Tiny Habits – die Macht der Mini-Schritte

Als ich zum ersten Mal in Indien war, habe ich Vipassana Meditation gelernt. Ich war 10 Tage lang in einem Schweige-Retreat, habe dort mehrmals am Tag anderthalb Stunden meditiert und meinen Geist so richtig runtergefahren. Kein Handy, keine Party, keine Gespräche, keine Ablenkung. Es war wie eine Art Reset für Körper und Seele.

Zurück in Deutschland bin ich hoch motiviert in den Alltag zurückgegangen. Das gute Gefühl aus Indien wollte ich mir bewahren. Jeden Tag habe ich mich hingesetzt und 1 ½ Stunden meditiert.

Doch ziemlich schnell habe ich es an einzelnen Tagen nicht geschafft. Berufliche Termine, Reisen, verschlafen –  ich fand einfach die Zeit nicht mehr, so lange zu meditieren. Also hab ich es wieder ganz gelassen. So oder ähnlich geht es nicht nur mir mit solchen Vorsätzen, sondern vielen anderen auch.

Das „Fogg Behavior Modell“

Der Sozialwissenschaftler Dr. BJ Fogg von der Stanford University forscht dazu seit Jahren. Er hat herausgefunden, dass große, unrealistische Ziele eher kontraproduktiv wirken, auch weil sie eben auf Dauer so schwer umsetzbar erscheinen. Deshalb können auch meist Neujahrsvorsätze nicht langfristig gehalten werden. Aus diesen Erkenntnissen heraus hat er  das „Fogg Behavior Modell“ entwickelt – oder auch „Tiny Habits Methode“ genannt.

Dieses Modell basiert auf seiner Erkenntnis, dass es viel einfacher ist, mit kleinen Schritten anzufangen als gleich den großen Wurf machen zu wollen. Wenn wir nur an das große Ziel denken, geben wir schneller auf.

Diese Erfahrung durfte ich selbst vor kurzem auf unserer Alpenüberquerung machen: hätte ich unterwegs daran gedacht, wie viele Kilometer oder auch Höhenmeter wir noch zu bewältigen haben, wäre ich wahrscheinlich sofort umgedreht. Stattdessen habe ich einen kleinen Schritt nach dem anderen gemacht, immer nur an den jeweiligen Schritt gedacht und bin so Schritt für Schritt zum Ziel gekommen.

Wie wir Alltagsroutinen als Erinnerung nutzen

Auch im normalen Alltag hilft es uns, wenn wir eine kleine tägliche Handlung in die Tagesroutine einbauen, statt uns gleich das Große orzunehmen. Jeden Tag nach der Arbeit eine Viertelstunde um den Block laufen, statt 10 Kilometer zu joggen.

Hilfreich ist es dabei auch, bestimmte „Auslöser“ einzubauen, die uns daran erinnern. Zum Beispiel:

  • Direkt nach dem Aufwachen überlege ich mir eine Intention für den neuen Tag
  • Nach jedem Telefonat lächle ich bewusst eine Minute lang
  • Nach jedem Wechsel einer Tätigkeit stehe ich auf und mache eine Dehnübung
  • Nach jedem Toilettengang mache ich eine Atemübung
  • Nach jedem Verkaufsgespräch (wahlweise auch davor) mache ich eine Power Pose
  • An jeder roten Ampel beim Auto fahren lache ich
  • Nachdem ich ins Bett gegangen bin, benenne ich 3 Dinge, für die ich dankbar bin.

Was braucht es, um dran zu bleiben?

Fogg hat in seiner Forschung drei Dinge identifiziert, die unser Verhalten bestimmen: Motivation, Fähigkeit und Auslöser.

Er fand heraus, dass Motivation allein nicht ausreicht und sich nicht langfristig hochhalten lässt. Sie schwankt, und darauf können wir uns nicht verlassen.

Wichtig ist vielmehr die Fähigkeit, mit der wir uns zutrauen, etwas zu schaffen. Wenn wir nie trainiert haben, aber uns von vornherein vornehmen, jeden Tag 10 Kilometer zu laufen, dann ist dies von Anfang an eine ziemlich frustrierende Erfahrung. Wir sollten uns also etwas auswählen, was niedrigschwellig und machbar ist. Den Gang um den Block statt den 10-KM-Lauf.

Die Auslöser – oder auch „Trigger“ wirken wie kleine Erinnerungen, damit wir etwas wirklich tun. Das heißt, wir nehmen eine Routine, die wir ehedem jeden Tag ausführen (Zähne putzen, die Wohnungstür aufschließen, Schuhe ausziehen, zur Toilette gehen, die Spülmaschine ausräumen etc), um uns zu erinnern.

Erst anfangen, dann steigern

Der Trick dabei ist, ein vorhandenes Verhalten zu nutzen, um dann ein neues Verhalten – eine Tiny Habit – zu etablieren. Das, was ich eh erledigen muss, ist die Erinnerung an das neue Verhalten. Und wenn wir dieses Verhalten erstmal in den Tag eingebaut haben, dann kann es sogar passieren, dass wir es mit der Zeit steigern. Aus dem Gang um den Block wird eine 3-Kilometer-Jogging-Runde. Aus einer Liegestütz nach dem Toilettengang werden zehn. Aus einer Morgenseite täglich wird irgendwann ein Buch.

Doch das wichtigste dabei: es ist durchhaltbar. Denn statt Frust oder Schuldgefühlen haben wir Erfolgserlebnisse. Jedesma, wenn wir die Tiny Habit umgesetzt haben, entstehen positive Emotionen. Wir sind stolz und bleiben motiviert. Wir haben den Anfang gemacht – und bleiben dabei. Im yoga habe ich gelernt, dass es 40 Tage braucht, bis etwas zur Gewohnheit wird (siehe auch das Video „die 40 Tage Formel“).

 

Fünf Anregungen: So startest du mit Tiny Habits

  1. Wähle etwas Winziges
    Starte mit einer Gewohnheit, die weniger als 30 Sekunden dauert (z. B. eine Dehnübung, eine Atemübung, 1 Minute Lachen, eine Affirmation sprechen).
  2. Verknüpfe es mit etwas Bestehendem
    Nutze den Satz: „Nach [bestehende Routine] mache ich [neue Mini-Handlung].“
    Beispiel: „Nachdem ich Mittag gegessen habe, mache ich 3 Dehnübungen.“
  3. Feiere jeden Erfolg
    Sag dir bewusst „Yes!“ mit einer Powergeste, lächle oder klopfe dir auf selbst auf die Schulter. Positive Emotionen ermutigen dich und bringen dir Leichtigkeit
  4. Sei geduldig und neugierig
    Es geht nicht um Leistung, sondern ums Dranbleiben. Wenn du Lust hast, darf deine Mini-Handlung größer werden – aber sie muss es nicht.
  5. Bau Schritt für Schritt aus
    Wenn eine Tiny Habit sitzt, kannst du eine weitere hinzufügen. So wächst dein neues Alltagssystem Stück für Stück.

Große Veränderungen beginnen oft unsichtbar klein. Tiny Habits sind wie kleine Samen, die du in deinen Alltag pflanzt – und die mit der Zeit zu stabilen, stärkenden Routinen heranwachsen. Du musst nicht dein ganzes Leben umkrempeln. Fang heute an – mit einem winzigen Schritt.

Ich habe übrigens irgendwann wieder angefangen zu meditieren. Nicht anderthalb Stunden, nicht eine Stunde, sondern 10 Minuten. Das passt in meinen alltag und fühlt sich gut an.

Tipp für die Umsetzung: die Happy Break

Du brauchst noch Ideen für Tiny Habits oder Begleitung bei der Umsetzung, gemeinsam mit anderen? Dann ist die Happy Break genau richtig für dich! Jeden Dienstag und Donnerstag um 12:30 bieten wir dehnen, atmen, lachen per Zoom an.

In diesen 15 Minuten sind alle Tiny Habits enthalten, die unsere Energie erhöhen und die Freude aktivieren: dehnen, atmen, entspannen, tanzen, Power Poses, uns selbst loben und motivieren, Affirmationen für Selbstliebe, Klarheit und Gelassenheit.

Komm jetzt in unsere Community und lass dich inspirieren…

Alles Unsinn? Vielfalt und Teilhabe als Glücksfaktor

„Diskriminierender Unsinn“…

… so hat US-Präsident Trump vor kurzem das bezeichnet, wofür jahrelang  unter dem Begriff „Vielfalt, Teilhabe und Inklusion“ gekämpft wurde. Im Englischen sagt man dazu  „DEI“, das bedeutet die Abkürzung für „Diversity, Equity & Inclusion“. Trump hat dem „Woke Wahnsinn“ den Kampf angesagt, findet das alles lächerlich und reine Verschwendung. So hat er mit wenigen Worten mal eben das vom Tisch gefegt, was sich in vielen Lebensbereichen gerade etabliert hatte.

Trump erteilt damit auch bestimmten Werten eine Absage die eine gute Demokratie ausmachen: Solidarität, Gleichberechtigung Teilhabe, Gemeinschaft, Engagement und gegenseitige Unterstützung. Er hat Programme verboten, die dafür sorgen, dass alle die gleichen Chancen haben, unabhängig von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, körperlicher Einschränkung oder sexueller Orientierung. Mehrere amerikanische Firmen wie Meta, Mc Donalds und Disney haben nachgezogen (siehe hier…), und sogar europäische Firmen wie Aldi oder Novartis haben bereits entsprechende Hinweise von der Website genommen (siehe hier…). Manche stillschweigend, manche unter fadenscheinigen Begründungen. Die Gesellschaft müsse „wieder leistungsfähig werden“, heißt es bei einigen.

Doch sind diese Programme wirklich ein Hindernis für die Leistungsfähigkeit einer Gesellschaft? Und geht es am Ende überhaupt darum, dass wir „leistungsfähig“ sind? Oder ist es nicht viel wichtiger, dass wir in einer gesunden, erfüllten und glücklichen Gemeinschaft gut miteinander leben können?

Vielfalt ist kein Luxusthema

Mein Bauchgefühl sagt mir, dass es grundsätzlich und immer wichtig ist, für andere Menschen da zu sein und sie zu unterstützen. Wenn es ihnen nicht so gut geht, aber auch allgemein. Ich finde eine Gesellschaft, in der Solidarität und Teilhabe selbstverständlich sind, lebenswerter als eine Ellbogen-Mentalität, in der jeder nur noch seinen eigenen Vorteil verfolgt.

Doch was sagen die Fakten dazu? Geht es hier nur um ein „Bauchgefühl“, einen „Akt des Goodwill“, oder gibt es vielleicht noch andere Gründe, die für diese Werte sprechen? Hier ein paar Erkenntnisse dazu.

1. Happiness Report: Je mehr Teilhabe, umso glücklicher die Gesellschaft

In der Wirtschaft wird der Erfolg und die Leistung eines Landes über das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gemessen.

Doch es gibt auch noch andere Kriterien: Zum Beispiel das „Bruttonationalglück (BNG)“, durch das nicht nur das kleine Land Bhutan bekannt ist (siehe hier…), sondern an dem sich auch Länder wie Island, Neuseeland oder Schottland orientieren. Hierbei geht es nicht nur um die wirtschaftliche Kraft, sondern der Fokus liegt auf dem Wohlergehen und auch der psychischen Gesundheit der gesamten Bevölkerung.

Weiterhin gibt es den „World Happiness Report“. In diesem Ranking werden Länder zusätzlich zum BIP danach bewertet, wie stabil die Demokratie ist, inwieweit die Menschen sich an Entscheidungen beteiligen können, wie gut das Gesundheitssystem ist oder ob es Korruption gibt.

Es zeigt sich: vor allem Länder, in denen eine gute, stabile Demokratie herrscht und Teilhabe gelebt wird, sind ganz oben auf der Liste mit dabei. Zum Beispiel Dänemark, Niederlande, die Schweiz und an Platz 1 Finnland. Deutschland hat es diesmal nur auf Platz 24 geschafft. Es gibt also viel zu tun.

2. „Diversity wins“ in der Arbeitswelt

Ähnliche Erkenntnisse gibt es aus Unternehmen. Eine Studie von McKinsey aus dem Jahr 2020 (siehe hier…) hat festgestellt, dass Unternehmen, die Geschlechtergerechtigkeit in ihr Management einbeziehen, eine 25 % höhere Wahrscheinlichkeit haben, erfolgreicher zu sein als andere. Auch Unternehmen, die ihre Führungsteams interkulturell besetzen, schneiden besser ab.

Für die meisten Unternehmen ist es somit längst kein Akt des Altruismus mehr, wenn sie Work Life Balance unterstützen, Gesundheitsprogramme anbieten oder für Familienfreundlichkeit sorgen. Sie haben eine höhere Mitarbeiterbindung und gewinnen im „War of Talents“ die besten Fachkräfte für sich. Die Fluktuation ist niedriger, die Fehlzeiten durch Krankheitstage sind geringer.

Vielfalt und Inklusion erhöhen die Kreativität. Wenn viele unterschiedliche Menschen gemeinsam Ideen entwickeln, dann mag das am Anfang anstrengend erscheinen und vielleicht auch Reibung geben. Aber am Ende entsteht Innovation.

3. Solidarität macht glücklich

Auch für jeden einzelnen persönlich sind Werte wie Solidarität, Mitgefühl und Empathie keine Einbahnstraße (siehe auch den Blogartikel zu „Engagement macht glücklich“). Wenn wir anderen helfen oder einfach nur jemandem etwas Freundliches sagen, werden Glückshormone aktiviert. Warm Glow Effekt nennt man das, wenn dieses wohlige, warme und angenehme Gefühle entsteht.
Viele weitere Studien belegen, dass Menschen, die sich ehrenamtlich oder sozial engagieren, langfristig zufriedener sind und mehr Selbstbewusstsein haben. Sie fühlen sich erfüllter und sehen mehr Sinn in ihrem Dasein. Wenn wir also andere Menschen unterstützen, dann haben wir selbst davon mindestens genauso viel davon wie diejenigen, die unterstützt werden.

Wir brauchen leuchtende Beispiele

Wenn also all die Werte, die mit Vielfalt, Teilhabe und Inklusion einhergehen, nicht mehr so wichtig zu sein scheinen, ist es umso wichtiger, nicht zu resignieren. Im Gegenteil: gerade jetzt sollten wir diese Werte hoch halten! Dafür braucht es Menschen, die leuchten, und die mit gutem Beispiel vorangehen. Und es braucht viel Kraft und Resilienz, um klar zu den eigenen Werten zu stehen.

Fünf Qualitäten, die uns unterstützen

Bist du dir ganz klar dessen bewusst, wofür du stehst, welche Werte dir wichtig sind? Bist du jemand, der mit gutem Beispiel vorangehen, etwas verändern möchte? Möchtest du dein Leuchten nicht verlieren, sondern optimistisch bleiben und an das Gute glauben? Dann können diese fünf Anregungen dich dabei unterstützen:

  1. Selbstbewusstsein

Kennst du deine Stärken und Schwächen und kannst dazu stehen? Kennst du deine Fähigkeiten und Talente und lebst diese? Wir brauchen in diesen Zeiten gutes Selbstbewusstsein und mentale Stärke, bzw. „Resilienz“. Das bedeutet, dass wir uns nicht umhauen lassen, wenn mal Gegenwind kommt. Dass wir uns selbst lieben können, mit all deinen Stärken und Schwächen, die uns ausmachen.

  1. Mut

Manchmal erfordert es Mut, mal gegen den Strom zu schwimmen, seine Meinung zu äußern, oder für das einzustehen und zu kämpfen, was uns wichtig ist. Vielleicht ist es auch hier und da mal erforderlich, einen Schritt aus der Komfortzone heraus zu tun. Mut unterstützt uns in allen Lebenslagen, und wir können diesen sogar trainieren.

  1. Gelassenheit

Geht es dir auch manchmal so, dass die Welt gefühlt in Panik versinkt? Die Nachrichten prasseln ununterbrochen auf uns ein, die Medien schaukeln sich gegenseitig hoch, die düstersten Aussichten werden noch ausgeschlachtet.

Erschaffe dir Momente, in denen du abschalten und innehalten kannst. Still werden auf deine eigene Seele lauschen. Dabei helfen Meditation, Atemübungen, Achtsamkeitsübungen oder einfach nur ein Waldspaziergang.

  1. Verbundenheit

Suche dir Gleichgesinnte, vernetze dich. Schau dass du nicht Einzelkämpfer:in bleibst, sondern dich mit anderen Menschen verbindest. Ob beruflich oder privat: Aus der Glücksforschung weiß man, wie wichtig es ist, gute und erfülle erfüllte Beziehungen zu haben.

Damit sind nicht Social Media Freunde oder Follower gemeint, sondern echte persönliche, authentische Kontakte. Suche nach Möglichkeiten, um offline Kontakte zu pflegen. Ein Gespräch im Café, ein gemeinsamer Spaziergang, spontan Freunde einladen – all das hilft, um mal abzuschalten und sich verbunden zu fühlen.

  1. Humor und Lachen

Egal wie schwer auch die Zeiten zu sein scheinen, wenn wir dabei das Lachen vergessen, dann ist keinem geholfen. Kultiviere Humor, aktiviere die Lebensfreude und den Spaß! Lachyoga kann dir dabei helfen. Durch Humor und Lachen sorgen wir auch dafür, den Optimismus zu bewahren, eine wichtige Voraussetzung für Resilienz.

Unsinn ist Unsinn

Das, was Trump als „Unsinn“ bezeichnet, mag er abwertend gemeint haben. Doch Unsinn hat auch etwas Positives. Lasst uns also den Unsinn kultivieren! Lasst uns albern sein, kreativ, verspielt und verrückt! Und vielleicht wird genau das verrückt sein uns am Ende davor bewahren, völlig verrückt zu werden.

Mental Health im Business: Fürsorge oder Farce?

Neulich wurde ich angefragt, in einem IT-Unternehmen einen „Mental Health Parcours“ zu begleiten. Es gab dort verschiedene kleine Spiele, Infos, Tipps und Inspirationen zu Themen wie „Dankbarkeit“, „Achtsamkeit“, „Emotionen“ und „Stress-Management“.

Die Mitarbeiter:innen des Unternehmens waren sehr interessiert, es gab interessante Gespräche, die sehr schnell über Small Talk hinausgingen. Fast jeder kannte im privaten Umfeld einen Menschen, der oder die an einer psychischen Störung erkrankt ist.

Die meisten Kolleg:innen freuten sich über dieses Angebot und schätzten es, dass ihr Arbeitgeber sich für mehr Bewusstsein zum Thema „Psychische Gesundheit“ einsetzt.

Hinter der Fassade sieht’s anders aus

Doch nicht alle sahen es so: Gegen Ende des Aktionstages kam eine Mitarbeiterin zu mir, die sichtlich unzufrieden war. „Was nützt mir das ganze Gedöns hier, wenn sich auf dem Schreibtisch die Arbeit türmt? Wenn ständig Stellen gestrichen werden und immer weniger Leute immer mehr Projekte stemmen müssen? Das ist doch fadenscheinig!“ fuhr sie fort. „…und einfach nur Symptom-Behandlung, statt sich um die wahren Ursachen der psychischen Belastung zu kümmern!“

Ich kann ihren Frust verstehen und höre das nicht zum ersten Mal. Ich argumentiere dann gerne so, dass es doch trotzdem gut ist, wenn eine Firma überhaupt etwas für die Mitarbeiter:innen tut, selbst wenn die Beweggründe eher profitorientiert statt menschenorientiert sind.

Die Vorteile von Mental Health in Unternehmen

Immerhin haben ja viele Chef:innen mittlerweile erkannt, dass das, was für die Mitarbeiter:innen gut ist, auch dem Wohle der Firma dient. Viele Unternehmen haben mittlerweile sogar die psychische Gesundheit der Angestellten als Erfolgsfaktor erkannt. Die Argumente sprechen für sich:

  1. Produktivität und Effizienz

Psychisch gesunde Mitarbeiter sind motivierter, fokussierter und belastbarer. Studien zeigen, dass Unternehmen, die auf das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter achten, oft produktiver sind und eine geringere Fehlerquote aufweisen.

  1. Kostensenkung

Psychische Erkrankungen wie Burnout oder Depression sind häufige Gründe für Fehlzeiten und langfristige Arbeitsausfälle. Prävention und frühzeitige Unterstützung können nicht nur die mentale und körperliche Gesundheit der Mitarbeiter verbessern, sondern durch weniger Fehlzeiten auch erhebliche Kosten sparen.

  1. Unternehmenskultur und Mitarbeiterbindung

Ein Unternehmen, das sich um die psychische Gesundheit seiner Angestellten kümmert, schafft eine positive Arbeitsatmosphäre. Dies stärkt die Bindung der Mitarbeiter:innen an das Unternehmen und verbessert das Image des Arbeitgebers.

Alles beginnt mit den Führungskräften

Das sind gute Gründe. Doch solche Maßnahmen verpuffen, wenn die Chef:innen selbst eine solche Unternehmenskultur nicht vorleben.

Ein Haupt-Kündigungsgrund von Angestellten ist immer noch die Tatsache, dass sie mit den Vorgesetzten nicht klarkommen. Auch die emotionale Bindung an den Arbeitgeber sinkt von Jahr zu Jahr. Im Jahre 2023 betrug diese laut Gallup Engagement Index nur noch 19%.

Herausforderungen für Unternehmen

Hinzu kommen verschiedene Herausforderungen, die mit dem Thema „Mental Health“ in Unternehmen verbunden sind:

Tabu-Thema
Trotz steigender Offenheit sind psychische Krankheiten bei vielen noch ein Tabu-Thema. Wer mag schon Vorgesetzten gestehen, dass er psychische Hilfe braucht – und womit möglicherweise nur noch eingeschränkt leistungsfähig ist?

Wenn nicht gerade ein solides Burn-Out vorliegt, in das man ja durch exzessive Leistung und Engagement gerutscht ist (und es somit gesellschaftsfähig ist), dann sollte man mit Depressionen oder Ängsten nicht gerade auf der Betriebs-Weihnachtsfeier hausieren gehen.

Ressourcenmangel
Viele Unternehmen haben nicht die Ressourcen oder Fachkräfte, um sich diesen Themen zu widmen. Gerade in Zeiten von schwieriger Wirtschaftslage haben sie andere Sorgen, müssen kurzfristig auf die aktuellen Entwicklungen reagieren oder können den langfristigen Nutzen nicht erkennen.

Stress ist schick
Hinzu kommt, dass sich zwar das Bewusstsein in den letzten Jahren verändert hat, es aber trotzdem immer noch „schick“ ist, viel Stress zu haben und viel zu leisten. An vielen Stellen herrscht immer noch eine Mentalität, die es erwartet, sich zu verausgaben, statt „Selfcare“ zu betreiben.

Überstunden zu leisten und Arbeit mit nach Hause zu nehmen sind immer noch angesehener als um Punkt 17:00 Feierabend zu machen. Hinzu kommt die ständige Erreichbarkeit durch Home Office und digitale Vernetzung, der viele kaum noch entgehen können.

Trotz dieser Herausforderungen sollten Unternehmen sich mit diesem Thema beschäftigen. Kaum eine Firma kann es sich derzeit leisten, dass die Menschen innerlich kündigen oder womöglich langfristig wegen psychischer Krankheiten ausfallen.

Fünf Anregungen für Mental Health im Business

Was können Unternehmen also tun, damit das Thema „Mental Health“ nicht als Farce angesehen wird oder als „aufobtruiert“ empfunden wird? Wie können Führungskräfte ein neues Bewusstsein erschaffen, in dem die Kolleg:innen offen reden können, sich verstanden fühlen und sich vielleicht sogar gegenseitig unterstützen?

Folgende Voraussetzungen sind meines Erachtens nach wichtig, um das Thema „Mental Health“ in Unternehmen voranzubringen:

  1. Kommunikation ist alles

Egal, ob HR Manager:in, Führungskraft oder externe Trainer:in: Alle Beteiligten sollten dafür sorgen, dass das Thema Mental Health sein „Tabu“ verliert. Wo auch immer du in einem Unternehmen Berührungspunkte hast: Erschaffe auf deine Art und Weise ein Arbeitsumfeld, in dem offen über psychische Gesundheit – und somit auch über psychische Probleme – gesprochen werden kann.

Ermutige die Führungskräfte, das Thema anzusprechen und Unterstützung zu signalisieren. Durch eine gute und offene Kommunikation kann neues Bewusstsein für dieses Thema entstehen.

 

  1. Nicht erst handeln, wenn es zu spät ist: Prävention

Nicht ohne Grund bieten immer mehr Unternehmen verschiedenste Kurse an, zum Beispiel im betrieblichen Gesundheitsmanagement oder als Weiterbildung. Dazu gehören Stress-Management-Trainings, Achtsamkeitskurse, Yoga, Autogenes Training, Resilienz-Training etc.

Lachyoga ist hier eine optimale Methode, die gleich verschiedene Aspekte miteinander verbindet: die Teilnehmer:innen kommen in Bewegung und tun gleichzeitig etwas für ihr mentales Wohlbefinden. Durch die Übungen entsteht ein Verbundenheitsgefühl, was auch den Teamspirit und die Motivation steigert.

 

  1. Zugang zu professioneller Hilfe erleichtern

Die Menschen sollten nicht nur über das Thema sprechen können, sondern auch Möglichkeiten der Unterstützung erhalten, ohne sich gleich direkt zu „outen“. Immer mehr Unternehmen bieten deshalb anonymen Zugang zu Beratungsdiensten, Coaches oder Psychologen an.

 

  1. Gute Work-Life-Balance

Wenn ich in Unternehmen unterwegs bin, stelle ich immer wieder fest: der beste Stress-Management-Workshop nützt nichts, wenn die Angestellten gleichzeitig mit Arbeit überladen sind, die sich auf dem Schreibtisch häuft – siehe oben.

Jeder sollte die Möglichkeit haben, genügend Pausen einzulegen, und auch im Home Office sollte keiner 24/7 erreichbar und verfügbar sein müssen (siehe auch den Blogartikel zu Work-Life-Balance).

 

  1. Alles beginnt mit den Führungskräften

Wenn sich etwas verändern soll, dann beginnt dies mit einem Umdenken bei den Chef:innen. Diese müssen erkennen, dass entspannte und motivierte Mitarbeiter:innen produktiver sind als übergestresste Menschen oder solche, die innerlich schon gekündigt haben. Führungskräfte sollten geschult werden, Anzeichen von Überlastung zu erkennen und angemessen zu reagieren. Sie sollten lernen, wie sie offen und authentisch kommunizieren können, aber auch, welche Methoden und Möglichkeiten es gibt, um ihr Team zu unterstützen.

Fazit: Mental Health ist ein wichtiges Win-Win

Ich bin davon überzeugt, dass „Mental Health“ ein Thema ist, in dem es noch viel Aufklärungs- und Handlungsbedarf gibt. Egal, ob du Führungskraft, Business Trainer:in, Coach, HR-Manager:in oder Angestellte:r bist: Wir alle sollten dafür sorgen, dass wir nicht nur funktionieren, sondern dass wir für unsere Bedürfnisse einstehen und für uns selbst sorgen können. Dadurch können wir Vorbilder für andere sein und sie dazu ermutigen, ebenfalls für sich einzustehen.

Wenn wir privat und beruflich authentisch bleiben, statt anderen etwas vorzugaukeln, dann sind wir auf dem Weg zu einem neuen Miteinander. Das hat auch zur Folge, dass Menschen mit psychischen Erkrankungen sich besser verstanden und gesehen fühlen. Was wiederum dazu führen könnte, dass psychische Erkrankungen früher erkannt und behandelt werden, bevor jemand monatelang krank ist.

Zum Abschluss der Aktion erzähle ich dem Geschäftsführer der Niederlassung von der Skepsis der Mitarbeiter:in. „Ja, irgendjemand hat immer etwas an dem auszusetzen, was wir tun. Aber wir machen trotzdem weiter.“ Mit einer solchen Einstellung ist schonmal viel gewonnen, denke ich mir. Nicht nur für seine Niederlassung, sondern auch für die Menschen, die hier arbeiten.

Vagusnerv

Wellness-Booster Vagusnerv

Wie der „Wundernerv“ wirkt und was an dem Hype dran ist

Neulich hatte ich eine Lehrerin im Seminar: Carina. Gerade sitzen wir mit ein paar Leuten im Essensraum des Seminarhauses und tauschen uns über die Situation heutiger Lehrkräfte aus, da sagt sie: „Am Anfang einer jeden Unterrichtsstunde mache ich erstmal Vagusnerv-Übungen mit den Schülern, das hilft total.“ Wir nicken beeindruckt.

Immer wieder wird im Zusammenhang mit Stress-Management und mentaler Gesundheit der „Vagusnerv“ genannt. Scheint ja ein wahrer „Wundernerv“ zu sein, um den mittlerweile ein regelrechter Hype entstanden ist. Zahlreiche Übungen für den Vagusnerv finden sich im Internet, um durch dessen Stimulation für Entspannung und mentalen Ausgleich zu sorgen.

Der Hype ist nicht ganz unberechtigt: Der Vagusnerv ist der längste Nerv in unserem Körper und spielt eine wichtige Rolle bei der Verdauung, dem Herz-Kreislauf, der Atmung und vielem mehr. Er reguliert alle wichtigen Organe wie Herz, Lunge, Zwerchfell und Darm.

Wo sitzt der Vagusnerv?

Der Vagusnerv verläuft vom Darm aus über Brust und Hals bis ins das Gehirn hinein und ist die wichtigste Verbindung zwischen Organen und Gehirn. Er ist Teil des vegetativen (oder auch autonomen) Nervensystems, das alle Abläufe im Körper regelt, die wir nicht selbst steuern können. Also Atmung, Herzschlag und Stoffwechsel.

Ganz im Gegensatz zum willkürlichen Nervensystem, dessen Vorgänge wir willentlich beeinflussen können, zum Beispiel ob wir den kleinen Finger heben (Muskelaktivität).

Zum vegetativen (autonomen) Nervensystem gehören auch das sympathische und das parasympathische Nervensystem. Diese ziehe ich dann immer gerne in meinen Kursen heran, wenn es um Stress-Management geht.

Wenn jemand gähnt, dann nicht aus Langeweile über meinen Kurs (hoffentlich!), sondern weil durch die Entspannungsübungen das parasympathische Nervensystem aktiviert wird. Das ist mir immer wichtig zu sagen.

Das sympathische Nervensystem ist dafür zuständig, dass wir uns in Stress-Situationen voll fokussieren und alle Kraft einsetzen können, um mit Kampf oder Flucht zu reagieren. Alle weiteren Körperfunktionen (Verdauung, Schlaf, Lustempfinden etc.) werden runtergefahren. Der Kampf gegen den Säbelzahntiger kann beginnen. so war es zumindest früher mal. Heute ist es vielleicht die cholerische Chefin oder das schreiende Kind.

Das parasympathische Nervensystem hingegen ist wichtig für die Entspannung und Erholung. Nach einer Stress-Situation sorgt es dafür, dass wieder neue Energie bereitgestellt wird. Während früher die Menschen am Lagerfeuer gechillt haben, sind es heute die Netflix-Serien (manchmal muss das sein) oder der Spaziergang im Wald (manchmal sollte es sein).

Der Vagotonus – entscheidend für Resilienz

Hier kommt der Vagusnerv ins Spiel. Wenn der gut funktioniert, dann ist es leichter für uns, aus einer Stress-Situation heraus schnell und effektiv wieder in einen Entspannungszustand zu kommen.

Vielleicht stand ich gerade eine Stunde lang im Stau und lasse mir die Laune trotzdem nicht verderben. Vielleicht musste ich Nachtschichten schieben, um meine Umsatzsteuer-Voranmeldung zu machen und mir reicht eine Kurzentspannung, um wieder fit zu sein. In dem Fall haben wir eine hohe Aktivität des Vagusnervs und sprechen von einem hohen Vagotonus. Langfristig wirkt sich dieser positiv auf unsere Resilienz aus.

Wenn wir allerdings ständig Stress haben und dieser zu chronischem Stress ausartet, dann kann das den Vagotonus beeinträchtigen. Ist der zu niedrig, dann werden wir noch anfälliger für Stress und sogar für Angstzustände. Wir geraten in einen Kreislauf aus Zeitdruck, Zukunfts- und Existenzangst und nehmen uns keine Zeit mehr für den Waldspaziergang. Irgendwann bleiben nur noch Netflix und Rotwein. Aber das hilft dann auch nicht mehr.

Um dieses Stadium frühzeitig zu verhindern, könnte uns die Aktivierung des Vagusnervs helfen, um wieder in eine innere Balance zu kommen.

Polyvagaltheorie – wie Stress auf unsere Gefühle wirkt

Doch das ist nicht alles. Mit der „Polyvagaltheorie“ hat Stephen Porges (erstmalig 1995) beschrieben, dass sogar unsere emotionalen Reaktionen eng mit dem autonomen Nervensystem verbunden sind.

Das bedeutet: Stress-Situationen lösen nicht nur eine körperliche Reaktion aus, sondern sie haben auch einen Einfluss auf unsere Gefühle und die damit verbundene Handlung. Das führt dazu, dass wir zum Beispiel manchmal impulsiv reagieren, selbst wenn wir es nicht wollen. Vielleicht schreien wir das bockige Kind an oder den Partner und ärgern uns direkt danach über uns selbst.

Je nachdem, wie flexibel das Nervensystem zwischen den Zuständen von Stress und Entspannung wechseln kann – was wiederum durch den Vagusnerv beeinflusst wird – werden  so auch langfristig unser Verhalten, unsere Emotionen und unsere Beziehungen geprägt.

Wer immer gleich ausrastet, macht sich keine Freunde oder riskiert gar seinen Job.

Der Vagusnerv und die Glückshormone

Der Vagusnerv beeinflusst auch auf andere Art unsere Stimmung. Er ist daran beteiligt, dass bestimmte Neurotransmitter – zum Beispiel die Glückshormone Serotonin und Dopamin –  produziert und transportiert werden. Wenn wir also den Vagusnerv stimulieren, dann steigt die Produktion dieser Neurotransmitter und wir verspüren mehr Glücksgefühle und Motivation (siehe auch Blogartikel „Glückshormone“).

Mit nur wenigen Sekunden bis Minuten Zeitaufwand können wir also mit rein körperlichen Maßnahmen den Groll loslassen oder mit frischem Schwung das neue Projekt angehen. Es kann so einfach sein!

Was sonst noch zählt

Nicht nur die emotionale Befindlichkeit, sondern erstaunlich viele andere Prozesse im Körper werden durch den Vagusnerv beeinflusst und können durch entsprechende Übungen verbessert werden:

  • Der Blutdruck und die Herzfrequenz sinken.
  • Die Atmung wechselt von der Brust- zur tieferen Bauchatmung.
  • Die Verdauung wird angeregt und die Magen-Darm-Passage beschleunigt.
  • Die Muskelspannung sinkt.
  • Das Immunsystem wird angeregt.
  • Chronische Schmerzen können nachlassen.
  • Entzündungen können reduziert werden

 

Übungen zur Aktivierung des Vagusnervs

 Hier findest du eine Auswahl an Beispielen für Vagusnerv-Übungen. Vielleicht hast du ja mal Lust, sie auszuprobieren.

  1. Tiefe Bauchatmung

Lege beide Hände auf den unteren Bauch und stell dir beim Einatmen vor, dass dein Bauch sich wie ein Luftballon füllt. Atme länger ein als du ausatmest. Atme dabei durch die Nase ein und mit geräuschlosem Pfeifton durch den Mund wieder aus. Führe diese Atemübung 3 Minuten lang durch.

  1. Massage

Nimm beide Zeigefinger und setze sie hinter den Ohren an. Dann beginne mit kreisenden Bewegungen zu massieren, ca. 3 Minuten.

  1. Yoga

Yoga ist die optimale Kombination aus Dehnung, Bewegung und Atem um den Vagusnerv zu stimulieren. Möglichkeiten dazu findest du unter anderem hier…

  1. Lachyoga

Beim Lachen praktizieren wir automatisch die tiefe Bauchatmung und trainieren das Zwerchfell, was beides auch für eine Stimulation des Vagusnervs führt. Hinzu kommt die positive soziale Interaktion mit anderen Menschen, so dass wir auf allen Ebenen für Entspannung und gute Stimmung sorgen. Möglichkeiten, siehe hier…

  1. Summen

Atme tief ein und beginne, ausatmend zu summen, zum Beispiel auf „Hammmmmm“. Summe so lange, bis die Luft aus der Lunge (fast) vollständig entleert ist.

 

Fazit: Vagusnerv als Wohlfühlbooster?

Auch wenn sich die Studien bezüglich des Vagusnervs bisher auf elektrische Stimulation beziehen und es über die „Selbstbehandlung“ bisher kaum Belege gibt, bin ich überzeugt davon, dass es sich lohnt, die Übungen mal auszuprobieren.

Letztlich sind es Übungen, die wir sowohl im Yoga als auch im Lachyoga ehedem praktizieren und bei denen wir am eigenen Körper merken, wie schnell sich ein Entspannungseffekt und sogar gute Laune einstellen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, dass unsere Prozesse im Körper so eng mit unserem seelischen Wohlbefinden zusammenhängen und ich frage mich, warum das in vielen Bereichen immer noch als getrennt angesehen und behandelt wird.

Ich bin mir sicher, dass nicht nur unsere Kinder in den Schulen, sondern wir alle besser und entspannter lernen würden, wenn mehr Menschen diesen „ganzheitlichen Aspekt“ einbeziehen würden. Sowohl im pädagogischen und sozialen Bereich als auch in allen anderen Feldern.

Immerhin kenne ich ja jetzt schon eine Lehrerin, die das anwendet. Carina ist fest entschlossen, nicht nur die Vagusnerv-Übungen, sondern auch das Lachyoga in ihre Schule zu tragen. Das gibt Hoffnung.

Hier lernst du weitere Übungen

In diesen Kursen lernst du mehr Übungen für den Vagusnerv kennen und praktisch anwenden:

Resilienztraining

Lachyoga Seminar

Happiness Yoga Ferien

Werte

Werte: dein Kompass für’s Leben

Würdest du töten, um Menschen zu retten? Das Trolley-Dilemma

„Mama!“ fragt mich mein Sohn: „Was würdest du tun: du bist Gleisarbeiter und ein außer Kontrolle geratener Zug rollt auf den Gleisen einen Berg hinunter. Auf der Schiene sind 5 Gleisarbeiter, die durch den Zug sterben würden. Du könntest den Zug aber auf ein Gleis umleiten, auf dem nur ein Gleisarbeiter steht und dann statt fünf Menschen nur einer sterben müsste.“

Wir laufen gerade am Deich von St. Peter Ording entlang. „Puh, weiß nicht,“ sage ich. „Vielleicht würde ich dann den Hebel umlegen.“

„Ok, und was wäre, wenn auf dem einen Gleis ein Kleinkind spielt und auf dem anderen Gleis – also wenn du umleitest – eine ältere Dame sich verirrt hat?“ hakt mein Sohn nach. Boh, das ist schwierig! „Ich glaube, ich würde dann eher die Variante wählen, bei der ich nicht eingreife“ sage ich. „Denn vielleicht ist es dann ja einfach vom Leben oder von Gott so vorgesehen, dass eine Seele nur ganz kurz auf der Welt ist? Und wer kann schon beurteilen, ob ein Leben mehr wert ist als ein anderes und wann?“

Ich bin ins Nachdenken gekommen. Offenbar hat mein Sohn irgendwo im Internet dieses „Trolley-Problem“ aufgeschnappt. Sogar eine Studie der Max-Planck-Gesellschaft hat sich schon damit beschäftigt, wie Menschen mit solchen moralischen Dilemmata umgehen würden (mehr dazu, siehe hier..). Diese und ähnliche Dilemma-Fragen sorgen für Diskussionen über Ethik und Moral. Übrigens: die Mehrheit würde in diesem Fall das Gleis umstellen, um die 5 Personen zu retten. Doch das heißt nicht, dass es ethisch richtig ist. Hier findest du weitere Beispiele für moralische Dilemmata… 

Darf ein Computer töten?

Zuletzt gab es diese auch im Zusammenhang mit dem Thema „selbstfahrende Autos.“ Was ist zum Beispiel, wenn das computergesteuerte Auto eine Frau mit Kinderwagen nur dann retten kann, wenn es ausweicht und dafür eine ältere Dame überfahren muss?

Für solche Fälle hat die „Ethik-Kommission für automatisiertes Fahren“ bereits klare Leitlinien festgelegt (siehe hier…): Um Menschenleben zu retten, darf zwar der Tod von Tieren in Kauf genommen werden, aber nicht der von anderen Menschen. Außerdem darf nicht zwischen Menschen unterschieden werden, egal wie jung, alt krank oder gesund, Herkunft oder Geschlecht.

Auch darf ein Menschenleben nicht für mehrere andere geopfert werden. Also dann doch den Tod von 5 Gleisarbeitern in Kauf nehmen, statt den Zug auf einen umzuleiten?

Welche Werte sind DIR wichtig?

Dies sind natürlich überspitzte Gedankenexperimente. Und doch werden wir tagtäglich mit kleinen Dilemma-Fragen konfrontiert. Jeden Tag neu müssen wir Entscheidungen zwischen Werten treffen, die sich gegenseitig torpedieren. Zum Beispiel…

  • Höre ich mir die Probleme der Freundin an (Verbundenheit und Empathie), oder würge ich sie am Telefon ab, um mein Seminar vorzubereiten (Erfolg, Qualität ,Anerkennung)?
  • Helfe ich meinem Sohn bei den Hausaufgaben (Familie, Verbundenheit), oder mache ich stattdessen Sport (Gesundheit, Disziplin)?
  • Spare ich alles, was ich habe, für die Rente (Sicherheit, Verlässlichkeit), oder mache ich eine Weltreise (Abenteuer, Freiheit)?

Manchmal denken wir gar nicht darüber nach, sondern machen einfach. Manchmal machen wir für Entscheidungen lange Pro- und Contra-Listen und sind hinterher trotzdem nicht schlauer (siehe auch den Blogartikel zu „Entscheidungen“). Die wenigsten Menschen sind sich ihrer Werte bewusst oder haben sich damit wirklich auseinandergesetzt.

Dabei können Werte ein absolut hilfreicher und wichtiger Kompass sein, um uns durch das Leben und unsere tagtäglichen Entscheidungen zu lotsen.

Werte als Säulen der Gesellschaft

Unsere Werte bestimmen, was wir als richtig, erstrebenswert oder moralisch richtig ansehen. Will ich um jeden Preis ehrlich sein, auch wenn ich den anderen verletze? Bin ich bereit, einen sicheren Job aufzugeben, um Freiheit zu leben? Können wir Frieden schaffen, indem wir Waffen einsetzen?

Werte sind nicht einfach da, sondern sie werden im Laufe der Zeit geprägt – durch die Eltern, durch unsere Kultur oder auch die Kirche. Ohne gemeinsame Werte könnten wir keine Demokratie leben, keine Gesetze erlassen, kein vernünftiges Miteinander gestalten.

Kein Wunder, dass das Zusammenleben derzeit so schwierig scheint – in Zeiten, in denen immer mehr Menschen mit unterschiedlichsten Wertvorstellungen miteinander auskommen müssen.

Manchmal verändern sich gesellschaftliche Werte auch mit der Zeit. Nachhaltigkeit, Umweltschutz oder mehr Toleranz für eine vielfältige Gesellschaft (z.B. LGBTQ-freundlich) werden bei uns wichtiger, während andere Werte weniger wichtig werden oder fast schon verpönt sind (z.B. Kreuzfahrten, Jet-Set-Leben oder viel und hart arbeiten).

Warum du DEINE Werte finden solltest

Doch bevor wir die Werte oder Lebensweise anderer Menschen beurteilen, sollten wir uns zunächst unserer eigenen Werte bewusst werden. Nur dann können wir integer handeln, authentisch bleiben, für uns selbst und für andere einstehen. Wir müssen uns nicht mehr von anderen verunsichern oder kritisieren lassen, wenn wir genau wissen, was wir tun und warum wir es tun.

Wir können Entscheidungen bewusster treffen und klarer handeln. Wir können wahrhaftiger leben und die Ziele verfolgen, die uns wirklich wichtig sind, statt Zielen hinterher zu hecheln, die andere für wichtig halten.

Wenn wir uns unserer eigenen Werte bewusst sind und die Werte anderer respektieren, machen wir einen Unterschied in der Welt und sorgen nicht nur für uns selbst, sondern auch für das Wohl der Gesellschaft.

Diese Werte sind für alle wichtig – oder sollten es sein

Hier sind ein paar Beispiele für allgemeingültige Werte, die wichtig sind, um ein gutes Zusammenleben in der Gesellschaft zu ermöglichen:

  • Ehrlichkeit: Die Bereitschaft, die Wahrheit zu sagen und sich an ethische Grundsätze zu halten.
  • Respekt: Die Anerkennung und Wertschätzung der Würde und Rechte anderer Menschen.
  • Verantwortung: Die Verpflichtung, für das eigene Handeln und seine Konsequenzen einzustehen.
  • Gerechtigkeit: Das Streben nach Fairness und Gleichbehandlung aller Menschen.
  • Freiheit: Das Recht und die Möglichkeit, Entscheidungen unabhängig von äußeren Zwängen zu treffen.

Vermutlich wirst du dich in diesen allgemeinen Werten grundsätzlich wiederfinden. Und doch können die Prioritäten unterschiedlich sein. Was sind deine Prioritäten?

Übrigens: Ich habe den Deichspaziergang in St. Peter Ording mit meinem Sohn und begleitender Diskussion über Werte-Dilemmata sehr genossen. So konnte ich gleichzeitig Zeit mit meinem Kind verbringen (Familie), Anregungen für diesen Blogartikel erhalten (Kreativität) und mich körperlich bewegen (Fitness). Was will man mehr?

Ich wünsche dir Liebe, Lachen und Wahrhaftigkeit! (meine wichtigsten Werte)

Angela

 

Du willst es genauer wissen? Wenn du mehr über deine eigenen Werte herausfinden möchtest, dann findest du unten ein paar Anregungen dazu.

Wenn du dies lieber in Begleitung tun möchtest, dann komm in das Online-Coaching-Programm SMILE – mehr Infos, siehe hier…

Werte priorisieren in 5 Schritten

Finde heraus, was dir wichtig ist und ob du deinen Werten entsprechend handelst. Die folgende Vorgehensweise kann dir dabei helfen:

  1. Suche dir aus den unten genannten Werten die für dich 10 wichtigsten Werte heraus
  2. Priorisiere sie, indem du immer 2 Werte miteinander vergleichst
  3. Schreibe dir die wichtigsten 5 Werte groß und sichtbar auf einen Zettel
  4. Beobachte dich selbst bei Entscheidungen und ordne ein, inwiefern du nach deinen Werten entscheidest.
  5. Korrigiere ggf. deine Werte

Beispiele für Werte

  • Abenteuer
  • Achtsamkeit
  • Authentizität
  • Bescheidenheit
  • Dankbarkeit
  • Demut
  • Disziplin
  • Durchhaltevermögen
  • Ehrgeiz
  • Ehrlichkeit
  • Einfluss
  • Empathie
  • Erfolg
  • Familie
  • Fairness
  • Fitness
  • Flexibilität
  • Freiheit
  • Freundlichkeit
  • Geduld
  • Gerechtigkeit
  • Gleichberechtigung
  • Großzügigkeit
  • Hilfsbereitschaft
  • Höflichkeit
  • Innovation
  • Integrität
  • Kooperation
  • Kreativität
  • Lernbereitschaft
  • Liebe
  • Loyalität
  • Macht
  • Mitgefühl
  • Mut
  • Nachhaltigkeit
  • Offenheit
  • Optimismus
  • Pflichtbewusstsein
  • Pünktlichkeit
  • Respekt
  • Selbstachtung
  • Selbstlosigkeit
  • Sinnlichkeit
  • Solidarität
  • Toleranz
  • Treue
  • Verantwortung
  • Vergebung
  • Verständnis
  • Vertrauen
  • Weisheit
  • Zuverlässigkeit

Wie Yoga dein Leben verändern kann

Gymnastik für Hausfrauen…

…so dachte ich früher über den heutigen Trendsport, als ich mitbekam, wie meine Mutter wöchentlich mit der Matte unter dem Arm zu ihrem „Sport“ ging. Was sollte daran auch schon „Sport“ sein, wo ich mich damals als Teenagerin beim Leichtathletik und Volleyball so richtig ausgepowert habe…

Meine Meinung über Yoga sollte sich später radikal ändern. Ich war in Indien unterwegs, auf der Suche nach Sinn und Selbstliebe. Dabei klapperte ich so ziemlich alle Ashrams, spirituellen Zentren und Yoga-Schulen ab, die mir unterkamen.

Unter anderem auch das „Yoga Mandir“ in Varanasi. Hier traf ich den Yogalehrer Peetambar. Er startete die Stunde direkt mit dem Kopfstand. Und auch der Rest der Stunde war körperlich so fordernd und anspruchsvoll, dass ich hinterher 3 Tage lang Muskelkater hatte. Von da an war ich infiziert…

Süchtig nach Yoga

Nun wusste ich, was Yoga auch sein kann: ein anspruchsvolles Kraftprogramm, das die Muskeln stärkt und den Körper strafft, mich aber auch in die Entspannung bringt und den ständigen Gedankenkreislauf runterfährt.

Als ich aus Indien zurück war, suchte ich in ganz Berlin nach einer Yogaschule, einem Lehrer, der so war wie Peetambar – vergeblich. Ich akzeptierte schließlich, dass kein Yogalehrer wie der andere ist und machte trotzdem weiter.

Heute bin ich selbst Yogalehrerin und sehr dankbar, dass ich diesen „Sport“ ausüben und unterrichten darf. Ich kenne keine andere Methode, die auf so geniale und gleichzeitig einfache Art und Weise alles vereint, was unser Körper und Geist braucht. Sowohl Hatha Yoga als auch Lachyoga (siehe hier…) sind für mich das optimale „Rundumprogramm“ für Körper, Geist und Seele.

Was ist Yoga?

Meist denken wir ja beim Begriff „Yoga“ vor allem an die Körperübungen, genannt „Asanas“, die hier praktiziert werden. Doch Yoga bedeutet vielmehr als das.

Ursprünglich ist es eine indische Methode und Tradition, um sich spirituell weiterzuentwickeln und zur Erleuchtung zu kommen.

Heute wird bei uns meist „Hatha Yoga“ praktiziert. Das ist der Überbegriff für alle Yogastile (zum Beispiel Ashtanga, Iyengar, Kundalini und Yin Yoga) und bezieht sich auf den Bereich der Asanas (Körperhaltungen) und Pranayama (Atemübungen).

Wissenschaftlich erprobt: Yoga als Gesundheitsmethode

Der Begriff „Hatha“ setzt sich aus den Wörtern „Ha“ (Sonne) und „Tha“ (Mond) zusammen, was die Vereinigung gegensätzlicher Energien symbolisiert. Das Ziel von Hatha Yoga ist es, den Körper zu stärken und die Energien wieder in den Ausgleich zu bringen.

Was man vor Tausenden von Jahren nur erahnt hat, ist mittlerweile wissenschaftlich belegt: Yoga hat unzählige positive Effekte, sowohl körperlich als auch mental. Nicht ohne Grund praktizieren Millionen Menschen in aller Welt regelmäßig Yoga.

Sechs Gründe, um Yoga zu praktizieren

Hier findest du sechs Gründe, warum es sich lohnt, regelmäßig Yoga zu praktizieren. Vielleicht ist dies ja auch eine kleine Anregung für dich, es mal auszuprobieren. Oder wieder einzusteigen, falls du länger nicht praktiziert hast.

1. Bessere Flexibilität und Beweglichkeit

Durch die verschiedenen Körperhaltungen dehnen wir unsere Muskeln und Bänder und bleiben beweglich. Schließlich „rosten“ die Gelenke und Bänder mit jedem Jahr, das wir älter werden, weiter ein – wenn wir nicht regelmäßig etwas dagegen tun. Je flexibler wir jedoch bleiben, umso eher vermeiden wir Schmerzen und Verletzungsgefahren.

Auch die Muskelkraft wird durch Yoga gestärkt. Wir brauchen dafür nicht mal Gewichte, da wir mit unserem eigenen Körpergewicht arbeiten. Immer wieder ist es interessant, wenn sich im Fitness-Studio, in dem ich Yoga unterrichte, Männer hierher „verirren“, die dann oft ganz erstaunt sind, wie anstrengend Yoga sein kann, quasi muskelkaterverdächtig. Siehe auch Journal of Strength and Conditioning Research

2. Verbesserung der Körperhaltung

Wer kennt das nicht: den ganzen Tag in ungünstiger Haltung am Schreibtisch verbringen oder den ganzen Tag stehen müssen, Stress und Zeitdruck, all das kann Rückenschmerzen zur Folge haben. Laut Studien leiden etwa 60-80% der Deutschen mindestens einmal in ihrem Leben an Rückenschmerzen.

Auch mir ging es jahrelang so, und ich habe versucht, dies mit Medikamenten und Globuli zu bekämpfen. Die Wirkung davon hielt aber immer nur kurzfristig an. Seitdem ich Yoga praktiziere und unterrichte, sind Rückenschmerzen für mich kein Thema mehr.

Mit welcher Haltung gehst du durchs Leben?

Mir fällt es oft auf, dass Menschen mit gebeugtem Rücken gehen oder stehen und generell eine schlechte Körperhaltung haben. Yoga sorgt dafür, dass wir die Muskeln stärken – gerade auch die Rückenmuskulatur – und eine bessere Haltung einnehmen.

Die Haltungen, die wir im Yoga üben – gute Standposition, Rückbeugen, Rotationen – wirken sich automatisch auf unsere Körperhaltung im Alltag aus.

Hinzu kommen die Erkenntnisse aus dem Embodiment (siehe Blogartikel „Motion creates Emotion“…), dass Körperhaltungen auch mental etwas in uns bewirken. Sind wir oft in gebeugter Haltung, kraftlos und ohne Spannung, dann symbolisiert dies Unsicherheit und Energielosigkeit und wirkt sich entsprechend auf unsere innere Einstellung aus.

Stehen wir kraftvoll, aufrecht und stabil, dann bringen wir uns über die Haltung auch in eine mentale Haltung der Kraft, des Selbstbewusstseins und der Zuversicht.

Forschungen zeigen, dass Yoga die Körperhaltung verbessert und Rückenschmerzen reduziert, indem es die Rumpfmuskulatur stärkt und die Beweglichkeit erhöht.

3. Herz-Kreislauf-Gesundheit

 Studien haben gezeigt, dass Yoga positive Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit haben kann. Regelmäßige Praxis kann den Blutdruck senken, den Puls beruhigen und die allgemeine Herzfunktion verbessern.

Alle Yoga-Übungen basieren auf der Formel „Strecken-Entspannen-Tiefenatmung“. Sie steigern die Blutzirkulation und Konzentration. Durch langsame, kontrollierte Bewegungen, richtige Atmung und Entspannung wird das Herz nicht belastet, sondern gestärkt. Das kräftige Herz pumpt mehr Blut und verbessert die Durchblutung und Sauerstoffzufuhr im ganzen Körper.

Wenn wir Yoga-Übungen richtig ausführen, wird die Ansammlung von Giftstoffen im Körper verhindert. Gleichzeitig kann der Körper diese sowie Mineralienablagerungen in Knochen und Arterien leichter ausscheiden.

4. Stressabbau und Entspannung

 Yoga ist bekannt für seine beruhigende Wirkung auf den Geist. Durch Yoga wird das parasympathische Nervensystem aktiviert, was zu einem Zustand tiefer Entspannung führt. Dadurch kann sich der Körper erholen und regenerieren.

Die Übungen helfen hilft nicht nur bei bestehendem Stress, sondern auch zur Prävention von Stress. Yoga erweitert die eigenen Ressourcen, die wir brauchen, um Stress zu bewältigen.

Immer wieder berichten mir Teilnehmer:innen, dass sie es besser schaffen, auch in stressigen Situationen gelassen zu bleiben, zum Beispiel, indem sie ihre Atmung vertiefen oder sich bewusst entspannen.

Regelmäßige Yoga-Praxis kann somit helfen, Stress abzubauen und die allgemeine Stimmung zu verbessern.

Eine Meta-Analyse im Journal of Evidence-Based Complementary & Alternative Medicine zeigte, dass Yoga signifikant Stress und Ängste reduziert sowie das allgemeine Wohlbefinden steigert.

5. Mehr Konzentration und Achtsamkeit

 Oft bekomme ich die Rückmeldung, dass Teilnehmer:innen in der Yogastunde komplett abschalten können und endlich mal all ihre Gedanken und Probleme vergessen.

Genau das bedeutet Achtsamkeit: im Hier und Jetzt ankommen, die ständigen Gedankenschleifen mal loslassen.

Dies fällt vielen Menschen leichter, wenn sie sich auf bestimmte Übungen und Atemtechniken konzentrieren, als wenn sie einfach still sitzen und meditieren.

Der Geist ist nur noch beim Atem und bei den Übungen. Die im Yoga praktizierten Atemtechniken können auch im Alltag eingesetzt werden, um Gedanken abzuschalten oder die Energie zu erhöhen.

Der Fokus der Aufmerksamkeit auf die Übungen und die Wahrnehmung des Körpers kann zudem die Konzentrationsfähigkeit und das geistige Wohlbefinden verbessern.

Eine Studie in Mindfulness zeigte, dass regelmäßige Yoga-Praxis die Achtsamkeit und Konzentration bei den Teilnehmern deutlich verbesserte.

6. Förderung der inneren Balance

Das Besondere am Yoga im Vergleich zu anderen Sportarten: es geht nicht nur um den Körper, sondern es ist ein Rundumprogramm für den Körper und die Seele.

Durch die Kombination von körperlichen Übungen, Atemtechniken und Meditation entsteht ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Körper und Geist.

Regelmäßiges Yoga sorgt dafür, dass wir langfristig unsere innere Einstellung verändern. Im traditionellen Yoga spricht man von einem „neutralen Geist“. Das bedeutet, dass wir uns immer weniger von den Problemen des Alltags herunterziehen lassen.

Wir lassen unsere Stimmung nicht mehr von den Gefühlen beherrschen, die durch Situationen und Erlebnisse im Alltag ausgelöst werden, sondern bleiben gelassen, in der inneren Balance.

Dies führt dazu, dass wir gelassener und zufriedener durchs Leben gehen. Eine neuere Studie hat sogar gezeigt, dass durch Yoga Depressionen und Angstzustände verringert werden (siehe Blogartikel „Sorge dich nicht, bewege!“)

Und sonst noch…

Dies sind nur einige der Wirkungen des Yoga für den Körper und die Seele. Weiterhin kann Yoga als ergänzende Therapie bei chronischen Erkrankungen wie Asthma, Diabetes und Arthritis eingesetzt werden, Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern.

Es hilft Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Einschlafen haben und verbessert die Schlafqualität.

Lachyoga als spezielle Variante des klassischen Yoga ist eine tolle Ergänzung, um die Stimmung zu verbessern, die Verbundenheit mit anderen Menschen zu stärken, Glückshormone zu aktivieren und Stress zu lindern. Gerade auch für Menschen, die körperlich nicht so fit sind, ist dies eine gute Alternative.

Yoga – alles was wir brauchen

Ich bin sehr dankbar darüber, dass Yoga schon lange nicht mehr nur als esoterische Nische oder „Hausfrauensport“ belächelt wird, sondern zum beliebten Sport geworden ist.

Zahlreiche Promis praktizieren überzeugt Yoga, aber auch Senior:innen in der VHS, körperbewusste Mütter im Fitness-Studio oder Sinnsuchende in Indien.

Yoga ist für viele Menschen zum Bestandteil ihres täglichen Lebens geworden und sorgt dafür, dass so mancher gelassener, bewusster und glücklicher durchs Leben geht.

Die Kombination von körperlichen und geistigen Übungen hilft ihnen, Stress abzubauen, die körperliche Fitness zu verbessern und eine tiefere Verbindung zu sich selbst zu finden.

Peace mit Yoga

Je mehr Menschen mit sich selbst im Reinen und im inneren Frieden sind, umso mehr sorgen wir dafür, dass es in der Gesellschaft, im Umfeld und in der Welt weniger Stress und Konflikte gibt. Somit tun wir durch Yoga nicht nur etwas Gutes für uns selbst, sondern auch für die Welt.

Namasté Angela

P.S. du bist neugierig geworden? Dann komm mit auf die Happiness Yoga Ferien und probiere es mal aus! Auch Anfänger:innen sind hier herzlich willkommen!

FOMO – der Fluch der neuen Zeit

Warum wir ständig Angst haben, etwas zu verpassen

Na, sitzt du auch jeden Abend mit Freunden im Biergarten und schaust die Spiele der Fußball-EM? Oder tingelst von einer Grillparty zur nächsten? Oder feierst bis zum Abwinken auf der Fanmeile? Und wenn du kein Fußball-Fan bist – na, dann bist du bestimmt jetzt ständig auf tollen Konzerten, Festivals oder im Urlaub unter Palmen, oder?

So lässt es uns das zumindest bei anderen glauben, wenn wir auf den WhatsApp-Status oder die Insta-Story unserer Freunde und Bekannten schauen, oder?

Wie, nichts dergleichen? Du gehst zur Arbeit, lebst deinen Trott, und wenn du was Schönes mit anderen unternehmen willst, musst immer DU die Initiative ergreifen? Oder du hängst gefrustet zu Hause? Vielleicht hast du auch gar nicht so Lust auf ständige Gesellschaft oder Party und trotzdem das Gefühl, etwas zu verpassen?

Studie: Einsamkeit gerade unter jungen Leuten

Sollte es so sein, dann ist eines gewiss: mit diesem Gefühl bist du nicht allein. Eine aktuelle Umfrage der Bertelsmann-Stiftung (Juni 2024) hat gerade wieder bestätigt, dass Einsamkeit nicht nur ältere Menschen betrifft, sondern dass sogar auch junge Menschen darunter leiden. Fast die Hälfte (46%) der befragten 16 – 30-Jährigen fühlen sich einsam, 10% davon leiden sogar unter starker Einsamkeit.

Dies hat negative Auswirkungen auf die körperliche und auch psychische Gesundheit der Menschen und kann laut Studie so weit gehen, dass diese Menschen anfälliger sind für extreme politische Einstellungen oder gar Verschwörungstheorien.

Wir sehen nur die Fassade

Ein Faktor, der das Gefühl der Einsamkeit noch verstärkt oder gar hervorruft, ist die „Fear of Missing Out“, kurz FOMO. Überall sehen wir, was andere Menschen Tolles machen und erleben, ob wir wollen oder nicht. Alle anderen scheinen ein aufregenderes oder perfekteres Leben zu leben als wir selbst.

Doch wir sehen immer nur diesen kleinen Ausschnitt, die Fassade aus deren Leben und denken, dass bei ihnen alles perfekt läuft. Wir sehen nicht, dass jeder sein „Päckchen“ zu tragen hat, dass jeder mit Problemen und Konflikten zu kämpfen hat, und dass jeder mal gute und mal schlechte Zeiten hat. Es kann gar nicht anders sein, denn das ist das Leben.

Hinzu kommen die in der Selbst-Optimierungs-Szene gebetsmühlenartig verbreiteten Slogans wie „man lebt nur einmal!“, „nutze jetzt dein Potenzial voll aus!“, „mach was aus deinem Leben!“ und ähnliche Sprüche, die uns noch zusätzlich den Eindruck verschaffen, dass jeder, der nichts „Besonderes“ auf die Beine gestellt hat, eh ein Loser ist.

Social Media machen einsam

Das Phänomen FOMO – zu deutsch auch die „Angst, etwas zu verpassen“ – ist zwar nicht neu, wird aber durch Social Media und ständige Erreichbarkeit noch extrem verstärkt.

Früher hat man sich mit Freunden getroffen, und die haben von ihrem letzten Urlaub erzählt. Manchmal war das sterbenslangweilig, manchmal richtig spannend. Danach ist man zum Alltag übergegangen und hat sein eigenes Leben weitergelebt.

Heute sind wir immer online und erfahren sofort live und in Farbe davon, wenn irgendwo irgendjemand etwas erlebt. Dazu erhöht sich der Druck, „mitzuhalten“ und selbst tolle Bilder, Videos und Selfies mit anderen zu teilen.

Ein Leben nur noch auf dem Display

Die Künstlerin Adele soll mal in einer live Show gesagt haben:

„Könnt ihr bitte mit dem Filmen aufhören? Ich stehe real hier vor euch, ihr könnt das alles in Echtzeit genießen, anstatt es durch die Kamera anzuschauen.“

Die Folgen von FOMO

Die Folgen dieses Phänomens sind paradox: dadurch, dass wir die schönen Dinge, die wir erleben und genießen, sofort mit anderen teilen wollen, können wir das, was wir erleben, überhaupt nicht mehr richtig genießen. Der eigentliche Anspruch, das Beste aus dem Leben zu machen, verhindert genau das.

Doch FOMO kann noch weitere Folgen haben:

Stress und Angst: viele Menschen machen sich noch mehr Stress, um nicht „zu kurz zu kommen“ oder haben Angst, nicht mehr dazu zu gehören.

Schlafstörungen: wir machen uns mehr Gedanken und grübeln nachts, ob mit uns alles in Ordnung ist, erst recht, wenn mal nicht alles perfekt läuft.

Unzufriedenheit und Frust: Wer ständig das Gefühl hat, dieses vermeintliche Bilderbuchleben nie erreichen zu können, endet in Frust und Unzufriedenheit.

Vernachlässigung von echten Kontakten: Hast du es auch schon erlebt, dass du mit einer Freundin oder deinem Partner im Café sitzt und diese Person mehr an ihrem Handy ist, als sich mit dir zu unterhalten? Dann könnte es der Fall sein, dass für denjenigen Menschen Online-Kontakte und Posts schon wichtiger geworden sind als persönliche Beziehungen.

Wie komme ich mit FOMO besser klar? Fünf Anregungen

1. Social Media bewusster nutzen

Wir haben es uns angewöhnt, ständig auf das Smart Phone zu schauen, süchtig nach Neuigkeiten und Infos. Kein Wunder, denn jedes Mal, wenn eine neue Message aufblinkt, wird das Belohnungszentrum im Gehirn aktiviert und Dopamin ausgeschüttet.

Dieser Teil im Gehirn sorgt aber auch dafür, das wir süchtig werden können. Wie wäre es, sich einmal am Tag eine Zeit einzurichten, in der bewusst Social Media konsumiert werden, in der restlichen Zeit aber nicht?

Zusätzlich hilft es, Benachrichtigungen auszuschalten und WhatsApp-Gruppen auf stumm zu schalten.

2. Innenschau und inne halten

Oft steckt hinter dem unguten Gefühl, das durch FOMO entsteht, noch ein anderes Gefühl oder Thema, das dich umtreibt. Erlaube dir, das unangenehme Gefühl zu fühlen und anzunehmen. Frage dich, was dahinter stecken könnte: Ist es Neid? Angst vor Ablehnung? Traurigkeit? Wertlosigkeit? Ist das Gefühl wirklich begründet? Und würdest du wirklich komplett mit dem jeweiligen Menschen tauschen wollen, der gerade so etwas Tolles erlebt?

Schreibe dir eine Liste von 5 Dingen, die du gerne machen möchtest und fokussiere dich darauf statt auf das, was andere machen. Nimm dir dafür Zeit. Und nimm das, was andere erleben, allenfalls als Anregung, aber nicht als „ich muss auch.“ Genieße bewusst Zeiten des Nichtstuns, des Alleinseins oder in der Natur. Auch Meditation hilft, um den kontinuierlichen Grübelkreislauf zu beruhigen und sich wieder mehr auf sich selbst zu besinnen. Es ist NUR DEIN Leben, nicht das der anderen!

Und wenn du dann mal tatsächlich auf ein Konzert gehst, einen Urlaub machst oder etwas Schönes erlebst, tu es bewusst, ohne alles sofort dokumentieren zu müssen. Setze Qualität vor Quantität.

3. Dankbarkeit praktizieren

Wir neigen dazu, zu sehen, was wir NICHT haben statt das zu schätzen, was wir haben oder was schön ist im Leben. Wenn wir regelmäßig bewusst Dankbarkeit praktizieren (siehe Blog zu Dankbarkeit), dann richten wir den Fokus wieder Schritt für Schritt auf die positiven Dinge im Leben.

4. Digital Detox Zeiten planen

Würdest du es schaffen, dein Handy mal einen oder sogar mehrere Tage auszuschalten? Plane ab und zu einen „Digital Detox Tag“ ein und du wirst sehen, es lohnt sich! (Siehe auch Blogartikel zu „Digital Detox“).

5. Echte Freundschaften pflegen

Was nützen uns Tausende Facebook-Kontakte oder Instagram-Follower, wenn uns im echten Leben keine einzige Freundin / Freund einfällt, die auch dann für uns da ist, wenn es uns dreckig geht oder wir in Schwierigkeiten stecken?

Nimm dir Zeit, dich mit lieben Menschen zu treffen oder etwas mit ihnen zu unternehmen. Und lass das Smart Phone einfach mal in deiner Tasche. Widerstehe der Versuchung, schnell mal eben etwas zu googeln oder unbedingt Fotos von irgendetwas zu zeigen.

Was ist wirklich wichtig?

Die wachsende Einsamkeit in der Gesellschaft ist schon jetzt ein Riesenproblem, für die Betroffenen, aber auch für die Gesellschaft.

Wenn wir dafür sorgen, echte Kontakte zu pflegen, die Menschen um uns herum so anzunehmen wie sie sind, Prioritäten zu setzen und uns bewusst zu machen, wie wichtig tiefe, persönliche Beziehungen sind, dann tun wir uns selbst den größten Gefallen. Wenn wir es schaffen, bewusst weniger Zeit online zu verbringen, dann setzen wir plötzlich jede Menge Zeit frei. Vielleicht wird dann dein Leben wieder ein kleines Stückchen stressfreier – und glücklicher. Ich wünsche dir eine stressfreie Zeit!

Angela

Happiness Yoga Ferien – Qualitätszeit für Körper, Geist und Seele

Du möchtest gerne bewusst inne halten, mehr offline Zeit mit echten Menschen verbringen, gute Gespräche führen, etwas für dich tun und schöne Unternehmungen mit anderen genießen? Dann komm mit auf die Happiness Yoga Ferien…

Selektive Wahrnehmung: Du siehst was du denkst

Vor kurzem habe ich ein Hobby wiederentdeckt – Mountain Bike fahren: Über weiche Waldwege gleiten, in der Natur sein, die Vögel und das Rauschen des Waldes hören, verbunden mit Bewegung an der frischen Luft. Was will man mehr?

Dafür habe ich mir ein Mountain Bike gekauft. Vorher habe ich mich natürlich informiert, mir verschiedene Angebote angeschaut, verglichen und mich umgehört, was andere empfehlen. Auf dem Weg zurück vom Fahrradladen sind mir plötzlich überall Fahrradfahrer begegnet – in der Stadt, auf der Landstraße, wo auch immer ich hinschaute.

Ups, sind immer so viele unterwegs? Vermutlich ja, an einem Sommertag wie diesem. Doch es fällt mir heute besonders auf, nachdem ich mich tagelang mit dem Thema „Fahrrad“ beschäftigt hatte. Ich bin wohl hier wohl eindeutig dem Effekt der „selektiven Wahrnehmung“ erlegen.

Schwangere sehen Schwangere…

Vielleicht kennst du das auch oder hast es bei anderen mitbekommen: Schwangere sehen überall Schwangere, Menschen mit Liebeskummer überall glückliche Paare. Wir bleiben im Verkehr dreimal an einer roten Ampel stehen und denken, es ist rote Welle. Obwohl wir genauso oft bei grün durchgerauscht sind.

Selektive Wahrnehmung funktioniert in beide Richtungen, positiv wie negativ. Warum haben wir oft den Eindruck, die Welt geht zugrunde? Unter anderem, weil wir im Fernsehen so viele Katastrophenmeldungen sehen. Kein Wunder, dass wir angesichts all der Unfälle, Messerangriffe, Kriege, Gezanke unter Politikern zu der Überzeugung kommen, dass nur Schlimmes passiert.

Doch selektive Wahrnehmung wirkt auch auf positive Art und Weise. Wenn wir ein Ziel vor Augen haben, dann verschafft dies uns Optimismus und Durchhaltekraft, um es zu erreichen.

Die Kraft selektiver Wahrnehmung

Wenn wir zum Beispiel einen neuen Job suchen und uns darauf fokussieren, dann hören wir vielleicht eher hin, wenn jemand gesucht wird, wir schauen auf Aushänge oder Anzeigen. Kurzum, wir öffnen uns für neue Ideen und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass es wirklich klappt.

Als wir zum Beispiel letztes Jahr unsere Weltreise geplant haben, hatten wir plötzlich das Gefühl, dass immer genau der richtige Tipp, die richtige Info zur richtigen Zeit zu uns kommt. Es fühlt sich dann so an, wie wenn „das Universum uns dabei unterstützt“, sobald wir eine klare Absicht haben (siehe auch Blogartikel „Deine Vision als Glücksgarant?“).

Doch Universum hin oder her: Allein die Änderung der Sichtweise sorgt schon dafür, dass wir neue Chancen und Möglichkeiten entdecken und in unser Leben ziehen. Doch wie genau funktioniert selektive Wahrnehmung?

Der Filter im Gehirn als Schutz vor Reizüberflutung

Unser Gehirn hat die Fähigkeit, bestimmte Informationen bevorzugt wahrzunehmen und andere auszublenden. Angesichts der riesigen Menge an Informationen, die täglich auf uns einströmen, wäre es unmöglich, alles gleichzeitig zu verarbeiten, ohne verrückt zu werden.

Unser Gehirn muss daher filtern, damit wir uns auf das Wesentliche konzentrieren können. Studien zeigen, dass nur etwa 1% der sensorischen Informationen, die unsere Sinne erreichen, bewusst wahrgenommen werden. Der Rest wird unbewusst gefiltert und verarbeitet.

Doch wie entscheidet unser Gehirn, was wichtig ist und was wir ignorieren können – welche Ereignisse es als bedrohlich einstuft und welche positive Emotionen auslösen? Hierfür spielen folgende Kriterien eine Rolle:

Kriterien für die Wahrnehmung im Gehirn

Erfahrungen und Erinnerungen

Du hast, wenn du in das Büro der Chefin gerufen wurdest, oft einen Rüffel bekommen? Dann ist es nachvollziehbar, dass sich dir schon alle Nackenhaare aufstellen, wenn du auch nur eine Mail von ihr auf dem Monitor aufploppen siehst.

Dich hat mal ein Hund gebissen? Dann wirst du vermutlich Hunde in deiner Umgebung sofort wahrnehmen und als Bedrohung einstufen.

Emotionaler Zustand

Wenn wir in guter Stimmung sind, fällt es uns viel leichter, Dinge positiv zu sehen, als wenn wir geknickt sind und eh alles schwarz sehen.

Sicherlich kennst du das auch: Wenn du gerade eine gute Nachricht bekommen hast oder im Glücksrausch oder frisch verliebt bist, dann stört dich auch nicht das Auto, das dir die Vorfahrt nimmt, oder die unfreundliche Kassiererin im Supermarkt.

Umgekehrt können wir vieles, was uns sonst erfreuen würde, nicht mehr wahrnehmen, wenn wir in einem depressiven Zustand sind.

Erwartungen und Überzeugungen

Hier kommen die Glaubenssätze ins Spiel, die wir uns oft ein Leben lang angeeignet haben – vielleicht durch Eltern, Lehrer oder auch durch eigene Erfahrungen. Wenn wir mit dem Gedanken durch die Welt gehen „ich bin nicht gut genug“, dann filtert unser Gehirn alle Ereignisse und Informationen, die bestätigen, dass ich nicht gut genug bin.

Wenn ich davon ausgehe, bei einer Sache zu scheitern, dann nehme ich möglicherweise alle Zeichen wahr, die dafür sprechen, dass etwas eh nicht klappt und gebe zu früh auf.

Folgende Beispiele und Erkenntnisse aus der Psychologie zeigen sehr eindrücklich die Effekte, die selektive Wahrnehmung haben kann:

Der Gorilla im Basketballfeld:

In diesem Experiment wurden die Teilnehmer gebeten, ein Video von Menschen, die sich einen Basketball zuwerfen, zu beobachten und zu zählen, wie oft der Ball von einer bestimmten Gruppe geworfen wird. Während des Videos läuft eine Person im Gorillakostüm durch das Bild. Viele Teilnehmer bemerken den Gorilla nicht, weil sie auf die Zählaufgabe fokussiert sind.

Cocktailparty-Effekt

Der Cocktailparty-Effekt demonstriert, wie das Gehirn in der Lage ist, sich auf ein Gespräch zu konzentrieren und andere Geräusche auszublenden, zeigt aber auch, dass plötzlich relevante Informationen (wie der eigene Name) trotzdem wahrgenommen werden können.

„Bestätigungsverzerrung“ (confirmation bias)

Wir neigen dazu, Informationen zu suchen, zu interpretieren und uns zu merken, die unsere bereits bestehenden Überzeugungen bestätigen. Dieses Phänomen wird durch Internet und Social Media noch verstärkt, da jeder sich immer mehr in der eigenen „Bubble“ bewegt.

Das heißt, wir bekommen von den Algorithmen vor allem das angezeigt, wofür wir uns schon vorher interessiert haben. Wir suchen Bestätigung für das, was wir eh schon glauben und bekommen sie auch. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass das, was sie sehen, immer nur ein kleiner Ausschnitt der gesamten Realität ist.

Wie du selektive Wahrnehmung für dich nutzen kannst

Doch wie können wir das Phänomen der selektiven Wahrnehmung für uns nutzen, statt uns in die Irre führen zu lassen? Hier ein paar Inspirationen dazu.

1. Dankbarkeit praktizieren

Wenn wir unseren Fokus bewusst auf die positiven Ereignisse und Dinge im Leben legen, dann verstellen wir die innere Wahrnehmungsbrille und sorgen Schritt für Schritt dafür, dass unser Gehirn diese positiven Ereignisse speichert und künftig immer mehr schöne Dinge wahrnimmt.

Wir können dies tun, indem wir jeden Tag 3 Dinge aufschreiben, für die wir dankbar sind, oder uns diese auch kurz vor dem Einschlafen im Kopf Revue passieren lassen (siehe Blog zu Dankbarkeit).

2. Positive Emotionen aktivieren

Da wir in einem guten Gefühlszustand positive Dinge mehr wahrnehmen können, hilft es, wenn wir uns bewusst und aktiv in einen guten Gefühlszustand versetzen. Zum Beispiel durch Lächeln, Lachen, Bewegung oder Tanzen (siehe auch Blogartikel „sorge dich nicht – bewege) .

3. Informationen bewusst konsumieren

In Zeiten von Fake News wissen wir immer weniger, was wir noch glauben können und was nicht. Mach dir bewusst, dass viele Infos in den Social Media immer nur Meinungen und Ansichten sind und nicht der ganzen Wahrheit entsprechen. Überlege dir gut, welche Nachrichten du wirklich regelmäßig konsumieren willst und versuche, verschiedene Informationsquellen heranzuziehen.

4. Glaubenssätze hinterfragen

Erkenne deine Glaubenssätze und hinterfrage sie, ob sie wirklich stimmen, oder ob es an der Zeit ist, diese durch neue Überzeugungen zu ersetzen. Dann kannst du die Welt schon mit ganz anderen Augen sehen (siehe auch Blogartikel „Glaubenssätze loslassen in 4 Schritten“).

Die Kraft der selektiven Wahrnehmung wird von den meisten Menschen unterschätzt. Also gehe mit offenen Augen durch die Welt, schau hinter die Kulissen, versuche, andere Perspektiven nachzuvollziehen und

glaub nicht alles, was du denkst!

 

Du möchtest deine Sichtweise mal aus anderer Perspektive anschauen, deine Glaubenssätze bearbeiten und den Fokus neu festlegen? Dann komm mit auf die Happiness Yoga Ferien…

Was ist Tantra?

„Gruppensex mit Räucherstäbchen“ – diese und andere Vorurteile über Tantra sind immer noch weit verbreitet. Es scheint mal wieder paradox: Wir werden überall mit Pornos und Nacktbildern überschüttet, zahlreiche Stars und Influencerinnen machen sich einen Sport daraus, halbnackt zu posieren und sich dann darüber aufzuregen, dass die „primitiven Männer“ das sexy finden und womöglich noch ausdrücken (mal von Hate-Kommentaren abgesehen). Wir können im Internet frei zugänglich alle nur denkbaren Spielarten von Sex konsumieren und kaufen.

Let’s not talk about Sex

Doch wenn es im privaten Umfeld um das Thema geht, wird schnell herumgedruckst, verlegen gekichert und großes Stillschweigen darüber bewahrt, was im eigenen Schlafzimmer wirklich passiert. Solche Themen sind auf der Grillparty oder beim Kaffeeklatsch einfach tabu. Und mal ehrlich: mit wie vielen Freund:innen kannst du wirklich offen über Sex reden?

Gleiches gilt für Tantra: viele werden bei dem Thema zwar hellhörig und neugierig, geben es aber ungern zu. Wenn Leute mitbekommen, dass ich etwas mit Tantra zu tun habe, sprechen sich mich allenfalls unter vier Augen an und fragen mich aus. Es scheint mit Tantra ähnlich zu sein wie mit Helene Fischer hören oder zu Mc Donalds gehen: Mehr Menschen als man denkt machen es, aber kaum jemand sagt es offen. Vielleicht aus Angst, dann für ein Sex-Monster gehalten zu werden, das jedes Wochenende den halben Swingerclub durchvögelt?

Raus aus der Komfortzone

Ich fand dies schon damals schräg, als ich meine ersten Erfahrungen mit Tantra gemacht habe. Doch wenn mich etwas interessiert, dann werde ich neugierig und muss einfach ausprobieren, was es damit auf sich hat. Also fuhr ich auf ein Tantra-Seminar, aufgeregt bis in die Haarspitzen: Was kommen da für Leute hin? Nur Freaks, Fetischisten oder Sexbesessene? Fast wäre ich beim Umsteigen in Bielefeld wieder in den nächsten Zug zurück nach Berlin gestiegen.

Aber ich hatte ja schon bezahlt. Zum Glück. Denn damit öffnete sich mir ein Eintrittstor in eine neue, aufregende und faszinierende Welt. Zuerst stellte ich fest: Tantra hat mit Sex fast genauso wenig zu tun wie der Papst mit Familienplanung. Man trifft dort weder Freaks noch potenzielle Triebtäter, sondern vor allem bewusste und achtsame Menschen.

Viele Methoden, ein Ziel

Der Begriff „Tantra“ steht ursprünglich für Gewebe, und das trifft es ganz gut. Tantra ist eine geniale, aber komplexe Kombination aus allen möglichen Methoden, die am Ende nur einem Ziel dienen: der Bewusstseinserweiterung. In verschiedenen traditionellen Philosophien wie dem Buddhismus und der vedischen Tradition ist damit Erleuchtung gemeint – also das Entkommen aus dem Karma-Kreislauf und das „Erwachen des Geistes.“

Im modernen westlichen Tantra ist die Erleuchtung nicht das primäre Ziel, sondern es gibt noch einen weiteren Aspekt, der mindestens genauso wichtig ist: Heilung. Es geht darum, Beziehungen zu heilen, das eigene Verhältnis zum Körper und zur Sexualität zu heilen, Scham und Schuld zu überwinden, die Schmerzen der Vergangenheit loszulassen und Ängste über die Zukunft als bedeutungslos zu erkennen.

Beim Tantra gilt es, die Dualität des Lebens anzunehmen, um sich dann darüber hinaus zu erheben. Wir erkennen an, dass es Polaritäten gibt: Licht und Dunkelheit, männlich und weiblich, Sonne und Mond, gut und böse.

Verehrung statt Bewertung

Wenn wir diese Polaritäten erkennen und annehmen, erkennen wir mehr und mehr, dass alles eins ist. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass nicht „die Männer“ auf der einen Seite und „die Frauen“ auf der anderen Seite stehen. Dass jeder Mensch alle Qualitäten in sich hat und alles harmonisch zusammenpasst, wie im Yin-Yang-Zeichen.

Beim Tantra geht es nicht darum, das andere Geschlecht zu bewerten oder gar zu bekämpfen, sondern die besonderen Qualitäten und das Göttliche im anderen zu verehren. „Shiva“ und „Shakti“ stehen für das männliche und weibliche Prinzip, das in jedem von uns gesehen und anerkannt werden darf. Erst wenn wir all diese Polaritäten des Lebens integrieren, kann Heilung geschehen. Was durchaus auch bedeuten kann, dass wir einen Schritt aus der Komfortzone wagen, Tabus brechen oder bestimmte Konventionen aufgeben müssen.

Körperarbeit als Schlüssel zur Erkenntnis

Doch wie läuft das nun konkret in der Praxis ab? Ein wichtiges Merkmal beim Tantra ist es, dass wir unseren Körper als „Instrument“ der Bewusstseinsentwicklung nutzen, und zwar auf allen Ebenen. Um Probleme zu lösen, Beziehungen zu heilen und Ängste zu überwinden gibt es zwar unzählige Therapiemethoden, Übungen und Techniken. Doch viele Ansätze haben einen rein kognitiven Bezug. Das meiste läuft über den Verstand, das rationale Denken. Im Tantra wird der körperliche Aspekt einbezogen und somit ganzheitlich gearbeitet.

Ich war schon damals fasziniert, wie schnell sich durch bestimmte Körpererfahrungen meine Denkweise komplett verändert hat. Ich hatte Erkenntnisse über mich selbst, meine Ängste, meine eingefahrenen Muster, die ich vermutlich in jahrelanger Psychotherapie nicht gehabt hätte. Über die Körperarbeit habe ich gelernt, meinen Verstand immer mehr außen vor zu lassen und meiner Intuition zu vertrauen. Auch hat sich mein eigenes Verhältnis zum Körper verbessert, und ich konnte in meine Selbstliebe zurückfinden.

Doch das ist nur eine von vielen positiven Nebenwirkungen im Tantra. Die Körperarbeit ist kein Selbstzweck, sondern sie dient der Erkenntnis und der Heilung. Tantra umfasst unter anderem folgende praktische Methoden:

Yoga

Beim Yoga (oder auch „Hatha Tantra“) geht es darum, die sieben Haupt-Chakras entlang der Wirbelsäule zu harmonisieren. Dies geschieht durch verschiedene Körperhaltungen (Asanas) und durch Atemtechniken (Pranayama), so dass der Energiefluss im Körper wieder in Gang gebracht wird. „Prana“ steht in der indischen Philosophie für „Atem“, der wiederum im Yoga als „Lebensenergie“ angesehen wird.

Indem wir Atemtechniken anwenden, bringen wir diese Energie in Balance, wir fahren den lärmenden Verstand runter und öffnen uns für die „Signale der Seele“, statt unser Leben von Gedanken und Ängsten diktieren zu lassen.

Energiearbeit

Ein weiteres Element ist die Energiearbeit, bei der es unter anderem darum geht, die Kundalini-Energie zu wecken. Diese wird als eine schlafende Kraft am unteren Ende der Wirbelsäule betrachtet. Durch dynamische Körperarbeit, Meditation, Atemarbeit und Mantra-Rezitation wird es angestrebt, die Kundalini entlang der Wirbelsäule zu erwecken und durch die Chakren zu lenken, um Bewusstseinserweiterung zu erreichen.

Bei der Energiearbeit spielt auch das Sexualchakra eine wichtige Rolle. Dieser Energiepunkt wird als natürliche Quelle der Lebenskraft und der Kreativität angesehen. Durch tantrische Praktiken können Menschen lernen, ihre sexuelle Energie bewusst zu lenken und zu nutzen, um spirituelles Wachstum und kreative Entfaltung zu fördern. Also so ziemlich das Gegenteil von Pornos und schneller Befriedigung. Wenn dieses Chakra (auch „Sakralchakra“ genannt) in Harmonie ist, dann sind wir imstande, tiefere Verbindungen zu anderen Menschen aufzubauen, Empathie zu spüren und uns für Liebe und Mitgefühl zu öffnen.

Mantren

Auch das Tönen von Mantras wird praktiziert, um die spirituelle Energie zu wecken und den Geist zu lenken. Wenn wir ein Mantra singen, dann können wir nicht gleichzeitig über unsere Ängste und Sorgen nachdenken und beruhigen immer mehr den Geist. Es heißt, dass die Mantras eine bestimmte Schwingung haben, die für uns heilend wirken – selbst wenn wir den Text nicht verstehen.

Rituale

Mantren sind auch Bestandteil verschiedener Rituale, die im Tantra durchgeführt werden. Tantrische Rituale dienen dazu, spirituelle Praktiken in einen Rahmen zu bringen, den Geist zu fokussieren und eine Verbindung zum Göttlichen herzustellen. Durch die gemeinsame Ausführung bestimmter Handlungen und Zeremonien wird ein Verbundenheitsgefühl aller Beteiligten erzeugt, bei dem die Qualitäten und Energien beim jeweiligen Gegenüber und bei allen anderen Beteiligten gewürdigt und verehrt werden.

Berührung

Es gibt auch einen Aspekt des Tantra, der mit dem ursprünglichen Tantra gar nicht so viel zu tun hat, von vielen aber für das „eigentliche“ Tantra gehalten wird: Berührung. Und nein, auch hier geht es nicht um Sex. Außer vielleicht bei einigen wenigen Fortgeschrittenen-Seminaren, die sich die „Vereinigung“ als Ritual auf die Fahnen schreiben.

Bei den meisten Tantra-Anbietern wird etwas gelehrt, was in unserer Gesellschaft leider viel zu kurz kommt: achtsame Berührung. Das beginnt damit, andere Menschen – egal ob gleichen oder anderen Geschlechts –  zu verehren und das Göttliche in ihnen zu sehen. Unabhängig davon, ob jemand äußerlich mein Typ ist oder nicht. Es gilt, Menschen sanft und achtsam zu berühren und sich berühren zu lassen. Dabei die eigenen Grenzen klar zu äußern und die des anderen zu akzeptieren. Dies fällt vielen Menschen anfangs schwer. Doch das kann man üben. Und es ist die beste Voraussetzung, um in der eigenen Beziehung eine heilsame und erfüllende Sexualität zu leben. Hier kommt nun also doch die Sexualität ins Spiel – als schöne „Nebenwirkung“ der tantrischen Praxis.

Berührung ist ein Lebenselixier, wie wir spätestens bei der Corona-Pandemie gelernt haben. Ohne Berührung verkümmern wir, wir werden hart, verspannt und sind in jeder Hinsicht blockiert. Dabei ist es mittlerweile auch wissenschaftlich erwiesen, wie sehr Berührung sich positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen auswirkt. Berührung sorgt dafür, dass die Glückshormone Endorphine und Oxytocin freigesetzt werden.

Darüber hinaus kann Berührung Stress reduzieren, das Immunsystem stärken, die Herzfrequenz senken und den Blutdruck regulieren. Auf psychologischer Ebene vermittelt Berührung ein Gefühl der Verbundenheit, Nähe und Zugehörigkeit. Es lindert das Gefühl von Einsamkeit und stärkt das Vertrauen und die Beziehungen zwischen Menschen. Berührung ist eine kraftvolle Kommunikation und Ausdruck von Liebe, Fürsorge und Mitgefühl. All das sind Qualitäten, die wir für unsere körperliche und seelische Gesundheit brauchen wie das Wasser zum Leben.

Massage und Heilung

Eine Königsdisziplin der Berührung ist die Tantra-Massage. Auch diese Technik hat weder mit dem ursprünglichen Tantra noch mit Sex zu tun. Sinn und Zweck der Tantra-Massage ist es, Berührung so einzusetzen, dass der Energiefluss sich ausdehnt. Hierbei kann und darf es geschehen, dass ausgehend vom Sakralchakra auch die sexuelle Energie aktiviert wird. Damit diese dann als Quelle der Kreativität und Kraft gestärkt und im Alltag eingesetzt werden kann.

Wie bei den anderen Techniken gilt das Prinzip der Achtsamkeit: nichts erzwingen, nichts vermeiden, annehmen was ist. Für die meisten ist diese Art von Ganzkörper-Massage vor allem eins: ein angenehmes, anregendes und erfüllendes Körpererlebnis, das uns hilft, den Kopf abzuschalten, die Selbstliebe zu stärken und alte Ängste sowie frühere Verletzungen zu heilen.

Ein Schritt, der sich lohnt

Als ich damals von meinem allerersten Tantra-Seminar wieder nach Hause fuhr, wusste ich: es hat mich gepackt. Es gibt kein Zurück mehr, auch nicht am Bahnhof von Bielefeld. Ich bin glücklich und dankbar, dass ich diese „Methode“ kennengelernt habe.

Ich bin davon überzeugt: Ohne Tantra wäre mein bisheriges Leben nur halb so aufregend, erfüllt und gesund verlaufen, körperlich wie mental. Seit vielen Jahren ist Tantra nicht nur Teil meines privaten Lebens, sondern ich gebe auch selbst Tantra-Seminare. Ich bin jedes Mal dankbar zu erleben was passiert, wenn Menschen sich darauf einlassen. Es braucht nicht viel. Vielleicht einen kleinen Schritt aus der Komfortzone. Doch der lohnt sich!

 

Hier geht es zu den Tantra-Retreats mit mir:

Korfu: immer im September

Bali: im März

La Gomera: Pfingsten

Positive Psychologie: Glück beginnt von innen

Mein Albtraum im Frankfurter Bahnhofsviertel…

Kurz nach meinem Studium zog ich wegen eines PR-Jobs von Köln nach Frankfurt – ungern, widerstrebend und mit vielen Ängsten. Diese Ängste haben sich schnell bestätigt: meine Beziehung ging auseinander wegen der Entfernung, in der Agentur bekam ich Projekte, die mir keinen Spaß machten. Ich hatte ein abgeranztes WG-Zimmer mitten im Frankfurter Bahnhofsviertel und sah jeden Tag vor der Haustür kaputte, verwahrloste, drogenabhängige und obdachlose Menschen.

Meinen Frust merkte man mir an: lustlos saß in den Teamsitzungen der Agentur und erledigte nur halbherzig meine Arbeit. Nach Hause ging ich genauso ungern, denn im Flur roch es komisch und im WG-Zimmer fühlte ich mich einsam.

Ein Weckruf – und es hat „klick“ gemacht

Nach nur wenigen Wochen kam jedoch ein „Weckruf“ – in Gestalt meines Chefs. Wenn ich weiterhin so miesepetrig und lustlos sei, dann wisse er nicht, ob ich die Probezeit überstehe. In dem Moment kapierte ich, dass ich so nicht weitermachen konnte. Ich musste eine Entscheidung treffen. Nämlich meine innere Einstellung zu verändern – und dadurch mein Verhalten.

Irgendwas hat in dem Moment meine Sichtweise auf die Dinge verändert. Vielleicht die Angst vor Kündigung. Vielleicht aber auch das Gefühl, dass mein Chef mir nicht drohen, sondern mich eher freundlich erinnern wollte. Ich fing an, in den Meetings bewusst zu lächeln und freundlich zu sein. Ich fragte aktiv nach Projekten, die mich interessierten, was wiederum gut ankam.

Plötzlich machte der Job Spaß – und dadurch war ich gut und bekam spannendere Projekte. Auch privat wurde offener für neue Kontakte und fand Freunde, um gemeinsam Salsa tanzen und Cocktail trinken zu gehen. Kurz darauf fand ich über eine Kollegin ein Appartement in toller Lage, mit Blick über die ganze Stadt. Plötzlich war nicht mehr alles trüb, sondern die Farben und die Freude kamen in mein Leben zurück. Was war passiert?

Im Außen hatte sich nichts verändert. Die Stadt war die Gleiche wie vorher, das Bahnhofsviertel genauso schlimm, die Agentur hatte immer noch die gleichen Chefs und Kolleg:innen. Doch ich hatte meine Einstellung verändert und strahlte das auch aus. Und so folgten die Änderungen im Außen. Diese Erfahrung hat mich schon damals gelehrt: es ist nicht immer alles perfekt im Leben – sondern es kommt darauf an, wie ich darüber denke und darauf reagiere (siehe auch den Blog „von innen nach außen“).

Studie: DAS macht uns wirklich glücklich

Studien aus der Resilienzforschung bestätigen: Eine positive innere Einstellung sorgt für mehr Optimismus und Flexibilität. Wenn wir zuversichtlich und vertrauensvoll an uns selbst und an das Leben glauben, dann können wir Stress besser bewältigen und mit Rückschlägen besser umgehen. Wir können Herausforderungen als Chancen sehen, um persönlich zu wachsen. Mit einer positiven Haltung stärken wir auch unsere Selbstwirksamkeit – also das Vertrauen darin, dass wir selbst etwas verändern und Probleme lösen können. All das sind Faktoren, die für die Resilienz eine wichtige Rolle spielen (siehe auch den Blogartikel zu Resilienz).

Doch was können wir tun, um von innen heraus die eigene Haltung zu verändern? Eine Studie von Seligman, Steen, Park und Peterson zur positiven Psychologie (2005) zeigt, was möglich ist. Der US-Psychologe Martin Seligman und seine Kollegen untersuchten, ob Menschen durch bestimmte „Interventionen“ ihr Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit erhöhen konnten. Bestandteile des Programms waren unter anderem

  • Dankbarkeit praktizieren
  • Persönliche Stärken erkennen und einsetzen
  • Selbstreflektion
  • Austausch

Die Ergebnisse zeigten, dass die Teilnehmer, die an diesem Programm teilnahmen, sich hinterher eindeutig besser fühlten. Sie berichteten über eine Steigerung ihres Glücksempfindens, ihrer Lebenszufriedenheit und des allgemeinen Wohlbefindens im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die keine Intervention erhielt. Diese und zahlreiche weitere Studien bestätigen: wenn wir gezielt an unserer inneren Einstellung etwas verändern, dann verändern sich auch die Lebensumstände im Außen.

Schau deinen Film an und lache über die Storys

Wenn es also mal wieder schwierig oder anstrengend in deinem Leben ist, erinnere dich daran, dass alles bei dir selbst beginnt. Es ist, wie wenn du im Kino sitzt: du fühlst dich wie mittendrin, aber du kannst den Film nicht verändern, indem du die Leinwand veränderst.

Sprich: du kannst die Menschen in deinem Umfeld nicht ändern, Herausforderungen nicht vermeiden, Kriege und Krisen nicht verhindern.

Aber du kannst dein Drehbuch anschauen, wahrnehmen, beobachten und dir klar machen, dass der gesamte „Film des Lebens“ nur die Projektion deines Denkens ist. Damit verliert das Leben und all das, was da draußen passiert, an Bedrohlichkeit.

Du kannst gelassen diesen Film schauen und herzhaft über deine Storys lachen. Und wenn dir irgendwas daran nicht gefällt, dich verletzt oder dir Angst macht: dann versuche nicht, die Leinwand zu ändern, sondern ändere das Drehbuch. 

Übrigens: auf den Happiness Yoga Ferien nehmen wir das Drehbuch des Lebens wieder selbst in die Hand und werden zum „Regisseur“ des Lebens –  um es wieder so richtig mit Freude und Lebendigkeit aufzufüllen!

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Zitat

“Indem Menschen die innere Einstellung ihrer Gedanken ändern, können sie die äußeren Aspekte ihres Lebens verändern.” – William James, Psychologe und Philosoph.

Die Geschichte vom weisen Mann und dem Dorf

Ein alter, weiser Mann saß an einer Weggabelung, die zu einem Dorf führte. An dieser Stelle kamen viele Wanderer vorbei, so auch heute wieder. Der erste Wanderer, der kam, sprach den alten Mann direkt an: „Du kennst dich hier in der Gegend sicherlich gut aus. Kannst du mir sagen, wie die Menschen in dem Dorf da drüben so drauf sind? Der alte Mann fragte den Wanderer: „Wie waren denn die Menschen in dem letzten Dorf, wo du warst?“ Der Wanderer entgegnete: „Oh, sehr nett, hilfsbereit, höflich, voll in Ordnung.“ Der alte Mann sagte: „Genauso sind die Menschen dort drüben in dem Dorf auch.“ Der Wanderer freute sich und bedankte sich.

Dann kam der nächste Wanderer und sprach den alten Mann mit der gleichen Frage an: „Wie sind die Menschen in dem Dorf dort drüben?“ Der alte Mann fragte wieder zurück: „Wie waren denn die Menschen in dem letzten Dorf, in dem du warst?“ Der Wanderer sagte: „Oh, gar nicht nett. Sie waren unhöflich, unflätig, rücksichtslos und überhaupt nicht hilfsbereit.“ Der alte Mann sagte: „Genauso sind auch die Menschen in dem Dorf dort drüben.“

Sorge dich nicht – bewege!

Neue Studie: Tanzen und Yoga stärken die Psyche

Neulich nach dem Yoga kam eine Teilnehmerin zu mir und sagte, wie sehr sie sich freue, mal wieder einen positiven und zuversichtlichen Menschen wie mich zu treffen. Sie hatte 10 Jahre in Florida gelebt – die Menschen in Florida seien alle so offen und begeistert, während hier in Deutschland so viele schlecht drauf, pessimistisch oder sogar unfreundlich sind.

Ich kann das gut nachvollziehen, denn auch mir ist es schon oft so ergangen auf meinen Reisen. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn ich finde, dass es auch hier sehr viele freundliche, zuversichtliche und hilfsbereite Menschen gibt.

99 % unserer Ärgergedanken sind verschwendete Energie

Es hängt nur von unserer Sichtweise ab: Lassen wir uns von den „Miesmuscheln“ runterziehen oder freuen wir uns über schöne Begegnungen?

Für mich hieß das gestern: Ärgere ich mich über die Frau auf dem Fahrrad, die mir die Vorfahrt nimmt und sich dann noch über mich aufregt? Oder bin ich dankbar für das nette Feedback und Gespräch mit der Yoga-Teilnehmerin?

So trainierst du dein Gehirn auf Freude

So können wir uns immer wieder daran erinnern und unser Gehirn darauf trainieren, die positiven Ereignisse wahrzunehmen. Was nicht immer einfach ist – schließlich ist es in uns seit Urzeiten angelegt, stärker auf Gefahren und Bedrohungen zu reagieren als auf positive Erlebnisse (siehe auch diesen Blogartikel dazu…). Doch es gibt ein effektives Wundermittel, um „Train your Brain“zu unterstützen: Bewegung und Aktivitäten der Freude!

DIESE Bewegungsarten wirken wie Psychotherapie

Eine neue Netzwerk-Metaanalyse des australischen Psychologen Michael Noetel (Universität Queensland in St. Lucia/ Brisbane) hat festgestellt, dass Körperaktivität Depressionen lindern und sogar die Wirkung von Psychotherapie verstärken kann. Er verglich verschiedene Bewegungsarten mit psychotherapeutischen Behandlungsmethoden und fand heraus:

Tanzen wirkt am besten! An zweiter Stelle stehen Joggen bzw. Walking, gefolgt von Yoga. Demnach wirken diese Aktivitäten sogar genauso effektiv wie eine kognitive Verhaltenstherapie oder die klassische Psychotherapie. Auch wenn die Analyse nur einen kleinen, nicht-repräsentativen Ausschnitt zeigt, ist die Richtung klar:

Tanze, laufe, bewege dich, praktiziere Yoga und Lachyoga! Das ist das Beste, was du tun kannst, um Depressionen vorzubeugen, deine Stimmung zu heben und deine „Wahrnehmungsbrille“ zum Positiven zu verändern.

All diese Elemente sind natürlich Bestandteil meiner Angebote, zum Beispiel der Happiness Yoga Ferien.

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Wie du Schaffensblockaden überwindest und wieder in den Flow kommst

Ich saß am Schreibtisch und starrte vor mich hin. Was auch immer ich an To Dos in meinem Kopf hatte, ich tat – nichts! Ich surfte lustlos auf sensationsheischenden News-Portalen und machte mir mit meinen eigenen Schuldgefühlen noch zusätzlich das Leben schwer.

Gerade mal seit 10 Tagen war ich von unserer Weltreise zurück und hatte mir so viel vorgenommen: jeden Tag diszipliniert und konsequent an meinem Business arbeiten, neue Konzepte entwickeln, Werbung machen, Social Media etc. Noch in Thailand hatte ich den Plan, zu Hause so richtig loszulegen, mich von nichts mehr ablenken zu lassen. Nun war ich zurück und fühlte mich wie erstarrt – ich war weder imstande, meine Wohnung richtig einzurichten noch irgendeine Aufgabe konsequent umzusetzen. Innerlich fühlte ich mich leer – und machte mir auch noch Vorwürfe.

Bis ich schließlich erkannte, dass es nur eine Sache gab, die mir helfen konnte: Absolute Akzeptanz von dem, was gerade ist! Ich hörte auf, mir Schuldgefühle einzureden, unterrichtete hier und da Yoga und nahm mir vor, in Leichtigkeit das zu nehmen, was gerade kommt, ohne mir selber Druck zu machen. Mir wurde zudem klar: Gerade dann, wenn wir uns leer fühlen, kann Raum für Neues entstehen.

Das kann sogar ein hilfreicher Reinigungsprozess sein: Altes loslassen und „rausschmeißen“, um Raum für Neues zu schaffen. Die Natur macht es uns vor: Bäume verlieren die Blätter, damit sie im Frühling wieder neu erblühen. In unserem menschlichen Körper sterben geschätzt täglich 50 bis 70 Milliarden Zellen, um neu ersetzt zu werden. Eine Raupe bleibt wochen- oder gar monatelang in ihrem Kokon eingeschlossen, bevor sie schließlich zum wunderschönen Schmetterling wird und frei in die Welt hinausflattert.

Mögliche Ursachen von Schaffensblockaden

Doch was bedeutet das überhaupt, „Schaffensblockade“? Ist das nur so ein diffuses Gefühl, oder sind hier auch körperliche und kognitive Prozesse involviert? Aus der Hirnforschung weiß man, dass es verschiedene Ursachen und Aspekte geben kann, die bei Schaffensblockaden eine Rolle spielen.

1. Äußere Umstände: Arbeitsbedingungen

Manchmal ist die Konzentrationsfähigkeit oder auch Kreativität aufgrund verschiedener äußerer Bedingungen eingeschränkt. Zum Beispiel, wenn wir unter starkem Stress oder Zeitdruck stehen oder Ängste uns bedrücken. Die Hirnforschung hat gezeigt, dass chronischer Stress und Angst die Gehirnstrukturen und -funktionen verändern können. Wenn wir zum Beispiel bei einer Tätigkeit stark unter Druck gesetzt werden (oder sogar die Kündigung droht, falls wir Fehler machen), dann ist es nachvollziehbar, dass das kreative Potenzial eher eingeschränkt ist. Vielleicht können wir nicht mehr klar denken, stecken im Grübelkreislauf fest oder kommen nicht auf die einfachsten Lösungen.

Auch wenn wir ständig von außen abgelenkt werden, leidet der Fokus (z.B. in einem Großraumbüro, wenn das Kind oder der Partner nach Hause kommt, eingehende Anrufe etc.).

Unabhängig davon, ob du festangestellt oder selbständig tätig bist: in dem Fall solltest du deine Arbeitsbedingungen nochmal genauer unter die Lupe nehmen. Kannst du ungestört arbeiten? Wo kannst du Zeitdruck rausnehmen, vielleicht Dinge delegieren – oder einfach sein lassen? Und dir klar machen: du musst nicht alles hinnehmen!

2. Innere Blockaden: Glaubenssätze

Manchmal sind es auch Glaubenssätze oder mentale Blockaden, die uns davon abhalten, in die Gänge zu kommen. Zum Beispiel, wenn wir von vornherein denken, dass ein bestimmtes Projekt oder eine bestimmte Idee kaum eine Chancen auf Erfolg hat. Vielleicht hat dies noch mit Überzeugungen zu tun, die tief in uns verankert sind, wie „ich schaffe es eh nicht“ oder „ich bin nicht gut genug.“ Siehe auch den Blogartikel zum Thema Glaubenssätze…

Studien haben gezeigt, dass bestimmte Gehirnregionen bei der Ausführung von kognitiven Prozessen aktiv sind, zum Beispiel der präfrontale Kortex (siehe auch „das limbische System“). Stress oder mentale Blockaden können dazu führen, dass die für die Tätigkeit erforderlichen Hirnareale eingeschränkt sind.

In dem Fall kann es helfen, nach vorhandenen inneren Blockaden und Glaubenssätzen zu forschen (z.B. sehe ich einen Sinn in dem, was ich da tue?). Allein die Erkenntnis darüber ist schon sehr hilfreich, und manchmal lasse sich solche Glaubenssätze leichter auflösen als vermutet.

3. Botenstoffe bzw. „Neurotransmitter“

Wenn wir in einem kreativen Flow sind, werden im Gehirn Glückshormone produziert, unter anderem Dopamin, Serotonin und Noradrenalin. Diese tragen dazu bei, dass wir in besserer Stimmung sind und auch motivierter. Doch nicht immer ist ein normaler Arbeitstag so erfüllend oder spannend, dass wir am laufenden Band Glückshormone produzieren.

Bei einer Schaffensblockade können wir auch nach anderen Wegen suchen, um diese Glückshormone anzukurbeln: ein Spaziergang um den Block, ein paar Minuten Lachen (z.B. am Lachtelefon), eine Atemübung, ein gutes Gespräch etc.

 

4. Neuroplastizität des Gehirns

Das Gehirn ist in der Lage, sich durch Erfahrung und Training laufend zu verändern und anzupassen. Hier zählt die Regelmäßigkeit. Je öfters wir kreativ arbeiten können oder auch dürfen und damit gutes Feedback bekommen, umso mehr verankern wir dies als positive Erfahrung in unserem Gehirn.

Wenn wir jedoch mit guten Ideen ständig vertröstet oder sogar belächelt werden, wird dies als negative Erfahrung abgespeichert und somit entsteht mit der Zeit ein mentaler „Widerstand“, wenn es darum geht, kreativ zu sein.

Hier kann es ebenfalls hilfreich sein, in anderen Bereichen neue, positive Erfahrungen zu machen. Zum Beispiel durch ein kreatives Hobby wie Malen oder musizieren, singen oder schreinern.

Akzeptanz als Grundlage jeder Veränderung

Wie geht es dir damit? Kennst du solche Phasen, in denen du das Gefühl hast, es geht nichts voran? Wie gehst du damit um?

Neben den oben genannten möglichen Ursachen gilt es vor allem, sich klar zu machen: Blockaden dürfen sein! Bevor wir also hingehen und versuchen, etwas zu verändern, sollten wir zunächst mal die Grundeinstellung zum Thema „Schaffensblockaden“ zu verändern. Mir hat dabei geholfen, sich folgende Aspekte nochmal bewusst zu machen:

1. Akzeptieren, was ist

Es nützt keinem etwas, wenn wir uns noch selbst verurteilen und geißeln. Leerlaufphasen gehören dazu und sind sogar wichtig. Mehr noch: Wer sich die nicht bewusst nimmt, endet womöglich im Burnout.

2. Gerade die Zeiten, in denen gefühlt nichts vorangeht, sind wichtig

Sie helfen uns, neue Ideen entstehen zu lassen und alles Alte loszulassen, was nicht mehr zu uns passt. In den Zeiten, in denen alles super läuft, sind wir oft viel zu beschäftigt, um überhaupt einen klaren Kopf zu bekommen.

3. Jede Blockade macht uns stärker

Es liegt nicht in der Natur der Sache, dass immer alles perfekt läuft, und wir würden es davon abgesehen auch gar nicht zu schätzen wissen. Also: annehmen, für Neues öffnen und wachsen! Das stärkt die Resilienz.

Dies hilft uns sofort, die innere Einstellung zu verändern. Und die Erfahrung zeigt: wenn wir aus der Bewertung heraustreten und etwas nicht mehr per se als „negativ“ beurteilen, ist schon der erste Schritt getan, um den Druck und Stress, der mit Schaffensblockaden verbunden ist, loszulassen. Dann können wir natürlich hingehen und diese zum Anlass nehmen für eine kleine Bestandsaufnahme: bin ich noch an der Position, wo ich am besten wirken kann? Kann ich selbst meine Arbeitsbedingungen verändern und beeinflussen? Wenn nein, ist es Zeit für Veränderung? Oder sollte ich im Innen anfangen, nach hinderlichen Glaubenssätzen und mentalen Blockaden forschen?

Was auch immer für dich passt: Ich wünsche dir, dass du auch deine Leerlaufphasen genießen kannst! Und dass diese zu einer fruchtbaren Grundlage für neue, kreative Ideen werden können.

Übrigens: wenn du dir Begleitung in diesen Prozessen wünschst, dann ist das SMILE-Programm genau richtig für dich.

Meine fünf wichtigsten Erkenntnisse der Reise

 

  1. Wohin du auch gehst – deine Themen begleiten dich

 Sowohl bei uns als auch bei den Teilnehmer:innen meiner Retreats habe ich festgestellt: Wir können am schönsten paradiesischen Ort sein, aber das allein ist kein Garant für glücklich sein. Denn wenn wir versuchen, vor unseren Problemen wegzulaufen, statt uns mit ihnen auseinander zu setzen, dann werden sie uns woanders wieder begegnen – an anderen Orten oder auch mit anderen Menschen. Die gute Nachricht: Wenn wir nach innen schauen und immer wieder bei uns selbst beginnen, dann ist es nicht so wichtig, an welchem Ort wir gerade sind.

  1. Wir haben keine Zeit – weil wir sie vergeuden

Wenn eine solche Reise etwas bewirkt, dann, dass sie uns mal komplett aus dem Alltag herausnimmt. Weg von Freizeitveranstaltungen, Terminen, Verpflichtungen, von denen man vielleicht auf die Hälfte eh keine Lust hat. Auch das abendliche Fernsehen ist hinfällig, weil das Programm in anderer Sprache stattfindet. So haben wir festgestellt, dass wir grundsätzlich viel mehr Zeit haben, als wir zu Hause oft denken. Wir haben sie zu Hause nur deshalb nicht, weil wir sie entweder mit Fernsehen oder Social Media vergeuden, oder weil wir uns zu oft viel zu viele Termine aufhalsen.

  1. Wer aus Liebe handelt, gewinnt

Wo wir auch hinkamen, immer haben wir einen Riesenunterschied bemerkt, wie wohl oder unwohl wir uns in einem Hotel oder Geschäft oder an einem Ort gefühlt haben. Da konnte ein Hotel noch so durchgestyled sein, wenn die Mitarbeiter:innen unfreundlich oder lieblos waren, haben wir uns nicht wohlgefühlt. Dort, wo wir liebevolle Menschen getroffen haben – wie Gregoria auf Zypern, Nawal in Indien, Coco auf der geheimen Insel – herrschte direkt eine ganz andere Energie. Dies waren die Orte, die magisch Menschen angezogen haben und an denen wir uns uneingeschränkt wohl gefühlt haben.

  1. Es kommt nicht darauf an, WO du bist, sondern mit WEM du bist

Wir waren in einfachen Bungalows und haben Spaß gehabt, wir waren in 4-Sterne-Hotels und haben uns dort verloren gefühlt. Und umgekehrt. Den größten Spaß haben wir dort gehabt, wo liebevolle Menschen waren – entweder Reisefreunde oder auch besondere Menschen vor Ort (siehe vorherigen Punkt). Doch sowohl für meinen Sohn als auch für mich war es wichtig, den Kontakt zu den Freunden zu Hause zu halten und zu pflegen. Uns ist bewusst geworden, dass wir das nicht missen wollen. Viele stellen sich z.B. auswandern als DEN großen Traum vor. Doch die meisten machen sich nicht bewusst, dass dies auch bedeutet, Abschied von Freunden, Familie und lieben Menschen zu nehmen. Es viel wert, Freunde zu haben, mit denen man sich auch mal spontan treffen oder etwas unternehmen kann. Zu denen du hinfahren kannst oder die zu dir kommen, wenn du in Schwierigkeiten steckst.

  1. Es geht nicht darum, dass alles perfekt ist – sondern es gilt, die Höhen und Tiefen gelassen und mit einem Lächeln zu meistern

Diese Erkenntnis war bereits vor der Reise einer meiner wichtigsten Leitsprüche und hat sich mal wieder bestätigt. Wahrlich, auf unserer Reise ist nicht alles perfekt gelaufen. Aber wir hatten durchgehend die Zuversicht und die Gelassenheit, dass alles schon irgendwie gutgehen wird. Wir haben schöne Erlebnisse genossen und schwierige Situationen gemeistert. Und was auch immer wir daraus mitgenommen haben, eines ist sicher: Wir haben unsere Resilienz gestärkt und wissen, dass uns nichts so leicht umhauen kann. Und ich denke, das ist in diesen Zeiten eine der wichtigsten Ressourcen, die man haben kann.

Unsere „Weltreise“ – was nehmen wir mit?

Unser Mut hat uns belohnt – mit sensationellen Bildern und Erlebnissen, Rollerfahrten in der Abendsonne, Lachanfällen in Hotelzimmern, Schlafen auf dem Segelboot unterm Sternenhimmel, faszinierenden Unterwasserwelten beim Schnorcheln, Schwimmen bei Mondlicht im Infinity Pool. Wir haben Elefanten und Giraffen gefüttert, Feuershows und Feuerwerke gesehen, die Wellen gesurft und die Aussicht von Bergen auf umwerfende Landschaften genossen. Wir haben exotisches Essen probiert, spannende Menschen kennengelernt und nachts die Landschaft in einem Nachtbus an uns vorüberziehen lassen. Ich habe Retreats angeleitet, meinen Sohn unterrichtet und manchmal mit ihm auch einfach nur Serien geschaut. Sicherlich wird diese Reise noch sehr lange nachwirken und in uns arbeiten.

Wie fühlt es sich an, wieder zurück zu sein? Ich kenne dieses komische, etwas ernüchterte Gefühl schon von früheren Auslandsaufenthalten. Aber ich kenne es auch, einige Dinge hier zu Hause wieder mehr schätzen zu wissen: saubere Straßen, einen gut sortierten Supermarkt, eine leckere Currywurst oder es sich nach einem kalten Wintertag in der Wohnung gemütlich zu machen. Ich freue mich, wieder Termine und Struktur zu haben, aber vor allem: viele liebe Menschen wieder live sehen zu können!

DANKE

Wenn du bis hier gelesen hast, dann möchte ich dir als Leser:in und Begleiter:in nochmal DANKE sagen. Danke für dein Sein und deine Anteilnahme, für dein Einlassen und das virtuelle „Mitreisen“.

Ich möchte vor allem meinem Sohn Joshua danke sagen, der das alles so toll mitgemacht hat, sich auf alle Erlebnisse eingelassen hat und so lange auf Papa, Omas, Opas und seine Freunde verzichtet hat. Wir waren einfach ein klasse Mama-Sohn-Team und sind noch mehr zusammen gewachsen.

Und ich möchte meinem Freund Michael danken für die vielen schönen Momente in der ersten Reisehälfte und für die spätere Unterstützung aus der Ferne heraus. Ich bin froh und erleichtert, dass jetzt bei dir gesundheitlich alles gut überstanden ist.

MEHR…

Berichte, Bilder und Videos zur gesamten Reise findest du unter Reiseblog…

Du möchtest deine eigenen Träume entdecken und leben? Dann komm in das SMILE-Programm…

Heiligabend in Bangkok und die „geheime Insel“

Weihnachten unter Palmen – ist das jetzt schön oder traurig? Die Gedanken machen wir uns erstmal gar nicht, weil wir genau an Heiligabend den Flug von Phuket nach Bangkok antreten. Außer dass vor vielen Hotels und Läden glitzernde Weihnachtsbäume aufgestellt sind, merkt man hier nicht so viel von Heiligabend. Das macht es sicherlich einfacher, nicht sentimental zu werden. Es ist heiß draußen, der Flug läuft reibungslos, und wir sind nachmittags in dem schönen Hotel, in dem wir uns auch mit meiner Freundin Inga und ihrer Tochter Toyah treffen. Die beiden kommen extra in den Weihnachtsferien angereist, um mit uns Weihnachten und Silvester in Bangkok und am Strand zu verbringen.

Joshua und ich haben Kerzen besorgt, einen leuchtenden Mini-LED-Weihnachtsbaum, ein paar Accessoires und kleine Geschenke. Damit haben wir im Hotelzimmer einen kleinen „Weihnachtstisch“ aufgebaut, vor dem großen Fenster, durch das wir im Hintergrund die Lichter von Bangkok sehen. Dazu Wein, ein paar Süßigkeiten und Chips. So kann man es sich gutgehen lassen, denke ich mir. Wir freuen uns auf einen lustigen Abend zu viert, mit Spielen, herumscherzen und viel quatschen – wie wir es schon oft auf früheren Reisen gemacht haben. Vorher wollen wir noch mit den beiden essen gehen. Dafür haben Joshua und ich beim letzten Bangkok-Aufenthalt ein schönes Rooftop-Restaurant entdeckt, in dem es Steak und andere Leckereien gibt – obendrauf  den Blick auf verschiedene Tempel mit goldenen Dächern.

Es kommt immer anders und erst recht als man denkt

Doch erstmal kommt die Hiobsbotschaft: Der Flieger von den beiden wurde in Frankfurt gestrichen, wegen Sturm in Wien. Sie bekamen einen Ersatzflug – allerdings über Seoul! Also erstmal ein Umweg komplett in die falsche Richtung bzw. viel zu weit über das Ziel „Thailand“ hinaus. Was auch bedeutet, dass sie erst Abends gegen 22:00 Uhr im Hotel ankommen werden – und wir den Heiligabend dann wohl zu zweit verbringen dürfen. Wir nehmen es gelassen, gehen trotzdem zum Rooftop-Restaurant, genießen das leckere Essen und die Aussicht und machen Weihnachtsanrufe. Zu Hause ist es ja eh noch früher. Irgendwann treffen schließlich Inga und Toyah ein, und wir machen uns noch bis spät nachts eine gemütliche Zeit im Hotelzimmer.

VISA-Rennerei – im wahrsten Sinne des Wortes

Am nächsten Tag fahren Joshua und ich wieder zum Immigration Office, da wir ja noch eine Verlängerung für unser Visum brauchen, wenn auch nur für 10 Tage. Dort wird uns gesagt, dass dies leider nicht nochmal möglich ist und wir dafür aus dem Land raus und wieder einreisen müssten. Puh, wie soll das jetzt noch gehen auf die Schnelle? Ich recherchiere und finde eine Lösung: Der Ort, von dem aus wir auf die „geheime Insel“ fahren wollen, liegt nah an der Grenze zu Myanmar. Und es wird tatsächlich angeboten, mit dem Boot einmal über die Grenze und zurück zu fahren, um das Visum zu verlängern. Das Ganze nennt sich dann „Visa Run“ und ist durchaus üblich unter Backpackern.

Direkt am nächsten Tag geht’s los. Wir fliegen zu viert von Bangkok nach Ranong, einem abgelegenen Fischerort – Fischerort im wahrsten Sinne des Wortes, da es hier überall stark nach Fisch riecht. Hier empfängt uns die Dame, die für uns den „Run“ organisiert hat. Wir haben nicht viel Zeit, denn um 15:00 startet bereits das Speed Boat auf die Insel. Inga und Toyah – die ja kein Visum brauchen – warten solange in einem kleinen Straßenrestaurant auf uns, mitsamt Gepäck. Joshua und ich werden zur Eile angetrieben und können gerade noch schnell unsere Handgepäck-Rucksäcke greifen, um direkt von der Dame an den Pier geführt zu werden. Zum Glück habe ich noch etwas Wasser dabei und ein paar Cracker vom Flug. Zeit bleibt nur noch zum Geld abheben, denn schließlich lassen die sich das Ganze gut bezahlen.

Alles geht zack zack. Wir werden erst zu einem kleinen Schalter geführt, um dort eine Ausreisebestätigung zu erhalten. Dann klettern wir an dem kleinen Anlege-Pier über mehrere Holzboote hinweg auf ein Long Tail Boot. Ein Mann fährt das Boot, der andere, der dabei ist, sackt unsere Reisepässe ein. Los geht’s mit laut tuckerndem Motor, durch unruhige Gewässer, Richtung Myanmar. Hoffentlich. Ganz kurz beschleicht mich ein unruhiges Gefühl. Sie haben unsere Reisepässe, und wir haben all unsere wichtigen Karten und Wertsachen dabei, bis hin zu Tablets und Laptops. Theoretisch könnten diese Männer uns jetzt entführen, erpressen oder sonstwas mit uns machen. Ich versuche, gelassen zu bleiben und beschließe, einfach mal zu vertrauen, dass das Ganze gut geht. Was bleibt mir auch anderes übrig? Joshua ist zumindest die Ruhe in Person. Er hat die Noise Cancelling Kopfhörer aufgesetzt – wegen des lauten Motors – und hört darüber seinen Lieblings-Podcast.

Wir fahren an einen weiteren Pier heran, vermutlich irgendeine Zollstelle. Der „Begleitmann“ verschwindet mit unseren Pässen in dem Office und kommt zurück mit einem weiteren Mann in Militäruniform, der das Boot genau absucht, sogar unter den Planken nachschaut und in unseren Rucksäcken. Keine Beanstandungen und weiter geht’s. Der Begleitmann hat immer noch unsere Pässe in der Hand, und ich hoffe nur, dass sie ihm nicht ausversehen ins Wasser fallen. Ob das schonmal passiert ist bei einer solchen Fahrt? Ich denke lieber nicht drüber nach. Die Fahrt beginnt, Spaß zu machen. Wir fahren an dem Ufer von Myanmar entlang, sehen Häuser auf Pfählen und improvisierte Bretterbuden, Fischerkähne, Long Tail Boote, aber auch Tempel und Buddhafiguren. Schließlich kommen wir in ein Mini-Fischerdorf, mit ein paar heruntergekommenen Hotels und einem Schild: „Welcome to Myanmar.“ Hier dürfen wir aussteigen, klettern wieder über mehrere Boote hinweg und sollen an einem „Office“ – einem kleinen Schalter in einem Brettergebäude – die Ausreiseformalitäten erledigen. Pass, Foto, Fingerabdrücke. Schnell selbst noch ein Foto gemacht, dann geht es wieder mit dem Longtail Boot zurück über das Meer.

Um viertel vor drei kommen wir zurück an den Pier und müssen noch an den „Einwanderungsschalter“. Um drei geht das Speed Boat zur Insel. Unsere „Managerin“ empfängt uns, macht Druck am Schalter und führt uns dann im Laufschritt zu ihrem Auto und zum anderen Pier. Dort empfangen uns Inga und Toyah mit dem Gepäck, wir stürmen zum Anleger für das Speed Boat und… es ist nicht da! Etwa schon weg? Wir erfahren, dass es woanders abfährt, wegen Ebbe. Also ab ins Taxi und zum nächsten Anleger. Am Ende dauert es noch eine Stunde, bis wir mit dem Speedboat ablegen und auf die Insel fahren können.

Die „geheime Insel“ – Paradies auf Zeit

Diese Insel ist der Abschluss unserer Reise, wo wir uns mit Inga und Toyah noch eine schöne Zeit machen wollen. Sie wurde mir von einem Kollegen empfohlen, der aber Wert darauf legt, dass ich den Namen der Insel geheim halten soll. Daher nenne ich sie hier „geheime Insel“. Es ist eine der wenigen thailändischen Inseln, die noch nicht vom Massentourismus heimgesucht wurden. Weder von den Pauschaltouristen, wie in Phuket, noch von der „spirituellen Backpackerszene“ wie auf Ko Phangan. Natürlich gibt es auch hier Roller-Verleihstationen, kleine Tourismus-Offices, die Schnorcheltouren anbieten, Restaurants, Resorts und ein paar Souvenirläden. Aber es ist merklich anders, ursprünglicher und ruhiger. Und es gibt keinen „7/11“ Supermarkt, wie ich mit Genugtuung feststelle. Wir steigen nach Ankunft am Pier direkt auf die vorab gemieteten Roller, lassen unser Gepäck mit dem Taxi transportieren und ich genieße mit Joshua hinter mir den seichten Fahrtwind und die Stimmung des frühen Abends, während wir über die palmenbesäumten kleinen Straßen der Insel fahren. Hier gibt es keine Autos, nur Roller und Tuktuks. Genial!

Unser vom Kollegen empfohlenes Resort ist einfach, aber sehr sympathisch. Abends sitzen wir im Restaurant am Strand und sind geflashed von der tiefroten Sonne, die langsam im Meer versinkt, wir genießen gutes Essen und kalte Getränke. So verbringen wir die nächsten 10 Tage mit ausschlafen, gut und lange frühstücken, im Meer baden, Massagen erhalten, abends lustige Spiele wie „Tabu“ spielen und mit dem Roller über die Insel fahren. Carla aus Kalifornien ist ebenfalls auf der Insel und leistet uns ab und zu Gesellschaft, für Spiele und interessante Gespräche. Mit ihr zusammen biete ich 2 Lachyoga-Sessions für interessierte Touristen an, was jedes Mal großen Spaß macht. Silvester gibt es eine Riesenparty am Strand, mit DJ, Feuershow, Festessen und Himmelslaternen. Traumhaft, so kann es bleiben!

Die wildeste Cornflakes-Idee des Jahres

Doch ein paar Tage später wachen wir auf und merken: es reicht! Wir sind satt. Im positiven Sinne. Wir haben die gesamte Insel mit dem Roller erkundet, alle Souvenirläden abgegrast, im Meer gebadet, sind gesurft, haben Sonnenuntergänge noch und nöcher gesehen. Jetzt wird es Zeit für etwas Neues! Wir sitzen zu viert morgens beim Frühstück und sind uns einig: Wir wollen nach Bangkok –  noch heute! Toyah löffelt ihre Cornflakes und sagt „ich wär dabei.“ Also starten wir die Operation „Cornflakes-Idee“.

Wir organisieren uns einen Mini-Van (9 Stunden Fahrt!), tauschen die Tickets für das Speed Boat, packen schnell unsere Sachen und checken aus. Jetzt noch auf die andere Seite der Insel zum Speed Boat Anleger fahren, die Roller abgeben, und… puh, wieder in letzter Minute auf das Boot! Auf der anderen Seite – im Fischerdorf – wartet der bestellte Van. In 9 Stunden Fahrt würde man es von Köln bis nach Mailand schaffen. Doch hier in Thailand herrschen andere Relationen. Man fährt nicht so schnell, das Land ist groß und 9 Stunden Fahrt nichts Ungewöhnliches.

Crazy Bangkok intensiv

Spät abends bei Ankunft am Hotel erwartet uns erstmal das Kontrastprogramm zur „geheimen Insel“: zwielichtige bzw. eindeutige „Massagesalons“, vor denen leicht bekleidete Frauen oder Lady Boys herumlungern, Night Bars, Weed Shops und Karaoke Kneipen.

Aber wir finden die nächsten Tage in Bangkok auch hypermoderne Shopping Malls, ein Hard Rock Café, Elektro-Rikshas, die uns in allen Farben leuchtend durch die Nacht kutschieren. Und natürlich einen 7/11, bei dem wir uns mit den üblichen Snacks – Chips, Sandwich, Instant Nudeln und Chang Bier – eindecken können. Bangkok ist wirklich eine Stadt der Rekorde, der Ideen, der Partys, der faszinierenden Mischung aus Tradition und New Life. Ein Highlight ist auch der Besuch in einem „Hundecafé“, in dem lauter süße kleine dicke Corgi-Hunde um uns herumtollen und schier ausrasten, wenn wir ihnen Leckerlis reichen. Was für ein Erlebnis!

Unsere „Weltreise“ – was nehmen wir mit?

Doch nach ein paar Tagen ist es soweit: unser Rückflug nach Deutschland steht an! Nach einem Stopp in Qatar, leckerem Essen und jeder Menge Spielfilme setzt der Flieger in Frankfurt auf. Hier erwarten uns kalte Temparaturen, unfreundliche Zollbeamte, Schlangen vor der Passkontrolle und „deutsche Nüchternheit“. Aber es warten auch liebe Menschen, die uns von Herzen empfangen und sich freuen, dass wir wieder da sind. Freunde, Familie, Teilnehmer:innen und viele, die mit uns virtuell mitgereist sind und mitgefiebert haben.

Ich danke jedem und jeder einzelnen von euch für die Anteilnahme, die Motivation, den Trost und immer wieder die ermutigenden Worte, wenn es mal schwierig war! Ein großes Abenteuer geht zu Ende. Wir haben geliebt, gelitten, geweint, gelacht, genossen und gelernt. Wir sind immer wieder mal auf die Schnauze gefallen und haben uns jedesmal aufgerappelt. Wir hatten jede Menge Abenteuer, aber auch eintönige Tage. Die Reise hat uns – mich mit meinem Sohn – zusammengeschweißt und wir haben gelernt, was geht und was nicht geht. Wir haben unsere Freunde vermisst und auch Federn gelassen.

Aber der Mut hat uns belohnt – mit sensationellen Bildern und Erlebnissen, Rollerfahrten in der Abendsonne, Lachanfällen in Hotelzimmern, Schlafen auf dem Segelboot unterm Sternenhimmel, faszinierenden Unterwasserwelten beim Schnorcheln, Schwimmen bei Mondlicht im Infinity Pool. Wir haben Elefanten und Giraffen gefüttert, Feuershows und Feuerwerke gesehen, die Wellen gesurft und die Aussicht von Bergen auf umwerfende Landschaften genossen. Wir haben exotisches Essen probiert, spannende Menschen kennengelernt und nachts die Landschaft in einem Nachtbus an uns vorüberziehen lassen. Ich habe Retreats angeleitet, meinen Sohn unterrichtet und manchmal mit ihm auch einfach nur Serien geschaut. Sicherlich wird diese Reise noch sehr lange nachwirken und in uns arbeiten.

Wie fühlt es sich an, wieder zurück zu sein? Ich kenne dieses komische, etwas ernüchterte Gefühl schon von früheren Auslandsaufenthalten. Aber ich kenne es auch, einige Dinge hier zu Hause wieder mehr schätzen zu wissen: saubere Straßen, einen gut sortierten Supermarkt, eine leckere Currywurst oder es sich nach einem kalten Wintertag in der Wohnung gemütlich zu machen. Ich freue mich, wieder Termine und Struktur zu haben, aber vor allem: viele liebe Menschen wieder live sehen zu können!

Wir sind an der Reise gewachsen und haben viel gelernt. Daran möchte ich dich gerne teilhaben lassen.

Meine wichtigsten Erkenntnisse der Reise 

 

  1. Wohin du auch gehst – deine Themen begleiten dich

 Sowohl bei uns als auch bei den Teilnehmer:innen meiner Retreats habe ich festgestellt: Wir können am schönsten paradiesischen Ort sein, aber das allein ist kein Garant für glücklich sein. Denn wenn wir versuchen, vor unseren Problemen wegzulaufen, statt uns mit ihnen auseinander zu setzen, dann werden sie uns woanders wieder begegnen – an anderen Orten oder auch mit anderen Menschen. Die gute Nachricht: Wenn wir nach innen schauen und immer wieder bei uns selbst beginnen, dann ist es nicht so wichtig, an welchem Ort wir gerade sind.

  1. Wir haben keine Zeit – weil wir sie vergeuden

Wenn eine solche Reise etwas bewirkt, dann, dass sie uns mal komplett aus dem Alltag herausnimmt. Weg von Freizeitveranstaltungen, Terminen, Verpflichtungen, von denen man vielleicht auf die Hälfte eh keine Lust hat. Auch das abendliche Fernsehen ist hinfällig, weil das Programm in anderer Sprache stattfindet. So haben wir festgestellt, dass wir grundsätzlich viel mehr Zeit haben, als wir zu Hause oft denken. Wir haben sie zu Hause nur deshalb nicht, weil wir sie entweder mit Fernsehen oder Social Media vergeuden, oder weil wir uns zu oft viel zu viele Termine aufhalsen.

  1. Wer aus Liebe handelt, gewinnt

Wo wir auch hinkamen, immer haben wir einen Riesenunterschied bemerkt, wie wohl oder unwohl wir uns in einem Hotel oder Geschäft oder an einem Ort gefühlt haben. Da konnte ein Hotel noch so durchgestyled sein, wenn die Mitarbeiter:innen unfreundlich oder lieblos waren, haben wir uns nicht wohlgefühlt. Dort, wo wir liebevolle Menschen getroffen haben – wie Gregoria auf Zypern, Nawal in Indien, Coco auf der geheimen Insel – herrschte direkt eine ganz andere Energie. Dies waren die Orte, die magisch Menschen angezogen haben und an denen wir uns uneingeschränkt wohl gefühlt haben.

  1. Es kommt nicht darauf an, WO du bist, sondern mit WEM du bist

Wir waren in einfachen Bungalows und haben Spaß gehabt, wir waren in 4-Sterne-Hotels und haben uns dort verloren gefühlt. Und umgekehrt. Den größten Spaß haben wir dort gehabt, wo liebevolle Menschen waren – entweder Reisefreunde oder auch besondere Menschen vor Ort (siehe vorherigen Punkt). Doch sowohl für meinen Sohn als auch für mich war es wichtig, den Kontakt zu den Freunden zu Hause zu halten und zu pflegen. Uns ist bewusst geworden, dass wir das nicht missen wollen. Viele stellen sich z.B. auswandern als DEN großen Traum vor. Doch die meisten machen sich nicht bewusst, dass dies auch bedeutet, Abschied von Freunden, Familie und lieben Menschen zu nehmen. Es viel wert, Freunde zu haben, mit denen man sich auch mal spontan treffen oder etwas unternehmen kann. Zu denen du hinfahren kannst oder die zu dir kommen, wenn du in Schwierigkeiten steckst.

  1. Es geht nicht darum, dass alles perfekt ist – sondern es gilt, die Höhen und Tiefen gelassen und mit einem Lächeln zu meistern

Diese Erkenntnis war bereits vor der Reise einer meiner wichtigsten Leitsprüche und hat sich mal wieder bestätigt. Wahrlich, auf unserer Reise ist nicht alles perfekt gelaufen. Aber wir hatten durchgehend die Zuversicht und die Gelassenheit, dass alles schon irgendwie gutgehen wird. Wir haben schöne Erlebnisse genossen und schwierige Situationen gemeistert. Und was auch immer wir daraus mitgenommen haben, eines ist sicher: Wir haben unsere Resilienz gestärkt und wissen, dass uns nichts so leicht umhauen kann. Und ich denke, das ist in diesen Zeiten eine der wichtigsten Ressourcen, die man haben kann.

DANKE

Wenn du bis hier gelesen hast, dann möchte ich dir als Leser:in und Begleiter:in nochmal DANKE sagen. Danke für dein Sein und deine Anteilnahme, für dein Einlassen und das virtuelle „Mitreisen“.

Ich möchte vor allem meinem Sohn Joshua danke sagen, der das alles so toll mitgemacht hat, sich auf alle Erlebnisse eingelassen hat und so lange auf Papa, Omas, Opas und seine Freunde verzichtet hat. Wir waren einfach ein klasse Mama-Sohn-Team und sind noch mehr zusammen gewachsen.

Und ich möchte meinem Freund Michael danken für die vielen schönen Momente in der ersten Reisehälfte und für die spätere Unterstützung aus der Ferne heraus. Ich bin froh und erleichtert, dass jetzt bei dir gesundheitlich alles gut überstanden ist.

MEHR…

Berichte, Bilder und Videos zur gesamten Reise findest du unter Reiseblog…

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Meckern verpönt? Von Hotels und anderen Baustellen in Phuket

Das Leben ist eine Baustelle – und manches Hotel auch

Ich sitze mit Joshua im Taxi, erfüllt und zufrieden von dem schönen und besonderen Segelerlebnis, das wir hatten. Aber wir freuen uns auch mal wieder auf ein klimatisiertes Hotelzimmer, ein großes Bett zum Schlafen und nicht kochen müssen. Als das Taxi zum Hotel einbiegt, sehen wir jedoch zunächst – einen riesigen Bauzaun. Daran vorbei, kommen wir an der Rezeption an. Da es noch früh ist, können wir noch nicht in das Zimmer. Wir gehen also zum Poolbereich, um es uns dort auf einem der Liegestühle bequem zu machen und zu warten. Der Pool ist schmal und lang, die Liegestühle passen nur daneben, wenn sie schräg stehen, daneben ist der Bauzaun und dahinter – jede Menge Baulärm. Solche Dinge sieht man natürlich bei Booking.com nicht auf den Bildern. Da zudem das Hotel ganz neu ist – eben noch eine halbe Baustelle – gab es auch noch kaum Rezensionen dazu. Wobei ich eigentlich dachte, dass man bei einem 4-Sterne-Hotel nichts falsch machen kann. Aber da habe ich mich leider getäuscht. Entgegen der Aussage in Booking liegt das Hotel auch nicht direkt am Strand. Um zum Strand zu kommen, müssen wir am Bauzaun entlang durch die sengende Hitze laufen und noch über eine Straße.

Schließlich können wir in unser Zimmer einziehen, was immerhin sehr gut ist. Geräumig, modern, mit einer kleinen Küchenzeile (wobei dort noch nichts eingerichtet und benutzbar ist), einem Schreibtisch und zusätzlichem Sofa. Mit Mühe überrede ich Joshua, noch einen kleinen Gang durch den Ort zu machen. Wobei der Begriff „Ort“ etwas übertrieben ist, was wir hier vorfinden: Eine große lange Straße entlang des Strandes, an der Straße entlang das übliche: Massagesalons, kleine Supermärkte, Restaurants. Kein gemütlicher Ortskern, alles einfach nur aufgereiht an der großen Straße. Und beschleicht das Gefühl, dass wir unser Hotelzimmer die nächsten Tage nicht so oft verlassen werden.

Das Frühstück am nächsten Morgen macht es nicht besser. Aus dem Mini-Frühstücksraum blickt man auf den Bauzaun, die Tische sind eng zusammen gepfercht und wir kommen uns vor wie in einem Käfig. Das Buffet hat zwar das Übliche, was es so gibt – English Toast bis hin zu Scrambled Eggs, aber appetitlich ist das alles nicht, wenn direkt am Nebentisch irgendwelche dickbäuchigen Typen das Rührei in sich hineinschaufeln und alle Reste unappetitlich am Tisch hinterlassen. Ich bedaure es, dass ich direkt eine komplette Woche in diesem Hotel gebucht habe. Natürlich – das mag alles nach „Luxusproblem“ klingen, aber ich sehe es nicht ein, wenn der Preis in Relation viel höher ist als das, was man angeboten bekommt.

Should I stay or should I go?

Muss ich das jetzt so hinnehmen, weil ich nun mal verbindlich und stornierungsfrei gebucht habe? Oder darf ich / ja, sollte ich versuchen, es zu ändern? Ich entscheide mich für ändern und gehe zur Rezeption, mit der Bitte, vorzeitig auszuchecken. Immerhin sind die Mitarbeiterinnen an der Rezeption sehr freundlich. Sie rufen den Manager, der ebenfalls sehr kooperativ ist. Ich vermute fast, dass ich nicht die erste bin, die sich beschwert. Er versucht fast verzweifelt, mich zum bleiben zu überreden: er bietet mir Upgrades an, ein kostenloses Dinner etc. Doch ich will nur weg hier, und schließlich willigt er ein, dass ich am nächsten Tag auschecken und das restliche Geld zurückbekommen kann. Er müsste nur noch mit der Reservierungsabteilung klären, wie sie es handhaben. Ich bin total erleichtert und suche mir direkt ein anderes Hotel raus, das einen guten Eindruck macht, in der Nähe und bezahlbar ist. Schließlich gilt es nur noch, die restlichen 4 Tage etwas zu finden, bis wir an Heiligabend nach Bangkok fliegen.

Gerade habe ich online auf „buchen“ (ohne kostenfreie Stornierung, wohlgemerkt) gedrückt, kommt ein Anruf über das Hoteltelefon. Es sei doch nicht möglich, vorzeitig zu stornieren, sagt mir der Manager am Telefon. Ich hätte bis zum 24.12. gebucht und bezahlt, das wäre nicht rückgängig zu machen. Na ganz toll, denke ich mir, jetzt habe ich gerade das andere Hotel gebucht und komme hier nicht raus! Was tun? Aufgeben? Ich recherchiere im Netz „Was tun bei Baulärm“? So kampflos will ich das nicht hinnehmen. Man solle es dokumentieren, finde ich auf diversen Anwalts-Beratungsseiten im Netz heraus. Ah, ok. Ich gehe mit meinem Smart Phone nach unten und mache Bilder, Tonaufnahmen und Videos von allem: dem Lärm hinter dem Zaun, dem eingequetschten Pool, der provisorischen Einrichtung. Dann setze ich mich hin und schreibe eine lange Mail an den Hotelmanager sowie Booking.com. Ich beschreibe die Mängel und dass ich diese gerne auf Anfrage dokumentieren kann. Ich beschreibe den Vorgang und die mündliche Zusage des Hotelmanagers. Fast komme ich mir dabei vor wie so eine typische deutsche Meckertante, die an allem etwas auszusetzen hat. Skrupel begleiten mich die ganze Zeit: ist es nicht übertrieben, da so viel Energie reinzustecken? Sollte ich das nicht einfach als „Dumm gelaufen“ oder „Pech gehabt“ abhaken und nächstes Mal schlauer sein?

Für sich einstehen erlaubt

Doch dann erinnere ich mich wieder an mein Motto: „love it, leave it or change it”. Und mir wird noch etwas klar: Nein, ich MUSS nicht alles so hinnehmen, was man mir vorsetzt! Das habe ich auch schon in Indien, aber auch auf der restlichen Reise gelernt. Und ich finde, das gilt für uns alle, vielleicht sogar gerade für uns Frauen: Wir dürfen es einfordern, dass man uns respektvoll und gut behandelt: Wir dürfen die Stimme erheben, wenn uns nicht das geboten wird, wofür wir bezahlen – und in dem Fall war es nicht zu wenig. Wir müssen, ja dürfen es nicht zulassen, wenn andere so unverschämt sind und denken, wir würden schweigend alles akzeptieren, was man uns anzubieten versucht. Für mich ist das immer wieder eine der wichtigsten Übungen überhaupt.

Ich habe dies früher anders vermittelt bekommen: sei nicht unverschämt, fordere nicht zu viel, lass mal Fünfe gerade sein, halte die Bälle flach etc. Die Geschichte mit dem Hotel mag ein kleinliches Beispiel sein, aber es lässt sich auf viele andere Bereiche übertragen: Wo stehen wir im Job nicht für uns selbst ein, in der Familie, in der Partnerschaft? Ich habe mittlerweile gelernt: Ja, wir dürfen auch mal einen „Zwergenaufstand“ machen, wir dürfen laut werden, toben, uns beschweren, fordern und für uns einstehen! Wir müssen uns nicht mit weniger zufrieden geben, nur um möglichen Konflikten aus dem Weg zu gehen! Als harmoniebedürftiger Mensch fällt es mir schwer, Grenzen zu setzen. Jemand könnte mich nicht mögen, selbst wenn er „nur“ ein Hotelmanager ist, den ich nie wiedersehe. Mir wird bewusst: nicht nur hier, sondern in allen Lebensbereichen ist es eine gute und auch schwierige Übung, zu riskieren, dass andere mich nicht mögen.

Und dazu lade ich auch dich ein: probiere es mal aus, mit der Einstellung durch den Tag zu gehen, nur so als Übung. Riskiere, dass andere dich nicht mögen. Vielleicht wirst du dann in der Tat mehr anecken. Aber du wirst auch mutiger, das kann ich garantieren!

Wenn es noch nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende

Als wir am nächsten Tag auschecken überbringt uns der Hotelmanager strahlend die Nachricht, dass ich mein restliches Geld zurückbekomme. Na also, geht doch! Ich soll ihnen allerdings unterschreiben, dass ich eine gute Bewertung für das Hotel abgebe. Tja, so läuft das hier wohl, aber was soll’s. Ich unterschreibe und bin erleichtert, dass es doch noch geklappt hat.

Das „Ausweichhotel“ zwei Buchten weiter ist sehr schön und hat einen richtig tollen Pool auf dem Dach, mit Blick über die Landschaft. Wir nutzen die Tage bis Weihnachten, um Online-Schule zu machen, Fotos zu sortieren, zu arbeiten und noch ein paar Aktivitäten aus Joshuas Adventskalender zu machen. Die 3 Fragezeichen hören, zusammen einen Film nach Joshuas Wahl schauen – in diesem Fall Jurassic Park. Wir machen Kissenschlachten und Kitzelschlachten und toben im Pool. Am frühen Abend habe ich meist diesen wunderschönen Rooftop Pool für mich alleine. Ich setze mich dann auf einen der Liegestühle und schaue mir den Sonnenuntergang an. Der Himmel färbt sich in allen Orange- und Rottönen, hinten durch die Bäume hindurch sieht man das Meer. Ja, es ist schön hier in Thailand. Und doch merken wir beide, dass es bald Zeit wird, zurück nach Deutschland zu kommen. Joshua vermisst seinen Papa, seine Freunde, seine Omas, und ich brauche auch mal wieder mehr Struktur. So werden wir im Januar, zum Halbjahreswechsel an der Schule, zurückfliegen. Doch bevor es soweit ist, warten in Bangkok und auf der Insel noch einige Abenteuer auf uns. Dazu mehr im nächsten Blog…

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We are sailing

Das nächste Abenteuer wartet in Phuket auf uns: Wir haben von hier aus einen einwöchigen Segeltörn gebucht. Ich habe tatsächlich einen deutschen Anbieter gefunden, bei dem es zum einen wirklich um Mitsegeln geht und zum anderen sehr viel günstiger ist als bei anderen Anbietern. Also machen wir uns auf den Weg zur „Haven Yacht Marina“, um dort auf Reiner zu treffen. Reiner ist der Skipper für unseren Törn, 65 Jahre alt, und das Segelboot – die „Sunrise“ – gehört ihm. Nicht das neueste Luxusschiff, aber solide, und gut für bis zu 8 Personen geeignet. Reiner fährt in der Saison – von Oktober bis Februar – jede Woche einen neuen Törn mit neuen Leuten. Den Rest der Zeit verbringt er in seiner Heimat – dem  Saarland – oder mit seinen Kindern und Enkeln in Boston. Er ist so, wie man sich einen echten Seebären vorstellt: Eine raue, direkte Art, trotzdem empathisch und unterhaltsam. Er drängt sich bei keinem auf, und wenn man zu viele Fragen stellt – so wie ich es gerne tue – dann weist er einen auch schonmal etwas harscher zurück.

Reiner, der Seebär

Er ist der Meinung, dass wir Dinge nur lernen, indem wir sie tun. Grundsätzlilch gebe ich ihm da ja auch Recht. Aber wenn ich etwas tue, dnan muss ich auch verstehen, WOZU ich es tue. Und deshalb frage ich ziemlich viel. Zum Beispiel, welche Leine für welches Segel zuständig ist. Warum erst das Großsegel raus muss und dann das Vorsegel. Welchen Knoten man für welchen Zweck einsetzt. Leider bin ich in technischen und räumnlichen Dingen nicht so versiert und fühle mich dann immer ein wenig im Hintertreffen. Aber ich versuche, dran zu bleiben, mitzuhalten und meinen vor über 10 Jahren absolvierten Sportbootführerschein See so gut es geht wieder aufzufrischen. Was am Ende gut gelingt.

Mit von der Partie ist noch ein junges Pärchen aus Regensburg – sie sind auch auf einer Art „Weltreise“ in Asien unterwegs – und eine Schweizerin. Eigentlich hieß es vorher, dass der Skipper keine Kinder mitnehmen würde, aber Reiner hat dann wohl Mitleid bekommen und eine Ausnahme für uns gemacht. Oder er hatte einfach noch zu wenig Mitsegler. Am Ende ist er vermutlich sogar froh, dass Joshua dabei ist. Es stellt sich nämlich heraus, dass er auch noch in dem Sinne „vom alten Schlag“ ist, dass er grundsätzlich Jungs bzw. Männern eher zutraut, mit Technik umzugehen als Frauen. So sind tatsächlich Julian – der Mann von dem jungen Pärchen – und Joshua meist die ersten, die gefragt werden, wenn es um Segelangelegenheiten geht – zum Beispiel Knoten, Navigation oder das Steuerrad in die Hand nehmen. Joshua meistert es bravourös und steuert uns auch durch wildere Winde, wofür der Skipper ihm großes Lob zollt. Ich freue mich mit Joshua und scherze am Ende des Törns mit Reiner: „Wenn deine Freunde dich fragen, wie es mit dem Kind geklappt hat, dann wirst du vermutlich sagen, ‚mit dem Kind war super, aber die Mama – ohoh, die war kompliziert.“

Achtung, Coaching-Falle!

Auch mit der Antwort auf die Frage nach meinem Beruf stoße ich nicht auf Begeisterung. Als ich sage, „Life Coach“ und „Yogalehrerin“, da geht direkt das volle Klischeeprogramm mit dem Skipper durch. Das sei ja eine ganz schreckliche Szene, in der nur Schaumschläger und Dummschätzer unterwegs seien und keiner von dem eine Ahnung habe, was er da tue. Was solll man darauf antworten? Er hat wohl mal Segeltörns für die Deutsche Vermögensberatung gemacht und schert nun alle über einen Kamm. Und letztendlich stimme ich ihm ja sogar zu, dass es leider viele „schwarze Schafe“ am Markt gibt, die so drauf sind. Aber ich selbst zähle mich nicht zu denen, da ich anders arbeite und mich für absolut seriös halte und dies auch von meinen Teilnehmer:innen bestätigt bekomme. Manchmal fast zu meinem Leidwesen. Denn ich würde ich niemals etwas anbieten, von dem ich nicht selbst völlig überzeugt bin, und erst recht nicht für einen astronomischen Preis, wie es so oft geschieht in der Szene. Ich diskutiere das nicht weiter mit Reiner, denn ich merke schnell, dass er zu der Sorte Mensch gehört, mit der man nicht diskutieren kann. Auch findet er es ganz schrecklich, wenn auf einem Törn Menschen dabei sind, die jedem ihr Herz ausschütten, weil sie gerade in einer Lebenskrise sind oder ihr Leben nicht auf die Reihe kriegen, oder sich nicht in das „normale Leben“ einpassen können. Wobei es ja nun auch nicht gerade „normal“ ist, jedes Jahr monatelang auf einem Segelboot in Thailand zu leben und ständig unterwegs zu sein. Aber das sieht Reiner anders, denn er sei ja schließlich noch gesellschaftsfähig.

Menschen und Landschaften

Unsere kleine Crew dürfte ihm ganz recht sein für die Woche. Es entsteht eine nette „Segel-Zweckgemeinschaft“, bei der wir uns zwanglos unterhalten, es aber eher oberflächlich bleibt. Jeder packt super mit an, beim kochen, abwaschen oder was noch zu erledigen ist. Wir kochen nur selbst, was wir alle tatsächlich mal richtig genießen. Denn genau wie Joshua und ich war das Pärchen auf ihrer bisherigen Reise so oft essen, dass sie sich mal über andere Mahlzeiten als die üblichen Stir Fried Rice, Pad Thai, Hamburger, Club Sandwich oder Pizza freuen. Bei unseren Gesprächen geht es um bisherige Reiseerlebnisse, Zukunftsplanung, Job oder Segelstorys. Reiner hat schon mehrmals den Atlantik überquert und entsprechend Seglergarn im Gepäck. Völlig ok, aber auf Dauer würde mich das langweilen. Hier bin ich froh, mich auch mal mit einem Buch zurückziehen zu können, und auf den Törns tagsüber gibt es tatsächlich immer sensationelle Meereslandschhaften zu sehen. Die für Thailand so typischen Felsformationen bringen uns immer wieder zum staunen. Wir sehen weites, blaues Meer, einsame Buchten – es sind erstaunlich wenige Segelboote unterwegs – weiße Sandstrände und faszinierende Inseln, manchmal noch mit Höhlen oder Felsbögen, hinter denen sich manchmal eine richtige Dschungel-Landschaft erstreckt. Wir bewundern den „James-Bond-Felsen“, an dem der Film „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gedreht wurde.

Partytourismus? Oder lieber einsame Buchten?

Wir sehen die berühmte Insel Koh Phiphi mit der Zwillingsbucht (hier wurde „The Beach“ mit Leonardo Di Caprio gedreht), von der wir allerdings ziemlich enttäuscht sind. Diese Insel ist offenbar das neue Mallorca von Thailand geworden, und abends hören wir auf dem Boot bis weit in die Nacht laute Partymusik. Am nächsten Tag fährt Reiner uns mit dem Dhingi – Beiboot – auf die Insel und wir sehen die Überreste der Party. Überall Müll und Bierdosen vor den Kneipen am Strand, die „Alcohol in a Bucket“ anbieten. Dazu die Weed-Shops, abgehalfterte, vermutlich bekiffte Partytouristen jeden Alters. Es ist einfach zu voll, zu touristisch und zu dreckig, um sich dort wohlzufühlen. Wir laufen bei sengender Hitze zum Aussichtspuntk hoch, nur um von dort aus eine Hotelruine bewundern zu können. Da hat wohl mal ein Investor angefangen, eine Bettenburg zu bauen, vielleicht ist ihm dann Corona dazwischen gekommen oder eine Pleite. Schön ist das alles nicht, und wir sind froh, als wir auf dem Segelboot zurück sind und den Anker wieder lichten.

Am nächsten Abend werden wir um ein Vielfaches entschädigt. Wir ankern in einer einsamen Bucht, wo sonst niemand ist. Da wir selbst kochen, brauchen wir keinen Ort, an dem es ein Restaurant oder Infrastruktur gibt. Hier ist einfach nur ein schöner Strand am Ufer, der Blick über das weite Meer und der rote Abendhimmel. Joshua und ich beschließen, heute Nacht draußen auf dem Oberdeck zu schlafen. Das Übernachten in der Kajüte gleicht eher meist einem Saunabesuch, da es dort weder eine Klimaanlage noch einen Ventilator gibt. So packen wir Matten und Schlafsäcke nach oben, schauen in den Sternenhimmel und genießen die absolute Ruhe. Der Knaller obendrauf: Es ist eine Nacht mit besonders vielen Sternschnuppen. Joshua sieht direkt 6 Sternschnuppen, ich in der späteren Nacht noch zwei. Ein angenehmer Wind kühlt uns, und wir schlafen so gut durch wie schon lange nicht mehr. Am nächsten Morgen gratuliert Reiner uns mit den Worten, dass es bisher nur wenige da oben durchgehalten haben, weil es ihnen dann doch irgendwann zu kalt wurde.

Unsere ersten Wünsche scheinen sich zu erfüllen: wir haben nämlich heute tatsächlich mal etwas mehr Wind! Nach einer Stunde unter Motor können wir die Segel hissen und so richtig loslegen. Wir wechseln uns ab mit Steuern, üben das Wende fahren, vom Wind abfallen, anluven, die Leinen bedienen. So langsam kommt mein altes Wissen wieder und vor allem auch der Spaß an der Sache. Es ist einfach total entspannend, mit dem Wind zu segeln, ohne Motorgeräusche durch die Wellen zu schießen, dazu der kleine Adrenalinschub, wenn das Boot sich so schief legt, dass man doch einen kleinen Moment denkt, es könnte umkippen. Wir sehen vom Boot aus weutere atemberaubende Felslanschaften, weiße Strände, Krabbenfischer in den für Thailand berühmten Longtail-Booten, den blauen Himmel und das weite Meer. Abends ankern wir in verschiedenen Buchten, essen, sitzen zusammen und schauen in den Sternenhimmel. Besser kann man die Insel-Landschaft von Thailand wohl kaum genießen. Nach einer Woche steigen wir zufrieden vom Boot, es schaukelt noch ein wenig unter den Füßen und wir freuen uns auch mal wieder auf ein klimatisiertes Hotelzimmer. Zum Glück wissen wir nicht, was uns als nächstes erwartet, sonst wäre die Vorfreude vielleicht ein wenig getrübt gewesen…

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Reisen ist Abenteuer: von Chiang Mai über Hua Hin bis Phuket

Schön warˋs in Chiang Mai! Unsere nächste Zwischenstation ist Bangkok, da wir hier unser Visum verlängern müssen. Also habe ich online einen Termin beim Immigration Office gemacht. Außerdem ist meine US-amerikanische Lachyoga-Kollegin Carla gerade in Bangkok und wir können sie dort treffen. Zunächst allerdings haben wir noch eine Nachtbusfahrt vor uns: von Chiang Mai nach Bangkok. Auf meinen früheren Reisen bin ich schon etliche Male mit Bussen über Nacht gereist und fand es irgendwie immer cool: gute Musik in den Ohren, man sieht die Lichter der Stadt vorüberziehen wie in einem Film, und wenn man Glück hat, lernt man noch nette Mitreisende kennen. Doch unser Bus – der auf dem Bild sehr modern aussah – ist leider von innen nicht so gemütlich. Es riecht komisch, und die Beinfreiheit lässt auch zu wünschen übrig.

Ok, wir überstehen es irgendwie mit wenig Schlaf und sind schon morgens um 5 in Bangkok am Busterminal, wo wir erstmal eine halbe Stunde am Taxistand warten müssen. Im Hotel angekommen, ebenfalls nochmal 3 Stunden warten, bis wir auf unser Zimmer können. Gut, dass wir mittlerweile so flexibel sind und von überall aus arbeiten bzw. Schule machen können. Also suchen wir uns ein gemütliches Plätzchen in der Hotellobby, gutes Wifi inklusive, was will man mehr. Das Warten lohnt sich: wir bekommen ein Zimmer im 7. Stock, mit Blick auf den Kanal.

Behördenrennerei – gibt es auch in Thailand

Am nächsten Tag geht es zur VISA-Verlängerung. Durch Stau – leider auch in Bangkok an der Tagesordnung  – kommen wir in letzter Minute zu unserem Termin – um dann zu erfahren, dass wir im falschen Büro sind und ganz woanders hinfahren müssen. Auch hier gibt es also Behördenrennerei – ich fühle mich schon wie zu Hause. Das für uns zuständige Burö ist in einer etwas heruntergekommenen Shopping Mall. Auf Plastikstühlen sitzen draußen im Wartebereich zahlreiche Menschen, die offenbar das Gleich wollen wie wir. Immerhin werden wir mit großen Schildern idiotensicher und Schritt für Schritt durchgeführt, was wir zu tun haben: Formular ausfüllen, Kopie vom Reisepass machen, Passfotos, eine Wartemarke ziehen. Dazu noch eine Adresse in Thailand angeben, und schließlich sind wir durch.

Faszinierendes Bangkok – trauriger Strandort

Für ein Treffen mit Carla reicht die Zeit jetzt nicht mehr, aber das holen wir am nächsten Tag nach:  mit einer „Hop on –  Hop off Tour“ auf dem beliebten Fluss Chao Praya. Von hier aus kann man die schönsten Tempel vom Wasser aus sehen, bis hin zur modernsten – und vermutlich auch teuersten – Shopping Mall von Bangkok. Diesmal reicht es für einen guten ersten Eindruck, der uns positiv überrascht: Einerseits gibt es hier Großstadtfeeling, mit Skyline, modernen Shopping Malls und Sky Train – andererseits wirkt Bangkok aber nicht so laut, dreckig, voll und anstrengend wie Delhi oder Mumbai.

Unsere nächste Station ist die Stadt Hua Hin an der Ostküste, etwa 4 Stunden Richtung Süden. Es heißt, dass hier viele Deutsche auch längerfristig leben, und von vielen Seiten hatte ich Gutes gehört. Für uns sieht die Hauptstraße der Stadt jedoch eher aus wie die schlimmsten Bettenburgen von Mallorca: sie ist gesäumt von heruntergekommenen Häusern und billigen Tourishops, nicht wirklich schön. Immerhin ist unser Resort gut – ich hatte dank Black Friday einen relativ günstigen Preis ergattert für ein richtig gutes Hotel –  und so beschließen wir, dieses möglichst wenig zu verlassen. Es reicht noch dafür, einen Friseur zu entdecken, den Joshua dringend nötig hat, ein Nagelstudio für mich, ein richtig gutes Sushi-Restaurant und einen Service zum Wäsche waschen.

The Grass is always greener…

Auch auf einer Reise fallen gewisse Erledigungen an, um die man nicht umhinkommt. Grundsätzlich bin ich nicht traurig drum, dass mir vieles von der üblichen Haushaltsarbeit erspart bleibt. Kein bisschen vermisse ich es, zu putzen, die Spülmaschine einzuräumen oder Wäsche zu waschen. Was mir manchmal dann aber doch fehlt, ist die Möglichkeit, selbst zu kochen und sich selbst versorgen zu können. Auch das klingt wie ein Luxusproblem: Aber auf Dauer macht es keinen Spaß, jeden Tag zu einem Frühstücksbuffet zu gehen, zu schauen, was davon uns überhaupt schmeckt, und sich zwischen den anderen Menschen durchzudrängeln, die ebenfalls am Kaffeeautomaten warten. Nicht immer ist unser Frühstück inklusive, so dass wir uns manchmal mit gekaufter Milch und kleinen Müslipackungen aus dem 7/11 behelfen, in unseren provisorischen Tupperdosen. Doch eine richtige Küche für so etwas haben wir nirgendwo.

Auch mit dem Essen gehen allgemein ist das so eine Sache, selbst wenn es hier natürlich weitaus günstiger ist als in Deutschland. An Straßenständen essen wir meistens nicht, da ich seit Joshuas Fast-Blut-Vergiftung damit sehr vorsichtig geworden bin. Ich selbst liebe zwar das thailändische Essen, doch auch mir ist es oft zu scharf. So gehen wir in Restaurants, die auch „westliches“ Essen anbieten und bestellen dort Club Sandwich oder Hamburger für Joshua. In der Hinsicht freuen wir uns schon jetzt wieder darauf, zu Hause selbst einkaufen zu gehen und zu kochen, was das Herz begehrt. An einem „vernünftigen“ Herd mit 4 guten Kochplatten. Es klingt paradox, aber wir merken in vielerlei Hinsicht, wie sehr man bestimmte Dinge vor allem dann zu schätzen weiß, wenn man sie eben nicht immer hat.

Wieder mal wird mir klar, dass es genau das ist, was das Leben ausmacht: in allen Bereichen gibt es die Sonnen- und die Schattenseite. Ohne „negative“ Gefühle würden wir schöne Gefühle wie Freude, Liebe, Begeisterung weniger schätzen. Ist es dann also eine Illusion, wenn wir es anstreben, immer glücklich zu sein und gute Gefühle zu haben? Sollten wir uns nicht lieber einfach damit abfinden und es hinnehmen, dass Gutes und Schlechtes im Leben passiert?

Das Glück ist nicht perfekt

Definitiv war ich schon immer davon überzeugt und vermittele es auch so, dass es nicht darum geht, dauerhaft und kontinuierlich gut drauf und glücklich zu sein. Das wäre tatsächlich eine Illusion. Doch können wir überhaupt unser Glück selbst gestalten, wie es immer so schön heißt? Oder müssen wir einfach alles im Leben geschehen lassen, so wie es kommt, weil uns eh immer Gutes und Schlechtes passiert?

Meiner Meinung nach liegt der Unterschied darin, WIE wir mit den negativen Dingen, Gefühlen und Ereignissen umgehen. Klar müssen wir manchmal einfach das annehmen, was ist. Aber wir können dabei entweder in die Opferhaltung verfallen, indem wir hadern und denken, „immer passiert mir das“. Oder wir können darauf vertrauen, dass die Zeiten wieder besser werden – denn es gibt ja immer die zwei Seiten. Ich denke: wir können immer und trotz allem aktiv dazu beitragen, dass sich etwas verändert. Und wenn es nur im Kleinen ist.

Nachtbusfahrt mit jähem Ende

Unser nächstes Erlebnis ist das beste Beispiel dafür. Wir haben eine weitere Nachtbus-Fahrt geplant: Diesmal nach Phuket. Eigentlich war das nicht auf dem Plan, aber von hier aus wollen wir eine Segeltour machen. Ich hatte tatsächlich noch einen bezahlbaren und sogar deutschen Anbieter gefunden, um diesen Törn ab Phuket zu machen – zu verlockenden Orten wie dem James Bond Felsen, Ko Phi Phi, Ko Lanta etc. Phuket selbst ist ja eher bekannt für Pauschaltourismus und daher nicht mein bevorzugtes Reiseziel. Neu war mir aber, dass Phuket nicht nur eine Stadt ist, sondern auch eine gesamte (Halb-) Insel, fast so groß wie die gesamte Insel Fuerteventura. Da der Yachthafen im Norden der Insel Phuket liegt, habe ich für die Nacht vorher ein Hotel rausgesucht, das im Norden, also in der Nähe des Yachthafens liegt. Die Fernbusse nach Phuket fahren jedoch alle zum Busterminal in Phuket Stadt, im Süden. Egal – sicherlich kann der Bus uns irgendwo im Norden rauslassen, schließlich habe ich es schon oft erlebt, dass Fahrer irgendwo stoppen, um Passagiere außer der Reihe aufzunehmen oder abzusetzen. .

Ich hatte diesmal extra darauf geachtet, dass wir den super Luxusbus nehmen, mit nur 3 Sitzen in einer Reihe, die sich in Schlafposition herunterklappen lassen. Natürlich gegen entsprechenden Aufpreis. Doch diesmal freue ich mich schon richtig darauf. Zunächst müssen wir jedoch bis 22:00 Uhr an der Hauptstraße von Hua Hin warten, bis der Bus endlich kommt. Wir werden nicht enttäuscht: Ein hochmoderner Luxusbus, mit neuen und gemütlichen Ledersitzen. Joshua ist begeistert und lässt sich erleichtert in den Sitz fallen. Wir bekommen frisch gewaschene Decken, Wasserflaschen, Saft und Cracker gereicht. Ich lehne mich zurück mit guter Musik im Ohr und lasse die weihnachtlich geschmückten Straßen von Hua Hin an mir vorüberziehen. Joshua, der sonst nie in Bussen, Flugzeugen oder Zügen schlafen kann, schläft nach kurzer Zeit tief und fest. Herrlich, so lässt es sich reisen!

Doch plötzlich findet die Fahrt ein jähes Ende: um 4:30 – gefühlt mitten in der Nacht – hält der Bus plötzlich an. Hmm, blöder Zeitpunkt für eine Pause, denke ich mir, und dass wir einfach im Bus bleiben werden, zumal Joshua immer noch schläft. Daraus wird nichts: Der vorher so freundliche „Bus-Assistent“ ruft laut und bestimmt, dass hier ALLE Passagiere mitsamt Gepäck den Bus verlassen müssen. Es ist gar nicht so einfach, Joshua wach zu kriegen und ihn raus in die Hitze der Nacht zu scheuchen. Wir stehen irgendwo mitten an einer Straße, das gesamte Gepäck wurde ausgeladen und auf dem kleinen Bürgersteig gestapelt. Zum Glück sind unsere beiden Taschen dabei, wie ich schnell mit einem Blick überprüfe. Wir Gestrandeten – fast nur Rucksack-Touristen – stehen jetzt auf der Straße. Es gibt einen Mini-Verkaufstisch mit Kaffee und Chips und Keksen, aber keiner weiß, was Sache ist. Joshua ist noch halb im Schlaf, und ich versuche mich durchzufragen. Offenbar sollen hier die Passagiere umverteilt werden. Eine Mitarbeiterin der Busfirma fragt mich harsch, in welches Hotel wir wollen und sagt mir, das sei vom Phuket Busterminal noch 1,5 Stunden Fahrt und koste 900 Baht. Ich frage, ob wir denn im Norden – Nähe Flughafen – abgesetzt werden können, und sie sagt mir unfreundlich, das sei nicht möglich. Wir hätten schließlich bis zum Terminal gebucht und müssten bis zum Terminal mitfahren und von dort aus wieder mit dem Taxi zurück in den Norden. Ich werde sauer, beschwere mich, doch sie ignoriert mich einfach und wendet sich dem nächsten Passagier zu.

An der Straße stehen kleine weiße Vans, in die wir nun einsteigen sollen, um zu unserem Ziel gebracht zu werden. Ich koche vor Wut. So eine Abzocke kenne ich von Indien, aber hier im freundlichen Thailand habe ich das noch nicht erlebt! Doch ich stehe mitten in der Nacht mit meinem halb schlafenden Kind an einer unbekannten Straße, also bleibt mir nichts anderes übrig, als das zu nehmen, was wir kriegen können. Wir quetschen uns in den Van, ich versuche noch, mit dem Busfahrer zu verhandeln, doch auch hier stoße ich auf taube Ohren. Ein Engländer, der hinter uns sitzt, hat das mitbekommen. Er gibt mir den Tipp, dass Busfahrer eher „kooperativ“ sind, wenn man ihnen einen kleinen „Extrabonus“ dafür anbietet.

Love it, leave it or change it

Also nutze ich die nächste Pause, um mir den Busfahrer zu krallen, und biete ihm 500 Baht an, wenn er uns im Norden rauslässt. „Welches Hotel?“ fragt er sofort, und plötzlich ist alles möglich. Ich drücke ihm die Scheine in die Hand, und so haben wir am Ende weniger bezahlt UND 3 Stunden Fahrzeit gespart. Dennoch wird meine Bewertung für DIESE Busfirma sicherlich nicht gut ausfallen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, wie solche Erfahrungen beim Reisen sich auf das „das richtige Leben“ übertragen lassen. Hier üben wir, einerseits anzunehmen, was nicht zu ändern ist. Sprich, uns in einen Van quetschen zu lassen für die restliche Fahrt. Aber es zeigt sich auch, wie wichtig es ist, nicht einfach ALLES hinzunehmen, was man vorgesetzt bekommt, sondern für das eigene Wohlbefinden zu kämpfen und das Beste rauszuholen.

In wie vielen Lebensbereichen nehmen Menschen einfach Dinge hin, jammern darüber, setzen aber nicht wirklich alles daran, um doch noch das Beste daraus zu machen? Wie viele Menschen hängen in einem untragbaren Job fest, in dem sie schlecht behandelt werden? Wie viele in einer Beziehung, die lieblos ist? So wird hier wieder klar: Bei allem im Leben sollten wir für uns sorgen und uns fragen: bin ich so damit zufrieden wie es ist? Wenn nein, was daran kann ich ändern, was muss ich akzeptieren, wie kann ich es ändern?

Wenn wir hier auf der Reise etwas gelernt haben, dann ist es, sich flexibel auf jedwede Situation einzustellen. Ich möchte dabei gerade auch meinem Kind vermitteln, dass es manchmal wichtig ist, nicht zu schnell aufzugeben, sondern das Beste draus zu machen. Denn natürlich haben wir beide auch manchmal Heimweh und vermissen Freunde und Familie zu Hause. Genauso möchte ich ihm umgekehrt vermitteln, dass wir immer und an jeder Situation etwas ändern können. Egal, ob es das Hotelzimmer ist, unsere Aktivitäten oder unsere Reiseorte. Ich bin mir sicher, dass Joshua – neben englisch – eines auf dieser Reise gelernt hat: Flexibilität. Flexibilität, um mit unterschiedlichsten Lebenssituationen umzugehen und das Beste draus zu machen. Diese Flexibilität wird uns auch bei unserem nächsten Abenteuer – dem Segelltörn – sehr abgefordert werden. Doch dazu mehr im nächsten Blog.

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Chiang Mai: von Tempeln, Laternen und Lichtermeer

Chiang Mai ist eine Stadt im Norden von Thailand, von der alle schwärmen. Ich konnte damit erstmal nichts anfangen und mir nicht vorstellen, warum. Doch wir haben festgestellt, dass sich oft das Gesicht einer Stadt schon auf dem Weg vom Flughafen, Bahnhof oder Busterminal zum Hotel zeigt. Und hier ist der erste Eindruck von Chiang Mai schonmal sehr schön. Der Name klingt ja irgendwie ein bisschen chinesisch, und so sehen wir an vielen Läden in den Straßen, überall bunte Laternen aufgehängt –  so dass Joshua schon den Taxifahrer fragt, ob das immer so ist, oder hier gerade ein besonderes Festival ist. Die Antwort kann zwar der Taxifahrer mangels ausreichender Englischkenntnisse nicht geben, wir stellen aber später fest: Sie ist ist ja und ja. Ja, hier sind immer und überall viele schöne bunte Laternen zu sehen. Und ja, am Wochenende beginnt hier das thailändische Lichterfestival Kry Lathong, an dem NOCH MEHR Lichter und Laternen zu sehen sind als eh schon üblicherweise.

Hotels: der Schein kann trügen

Den zweiten Eindruck einer Stadt haben wir dann meistens im entsprechenden Hotel, in dem wir uns eingebucht haben. Wir sind mittlerweile zu Booking-Experten geworden und wissen, dass schöne Bilder online nicht unbedingt bedeuten, dass das Hotel auch schön ist. Denn die den Bildern, mit denen sich die Hotels anpreisen, zeigen natürlich nicht die abgeranzten Ecken, die Flecken auf der Bettwäsche oder die schäbige Gegend um das Hotel herum. Manche Hotels werben zwar mit Swimming Pool, der ist dann aber entweder leer oder gerade in „chemischer Behandlung“ und somit nicht nutzbar. Manchmal gibt es nur kaltes Wasser in der Dusche, oder der seitliche Meerblick bedeutet, dass man auf einen dreckigen Hinterhof blickt und irgendwo mit viel Phantasie eine kleine Ecke vom Meer erblickt. Alles schon gehabt. Ein leidiges Thema sind auch die Klimaanlagen. Es mag sich im derzeit kalten Deutschland wie ein Luxusproblem anhören, aber eine Klimaanlage kann sehr schlafentscheidend sein. Fast immer ist sie entweder zu laut oder zu kalt. Oft wachen wir nachts auf, um sie abwechselnd aus- und wieder anzustellen. Ökologisch ist das alles nicht. Man sollte eine extra Kategorie einführen bei Booking, die die Qualität der Klimaanlage mit bewertet.

Ein weiteres Kriterium für mich ist vor allem der Ausblick. Ich liebe es einfach, auf die Berge oder erst recht auf das Meer zu blicken, und das war mir schon so manches Mal – sofern bezahlbar – einen kleinen Aufpreis wert. Hier in Chiang Mai werden wir weder in Sachen Zimmer noch Ausblick enttäuscht. Das Zimmer ist sauber, schick und mit einem Schreibtisch dabei. Wir schauen durch ein großes Fenster in die Ferne, über Dächer, Bäume und sogar einige tempelartig aussehende Dächer. Auch ein Schreibtisch oder wenigstens eine Kommode ist für uns auch nicht unerheblich, wenn man Remote Schooling und Office macht.

Entspannung überfällig

Ein erster Erkundungsgang in Chiang Mai ist sehr entspannt, da es hier nicht so viel Verkehr gibt, kein Hupen der Autos wie in Indien und überall nette Cafés. Viele haben nicht nur Tische an der Straßenfront stehen, sondern man kann in den ersten Stock gehen, in dem es fast wie in einem Wohnzimmer aussieht und nicht mehr wie in einem Café. Oft haben wir diesen Raum sogar für uns. Es sind zwar schon einige Touristen in chiang Mai, aber ich habe den Eindruck, dass trotz allem keine Hochsaison herrscht. Oder es gibt einfach ein Überangebot. Wir laufen immer wieder an leeren Restaurants vorbei und an den zahlreichen Massagesalons, vor denen die Masseurinnen sitzen und sich langweilen. Ich frage mich, wie die alle existieren und überleben können.

Da bei einem Salon gerade eine „Schulter-Nacken-Kopf-Massage“ reduziert im Angebot ist, buche ich spontan eine Massage, jeweils für Joshua und für mich. Wir beide können es gut gebrauchen, denn das Arbeiten unter unterschiedlichsten Bedingungen – manchmal vom Hotelbett aus, an Kommoden, in Cafés, auf Gartenstühlen oder sonstwo – beansprucht uns doch ganz schön. Ohne Yoga hätte ich möglicherweise schon einen Rückenschaden, aber so bleibe ich flexibel und gewöhne mich an alles. Wir fühlen uns manchmal schon wie die Hipsters, die in Berlin Prenzlberg abhängen und den ganzen Tag im Café arbeiten. Trotzdem freue ich mich schon wieder auf meinen großen Schreibtisch und den richtigen Monitor. Die Nackenmassage ist allerdings kein Zuckerschlecken, sondern ziemlich schmerzhaft. Bei Joshua sind sie vermutlich etwas vorsichtiger, aber meine Masseurin geht so richtig hart in meine Nackenverspannungen hinein. Naja, Hauptsache, es hilft. Wir gehen gleich am nächsten Tag nochmal hin.

Und wieder im Krankenhaus!

Das, was die Beliebtheit von Chiang Mai ausmacht, sind jedoch nicht die Massagen, sondern wohl eher die vielen Dinge, die man hier unternehmen kann. Von einer Tempeltour über River Rafting bis hin zu thailändisch kochen ist alles dabei. Doch unser erster Ausflug führt uns erstmal in die Klinik. Denn wir sollten eine Woche nach Joshuas Entlassung aus dem Krankenhaus nochmal einen Check machen. Das Krankenhaus hier in Chiang Mai ist allerdings nicht so „klein und fein“ wie auf Ko Phangan. Wir müssen länger in einem überfüllten und ungemütlichen Wartezimmer sitzen, bis wir drankommen. Doch der zuständige Arzt ist nett, empfiehlt uns, die „Night Safari“ und gibt uns grünes Licht für die weitere Reise.

Grünes Licht für bunte Laternen

Für das Wochenende schau ich bei GetYourGuide nach Aktivitäten für das Wochenende. Wir starten mit einer Tuktuk-Tour zu Tempeln und Night Markets. Joshua liebt Tuktuk Fahren und auch Night Market klingt gut. Den Preis von € 33,00 finde ich auch ok. Doch statt uns durch die Tempel zu führen und Dinge zu erklären, kutschiert uns der Tuktuk-Fahrer jeweils zu einem Ort, lässt uns dort raus und wartet, bis wir zurück sind. Nun gut, das hätten wir uns auch günstiger selbst organisieren können. Aber egal, es ist bequem und wir müssen uns nirgendwo um ein Taxi kümmern. Der Night Market ist beeindruckend, aber noch mehr sind es die vielen Lichter und Kerzen, die wir in der ganzen Stadt verteilt sehen. Denn wir schon erwähnt ist hier am Wochenende das berühmte Loy Kratong Festival, zu dem Menschen sogar aus ganz Thailand und auch aus aller Welt extra nach Chiang Mai kommen.

Loy Krathong ist ein thailändisches Lichterfest, bei dem Menschen schwimmende Blumenkränze auf Flüssen und Seen platzieren, um ihre Dankbarkeit gegenüber dem Wasser zu zeigen und schlechtes Karma loszuwerden. Das Ganze wird dann in Kombination mit vielen Kerzen, Laternen und zahlreichen Festlichkeiten begangen. Aus dem Tuktuk heraus bekommen wir einen schönen Eindruck von den vielen Lichtern und Laternen. Auf der alten Stadtmauer stehen sogar echte Kerzen!

Rasend durch den Dschungel

Am Samstag ist dann etwas mehr Action angesagt. Wir wollen zum Hochseilgarten, die mit einer 800 Meter langen Seilbahn wirbt. Mehrere Stationen, davon die meisten als Zipline und zurück mit einem Miniaturtrain. Hört sich vielversprechend an, aber ein bisschen Bammel hab ich ja auch. Sind die Sicherheitsvorkehrungen hier auch genauso streng wie bei uns? Ein Restrisiko bleibt immer. Wir waren auch in Deutschland schon öfters im Hochseilgarten und lieben dieses Gefühl von Adrenalin, wenn man Schritt für Schritt immer höher klettert, auf der Plattform steht, sich vielleicht ein wenig überwinden muss, um dann loszurasen in das Nirgendwo hinein. Hier ist es etwas anders. Keine große Einführung per Video, kein umständliches selbst anziehen der Klettergurte. Wir bekommen zwei Guides an die Seite, die uns direkt die Klettergurte verpassen, und los geht’s. Sie begleiten uns sogar durch die gesamte Zipline hindurch. Also nix mit zögern oder nochmal nach unten schauen, wir werden an jeder Station sanft vorgeschubst, und schon geht’s jauchzend durch den Dschungel. Nebenbei machen sie noch Fotos und Videos von uns, um wie immer alles schön festzuhalten. So sind wir entsprchend schnell durch, bekommen unser im Paket inbegriffenes Lunch und fahren zufrieden mit der Mini-Eisenbahn zurück.

Taxis in Asien – immer ein Abenteuer

Doch das Highlight unseres Aufenthaltes in Chiang Mai ist definitiv der von unserem „Arzt“ empfohlene Night Safari. Diesmal buchen wir keine Tour dafür, weil die nette Rezeptionistin uns empfiehlt, einfach selbst mit dem Taxi hinzufahren. Taxi fahren ist Asien ist auch so eine Sache. Es ist zwar viel billiger als bei uns in Deutschland, aber es ist nicht immer so leicht, ein Taxi zu bekommen, und dann noch mit einem Fahrer, der einen übers Ohr haut oder ein Vielfaches vom üblichen Preis nimmt. Gerade in Indien ist es leider Standard, dass die Taxifahrer einen abzocken wollen oder hinterher mehr verlangen als vereinbart – mit irgendeiner fadenscheinigen Ausrede wie „Es war Stau“ (ach ja? Kommt vor…) oder „ich habe den Weg nicht gefunden und war länger unterwegs“ (nun, das sollte doch ein Taxifahrer eigentlich draufhaben und nicht auf den Kunden abgeschrieben, oder?) Jedenfalls haben wir gerade in Indien schon alle möglichen schlechten Erfahrungen gemacht, bis hin zu aufdringlichen Taxifahrern, als ich damals alleine in Indien unterwegs war. Mit großer Freude haben wir daher „Uber“ entdeckt. Bei uns in Deutschland hat sich das nicht durchgesetzt, aber in Indien war es einfach praktisch: du kannst es online bestellen genau zu dem Ort wo du bist, gibst den Zielort ein, der Fahrer weiß genau wohin es geht, und meist sind es junge, zurückhaltende Studenten, die uns nicht bedrängen und auch sehr ruhig fahren. Die Autos sind modern, bequem und klimatisiert – und mit E-Antrieb! In Delhi und Mumbai haben wir das sehr zu schätzen gelernt.

Hier in Thailand wird uns „Grab“ empfohlen, das nach dem gleichen Prinzip sehr gut funktioniert. Wir nehmen also ein „Grab“ Taxi zur Night Safari und werden gleich mit riesigen Elefantenstatuen aus Marmor begrüßt. Elefanten gehören zum Inventar von Thailand wie die Kühe zu Indien. Selbst die Handtücher in den Hotels haben wir schon zu Elefanten gefaltet bewundern dürfen. Auch in der „Night Safari“ stellen wir wieder fest, wie gut hier alle durchorganisiert sind. Direkt mit dem Eintrittsticket erhalten wir einen genauen und abgepassten Zeitplan, was wir wann machen können: Erst mit der Tram auf Safari, dann Dance Show, dann Water Show, dann Tigershow. Es wirkt hier ein bisschen wie im Disneyland, nur nicht so groß und verwirrend. Trotz allem werden wir nicht enttäuscht.

Tanzende Grizzlys bei Vollmond

Es ist wirklich ein tolles Erlebnis, mit der offenen „Tram“ bei Vollmond durch das Gelände zu fahren und alle möglichen Tiere – wohl gemerkt nur wenige einheimische, sondern eher andere Tiere – in ihrem Gehege zu sehen, auf das dann extra die Scheinwerfer gerichtet werden. Es scheint die Tiere nicht zu stören. Einige machen sogar fast eine Show daraus. Ob sie darauf trainiert wurden? Das Zebra scheint uns regelrecht zuzulächeln, als wir vorbei fahren, der braune Grizzly Bär richtet sich zu seiner vollen Größe auf, und eine Giraffe kommt sogar ganz nah an uns heran. Der Guide drückt Joshua eine Banane in die Hand, und er darf sie damit füttern und sogar noch streicheln. Sicherlich ein Erlebnis, das ein Zehnjähriger nicht so schnell vergisst. Zahlreiche Smart Phones werden in die Höhe gerichtet, um diesen Moment festzuhalten. Ich will nicht wissen, in wie vielen japanischen, thailändischen und sonstigen digitalen Fotoalben wir landen werden. Ich habe den Eindruck, dass die Asiaten mittlerweile den Großteil ihrer Erlebnisse nur noch durch das Display ihres Smart Phones sehen, da sie ständig am Filmen und Fotografieren sind. Wobei das sicherlich eine Entwicklung ist, die auch bei uns nicht aufzuhalten ist.

Beim nächsten Highlight kann jedoch auch ich kaum mein Smartphone aus der Hand legen. Uns wird eine Wassershow ohne Gleichen geboten, in dem Fontänen, Farben, Bilder und Musik perfekt abgepasst zu einer beeindruckenden Show komponiert wurden. Ein tolles Highlight, das alle Zuschauer vom Rande des Ufers aus gebannt verfolgen und – natürlich filmen.

Da kann die nachfolgende „Tiger Show“ noch so sehr mit im Käfig hoch springenden Tigern und Löwen aufwarten, das ist kaum noch zu toppen. Wir bewundern noch ein paar Hindernisläufe der Raubtiere, einen Leoparden, der unter Wasser taucht – was wir dank eines gläsernen Beckens gut mitverfolgen können – und ein paar Nachttiere, die von einem Bau in den anderen hüpfen. Alles verbunden mit fetziger Musik und einer lauten Stimme, die auf thailändisch und in leider unverständlichem Englisch alles kommentiert. Dafür, dass wir nachmittags gar keine Lust hatten, uns aufzuraffen, muss ich sagen: es hat sich gelohnt!

Nach dieser Woche in Chiang Mai kann ich sagen: Es ist ein Ort, an dem man sich gut länger aufhalten kann. Doch wir müssen leider weiterziehen und nehmen am nächsten Tag den Nachtbus nach Bangkok. Warum wird nach Bangkok müssen, das erfährst du im nächsten Blogartikel.

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Erholung und Action auf Koh Samui

„Your boy is young and strong, so he is improving much faster than supposed”, sagt uns der Doktor bei der nächsten Visite und gibt Entwarnung. Wenn alle Blutwerte gut seien, dann könne mein Sohn bereits morgen aus dem Krankenhaus entlassen werden. Was für eine Erleichterung! Am Tag zuvor hatte alles noch ganz anders ausgesehen, und ich dachte, ich müsste mir Sorgen machen bzw. alsbald mit Joshua nach Hause fliegen. Nun sieht die Welt schon wieder anders aus. Alles halb so wild! Dennoch ist mit einer solchen Magen- und Niereninfektion nicht zu spaßen und ich wollte in jedem Fall sicher gehen. So habe ich den „Medical Report“ dieses Krankenhauses an Joshuas Kinderarzt sowie an verschiedene befreundete und bekannte Ärzte geschickt und von allen Seiten grünes Licht für die Weiterreise bekommen.

Beschwingt gehe ich an diesem Tag mal für eine Stunde raus, finde einen Markt, auf dem ich ein paar Souvenirs und Mitbringsel kaufen kann, und den in Thailand überall vorhandenen 7/11 Shop, also eine Art modernen Mini-Supermarkt, wo wir uns immer mit Getränken, Chips und Keksen eindecken können. Es dauert dann zwar doch noch eine Nacht länger als geplant, aber schließlich können wir nach 4 Nächten im Krankenhaus gehen. Was für ein Luxus: wir werden mit dem krankenhauseigenen Pick-Up direkt zum Bootsanleger von Ko Phangan gebracht.

Endlich wieder Meer

Ich habe für uns erstmal ein Zimmer in einem schönen Hotel am Meer auf Koh Samui gebucht. Von dort aus ist der Flughafen in der Nähe – für alle Fälle – und wir können uns in Ruhe von dem Stress erholen und dann weiterschauen. So genießen wir es die nächsten Tage, am Pool oder im wunderbaren Zimmer mit Weitblick über das Meer zu relaxen. Wir  schreiben Weihnachtskarten, holen etwas Schule nach und ich meine liegen gebliebene Arbeit.

In der Zeit im Krankenhaus hatte ich fast jeden Tag darüber nachgedacht, ob nicht alles einfacher wäre, wenn wir direkt nach Hause fliegen. Grund genug hätten wir ja schließlich. Doch irgendwie spüre ich, dass es sich für uns beide noch blöder anfühlen würde, wenn wir die Gelegenheit für die restlichen Wochen nicht noch nutzen würden, um das Beste draus zu machen. Also schaue ich nach Möglichkeiten, um etwas Schönes zu unternehmen.

Jetzt erst recht: auf zu den Elefanten

Über die App „Get your Guide“ suche ich verschiedene Unternehmungen raus. Es beginnt mit einer Tour zu einem „Elephant’s Sanctuary“. Wir werden direkt vom Hotel abgeholt und zu der „Elefanten-Station“ gefahren. Hier leben 13 Elefanten, die aus unwürdigen Verhältnissen gerettet wurden. Es geht ihnen gut hier, sie haben ein riesiges Gelände zur Verfügung, werden von Touristen gefüttert, aber keiner reitet auf ihnen und sie werden auch nicht als Zirkustiere o.ä. missbraucht. Die Stiftung zur Rettung von Elefanten lässt es sich ganz schön was kosten: Umgerechnet € 30.000 kostet der Kauf eines Elefanten, um ihn zu retten.

Dafür braucht es viele Spendengelder und viele Tourist:innen, die bereit sind, auch etwas höhere Eintrittspreise zu zahlen. Dafür bekommen wir aber wirklich etwas geboten. Auf einer Art Steg können wir einen Rundgang machen und von oben die Elefanten füttern, zunächst aus sicherer Entfernung. Wir bekommen Bananen und Palmenblätter, die uns von deren Rüsseln dankbar aus den Händen gerissen werden. Die Rüssel sind ja quasi Nase und Greifarm zugleich. Die Elefanten haben dabei eine interessante Technik, indem die mit ihrer „Nase“ nach der Banane (inkl. Schale natürlich!) greifen und diese gleichzeitig ansaugen und zum Mund führen. Wir Menschen würden es vermutlich nur schwer hinkriegen, einen Strohhalm oder ähnliches mit der Nase so festzusaugen, dass er nicht runterfällt. Später dürfen wir tatsächlich noch näher auf Tuchfühlung mit den Elefanten gehen und werden direkt in das Gehege gelassen. Wie zahm und zutraulich diese Tiere sind!

Das letzte Mal habe ich Elefanten gesehen, als ich eine Safari durch den Krügerpark in Südafrika gemacht habe. Da haben wir die riesigen Tiere nur aus sicherer Entfernung sehen können und es hieß sogar „Achtung! Es ist schon vorgekommen, dass die Elefanten mit den Autos Fußball gespielt haben.“ Nicht sehr beruhigend. Hier sind die grauen Riesen so zutraulich, dass sie uns sogar mit ihrem Rüssel „in den Arm nehmen“, wenn wir uns ihnen nähern. Was für ein Spaß für alle Tourist:innen, die sich dabei natürlich reihenweise gegenseitig fotografieren und filmen. Dies war sicherlich eine Tour, die man im Leben nicht so oft erlebt. Aber sie war definitiv ihre Zeit und ihr Geld wert und gerade für Kinder ein tolles Erlebnis!

Nach dieser Tour haben wir erstmal einen Tag Erholung im Hotel eingeplant, damit Joshua nach dem Krankenhaus-Schock nicht direkt überfordert ist. Es regnet zwar vormittags noch oft, aber meist hört der Regen dann auf, und es ist bewölkt. Genau richtig, weil es dann mal nicht mehr so heiß ist. Und auch sonst stört es uns überhaupt nicht, da Joshua wegen der Antibiotika eh noch nicht in die Sonne darf.

Insel-Achterbahn mal anders

Das nächste Abenteuer klingt genauso vielversprechend: eine Jeep-Tour über die Insel Koh Samui. Wir werden mit einem ausrangierten Militärjeep vom Hotel abgeholt und gemeinsam mit 6 anderen Reisenden zu verschiedenen Tempeln gekarrt. Dort stellen wir fest, dass zu dieser Tour noch 3 weitere Jeeps á 8 Personen gehören – das wirkt dann doch etwas wie Massenabfertigung, aber egal. Ein umtriebiger Reiseleiter ist für die gesamte Schar zuständig und erklärt alles auf englisch und dann sogar auf deutsch. Allerdings spricht er dabei so schnell und undeutlich – wie auswendig gelernt – dass wir nicht wirklich verstehen, worum es geht. Er erzählt von Mönchen und Buddhas und vom Großvaterfelsen, der eher aussieht wie ein überdimensionierter Phallus. Nachdem die Tempel „abgehakt“ sind – für Joshua eher nicht so aufregend – beginnt der coole Teil der Tour. Ab geht’s in die Berge und auf kleine Straßen, sozusagen „offroad.“ Jetzt dürfen wir uns oben auf das Dach setzen und den Fahrtwind genießen. Sicherheitstechnisch wäre sowas in Deutschland ein absolutes No-Go –  aber hier nimmt man es nicht so genau. Ab und zu müssen wir uns ducken, damit uns kein Ast oder Palmblatt ins Gesicht fliegt, es geht manchmal ziemlich steil bergauf und bergab, die schwarzen Abgase von dem Jeep vor uns wehen uns in die Nase, aber es macht uns allen einfach einen Heidenspaß!

Beim darauffolgenden Mittagessen lernen wir unsere Mitreisenden ein wenig kennen: Francesca aus Kanada, die mit einem Bekannten unterwegs ist. Diana, um die Mitte 40, aus Germersheim, die gemeinsam mit ihrem Vater Gunter reist ist sowie ein weiteres Pärchen. Sie ist Engländerin aus London, er Amerikaner aus Boston, und sie haben sich in Boston beim Studium kennengelernt. Da sie nicht dauerhaft in den USA bleiben konnte, führen die beiden nun im wahrsten Sinne des Wortes eine Fernbeziehung. „We fly a lot“ sagt der Typ nur dazu. Alle 2 Monate besuchen sie sich gegenseitig. Wir machen uns in Deutschland Gedanken über das Fliegen – aber wo die Liebe hinfällt, da kann man eben nichts machen.

Da unsere Mitfahrer lieber unten auf der etwas ruhigeren Bank sitzen bleiben, nutzen Joshua und ich die Gelegenheit, weiter auf dem Dach zu fahren, die frische Luft zu genießen und die tropische Palmenlandschaft an uns vorüberziehen zu lassen. Ein schöner Abschied von dieser Insel – denn morgen geht es weiter nach Chiang Mai, in den Norden von Thailand.

Du möchtest weitere Bilder, Berichte und Videos von der Reise sehen? Dann schau mal vorbei unter https://happiness.community/reiseblog/

Angekommen im Paradies – und am Tiefpunkt der Reise

Endlich weg aus Indien! Was freuen wir uns darauf, nach Koh Samui zu fliegen, uns an einem schönen Strand eine Weile niederzulassen und einfach nur die Seele baumeln zu lassen! Schon der Transfer am Flughafen Bangkok ist klasse organisiert. Direkt nach dem Ausstieg aus der Maschine erwartet uns eine Flughafenmitarbeiterin mit einem Schild und führt uns im Schnellschritt durch den riesigen Flughafen. Anscheinend ist der Anschluss nach Koh Samui wohl doch sehr knapp. Nix mit Duty Free Shopping Bummel, etwas trinken oder mal irgendwo umschauen. Erst am Gate ist Ruhe. Aber es ist irgendwie auch schön, mal nicht mehr nur unter Indern zu sein, sondern wieder „westliche Touristen“ zu sehen. Man könnte fast meinen, der Flug ginge von Dortmund nach Mallorca.

Bei Ankunft auf Koh Samui merken wir den Unterschied: Wir stehen an einem Mini-Flughafen und warten auf das Gepäck, in feucht-tropischer Hitze. Gekkos laufen an der Wand, die halb offene Halle hat nur ein Bambusdach. Immerhin, unser Hotel-Shuttle ist ein moderner Kleinbus mit super Klimaanlage. Und das Resort, in dem wir uns für die ersten Tage eingemietet haben, ein Traum! Ein großes Zimmer mit Terrasse, direkt dahinter der Pool, Blick auf das Meer, dann direkt weißer Sandstrand. Das heißt, vom Zimmer aus können wir in den Pool hüpfen, von dort aus ins Meer und wieder zurück. Für Frühstück und Abendessen gibt es ein nettes Restaurant direkt am Meer, abends werden sogar die Tische und Stühle direkt am Strand aufgestellt. Angekommen im Paradies!

Paradies mit Hindernissen

Und doch ist das Leben nun mal kein Hollywood-Film mit Happy End. Wozu auch? Das wäre letztendlich langweilig und würde uns nicht weiterbringen im Spiel des Lebens. Eigentlich könnten wir uns jetzt zurücklehnen und genießen. Eigentlich. Doch das, was sich schon in den Wochen vorher abgezeichnet hatte, spitzt sich jetzt zu: Die Patchwork-Konstellation ist doch nicht so einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten. Es kommt immer wieder zu Interessenskonflikten, Unverständnis und Diskussionen. Es fällt uns schwer, konstruktiv zu bleiben, ohne in Vorwürfe abzurutschen. Ich stehe zwischen den Stühlen und schaffe es nicht, die Balance zu halten in unserem „Dreierteam“. Es fühlt sich so an, wie wenn ich machen kann was ich will, aber einer fühlt sich immer benachteiligt. Für uns alle ist es anstrengend.

Wir suchen nach Möglichkeiten. Vielleicht eine Weile getrennt weiterreisen? Die Reise komplett abbrechen? Alles scheint sinnlos und nicht passend. Ein weiterer Faktor kommt jedoch hinzu, der uns am Ende die Entscheidung abnimmt: Michaels Gesundheitszustand. Er hatte bereits in Indien hohes Fieber gehabt. Dieses konnte dort zwar mit Medikamenten gedämpft werden, aber es blieb ein ständiges Kribbeln in seinen Händen, bis diese am nächsten Morgen auf Koh Samui völlig gerötet und geschwollen waren. Somit wurde klar, dass die Reise für Michael hier – zumindest vorerst – beendet sein würde. Nach einem schweren Abschied stieg er noch am selben Abend in den Flieger zurück nach Deutschland. Dort stellte sich dann heraus, dass die Entscheidung richtig war: Er hatte sich tatsächlich Dengue-Fieber eingefangen. Zum Glück konnte er gut behandelt werden und ist mittlerweile wieder wohlauf.

Ich fahre am nächsten Morgen mit Joshua alleine zur Nachbarinsel Ko Phangan weiter. Die Bungalows dort liegen zwar direkt an einem wahren Traumstrand, aber es ist durch all das Geschehene auch bei uns ein wenig Ernüchterung und „Reisemüdigkeit“ eingetreten. Joshua vermisst seine Freunde zu Hause, ja sogar die „normale Schule“ und auch die kühlen Temperaturen. Es mag paradox klingen, aber irgendwann ist es tatsächlich so: du kannst am schönsten Strand sein, quasi im Paradies, und irgendwann ist es nichts Besonderes mehr. Irgendwann reicht es, morgens ins Meer zu springen, schnorcheln zu gehen, nachts zu schwitzen oder zu frieren – je nach Klimaanlage. Es nerven die Mücken im Bungalow, die Lautstärke der Klimaanlage, die Mini-Ameisen, die überall auftauchen, sobald man irgendwo auch nur Spuren von Essen hinterlässt. So sehr wir uns zu dritt auch gerieben haben, zu zweit ist es gerade auch schwer – wie wenn die Luft raus ist. Ich bin sehr dankbar, dass ich liebe Freundinnen habe, die mir alle von Herzen her ihre seelische Unterstützung und Telefonate anbieten.

So nehme ich mir abends immer mal eine kleine Auszeit, setze mich an den Strand und rufe eine Freundin an. Dank moderner Technik und der Möglichkeit von Whatsapp-Call klappt das super und hört sich an wie 2 Straßen weiter. Auch Joshua freut sich, dass er auf die Weise – meist verbunden mit gemeinsamem Gaming – den Kontakt mit seinen Freunden halten kann.

Zen Beach ohne Zen

Ein weiterer Lichtblick ist Isabell mit ihrer Familie. Ich hatte sie zufällig auf dem Hotelflur in Agra, Indien, kennengelernt. Ich kam von einem Coaching-Call, den ich unten im Restaurant geführt hatte, sie mit ihrem kleinen Sohn vom Swimming Pool. Da ich hörte, wie sie mit ihm deutsch sprach, sprach ich sie direkt an. Schließlich sieht man auf einer solchen Reise nicht sehr oft andere Eltern mit Kindern. Tatsächlich, sie war allein mit ihrem Vierjährigen unterwegs, würde sich dann auf Ko Phangan mit ihrem Freund treffen. Wir tauschten direkt Kontaktdaten aus, gingen abends zusammen essen und verabredeten uns auf Ko Phangan. Hier im Resort gibt es also nun ein freudiges Wiedersehen mit Isabell, ihrem Sohn und ihrem Freund.

Sie kennt sich hier aus und will mit uns zum „Zen Beach“ gehen, das ist der bekannte und beliebte Hippie-Beach, zum Sonnenuntergang schauen. Als wir dort ankommen, scheint es mir jedoch eher so, dass dies der „Angeber-„ und „Poser-Beach“ der Insel ist. Es gibt eine Bar mit Sonnenliegen und Stühlen, an der man günstig Gin Tonic, Bier und spezielle „Kekse“ bekommen kann – was ich von Amsterdam kenne, aber hier nicht erwartet hätte. Wir halten uns lieber an Gin Tonic.

Joshua ist zusammen mit Isabells Sohn Marlon trotz des Altersunterschiedes damit beschäftigt, Sandburgen zu bauen. Isabel, ihr Freund Vivian und ich quatschen und beobachten dabei das „Szenepublikum“ an diesem Beach. Ein langhaariger, etwas verlebter Typ geht rum und verkauft irgendwelche bewusstseinserweiternden Substanzen an die in Gruppen rumsitzenden Leute – bevorzugt Mädels. Man sieht hier aber auch zahlreiche muskulöse, tätowierte Typen mit langen Haaren oder einem „Männerdutt“ – also dieser typischen Yoga-Spiri-Frisur, die man an Orten sieht, wo die Leute sich für besonders spirituell und gleichzeitig hip halten. Einer von ihnen steht direkt vorne am Strand und macht irgendwelche Yoga- oder Tai Chi Verrenkungen, damit auch alle sehen können, wie toll er sich darstellt. Oder ist er einfach nur high? Wir erkennen es nicht. Einige Frauen kommen im knappen Bikini und versuchen sicher zu gehen, dass schon ihr Auftritt und die Art, wie sie sich an den Strand legen, zum sensationellen Erlebnis für die Zuschauer wird. Zum Glück färbt sich jetzt der Himmel rot zum Sonnenuntergang, und ich widme mich lieber dem weitaus authentischeren Schauspiel der Natur, statt mir diese skurrile Schauspielerei der Poser und Pseudo-Spiris weiter anzuschauen. Trotzdem ist es irgendwie lustig, und wir gehen am nächsten Tag wieder zum Zen Beach.

Ich versuche weiterhin, so gut es geht, diese Zeit mit Joshua schön zu gestalten, auch wenn es in mir stimmungsmäßig anders aussieht. Wir machen eine längere Schnorcheltour, mieten einen Roller, toben im Pool, gehen am Strand auf und ab und sammeln im Wasser Korallen. Außerdem haben wir jetzt endlich eine Online-Schule gefunden, über die Joshua Kurse machen kann. Langfristig ist es doch einfacher, wenn jemand „von außen“ ihm Schulaufgaben gibt als immer nur Mama.

Wenn Tiefpunkt, dann richtig!

Noch am selben Abend wird jedweder Versuch, das Beste aus diesen Tagen zu machen, wieder jäh zerstört. Gerade habe ich mit einer Freundin telefoniert und komme zurück in den Bungalow, da ist Joshua plötzlich ganz heiß und liegt apathisch auf dem Bett. Die Messung ergibt: 39 Grad Fieber. Ich gebe ihm Paracetamol, in der Hoffnung, dass es wieder runtergeht. Am nächsten Tag scheint es etwas besser, doch abends wieder Fieber. Ich hatte mich schon vorab bei der Rezeption erkundigt, ob man einen Arzt kommen lassen kann, doch der junge Ami dort sagte mir, dass wir selbst ins Krankenhaus fahren müssen. Samstag morgen sind es 39,5 Grad Fieber. Jetzt heißt es, schnell handeln! Ich packe schonmal vorsorglich unsere Taschen, nehme die beiden Handgepäckrucksäcke und bestelle das Taxi zum Krankenhaus. Sicherlich sind wir gegen Mittag wieder zurück, denke ich noch. Draußen regnet es in Strömen und gewittert so laut, dass wir bei jedem Donnerschlag zusammenzucken.

Ein Taxi auf Ko Phangan bedeutet: Eine Art Mini-LKW, wo die Fahrgäste hinten auf der Ladefläche – mit Dach, aber ansonsten offen – auf 2 Bänken gegenüber sitzen. Das bedeutet für uns, dass der starke Regen ordentlich hineinpeitscht und wir uns notdürftig mit einem Handtuch schützen müssen. Nach einem Kilometer Fahrt beginne ich zu bezweifeln, dass wir mittags zurück aus der Klinik sind. In einer spontanen Eingebung bitte ich den Fahrer, umzudrehen, um auch unser restliches Gepäck zu holen. Also wieder zum Bungalow, im strömenden Regen die beiden schweren Taschen auf die Ladefläche gehievt und weiter zum Krankenhaus. Dieses ist im gleichen Ort, in dem auch das Boot nach Koh Samui fährt. Das ist schonmal gut.

Erste Erleichterung bei der Diagnose des Arztes: Kein Dengue. Aber dafür eine Infektion im Darmbereich. Er muss auf jeden Fall die Nacht hier bleiben. Eine deutsche Frau, die hier arbeitet, gesellt sich zu uns und beruhigt uns ein wenig. Wir brauchen uns keine Sorgen zu machen, und natürlich darf ich als Mama mit auf dem Krankenhauszimmer übernachten. So werden wir auf das Zimmer gebracht und erleben eine freudige Überraschung: Ein wirkliches Luxuszimmer, besser als in so manchen Hotels, in denen wir übernachtet haben. Es empfängt uns sanfte SPA-Musik vom Fernseher, auf dem Traumstrandbilder von Thailand gezeigt werden. Neben dem „Krankenbett“ von Joshua haben sie eine Liege für mich aufgebaut. Es gibt sogar eine kleine Küchenzeile mit Wasserkocher, Instant Nudeln, einer Mikrowelle, Minibar und einem Kühlschrank. Hier können wir es sicherlich gut aushalten. Ein Hoffnungsschimmer. Doch wir werden eines anderen belehrt.

Step by Step geht immer

Am nächsten Tag heißt es, wir müssten aufgrund der Symptome mindestens eine Woche bleiben. Ich bin ziemlich am Boden zerstört, kann kaum noch klar denken und weiß überhaupt nicht mehr, wie es weiter gehen soll. Außerdem mache ich mir Vorwürfe – dass ich es zu spät gemerkt habe, dass ich die Reise überhaupt gemacht habe, alles bricht über mir zusammen. Ich hadere sehr mit dem „Schicksal“ – wozu? Wozu nur soll es gut sein, das Ganze hier zu erleben? Wir wollten uns gemeinsam einen Traum erfüllen mit dieser Reise. Und jetzt zerbricht alles in Scherben. Es fällt mir schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Ich kann einfach nur noch irgendwie den Moment überstehen, von einem Tag auf den nächsten. Meine Traurigkeit über den Verlauf der Reise, meine Sorge, meine Anspannung – gerade echt schlimm. Der Himmel draußen weint mit – es stürmt und regnet, die Palmwipfel draußen vor dem Fenster bewegen sich heftig im Wind.

Das Leben schöpferisch gestalten – jeden Tag

Dabei weiß ich ja letztendlich, dass das alles Luxusprobleme sind. Andere Menschen leiden unter Krieg, Armut, chronischen Krankheiten. Doch das ist ja nicht immer ein Trost für die eigene Situation.

Und ich kenne doch alle Methoden, die helfen, um solche Situationen zu überstehen: lachen, etwas Gutes für mich tun, meditieren – all das, was ich schließlich auch in meinen Kursen und Workshops meinen Teilnehmer:innen erzähle! Trotzdem bin ich wie gelähmt und beherzige nur den einen Tipp, den ich auch anderen gebe: Mach dich nicht noch selber runter, wenn du all das gerade nicht schaffst und einfach nur traurig und besorgt bist! Dann ist es gerade so und darf angenommen werden. Mir hilft im Moment nur eins: nicht groß nachdenken, einen Tag nach dem anderen leben, im Hier und Jetzt. Und irgendwo tief in mir drin habe ich trotz allem das Vertrauen, dass alles wieder gut wird – egal wie.

Das Einzige, was ich schaffe, ist morgens eine kleine Meditation zu machen und immer wieder ein paar Sätze von Kurt Tepperwein zu lesen, die mir Hoffnung machen:

„Sie können aus JEDEM Augenblick etwas ganz Besonderes machen. Realität ist JEDERZEIT bereit JEDE gewünschte Form anzunehmen und das Leben wartet NUR auf Ihre „Anweisungen“. Der erste Schritt ist aufzuwachen aus dem Traum, wach zu sein und sich bewusst zu machen, wer Sie sind, wer Sie WIRKLICH sind. Das Leben ist ein Spiel, in dem Sie nur gewinnen können, aber es geht nicht darum, zu gewinnen, sondern das Spiel zu genießen.“ Kurt Tepperwein

Ja, das Spiel des Lebens. Es ist eben nicht immer eitel Sonnenschein und happy happy. Es ist ein ordentlich geschnürtes Päckchen, das aus Aufgaben, Herausforderungen und auch Geschenken besteht. Selbst wenn ich die Geschenke im Moment noch nicht erkennen kann – ich bin mir sicher, es gibt welche. Und so bestätigt sich wieder genau das, was ich auch in meinen Kursen und Vorträgen und Seminaren versuche zu vermitteln: Es geht nicht darum, dass alles immer perfekt läuft im Leben. Sondern es geht darum, die Krisen des Lebens mit Zuversicht zu meistern, sich immer wieder aus der Opferhaltung (warum nur passiert mir das?) zu befreien und schöpferisch tätig zu werden. Und wenn es nur Tag für Tag ist. Es gilt, immer davon auszugehen, dass sich alles ordnet im Leben. Dafür muss manchmal vorher alles auseinander brechen, das wir uns mit unserem Ego so schön zurecht gelegt hatten. Die Buddhisten würden sagen „jede Anhaftung loslassen.“ Sobald wir an etwas festklammern, etwas unbedingt wollen, uns auf etwas verlassen, was sein soll, die „Schäfchen im Trockenen“ wähnen, dann macht uns das Leben halt mal eben so einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Danke, liebes Leben, für diese Extra-Lektion!

Immerhin: der nächste Tag in der Klinik bringt Entwarnung: Die Antibiotika wirken, die Symptome sind unter Kontrolle, und wenn alles klappt, dürfen wir doch am nächsten Tag raus. Endlich das Schlimmste geschafft! Doch ob wir wirklich raus dürfen und wie es dann weitergeht, das erfährst du im nächsten Blog…

Hier geht’s zurück zum Reiseblog, mit weiteren Bildern und Videos…

Herzlichst Angela

 

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Die folgende Geschichte hilft mir, zuversichtlich zu bleiben. Vielleicht findest du sie auch interessant.

Die Geschichte vom alten Mann und dem Pferd

Eine alte chinesische Geschichte erzählt von einem Bauern in einem armen Dorf. Er besaß ein Pferd, mit dem er pflügte und Lasten beförderte.

Eines Tages lief ihm sein Pferd davon. Seine Nachbarn riefen, wie schrecklich das sei, aber der Bauer meinte nur: „Wir werden sehen.“

Ein paar Tage später kehrte das Pferd zurück und brachte ein weiteres Pferd mit. Die Nachbarn freuten sich alle über sein günstiges Geschick, aber der Bauer antwortete erneut: „Wir werden sehen.“

Am nächsten Tag versuchte der Sohn des Bauern, das neue Pferd zu reiten. Das Pferd warf ihn ab und er brach sich dabei ein Bein. Die Nachbarn bekundeten ihm alle ihr Mitgefühl für dieses Missgeschick, aber vom Bauer hörten sie wieder nur ein: „Wir werden sehen.“

In der nächsten Woche brach ein Krieg mit dem Nachbarkönigreich aus. Alle jungen Männer aus dem Dorf sollten eingezogen werden, um im Krieg zu kämpfen. Doch den Sohn des Bauern wollten sie nicht, weil er ein gebrochenes Bein hatte.

Als die Nachbarn ihm sagten, was für ein Glück er hat, antwortete der Bauer: „Wir werden sehen.“