun eine Stunde später zu Hause ankam, war nicht ganz so entscheidend. Die fast gleiche Situation hatte also ein sehr unterschiedliches Potenzial dazu, mich aus meiner Gelassenheit zu bringen.

Gelassen bleiben lohnt sich

Warum können über manche Dinge easy peasy hinwegsehen, während uns andere Situationen auf die Palme bringen? Warum bleiben in ein- und derselben Situation die einen ruhig und andere rasten aus? Und müssen wir überhaupt immer gelassen bleiben? Ist es nicht manchmal sogar gut, den Ärger „rauszulassen“, statt runterzuschlucken? Warum bestimmte Situationen uns „triggern“, kann viele Gründe haben. Vielleicht wurden unsere Werte verletzt, vielleicht hat jemand uns provoziert, vielleicht fühlen wir uns hilflos den Umständen ausgeliefert. Manchmal geschehen auch Dinge, die braucht kein Mensch. Diesen Blogartikel zum Beispiel hatte ich gerade fertig geschrieben, in einer Spätschicht. Als ich am nächsten Morgen die Datei wieder öffnen wollte, da war sie weg. Einfach weg! Der Name der Datei sprang mir zwar entgegen unter „zuletzt verwendet“, aber ich konnte nicht darauf zugreifen. Jeder Wiederherstellungsversuch war vergeblich. Welch eine Ironie, dass mir dies gerade beim Blogartikel zum Thema „Gelassenheit“ passiert! Ich hätte hochgehen können, schreien, toben, stampfen. Aber was nützt es – dadurch taucht die Datei auch nicht wieder auf.

Und irgendwo tief in mir drin wusste ich: Es lohnt sich, gelassen zu bleiben. Der Schaden ist oft größer, wenn wir uns von unseren Emotionen davon tragen lassen, als wenn wir besonnen und lösungsorientiert bleiben. Intuitiv handeln ist gut – impulsiv nicht (siehe auch Artikel zu „Emotionale Intelligenz„). Was ist der Unterschied? Intuitiv handeln bedeutet, kurz innezuhalten, auf die „innere Stimme“ zu hören, vielleicht auch die Perspektive zu wechseln und dann von Herzen her zu agieren. Impulsiv sind wir dann, wenn wir unsere Emotionen – egal welcher Art – nicht mehr unter Kontrolle haben und diese womöglich auf eher nicht konstruktive Weise zum Ausdruck bringen.

Die Vorteile von Gelassenheit

  • Gelassene Menschen haben mehr Handlungsspielraum und sind sich immer dessen bewusst, dass sie einer Situation nicht hilflos ausgeliefert sind (siehe auch Blogartikel zu Selbstwirksamkeit…)
  • Sie sind empathischer und haben deshalb auch bessere Beziehungen – wer will schon Menschen um sich haben, die bei jeder Kleinigkeit hochgehen?
  • Gelassene Menschen sind optimistischer und glauben daran, dass es immer eine optimale Lösung geben wird.
  • Gelassene Menschen können auch in brenzligen Situationen ruhig bleiben und lösungsorientiert handeln. Sie sind dementsprechend auch leistungsfähiger.

Kurzum: gelassene Menschen sind glücklicher und erfolgreicher!

Die Bewertung ist entscheidend

Doch warum sind manche Menschen wie ein Fels in der Brandung und andere wie ein brodelnder Vulkan, der jederzeit ausbrechen könnte? Ist das Veranlagung – oder einfach Glückssache? Und: Können wir etwas für unsere Gelassenheit tun? Die gute Nachricht: die Frage, ob wir etwas gelassen sehen können oder nicht, hängt gar nicht so sehr von der Situation selbst ab. Sondern eher davon, wie wir diese bewerten (siehe auch Blogartikel zum Thema „Mindset“). Denn alles – jede Kleinigkeit, jedes Ereignis, das wir erfahren und erleben – durchläuft in unserem Gehirn einen Einordnungs- und Bewertungsprozess. Der amerikanische Emotionspsychologe und bekannte Stressforscher Richard Lazarus hat aufgrund zahlreicher Studien festgestellt, dass Menschen ein- und dieselbe Stress-Situation sehr unterschiedlich bewertet haben. Er hat auf der Basis all dieser Erkenntnisse das „transaktionale Stressmodell“ entwickelt. Dieses hilft uns verstehen, warum und wann bestimmte Situationen uns „triggern“ und an welchen Stellen wir etwas verändern können.

Du fühlst dich getriggert? Das passiert im Gehirn

Alles beginnt mit der Wahrnehmung einer bestimmten Situation durch unsere Sinnesreize. Jede Sekunde prasseln unendlich viele davon auf unser Gehirn ein – 11 Millionen Bits, heißt es. Das Gehirn nimmt jedoch nur einen Bruchteil davon bewusst auf – nämlich nur 40 Bits. Das ist auch gut so, denn sonst würden wir aufgrund von kontinuierlicher Informationsüberflutung schier verrückt werden. Um bei dem Beispiel Bahndurchsage zu bleiben: Ich höre die Durchsage, nehme die Inhalte wahr und es beginnt im Gehirn zu arbeiten. Alle anderen Reize sind in dem Moment ausgeblendet: der Regenschauer draußen, der Lebewurstbrotgeruch am Tisch gegenüber, das Geschrei eines Babys weiter hinten oder das Streitgespräch des Mannes, der vor mir sitzt, am Telefon.

Primäre Bewertung

Nun entscheidet das Gehirn, ob die Situation eine ernsthafte Bedrohung oder Gefahr darstellt oder nicht. Lazarus nennt es „primäre Bewertung“. Ist das hier gerade lebensgefährlich? Oder gar nicht relevant? Vielleicht sogar positiv zu bewerten? So ist eine verspätete Bahn zwar erstmal Stressfaktor. Aber wenn ich mit einer Gruppe netter Menschen zu einem Ausflug unterwegs bin und wir an der Fahrt an sich schon Spaß haben, wäre es vielleicht etwas anderes. Nur wenn mich das Ganze nervös macht, springen die Alarmsysteme im Gehirn auf die nächste Stufe, nämlich die „sekundäre Bewertung“ nach Lazarus.

Sekundäre Bewertung

Selbst wenn die Situation nun also brisant ist, bedeutet das noch lange nicht, dass die Gelassenheit dahin ist. Dann rattert das Gehirn weiter und überprüft: habe ich die Ressourcen, um die Situation zu managen? Habe ich möglicherweise schon einmal ähnliche Dinge gut gemeistert? Ist das, was passiert, wirklich bedrohlich oder komme ich damit klar? In meinem ICE-Beispiel wäre es vielleicht die Frage: kann ich damit leben, wenn ich den Workshop aufgrund er Verspätung absagen muss? Wenn dies vom Gehirn als Bedrohung eingeordnet wird, dann werden Alarmsignale an den Körper gesendet und der Stressmechanismus in Gang gesetzt. Schweiß bricht aus, der Herzschlag wird schneller, der ganze Körper wird aktiviert, um schnell zu reagieren auf – ja, was? Kampf gegen den Schaffner? Flucht aus dem Fenster? Kaum möglich! Also entweder den Schaffner anschreien (auch nicht empfehlenswert) oder sich wieder beruhigen.

Bewältigung

Hier ist die Frage: schlucke ich den Ärger runter, damit er in mir weiterköchelt? Oder finde ich gute Möglichkeiten, um Emotionen rauszulassen und verlorene Energie wieder aufzuladen? Dies nennt man dann in der Stressforschung „Coping-Strategie“ (siehe auch Blogartikel zum Thema „Resilienz“). Also die Frage, wie gut wir solche „Trigger-Situationen“ meistern. Wenn alles hier gut läuft, dann speichert mein Gehirn die Situation als „gut gemeistert“, eine Neubewertung findet statt, und so kann ich auch in künftigen ähnlichen Situationen gelassen bleiben. Komme ich jedoch nicht mit alldem klar, wird ein „Stress-Kreislauf“ in Gang gesetzt. Der wiederholte Stress sammelt sich an, der Körper ist nicht imstande, diesen aufzufangen und das Gehirn setzt eine Warnung nach der anderen ab. Auf Dauer endet das in körperlichen oder mentalen Stress-Symptomen und im schlimmsten Falle in psychischen Krankheiten.

Neun Anregungen, um gelassen zu bleiben

Wie können wir also auch dann gelassen bleiben, wenn vermeintlich alles schief läuft? Oder wenn ein Mitmensch uns triggert, provoziert oder mit seinem Verhalten verletzt? Wichtig ist zunächst die Erkenntnis: du bist einer Situation oder einem Menschen nie hilflos ausgeliefert. Wir können immer selbstbestimmt handeln und reagieren. Sich dies immer wieder bewusst zu machen, ist der erste Schritt zu mehr Gelassenheit. Weiterhin möchte ich hier noch ein paar weitere Anregungen mit dir teilen, um gelassener zu bleiben und auch zu werden. Denn du kannst auf verschiedenen Ebenen agieren und reagieren, wenn ein Ereignis droht, dich auf die Palme zu bringen.

Was tun bei akutem Trigger-Alarm? Mögliche Sofortmaßnahmen

1. Durchatmen – der Zug hat Verspätung? Du stehst im Stau? Dein Kind ist bockig? Einmal tief ein- und ausatmen kann Wunder bewirken. Wenn dein Herz rast, dann kannst du dies willentlich nicht stoppen. Aber mit entsprechenden Atemübungen kannst du dein gesamtes System beruhigen und wieder eine gute Basis finden, um die Kontrolle zu behalten und wieder handlungsfähig zu werden (siehe auch „Wunderwerkzeug Atem„).

2. Schweigen – dein Kollege hat immer wieder eine kleine Spitze für dich parat oder trifft deine verbale Schwachstelle? In solchen Fällen lohnt es sich meist nicht, darauf einzugehen. Tu ihm nicht den Gefallen, dich auch noch zu ärgern oder runterziehen zu lassen, sondern schütze dich lieber vor negativer Energie. Manchmal ist auch die Kombi mit einem Rückzug hilfreich.

3. Analysieren – halte kurz inne und frage dich: ist die Situation wirklich so schlimm wie es gerade scheint? Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte und könnte ich irgendwie damit klar kommen? Diese Frage relativiert meist so einiges. Denn zumindest die Überlebenschance ist meist recht hoch.

Nachhaltig agieren – vorbeugende Strategien

Doch neben diesen Sofort-Reaktionsmöglichkeiten ist eine gewisse Grund-Gelassenheit durchaus empfehlenswert. Diese kannst du zum Beispiel durch folgende Maßnahmen trainieren:

4. Entspannungstechniken – egal, ob eine geführte Meditation (hier findest du verschiedene Meditationen), autogenes Training oder Yoga – alles, was uns in die Entspannung bringt, erhöht die Grundgelassenheit und hilft uns, nicht mehr so schnell in Rage zu geraten.

5. Bewegung – Bewegung ist nicht nur körperlich gesund, sondern erhöht auch die Stimmung. Und sie ist das beste Ventil, um aufgestauten Stress abzubauen und Emotionen rauszulassen. Durch Sport oder Bewegung aktivierst du zunächst das sympathische Nervensystem und bringst den Körper in (positiven) Stress. Danach wird automatisch das parasympathische Nervensystem in Gang gesetzt und somit die Erholung aktiviert.

6. Lachyoga – Lachen ist gesund und senkt Stresshormone. Zudem können viele Übungen aus dem Lachyoga uns konkret dabei unterstützen, bestimmte „Trigger-Situationen“ nicht so ernst zu nehmen und den Ärger lachend loszulassen. Humor und Lachen – der beste Weg, um gelassen zu bleiben. Angebote, siehe hier…

Doch wie Richard Lazarus schon festgestellt hat: die Bewertung ist entscheidend. Wie können wir also unsere innere Einstellung verändern, um nicht so leicht aus der Fassung zu geraten, wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns vorstellen? Hier ein paar Strategien.

Innere Einstellung verändern – kognitive Tricks

7. Akzeptanz – Manchmal hilft nur eines, wenn die Situation ausweglos erscheint: Das, was ist, annehmen. Die Verspätung der Bahn kann ich nicht aufhalten, den Stau nicht wegzaubern. Auch meine Mitmenschen werden sich nicht ändern, nur weil ich das von ihnen erwarte. Also kann ich mir überlegen, ob ich mir das Leben zusätzlich schwer mache, indem ich mich ärgere, oder es eben erstmal annehme. Wenn bestimmte Menschen mir Energie rauben oder mir auf Dauer nicht gut tun, habe ich ja dann zumindest noch die Möglichkeit, Abstand zu nehmen (siehe „Umgang mit Deppen“ etc…).

8. Dankbarkeit – So unangenehm eine Situation auch sein mag – meist gibt es trotz allem immer einen Anlass, dankbar zu sein. Deine Chefin macht dir Druck, dass etwas noch bis Morgen fertig werden muss? Das mag nerven, aber immerhin scheinst du deinen Job gut zu machen, sonst würde sie dich nicht fragen. Und – du hast einen Job! Auch das kann so manches wieder relativieren. Siehe auch Blog zu Dankbarkeit…

9. Perspektive wechseln – Gerade wenn andere Personen im Spiel sind, kann es hilfreich sein, sich zu fragen, ob der andere wirklich eine böse Absicht hatte oder vielleicht einfach nicht nachgedacht hat. Vielleicht gibt es auch eine bestimmte Vorgeschichte genau mit diesem Menschen, und nur deshalb gehst du direkt hoch bei Anlässen, die dich vielleicht bei jemand anders gar nicht stören würden. Spannend wird es auch dann, wenn wir uns klar machen – das, was mich bei der anderen Person triggert, hat immer auch mit mir zu tun. In dem Fall ist diese mein perfekter „Arschengel“.

Eines ist klar: Gelassenheit ist nicht die Herausforderung, wenn alles gut läuft. Sondern dann, wenn alles schief geht. Ich muss gestehen, dass ich in meinen Beispielen nicht immer die Gelassenheit in Person war – weder bei der Zugverspätung noch, als dieser Blogartikel einfach im Nirvana meines Computers verschwunden war. Ich habe mich tierisch geärgert, mich aufgeregt und war gefrustet. Doch was hilft es – irgendwann habe ich die Lage akzeptiert und diesen Text einfach neu geschrieben. Wenn du bis hier gelesen hast, dann bin ich dir sehr dankbar. Ich atme tief durch, lache drüber und habe für das nächste Mal gelernt.

Gebet für Gelassenheit

Von Reinhold Niebuhr, amerikanischer Theologe

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.

 

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Emotionale Intelligenz

Emotionale Intelligenz – Schlüssel zum Glück?

Fünf Tipps, wie du sie fördern kannst

„Mama, wenn irgendwann doch eh Computer und Roboter unsere ganze Arbeit erledigen, dann brauchen wir doch eigentlich gar nichts mehr zu lernen, oder? Wozu gehe ich dann noch zur Schule?“ Ich liebe es, mich mit meinem Sohn über mögliche Zukunftsszenarien auszutauschen. So abwegig ist der Gedanke ja auch gar nicht, dass irgendwann künstliche Intelligenz einen Großteil der geistigen Arbeit für uns erledigen wird. Schließlich hält diese schon jetzt in immer mehr Lebensbereichen Einzug: selbst fahrende Autos sind keine Zukunftsmusik mehr, und längst lassen sich so ziemlich alle hochkomplexen Fragestellungen von Computern lösen, bei denen wir gedanklich schon lange aufgeschmissen wären.

Und doch bin ich überzeugt davon, dass ein solches Szenario nicht realistisch ist. Denn es gibt einen Bereich, in dem immer noch wir menschlichen Wesen jedweder künstlichen Intelligenz überlegen sind: die emotionale Intelligenz. Schon in den 20er Jahren hat der amerikanische Psychologe Edward Lee Thorndike den Begriff der „sozialen Intelligenz“ aufgebracht. Richtig bekannt wurde die Emotionale Intelligenz vor allem durch das Buch „EQ. Emotionale Intelligenz“ von Daniel Goleman.

Was ist emotionale Intelligenz?

Der Begriff „Emotionale Intelligenz“ bezeichnet eine Erweiterung des Intelligenzbegriffs um emotionale Fähigkeiten. Mit Intelligenz können wir komplexe Fragestellungen lösen, neue Inhalte verstehen oder bestimmte Fachkompetenzen entwickeln und anwenden. Mit „Emotionaler Intelligenz“ können wir uns selbst reflektieren, die eigenen Gefühle wahrnehmen und auch die Gefühle anderer Menschen erkennen und einordnen. Dadurch haben wir die Möglichkeit, die eigenen Emotionen zu beeinflussen und Umgangsweisen mit den Emotionen anderer Menschen zu finden. Eine hohe emotionale Intelligenz verschafft uns Zugang zu einer Art Bauchgefühl oder auch „höherer Weisheit“. Und das ist genau das, was uns Menschen von Robotern, Computern oder sonstigem unterscheidet. Zum Glück.

Denn emotionale Intelligenz ist auch der Faktor, der uns Menschen verbindet, der uns weinen, lachen, mitfiebern, mitfühlen und Gutes tun lässt. Das stärkt unsere Verbundenheit und sorgt am Ende dafür, dass wir Glück empfinden und glücklich sind. Und ist das nicht letztendlich der Grund, warum wir alle hier sind?

Warum ist emotionale Intelligenz so wichtig?

Mittlerweile gibt es viele Belege dafür, dass emotionale Intelligenz uns nicht nur erfolgreicher im Job macht, sondern uns auch leichter durchs Leben gehen lässt. Laut Goleman können sich Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz leichter an Veränderungen anpassen, sind belastbarer und erholen sich schneller von Stress. Sie verfügen über eine gute Resilienz (siehe auch Blogartikel zum Thema Resilienz), können sich gut motivieren und arbeiten effektiv auf ihre Ziele hin. Sie haben den Anspruch, nicht mit Ellbogen-Mentalität Karriere zu machen, sondern sie besitzen eine hohe soziale Kompetenz und legen auch bei anderen Wert darauf.

So manch eine ausgezeichnete Fachkraft ist schon daran gescheitert, wenn sie befördert wurde und es plötzlich darum ging, Teams zusammen zu halten und zu motivieren. Umgekehrt ist jedoch eine Leitungsfunktion nicht per se ein Beleg für emotionale Intelligenz. Bei so manch einer Führungspersönlichkeit dieser Welt würde man sich ein wenig mehr von dieser Fähigkeit wünschen – siehe Putin, Erdogan und co.

Emotionale Intelligenz lässt sich trainieren

Doch unabhängig davon, wie aussichtlos es bei manchen zu sein scheint, ist die gute Nachricht: Emotionale Intelligenz können wir lernen, trainieren und ausbauen. Goleman beschreibt 5 verschiedene Merkmale, die emotionale Intelligenz ausmachen. Und genau hier können wir ansetzen, um diese zu stärken. Folgende Säulen der emotionalen Intelligenz hat Goleman benannt:

1. Selbstreflektion

Hast du es schon mal erlebt, dass jemand sich verletzend, peinlich, überheblich oder grenzüberschreitend verhält und es nicht mal merkt? Er es womöglich weit von sich weist, wenn man ihn drauf anspricht und davon ausgeht, dass nur er Recht hat? Oft sind solche Menschen grundsätzlich „beratungsresistent“. Selbst wenn sie im ersten Moment sehr „selbstbewusst“ daher kommen, machen sie sich langfristig eher unbeliebt und schaden mit ihrem Verhalten vor allem sich selbst.

Menschen hingegen, die sich selbst reflektieren können, sind offen für Anregungen und (konstruktive) Kritik. Sie lernen immer dazu, hinterfragen regelmäßig ihre eigenen Werte und überprüfen, ob ihre Handlungsweise angemessen ist. Sie sind authentischer und weniger verletzbar – denn sie müssen nichts vor anderen verbergen.

Tipp: nimm dir Zeit, um deine Stärken und Schwächen aufzuschreiben und diese ehrlich zu hinterfragen. Zu welchen deiner Schwächen stehst du, in welchem Bereich möchtest du noch etwas verändern? Frage auch deine Freunde nach deinen Stärken und Schwächen und vergleiche dies mit deiner eigenen Wahrnehmung. Je mehr deine Eigen- und Fremdwahrnehmung im Einklang ist, umso entspannter lebst du. Schreibe dir die 10 Werte auf, die dir im Leben am wichtigsten sind. Z.B. Loyalität, Freundschaft, Erfolg, Liebe, Mitgefühl etc.

2. Selbstregulierung

Dies meint, dass man nicht nur die eigenen Gefühle erkennen kann, sondern auch die Fähigkeit hat, die eigenen Gefühle zu beeinflussen. Vielleicht kennst du diesen typischen „Grübelkreislauf“, in dem wir manchmal landen, wenn wir uns Sorgen machen oder bestimmte Konflikte im Leben haben. Wir zermartern uns das Hirn, sind vielleicht traurig, wütend oder verzweifelt und verlieren uns darin. Kein Wunder, dass wir in solchen Momenten nicht wirklich handlungsfähig sind. Wir fühlen uns den Umständen hilflos ausgeliefert.

Wenn wir uns jedoch bewusst machen, dass wir unseren Gefühlen nicht ausgeliefert sind, sondern diese auch steuern und beeinflussen können – ohne sie zu ignorieren – dann können wir etwas tun. Das bedeutet, unsere Selbstwirksamkeit anzuerkennen, die Gefühle wahrzunehmen und schließlich aktiv zu verändern.

Tipp: Willentlich und vom Verstand her ein Gefühl zu verändern fällt vielen schwer. Eine gute Möglichkeit ist es aber, über die körperliche oder mentale Ebene Gefühle zu verändern. Zum Beispiel durch Bewegung, Lachen, Lächeln, Body Moves (auf meinem Youtube-Channel findest du Beispiele), oder durch geführte Meditationen, die über das Unterbewusstsein neue positive Emotionen verankern.

3. Empathie

Die Gefühle anderer Menschen wahrnehmen und einordnen können – diese Eigenschaft ist auch in beruflichen Zusammenhängen mittlerweile eine der wichtigsten Erfolgsfaktoren geworden Wer über Empathie verfügt, ist nicht nur beruflich erfolgreicher, sondern auch beliebter und glücklicher: Empathische Menschen sind ausgeglichener, offener und können Beziehungen besser aufbauen und auch halten. Nicht nur im Beruf, sondern auch privat sind gute Beziehungen das A und O. Aus der Glücksforschung weiß man, dass gute und erfüllte Beziehungen dafür sorgen, dass wir länger, gesünder und zufriedener leben.

Tipp: Höre anderen Menschen einfach nur zu – ohne Kommentar, ohne Lösungen, ohne Ratschläge. Überlege dir, wie du handeln würdest, wenn du dieser Mensch wärst. Versuche, die Gefühle bei diesem Menschen zu erspüren und zu ergründen, wie diese entstanden sein könnten. Finde bei jeder Gelegenheit etwas heraus über andere Menschen. Zum Beispiel, was sie besonders macht, was sie bewegt, was sie motiviert und begeistert. Sieh es als Spiel.

Ich selbst erlebe es oft, dass ich Menschen einfach nur zuhöre und ab und zu mal nachfrage. Hinterher sagen diese mir dann „danke, das tat so gut, mit dir zu reden! Es hat mir geholfen, Klarheit zu bekommen und jetzt weiß ich genau, was zu tun ist.“ Ich schmunzle dann in mich hinein. Es bestätigt sich dann mal wieder, dass alles Wissen, was wir brauchen, bereits in uns ist.

4. Motivation

Wie oft habe ich es schon erlebt, dass Menschen sich für etwas begeistert haben, voll motiviert etwas begonnen haben und sobald die ersten Schwierigkeiten kamen, sehr schnell wieder aufgegeben haben. Motivation – bzw. Selbst-Motivation – entwickeln wir dann, wenn wir für etwas brennen. Wenn wir unsere Mission erkannt haben, wenn wir begeistert sind, dann verfolgen wir ein Ziel, ohne zu zweifeln, ohne zu fragen, ohne zu zögern. Selbst Rückschläge können wir dann gelassen hinnehmen. Und wir lassen uns von nichts und niemandem von unserem Plan abbringen. Für jedes Ziel, für jedes Projekt ist Motivation der Schlüssel zum Erfolg.

Tipp: Finde deine Herzensmission, völlig unabhängig von äußeren Erwartungen oder vermeintlich zu erreichenden Zielen. Überprüfe sie regelmäßig. Wenn es mal schwierig oder anstrengend ist, dann wirf nicht gleich alles hin, sondern frage dich, was du verändern kannst, um trotzdem deinen Weg zu gehen und deine Träume zu leben. Formuliere deine Glücksvision und visualisiere sie regelmäßig. In dem Kurs „aktiviere dein inneres Glück und leuchte“ findest du zahlreiche Anregungen dafür.

5. Soziale Kompetenz

Hier geht es nicht nur darum, die Gefühle anderer Menschen einzuordnen und nachzuvollziehen, sondern auch um eine gute Kommunikationsfähigkeit. Das bedeutet, dass wir selbst klar und überzeugend ausdrücken können, was uns bewegt, und dass wir andere zum Verstehen und Handeln motivieren können. Umgekehrt können Menschen mit hoher sozialer Kompetenz gut zuhören, mitfühlen und angemessen reagieren. Im beruflichen Zusammenhang können sie gut Teams bilden und führen. Sie sind imstande, Konflikte zu meistern und Probleme im Sinne aller zu lösen. Das Wohl anderer liegt ihnen am Herzen, sie können aber auch gut für sich selbst sorgen.

Tipp: Suche dir Gruppenaktivitäten, bei denen soziale Kompetenz eine Rolle spielt, z.B. Teamsport im Verein, oder auch ehrenamtliches Engagement. Auch gibt es gute Seminare und Angebote zum Thema Kommunikation oder Konfliktmanagement. Auch Lachyoga in der Gruppe ist eine hervorragende Möglichkeit, um die soziale Kompetenz zu stärken.

Vielleicht können ja ein paar dieser Anregungen dich oder Menschen in deinem Umfeld inspirieren. Wenn du diesen Artikel bis zum Ende gelesen hast und dich mit diesen Themen beschäftigst, dann gehe ich davon aus, dass du bereits eine hohe emotionale Intelligenz besitzt. Vielleicht inspiriert es dich ja auch, andere dabei zu begleiten oder es beruflich noch mehr einzusetzen. Gerade in der Wirtschaftswelt ist emotionale Intelligenz nötiger denn je. Sie trägt dazu bei, leichter und glücklicher durchs Leben zu gehen – für uns selbst und für unsere Mitmenschen.

„Ich hab dich lieb“ sagt mein Sohn abends im Bett zu mir. In diesem Moment fließt eine angenehme, wohlige und glückliche Welle von guten Gefühlen durch meinen Körper, wie ein warmes Licht, das sich bis in die letzte Zelle ausbreitet. Ein Glück, dass wir Menschen sind und keine Roboter!